6. BamStag deu LS. Mai 1901 zu: Lich vormittags 10 Uhr, Garbenteich nachmittags 3 Uhr, Hausen nach mittags 5 Uhr.
Die Züchter von Simmenthaler Vieh, welche ihre Tiere in das Herdbuch eintragen lassen wollen und diesbezügliche Anmeldungen schon bei mir gemacht haben, werden ersucht, ihre betreffenden Tiere an einem von der betreffenden Großh. Bürgermeisterei hierzu bezeichneten Orte aufzustellen, damit die Arbeiten der Kommission ohne Aufschub erledigt werden können.
Sollten noch weitere Viehzüchter ihre Tiere kören lasten wollen, so werden dieselben ersucht, solche gleichfalls an den betr. Körterminen vorzuführen, vorher aber dem Vorsitzenden dieser Kommission, Herrn Gutspächter Pfannstiel in Angenrod, oder dem Geschäftsführer, Herrn Landwirtschafts lehrer Reichelt in Alsfeld, direkte Mitteilung davon zu machen.
Hardthof, deu 30. April 1901.
Der Präsident des landwirtschaftl. Vereins für die Provinz Oberhesten.
Schlenke.
Bekanntmachnng.
Betr.: Beschaffung von Zuchtebern mit Unterstützung des landw- Prvvinzialvereins.
Tem landw. Verein für die Provinz Oberhessen stehen auch in diesem Jahre wie seither Mittel zur Unterstützung von Gemeinden bei Beschaffung von Zuchtebern zur Verfügung. Ter Zuschuß beträgt für einen Eber 20 bis 40 Mk. und hängt die Gewährung davon ab, daß:
1. der Nachweis geliefert ivird über die Rassereinheit und Abstammung; und zwar werden nur Zuchttiere, welche der Borkshire-Rasse (weißes deutsches Edcl- schwein) angehören, unterstützt,
2. ein Beauftragter des Provinzialvereins den betr. Eber nach dem Ankauf einer Besichtigung unterzieht und seine Zuchttauglichkeit bescheinigt,
3. der betr. Eber mindestens ein Jahr zur Zucht in der fragt. Gemeinde benutzt wird.
Ich ersuche die verehrlichen Gemcindevorstäude, Bewerbungen um den fragl. Vereinszuschuß gegebenenfalls an die Geschäftsstelle nach Alsfeld einsenden zu wollen.
Hardt-Hof, den 9. Mai 1901.
Ter Präsident des landw. Vereins für die Provinz Oberhessen.
_________________Schlenke._____________•™""
Politische Tagesschau.
In den „Tientsiner Täglichen Nachrichten", einer seit kurzem unter japanischer Aegide erscheinenden chinesischen Zeitung, veröffentlicht ein jüngst aus Hsianfu nach Peking zurückgekehrter hochgestellter Chinese ein recht sonderbares Stimmungsbild von, kaiserlich chinesischen Hofe. Danach haben sich Prinz Tuan und sein Sohn, der Thronfolger Puchün, auf der Flucht von Peking äußerst ungeberdig benommen, sodaß sich der Kaiser aus Furcht in seinem Wagen gehalten und nicht gewagt habe, sein Gesicht zu zeigen. Ter Thronfolger habe dem Kaiser nicht nur den üblichen Respektsgruß verweigert, sondern auch jeden Gebrauchsgegenstand des Kaisers, dessen er ansichtig geworden sei, ohne weiteres entzwei geschlagen oder weg- gcnommcn. Auch sonst habe er in vieler Beziehung den Anstand verletzt, und als man nach Hsianfu gekommen sei, habe der Kaiser bei der Regentin darüber Beschwerde geführt. Diese habe aber den Spieß umgekehrt und dem Kaiser bedeutet, er solle sich nicht mit dem Kinde zanken. Ter Kaiser, hierüber sehr erregt, habe die Sache nunmehr mit den hohen Staatswürdenträgern besprochen, worauf die Regentin nicht umhin gekonnt habe, eine Peitsche zu nehmen und dem Thronfolger 40 Hiebe aufzuzählen, um dem Kaiser Genugthuung zu verschaffen.
