Ausgabe 
14.11.1901 Drittes Blatt
 
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Nr. 2568

Drittes Matt.

Donnerstag 14. November 1901

151. Jahrgang

Erscheint täglich mrt Ausnahme deS

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- - v zeigenteil: Hans Beck«

England im derrtsch-sranzöstschen Kriege.

Es ist darauf hingewiesen worden, daß der Deutsch- l r -r/ *^e e Vergleich zwischen der englischen und deutschen Kriegführung schon früher in der englischen Presse austauchte, ehe Herr Chamberlain sich gemüßigt sah, in öffentlicher Rede di - Anspielung vorzudringen. Es macht aber einen Unterschied, ob die Presse, oder ob ein tonangebender Staatsmann eine schmähende Behauptung ^egen eine Ration aufstellt. Wir vertreten die Ansicht, daß dte Veranstaltung großer Protestkundgebungen, aller Orten, zu viel Ehre für Chamberlain und geeignet ist, sein Selbstgefühl zu steigern. Dagegen liegt kein Grund vor, mit Kundgebungen deshalb zurückzuhalten, weil diese Ver­stimmung erregen, einZerwürfnis mit England herbei­führen könnten. Wir teilen diese vorsichtige Auffassurrg

die gegenwärtig in dem einen und anderen Blatt zum

Haben die Engländer im deutsch-französischen Kriege irgendwie Zurückhaltung an den Tag gelegt? Sind nicht dre Sympathien für Frankreich mit aller Deutlichkeit zu er­kennen gegeben worden? Ueber die Haltung der deutschen Regierung vom Beginn des südafrikanischen Krieges an bis heute wiiü) kein britischer Staatsmann ein Wort des Tadels sagen können. Mit welchen Mitteln dagegen haben im deutsch-französischen Kriege die amtlichen Kreise trt London versucht, den deutschen Triumphzug au^uhalten, Deutsch­land, wie Fürst Bismarck sich ausdrückt, denSiegespreis zu beschneiden". In dem Jmmediatbericht über das Tage­buch des Kronprinzen, des nachmaligen Kaisers Friedrich, erwähnt Bismarck desvon französischen Sympathien er­füllten englischen Hofes." Die Königin Viktoria ermahnte, nach dem Zeugnis dieses Tagebuchs, telegraphisch Wil­helm I.angesichts der Favre^schen Frnedensversuche zur Seelengröße". Fürst Bismarck hat in seinen Denkwürdig­keiten dargelegt, daß der Hauptwiderstand gegen das Bom­bardement txon Paris von England aus inszeniert wurde. Tie nachfolgenden Sätze aus denGedanken und Erinner­ungen" sind außerordentlich charakteristisch auriy sür das England von heute:

Tie Vorstellung, daH Paris, obwohl es befestigt und das stärkste Bollwerk der Gegner war, nicht wie jede andere Festung angegriffen werden dürfe, war aus Eng­land aus dem Umwege über Berlin in unser Lager ge­kommen, mit der Redensart von demMekka der Zivili­sation" und airderen in dem cant der öffentlichen Mein­ung in England üblichen und wirksamen Wendungen der Humanitätsgefühle, deren Bethätigung England von allen anderen Mächten erwartet, aber seinen eigenen Gegnern nicht immer zu Gute kommen läßt. Von London wurde bei unseren maßgebenden Kreisen der Gedanke vertreten, daß die Uebergäbe von Paris nicht durch Geschütze, son­dern nur durch Hunger herbeigefuhrt werden dürfe. Ob der letztere Weg der menschlichere war, darüber kann man streiten" . . .

