Ausgabe 
14.2.1901 Zweites Blatt
 
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Offiziere dienenden Lokalitäten seines Anwesens entsprechend baulich zu vergrößern. Heute mittag wurde in der Nachbar- g^markung Pohl-GönS eine fremde Mannsperson, an­scheinend ein Handwerksbursche, hinter einem Stroh. Haufen im Felde erfroren aufgefunden.

fc. Laub ach, 11. Febr. In großen Schrecken wurde gestern nacht eine Familie versetzt. An der HausthÄ wurde unter Hilferufen heftig angepocht. Vom Fenster aus be­merkte man einen halbangekleideten Mann, der in der Hand eine brennendeLampe hielt. Es war ein . in der Nähe wohnender junger Spenglermeister, dem man bald ansah, daß man es mit einem Irrsinnigen zu thun hatte. Der Irrsinn war bei dem Manne, der bis am vorhergegangenen Tage seinem Geschäfte in richtiger Weise vorgestanden hatte, ganz plötzlich in der Nacht zum Ausbruch gekommen. Ter Unglückliche, der an Verfolgungs­wahnsinn leidet, wurde in die Jrrenklinik nach Gießen gebracht. Er hat eine Frau und vier Kinder.

Darmstadt, 12. Febr. Der Großherzog empfing am 12. Februar u. a. den Bürgermeister Mecum und den Regierungsrat Wagner von Gießen. Gestern ist Geheimrat Dr. med. Hermann Pfeiffer im 71. Lebens­jahre gestorben. Bis vor wenigen Jahren stand der Ver­blichene der Abteilung für öffentliche Gesundheitspflege im Ministerium des Innern vor, in welcher Stellung er eine ungemein segensreiche Thätigkeit entfaltet hat. Um die Statistik unseres Landes hat sich Dr. Pfeiffer ganz be- ondere Verdienste erworben; er war bis zu seinem Tode Präsident der Großh. Zentralstelle für die Landes­statistik, deren Publikationen für viele Arbeiten aus diesem oder jenem Gebiete grundlegend erscheinen. Als Mensch genoß der Verstorbene, der früher eine ausgedehnte ärzt­liche Praxis hatte und als trefflicher Diagnostiker befon=; ders geschätzt war, allgemeine Hochachtung und Liebe.

sch. Darmstadt, 12. Febr. Die Beratungen des Finanz- Ausschusses der Zweiten Kammer gehen nunmehr ihrem Ende entgegen. Der Etat ist in der Hauptsache bis auf einige Posten durchberaten, und sind die Ausschußmitglieder heute zur Inaugenscheinnahme einiger Bauten nach Oppen heim gefahren. Vor einigen Tagen fand die Besichtigung der Technischen Hochschule hier statt, und wird sich der AuS-

Der Vortrag, der für heute abend im Kauf­männischen Verein und OrtSgewerbeverein an­gekündigt war (im Hotel Großherzog von Hessen) ist durch

geistreicher Redner und tüchtiger Politiker, bei allen Parteien hochgeschätzt. In den letzten Jahren ist er nur wenig politisch an die Oeffentlichkeit getreten.

-k- Gensingen, 12. Febr. Ueber die Unterschlagung des ostagenten und Weinhändlers Scherte! von hier, der sich, wie wir bereits meldeten, in einem Walde bei Offenbach er 'choffen hat, wird jetzt näheres bekannt. Wie verlautet, hat eme genaue Prüfung der Kaffe und Kaffenbücher des Flitch- «gen einen Fehlbetrag von 25- bis 26,000 Mk. ergeben, um welchen Betrag ausschließlich die Spar- und Dar­

hatte aber bei der Polen-Interpellation keinen besonders glück­lichen Tag.Die Post muß stets koulant sein!-, so er klärte Herr v. PodbielSki selbst heute in der Budgetkommission des Reichstags.

Aus Stadt und Sand.

Gießen, den 13. Februar 1901.

