Städten gegründet, die Verbindung mit der Hauptstelle gepflegt werden. Ein großer, allumfassender, der deutsch- nationalen Sache durch stilles Wirken helfender Verein, das will die Deutsche Gesellschaft sein. Junge Gelehrte aus Posen werden in die einzelnen Städte geschickt werden, um Vorträge zu halten. Diese selbst sollen den Herren, die Sinn für künstlerisches und wissenschaftliches Streben haben, ein Vorbild sein, auch ihrerseits helfend mitzuwirken an dem großen Werke. Vereinshäuser sollen in den großen Städten gebaut werden, um ein Sammelpunkt deutscher Geselligkeit zu sein, aber auch um die Räume für Vorträge zu schaffen.
Es ist nur zu wünschen, daß derartige Unternehmungen von allen Seiten gefördert werden. Jede Stärkung -des kulturellen Selbstgefühls der deutschen Bevölkerung in Len polnischen Gebieten wird ihr dazu helfen, ihren Platz -dort zu behaupten, und die Polenfrage einer friedlichen 'Lösung im Laufe der Zeit zuzuführen.
Politische Tagesschau.
Ueber die schwere Niederlage der Engländer bei Brakenslaagte 'die unseren Lesern bekannte Vernichtung des Nachtrabs der Kolonne des Obersten Benson durch die Buren unter Louis Botha, berichtet ein Korrespondent des „Daily Telegraph" aus Pretoria noch interessante Einzelheiten. Er ist so ehrlich, die heroische Tapferkeit der Buren in seinem Berichte anzuerkennen. Der Kampf begann um 3 Uhr mit dem Angriffe der Buren auf das die Nachhut bildende 3. berittene Infanterie-Regiment. Da das Regiment hart bedrängt wurde, kam Oberst Benson ihm mit einer Schwadron des schottischen Reiterregiments, dem Porkshire-Regiment und zwei Geschützen unter Bedeckung einer Kompagnie Infanterie zu Hilfe und besetzte mit ihnen einen Hügel. Auf Liese Stellung machten 700 berittene Buren einen kühnen Angriff. In vollem Galopp, fortwährend schießend, kamen ssie heran, überritten die Infanterie und machten erst in :einer Schlucht kaum 40 Schritt vor den Geschlichen Halt, von wo aus sie ein tötliches Feuer auf die Engländer eröffneten. In kurzer Zeit waren die meisten Engländer imtf dem Hügel gefallen oder verwundet, aber die Buren ^konnten die Geschütze erst nach Eintritt der Dämmerung 'fortschaffen, da die englischen Geschütze vom Lager aus die Stellung bestrichen. Bon den 160 Mann, die den Hügel iverteidigten, sielen 123. Die schottischen Reiter verloren taou 80 Mann 73, das Yorsihire-Re giment litt in gleichem 'Verhältnis. Alle Offiziere bis auf einen fielen. Zu gleicher »Zeit machten die Buren einen Angriff auf das englische ^Lager, konnten es aber nicht nehmen, da es durch Schützen- lgräben zu gut geschützt war. Auf der Seite der Buren jsielen gegen 40 Mann und gegen 100 wurden verwundet, «unter ersteren Kommandant Oppermann, unter letzteren iEhristian Botha, ein Vetter des Generals. Diese Angaben sstammen von den englischen Aerzten, die nach dem Kampfe chas von den Buren besetzte Schlachtfeld besuchten.
Aus Stadt uud Sand.
Nachrichten von allgenuinem Interesse sind uns stets willkommen und werden angemessen honoriert.
Gießen, 13. November 1901.
** Eine Verjährung alter Forderungen tritt mit Ablauf ,1901 in bedeutendem Umfange ein und zwar gerade der- -jenigen Forderungen, die sich aus dem täglichen Geschäftsverkehr ergeben und deshalb am häufigsten vorkommen. Alte 'Ansprüche, die jetzt einer zweijährigen Verjährungsftist unterliegen, werden also mit dem Ablauf des Jahres 1901 verjähren. Zu solchen schnell verjährenden Forderungen gehören besonders die Ansprüche der Handwerker für Lieferung von Waren und Ausführung von Arbeiten. Es einpfiehlt sich deshalb, eine Durchsicht der Bücher schleunigst vorzunehmen und bei den älteren Posten die geeignete Schritte zu thun, um der Verjährung vorzubeugen.
