rassischen Beziehungen befürchtete, gegen die Empfindungen deS Hauses Habsburg, das nur schwer sich in die Entscheidungen des Gottesgerichtes von 1866 fügte, gegen die Neigungen des Hauses Savoyen, das den franzosenfreundlichen Traditionen der Piemontesen, wie sie Lamarmora pflegte, nur ungern entsagte. Der unruhige Ehrgeiz eine- Gortschakoff, der es nicht dulden wollte, daß ein anderes Licht neben ihm leuchte, der sich rühmte, Bismarcks Lehrer zu sein, war CriSpi sowohl wie Andraffy fremd. Beide beugten sich vor dem deutschen Staatsmann. Das ist gerade bei CriSpi um so höher zu bewerten, als der leidenschaftliche und energische Mann im eigenen Lande niemals zu Konzessionen bereit war, als er seinem Regimente stets einen autokratischen Stempel aufprägte und rücksichtslos nur dem eigenen Willen folgte. Er war kein Mann der Kompromisse, und weil er eS nicht war, deshalb erweckte er ebenso wie die heiße Bewunderung seiner Freunde, so auch den leidenschaftlichen Haß seiner Feinde, die ihm am liebsten ein ehrloses Ende bereiten und seinen Namen mit der Schmach eigennütziger Bestechlichkeit überhäufen wollten. WaS er auch that, seitdem er Mazzini verließ und mit Cavour an der Errichtung des Thrones für Viktor Emanuel schuf, verfiel der Verdächtigung, und nur im Königspalaste blieb durch alle Zeiten das Vertrauen zu seiner Rechtlichkeit und zu der Reinheit seiner Vaterlandsliebe ungetrübt.
Es ist zweifellos der leitende Gedanke in dem Leben CrispiS gewesen, Italien in die Reihe der Großmächte ein- zuführen und seinem Vaterlande eine starke Machtstellung zu sichern. Darum hat er unermüdlich an der Verstärkung von Heer und Flotte gearbeitet, und vielleicht hat er eS, stets das gleiche Ziel verfolgend, sogar versäumt, die wirtschaftlichen Kräfte seines Landes stets hinreichend in Rechnung zu stellen, wie er ja auch andererseits von dem Vorwurf nicht freigesprochen werden kann, den sozialen Notwendigkeiten nicht ein hinreichendes Verständnis entgegengebracht zu haben. Hier lagen auch die Gründe seines Niederganges. Denn die Hungerrevolten von Mailand und Monza mochten mit dem Schwerte niedergeschlagen werden, ein Don Alber- tarie mochte die Ausschreitungen seines Hasses mit langer Kerkerhaft büßen, der Fanatiker De Felice mochte auf die Galeere wandern und die Anklagen der Jmbriani und Cavalotti mochten an ihren eigenen Uebertreibungen ersticken — die Ursachen deS Nebels blieben dennoch bestehen, die finanzielle Zerrüttung des Landes wurde nicht durch ZwangS- maßregeln aufgehalten und das Elend nicht gemildert. Zu gleich bedeutet der Name Adua, bedeutet das Drama von Malhalle, das des nun auch verstorbenen Baratieri Thorheit heraufbeschwor, eine intensive Warnung vor der Fortsetzung einer Politik, die nicht das Bedürfnis des Landes zum alleinigen Maßstab nahm.