Wie weit diese Darstellung der Wahrheit entspricht, niuß dahingestellt bleiben; daß der — jetzt 15 Jahre alte - Thronfolger Peitschenhiebe erhält, würde nach dem, was hin und wieder über die Gebräuche am chinesischen Hofe in die Ocsfeutlichkeit dringt, nicht gerade uninöglich sein. ? n Li-Hung-Tschang nahestehenden Kreisen glaubt man auch, daß Puchün bald gezwungen ioerden wird, auf die Thronfolge zu verzichten. Seine im Jannar 1900 erfolgte Einsetzung sei eine Folge des Staatsstreichs vom Herbst 1898 gewesen. Der damals unter Vormundschaft gestellte Ku- anghsü sollte ganz beseitigt und Puchün sein Nachfolger werden. Nachdem nunmehr eine Versöhnung zwischen dem Kaiser und der Regentin erfolgt und Hoffnung vorhanden sei, daß Dlanghsü noch eine Reihe von Jahren am Leben bleibe, läge die Nottoendigkeit, schon jetzt einen Prinzen als Thronfolger zu bezeichnen, nicht mehr vor. Zudem sei Puchün ungeeignet, es fehle ihm an Ernst und Verständ nis für seine Pflichten. Auch köune er als Sohu des zuin Verbrecher gestempelten Prinzen Tuan nicht mehr Kaiser von China werden, obwohl ja dadurch, daß Puchün vom Kaiser Tnugchih adoptiert worden sei, Tuan rechtlich aufgehört habe, als sein Vater betrachtet zu werden.
Politische Wochenschau.
Gleich zu Beginn der abgelaufenen Woche brachte der Reichsanzeiger die offizielle' Bestätigung des Kulissen Wechsels im arg nervös gewordenen preußischen Ministerium und gleichzeitig die Namen der neuen Männer, die berufen sind, das Räderwerk des, um mit dem hessischen Poeten Holzamcr zu reden, „auf staubigen Straßen" bald hier hin, bald da hin humpelnden Staatskarrens in normalen Gang zu bringen. Graf Bülow hat nun seinen Willen durchgesctzt, er hat sich den ihm unbequemen Miquel, den Manu mit dem unendlich dehnbaren fir anzpolitischen Herzen, vom Halse geschafft ivie einen alten Kragen. Neue Wäsche ist da, em .Ainistermm nach Bülolvs Belieben. Es liegt ledig lich im Interesse des leitenden Staatsmannes, daß er nun keinen Zweifel mehr läßt über die Ziele seiner Politik, daß er klipp und klar zu erkennen giebt, von welchen politischen Anschauungen ar getragen wird. Soll nicht neue Verwirr ung und llnsicherheit entstehen, sollen die Zweifel an der Einheitlichkeit der Regierung cntgiltig beseitigt sein, so muß Graf Bülow seine Absichten offen darlegen. Will er sich die Unterstützung weiter Kreise sichern, so wird er schlicht und einfach sagen müssen, was er will, er darf nicht den
Gedanken auskommen lassen, als habe er etwas zu verschleiern und zu verbergen. Besonderes Interesse bringt man dem neuen Handelsminister Möller entgegen, von dem es neuerdings heißt, daß er dem Kaiser schon aus dessen Jugendzeit, als noch Hinzpcter aus Bielefeld sein Lehrmeister war, bekannt sei und daß schon Kaiser Friedrich ihn hoch geschätzt habe. Als Leiter des Zentralverbandes deutscher Industrieller hat er der Sicherung und Erweiterung der Rechte der Arbeiter feindlich gegenüber gestanden. Ter neue Landwirtschaftsminister v. PodbielSki besitzt ein von der Natur nicht kärgli ch bemessenes Maß von Klugheit. Als Generalleutnant z. T. war er Agrarier und Industrieller in einer Person, als Korpskommandeur der Postillone ein energischer Förderer des Fernsprechwesens und in fernen Versprechungen vorsichtig. Herrn v. Hammersteins erste Ministertage waren zweifellos recht heiter ob des Schwankens feiner feudalen Gestalt in der Tagesgeschichte. Er wird bald so, bald so geschildert, „wie sich's trefft". Schmunzelnd hat er nach einander gelesen, 1) daß seine Familie in Hannover stets liberalen Anschauungen huldigte, und daß er ein überaus konservativer Mann sei; 2) daß er der Jugendfreund des Grafen v. Bülow sei, daß dieser ihn aber gar nicht kenne, und daß der Kaiser allein auf ihn aufmerksam umrde, als er ihn in Urville kennen lernte; 3) daß er in Hannover begütert sei, sich aber dort niemals auf seiner Besitzung blicken ließ; gleichzeitig aber las er, daß er, so oft er da erschien, den Eindruck eines schneidigen Beamten machte, und 4) soll Herr v. Hammerstein nach der einen Meldung eine streng aristokratische „zugeknöpfte" Natur sein, dem schwer näher zu treten sei, während er nach der Schilderung eines anderen von bestrickender Liebenswürdigkeit, entgegenkommend und gütig sowie leicht nahbar sein soll. Er weiß nun ganz genau, wie sich sein Bild in den Augen der Zcitungsleser darstcllt: etwa so wie die geniale Illustration zu den klassischen Wirbelwino- versen Meisters Wilhelm Busch in seinem Poem vom undankbaren Herrn Meier:
„Und es drehn sich alle Pappeln Und auch Meiern dreht es um."