Die Vertretung während dieser Zeit übernimmt Kontre- polnischer Adresse scheint doch nicht ganz den Beifall des Admiral Büchsel, Direktor des Allgemeinen Marine-Depar- Kanzlers gefunden zu haben, wenn er auch denMißbrauch

und dem deutschen Landwirtschaftsrat verschie- dingten Billigung der ReichStagS-Aeußerungen und der Ver­denk Behandlung angedeihen lassen und der Staats- fügungen des Staatssekretärs v. PodbielSki würde wohl du sekretär Graf Posadowsky sei auf dem deutschen Handels- inspirierte Notiz darauf Bezug nehmen. Herr v. PodbielSki tage, nachdem er die Begrüßungsrede gehalten habe, ver­schwunden und bald darauf sein Kommissar, stellt die Nordd. Allg. Ztg." fest, diese Behauptung ist unrichtig, der Staatssekretär des Innern, Graf Posadowsky, hat nach der Begrüßungsrede den Verhandlungen des Handelstages bis zu dem äußersten Zeitpunkt beigewohnt, der mit seiner Verpflichtung zur Teilnahme an der Eröffnung des Land­tags vereinbar war. Sein Kommissar ist sodann von Anfang bis Ende anwesend gewesen, und hat weiterhin das Referat über das Börsengesetz vollständig mit angehört.

Die Justizreform-Kommission des Reichs-

P-°

Fassung des Paragraphen 77 des Gerichtsverfassungsgesetzes l^ffor Dr. Chelius abgesagt worden.

an. Danach entscheiden die Zivilkammern und Strafkammern Gefechtsübung des Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm in Besetzung von drei Mitgliedern. Hingegen entscheiden Nr. 116. DaS Infanterie Regiment Kaiser Wilhelm rückte die Strafkammern bei der Aburteilung von Verbrechen und gestern morgen 6ya Uhr aus und marschierte nach Butzbach, Berufungsinstanz für Vergehen in Besetzung von wo Gefechtsübung mit dem in Butzbach liegenden 1. Bataillon fünf Mckglredern, wovon zwei Schöffen sind. der 168er stattfand. DaS Regiment kehrte am Nachmittag

flat mrZn D'.®ü(0to wieder über Lang-Göns, GroßewLmden und Klein-Linden

^ermanto" beginnen ES sotten 1z rrn nu g jllrM Bor der Stabt wurde das Regiment oou der Regi- von den Bäckern gemachten Bedenken gegen die schon ange^ wenlSkapelle abgehM und mit Musik durch die Stadt nach kündigte neue Bäckerverordnung persönlich vorae- ~enalcFnen gebracht, wo die einzelnen Kompagnien kurz vor tragen und um eine Milderung ersucht werden. $ Uhr eintrafen.

§ Butzbach, 12. Febr. Das Offizierkorps unseres Bataillons hat dem Vernehmen nach die projektierte Er- richtung eines eigenen Kasinogebäudes im Schloßgarten . . London, 12. Febr. DasAmtsblatt" veröffentlicht aufgegeben, nachdem derBesitzer des HotelsHessischer nUn? der Earlwürde an Lord Roberts, unter dem öof" sich bereit erklärt hat, die als Gesellschaftsräume der ^itel.Earl Roberts von Kandahar und Pre- k<«**wfc** r«:*.-» cw-^.r-Z. .r_ x. _..v

toria und Stadt Watterford."

Paris, 12. Febr. Bei der Beratung der Reform der et b e g er id) te beschloß die Kammer auf Antrag der Sozialisten mit 376 gegen 161 Stimmen die Wählbarkeit der Frauen für das Rich ter amt.

, P **ri.d' 12. Febr. Der oberste Gerichtshof kassierte das Urteil des Appellgerichts und ordnete an, daß Adele Ubao, die von den Jesuiten ins Kloster gebracht war, ihrer Mutter zurückgegeben werde.

m ~ $11 Zaragoza eine von den gestern verwundeten c"t?nen> gestorben. Alle Cafes sind geschlossen, un­gefähr 30 Verhaftungen wurden vorgenommen. Der Prä­fekt hat gestern die Abhaltung einer republikanischen Ver­sammlung untersagt, die Behörden haben die Vorsichts­maßregeln vermehrt.