Da sich jetzt die Augen CrispiS schloffen zum ewigen Schlafe, wird der Haß seiner Gegner von neuem emporlodern, werden sich die Stimmen der Sozialisten mit denen der Anhänger des Vatikans vereinen, um den „Henker Si- clliens-, den „Helden des Panamino", den „Totengräber der italienischen Freiheit" in alle Ewigkeit zu verdammen. Das Urteil der Besonnenen wird anders lauten. Es wird die lautere Vaterlandsliebe des italienischen Staatsmannes anerkennen, wie seine Treue zum Hause Savoyen, es wird sich nicht scheuen vor dem Zugeständnis, daß er die realen Mächte des wirtschaftlichen Lebens nicht hinreichend berücksichtigt hat, wenn es ihm galt, den Glanz des italienischen Namens zu erhöhen, aber es wird dort, wo vielleicht die Schroffheit seines Charakters sich allzu scharf ausprägte und wo die Härte seiner Maßregeln Befremdung hervorrief, anerkennen müffen, daß Crispi gehandelt hat als energievoller und rücksichtsloser Vertreter des staatlichen Machtgedankens. E- ist eine ganze, vollsaftige Persönlichkeit, die mit Crispi schied und es gilt für ihn das Wort, das Hamlet seinem Vater nachruft: „Es war ein Mann, nehmt alles nur in allem!M
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Telegramme deS Gießener Anzeiger-.
Neapel, 12. Aug. Die Leiche CrispiS wurde im großen Salon der Villa Lina aufgebahrt. Sie liegt auf dem Totenbett und dabei halten Veteranen und Feuerwehrleute die Ehrenwache. Der Tag der Beerdigung ist noch nicht bestimmt.
Rom, 11. August. Bei dem Tode Crispis waren die Familie und die näheren Freunde anwesend. Die Nach richt von dem Ableben wurde sofort dem König, der Königin Magherita, den großen StaatSwürdenträgern sowie dem deutschen Reichskanzler telegraphisch übermittelt. — Die Blätter melden, der Leichnam Crispis werde auf einem Dampfer nach Palermo geschafft werden, wo die Municipalität ein feierliches Begräbnis veranstalten wird.
Engländer und Buren.
Aus Südafrika liegen wieder Nachrichten vor, die sürdieBuren durchausgünstig lauten. Ein Burenkommando hat die Stadt Bremersdorp im Swaziland nach heftigem Kampfe eingenommen und den Engländern empfindliche Verluste beigebracht. In Durban traf schon vor einer Woche Nachricht von der Eroberung von Bremersdorp durch die Buren ein. Ein starkes Buren-Kommando aus Swaziland marschierte am 23. Juli auf Bremersdorp. Die Buren griffen mit großer Entschlossenheit an. Steinackers Reiterei verteidigte die Stadt. Nach achtstündigem, erbittertem Kampfe zogen sich die englischen Truppen aus der Stadt zurück. tÄe verloren zehn Tote und Verwundete und dreißig Gefangene.
Auch in der mittleren Kapkolonie entwickeln die Buren fortgesetzt große Rührigkeit. Am Freitag wurden vier Panzerzüge von ihnen angegriffen. Der Kommandeur des einen wurde getötet. Ein Kommando, welches für das Kruitzingers gehalten wird, überschritt die Bahn südlich von Eonway. Es war vierhundert Mann stark. Kruitzinger scheint nach dem Graaf Reinet-Tistrikt zurückkehren zu wollen.
Kitchener meldet aus Pretoria: Ein Blockhaus in der Nähe von Brandfort (im Oranjestaat an der Bahn nördlich Bloemfontein) wurde in der Nacht vom 7. zum 8. ds. nach heftigem Kampfe genommen ch. h. wohl von den Buren). Die Verlusts der Engländer betrugen einen Toten und drei Verwundete.