Nach! Erledigung dieses politischen Kulissenzaubers scheint nun die Sommerruhe mit scheuer Hand an die Thür zu pochen. Tann hängen wir alle politischen Sorgen an den langen Nagel und freuen uns mit den Herren Reichsboten der Diäten, die sie, zweifellos erfolglos, sich selber zuzubilligen die große Güte hatten. Nachdem die preußi- chen Abgeordneten bereits nach Hause geschickt worden sind, werden die der süßen Kindererinnerung des Schwänzens mit bewundernswerter Ausdauer sich begebenden Rerchs- tagsherren am morgenden Dienstag ihre Sommerferien erhalten. Weder heute noch, morgen wird man ein beschluß- ähiges Haus erzielen — über die sonstigen Fähigkeiten der Mehrzahl der verehrten Insassen des Wallotbräuhauses wollen wir lieber nicht reden, um die Guten nicht „außerm Häuschen" zu bringen. In einer Angelegenheit aber haben sic ganz gewiß die Zustimmung der Allgemeinheit gefunden. Daß die Interpellation wegen der Behandlung deutscher Missionare im südafrikanischen Kriegsgebiete Veranlassung geben würde, die Kriegführung der Engländer gebührend zu kennzeichuen, war selbstverständlich; unsere 1 Freunde jenseits des Kanals haben derbe Wahrheiten hören müssen, die freilich bei ihnen wenig ver- angeu werden. Unangenehm wird ihnen die Erklärung aus dem Munde des Staatssekretärs Freiherrn v. Richthofen gewesen fein, daß auf ihrer Seite „Ungerechtigkeiten" geschehen seien.
Auf dem Gebiete der internationalen Politik leht die C h i n a f r a g e noch immer im Vordergründe des Interesses. Von deutscher Seite liegt eine Aeußerung betreffs der Zurückziehung der Truppen noch nicht vor, es werden sogar noch die Werbungen für frischen Nachwuchs ortgesetzt, aber man darf wohl erwarten, daß, auch Teutsch^- land, sobald ein Einverständnis der beteiligten Mächte über die Bedürfnisfrage erzielt worden ist, das Gros seiner Truppen abberuft und nur diejenigen Mannschaften zurück läßt, welche zur Sicherung der Gesandtschaft und zur Verhütung der Verletzung deutscher Interessen, sowie zu dem Zwecke notwendig sind, um China zur Erfüllung der stipu- lierten Friedensbedingungen anzuhalten. Neuerdings verlautet, daß Italien und Frankreich, bereits die Zurückberufung der entbehrlichen Truppen beschlossen haben.
Tas Bundesparlament der australischen Staaten ist am Donnerstag vom englischen Thronfolger in Melbourne eröffnet worden, womit die Vereinigung der australischen Kolonien ihre Sanktion erhalten hat. Kann sich der ehrenwerte Mr. Chamberlain dieses seines Werkes freuen, so hat er dazu noch immer keine Ursache betreffs des Verlaufs der Tinge in Südafrika. Wohl veröffent lichen die englischen Blätter fortgesetzt amtliche Berichte über „Siege "der englischen Trappen über die Buren und verzeichnen sorgfältig jeden einzelnen Toten oder Verwundeten und jedes Stück beschlagnahmten Viehs auf der gegnerischen Seite, aber selbst in England legt man diesen Telegrammen keinen Wert mehr bei. Solche kleinen Erfolge, selbst wenn sie auf Wahrheit beruhen, üben auf die Gesamtlage wenig Einfluß aus und ändern nichts an der Thatsache, daß die Buren noch immer unbesiegt sind, daß das Ende des Krieges noch nicht abzusehen ist. Uebrigens ist wenigstens eine Sorge von der englischen Regierung genommen worden: der infolge des einzusiihrenden Kohlenzolls geplante R i e s e n a u s st a n d auf den britischen Kohle n gr u b e n findet nicht statt; das Ausland muß also jetzt die Kosten der C.hamberlainschen Politik in Südafrika tragen helfen.