Wien, 12. Febr. Im Einlaufe des Abgeordnete n- netenhaufes befindet sich die Eheerklärung des Erzherzogs Franz Ferdinand. Abg. Groß be- Meberroeifung des Antrages an einen 37gliedriaen Ausschuß zur Berichterstattung. Abg. K r a m a r z erklärt unter stürmischer Zustimmung der Czechen, daß die Er- Narung nicht in die Kompetenz des ReichDrates, sondern . .^.audtaaes gehöre und die Czechen die Erklärung für die Lander der böhmischen Krone als nicht erfolgt ansehen, demzufolge bie Czechen an der Abstimmung sich nicht be­teiligen werden. Die Czechen, Slovenen und Kro­aten verlassen unter höhnischen Zurufen den Saal, worauf der Antrag Groß angenommen wurde. Sodann kehrten sie wieder zurück. Nach Mitteilung des umfang­reichen Einlaufes ergriff Ministerpräsident v. Körber das Wort, um verschiedenen Gerüchten entgegenzutreten, als ob me Regierung an dem bisherigen Wege des Para­graphen 14 Gefallen finde. Das Haus möge aus der Reihen­folge der Vorlagen die Bereitwilligkeit der Regierung zur parlamentarischen Arbeit erkennen. Der Ministerpräsident schlagt folgende Reihenfolge vor: Budget, Jnvestitutionen, Branntweinsteuer, kumulative Waisenkassen und Rekruten- Toiitingent Das Haus möge daraus entnehmen, daß wir uns nicht in die Beschaulichkeit des Bureaus flüchten wollen, sondern als Männer der Arbeit vor Ihnen stehen, die nichts sehnlicher wünschen, als die Wiederaufnahme der parla­mentarischen Thätigkeit. Wir wollen dem .Hause nur ben ex. a id , r- _------

Weg frei machen, ber aus ber traurigen Vergangenheit a?! 13:.na^ ®te&ctl begeben, um sich an Ort und herausführt. Wir hoffen, baß Sie uns folgen werben übcr blc Notwendigkeit der im Etat für die Uni-

Prag, 12. Febr. In Ausgestaltung der Tarifreform oersitätsumbauten geforderten Zuwendungen zu tnfor vom 1 November 1900 werden ab 1. April die Kohlen- mieten. In der nächsten Woche dürfte dann die gemeinsame tar lse un böhmisch-thüringischen Verkehr, ferner im Etatberatung mit dem Finanz Ausschuß der ersten Kammer Mark LrI1t0^nna,JnaJ|tei^er9 Jf e n um 4-8 erfolgen, sodaß nach Drucklegung der Berichte, die allerdings

bleibt nur noch wn^für die Scbw^ ^A?porttarifen ziemlich viel Zeit in Anspruch nimmt, der Zusammentritt des

Sofia 12 Febr Das aenau^-oehÄ^ & Plenums Ende dieses Monats beginnen könnte, eine Hinaus

st-llt sich folgenkermüßkn i °36 StÄulowisten i? An" M V"9 ÄÄ a6et

banger Petrows (des Premierministers), 21 Anhänger Stoi wahrscheinlich fein, da auch die übrigen Ausschüße ihre Be­lows, 31 Zankowisten, 23Karawelowisten,5Radoslawowisten ratungen noch nicht beendet haben. Die LandtagS- 3 Sozialisten, 9 Türken, 13 Bauernbündler. Die An- ers atz Wahl für den verstorbenen Abg. Brunner aus Stock Jünger Petrows und die Bauernbündler bilden eine neue heim i. O. dürfte in aller Kürze vor sich gehen. Unter den Partei. 15 Stichwahlen sind erforderlich Herren, die als würdige Nachfolger Brunners und sehr ge

iutj. or r. eignete Vertreter des Wahlkreises genannt werden, hört man

yUllll Ulf CügfSsMaU. auch wiederholt den Namen des Kreisrat Dr. Fey in

** ' J Erbach i. O.

^L?/rriB,^2,£^ruar,,!t,irb un6 dWeben: Mainz, 12. Febr. Im Alter von über 70 Jahren

