Ausgabe 
13.8.1901 Erstes Blatt
 
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** Eisen bah nsrachtverkehr. Wie uns die hiesige Handelskammer mitteilt, tritt mit dem 10. Oktober das am 16. Juli 1898 in Paris abgeschlossene Zusatzübereiri- kommen zum internationalen Uebereinkommen über den Eisen bahn srachtverkehr in Kraft. Von diesem Zeitpunkte ab gelangen neue internationale Frachtbriefe zur Einführ­ung. Tie bisherigen, dem Uebereinkommen über den inter­nationalen Frachtverkehr vom Jahre 1890 entsprechenden Formulare, werden jedoch noch bis zum 9. Oktober 1902 zu­gelassen ; der letztgenannte Zeitpunkt ist unabänderlich.

** D i e Plättfomen der Eisenbahnwagen werden immer häufiger vom Publikum bei starkem Andrang als Stehplätze benutzt. Jetzt hat das preußische Eisenbahn­ministerium verfügt, das Verbot des Betretens der Platt­formen während der Fahrt auf das strengste in Er­innerung zu bringen. Bei Verstößen gegen die Bestimmung ifr thatkräftig einzuschreiten. Es isr dankenswert, dap das Verbotin Erinnerung gebracht" wird. Wir hoffen aber, daß es nun auchsinngemäß" auf Besetzung der Platt­formen vor der Fahrt angewendet wird. Tie Bahnbeamten müssen unbedingt dafür sorgen, daß jeder im Wagen untergebracht und niemand auf einer Plattform eines ab­gehenden Zuges geduldet wird.

Das hessische Ministerium des Innern hat 2 goldene, 4 silberne und 6 bronzene Medaillen als Staatspreise für die Prämiierung bei der Unfallschutzausstellung in Frankfurt zu Verfügung stellt und den Gewerbeinspektor Löffer in Offenbach als Kommissar des Ministeriums für die Aus­stellung und das Preisgericht in Aussicht genommen hat.

** Die BerdinguugSmuster für Bauarbeiteu wie auch für sonstige Leistungen und Lieferungen im Bereiche derpreußisch- hes fisch en Eisenbahnverwaltung enthalten nach all­gemeiner Hebung in der Regel einen Hinweis auf amtliche Kundgebungen imDeutschen Reichs- und königlich preußischen Staatsanzeiger-. Insbesondere wird verwiesen auf dieBe­dingungen für die Bewerbung um Arbeiten und Lieferungen- und, je nach dem Gegenstände, ferner auf dieallgemeinen Vertragsbedingungen für die Ausführung von Staatsbauten­oder dieallgemeinen Vertragsbedingungen für die Ausführ­ung von Leistungen oder Lieferungen-, unter Benennung der Ausgabe des genannten amtlichen Blattes, worin sie zuletzt abgedruckt wurden. Leider werden dadurch die hessischen Bewerber, so bemerkt eine hessische Korrespondenz derFrkf. Ztg." ganz richtig, insofern benachteiligt, als der Reichsanzeiger" ihnen schwerer zugängig ist als preußischen Bewerbern. Ja man kann entschieden noch weiter als der Korrespondent des genannten Blattes gehen und gewiß mit vollem Rechte behaupten, daß der Reichsanzeiger kaum von einem hessischen Privatmanne aufzutreiben ist, wenn er ihn, wa« unmöglich von ihm verlangt werden kann, nicht abonniert. LS dürfte darum das Verlangen billig erscheinen, daß die Bedingungen künftig auch in den hessischen Amtsblättern publiziert würden.

