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14.2.1901 Erstes Blatt
 
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Nr 38

E^Mes Blatt

Donnerstag den -4. Februar

1901

General-M^eiger

151 Jahrgang

Alle Anzeigen-Vermittlungsstellen des In- und Ans. landes nehmen Anzeigen für den Glebener Anzeiger entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pf auswärts 20 M,

Annahme von Anzeigen zu der nachmittags für en folgenden Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher.

Aczngsprcl» vi: jährt. Ml. 220 v'vnallich 75 Pjg.

mit Lringerlc-lin; durch dir 'JlbbolcfitQtn vikrleljähll. M! 1.90 monatlich 65 Pfg.

Bci Postbezug Mk. 2. vtericijährt. ohne Bestellgeld.

fr(4<tKt tägNch mit ÄuSnabme de-

Montag-.

Mte Gießener Al««itteuv tätter »erden dem Anzeiger Un Wechsel mitHrff. tzandwirt" u.Blätter str Hess. Volkskunde" »ßchtl. 4 mal beigelegt.

Amts- und Anzeigeb!utt für den ICreU Glsszen.

Äeboftton, Expedition und Druckerei: rchulßrahe Ur. 7.

Gratisbeilagen: Gielrener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Mütter für hessische DalKsKunde.

Adresse für Depeschen: Anzeiger Sietze».

Fernsprecher Nr. 51.

Amtlicher geil.

Gießen, 12. Februar 1901. Betr.: Die Förderung von BolkSbiblictheken.

Die Großh. Kreisschulkommisfion Gießen

au die Ortsschulvorstäude des Kreises.

Da eS für uns von Interesse ist, über den vorliegenden Gegenstand Genaueres zu erfahren, beauftragen wir Sie, vnS nach Aeußerung der Herren Geistlichen und Lehrer bis zum 1. März I. I. folgende Fragen zu beantworten:

A. Bezüglich der Schülerbibliotheken:

1. Besteht in Ihrer Gemeinde eine speziell für die schul­pflichtigen Kinder gegründete Schülerbibliothek?

2. Welche Schriften enthält diese? (SpezialverzeichuiS wollen Sie beilegen.)

3. Wann wurde sie gegründet?

4. Aus welchen Mitteln wurden die Kosten der ersten An­schaffungen bestritten?

5. Wie wird die Bibliothek benutzt?

6 Werke für Fortbildungsschüler?

7. Welche Erfahrungen angenehmer oder unliebsamer Art wurden gemacht?

8. Werden die Bücher nur während des Winters oder das ganze Jahr hindurch ausgeliehen?

9. Wie viel betragen die jährlichen Ausgaben:

a) für Buchbinder rc. ?

b) für Neuanschaffungen?

10. Aus welchen Mitteln werden diese bestritten?

11. Wenn keine Bibliothek vorhanden ist:

a) Jfl in Ihrer Gemeinde das Bedürfnis nach einer Schülerbibliothek fühlbar?

b) Würde dieselbe voraussichtlich auch von Erwachsenen benutzt werden?

v) Welche Mittel würden zur Gründung einer Biblio­thek zur Verfügung stehen?

L. Bezüglich der Volks - beziehungsweise Kirchen- Bibliotheken.

1. Besteht in Ihrer Gemeinde eine Volks- beziehungsweise Kirchenbibliothek?

2. Von wem ist sie gegründet worden, von wem wird sie erhalten und unterstützt?

3. Wer leitet dieselbe?

4. Anzahl der Bücher; welche Litteraturen sind am meisten vertreten?

5. Zahl der Benutzer im letzten Jahr? Welchen Ständen gehören dieselben an?

6. Zahl der im letzten Jahr ausgeliehenen Bände?

7. Wie hoch belaufen sich die Ausgaben:

a) für Verwaltung?

b) für Miete?

c) für Anschaffung von Büchern?

8. Erfahrungen über den Erfolg und den Nutzen der Anstalt und ob man ihr seitens der Bevölkerung In- teresse entgegenbringt?