Wir niöchten einmal sehen, welcher Sturm sich in Eng­land erheben würde, wenn unsere amllichen oder Hofkreise auch nur annähernd in dieser Weise dem krieg führ end en England Belehrung erteilten, oder wenn sich die deutsche Regierung, wie die englische beim deutsch-französischen Kriege, auf den Standpunkt stellte, die Lieferung von

Waffen und Kohlen an den Feind verletze nicht die Pflichten der Neutralität! Es war unklug von Chamberlain, die Erinnerung von 1870/71 heraufzubeschwören und damit zugleich die Erinnerung an die zahlreichen Machenschaften, die von englischer Seite ausgingen. Die Parteinahme der deutsche:: Bevölkerung für die Buren fügt den Eng­ländern allenfalls moralische Einbußen zu: Deutschland hat viel empfindlichere Hemmungen und Schädigungen zu ertragen gehabt. Und doch ist keinZerwürfnis" die Folge gewesen. Sympathieen und Antipathieen sind nun einmal durchVernunftgründe" nicht zu beeinflussen. Die Volks­stimmung gegen England entspricht dem Gefühl; zu dieser Stimmung grebt aber nicht nur die Entrüstung über den ungerechten Krieg, über die Grausamkeit der von England anaewendeten Kdittel, Anlaß, sondern die Abneigung wurzelt tiefer: in der durch lange Jahre gemachten Beobachtung, daß Deutschland stets gegen England hat auf der Hut sein müssen, und gerade dann am meiste::, wenn Gefahren drohten.

Die Polenfrage.

Wenn die Gerichtsverhandlung, in der vor einiger Zeit gegen eine Anzahl von Mitgliedern: polnischer Schüler-Ver­bindungen der staatliche Apparat in Bewegung gesetzt wurde, nicht dazu angethan war, besondere Besorgnisse über eine Gefährdung der Interessen des Reiches durch polnische Verschwörungen zu erwecken, so kann man die Vorgänge, die der dieser Tage in Posen geführte Prozeß gegen die der Geheimbündelei angellagten polnischen Aka­demiker nicht in gleich harmlosen Sinne auffassen und beurteilen. Es sind auch noch verhältnismäßig junge Männer, die dort unter Anllage standen, und als straf- schuldig erachtet wurden, aber in dem Alter, wo man mit Hochverrat und Tyrannenmvrd in aller Unschuld spiell, stehen sie nicht mehr, und einem angehenden Arzt oder Rechtsanwalt können die mildernden Umstände des Nichtwissens was man thut, schwerlich zugebilligt werden.

Gewiß wird man die Bestrebungen und Pläne, zu deren Förderern und Mittrügern die Angellagten sich machten, für den Augenblick nicht als eine unmittelbare Gefahr zu betrachten haben. Es wird noch viel Wasser die Weichsel hinunterfließen, ehe versucht werden dürfte, aus den Träumen, von denen in der Stille so viele polnische Herzen befangen sind, in die rauhe und blutige Wirk­lichkeit der bewaffneten Erhebung zur Wiederherstellung des Jagellonenreiches zu schreiten. Aber es muß doch festgehalten werden, daß, wie die Beweisaufnahme in dem Prozesse ergab, zwischen den Hauptpunkten der polnischen Propaganda, Zürich, Posen, Warschau, Lemberg, Krakau eine ständige Verbindung obwaltet, deren nächste Zwecke darauf gerichtet sind, das Gefühl der Einheit unter den polnischen Elementen, die eine Zukunft in jenem Sinne herbeisehnen, wach zu halten, und durch Wort und Schrift immer weitere Kreise in diesen geheimen Bund hinÄn- zuziehen.

Daß die Dinge so liegen, ist auch von den Ange- ttagten, so harmlose Deutung sie chrer Thätigkeit zu geben suchten, wie von den Verteidigern zugestanden wor­den. Im letzten Grunde hat niemals ein Pole dieser Richtung, wie er auch stehen mochte, offen und rückhaltlos