Im Quirinal zu Rom und im Konat zu Belgrad harren die Aerzte des Eintreffens des Thronerben. Besonders in Serbien würde die Geburt eines Prinzen von erheblicher Bedeutung für die Dynastie fein, die bekanntlich nur auf den Augen des Königs Alexander ruht und keines- wcgs als gefestigt geltend kann. Die Obrenountschs haben sich in den letzten Jahrzehnten viele Sympathien verscherzt und ihr Ansehen ist stark verblichen. Jetzt segelt Alexander ganz im russischen Fahrwasser, er hat anscheinend vergessen, was er Oesterreich Ungarn zu verdanken hat. Wenn übrigens nicht alles täuscht, so treiben die Dinge auf dem Balkan neuerlich wieder einer Entscheidung zu, die von Bulgarien ihren Ausgang nimmt.
Die Lage in Spanien haben wir eingehend behandelt: sie bleibt ernst trotz aller Vertilschungsversuche der Madrider Regierung, welche die Vorgänge in Katalonien ganz den Anarchisten in die Schuhe schieben will.
Deutscher Reichstag.
Der Antrag wegen Vertagung beß Reichstags bis zum 26. November wird in einmaliger Lesung ohne Debatte angenommen, desgleichen werden der Nachtragsetat und die Novelle zum Flaggenrecht der Kauffahrteischiffe in erster und zweiter Lesung debattelos genehmigt und ebenso Rechnungssachen erledigt.
Es folgt die erste Beratung des Gesetzes, betreffend die Handels» beziehungen zu Großbritannien.
Abg. v. Levetzow (kons) erklärt, die Konservativen würden ihre Bedenken gegen die Vorlage jetzt nicht geltend machen und für dieselbe stimmen.
Abg. Münch «Ferber (natl.) führt aus, die Nationalliberalen würden dem Handelsprovisorium zustimmen mit Rücksicht auf die früheren eingehenden Besprechungen und darauf, daß die Handelsverträge doch bald ablaufen.
Abg. Bachem (Zentr.) schließt sich dem Vorredner an.
Abg. Pachnike (ftf. Ser.) stimmt der Vorlage ohne Bedenken zu.
Abg. v. Tiedemann (frf.) schließt sich namens der Reichspartei den Ausführungen des Abgeordneten v. Levetzow an.
Abg. Müller-Sagan (ftf. Vp.) tritt den Bemerkungen des Abg. Pachnicke bei.
Hierauf wird ein Schlußantrag angenommen und der Entwurf in 1. und 2. Lesung in der Fassung der Regierung angenommen.
Die nunmehr folgende erste Beratung der Verordnung bett. Zoll auf Blauholz und Zollzuschlag auf Kaffee und Kakao aus Haiti wird durch Kenntnisnahme erledigt, ebenso die zweite Lesung.
Nächste Sitzung Montag 1 Uhr.
Tagesordnung: Kleinere Vorlagen, Branntweinsteuernovelle, Gewerbegerichte.
Schluß gegen 2 Uhr.
Parlamentarisches ans Hessen.
Mehrere Berichte des Ersten Ausschusses sind zur Ausgabe gelangt. In Bezug auf einen Antrag der Abgg. Ulrich und Genossen, betreffend die Besoldung der Kreistier- ärzte wünscht der Ausschuß, daß demnächst bei der Ausführung des Fleischbeschaugesetzes die Gebührenfrage bezüglich der Fleischbeschau entsprechend geregelt und im übrigen dem Antrag Ulrich und Genoffen weitere Folge nicht gegeben werden möge. Ein Mitglied beantragt, dem Antrag Ulrich und Genossen Folge zu geben.