Bad-Nauheim, 10. Aug. Unterhaltungen. Früh» konzert der Kurkapelle täglich von 78 Uhr vormittags am Kurbrunnen. Dienstag, 13. August, nachmittags von 41/, bis 6Vz und Abends von 810 auf der Terrasse Konzert ioer Kurkapelle. Abends Sinfonie-Konzert. Mittwoch, 14. August, nachmittags von 4ya61/, uud abends von 810 auf der Terasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr Theatervorstellung unter Mitwirkung der Kurkapelle: ,.Die Geisha-. Donnerstag, 15. August, nachmittags von 41/,6i/3 und abends von 810 Uhr auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr Theatervorstellung: Einmaliges Gastspiel von Madame Rsjane und den ersten Künstlern des Th^ätre du Vaudeville in Paris:La Pari- lienne". HieraufLolotte". Freitag, 16. August, nach­mittags von 4i/a6i/8 und abends von 810 Uhr auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr Theater­vorstellung unter Mitwirkung der Kurkapelle: Letzte Operetten- Ausführung der Saison:Die Fledermaus". Samstag, 17. August, nachmittags von 4i/36^ und abends von 810 Uhr auf der Terrasse Doppelkonzert der Tyroler- .'Quartettsänger, Jodler- und Jnstrurnental-Konzettgesellschaft Alpenblume und der Kurkapelle. Eintritt wie Sonntag. Abend- von 8 10 im Saale Tanz. Der Betrieb in in sämtlichen Badehäusern beginnt von Montag den 12. August ab, vormittags 6 Uhr. In der verflossenen Nacht hat man hier abermals einen bedeutenden Diebstahl verübt und dabei für über 1000 Mk. Schmucksachen entwendet.

Rimbach, 10. Aug. Vor "mehreren Jahren fand man den allgemein geachteten und schon ziemlich! bejahrten Mehrer Heben streit hier eines Morgens t-o t in der Weschnitz. Man glaubte damals allgemein, daß er in der Dunkelheit der Nacht in die Weschnitz geraten und ertrunken sei. Tie Wunde, die sich an dem Kopfe des verunglückten Lehrers vorfand, fiel durchaus nicht auf, da man annahm, dieselbe jici möglicherweise durch das Ausfallen auf einen Stein im Bette des Flusses entstanden. Jetzt geht aber das Gerücht, daß ein Verbrechen vorliege, und daß zwei Brüder aus Rimbach sich selbst verraten hätten. Infolge­dessen hat dann auch wirklich eine Untersuchung durch den Staatsanwalt stattgefunden.

T r e i e i ch en h ain , 9. Aug. Hier besiegte die Bürger­partei bei der Gemeinderatswahl die Sozialdemokraten. Gewählt wurden Landwirt Philipp Buxmeier, Landwirt Wil­helm Andreas Stroh und Schlossermeister Christoph Jakob Wenzel mit bezw. 117, 116, 113 Stimmen. Tie Gegner er­hielten 112, 111 und 85 Stimmen.

Monsheim, 9. Aug. Bei den Erdarbeiten der Bahn- hofserweiterung Ifanben sich eine Anzahl fränkischer Gräber. Gestern wurde ein solches aufgedeckt, dessen Skelett 12 Zentimeter lange Nägel durch die Füße geschlagen hatte, während ein langes eisernes Messer im Herzen stak. Am Becken lag eine Pinzette und eine Schnalle aus Bronze. Auch eine Anzahl Plattengräber wurden aufgedeckt und s mb am Sonntag mittag an Ort unb Stelle noch zu sehen.

Mainz, 10. Aug. Gestern würbe das Kaufmanns­ehepaar Fleitzer, das in Nieder-Olm sich einer Testa­mentsfälschung schuldig gemacht hatte unb von der Straf­kammer zu 9 unb 6 Atonalen Gefängnis verurteilt worden war, von Bremerhaven hierher ins Gefängnis gebracht. Tie Justtz hatte in diesem Falle außerordentlich schnell gearbeitet. Am 10. Mai wurden die beiden Angeklagten von der Strafkammer verurteilt, sie flüchteten hierauf nach Amerika. Auf den erlassenen.Steckbrief wurden sie in Boston verhaftet. Nun mußten wegen der Auslieferung lange Ver­handlungen, die vom Auswärtigen Amte geführt wurden, eingeleitet werden. Jeder einzelne Richter, der damals dem verhandelnden Kollegium an gehört hatte, mußte das Urteil Arnterschreiben, dann ging die Sache nach Tarmstadt, und v«n dort aus an das auswärtige Amt. Trotz den lang­

wierigen Formalitäten war die Angelegenheit schnell er­ledigt und heute schon sitzen die beiden Verurteilten in Teutschlcmd im Gefängnis. ImCentral-.Hotel" ist Prinz Friedrich Karl von Hessen, Hauptmann und Com­pagnie-Chef beim 1. Hess. Jnf.-Regt. Nr. 81, abgestiegen. Er wird für die Tauer der Anwesenheit des Regiments (bis 13. ds. Mts.) hier Aufenthalt neunen.