Alla ^.A^""äler GA Bulow läßt sich in derNordd. verschied gestern abend infolge eines Schlaganfalles der neuen^Poleukur^"ein!öbr^n®°?e ci"e.n 5enior bcc Mainzer Anwältekammer, der 2 Vorsitzende der da« qini!umführen. Es wird bet dieser Gelegenheit hessischen Anwältekammer, Geh. Justizrat Rechts kl-.d ch-n Kanzlers skizziert. Keine anwal. Dr. Karl Reinach, Mitglied ^des Provinzial,

die Polen Ä Lwu C ^anb ' wenn tageS und des ProvinzialauSschuffeS. Der Verstorbene war

wollen als "inhar?? 6Clci d^vvlnz etwas anders fein in früheren Jahren hervorragend politisch thätig als Führer dnsen Z^e " t M unb Leiter' der ehemaligen hessischen'Fortschritts,

setzung, daß Graf Bülow 'n,ter bcc Borans Partei und der späteren nationalliberalen Partei des Wahl

Ministerpräsident streng daraus preußischer kreiseS Mainz-Oppenheim. Auch war der Verstorbene eine

mendc Beschrän^un^gVn^und^Scherereien^^enen'd^Bolen^init 3°..-°ng Mitglied des srüh.ren G-meinder-.S, Er war -in unter ausgesetzt gewesen sind, unterbleiben. Was die jüngst tm Reichstag erörterte Behandlung von Postsendungen mit polnischer Adresse betrifft, fo will der Reichstan,?er - ausdrücklich spricht die offiziöse Notiz von ihm, und nicht von dem Staatssekretär deS ReichspostamtS v. PodbielSki für eine feste und gleichmäßige Praxis Vorsorge treffen Man sieht auch in diesem Falle, daß Graf Bülow von seinem Recht, den Staatssekretären Direktiven zu geben, Gebrauch macht. DaS Verfahren gegenüber den Postsendungen mit

1 lehenSkasse von Gensingen gekommen ist. Die Erregung 1 ist ungemein, da die Mitglieder der genannten Saffe sich aus­schließlich auS dem kleinen Mittelstand rekrutieren.

fc. Frankfurt a. M., 12. Febr. Die drei Brüder- Kraus aus Hornau, die unter dem Verdacht, den Arbeiter Schmitt bei Königstein ermordet zu haben, in Haft ge- i nommen waren, sind wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Nach den weiteren Ergebnissen der Untersuchung handelt es sich um einen Raubmord, bei dem allerdings die beiden verdächtigen Burschen Jakob Klaus aus Halberscheidt, Kreis Westerburg, und Heinrich Wetteroth, aus der Umgegend von , Aschaffenburg gebürtig, gestört wurden, sodaß sie nichts mitnehmen konnten. Klaus befindet sich bereits in Haft. Gegen den 24 Jahr alten Wetteroth hat der Untersuchungs­richter in Wiesbaden einen Steckbrief erlassen. Der Schluß­passus des Steckbriefs lautet: Wetteroth scheint Beziehungen zum Raubmörder Kneißl in Bayern zu haben und soll sich gerühmt haben, in Bayern in einem Walde einen Mann mit dem Messer erstochen und ihm 6.25 Mk. abgenommen zu haben.

fc. Frankfurt a. M., 12. Febr. Bei dem hier an Blinddarmentzündung erkrankten jungen Dewet wird nach Ansicht der Aerzte ein operati ver Ein griff nicht zu vermeiden sein.

Grrichtssaal.