sich zu der Anschauung bekannt, daß auf eine Wiederersteh­ung des polnischen Nationalstaates nicht mehr zu rcdjncn sei, vielmehr klingt immer und überall auch unter allen Beteuerungen der Loyalität und Friedfertigkeit durch, was man in der Zeiten Ferne kommen zu sehen wünscht. Das ist für den, der selbst mit festem Glauben und dauerhafter Treue in seinem Volkstum wurzelt, begreiflich, und unter diesem Gesichtspunkt nicht ein Vorwurf für die Polen. Aber haben sie das Recht, sich innerlich außerhalb des Staates und der Volksgemeinschaft zu stellen, denen sie durch ein hartes, doch aus einer langen geschichtlichen Entwickelung folgerichtig entsprungenes Geschick zugewiesen sind, so hat eben dieser Staat das Recht und die Pflicht, jede äußerliche Bekundung und Bethätigung jener feind­selig abgewandten Gesinnung hintanzuhalten und zu strafen und das Möglichste zu thun, um eine ernstere Gefährdung seiner Lebensinteressen durch eine gegen ihn gerichtete Wühlarbeit zu verhindern. Insofern wird man es durchaus billigen und gutheißen müssen, wenn die Behörden nach Kräften bemüht sind, derartigen Trei­bereien und Versuchen, wie sie in dem Posener Prozeß zu tage getreten sind, auf die Spur zu kommen und sie, wo sie entdeckt werden, unnachsichtlich zu verfolgen und zu unterdrücken. Andererseits kann man nur warnen vor jeder grundlosen lleinlichen Behandlung und erbitternden Maßregeln, die mit den Gesetzen nicht im Einklänge stehen.

Das Wesentliche und schließlich allein Wirksame wird auf die Dauer nur die Stärkung und Festigung des deutschen Kultureinslusses in den Ostmarken sein. Dazu sind ja mancherlei Ansätze gemacht, aber es wird eine lange und stetige Arbeit in dieser Hinsicht bedürfen, um das gewünschte Ziel zu erreichen. Die wirtschaftliche Heb­ung oes Ostens, seine Ausschließung und engere Verbind­ung mit den anderen Teilen des Staates durch Straßen, Eisenbahnen, Kanäle, die Schaffung geistiger Mittelpunkte des deutschen Lebens in diesen Landesteilen, die Ver­besserung des Schulwesens und der Lage des Lehrerftandes daselbst, das find Aufgaben, die noch bei Weitem nicht gelöst sind, und doch gelöst werden müssen. Behörden und Bevölkerung müssen dabei Hand in Hand gehen.

In diesen: Sinne darf man es begrüßen, daß mit dem 1. Oktober d. I. dieDeutsche Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft"" in Posen ihre Thätigkeit begonnen hat. Sie setzt sich aus fünf Abteilungen zusammen: Geschichte, Naturwissenschaften, Kunst und Kunstgewerbe, Musik und Technik. Als eine ihrer vornehmsten Ausgaben betrachtet es die Gesellschaft, den Bau von Vereinshäusern in der Hauptstadt und den größeren Städten der Provinz zu ver­wirklichen. Ferner beabsichtigt sie, Vorträge anerkannter Gelehrten zu einer ständigen Einrichtung in Posen zu machen. DiePos. Ztg." teilt darüber mit:

Tüchtige Gelehrte sollen in Posen ihren Wohnsitz erhalten und wirkend und schaffend fördern und btt- den, wo es nötig ist, und wo der Wunsch nach Be­lehrung ausgesprochen wird. Aber damit nicht genug. Die Deutsche Gesellschaft will ihre Wirksamkeit nicht auf die Stadt Posen beschränken; alle deutschen Vereine in der Provinz sollen sich ihr angliedern, Zweiggesell­schaften sollen in den größeren Städten, Abteilungen unter der Leitung eines Geschäftsführers in den Reineren

Irrgarten der Liede.