Mainz, 11. Äug. Auf dem der Militärbehörde in Eigen­tum gehörigen Terrain, direkt neben dem Rheinthore, auf welchem sich die beseitigte Stadtumwallung befand, wird ein vollständig neues Offizierskasino für die Offiziere des 1. Hess. Husarenregiments Nr. 13 erbaut. Die Pläne für dies Kasino sind bereit- vollständig fertig und die Arbeiten sollen in den nächsten Tagen zur Ausschreibung gelangen. Gleichzeitig werden auch noch eine Reihe anderer Bauten, welche zu der neuen Husarenkaserne am Rheinthor gehören, ausgeschrieben werden.

Bingen, 11. Aug. Der Heizer des Proviantbootes Nr. 3 fiel, als er an Bord des Schiffes seinen Mittagsschlaf hielt, ins Wasser und ertrank. Jedenfalls fuhr in der Nähe des kleinen Bootes ein größerer Dampfer vorbei, so daß der Mann durch das Schaukeln de- Schiffes von dem flachen Deck ins Wasser geschleudert wurde. Die Leiche konnte noch nicht geborgen werden.

Kleine Mitteilungen an« tzesien und den Nachbarstaaten. Der 15» und der 13jährige Sohn des Landwirts Weyrauch in Aschbach waren beim Futtermachen beschäftigt. Dabei hantierte der jüngere Bruder so unglücklich mit der Sense, daß dem älteren Bruder buchstäblich der Unterleib aufgeschlitzt wurde, so daß die Eingeweide heranStraten. Man hofft den Schwerverletzten am Leben zu erhalten. Am Sonntag be­gingen der Gemeindewegewärter Friedrich Neidhardt I. und seine Ehefrau Wilhelmina geb. Schultheis in Langensel­bold das Fest ihrer goldenen Hochzeit. In Rhein­zabern (Bezirk Germersheim) wurden durch eine Feuers- brunst zwei Wohnhäuser, 14 Scheunen und 15 Ställe zer­stört; 8 Wohnhäuser wurden stark beschädigt. In der Station Pfeddersheim bei Worms maßte eine Anzahl beladener Eisenbahngüterwagen, die bei Monsheim führerlos in'S Rollen gekommen waren, zur Verhütung größeren Un­glücks zum Entgleisen gebracht werden. Sechs Wagen wurden gänzlich zertrümmert; der Materialschaden ist bedeutend. Menschenleben kamen nicht in Gefahr. In großer Lebens- gefahr befanden sich vier in Bingen studierende junge Leute, die in der vergangenen Woche mit einem kleinen Segelboote auf dem hochangewachsenen Rheine eine Fahrt unternahmen. Inmitten des Stromes geriet infolge eines falschen Segel- manöoerS das Boot auf die Gabelkette eines Moselbootes, das Segelschiff füllte sich mit Wasser, und nur der schleunigen Hilfe der Schiffsmannschaft vomPrinz Heinrich- haben die jungen Leute ihre Rettung zu danken. Bei Bingen wurde im Rhein die Leiche eine- etwa 34- bis 35jährigen Mannes gelänbet. Die Leiche ist ungefähr 1,60 Meter groß, trägt einen graugrünen feinen Anzug, weißes Vorhemd und Hemd, weiße kurze Socken und Lackschuhe halb zum Schnüren und halb mit Agraffen. In den Westentaschen fand man zwei Zylinder-Uhren, eine Damen- und eine Herrenuhr, welche durch eine zweiteilige lange dünne Kette miteinander verbunden waren. Weiter fand sich noch eine Geldbörse vor, mit einer Karte für ein Varietetheater als Inhalt. Man vermutet, daß die Karte aus Mannheim stammt. Die Leiche scheint noch nicht sehr lange im Wasser gelegen zu haben.