Englische Zeitungen veröffentlichen folgenden, dem Brief eines in Transvaal stehenden Offiziers an seine Verwandten entnommenen Passus über die Konzentrati
onslager : „Die Burenlager machen uns große Schwierigkeiten. Sie sind die Quellen der Rebellion und aller Schwierigkeiten. Die Frauen und ganz besonders die Gattinnen der Buren-Offiziere und -Kommandanten hassen uns und unsere Art. Sie lachen uns aus und verhöhnen uns, weil wir sie ernähren und kleiden. Ten Buren, die noch im Felde stehen, schreiben sie, sie sollten den Kampf nur ruhig fortsetzen, denn ihnen gehe gut. „Al zal recht komen", ist ihre immer wiederkehrende Redensart. Sie halten nicht endenwollende Gebetstunden ab, verbreiten Lügen über die Erfolge ihrer Männer auf dem Schlachtfelde und suchen, wie die Trojanerinnen, den Mut ihrer schwächeren Schwestern zu heben. Sobald neue Frauen in das Lager kommen, geht der Streit und die Unzufriedenheit von neuem los. Sie verhöhnen dann die Männer, die sich mit den Umständen abgefunden haben und beginnen gegen uns loyal zu werden. Es kann gar keinen Zweifel darüber geben, daß die Frauen, die sich in diesen Lagern befinden, zum größten Teile dafür verantwortlich sind, daß der Krieg noch immer nicht zu Ende geht. Sie sind vollkommen unversöhnlich und werden jedenfalls immer jeder Annäherung zwischen den beiden Nationen im Wege stehen. Ich sehe eine Menge von allen diesen Sachen mit eigenen Augen, denn wir haben hier über 2000 Flüchtige. Es ist sicher, daß diese fortwährend in Verbindung mit ihren Freunden auswärts stehen, und sobald wir irgendwo ein bischen Pech haben, so ist die Nachricht sofort im Lager herum, lange ehe wir auf militärischem Wege irgend eine Meldung davon haben." Es ergiebt sich aus der Schilderung, wie wenig die Bezeichnung Zufluchtslager für diese Lager am Platze ist. Eine solche Stimmung unter den Frauen wäre doch unmöglich, wenn sie sich freiwillig in englischen Schutz begeben hätten.
Ueber den angeblichen Go l d s ch a tz de s Pr ä sid en - ten Krüger waren die seltsamsten Gerüchte verbreitet, die von Delogoa-Bai ihren Ausgang nahmen. Danach sei Kapitän Crowe, dem britischen Konsul in Delagoa-Bai, zur Kenntnis gelangt, daß der Goldschatz des Präsidenten Krüger, der ungefähr auf zwei Millionen Pfund Sterling zu taxieren, an Bord eines Schiffes am Flusse verborgen sei. Darauf habe Crowe einen notorischen Vagabunden gelungen, sich des Schützes zu bemächtigen. Die Schiffsmannschaft habe hiervon Wind bekommen, zunächst den Schatz in den Fluß versenkt, und schließlich mit Hilfe des amerikanischen Konsuls Hollir und eines amerikanischen Kapitäns von Delagoa-Bai nach einem fremden Hafen in Sicherheit bringen lassen. Die abenteuerliche Geschichte wurde von dem irländischen Deputierten Davies im britischen Unterhause zum Gegenstände einer Anfrage an die Regierung gemacht, die Cranborne mit der Erttärung beantwortete, daß die Regierung von der Sache absolut nichts wisse, daß die Delagda-Bai portugiesisches Territorium sei, und daß weder Kapitän Crowe noch irgend ein englischer Funktionär das Recht hätte, dort einen Goldschatz zu beschlagnahmen, ob er Mr. Krüger oder sonst jemandem gehöre. Ihrer Majestät Regierung habe übrigens keine Ursache, zu glauben, daß das seitens der portugiesischen Regierung erlassene Goldausfuhrverbot aus Delagoa-Bai durch amerikanische Hilfe und auf amerikanischen Schiffen verletzt worden sei.
Volltische Tagesschau.