-d- Gießen, 13. Febr. Strafkammer. Der vielfach vorbestrafte Emil Möller von Offenbach, zurzeit tn Strafhaft in der Zellenstraf­anstalt Butzbach befindlich, ist belchuldtgt, den dortigen AnstattSarzt Dr. Kullmann, während deffm Ausübung feines Dienstes dadurch gköbltch beleidigt zu haben, daß er ihn einen Schurken und Lügner nannte. Der fraglichen ehrverlrtzmden Ausdrücke sich bedient zu haben, leugnet der Angeklagte, dem ein schätzenswertes oratorischeS Talent nicht abzusprechen ist, nicht, er behauptet aber, in Wahrung berechtigter Jntereffen gehandelt zu haben. DaS Gericht vermag jedoch den to Frage stehenden Thalbestand von diesem Gesichtspunkte aus nicht zu würdigen und verurteilt den Angeklagten in Anbetracht der Schwere der dem Anstaltsarzte zugefügten Beleidigungen in eine Gefängnis­strafe von 4 Monaten. Em hiesiger Meister, Philipp Bauer III, ist geständig, die Ortskrankenkasse von Gießen, um einen erheblichen Betrag dadurch geschädigt zu haben, daß er seit Ende deS JahreS 1899 die Kaffenbetträge, die er von den bei ihm beschäftigten Arbeitern er­hob, nicht an die empfangsberechtigte Zahlstelle ablteferte, sondern für sich behielt und verbrauchte. Wegen Zuwiderhandlung gegen 582b deS Krankenversicherungsgesetzes wird er in «ine Gefängnisstrafe von 14 Tagen verurteilt, «ine verhältnismäßig niedrige Strafe, bet deren Festsetzung die augenscheinlich bedürftige VermögmSlage, die den An­geklagten zur Zurückhaltung der etnkassterten Beträge bewog, als st afmildernd tn Betracht gezogm wird. Die Gebrüder Philipp, Friedrich und Wilhelm Viehmann sind angeklagt, in der Nacht vom 26. aus den 27. Dezember v. IS. zu Allendorf a. d. Lahn den Wilhelm Mandler, JuliuS Weiß und Ludwig Stetnmüller daselbst, Philipp V. mittels eines Messers, Friedrich V. mit einer Latte, vorsätzlich ge­meinschaftlich körperlich verletzt zu haben. Die Angeklagten berusm sich, soweit fie geständig find, auf Notwehr. DaS Ergebnis der um« fangretchen Verhandlung ist, daß Wilhelm V. mangels Beweises frei­gesprochen, die beiden anderen Angeklagten aber schuldig ci tonnt unb tn Anbetracht der großen Rohheit, der fie sich bet Begehung der Ihnen zur Last gelegten Thai schuldig machten und mit Rückstcht darauf, daß sie völlig grundloser Weise über die Verletzten 6trfielen, Philipp V tn eine Gefängnisstrafe von 1 Jahr, Friedrich V. von einer Woche und in die Kostm des Verfahrens verurteilt werdm. Von großer Gemütsroheit zeugt die That der tm jugenblichm Alter stehenden Angeklagten, Ludwig Zimmer, Josef Zeder und WUHelm Libbach, die in der Nacht vom 29. auf den 30. Dezember v. I. in der Gemarkung Nieder- und Ober: Eschbach <m ganzen «3 Obstbäumchen durch Abbrechen beschädigten und zerstörten. AIS der am schwersten Belastete erscheint der Angeklagte Zimmer, der augenscheinlich der Berführer der beiden anderen war, auch aus niedriger Rachsucht sich zur Begehung des ihm zur Last gelegten Deliktes der Sachbeschädigung hinreißen ließ. Er erhält deshalb eine Gefängnisstrafe von einem Jahr zuerkannt, während seine Genoffen mit geringeren Freiheitsstrafen, und zwar Libbach, der an Intelligenz nicht auf der Höhe der Zeit steht, mit einer Gefängnisstrafe von 8 Monaten, Zeber von 6 Monaten davonkommen. Den Schluß der Verhandlung bildet die Anklage gegen die Händlerin Wilhelm Brück Ehefrau in Gießen und vier Genoffen wegen Hehlerei bezw. Diebstahls. Die Ehefrauen der Taglöhners Lesch und Lenz von hier sowie die zwei jugendlichen Margarethe Völzel und Auguste Nau sind angeklagt und ge­ständig, verschiedene Quantitäen von dem Fiskus der Main-Weser-Bah» gehörigen, auf dem Planum der genannten Bahn, in der Nähe der alten Margarethenhütte, gelagerten Kleineisenteile, wie Schrauben, Platten usw., in rechtswidriger Absicht sich angeeignet und bei der Wilhelm Brück Ehe- frau, die deswegen der Hehlerei angeklagt ist, als altes Eisen veräußert zu haben. Die vier de^ Diebstahls Angeklagten behaupten, deS guten Glaubens gewesen zu feth, daß die fraglichen Gegensiände herrenlos und ie deshalb zu ihrer Wegnahme berechtigt gewesen seien. Die Angeklagte Brück will von dem rechtswidrigen Erwerb deS ihr zum Verkauf an­gebotenen alten Eisens nichts gewußt haben. Von der Schuld der letzteren owie der Angeklagten Nau und Völzel kann sich das Gericht in der That auch nicht überzeugen und gelangt zu ihrer kostenlosen Freisprechung, während es die beiden anderen Angeklagten des ihnen zur Last gelegten Diebstahls aus $ 242 des Strafgesetzbuchs für überwiesen hält und di« Angeklagte Lesch Ehefrau in eine Gefängnisstrafe von 2 Wochen, die An­geklagte Lenz Ehefrau in eine solche von 3 Wochen verurteilt Die ehr ausgedehnte Sitzung erreichte erst kurz vor 3 Ubr nachmittags ibr Ende.