9. Wird ein Lesegeld erhoben? Wie viel?

10. Enthält die Bibliothek auch Schriften für Schulkinder?

11. Besteht in Ihrer Gemeinde ein Leseverein, der seine Schriften auch Nichtmitgliedern zugänglich macht?

12. Wenn keine Bibliothek vorhanden ist:

a) Ist in Ihrer Gemeinde das Bedürfnis nach einer solchen fühlbar?

b) Welche Mittel könnten zur Gründung einer solchen zur Verfügung gestellt oder erschlossen werden?

c) Könnte ein in Ihrer Gemeinde bestehender Verein die Errichtung und Verwaltung einer Bibliothek übernehmen?

v. Bechtold.

Bckamitmrntmnq.

Betr.: Bezug von künstlichen Düngemitteln.

Auf die Bekanntmachung vom 23. v. MtS. sind bis jetzt einige Bestellungen eingegangen. Ich richte daher nochmals d.e Aufforderung an alle Jntereffenten, möglichst bald ihre Sestellungeu machen zu wollen. Die Vorteile des Bezuges sind Scontoabzug, Rabatt, zuverlässig gute Ware und für die Mitglieder des landwirtschaftlichen Bezirksvereins Fracht­freiheit bis zur nächsten Bahnstation bis zum Betrage einer Bestellung von 40 Mk.

Gießen, den 11. Februar 1901.

Der Direktor des landw. BezirkSoereins. v. Bechtold.

Das Offenbacher Eisenbahnunglück hat bereits die verschiedenartigsten Pläne gezeitigt, wie für die Zukunft derartig tragischen Fällen könnte vorgebeugt werden, da als sicher anrunehmen ist, daß niemanden von dem Personal eine Schuld trifft, sondern amtlich der Ver­kettung und dem zufälligen Zusammentreffen der ver­schiedensten Umstände das Unglück zugeschrieben worden ist. Neben dem herrschenden Nebel wird besonders die starke Frequenz der Bahnlinie Bebra-Frankfurt als das Haupt- übel bezeichnet. Läßt sich auch ersteres durch menschliche Mittel nicht beseitigen, so darf doch der Nebel keine Gefahr für das reisende Publikum bedeuten. Es muß daher allen Ernstes daran gedacht werden, die Gefährlichkeit, die der Nebel den Eisenbahnzügen bereiten kann, möglichst zu ver­mindern oder besser völlig zu beseitigen. Denn gesellt sich zu dem Nebel ein starker Verkehr, wie ihn thatsächlich die Bahnlinie Bebra-Frankfurt auszuweisen hat, so kann keine Direktion die Garantie übernehmen, daß nicht vielleicht bald wieder die Kunde von einem ähnlichen Unglück die Welt durchschwirrt und die Gemüter erschreckt. Tas einzige Mittel, das darum übrig bleibt, ist eine merkliche Ent­lastung allzusehr befahrener Strecken. Wir haben darum in der Nummer 34 unserer Zeitung einem derPost" ent­nommenen Artikel Aufnahme gewährt, der einer Verbindung Hersfeld Schlitz Lauterbach Herb st ein Grebenhain Stockheim Frankfurt das Wort redet. Es werden verschiedene Vorzüge, die diese neue Ver­bindung hat, aufgeführt, die zweifellos ihre Bedeutung haben. Die Linie SchlitzLauterbach besteht bereits als Vollbahn, die Linie LauterbachHerbsteinGrebenhain wird zur Zeit aber nur als Nebenbahn gebaut. Ueber die größten Strecken HersfeldSchlitz und GrebenhainFrank­furt sind Pläne noch nicht ausgearbeitet. Da zur wirk­lichen Entlastung der Bahnlinie BebraFrankfurt die hier vorgeschlagene Bahn als V o l l b a h n gebaut werden müßte, so wäre ja für die nötige Ausbauung der vorgeschlagenen Bahn der Umstand, daß die Strecke SchlitzLauterbach

bereits als Vollbahn besteht, recht günstig. Doch glauben wir mit einem anderen Projekte hervortreten zu müssen, das gegen das hier in Anregung gebrachte nur tn diesem einen Punkte, nämlich daß schon ein Teil gebaut ist der Bau der Nebenbahn kann nicht in Betracht gezogen werden zurücksteht, das aber andererseits so viele Vor­teile in sich vereinigt, daß es wert wäre, an den geeigneten Orten, im preußischen und hessischen Landtage, in ernstliche Erwägung gezogen zu werden.

