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Universiläls Nachrichten.
Dr. med. Adolf Geßner, bisher Privatdozent an der Universität Erlangen, der zum ordentlichen Profesior ernannt worden ist, übernimmt zugleich die Leitung der Erlanger Universitäts-Frauenklinik Er wird in seinem Doppelamt der Nachfolger Frommels, der sich von der Professur zurückgezogen hat. Zu Friedberg in Hessen geboren,promovierte Geßner 1SS0 in Erlangen mit „Mikroskopische Untersuchungen über den Bakteriengehalt der normalen menschlichen Haut" zum Doktor.
— Der bekannte Kirchenhistoriker August Sabatier, Dekan der Pariser Fakultät für protestantische Theologie, ist, 62 Jahre alt, gestorben.
Kunst und Wissenschaft.
Arankfurt a. M., 11. April. Die Senckenbergische naturforschende Gesellschaft ernannte den Geh. Hof- und Baurat Professor Dr. Paul Wallot in Dresden zum außerordentlichen Ehrenmitglied.
Ernst d. Wildenbruch hat sich voraussichtlich für längere Zeit in Weimar niedergelassen. Wie der Dichter erzählt, hat chn der verstorbene Großherzog mehr als einmal eingeladen, seinen Wohnsitz ganz nach Weimar zu verlegen, ihm auch den nach LoZns Tode vakant gewordenen Jnten- dantenposten am Hoftheater angetragen. Damals war Wildenbruch verhindert, dem Ruf zu folgen. Man bringt seine jetzt erfolgte Heber» siedelung nach Weimar in Verbindung mit den seit kurzem aufgetauchten Gerüchten von einem bevorstehenden Rücktritt des bisherigen Intendanten; ob mit Recht oder Unrecht, bleibt abzuwarten.
Straßburg i Els., 12. April. Ja der heutigen 2. Sitzung der internationalen seismologischen Konferenz wurde die Gründung einer internationalen seismologischen Vereinigung beschlossen. Ferner wurde dem Dr. Lersch in Aachen die Anerkennung der Konferenz für die Ausarbeitung des Erdbebenkataloges ausgesprochen und der Wunsch geäußert, daß in Aachen mit dem meteorologischen Observatorium eine seismologische Station errichtet werde. Endlich wurde seitens der Konferenz der Wunsch ausgesprochen, daß bei Zeitangaben in den 8er. öffentlichungen der Erdbeben die Zeit von Greenwich eingeführt werde. Die Sitzungen wurden heute geschlossen.
Arbeiterbewegung.
LrnS, 12. April. Der Bergarbeiterkongreß nahm Beschluß- anträge an, worin die Altersrente von mindestens 2 Francs täglich, ferner der Achtstundmtag und gesetzlicher Mindestlohn verlangt wird.
Sevilla, 12. April. 3000 Arbeiter der Korkpfropfevfabrike« find in den AuSstand getreten. Auch in allen anderen hiesigen Industriezweigen drohen die Arbeiter mit der Arbeitseinstellung.
Die schnellste, leichteste und dauerhafteste Bereifung für Fahrräder und Motorfahrzeuge ist und bleibt der Continental Pneumatic. Für jeden einzelnen Reifen wird von der Fabrik Garantie geleistet.
Entwürfe, sowie Studien, Blumen und Porträts von einer einheimischen Künstlerin Ottilie Kowarzick Mentzel, sowie von Otto Fritz ein Gemälde „Feldblumen- und ein „Tamburin- neu ausgestellt.