** Aus dem oberen Vogelsberg, 11. Nov. Gegenwärtig fist jetzt in unserer Gegend der Handel resp. Einkauf von Christ bäum en im Schwung. Es kommen Händler aus
Frankfurt a. M., der Gegend von Gelnhausen usw. hierher, um zu kaufen, das Stück zu 22 bis 23 Pfg., je nach Qualität. Im vorigen Jahre wurden Christbäume noch mit 17 bis 22 Pfennig verkauft. Infolge der vielen Aufforstungen in den letzten Jahren hat mancher Landwirt alljährlich eine schöne Einnahme, mitunter 300 bis 500 Mk., ohne daß seine Anpflanzung ruiniert wird, denn die Landwirte hoben früher die Fichtenpflanzen sehr dicht gesetzt.
Vermischtes.
• Ein Ueberbrettl-Scherz. Der „B B.-C." meldet aus Berlin: Eine lustige Episode gab cs Sonntagabend im „Bunten Brettl" am Alexander-Platz. Brennert's Kanzlei-Tragödie „Die Hasenpfote" wird dort abwechselnd von Dr. Arthur Pserhofer und Herrn Jaffe, der in dem Stück den ersten Schreiber spielt, vor dem Vorhang an- gekündigt. Sonntag annoncierte nun Pserhofer: „Wir führen jetzt die Hasenpfote auf." Dann nannte er die Mitwirkenden und fügte hinzu: „Eigentlich sollte Herr Jaffe heute die Ankündigung machen, er befindet sich aber noch in der Garderobe und hat keine Ahnung davon, daß ich ihn vertreten habe. Liebes Publikum, wenn jetzt Herr Jaffe kommt, lachen Sie, bitte, recht herzlich!" Kurze Zeit darauf tritt Jaffe mit feierlicher Miene vor den Vorhang — großes Gelächter. Er beginnt ahnungslos: „Wir führen jetzt „Die Hasenpfote" auf" — noch größeres Gelächter. Er nennt die mitwirkenden Personen — stürmisches, langanhaltendes Gelächter. Und Jaffü zieht sich, höchlichst verwundert über diesen durchschlagenden Heiterkeitserfolg, hinter den Vorhang zurück. (Ob dieser Herr Jaffe der Verfasser des hier neulich ausgeführten Dramas „Das Bild des Signorelli" ist, wissen wir nicht. Eine diesen Namen tragende Schauspielerfamilie ist bekannt, zu der aber der dramatische Dichter nicht zu gehören scheint. D. Ned.)
* Nachklänge vom Gu mb inner Militärprozeß. Die im Gumbinncr Militärprozeß als Zeugen aufgetretenen Wachtmeister Buckpetsch und Vizewachtmeister Schneider sind als Invaliden anerkannt und aus dem Militärdienst geschieden, nachdem sie den Zivilversorgungsschein nebst kleiner Pension erhalten hatten. Die Prämie von 1000 Mk. haben sie zwar dadurch verloren, doch ist ihre Schadloshaltung aus der Sammlung des Rechtsanwalts Horn zweifellos, da diese sich aus fast 8000 Mk. beläuft. Auch der Sergeant Hickel, der nicht zur Entlassung gelangt ist und über den bekanntlich noch das Reichsmilitärgerrcht Necht sprechen wird, ist auf seine Dienstbrauchbarkeit untersucht worden. Auch er ist als Ganzinvalide anerkannt und wird, sobald er endgiltig freigesprochen fein wird, ebenfalls eine Jnvalidenpension und den Zivilversorgungsschein erhalten. Ohne jede Ansprüche ist der Unteroffizier Domnick entlassen worden, der bekanntlich bereits in erster Instanz freigesprochen wurde. Er findet vorderhand keine Beschäftigung und hält sich zurzeit bei seinen Eltern im Kreise Angerburg aus. Im Strafprozeß wider Marten und Hickel ist die von dem Vertreter der Staatsanwaltschaft einzureichende Jlevisionsschrift dem letzteren noch nicht zugestellt worden.
