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14.4.1901 Drittes Blatt
 
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151 Jahrgang

Sonntag 14. April 1901

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GichemrAnzeiger

General-Anzeiger v

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Nr. 87 Drittes Blatt

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Volitische Tagesschau.

Ter Vorsitzende der KanalkomMission, Abg. v. Eynern (natL), weilt zu seiner Erholung in Italien. Er wird bis zum 19. April, an dem die Kanalkommission ihre Beratungen wieder ausuimmt, zurückgekehrt fein. Die Kreuzztg." macht diese Mitteilung und meldet gleichzeitig, daß im Abgeordnetenhause eine Besprechung von Abgeord­neten der Mark Brandenburg über die Frage der Oder- Regulierung stattgefunden hat. Was Herrn v. Eynern be­trifft, so ist ihm eine Erholung nach den Kanalerörterungen gewiß zur Notwendigkeit geworden, denn selten hatte der Vorsitzende einer parlamentarischen Kommission ein so un­erquickliches und undankbares Amt, wie in diesem Falle. Tie eigentlichen Herren der Situation sind ja von Anfang an die Führer der Kanalopposition, Graf Limburg- Stirum (kons.) und der Expräsident der Seehandlung, Freiherr v. Zedlitz (freit) aewesen. Nach ihren Wünschen und Tirektiven mußten die Verhandlungen geführt werden, umsomehr, als auch die Zentrumsmitglieder nichts einzu- wenden hatten gegen die allergründlichste Diskussion der Kanalpläne. Es fragt ficfy, wie lange Herr v. Eynern, und wie lange die Regierung diese uferlosen Tebatten noch mit anhören werden. Tas Thema ist ergiebig genug, um noch Monate lang variiert werden au können. Ten Beschluß macht mit tötlicher Sicherheit die Ablehnung des Mittel­landkanals, sowie des Dortmund-Rheinkanals auf der Basis der Emscher-Linie, und was von dem großen Wasserbau­programm übrig bleibt, sind einzig und allein dieKom­pensationen". Gegen die Entschädigung der durch die beiden vauptkanäle sich beeinträchtigt fühlenden Landesteile be­stehen wenig Einwendungen in diesem Punkte herrscht eine schöne Einmütigkeit. So wird auch zweifellos über die Frage der Oder-Regulierung unter den Abgeordneten der Mark Brandenburg ein rasches Einvernehmen erzielt worden sein. Nur fehlt begreiflicherweise der Regierung die Neigung, diesGeschäft" zu machen, wobei sie alles be­willigen soll, ohne die Gegenleistung zu erhalten. Mit der bisher geübten Delikatesse, diesen Standpunkt von Zeit zu Zeit anzudeuten, wird die Regierung freilich den Ver­handlungen der Kanalkommission keine Grenzen setzen. Es ist an der Zeit, daß eine entfdjiebene Erklärung im Namen des Gesamtministeriums eine baldige Entscheidung herbei­führt darüber, ob noch immer die Aeußerung des Grafen Limburg für die Rechte gilt:Den Mittellandkanal bauen wir keinenfalls."

Aus Stadt und Kand.

töteten, den 13 April 1901

** Kriege rkameradschaftHassi a". Nach dem soeben erschienenen Jahresbericht der Kriegerkameradschaft hassia" hat das vergangene Jahr dem Landesverband den

stellung.

>d abends 8 Uhn MN«. Aswans entgegen zu 8 grvßulige Programm

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9orMung.

esellitasl der verehrten nMetz ßtbmobl

Verband einen Beitrag zur deutschen Litteratnr geliefert hat in Gestalt eines Fachkommersbuches. Wer die Poesie des Drahtes und des Telephons kennen lernen will, wird auf überraschende Funde stoßen. Das Fachkommers­buch der Postbeamten hat in feiner Art schon Schule ge­macht, denn in Nacheiferung dieses Werkes sind bereits auch die Eiseilbahnbeamten vorgegangen. Wer wie der Schreiber dieser Zeilen dieser Entwickelung näher steht und das Kleinleben der Beamtengruppen verfolgt, der hat seine Freude an dieser Rührigkeit, an diesem Bildungseifer und Vorwärtsstreben.

gm Stnlkrn MumLlMst ick mich aitgekgenW.

ich stets mrätig W pttist kivigsi.

ftine Hopfner

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1. April: IdiHw« I für Gießen, abends 8 Uhr.

Ein Beamten-Verband.

