Ausgabe 
14.4.1901 Drittes Blatt
 
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schaff Der Name des Grafen Friedrich-Hohenau wurde s. Z. viel in Verbindung mit der Affaire Kotze-Schrader ge­nannt, und Graf Hohenau wurde von Berlin nach Hannover versetzt, von dort ist er dann nach Dresden zur Gesandtschaft gekommen; augenblicklich hat er unseres Wissens eine Stellung dort nicht mehr. Er ist Major geworden, hat den Abschied bekommen und vor wenigen Monaten wurde ihm eine kleine Art Reaktivierung zu Teil. Selbstverständlich ist es nach dem Bekanntwerden einer unerhörten Skandalaffaire voll­ständig mit der gesellschaftlichen und militärischen Stellung des Grafen vorbei, und er wird wohl nicht mehr in die Lage kommen, den schönen hellblauen Rock der Gardedragoner zu tragen.

Bremen, 11. April. Von einem Gelddiebstahl an BordKaiser Wilhelms des Großen" wird gemeldet: Der Diebstahl wurde kurz vor dem Anlaufen in Cherbourg, wo Contanten gelandet werden sollten, entdeckt. Die sorgfältige Untersuchung des Gepäcks der in Cherburg, Southampton und Bremerhaven landenden Reisenden, sowie die genaue Ueberwachung des Personenverkehrs an und von Bord war ergebnislos. Man ist hier zu der Ueberzeugung gelangt, daß der Diebstahl bereits in New-Jork verübt ist. Vermutlich ließ sich der Dieb in der Nacht vor der Abfahrt in den Lade­raum vor der Contantenkammer einschließen und begab sich morgens während des AnbordkommenS der Passagiere mit dem Raub wieder an Land. Die Barren hatten einen Wert von genau 88000 H/K. Der Dampfer ist streng abgeschlossen. Alles, was vom Dampfer kommt, wird ganz genau unter­sucht. Der Dampfer hat in New-Jork ca. 2 Millionen Contanten, teils in gemünztem Gold, teils in Goldbarren, an Bord genommen. Daß bei der Uebernahme ein Versehen stattgefunden hat, wird von zuständiger Seite als ausgeschlossen bezeichnet. Die Contantenkammer ist von Gepäckstücken dicht umgeben. Als bei der Ankunft in Southampton die für Eng- land bestimmten Barren gelandet werden sollten, zeigte sich, daß die Kammer erbrochen war. Die gestohlenen Goldbarren, die für die Berliner Münze bestimmt waren, hatten jeder ein Gewicht von 10 Kgr.

* Eine alte römische Stadt entdeckt. Aus Rom wird gemeldet: Bei Cancello (Caserta) wurden die Funda­mente einer alten Stadt mit kolossalen Prachtgebäuden eines davon hat 40 Mtr. Front entdeckt. Unter den Trümmern fanden sich überaus feine Säulenkapitäle und Friesfragmente; ferner wurde eine wertvolle Marmorstatue mit einer Phrygischen Mütze ans Licht gefördert.

* Galizische Redakteure. Aus Neu-Sandec wird derOstd. Rdsch," berichtet: Der Herausgeber des hiesigen volnischen Lokalblattes, Felix Dörfler, stand wegen Preß­vergehens vor Gericht, weil er das einemal einen Toten,

und später den stadtbekannten Straßenbettler Stanislaus Ostrowski als verantwortliche Redakteure seines Blattes an- aemeldet hatte. Der Straßenbettler wohnte der Verhand­lung als Zeuge bei und gab an, daß er für seine Würde einen Monatsgehalt von 5 fl. bezogen habe. Betreffs des toten Redakteurs legte der Angeklagte zu seiner Verteidig­ung dessen Papiere vor, aus denen hervorging, daß er alle vom Preßgesetz geforderten Eigenschaften besaß. Daß der verantwortliche Redakteur auch leben müsse, sei im Preßgesetz nicht ausdrücklich vorgeschrieben. Der Gerichts­hof ging aber auf dieseRechtfertigung" nicht ein und verurteilte Felix Dörfler zu sieben Tagen Arrest.