Kopenhagener Nachrichten stellen den Abschluß des Der- kaufes der dänischen Antillen an Nordamerika als vollzogen fest. Als Kaufsumme werden 4 Millionen Dollars genannt. Somit hat das neue demokratische Ministerium vom 23. Juli d. I. seine erste That zu verzeichnen und hat außerdem noch einen eine halbe Million Dollars höheren Kaufpreis erzielt, als seine Vorgänger. Die VerkaufSverhandlnngen dieser für Dänemark allmählich wertlos gewordenen Inseln — 6V2 Quadratmeilen mit nicht ganz 50 000 Einwohnern — gehen zurück bis in'S Jahr 1867, als die nordamerikanische Union einen weit größeren Preis geboten hatte, der Senat zu Washington aber aus Chikanen gegen Andriew Johnson, deS stellvertretenden Nachfolgers des ermordeten Lincoln, dem bereits abgeschloffenen Vertrag seine Genehmigung versagte. König Christian hatte abermals seine getreuen Unterthanen auf St. Thomas, St. Croix rc. in Gnaden bereits seiner Herrschaft entlassen, mußte die Proklamation aber wieder zurückziehen; sie braucht jetzt nur aus dem Archiv hervorgesucht zu werden, um nach 34 Jahren ihre Dienste zu leisten. Für Deutschland hat dieser Verkauf insofern ein bedeutendes Interesse, als damit der dänischen Propaganda in Nordschleswig ein hervorragendes Agitationsmittel entzogen ist. Dort wurde den Bauern ständig davon vorgeredet, daß Deutschland die dänisch sprechenden Grenzbezirke an der KönigSau gegen diese Antillen an Dänemark vertauschen wolle. Angesichts der hochgehenden Kolonialflut der letzten Jahre brauchte es gar keiner so besonderen Leichtgläubigkeit, um an die Möglichkeit eines solchen Tausches zu glauben und darauf Hoffnungen zu setzen. Wir sind nur begierig, was die dänischen Agitatoren, speziell die Herren Johannsen und Haussen, jetzt an dessen Stelle erfinden werden.
Der kaiserliche Kommiffar der freiwilligen Krankenpflege Graf SolmS veröffentlicht das Ergebnis der Sammlungen freiwilliger Gaben für das ostafiatifche Expeditionskorps. Demnach gingen von der Hauptsammelstelle in Bremen bis Ende Juli Gaben im Werte von 950 000 Mk. ein. Zur Verwaltung der Gaben wurde in Tientfin ein Depot und in Tongku eine Filiale errichtet. Da infolge Vereisung des Golfes von Petschili zahlreiche freiwillige Gaben in Shanghai, Taintau und Schanhaikwan gelandet werden mußten und direkt von dort aus durch Vermittelung des Generalkonsulats in Shanghai und der Intendantur an die Truppen und die Marine zur Verteilung gelangten, ist wohl in häufigen Fällen den Empfängern der freiwilligen Gaben der Ursprung nicht deutlich zum Bewußtsein gekommen. Am 5. und 6. März wurde das Depot in Tientfin aufgelöst und die Bestände der Intendantur dem Expeditionskorps Übergeben. Graf Solms spricht allen Spendern nochmals wärmsten Dank aus und lenkt die Opferwilligkeit nunmehr auf die Unterstützung der Angehörigen der Besetzungsbrigade.
Dem unter dem Protektorat der Kaiserin und dem Vorfitz des Herzogs von Ratibor stehenden Deutschen Hilfskomitee für Ostafien wird von allen Seiten der Bevölkerung eine rege Teilnahme entgegengebracht. Vom Rheinischen Hilfskomitee gingen im Anschluß an die schon früher geleisteten bedeutenden Beiträge 1805,92 Mk. ein. Auch die deutschen Bade- und Kurortverwaltungen haben vielfach in der ent
gegenkommendsten Weise ihre Unterstützung zugesagt. Mehrere Kreisverwaltungen erklärten sich zum großen Teil zur unentgeltlichen Aufnahme und Verpflegung erholungsbedürftiger Chinakrieger bereit.