Dem aufmerksamen Leser der Parlamentsberichte wird es nicht entgangen sein, daß keine Beamtenkateaorie in den Tebatten des Reichs- und des Landtags eine so große Berücksichtigung findet, wie die Poft- und Tele- graphen-Assistenten. Tas liegt nicht etwa daran, daß diese Beamten bedeutend mehr Grund hätten, zu klagen, als andere Beamte. Andere Beamtenkategorien, besonders dieEisenbahner", könnten nach Lage der Tinge noch mehr klagen, als diese mittleren Postbeamten. Aber sie haben nicht die vorzüglick)e Vertretung durch die Fachpresse und Abgeordnete, wie sich einer solchen die Post- und Tele- tzraphen-Assistenten erfreuen. Bekanntlich haben diese einen Über 15 000 Mann starken Verband und ein eigenes Ver- handsorgan. Verband und Fachblatt bestehen seit zehn Jahren und haben gewissermaßen schon ein wenig Geschichte gemacht, die zu einer sozialen Studie interessanten Stoff böte. Erst vor kurzem wieder hat sich das Zusammengehörig­keitsgefühl dieser Beamten in einem einzig dastehenden Beispiel von Opferwilligkeit gezeigt. Es galt, für einen erblindeten und mittellosen Kollegen Geld aufzubringen. Ein Aufruf erbrachte die Summe von nahezu 10 000 Mark, sodaß dem Erblindeten eine jährliche Beihilfe von 600 Mark di- zu seinem Tode ausgesetzt werden konnte. Fürwahr, ein schönes Beispiel von Selbsthilfe und Solidaritätsgefühl, das nid)it verfehlen kann, auch in anderen Beamtenver­bänden zur Nacheiferung anzuspornen. DieDeutsche Post­zeitung", das Organ der Post- und Telegraphen-Assistenten, zeichnet sich vorteilhaft aus durd) zahlreiche gute Bei­träge. Man findet darunter aus der Feder von Postbeamten Aufsätze, die an klarem Stil und reid^ent Wissen nichts Alt wünschen übrig lassen. Ter Verband pflegt eine gewisse Int e*n ationalität edelster Art, wohl eine Richtung, die er non dem Postvater Stephan bekommen hat. Ter erste Reichspostmeister war ja bekanntlich ein Freund der Idee, daß unter dem Zeichen des Verkehrs und der Welt- post die Menschen mehr und mehr davon abkommen würden, einander mit Sabul und Flinte auf den Leib zu rücken, vielmehr sich seelisch einander nähern würden. Daher finden wir deutsche Postbeamte auf dem internationalen Kongreß, der vor zwei Jahren in Como zu Ehren Voltas zusammenkam, ebenso auf einem ähnlichen Kongreß bei Gelegenheit der Weltausstellung. Deutsche, französische, englische, italienische und amerikanische Berufsgenossen in fröhlichem Bunde ein Beispiel, dem man wünschen möchte, daß es Schule machte! Doch daran ist kein Zweifel, daß Kriege auch in den modernen Staaten durch Cliquen- mache und nationale Verhetzung entfacht werden können, dies aber um so schwieriger ist, je mehr sich die breiten Schicksten des Volkes burdi persönliche Fühlung von der Hinfälligkeit des nationalen Eigendünkels überzeugt haben. Ter internationale Anflug der deutschen Post- und Tele­graphen-Assistenten ist ein kleines, aber bedeutsames Mo­ment, geeignet, das nationale Selbstgefühl gerade dadurch ru heben, daß bie Deutschen bei solchen internationalen Zusammenkünften aus dem Munoe ihrer ausländischen Berufskollegen genug hören, um auf ihr deutsches Post­wesen stolz zu werden. Uebrigens ist vor kurzem dies- bezüglidii ein interessantes Buch erschienen:Die Volta- Festtage der Telegraphisten". Dies Werk enthält Darstell­ungen jener .Amgreßtage aus der Feder von Mitbeteiligten in italienischer, französischer, englischer und deutscher Sprache, für den Kulturhistoriker ein interessantes, Ltudienwerk. Nicht unerwähnt soll bei dieser Gelegenheit bleiben, daß der deutsche Post- und Telegraphen-Assistenten-