* Ein nachträgliches Hochzeitsgeschenk für Königin Wilhelmina. Das Hochzeitsgescheick, welches seiner Zeit von den Bewohnern der Westküste von Sumatra der Königin Wilhelmina und dem Prinzen Heinrich angeboten wurde, ist jetzt auf dem Wege nach den Niederlanden. Aus Pa dang, dem Hauptplatz auf Sumatras Westküste, berichtet, daß das oder vielmehr die Geschenke aus Entwürfen der malaischen Gold- und Silberschmiedekunst bestehen, die, von den malaiischen Goldschmieden Baginda Bandhara, Sidi Soetan, Mantri Soetan und Radja Moeda aus Kota-Gedang gefertigt, ihrem künstlerischen Handwerk alle Ehre gemacht haben; ferner Entwürfe für ein mesdjid (muhamedanisches Bethaus), ein balcrong (Rathaus), ein Haus einer begüterten malaiischen Familie, sowie zwei Slendangs, malaiische
Hüftentücher für Frauen, als Probe malaiischer Goldwebekunst.
• Ein Fall Krosigk auf der Insel Java. Auf dem mllitärischen Schießplatz der kleinen Garnison Malang auf Java ereignete sich ein Vorfall, der in gewißem Sinne an den Fall Krosigk erinnert, der bei uns so viel Auffehen erregte. Eine inländische Truppenabteilung führte als Hebung eine Attake aus, bei welcher der Führer der 'Abteilung, ein inländischer Sergeant, vor der Mannschaft herlief. Er wurde hierbei durch einen Soldaten erschossen. Der Sergeant wurde von drei Kugeln durchbohrt und war auf der Stelle tot Der Mörder, denn die That scheint mit vollem Vorbedacht ausgeführt zu sein, hat wahrscheinlich die ihm für das Scheibenschießen gelieferten scharfen Patronen unterschlagen und die Attake dazu benutzt, um seinen Vorgesetzten nieder- zuschießen. Ueber die Motive zu der That sind verschiedene Gerüchte im Umlauf. Jedenfalls dürste Eifersucht im Spiele gewesen sein, da in den Kasernen der holländisch-ostindischen Armee auch Frauen weilen dürfen. Der Thäter wurde unter starker Bedeckung in das militärische Arrestgebäude übergeführt. Er äußerte keine Spur von Bewegung nach der That.
............ !■■■ II— I ■■
Ktteratur.
— „Die Theater der Welt", diese un Pacific-Le (Berlin, Hallesches Ufer 11) erscheinende neue Zeitschrift, deren Herausgeber Tr. I. ©umbauter und Hans Forsten sind, ist soeben mit ihrer 3. Nummer herausgekommen. Man ist überrascht durch die Ausstattung des Heftes. Es bringt auf seinen 20 Textseiten eine Fülle vortrefflicher Autotypien. Tie vereinigten Frankfurter Stadttheater (Opernhaus und Schauspielhaus) werden uns mit ihrer Architektur, mit ihren Intendanten und mit ihren Elite- fünftlern (Greef-Andriessen, Schako, A. v. Bandrowski, Mandler, Dr. Pröll, Pichler, Boch, Jansen, Bolz, Barllich, Poller, Baur 2c. 2C.) illustrativ vorgeführt, ferner aus Anlaß der Internationalen Tournee des „Ibsen-Theaters" die bedeutendere,i Kräfte dieses Ensembles, sodatin in einem Kapital, das dem olländischen Theater gewidmet ist, die in Wilhelminens Königreich wirkenden Künstler, und endlich ist auch Japans Schausplelkunft vertreten durch Sada-Paeco und deren Gatten Kawakami. Das Hest kostet im Einzelverkauf 60 Pfg., ein sehr niedriger Preis bei der Reichhaltigkeit des textlichen Inhalts und der Schönheit der zahlreichen Illustrationen. Tie Käufer bezw. Abonnenten (Viereteljahres- nbonnement 3 Mk.) werden gut thun, die Hefte zu sammeln, da ein halber oder ganzer Jahrgang derselben, in einer geschmackvollen Einbanddecke vereinigt, eine Zierde jeder Bibliothek oder des Salontisches werden dürfte.
Schiffsnachrichten.
Der Postdampser „Vaderland" der „Red Star Linie" in Arttwerpen ist laut Telegramm am 11. November wohlbehalten in New-Pork angenommen.
GEBET ACHT
dass die heranwachsenden Kinder eine leichtverdauliche aber kräftige Nahrung bekommen. Ein Frühstücks-Brei aus Quäker Oats (das Rscept „Für den Frühstückstisch“ steht auf Jedem Packet) erfüllt diese Forderungen vollkommen. Der Versuch während einiger Zeit wird diese Behauptung bestätigen.