* D i e Schätze einer Sängerin. Die Nachricht, daß Adelina Patti, die jetzige Baronin Cederström, ihr Craig-y-nos verkaufen will, hat unter den Dorfbewohnern im Swanseathale keine geringe Bestürzung hervorgerufen. Tie große Diva ist bei den einfachen Leuten in der Nach­barschaft außerordentlich beliebt, und so sehen sie die Göttliche natürlich nur shr ungern fortziehen.Craig-y- nos", wasFelsen der Nacht" bedeutet, hat seinen Namen von einem großen kuppelförmigen Hügel, an dessen Fuß das schöne Schloß liegt. Tas mächtige Gebäude ist an der Seite von Gewächshäusern, Treibhäusern für Weinstöcke und Pfirsichbäume begrenzt. Die Patti hat wie die meisten Frauen eine große Furcht vor nächtlichen Einbrechern. Zwei Wächter machen allnächtlich die Runde um das Schloß, und alle Fenster sind mit einer sinnreichen Anwendung von Lärmglocken versehen. Diese Vorsichtsmaßregeln sind in der That notwendig; denn das Schloß ist ein wirkliches Schatzhaus. Es ist von kostbaren Geschenken von königlichen und anderen vornehmen Personen, die die große Sängerin mit ihrem Gesang entzückt hat, angefüllt. Tazu gehören ein schönes Diamanthalsband, ein Geschenk der Königin Viktoria, und ein mit Edelsteinen gerahmtes Kleinbild Der englischen Königin. Einen Ehrenplatz hat auch das in Diamanten und Perlen gefaßte Bild der Königin von Por­tugal. In einem kleinen Zimmerchen befinden sich die mit Kleinodien besetzten Ohrringe Marios, die der große Tenorsänger bei einem der letzten Male, wo er und die Patti zusammen sangen, trug, ferner mehrere Lorbeer­kränze aus gediegenem Gold, von denen einer besonders schön ist, der auf jedem Blatt den Namen einer Oper, ihren Komponisten und die von der Diva gespielte Rolle engeschnitten trägt. Tie Patti besitzt nicht nur das größte Klavier der Welt, sondern auch das teuerste Orchestrion. Dieses wundervolle Instrument kommt den vereinigten An­strengungen von achtzig Musikern gleich, hat einen Spielplan von über 80 Opernstücken und Liedern, und kostet nicht weniger als 60000 Mark. Einen Schatz, den die Patti nicht weniger hochhält, obgleich sein wahrer Wert fast gleich Null ist, ist eine alteHenriette" genannte Puppe, die die Künstlerin, wie sie stolz erzählt, im Alter von 7 Jahren für schönes Singen" erhielt.

Arbeiterbewegung.

Mainz, 11. April. Zurzeit tagt hier der Y[. Verbandötag des C e n t r a l v e r b a n d e s der Maurer Deutschlands bei ziemlich lebhafter Beteiligung aus ganz Deutschland. Der Verband zählt gegenwärtig 82 964 Mitglieder gegen 74 534 im vorigen Jahre, das Ver- bandsverrnögen beläuft sich auf 848 711 Mk. 38 Pfg Die Haltung des Derbondsorgans wurde von verschiedenen Rednern einer strengen Kritik unterzogen. Betreffs des Kartellwesens hatte Magdeburg beantragt, sich mehr als seither mit diesem zu beschäftigen. In langer Debatte kriti­sierten die meisten Redner den Umstand, daß die Bauarbeiter seitens der Kartelle etwas stiefmütterlich behandelt würden. Bei der Frage ^Lohn­bewegung und Streik" wurde es gerügt, daß die Lohnbewegungen in ein­zelnen Orten zu einer für das Baugewerbe nicht gerade günstigen Jahres­zeit eingeleitet worden seien, das sei ein großer Fehler und der Eifolg in solchem Falle immer fraglich. Es sollen für die Folge keine Unter­stützungen für solche Angriffsstreiks mehr gegeben werden, die gegen Ende des Sommers unternommen würden. Die Generalversammlung des Verbandes der Bäcker Deutschlands, die gegenwärtig h^er tagt, lehnte mit 23 gegen 17 Stimmen der Delegierten die Einführung einer Arbeitslosen-Unterstützung ab. ES wurde aber beschlossen, nunmehr die Mitglieder des Verbände« selbst über die Einführung einer Arbeits­losen-Unterstützung abstimmen zu^^err

Auszug aus Sen Kirchenbüchern der Stadt Gießen.