ansehnlichen Zuwachs von 31 Vereinen gebracht, darunter 25 neugegründete. Ausgeschlossen wurde ein Verein, während ein weiterer Verein sich aufgelöst hat. Am 31. Dezember 1900 zählte dieHassia" 860 Vereine mit 45 204 aktiven unb 6479 passiven Mitgliedern. Nach der Rechnungsablage be­trugen die Einnahmen: 1. bei der Verbandskasse 30 659 Mark, 2. bei der Prinz Ludwigstiftung 1466 Mk., 3. bei der Emst Ludwig-Viktoria Melittastiftung 9079 M. Tie Ausgaben waren bei 1. 28 523 Mk., bei 2. 883 Mk. und bei 3. 4567 Mk. Das Vermögen betrug bei der Verbandskasse 94154 Mk., bei der Prinz Ludwigstiftung 26 584 Mk. und bei der Ernst Ludwig-Viktoria Melittastiftung 10 977 Mk Das für Veterarienunterstützung bestimmte Kapital ist 31964 Mk. stark. An Unterstützungen wurden 5600 Mk. gewährt und. Unterstützungszulagen für Veteranen 2555 Mk. Die Prinz LudrviaMftustg zahlte 870 Mk. Unterstützungen und die Emst Ludwig-Viktoria Melittastiftung 139 Beihilfen an Kon­firmanden mit 2010 Mk. Für ba§ lausende Jahr sind zu gleichem Zweck 2245 Mk. yorgesehen. Tas Verbandsorgan, dieParole" wurde in 935 Exemplaren gelesen. Jahrbücher wurden die erhebliche Zahl von 32322 Stück vertrieben, woraus- dem Verband ein Gewinn von 5818 Mk. zukam, welcher Betrag zur Unterstützung hilfsbedürftiger Kameraden Ver­wendung fand. Mit Befriedigung kann konstatiert werden, daß durch die von dem Präsidium mit der Zentralanstalt für Arbeitsnachweis in Darmstadt getroffene Einrichtung des kostenlosen Nachweises von Arbeitsstellen eine größere Anzahl solcher Stellen mit den im Herbst zur Entlassung gekommenen Reservisten besetzt wurden. Ter diesjährige Telegiertentag findet am Sonntag den 9. Juni in Wimpfen statt.

* Kleine Mitteilungen au! Hessen nutz den Nachbarstaaten. In Hungen hat sich als dritter Arzt Tr. Wagner, bisher Assistent am städtischen Krankenhaus in Mainz, nieder- gelassen. In der Osterwoche wurde in Nieder-Flor- stadt das älteste Gemeindeglied, die kinderlose Witwe Anna Marie Jöckel, geb. Kratz, im Alter von nahezu 94 Jahren, begraben. Merkwürdig war, daß die lange baufällige Scheuer ihrer Hofraite wenige Stunden nach ihrem Tobe zusammenfiel. Ergänzend zu unserem Bericht über die verschiedenen in einem Hotel in Butzbach versuchten Brandstiftungen, können wir heute berichten, daß die Brand­stifterin vor dem untersuchenden Richter gestand, daß sämtliche Brandversuck)e von ihr herrühren. Die schwarzen Blattern, deren Ausbruch bei einer polnischen Arbeiterin in Offenbachwir kürzlich meldeten, sind nunmehr gänz­lich erloschen. Die erkrankte Person ist geheilt und die wegen der Ansteckungsgefahr isolierten Personen sind ent­lassen. Mittwoch abend erschoß sich in Worms unweit der Eisenbahnbrücke ein etwa 20 Jahre alter Kaufmann. Als Ursache wird Liebeskummer angenommen. Im Ge- werb e-Museuw in Darmstadt sind z. Zt. die von der Pariser Weltausstellung 1900 für die Sammlungen der Grvßh. Zentralstelle für bie Gewerbe erworbenen tun sh- gewerblichen Gegenstände ausgestellt.

Vermischtes.

Berlin, 11. April. Graf Friedrich Hohenau, dessen Namen in einem widerlichen Schmutzprozeß genannt wird, bestndet sich auf einer Vergnügungsreise auf der Lust­yacht der Hamburg Amerika Linie nach dem Orient. Graf Hohenau war hier Rittmeister in einem der Gardedragoner- -Regimenter und spielte mit seiner bildhübschen Frau, eine Charlotte von der Decken, eine große Rolle in der Gesell

in toller Lustigkeitbegossen"; kein Mime von Ruf, der in dem berühmten Lokale nicht manchmal Gast gewesen wäre? Tressel war speziell ein Freund des Bühnenvölkchens und pflegte die Beziehungen zu diesem lustigen Stande, trotz aller Opfer, die eine solche Neigung mitunter kosten soll, mit großer Vorliebe. Wenn er Memoiren hinterlassen hätte, wurde bie Berliner Geschichte der letzten 50 Jahre um einen interessanten Beitrag reicher sein. Denn er hat sie fast alle gekannt, die ans der großen Masse herausragten und er hat sie vielfach besser gekannt als die nüchterne Umgebung des Alltags, der Straße, sie erkennen ließ. Bei ihm waren sie fröhliche Zecher und mand)es freie Wort, mancher kräftige Fluch kam in seinem Reiche Uwhl über sonst herb verschlossene kühle Geheimratslippen; mancher kecke Witz flog in der Weinlaune mit den Champatzner- propfeu um die Wette heraus, wenn die rechten Brüder bei­sammen saßen? Aber er hat keine Memoiren geschrieben und so manche lustige Schnurre, die er gewußt hat, ist mit ihm zu Grabe getragen auf dem Torotheenstädtischen Kirchhof, wo ihm seine letzte Schlummerstätte bereitet ist Es war eingroßes" Begräbnis, das dem einstigen armen Kellner aus bei Karlstraße zuteil wurde. Ein Kammerherr der Kaiserin legte am Sarg desHoftraiteurs" einen kost­baren Kranz nieder, der Polizei-Präsident und andere hohe Beamte zeigten sich im Gefolge, dem auch ein erheblicher Teil aus der Theater-Welt nicht fehlte Neben Emil Thomas stand Georg Engels; Lindau und Blumenthal, der neue Direktor desBerliner Theaters", der alte des Lessingtheaters, auch Dorn, der Leiter des Wintergartens erwiesen dem Freunde die letzte Ehre? Sein Name wird so bald nicht vergessen werden; denn noch mancher gute Romandichter wird von feinen Lebemänner- Kapiteln immer wieder eines beiTressel" unter den Linden