Jedes Packet trägt den geschützten Namen „Quäker Oats“ sowie die Quäker Figur. 6711
Quaker Oats
nur in Packeten.
Herzen freuen, wie ich, der glückliche Dichter dieser glücklichen Verse, solches allstünblich geübt. Werde heiter! Senke die Stirn nicht nieder! Blicke um dich! Schließ dich von der Welt ab, bau'dich selbst, behüte deinen Frieden, das köstlichste, ineide Ehrgeiz und Neid, genieße, genieße mit Anmnt die Stunde, die Liebesstunde! Hinter alten Dingen winkt der Mann mit der Sense, Hoffnungswimpel im Lenze werden bald Banner des Todes, als Maestro steht er im Phosphorlicht am Dirigentenpult mitten im Daseins- festen, selbst dem kleinen Gott zwischen Rosenranken naht die Todesgöttin, grünlich-weiß, überschleiert, lackeingehüllt. Dies ist unseres reim-, farbeu- und tanzfrohen Poeten Lehre, auf jeder Seite verkündet. Es ist ein berauschend-weltkind- lick)es Buch, ein liebevolles, ein liebetolles! „Mai", Sonne, Reigen, Glück, Heiterkeit, das sind die Bierbaum bezeichnenden Worte, die immer wiederkehren. Eilt Dust von Rosen, von vielen Rosen, von Krokus und blauem Flieder, den er sehr liebt, strömt einem entgegen. „Das Herz schaukelt leise eine Wiener Walzerweise". „Mein Acker wogt, mein Weizen blüht, die Sonne scheint mir ins Gemüt." Davon träumt er am liebsten: von einer Wiese voll Margueritten, tief darinnen ein weißes Haus in grünen Büschen, aus dem Laube leuchten Götterbilder, zu chren Füßen ruht er mit einer, die er lieb Ijat Freilich, Kunst darf nicht fehlen, will man seines Lebens recht froh werden, von Künstlerlust und -Leid l-andeln die andern Gedichte, die nicht von Liebe sprechen. Hans Thonra, dem alten Mann mit dem „guten Blick", dem dieser Dichter so verwandt, sind Verse fast so zärtlich wie Liebesstrophen gewidmet, Motive Böcklins und Stucks kehren in den ost wunder- volten Landschaftsftimmungsgcdichten Bierbaums wieder, bei seinen visionären Gestaltungen, den Paradieses- und Gol- gatha-Dickftungen spürt man Albrecht Dürers großes Verspiel. Auch unsere große lyrische Vergangenheit beherscht er, vielmehr er wird von ihr nicht immer zum Vorteil! seiner Eigenart beherrscht. Goethes, des „Unendlichen", ist er der treueste Schüler. Den Goethe der Leipziger gezierten Schäserzeit, der Straßburger reichen Entfaltung, den Goethe der „Sprüche" und des „Westöstlichen Divans" hört man sehr vernehinbar aus Bierbaums Lyrik. Gedichte wie „Lichtglaube" wären ohne den Osterchor im „Faust", die „Allegorie" ohne den „Besuch" Goethes kaum so geworden. Ich spreche gewiß nicht von Nachahmung, ich meine nur: eine gewisse Klangfarbe des Gedichtes ist hier und in arideren Stücken utiverkennbar goetheisch. Die schönsten Gedichte des Buches, die kleinen Lieder von besonderem Htrmmung^ntber sind ohne „Ueber allen-
Wipfeln" nicht zu denken. Auch bei den Minnesängern ist Bierbaum öfters zu > Gaste gewesen. Von Walther hat er ras Schwebende des Verses, eine gewisse silberne Leicht- üßigkeit der Rhythmik. Tanzweisen der Walther-Schule kehren öfters wieder. 'Nem deutschen Volkslied und dem Studentenlied dankt er vieles; diesem das lustige „Schloß Mirabell". Das entzückende „Lied des Schiffertnädels" könnte in des „Knaben Wunderhorn" stehen:
„Auf der fernen See ein Segel steht, Mein Schatz ist aus der Sce;
Der Wind mir an die Beine weht, Der Wind, der Wind von der See. Blas ibn her zu mir, blas ihn schnell zu mir her, Du Wmd, Du Wind auf der See;
Mein Herz ist so tief, jo tief wie das Meer Und so stark wie der Wind auf der See."