Die Regierung wollte deren Wünsche durch eine Vorlage entsprechen, derzufolge Oekonomierat Leithiger als Staatsbeamter gegen ein provisorisch normiertes Gehalt von 7000 M. zu Lasten des landwirtschaftlichen Vereins für Oberhessen angestellt, der Dienstaufsicht der Großh. Oberen landwirtschaftlichen Behörde unterstellt, im übrigen aber auf Ber- anlassung des ProvinzialauSschusseS im Zusammenwirken mit demselben mit Ausführung der in dem bereits erwähnten Grundplan niedergelegten Funktionen eines Zuchtinspektors betraut werden sollte. Ein neuerlicher Antrag des Abg. Dr. »Heidenreich auf staatliche Anstellung Leithiger'S fand nicht die Zustimmung der Regierung, die es schon mit Rücksicht auf die Konsequenzen für unthunlich erachtet, Vereinsbeamten die Eigenschaft von Staatsdienern zu verleihen. Ein Eingehen auf den Antrag des Dr. Heidenreich müßte zur Folge haben, daß mit gleichem Recht die nämliche Bewilligung für die Sekretäre und Rechner der landwirtschaftlichen Vereine, Genossenschaften oder sonstiger gemeinnütziger Vereinigungen in Anspruch genommen werden könnten. Nach langem Hin und Her hat sich nun der Ausschuß in Erwägung, daß 1. Herr Leithiger bereits seit längerer Zeit die Stelle eines Tierzuchtinspektors für die Provinz Oberhessen nebenamtlich oerfieht und voraussichtlich weiter versehen wird, somit zur Zeit eine absolute Notwendigkeit für die staatliche Anstellung eines Tierzuchtinspektors für Oberhessen nicht vorliegt, 2. eine Neuorganisation der gesamten Landwirtschaft, insbesondere die Errichtung einer Landwirtschaftskammer in absehbarer Zeit zu erwarten steht, deren Aufgabe die Erledigung dieser Angelegenheit sein dürfte, — dahin erklärt, alle darauf abzielende Wünsche abzulehnen.
Ein Bericht des Ersten Ausschusses über die Regierungsvorlage, betreffend die Besoldung der Realschuldirektoren erklärt sich dahin, deren Gehalt auf 5200—6200 Mk. fest- zusetzen.
Der Vorstellung der staatlich angestellten älteren Geometer 1. Klasse betreffend anderweitige Festsetzung ihrer BesoldungS- und pensionsfähige Bordienstzeit soll nach Wunsch oer Majorität des Ausschusses keine Folge gegeben werden. Nur 1 Mitglied beantragt teilweise Berücksichtigung. Die Regierungsvorlage betreffend Abtretung von fiskalischem Ge- lande zur Erbauung einer evangelischen Kirche in Bad-Nauheim hat die Zustimmung des Ausschusses ge- fanden. Die Kirche soll auf dem Platze des alten KursaaleS errichtet werden. Die Regierungsvorlage betreffend die Abänderung des Gesetzes vom 25. November 1871 die Versicherung von Mobilien in Feuerversicherungsanstalten beantragt der Ausschuß anzunehmen und die Vorstellung deS AnSschuffeS des Verbandes deutscher Privat-Feuerversiche« rungsgesellschasten in gleichem Betreff für erledigt zu erklären. Ferner bringt, auf Grund einer Regierungsvorlage und eines Antrages des Dr. Fernay, der Ausschuß solgenden Antrag ein: Die Kammer wolle ihre Zustimmung dazu erteilen: 1. Daß der Besoldungsordnung vom 9. Juni 1898 folgende Bemerkungen zugefügt werden: a) Der Gehalt eines Oberlandesgerichtsrats oder Landgerichtsdirek- lorS, der sich geringer bemißt, als der Gehalt, den er im Falle des Verbleibs auf einer der unter 5 bezeichneten Stellen (Landrichter, Amtsrichter, Staatsanwälte re.) innerhalb der für diese Stellen vorgesehenen acht Besoldungsstufen beziehen würde, erhöht sich um den Betrag des Unterschieds. Diese Gehaltszulage ist pensionsfähig; sie wird bis zu dem Zeitpunkte gewährt, in welche« sich der Unterschied durch das Einrücken in eine höhere Gehaltsstufe ausgleicht. Die AufrückungSfristen werden durch die Gehaltszulage nicht berührt, b) Ein Oberlandesgerichtsrat oder Landgerichtsdirektor, dessen Gehalt sich geringer bemißt, all der Gehalt eines nach ihm zum OberlandeSgerichtSrat oder Landgerichtsdirektor ernannten Beamten wird dem anderen Beamten im Gehalt sowie in Ansehung der AufrückungSfristen gleichgestellt. Diese Bestimmung findet keine Anwendung, wenn der andere Beamte vor seiner (Ernennung zum OberlandeSgerichtSrat oder Landgerichtsdirektor einen Gehalt von mehr als 6000 Mk. bezogen hat. II. Daß entsprechende Bemerkungen wie unter I