Es ist ein alter Wunsch des nördlichen Teiles unserer Provinz Oberhessen, namentlich der Gegend von Alsfeld, eine Bahn nach Norden zu haben. Bis jetzt kann man von da aus nur auf großen Umwegen nach Norden, entweder süd­östlich über Fulda oder südwestlich über Gießen. Die direkte Verbindung fehlt völlig. Neun wäre ja diesem Uebelstande durch die Strecke LauterbachHersfeld abgeholfen. Aber? für eine Verbindung Alsfeld Hersfeld sprechen doch sehr gewichtige Gründe. Einmal die größere Industrie und der bedeutendere Verkehr Alsfelds gegen Lauterbach. Sodann würde durch die Strecke AlsfeldHersfeld ein großes und fruchtbares Gebiet, das stundenweit der Bahn entbehrt, erschlossen. Ziehen wir durch Alsfeld in ostsüdöstlicher Rich­tung eine Linie bis die Bahnstrecken KasselFrankfurt und BebraFrankfurt erreicht werden, so haben wir ein fast gleichseitiges Dreieck mit Malsfeld an der Spitze, in der» auch nicht eine einzige Bahn geht. Und welche Entfernung ists z. B. von Kirchhain nach Hünfeld oder von Neustadt über Neukirchen nach Hersfeld! Das ganze weite Gebiet ist ohne Bahn. Welche Bedeutung aber würde für diese gesamte Gegend die Verbindung HersseldAlsfeld haben, als Vollbahn gebaut! Von Ober-Aula ab könnte eine Nebenbahn nach Ziegenhain oder N e u st a d t abgezweigt werden: dadurch wäre auch nach dieser Seite hin dev Anschluß erreicht. Tie Wünsche einer Verbindung der Stadt Alsfeld mit Hersfeld sind schon an geeigneten Orten vor­getragen worden, bis jetzt aber abschlägig beschieden. Viel­leicht wäre jetzt der geeignete Zeitpunkt, die Bewegung erneut in Fluß zu bringen.

Wiederum ists ein alter Wunsch der Bewohner des höheren Vogelsberges, der Gegend von Ulrichstein, Bahn­anschluß nach Süden zu haben, über Gedern oder Schotten nach Frankfurt. Das Gelände ist hier wohl gebirgig, abek keineswegs unüberwindlich und würde kaum mehr Hinder­nisse bereitest als die Linie GrebenhainFrankfurt. Der! Verbindung Alsfeld Ulrichstein stehen große Schwierigkeiten nicht im Wege, da von Alsfeld aus in südlicher Richtung ein sanft ansteigender Bergrücken zwischen Liederbach, Romrod, Strebendorf, Ober-Breidenbach, Wind­hausen nach Ulrichstein zu sich erhebt, auf und an beny der Bau könnte ausgeführt werden. Somit hätten wir eine andere Bahn, als pie von derPost?' vorgleschlagene, nämlich Hersfeld Alsfeld Ulrich st einFrankfurt, die nicht allein könnte zur Entlastung der Strecke Bebra Frankfurt dienen, der Weg wäre auch direkter, die auch in militärischer Hinsicht von Wichtigkeit und in wirt­schaftlicher Beziehung zu begrüßen wäre. Der Vogelsberg mit seinem gesegneten Holzreichtum würde von einer der bedeutungsvollsten Bahnlinien durchschnitten. Was das für die ganze Gegend und auch vor allen Dingen für Frankfurt zu bedeuten hätte, liegt klar zu Tage.

Wir meinen, es sollte nun bald diesem Gedanken nähe« getreten werden, da derselbe nicht allein weiten Gebieten die schon längst ersehnte Bahn bringen und diese wirt­schaftlich erschließen würde, es wäre auch dem reisenden Publikum, das einen Schutz auf Sicherheit des Leben­hat, größere Gewähr gegeben, daß Katastrophen a la Offen-

Wilhelm Hrüöner.

(Nachdruck verboten.)