•• Verschließbare Abholuugsfächer, auS denen der Abholer die eingegangenen Postsachen mittelst eines ihm gelieferten Schlüssels selbst, ohne Mitwirkung eine« Beamten, mitnehmen kann, sollen auch bei den hiesigen Postämtern eingerichtet werden, wenn sich eine angemessene Zahl von Teilnehmern findet. Die hauptsächlichsten Bedingungen für die Benutzung eines Schließfaches sind folgende: Es können gewöhnliche Bricfsendungen jeder Art, Zeitungen, Postpacketadressen, Ab- ltefirungsscheine zu Wert- und Einschreibbriefen, sowie Postanweisungen abgeholt werden. ES ist jedoch zulässig, daß ein Abholer für einen Teil seiner Postsachen von dem gewöhnlichen Abholungsverfahren und für einen anderen Teil dou einem Schließfache Gebrauch macht. Für die Ueberlassung eines Schließfachs nebst zwei Schlüsseln wird eine jährliche Gebühr von 12 Mk. bei gewöhnlicher Größe des Fachs (14 Ctm. Höhe, 11 Ctm. Breite, 36 Ctm. Tiefe) und von 18 Mk. bei größerem Umfang erhoben, die vierteljährlich im Voraus zu entrichten ist. Die Ueberlassung geschieht zunächst auf die Dauer eines Jahres. Die Fächer werden auch für einige Stunden außerhalb der Schalterdienststunden zugänglich sein. Diejenigen Firmen rc., die an dem Verfahren teilnehmen wollen, würden dies bis spätestens 20. April dem
behren, und nur für die Schlüsse, die das Gericht zu ziehen hat, von Belang sind. Zunächst wurden die Vermögensverhältnisse und der Charakter des Angeklagten Rentners Baumann erörtert. Bürgermeister Gläßner aus Höhscheid, dem Heimatsorte und ersten Wohnsitz Baumanns bekundet: Ter Vater des Angeklagten Baumann, der Schreiner Baumann in Höhscheid, der 1884 starb, stand chon im Verdacht, Militärbefreiungen gewerbsmäßig zu betreiben. Ter jetzt angeklagte Baumann, der Bäcker und Müller war, hatte in dem Nachbarhause, das nicht ihm gehörte, eine Stube gemietet, die von den Leuten als sein „geheimes Kontor" bezeichnet wurde. Dies sollte bezwecken, im Falle einer Haussuchung bei Paumann diesen zu decken. Baumann stand in der ganzen dortigen Gegend im 9hife eines gewerbsmäßigen Freimachers. Eine bestimmte That fache hat sich nicht feststetlen lassen, einzelne Fälle wurden erzählt. In Oberpilghausen hat Baumann Agenturen b e trieben Ein Briefwechsel hat bei Baumann nicht stattgefunden, eine Haussuchung ist ergebnislos verlaufen. Es wird angenommen, daß Baumann mit den betreffenden Leuten Zusammenkünfte in andern Städten hatte Erst nachdem Baumann in Elberfeld wohnte, soll er Vermögen erworben haben. Baumann bestreitet, daß er in Höh- cheid Agenturen betrieben habe. — Polizeikommissar Düs e l - Elberfeld hatte 1889 den Auftrag erhalten, Baumann zu überwachen Viehhändler Simson aus Mettmann, der jetzt in Amerika ist, war bereit, sich mit der Aufklärung des Treibens Baumanns zu befassen, wenn er sich' nicht strafbar mache. Simson wurde flüchtig, als
Postamt 1 mitzuteilen haben.
*• Die Zahl der Todesfälle, ausschließlich der Todt- geborenen, betrug in der Woche vom 24. bis 30. März in Mainz 30, Darmstadt 24, Offenbach 13, Worms 18 und in Gießen 9, zusammen 94, davon 21 im ersten Lebensjahre. Todesfälle pro Jahr und 1000 Einwohner kamen auf Mainz 18,3, Darmstadt 17,1, Offenbach 13,1, Worms 22,5 und auf Gießen 18. — Die Todesursache anbelangend, ver starben an Diarrhöe und Brechdurchfall 5 (1 in Darmstadt, 4 in WormS), an Wochenbettkrankheit 1 (Worms), an Lungenschwindsucht 11 (5 in Mainz, je 2 in Darmstadt und Offenbach, je 1 in Worms und Gießen), an akuten entzündlichen Krankheiten der Atmungsorgane 17 (8 in Mainz, 3 in Darmstadt, je 2 in Offenbach, Worms und Gießen) an Gehirnapoplexie 7 (1 in Mainz, je 2 in Darmstadt, Offenbach und Gießen), an allen übrigen Krankheiten 55 (13 in Mainz, 15 in Darmstadt, 3 in Offenbach, 10 in Worms, 4 in Gießen); gewaltsamen Tod erlitten 8 Personen (3 in Mainz, 1 in Darmstadt, 4 in Offenbach).