Vom 25. bis 28. August findet in Osnabrück der diesjährige deutsche Katholikentag statt, in dem über die Ziele und die Bestrebungen der Katholiken DeutschlandA beraten werden wird. Bei dieser Gelegenheit dürfte es unsere Leser gewiß interessieren, zu erfahren, wie sich die Angehörigen der katholischen Konfession auf das oeutsche Reich verteilen. Tie Hauptstütze des (Katholizismus im deutschen Reich ist der Süden und Westen. Nur in Oberschlesien finden wir den Katholizismus in gleicher Stärke, sonst ist der Osten Teutschlands bis auf das Bistum Erme- land und die Provinz.Posen von beiden Konfessionen gleichmäßig beherrscht. Ganz Nord- und Mitteldeutschland stehen hiergegen fast ausschließlich unter dem Banner der protestantischen Kirche, die außerdem noch« das Gebiet von Franken und einen Teil Württeinbergs für sich in Anspruch nimmt. Im Königreich Preußen entfallen auf 1000 Einwohner 342,2 Katholiken. Tas Verhältnis in den einzelnen Provinzen des Königreichs gestaltet sich aber, gleichfalls auf je 1000 Einwohner gerechnet, wie folgt: Ostpreußen 131,3, Westpreußen 500,5, Brandenburg 35,4, Pommern 18,1, Posen 664,6, Schlesien 532,1, Sachsen 71, Schleswig-Holstein 17,9, Hannover 126,2, Westfalen 514,9, Hessen-Nassau 273,6, Rheinland 711,6, Hohenzollern 952,1. In Bayern kommen auf 1000 Einwohner 708,3 Katholiken, und zwar in dem Gebiet rechts vom Rhein 749,5 und in der Pfalz 432,9. Tas Königreich Sachsen zählt unter 1000 Einwohnern nur 36,9 Katholiken; der Spruch „Cujus regio, eius religio", der im Mittelalter seine Giltigkeit hatte, trifft also nicht mehr zu. In Württemberg entfallen auf 1000 Einwohner 299,4, Baden 620,2, Hessen 295,8, Mecklenburg - Schwerin 8,7, S.-Weimar 35,9, Mecklenburg - Strelitz 6,7, Oldenburg 219,1, Braunschweig 40,7, S.-Meiningen 12,5, S.-Altenburg 12,2, Koburg-Gotha 14,1, Anhalt 32,6, S.-Sondershausen 8,4, S.-- Rudolstadt 4,6, Waldeck 28,9, Neuß ä. L. 14,9, Reuß j. L. 9,9, Sch:-Lippe 15,5, Lippe 33,7, Lübeck 14,9, Bremen 45,9, Hamburg 37,7, Elsaß-Lotbringen 765,3. Für das deutsche Reich giebt das im Durchschnitt auf 1000 Einwohner 357,6 Katholiken.
Als Versammlungsort des Katholikentages ist die alte Bischofsftadt Osnabrück ausersehen worden. Tas Programm wird folgende Fragen behandeln: 1. die römische Frage, Missions- und Bereinswesen; 2. die soziale Frage und die christliche Charitas; 3. Wissenschaft, Schule, Unterricht, Presse, christliche Kunst. Bei der zahlreichen Teilnahme, die am Katholikentag zu erwarten steht, machte sich als Versammlungsort ein sehr geräumiges Lokal erforderlich. Ein solches, das diesen Anforderungen vollständig gerecht werden dürfte, ist das Vereinshaus zu Osnabrück, eins der größten derartigen Etablissements in Teutfchland. Tas imposante Haus ist von dem kürzlich verstorbenen Kölner Architekten Seche erbaut und enthält außer zahlreichen kleineren Sälen und Vereinszimmern usw. zwei große Säle, welche durch Verschieben von Rollthüren in einen Raum verwandelt werden können und 5—6000 Personen zu fassen vermögen. Damit noch nicht genug, soll das Vereinshaus durch Anbau auch noch erweitert werden. Man darf gespannt sein, welchen Verlauf der Katholikentag nehmen wird, und mit Interesse richten sich daher die Blicke in den Tagen vom 25.—28. August nach dem Osnabrücker Vereinshaus.