Wenn ich von Liebesgedichten höre, muß ich immer an ein Bild desSimplicissimus" denken. Es ist von Thomas Theodor Heine und ganz in dessen frech-amüsan­ten Manier. Ein Liebespaar ruht im Grase. Der Himmel ist blau, das Wetter wunderschön; der junge Mann hält zärtlich die Hand der Dame und flüstert ihr allerlei sehr Galantes ins Ohr. Serenissimus kommt, auf dem Krück­stock gestützt, vorüber. Wie er die beiden so artig bei­sammen sieht, wundert er sich nicht wenig, schüttelt be­dächtig das angegraute Haupt, und sagt mit schnarrender Stimme zu seinem Begleiter, der des Gebieters weise Be­merkung mit Andacht vernimmt, die lapidaren Worte:Ja, hört denn das gar nicht auf?"" Mancher, der kein Sere­nissimus ist, und das Haar . och nicht zu färben braucht, kopfschüttelt ähnlich, wenn ihck Liebeslyrik vor die er­staunten Augen gebracht wird.Hört denn das gar nicht auf?"" Die Kämpfe der Existenz, der materiellen und der geistigen, werden tagtäglich schwieriger, ernsthafte F.agen der Volkswirtschaft und Politik beschäftigen uns ernsthafte Männer, dabei werden die jungen Leute noch immer nicht müde, wenn sie eine gewisse blaue Schleife, eine Blume oder ein rotseidenes Band erhalten, und sehr beschwingter Stim­mung sind,Luft aufBrust"" zu reimen. Entbehren sie aber diese kostbaren Dinge, paaren sieSee"" mitWeh", als ob es auf der Welt nichts Wichtigeres gäbe! Seltsame Welt! . . .

Nein, das hört noch immer nicht auf, den allzu Lebensernsten zum Trotz! Jetzt noch weniger als vorher. Nicht umsonst ist das Recht auf fröhliche Daseinsbejahung unserer jungen Generation verkündet worden. Sie sorgt Zar nicht so kecksubjektiv ist diese Jugend ob ihre höchst persönlichen Angelegenheiten, ihrHimmel hoch jauchzend"" oderzu Tode betrübtsein" irgend jemanden interessiert. Das volle Ausströmen des Gefühls, der Liebes- Empfindung läßt sie sich von keinem Pedanten verkümmern? Noch immer, trotz der Schwierigkeit der äußeren und inneren Lage und der Berufe ist der Himmel sehr oft "blau, das Wetter wunderschön, und das Wunderschönste ist, lei solchem Wetter und so beschaffenem Himmel mit -einem Dämchen spazieren zu gehen. Merkwürdigerweise giebt es auch noch immer Leute, derenBeruf"" sich darin

ganz zu erschöpfen scheint, von der Schönheit dieser Dinge gereimter und ungereimter Weise zu fabulieren. Und wenn diese Leute Grazie und Talent besitzen Gott giebt es ja gerade den Leichtferttgen und Leichtfüßigen im Schlafe so mag es einem oder dem andern dieser ange­nehmen Reimer passieren, daß er über Nacht berühmt wird, ein heller Neigen schwärmender Mädchen umgiebt den glück­lichen Dichter, seine Weisen, die er zu höchst eigenem Plaisier vor sich hingesummt, da er, die Liebste im Arm, durch die Wälder zog, werden Volkes Eigentum, und eines Tages ereignet sich das Wunderbarste: der Postbote betritt das Poetenstübchen und bringt dem verwundert und eben nicht weise dreinblickenden deutschen Dichter ein kleines Bar­vermögen von einem der fünfundzwanzigUeberbrettl", die in der letzten Woche entstanden find' i. Und immer neue Bestellungen aufRingel-ringel-Rosenkranz""-Lieder bringt jeder Tag. Immer behaglich-runder lvird unser Poet; er kann gar nicht mehr genug spazieren gehen und von seinem Ehemannsjubel tirilieren. Jetzt bekommen auch die älteren, weisen und bedächttgen Familienhäupter Re­spekt. Tie Lyrik, die Liebeslyrik sogar, ist gar kein schlechter Erwerb. Würde Ovids Vater heute leben, es fiele ihm gewiß nicht bei, dem Sohn das Dichten ausprügeln zu wollen. Er müßte, zumal bei so ausgesprochen erotischer Veranlagung, dem Jungen nur raten, dieses Talent fleißig zu üben und nicht zu rasten, bis ihm einVerlassener Lehmann" gelungen ist. . > .