Am 3. d. M. beging in Frankfurt Professor Wilhelm Trübner feinen 50. Geburtstag. Seit Jahren lebt der treff liche Künstler in stiller Zurückgezogenheit. Leider bleiben ja so viele bedeutende Künstler der Menge unbekannt. Erst ihr Ende trägt ihren Namen in weitere Kreise und die Welt erfährt, welchen kostbaren Schatz ihr wieder verloren ging. Vielleicht gelingt es, Trübner noch bei Lebzeiten auf den Platz, der ihm gebührt, zu stellen, und das Interesse für ihn auch in der breiten Oeffentlichkeit zu erwecken.

1851 am 3. Februar wurde Trübner in Heidelberg ge boren. Anselm Feuerbach entdeckte zuerst das schlummernde Talent deS jungen Mannes, und aus seinen Rat bezog Tr. die Akademie der Künste in Karlsruhe. Da seine Lehrer ihm aber das nicht boten, was er verlangte, fiedelte er bald nach München über, ohne jedoch auch dort die rechte innere Befriedigung zu finden. In dem Oesterreicher Canon, der damals in Stuttgart lebte, fand er endlich die erste Leitung, die ihm zusagte. Den größten Einfluß auf ihn aber hatte unstreitig Wilhelm Leibl, der der Sinnesart des jungen Künstlers am meisten verwandt war, ohne ihn jedoch auf

die Dauer bestimmen zu können, denn dazu besaß Tr. von je her eine zu stark ausgesprochene Selbstständigkeit.

Trübner, eine kraftvolle, echte Künstlernatur, ist ein Mensch, der ausgesucht sein will, und sein Bestes nur dem offenbart, der eine kleine Mühe nicht scheut, um sich mit seinem Geiste bekannt zu machen. Die Vorzüge der Trüb- nerschen Werke werden nicht marktschreierisch ausposaunt, sondern sie liegen in der Tiefe, wie das edelste Metall. Er schafft niemals um zu glänzen oder die Anerkennung der Mitwelt zu gewinnen; wenn er den Pinsel ergreift, so ist eS das notwendige Bedürfnis, sein Innerstes von den Schöpf ungen, die in ihm Gestalt gewonnen haben, zn befreien. Darum wirken seine Bilder so persönlich, so unmittelbar sprechen sie zum Gemüt. Wenn man seinem ursprünglichen klaren, alles mit einem Blick erfassenden Geiste etwas näher gekommen ist, versteht man die markige kraftvolle Sprache, die er in seinen Bildern redet, vollkommen. Es ist ein reiner, tiefer Genuß, den uns seine Werke bieten, die so erquickend und erfrischend in ihrer herben Einfachheit wirken.

Aber nicht nur durch seine Gemälde sucht er veredelnd und bildend auf unfern Geschmack und unser Empfinden ein zuwirken. In zwei kleinen SchriftenDie Lerwirrung der Kunstbegriffe" undDas Kunstverständnis von heute", die

hier aufs Wärmste jedem, der Interesse an der Kunst besitzt, empfohlen werden sollen, leitet er mit klaren einfachen Worten auf den richtigen Weg, daß jeder Unbefangene, der ihm nur einigermaßen mit Aufmerksamkeit folgt, bald einen erweiterten Blick erhält.

Erfreulicher Weise hat jetzt der Kunstverein in Frankfurt eine Kollektiv-Ausstellung von Werken Trübners veranstaltet. Außer einigen alten, uns schon von früher her lieb gewordenen Bildern sehen wir eine ganze Reihe neuer, poesievoller, frisch und kräftig aufgefaßter Landschaften; auch verschiedene, beinahe monumental wirkende Porlraits, von außerordentlicher Lebenswahrheit Auf einem von ihm bis jetzt noch nicht bevorzugten Gebiet, der Tier­malerei, lernen wir den Künstler durch hervorragend lebendig und charakteristisch wirkende Pferdestudienköpfe kennen. Thoma war es, der eS vermochte, den geschätzten Künstler, der seit 1896 in Frankfurt wohnt, dort zu fesseln, und Frankfurt kann nicht wenig stolz darauf sein, einen solchen Mann zu seinen Mitbürgern zählen zu dürfen. Hoffentlich kommt man ihm bald in immer weiteren Kreisen mit Ver­ständnis und Anerkennung entgegen. B- "8,