Deutsches Reich.
Berlin, 11. August. Aus Homburg wird gemeldet: Zu der gestrigen Mittagstafel bei den Majestäten aus Anlaß der Heimkehr be§ Grafen Waldersee tvaren u. a. geladen: der Oberstkämmerer Graf Solms-Baruth, der Justizminister Schoenstedt und der Oberhofprediger D. Dr. Dryander. — Zum Abendessen waren wiederum Graf Wal- dersee und die mit ihm ein getroffenen Herren geladen. Nach demselben begab sich Se. Majestät nach Schloß Fried- richshof zur Ueberführung der Leiche der Kaiserin Friedrich — Heute vormittag trafen mittels Sonderzuges der König und die Königin von England, die Prinzeß Viktoria, der Prinz Nikolaus von Griechenland mit Gefolge sowie der Botschafter Lascelles, der bis Frankfurt a. M. entgegengefahren war, ein. Auf dem Bahnhose war als Ehren- wache eine Kompagnie des Füsilier-Regiments von Gers- dorff (Hessisches) Nr. 80 mit der Fahne aufgestellt. Zum Empfange waren anwesend: der Kaiser und die Kaiserin, der Kronprinz, die Prinzen Eitel-Friedrich und Adalbert, alle Damen und Herren der Umgebung und des Hauptquartiers, der Reichskanzler Graf v. Bülow, der Gesandte v. Tschischch und Bögendorff und Feldmarschall Gras Wal- dersee. Tie Ehrenkompagnie präsentierte oas Gewehr, als der Zug einlief. Die Majestäten begrüßten sich herzlich. Nach der Vorstellung des Gefolges und dem Abschreiten der Front wurde der Vorbeimarsch der Ehrenkompagnie in Sektionen abgenommen. Sodann geleiteten der Kaiser und die Kaiserin den König und die Königin in das Parkhotel. Der Kaiser, der englische Uniform trug, fuhr mit der Königin von England, der König von England, der die Uniform der Garde-Dragoner trug, mit der Kaiserin. Der Kronprinz fuhr mit der Prinzessin Viktoria. — Nach Rückkehr vom Empfang des Königs von England nahm der Kaiser den Vortrag des Reichskanzlers Grafen v. Bülolck und des Chefs des Militärkabinetts Grafen Hülsen entgegen.
— Ter Großherzog von Weimar soll sich nach dem Wunsch einiger Blätter durchaus verloben. Die „Greiz^ Ztg." nimmt den bevorstehenden Besuch des jungen Groß- Herzogs in Greiz zur Veranlassung, um seine Verlob-? u n g mit einer Tochter des Fürsten von Reußä. L. anzukündigen. Bisher haben sich alle Gerüchte dieser Art als grundlos erwiesen. Merkwürdig ist, daß schon zum zweitenmal die eifrigen Heiratsstifter im Welfenlager auftauchen. Bekanntlich umgiebt sich der Greizer Hof mit einem Kreis von Beratern, die ganz in der Atmosphäre der sogenannten „Teutschen Rechtspartei" leben, d. h. Welfen sind, oder mit Welfen in engster Verbindung stehen.
. — Amerikanische Blätter wußten vor einiger Zeit zu melden, daß eine Verlobung des russischen Großfürst-Thronfolgers mit der Herzogin Cäcilie von: Mecklenburg geplant sei. Wie nun verlautet, ist diese Nachricht unzutreffend. Am russischen Hof wird vielme^ eine Verbindung des derzeitigen russischen Thronfolgers, Großfürst Michael Alexandrowitsch, mit der Prinzessin von Connaught, einer Nichte des englischen Königs, ins Auge gefaßt. ~ m n
— Dem Staatssekretär in Elsaß-Lothringen Wirkl. Gey. Rat v. Puttjkamer ist unter Verleihung des Roten Adlerordens erster Klasse die erbetene Entlassung aus-