Vermischtes.

* Eine grauenvolle Ehestands-Tragödie, die mit Mord und Selbstmord endete, wird aus dem bei Potsdam belegen Torfe Michelsdorf gemeldet. Ter in guten Verhältnissen lebende Kaufmann und Tischlermeister Rudolf Kegel hatte vor kurzer Zeit eine Wittve geheiratet, die einen neunjährigen Sohn in die Ehe brachte. Tie Gatten lebten in bestem Einvernehmen, bis vor kurzem bei dem e trott 37 jähriger: Manne sich eine Art Geistesschwäche zeigte. Die Frau veranlaßte nun den Gatten, doch ein Testament zu machen, und am Montag vormittag begab sich das K.'sche Ehepaar zu dem Lehrer des Ortes, um sich von demselben einen Testaments-Entwurf aufsetzen zu lassen. Am Abend desselben Tages begab sich K. zu dem Bruder seiner Frau, der gleichfalls in Michelsdorf wohnte, und ihm folgte seine Frau gegen 8 Uhr nach. Sie suchte den auf einer Bank im Hose sitzenden Mann auf und die Gatten plau­derten anscheinend friedlich miteinander. Plötzliche gegen halb 9 Uhr kam Frau K. blutüberströmt auf die Straße gestürzt und brach mit den Worten:Mein Mann" . . . zusammen. Ter Unglücklichen roar das linke Auge aus­gestochen, außerdem hatte sie einen Messerstich in das Herz und einen solchen in den Magen erhalten. Ter Tod trat innerhalb weniger Minuten ein. Man suchte nun den Thüter und fand Kegel, der seine eigene Frau ermordet, auf dem oberen Bodenraum, wo er sich eingeriegelt hatte. Tie Thür wurde erbrochen und man erblickte den Mörder ruhig dasitzend, während das Blut aus einer tiefen Hals­wunde hervorquoll. Ter Thüter hatte sich den Hals durch­geschnitten. Mittels Zeichen erbat sich der schwerverletzte Mörder Schreibzeug und schrieb folgendes nieder:Meine Frau hält mich für verrückt, steckt mit meinen Feinden unter der Decke. Habe Heute Testament wider meinen Willen machen müssen. Stoße dasselbe hiermit um. Meine Anverwandten erben die Hälfte des Anwesens, das übrige Fritz." Fritz ist der Sohn der ermordeten Gattin, welchen sie dem K. in die Ehe gebracht hatte. Tann legte sich der Mörder, nachdem er die Vollstreckung des Testaments dem Orts­vorsteher dringend anempfohlen, auf eine Schütte Sttrohl und verstarb bald darauf. Tie sofort benachrichttgte Staats­anwaltschaft verfügte die Beschlagnehmung beider Leichen.

*Euxhaven,9. Aug. 6 Uhr 58 Min. Vom Leuchtschiff Elbe I" wird durch die drahtlose Telegraphie von Pro­fessor Braun und Siemens u. Halske gemeldet: Ter Schnell­dampferFürst Bismarck" ist soeben, 6 Uhr 30 Min., hier in Sicht gekommen.

Die Polizeibehörde in Hamburg verhaftete den aus Budapest nach Unterschlagung von 200,000 Kronen entflohenen Bankbeamten Salomon Lewy. Nachdem er glück­lich nach Amerika entkommen war, kehrte L. nach Hamburg zurück und fiel hier der Polizei in die Hände.

* Sehr leseeifrig sind die B^ovhner von Jena, das beweist die Benutzung der dortigen öffentlichen Lese­halle. Wie derSoz. Prax." aus Jena geschrieben wird, stehen dort zur Lektüre von Zeitungen und Zeitschriften dem Publikum sieben Leseräume, außerdem ein Jugend­zimmer den ganzen Tag frei zur Verfügung. Mit der

Literarische Neuerscheinungen.