Tie geneigten Leser haben ohne Zweifel erraten, wen ich unter den unbekümmerten, ht Maien- und Ueberbrettl- Extasen schwelgenden Liebeslyriker vermeine. Ich kann da nur an unseren lieben Otto Julius Bierbaum denken. Ihm ist in jungen Jahren das Glück, ein be­leibter und beliebter Lyrikus zu heißen, zu teil geworden. Und er hat von seinem zwanzigsten Jahre, da er, ver­kannt, schmächtig und sehr gering, in seinem Kämmerlein Verse verübte, bis zu seinem sechsunddreißigsten, da er zu solcher Fülle gedieh, fast nur von Liebe gesungen, von Liebe! Ein ganzes, zärtliches Gärtlein hat er mit nimmer­müder Hand bebaut,eine grüne Wiese, darauf es singt und klingt und blüht wie im Paradiese." Diesen Garten hat er uns weit aufgethan, er wünscht, wie jeder Künstler, der sich nicht ganz im Esoterisch^Snobhasten verliert, daß sich möglichst viele an den Hecken und den zierlich ge­

hegten Blüten und an der dazwischen wild wachsenden Schönheit seines Gartens freuen, er wünscht, daß der Irrgarten der Liebe" ein rechter Volkspark werde, in dem sich Jung und Alt, wem die Sinne für Klang und Farbe noch nicht verstorben sind, ergehe. Das Enttee ist ein ganz geringes. Um eine Mark wird dieser Irrgarten dar- geboten ein Buch von fast einem hatten tausend Setten, klar gedruckt, mit Leisten und Schlußstücken des Meisters Heinrich Vogeler und zwei Bildern, den dünnen Studenten von dazumal und den volleren 'Dichter von heute darstellertt», geschmückt. Mit dieser unwahrscheinlich billigen Ausgabe eines Lyrikers unserer Zeit ward ein erster Versuch von weittragender Bedeutung unternommen, unserer neuen Lyrik, der herrlich reichen, den Weg in die breitesten.Schich­ten zu öffnen. Dieser Versuch, durch die Munisizenz des Herausgebers derInsel", Alfred Walter Heymel ermög­licht, ist glänzend geglückt. In wenigen Wochen waren die ersten zehntausend verkauft, da diese Zeilen in den Druck gehen, dürfte bereits das 36ste Tausend erreicht fein. Man hätte allerdings keine volkstümlichere Wahl treffen können. Unter allen Mitstrebenden ist Otto Julius Bier­baum wohl der einzige, der sich, allerdings vor allem durch Wolzogens Gnaden, wirklicher Popularität erfreut und dabei doch kaum an künstlerischem Prestige verloren! hat. DerIrrgarten der Liebe"" umfaßt so ziemlich alles, was Bierbaum an lyrischen Dingen bis jetzt schrieb und in früheren Sammlungen,Erlebte Gedichte"",Nemt, froutoe, disen kranz""" und in den altväterlich-schalkhaften Kalenderbüchern, seinenBunten Vögeln" einzeln auf­tischte. Nun hat man das alles auf das zierlichste bei­sammen. Man freut sich dieses lyrischen Reichtums, aber man denkt sich doch: ein bißchen weniger, Herr, wäre uns doch sehr lieb! Dieses Büchlein ist zwar nicht so umfäng­lich, daß man es nicht in die Tasche stecken könnte, ajber. es ist doch von so stattlicher Dicke, daß man darin eine Taschenausgabe des neuen deutschen bürgerlichen Gesetz­buches vermuten könnte, eine Verwechslung, die sich wohl beide Werke verbitten werden. Ein Gesetzbuch ist das Bierbaumsche Jrrgärtlein allerdings, aber eines von ganz besonderer Art. Es predigt, nein, es singt und jauchzt einem zu: Du sollst nur eines als Pflicht erkennen, dich demes Lebens, so Rein und scheinbar-alltäglich dieses ver­laufe, dich an Licht, Liebe, Sonne und Farbe recht von