§ Butzbach, 12. April. Heute früh gegen 5 Uhr be« merkte die Nachtwache, daß der Marktplatz überschwemmt war, obwohl es in der Nacht nicht regnete. Ein sofortiges Recherchieren ergab, daß der Waffererguß von dem Marktbrunnen herkomme, was nur dadurch möglich wurde, daß während der Nacht die Krahnen gewaltsam beschädigt worden find. Als Thäter wurden einige Bürschchen, die heute früh sich noch in der Stadt Herumtrieben, verhaftet.
O Schotten, 12. April. DaS Musikfest deS Ober- hessischen MnsikbundeS, das voriges Jahr in Berstadt i. d. Wetteran abgehalten wurde, findet in diesem Jahre, wahrscbeinlich im Juli, hier statt. Als Festplatz ist der fo genannte »Bockzahl-, unweit der Stadt, ausgewählt.
-s- Vom höhere» Vogelsberg, 12. April. Bekanntlich wird schon fett längerer Zeit Brennholz zum Tarifpreise auS den fiskalischen Waldungen an die Staatsbeamten ab- gegebea. Eine diesbezügliche Vorstellung des Vorstandes des hessischen Landeslehrervereins erwirkte beim Großh. Ministe rtum die gleiche Begünstigung für die Voltsschullehrer. In diesem Jahre nun wurde einer Anzahl Lehrer von einer Großh. Oberförsterei dieExtraholzabgabe verweigert, da, wie es heißt, „eine derartige Abgabe nicht mehr ftattfinden soll". In anderen Oberförstereien genießen die Lehrer diese Begünstigung ruhig weiter.
Der neue Elberfelder Mitarbefreimigs-Prsreß. ui.
Elberfeld, 12. April.
Gestern wurde nut der Beweisaufnahme begonnen. Vor dem Zeugenaufruf rufytete der Vorsitzen de an Baumann folgende Worte: Ehe wir in die Verhandlungen eintrete«, möchte ich Ihnen Gelegenheit geben, sich zu äußern, ob die Stunden der ruhigen Ueberlegung Sie nicht andern Sinnes gemacht haben, ob Sie die schwere Belastung durch die Aussagen der Angeklagten, die bei Ihnen sitzen, nicht gefühlt haben. Man kann, doch nicht glauben, daß diese Leute sich selbst belasten durch Aussagen, die nicht wahr sind. Diese Leute sind auf die Anklagebank mehr durch Sie gekommen. Ihr ganzes Vorleben soll aufgerollt werden und Ihre ganzen Beziehungen zur Familie Dieckhoff. Es müssen sämÜiche Fälle erörtert wer den, in denen offenbar Freimachungen stattgefunden Ijaben. Da giebt es doch eine große Anzahl Personen, bei denen sicherlich die Verbindung ihres Namens mit diesem Treiben eine halbe Vernichtung ihrer Existenz bedeutet. Außer den Angeklagten, die gestern gestanden haben, werden noch viel mehr als Zeugen kommen, die dasselbe aussagen Gehen Sie in sich, geben Sie der Wahrheit die Ehre und vergrößern Sie nicht noch das Unheil, das Sie schon angerichtet haben.