Auch au Heinc-Erinnerungen fehlt es nicht; in Bierbaums freien Rhythmen („Gotesbienst" rc.) Hingen zuweilen die „Nordsee"-Töne nach; Meister Liliencron schwebte einem „Manöverlied" vor, Beranger ist bei den frischesten und berühmtesten Gedichten Bierbaums, „Josephine", „Gigcrlette" rc. Pate gewesen. Trotz solcher Anlehnungen — wer hätte sic nicht?,— ist die große lyrische Gabe Bierbaums über allem Zweifel. Er hat eine Gewalt des spielenden Wortes wie kaum ein Zweiter. Blütengleich quellen ihm Reime und Bilder hervor. Er ist ein „Sänger" im edelsten Sinne. Wie aber steht es mit dem Gehalt des Buches, mit der „Liebe", mit der besonderen erotischer Art, die wir von dem „Modernen" Bierbaunt erwarten? Da hat er mich nun recht sehr enttäuscht. Jch> verlange ja nicht Ola Hanssons „Amorosa sensitiva" in Versen abgehandelt; aber ich erwarte von einem Liebesbuche Bierbaums zuweilen ein fackelartig-plötzliches Erleuchten der „Sphinx", „Liebe" genannt. Wie hat das Richard Dehmel in seinem „Aber die Liebe" getroffen! Bierbaum singt vom Eros vergnügt und traurig, aber er singt, wie man davon zu Hagedorns Zeiten bieoermännisch sang. Eigentlich handelt das Buch wohl nur von einer Studentenliebe, immer von den nämlichen, ob die Kleine „Josephine" oder „Gigerlette" heißt. Sie ist ein reizender „Racker", eine zierliche kleine Polichinello, ein blondes, wohl auch ein „süßes" Mädchen mit blauen oder braunen Augen, einem Grübchen kinn.
Moosgrün au5 Samt ein Band im blonden Haar, Ein Färblein Rosarot dazwischen war, Das ganze Kind war ganze sechzehn Jahr, Und es war Mai.
So kam's, daß uns mit Strahlen flitterfem Umfädelte der sanfte Sonnenschein;
Die Knospe sprang, ach Gott, es war im Mai'n Die Knospe sprang.
Ich hätte gern in Treuen sie gehegt, Ich hätte gern sie mir ans Herz gelegt, Da hat ein Wind sie wirbelnd weggefegt. Wem blüht sie nun ?
Das ist gewiß unendlich reizend. Ist es aber in bei Empfindung neu? Immer verschlungener werden bei den Sensitiven von heute die Liebesfäden. Bierbaum läßt davon wenig spüren. Aus diesem Buch jauchzt und leidet eine geradlinig-einfache Natur. Daß es in Deutschland mindestens 36000 solcher „geradlinig-einfacher Naturen" gicbtz beweist der Erfolg des Werkes. Unkomplizierten Kunst, freunden ist es auf das herzlichste zu empfehlen. Aber auch die „Komplizierten" werden es kaufen: zunächst, weil es so billig ist, und weil es so viel artistischen Reiz birgt. Davon noch ein entzückendes Beispiel aus der „Sentiment taten Reise":
Was wär' ich, hätt' ich nicht die hohe.Kunst Des schön gesetzten Wortes uud die Kraft, Mit einem Strom von Strophen mir den Schmerz Und alles Dumpfe and der Brust zu schwemmen. Wie viel versäumt ich! Wie viel Früchte ließ Ich aus der Lebenstasel unberichrt l Wieviel versah ich! Wieviel Böses sann Mein Herz, und wieviel sündigte die Handl Doch einen schönen Reim zu runden war . Ich nie zu träge, und ich frevelte Nie bösen Sinnes gegen dich, oh Gut Der Güter, das mir in der Wiege lag, Als ich der Mutter Wort zum erstenmal Vernahm: Oh deutsche Sprache, allerherrlichstel Kein Kind wird einst von mir im Leben steh'n, Wenn ich ins Nichts zurückgegangen bin Und all mein Leben, all mein Schmerz und Lust Vorüber und verschwunden wie die Wolke ist, Die eben noch, durchglüht von Sonnengold, Wie eine ganze Welt voll Licht und Saft Am hohen Himmel stand. — Dann wird vrellercht Ein kleiner Vers von mir lebendig noch In eines deutschen Mädchensherzen blüh'n, Und meine Worte werden voll und warm Von ihren Lippen wehen wie der Duft, Der aus dem Innersten der Rose kommt.