spielen lassen, und der liebe Leser, der ein bischen Anlage zum Genußmenschen hat, wird bann wollüstig seufzen oder mit der Zunge schnalzen, bis endlich neue Sterne am Kneipen-Himmel auftauchen und den Glanz der alten langsam verblassen machen? Etliche freilich von den alten bewahren sich den Glanz ihrer Höhezeit, weil ihnen ber Name ihrer Stammgäste zur Unsterblichkeit verhalfen hat, wie z. B. Lutter und Wegener, wo Devrient und E. I. A. Hoffmann ihre feuchten Nächte feierten; bie meisten jedoch werden langsam vergessen. In unseren Väter­tagen, vor Dressel also, stand Poppenberg in erster Reihe. Kein Mensch weiß noch etwas von ihm. Wer heute nach Berlin kommt, wird unfehlbar zu Kempinski ge­schickt, wenn er Wein trinken will. Bei Kempinski speist man vorzüglich und babei sehr preiswert, bei Kempinski an oer großen Verkehrsader Berlins, der Leipziger Straße, trifft man sich am bequemsten; so ist Kempinski augenblicklich Mode geworden, so Mode, daß man sehr häufig keinen Platz mehr dort findet. Aber der Reiz des Intimen, das biedere, alte Gesicht, das eine richtige deutsche Kneipe haben muß, fehlt ihr. Auch Kempinski wird seine Ablösung finden. Eine wirkliche Sehenswürdigkeit bilden die Keller-Räume des K a i s e r h o t e l s in der Friedrich­straße. Dort hat man mit viel Geschmack und jedenfalls kolossalen Kosten ein ganz herrliches Zecherheim geschaffen. Die berühmtesten Weinstuben Deutschlands sind in ihren Hauptpartien dort nachgeahmt; und wer sich nach Bremen in den Apostelkeller oder nach Lübeck in die ratsherrliche Trinkstube träumen will, kann das hier haben. Freilich die alten Edeltropfen, bie in den Fässern der reichsMdttschcn Ratskeller schlummern, find nicht zu haben. Aber in Lubec» und Bremen bekommen sie ja auch nur bie

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Kerliner Kries.

(Plaudereien aus der Aaiferstadt.)

(Nachdruck verboten.)

Der Heimgang eines McheukorrigS. Alte unb neue Berliner LiebltngSlokale.

Drefsel ift tot! ... . Ich war gerade in einem Greife von alten Berliner Journalisten, Bühnenjüngern unb «nberem leichtblütigen Volk, als ein neuer Gast mit ber Künde in die alte verräucherte Bierstube der Friedrichstadt 6ereinfam, daß der König der Kücken einen Schlaganfall erlitten habe, dem er trotz aller ärztlichen Hilfe und Kunst wahrscheinlich erliegen müsse. Und es legte sich für ein paar Minuten wie ein Bann auf die kleine Gesellschaft TaS lustige Lachen verstummte; die Blicke wurden ernst und die Stirnen düster; denn sie kannten ihn fast alle, den liebenswürdigen, immer heiteren, hilfsbereiten Gastwirt, dessen LokalUnter den Linden" einen Weltruf besitzt; durch dessen blitzende Sck)eiben sehnsüchtiger Künstlerblick bringt, bis eines schönen Tages ein klingender Erfolg alle Vernunftgründe über den Haufen wirft und der Glückliche Kopfenden Herzens die Hand auf den Thürgriff legt, und Einzug hält in das Paradies der Feinschmecker, um feine Sehnsucht zu stillen und auch einmalfürstlich" zu speisen! Srubolf Tressel, der Verpflege! der oberen Zehntausend, in dessen behaglichen Räumen ber flotte Gardeleutnant die edlen Weine der Champagne schäumen und mit dem Schaume die väterlichen Moneten verfliegen ließ, hatte auch dis Ritter vom Geiste bei sich zu Gaste; mancher scharfer vMlamentsrebner hat sich in den intimen Kneipgemächern naxff den Redeschlachten des Tages Erholung gegönnt, mancher durchschlagende Theater-Erfolg wurde bei Tressel