Der Hinweis des Vorsitzenden auf eine drohende Vernichtung von Existenzen, wenn Baumann sich nicht zu einem Geständnis herbeilasse, bezieht sich zweifellos au die bevorstehende Vernehmung einer Reihe von Zeugen die meist geständig sind, selbst mit Baumann ober Diecchof zum Zweck der Freimachung in Verbindung getreten zu sein, oder die die Vermutung aussprechen, daß ihre Freimachung ohne ihr Wissen durch Angehörige, die sich an Dieckhoff und Baumann gewandt haben sollen, erwirtt worden sei. Cs handelt sich dabei fast durchweg um Fälle, die in die letzten Jahrzehnte zurückliegen und verjährt sind. Auch die Namen von Personen, die schon das Grab deckt, würden dabei mit Namen und dem Treiben der gewerbsmäßigen Freimacher in Verbindung gebracht werden. Alle diese Umstände gehören mit zu den betrübendften Begleiterscheinuugen dieses Prozesses. Der heutige Teil der Beweisaufnahme läßt sich wie an vielen der folgenden Tage ziemlich kurz fassen. Es werden da lange Erörterungen gepflogen, die des allgemeinen Interesses ent
gegen ihn und andere Viehhändler Verfahren wegen Fälsch ung von Viehtransportscheinen eingeleitet wurde. Simson teilte sich Baumann gegenüber, als wolle er ihm bei Befreiungen behilflich sein. Baumann erzählte Simson, eine Freimachung koste 2000 Mark, wovon er und der Arzt je die Hälfte erhielten. Simson erzählte mir von jungen Leuten, die Baumann genannt, von den Krankheiten, mit denen es gemacht wurde, auch von Aerzten, bei diesen nannte er aber keinen Namen. Orte, wo es zum Freimachen gut sei, seien Osnabrück, Bochum und Münster. Baumann habe erzählt, daß er mit den Aerzten Verabredungen treffe. Um allen Verdacht abzulenken, lasse er, Baumann, seinen Sohn bei der Garde in Berlin dienen, >er Arzt bei dem dortigen Regiment sei sein „Bester". Auch um seinetwillen lasse er seinen Sohn dort dienen, da er gern den Dummen spiele und nicht gern mit hiesigen, andern nur mit auswärtigen Leuten in Verbindung trete.
Tas Geschäft sei sicher, denn die Freigemachten und ihre Eltern müßten den Mund halten. Das alles waren Mitteilungen des Simson. Es wurden ihm von Baumann auch eine Reihe Personen genannt, die frei gemacht worden seien. (Diese werden als Zeugen erscheinen, um die Glaubwürdigkeit Simsons darzuthun.) Den Baumann habe ich mit niemand im Verkehr gesehen. Von seinem Einkommen wußte niemand etwas, er arbeitete nichts. Baumann: Den Simson habe ich gekannt, er hat mich nie nach Militärangelegenheiten gefragt. Er hat mich wohl gefragt, wenn er Geldgeschäfte machen wollte. Was meinen Sohn betrifft, so ist bei den Garde-Füsilieren nichts zu machen. Vors.: Sie werden aber sehen, daß eine Reihe Leute noch kommen werden, die durch Sie freigemacht wurden. Baumann: Mein Sohn hat seine volle Zeit gedient, und was das schönste ist, er hat sich in seiner ganzen Dienstzeit nicht einmal krank gemeldet. Vors.: Das ist es ja, was man sagt, daß dieses ganze Verhalten Ihnen als Deckmantel gedient habe. Die Hauptsache wird sein, ob die Aussagen Simsons sich bestätigen. Wollen Sie sich einmal über Ihre Vermögensverhältnisse äußern. Es wird nun fest- gestellr, daß Baumann in Elberfeld 1891 ein Haus für 21 000 Mk. kaufte, 15 000 Mk. Hypotheken wurden im nächsten Jahre gelöscht Kommissar Lamberts hat bei einer Haussuchung keinerlei Vermögensaufzeichnungen gefunden. Zeuge Fabrikant K ö l l m a n n aus Barmen bekundet, daß der Angeklagte Stöcker Vater ihn zur Befreiung seines Sohnes veranlaßt habe. Stöcker stellt das in Abrede. Auch Anarchist soll Baumann einem Gerücht zufolge gewesen sein. In Elberfeld, dem alten Anarchisteusitz, kann man leicht in diesen Verdacht kommen. Es wurde heute viel über Baumann als Anarchisten geredet, ihn ließ das sehr kalt. Kommissar Düssel erklärte kurz und bündig: „Zu
den als Anarchisten verdächtigen Personen gehört Baumann nicht. Ob er Anarchist xst, weiß ich nicht. Persönlich glaube ich es nicht."