Bossert, A., Inspecteur gtneral de FInstruction publique, Hietoire de la Litb&rature allem an de. (1120 p ) Paris, Boulevard St. Germain, Hachette & Cie. ~ ,

Deutscher Armee-Kalender für 1902. 23. Jahrgang.

Lesehalle ist eine ebenfalls unentgeltlich zu benutzende Bibliothek verbunden, deren Besuch stetig wächst. Es rour den im letzten Betriebsjahre, bei täglich 3 einhalb Stun­den Ausleihezeit, an 4570 eingetragene Leser 72 426 Bände ausgeliehen. Für Jena und seinen Vorort Wenigenjena! kommen auf den Kopf 2.7 Bände; jeder fünfte bis sechste Einwohner entleiht Bücher aus der Bibliothek. Tas ganze Institut ist Eigentum des Jenaer Lesehallevereins und wird von dessen Vorsitzenden, Professor Rosenthal, mit großem Eifer und Sachkenntnis geleitet. Tie Mittel wer­den zum Teil durch Mitgliederbeiträge, zum größeren Teil aber durch die Carl Zeitz-Stiftung aufgebracht. Tiefe Stift­ung hat auch seinerzeit die ganzen Kosten der Einrichtung getragen und baut gegenwärtig aus ihren Mitteln für die Lesehalle ein von Künstlerhand entworfenes, eigenes Gebäude. Neuerdings hat auch der Gemeinderat der Stadt Jena der Lesehalle einen Zuschuß zu den Unterhaltungs­kosten bewilligt.

* M ä d ch e n m o r d. Eine schreckliche Mordthat er­eignete sich in dem Städtchen Peitz. Nachts wurde die noch nicht 16jährige Fabrikarbeiterin Emma Herzog, Stief- tochter der Ackerbürger Schuppeschen Eheleute, von dem 18jährigen Fabrikarbeiter Martin Guttke, ciiftm schon mehr­fach vttt den Gerichten in Konflikt gekommenen Menschen, auf dem Felde vergewaltigt und 'dann ermordet. Tie Leiche warf der Mörder in den fast ausgetrockneten Goliz- graben, um den Anschein zu erwecken, als ob ein Selbst­mord oorliege. Kratzwunden in Gesicht des Burschen weisen auf einen ftattgefunbenen heftigen Kampf hin. OhittFe wurde gestern mittag von der Arbeit weg verhaftet. Wie uns hierzu noch gemeldet, leugnet der Mörder auch weiter noch, die That begangen zu haben. Ter Verdacht der Thäterschaft hatte sich aber sofort auf den Guttke gelenkt, als der Bursche mit dem Mädchen seit einiger Zeit ein Liebesverhältnis unterhielt und auch mit ihm in der gleichen Fabrik beschäftigt war, am Morgen nach der That mit seinem völlig zerkratzten Gesicht nach der Arbeitsstelle gekommen war. Bei seiner polizeilichen Ver­nehmung räumte er ein, daß er am Abend zuvor mit dem Mädchen einen Spaziergang unternommen und an seiner Gesiebten unsittliche Handlungen vorgenommen habe. Wahr­scheinlich habe sie sich dann aus Furcht vor der Schande durch Ertränken das Leben genommen. Diese Behauptung hat aber wenig Wahrscheinlichkeit für sich!, da der Wiesen­graben, wo die Leiche gesunden wurde, zur Zeit fast voll­ständig ausgetrocknet ist.

* Rotenburg, 11. August. Tie Hochzeit der Prin­zessin Bertha von Hesse n mit dem Erbgrafen Leo­pold von Lippe-Tetmold-Biesterfeld findet, wie wir bereits meldeten, am 16. d. Mts. statt. Infolge der durch das Ableben der Kaiserin Friedrich eingetretenen Trauer werden voraussichtlich mancherlei Verschiebungen in dem Fest-Pro­gramm eintreten. Auch wird ein Teil der eingeladenen Festgäste denr Vernehmen nach nicht erscheinen. Die hiesige Bürgerschaft hat der Braut für den Vorabend eine größere Ovation zugedacht, und es hat sich ein Festausschuß ge­bildet, der die geplanten Veranstaltungen in die Wege leiten will. Ter kirchliche Trauungsakt wird in der Alt- städtischen Kirche seitens des Metropolitan Nothnagel voll­zogen. Tie Ziviltrauung wird vom Minister des Gräflich Lippe'schen .Hauses vorgenommen werden.