Evangelische Gemeinde.

Getraute.

Johannesgemeinde.

Den 80. März. Johann Georg Borchmann, Taglöhner zu Gießen und Katharine Elisabethe Reichwein, Tochter des verstorbenen TaglöhnerS Georg Ernst Reichwein zu Gießen.

Denselben. Peter Stoll, Taglöhner zu Gießen, ein Wittwer, und Maria Herrmann, Tochter des verstorbenen Feldwebels Johann Adam Herrmann zu Gießen.

Denselben. Heinrich Gravelius, Schlosser zu Gießen und Johanna Adolfine Georgine Fischer, Tochter des Schneidermeisters Georg Fischer zu Gießen.

Getaufte.

Lukasgemeinde.

Den 31. März. Dem Restaurateur Karl Lenz ein Sohn, Willy Justus Adolf, geboren den 17. Februar.

Den 3. April. Dem Ober-Postassistent Karl Konrad Sehrt ein Sohn, Eduard, geboren den 3. März.

Schiffsnachrichten.

Der PostdampserWesternland" derRed Star Linie", in Ant­werpen, ist laut Telegramm am 10. Aprll wohlbehalten in Nerv-Dor? angekommen.

Spazierstöcke

stets Neuhetikn.

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Arbeitsverdingung.

Die Lieferung der Arbeiten zum Bau eines neuen Schul­hauses für die Gemeinde Bieber, als:

1. Erd- und Maurerarbeiten m'ck Materiallieferung,

2. Zimmerarbeiten

8. Eisenlieferung,

4. Dachdcckerarbeiten

5. Spenglerarbeiten ,,

6. Tüncher- und Anstreicherarbeiten

7. Glaserarbeiten n

8. Schreinerarbeiten

9. Schlosser- und Schmiedearbeiten

10. Brunnenarbeiten

II. Pflasterarbeiten n

soll im Submissionswege verdungen werden.

Zeichnungen und Bedingungen sind bei dem Architekten

Gust. Hamann, Gießen, Bergstraße 11 einzusehen.

Vorgeschriebene Angebotsformulare find auf genanntem

Bureau gegen Erstattung der Kopialgebühren erhältlich.

Angebote sind in geschloffenem Kouvert mit entsprechender

Die Bürgermeistereien.

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Aufschrift versehen bis spätestens Freitag deu 19. April, vormittags 10 Uhr bei genanntem Architekien einzureichen.

Zuschlagsfrist 14 Tage.

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Die Aufnahme der schulpflichtigen Kinder.

Moutag deu 15. April d. I, vormittags von 10 biS 12 Uhr, findet in der hiesigen Volksschule, und zwar in der Stadtknabenschule im Zimmer Nr. 3, 1. Stock, in der Stadtmädchenschule Zimmer Nr. 10, 2. Stock, die Aufnahme der Kinder statt, welche bis 1. Mai d. I. das sechste Lebensjahr zurückgelegt habe».

Auch können am genannten Tage auf Wunsch der Eltern oder deren Stellvertreter solche leiblich und geistig nicht unreife Kinder ausgenommen werden, welche bis zum 30. September d. I. das sechste Jahr vollenden. Bei dec Anmeldung der Kinder ist der Impfschein vorzulegen und bei auswärts Ge­borenen der Geburtsschein mitzubringen. Außerdem haben diejenigen Eltern, welche von der Gewährung freier Lehr­mittel für ihre zur Aufnahme gekommenen Kinder Gebrauch machen wollen, unter Vorzeigung des letzten Staatssteuerzettels bei dem betreffenden Oberlehrer Antrag zu stellen.

Gießen, am 6. April 1901. 2677

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