Eine Reihe Zeugen werden über das Leben der Witwe Dieckhoff vernommen. Ten Schluß der heutigen Zeugen machte Bezirkskommissar Ko cy - Düsseldorf. Er war beauftragt worden, festzustellen, ob sogenannte Freimacher mit einzelnen Militärärzten in Verbindung treten. Zeuge Koch bekundet: Ich stand vor einem Stück weißen Papieres. Ich nahm mir vor, mit der Frau Dieckhoff Fühlung zu nehmen und wählte eine Form, in der sie wohl ihrer Rede freien Lauf lassen würde. Ich entnahm aus den Akten, daß ihr Mann verdätig war, mit einem Dr. Hoppe in Minden in Verbindung zu stehen. Ich stellte mich ihr als Dr. Hoppc vor und sagte, ich solle gerichtlich vernommen werden Sie war sehr erstaunr. Ich fing an zu erzählen, wie dae gekommen. Sie wollte nicht zugeben, daß sie Dr. Schimmel kenne. Als Kriminalist habe ich immer die Erfahrung ge macht, daß die Thäter ihr Thun zu defchönigen suchen. — Witwe Dieckhoff: Ich gebe zu, daß ich das größtenteils so gesagt habe, ich habe aber immer gesagt, daß ich davon meinem Manne erfahren habe. Ich hatte nicht geglaubt, einen Spion vor mir zu haben, ich hatte gemeint daß es Oberstabsarzt Dr. Hoppe sei. Erst aus der Anklagt habe ich gesehen, wie es war. Zeuge Koch: Ich hab« diesen Weg benutzt, weil ich absolut keine Spur zwischer Freimachern und Aerzten hatte. — Zeuge Koch berichtet noch über weitere Nachforschungen in Münster und Jülich In Jülich sei ihm im Hotel Dißmann auf Grund einer Photographie Baumanns erklärt worden, daß Baumanr dort verkehrt habe. Baumann entgegnet, er sei nie ir Jülich gewesen. Zum Schluß der heutigen Sitzung wurder die Akten des Bochumer Prozesses gegen Dieckhoff vou Jahre 1872 und protokollarische Aussagen verlesen. Dit Dauer des Prozesses läßt sich aus dem Umftani ermessen, daß heute Zeugen auf den 3. Mai ge laden wurden.
Ein Telegramm meldet: Im Militärbefreiungsprozef wurde vom Untersuchungsrichter Spieß bekundet, daß bii meisten Freimachungen Oberstabsarzt Schimmel Magdeburg und Halberstadt herbeiführte. Es seien durch weg Söhne reicher Eltern und Einjährig-Freiwillige ge wesen. Es folgte dann die Verlesung der über das Treiber
der Familien Tieckhoff, Strucksberg und Baumann oorliegen den Akten. Ta aus viele Zeugen verzichtet wurde, ist die Verhandlung auf Tienstag vertagt worden. Dr. Schulze, Sohn des früheren Stabsarztes Sckmlze Köln, wurde dort unter dem Verdacht der M i l i t ä r b e f r e i u n g verhärtet. Ein neuer MilitärbefreiunLS-Prözeß ist in Aussicht.