München, 11. Aug. Der Prinz »Regent hat 15,000 Mk. zur Unterstützung der Bedürftigsten unter den Opfern der Ueberschwemmungen angewiesen.

* Straßburg, 9. Aug. Wie dieReichs!. Korresp.- meldet, ereignete sich bei einer Schießübung mit scharfen Patronen in der Nähe von Reiningen ein schweres Un­glück. Als die 5. Kompagnie des Juf.-RegtS. Nr. 112 avancierte, fiel ein Soldat. Dabei ging sein Gewehr los und der Schuß traf den Reservisten Strauß, der zu einer achtwöchigen Uebnng einbernfen war. Der tötlich Ver­letzte wurde in das Lazarett nach Mühlhausen verbracht.

* Brüssel, 9. Aug. Dem BlatteLe Soir- zufolge stürzte Prinz Albert bei der Abfahrt von dem Schlosse AmeroiS mit seinem Automobil in einen Graben. Der Prinz blieb unverletzt.

* Verloren gegangene Prüfungsarbeiten. Eine unangenehme Geschichte ist dem französischen Land- wirtschaftsministerium passiert. Am 14. Juli wurde auf dem Postamt der Rue Claude-Bernard ein umfangreiches Paket aufgegeben, das die Prüfungsarbeiten der Abiturien­ten des Agronomischen Instituts, die das Jngenieurdiplom erlangen wollen, enthielt. Dieses Paket nun ist nicht an seine Adresse gelangt und ist spurlos verschwunden. Ob es verloren gegangen oder ob es gestohlen worden ist niemand weiß es. Man fragt sich nun, wie das Landwirt-, schaftsministerium, falls das Paket nicht wiedergefunden werden sollte, sich gegenüber den Abiturienten verhalten werde. Man kann doch unmöglich verlangen, daß diese die Arbeiten noch einmal machten.

* Innsbruck, 10. Äug. In Floitengrund (Zillcr- thal-Alpen) ist der Senner der dortigen Alp, Johann Hunds- bichler, beim Edelweißsuchen abgestürzt. Et: war sofort tot.

* Budapest, 9. Aug. Der Artillerieoberst Dillmann, der auf dem Exerzierfelde mit einem Einjährig»Frei­willigen, welcher auf einen Befehl eine widerwillige Ant­wort gab, in Wortwechsel geriet und diesem eine Ohrfeige verabreichte, duellierte sich heute in Preßburg mit dem Freiwilligen. Letzterer wurde schwer verwundet.

* Eine annehmbare Mitgift. Der ungarische Kadetwachtmeister im 16. Husarenregiment, Markgraf Hippo­lyt Pallavieini, Sohn des Kämmerers Markgrafen Sigmund Pallavieini, hat sich mit der Tochter des Philadelphiaer Multimillionärs Berttam Richards verlobt. Miß Meta Richards tritt mit nicht weniger als 3 0 Millionen Dollars, die sie ihrem zukünftigen Gatten zubringt, in die Ehe. Markgraf Hippolyt Pallavieini steht in Unter­handlungen, um die verkauften Esaky-Pallavietmschen Fa­miliengüter im Borsoder und Abauj-Tornaer Komitat wieder an sich zu bringen.

* Tunneleinsturz. Wie aus Alvaneu (Grau­bünden) bei Filisur gemeldet wird, stürzte der Eingang eines Tunnels der Albulabahn ein, wobei 14 Arbeiter im Tunnel eingeschossen wurden. Bis jetzt sind vier Tote! und ein Verwundeter ausgegraben worden; 60 Mann ar­beiten an der Rettung. Tie Ursache des Einsturzes ist in zu frühzeitiger Entfernung der Gerüststützen für das Mauerwerk zu suchen.