Zur Mörchiuger Offiziers-Affaire.' Wie wir bereits meldeten, lautet das Urteil des Metzer Kriegsgerichts gegen OberleutnantRüger unter Ausschluß mildern­der Umstände auf 12jährige Zuchthaus st rase unb Ausstoßung aus dem Heere. Zur Verhandlung waren 15 Zeugen geladen. Zum Beginn der Verhandlung stellte der Vertreter der Anklagebehörde den Antrag auf Ausschluß )er Oeffentlichkeit, Der Gerichtshof beschloß, die Oeffent­lichkeit zuzulassen, soweit als öffentliche Staatsinteressen nicht darunter leiden würden. Aus dem Verhör des An­geklagten ist folgendes mitteilenswert: Das Kaisergeburts­tagsmahl begann um halb drei Uhr. Jedem Teilnehmer waren aus dem Ersparnisfond ein Glas Sherry, eine Flasche Zeltinger und eine Flasche carte blanche zugekommen. EH wurde noch mehr getrunken, besonders Bier nach dem Essen. Um 9 Uhr abends saßen am Tische noch verschiedene ältere Offiziere, darunter Hauptmann Adams, Oberstabsarzt Rüger vom 144. Infanterie-Regiment und dessen Bruder, Ober­leutnant Rüger, der Angeklagte. Tie Stimmung war eine recht gemütliche. Man sang das Rheinlied, und Oberstabs­arzt Rüger hielt eine Rede über die Bedeutung des Rhein- . landes als Bindeglied zwischen Nord und Süd. Es wurden dann sogenannte Bierjungen kommandiert. Hauptmann Adams weigerte sich, zu trinken und warf ein Glas Bier um. Er wurde dafür in B. V. (Bier-Verruf) erklärt, dann irhr er mit der Hand über den Tisch, wo noch andere Gläser landen. Um zu verhüten, daß er noch weitere Gläser um­stoße es lagen schon Glasscherben auf dem Tische erfaßte Oberstabsarzt Rüger ihn bei der Hand, Hauptmann Wams streckte nun die andere Hand aus, die Oberleutnant Rüger ergriff. Nun stand Hauptmann Adams, die Hände wieder frei, auf und versetzte mit der linken Hand denx Oberstabsarzt Rüger einen leick)ten Schlag ins Gesicht. Dieser nahm die Sache zuerst als Scherz auf, aber sofort t ar auf