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Vermischtes.
* Cottbus, 12. April. Der Obersekretär der hiesigen Staatsanwaltschaft Johannes Krüdecke hat sich in Halle nach ausgedehnten Unterschlagungen erschossen.
* Leipzig, 12. April. Der 25jährige Hausdiener Keil aus Berlm, der vorgestern mit der 17jährigen Tochter seines LogiSwirteS, Elfe Linke, heimlich Berlin verlaffen hat, wurde heute von dem hierhergeeilten Baker des Mädchen-, Kellner Linke, in der hiesigen Wohnung der Mutter dcS Keil erhängt und Else Linke auf dem Bett liegend als Leiche, anscheinend vergiftet, aufgefundeu.
* Metz, 12. April. Bei dem 2. Bataillon des hier garnifonierenden bayer. 8. Jnf.-RegimenlS traten seit Ende vorigen Monats gleichartige fieberhafte Erkrankungen in großer Zahl auf, die nach ihrem Verlauf als Unterleibstyphus bezeichnet werden müssen. Die Epidemie hat in den letzten Tagen großen Umfang angenommen, so daß die als Typhus fest- gestellten Zugänge am 12. d. M. die Zahl 250 ececichten. DaS Bataillon ist auf Fort „Manteuffel- untergebracht, in dessen Umgebung unter der Zivilbevölkerung der Typhus nicht selten vorkommt. Eine im benachbarten Schlosse Grimout untergebrachte Abteilung des gleichen Bataillons, welches anderes Trinkwasser bezieht, ist bisher von dieser Krankheit verschont geblieben. Für die Pflege der Erkrankten wie gegen die Weiterverbreitung der Seuche wurden die umfassendsten Maßnahmen getroffen.
* Zürich, 12. April. Bei Hendschikon auf der Strecke Aarau-Wohlen entgleiste ein Personenzug. Der Postkondukteur Kießling wurde getötet, mehrere Passagiere verletzt.
* Ein geistlicher Mörder. Einem Blatte wird aus Neapel gemeldet: Ein Priester, namens Pietro Potenza m Neapel, wohnte bei einer Witwe mit zwei Kindern. Er versuchte, durch die Reize der schönen Neapolitanerin bestrickt, mit dieser ein Liebesverhältnis anzufangen. Immer wieder von der tugendsamen Frau in feine Schranken zurückgewiesen, drohte er endlich sie zu ermorden, wenn sie seinen Wünschen nicht nachgebe. Da sich die Aermste der Brutalitäten nicht mehr erwehren konnte, entschloß sie sich, mit ihren Kindern nach Amerika auszuwandern. Sofort besorgte sich auch der Priester einen Auswandererpaß. Nun endlich wandte sich die Frau an die Polizei. Auf dem Wege zur Quästur aber ereilte sie der Priester und schoß sie nieder. Als sich der die Mutter begleitende Knabe jammernd über den Leichnam warf, tötete er auch diesen durch einen Revolverschuß. — Die That trug sich nachmittags auf offener Straße zu. Der Mörder konnte nur mit Gewalt vor der Lynchjustiz der furchtbar erregten Menge geschützt werden, die das Gefängnis erstürmen wollte. Nur das Erscheinen mehrerer Kompagnien Soldaten verhinderte Gewaltthätigkeiten.
• Bereczt Komitat HaromSzek, 12. April. Vergangene nacht wurden durch eine Feuersbrunst bei heftigem Sturme 60 Gebäude zerstört.
♦ Veszprem (Ungarn), 12. April. Bei der hiesigen Genoffenfchaft zu gegenseitiger Hilfe wurden seit fünfzehn Jahren betriebene Unterschleife entdeckt. Die Erbitterung der zumeist den ärmeren Klaffen angehörenden Einleger, die ihre gesamten Guthaben verlieren, ist groß. Mehrere Verhaftungen steben bevor.


