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Bekanntmachung.
Wegen Vornahme von Erdarbeiten wird der von der Hammstraße nach der Neumühle führende Weg am 12., 13., 14, und 15. Juli 1901 für den Fuhrwerksverkehr gesperrt.
Gießen, 12. Juli 1901.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Hechter.
Die Krisehms br» Mstw Hohenlohe.
Schlicht und einfach, wie er immer im Leben war, fo ist Fürst Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst, der dritte Kanzler des Deutschen Reiches, seinem letzten Wunsch^ nach, zu Grabe getragen worden. An der Seite seiner Gattin, mit der er über 50 Jahre verbunden war, hat er die letzte Ruhestätte gefunden. Dem Sarge folgte in Vertretung des Kaisers der Kronprinz. Eine große Zahl Würdenträger aus dem Reiche, und der engeren bayerischen Heimat, gab dem Sarge das Geleit.
lieber die Beisetzungsfeierlichkeit liegt folgender Bericht [aus Schillingsfürst vor:
Der Kronprinz traf um 10 Uhr auf dem Bahnhofe Dombühl ein und fuhr mit dem Fürsten Philipp Ernst zu Hohenlohe, der zum Empfange am Bahnhofe erschienen war, zu Wagen nach! dem Schlosse. Der Kronprinz begab sich alsbald nach der Schloßkapelle und legte am Sarge des Altreichskanzlers einen Kranz nieder.
Die Feier der Beisetzung nahm mittags 12 einhalb (Uhr mit der ersten feierlichen Einsegnung der Leiche in der Schloßkapelle ihren Anfang. Die zahlreich erschienenen Herrschaften nahmen in unmittelbarer Nähe des Sarges [Aufstellung. Der Kronprinz als Vertreter des Kaisers stand zwischen dem Fürsten Philipp Ernst und dessen Brüdern. Domkapitular Schädler-Bamberg hielt die Trauerrede, in der er zunächst des vor drei Jahren erfolgten Hinscheidens der Gattin des Verblichenen gedachte, und dann das politische Wirken des Fürsten schilderte; im dankbaren Gedenken an dieses habe der Kaiser heute seinen Sohn gesandt. Der Verstorbene, ein religiöser Mann, sei ein Arbeiter in der Stille, seine Lebensrdee die Politik des Friedens und der Versöhnung gewesen, das Schiff des Reiches habe er als verdienstvoller Steuermann nach des Kaisers großen Plänen gelenkt.
Nachi dieser Rede wurde die Leiche eingesegnet, und [alsdann auf den vierspännigen Leichenwagen gehoben. Unter dem Geläute der Glocken bewegte sich] der Trauerzug zur Gruft nach dem Friedhof. Zunächst hinter dem Sarge schritt der Kronprinz zur Rechten des Fürsten Philipp Ernst, [alsdann folgten die übrigen Mitglieder des Fürstlichen Hauses, und die Vertreter höchster Persönlichkeiten, und zahlreicher Körperschaften aus ganz Deutschland, der Statt- [Halter der Reichslande Fürst zu Hohenlohe-Langenburg, der Regent von Sachsen-Koburg-Gotha, Erbprinz zu Hohenlohe-Langenburg, Ministerpräsident Graf Crailsheim als Vertreter voü Bayern, Freiherr von Friesen als Vertreter des Königs von Sachsen, Oberkammerherr von Nemak als Vertreter des Königs von Württemberg, Graf von Bergheim [als Abgesandter des Großherzogs von Baden. Ferner nahmen Staatsminister Staatssekretär Graf von Posa- dowsky für den Bundesrat, Minister von Thielen für das preußische Staatsministerium, sowie Staatssekretär des [Aeußeren Freiherr von Richthofen am Zuge teil; in diesem Hchritten auch aus Straßburg Staatssekretär von Putt- tamer, die Unterstaatssekretäre v. Schraut und Freiherr Zorn v. Bulach und Bürgermeister Back, ferner der Regierungspräsident von Mittelfranken Schelling und Bürgermeister Mann von Rothenburg an der Tauber. Die Schulkinder, die Feuerwehr, sowie die Vereine von Schillingsfürst und Umgebung schlossen sich an.
In der Gruft auf dem Friedhöfe fand die zweite Einsegnung der Leiche und die Beisetzung statt. Der Kronprinz und nach ihm die übrigen Teilnehmer der Trauer- seier warfen dem Hingeschiedenen drei Schaufeln Erde hr das Grab.
Engländer und Brrreu.
Im englischen Unterhause verlas der Staatssekretär des Krieges Brodrick ein Telegramm des Generals Kit- chener, in dem mitgeteilt wird, Leutnant Hearn von der Imperial Mornanry und sieben Soldaten hätten zeugeneidlich bekundet, daß sie gesehen hatten, wie Buren bei Vlakfontein auf verwundet am Boden liegende englische Mannschaften schassen. — Wir nehmen an, daß die Buren, wenn wir diesem Kitchenerschen Telegramm wirklich Glau- Len schenken dürften, „nach berühmten Mustern" sich hier tzerichiet haben — was allerdings immerhin scharf miffc billigt werden müßte.
Aus Prätoria, 10. Juli, wird der „Welt-Korr." geschrieben : Mir haben dieser Tage Briefe von der Hauptmacht der Buren her, d. h. von Bothas Truppen, zur Einsicht vorgelegen. Am meisten dürfte der Inhalt eines Schreibens eines hochangesehenen deutschen Arztes interessieren, der sich bemüht, die Verhältnisse ganz objektiv zu schildern, und zu einem unbefangenen Schluffe über die weitere Tauer des Krieges zu gelangen. Zunächst ist narf)’ dem Bericht von einem Mangel an Munition, wenigstens für Gewehre, noch auf lange Zeit keine Rede. — Von Geschützen soll Bothas Armee allein noch .etwa 10 bis 12, mit vorläufig genügender Munition, besitzen. — Ter Mangel an Kleidungsstücken machte sich eine Zeit lang fühlbar, doch machten sich die Buren seither daran.
Schaffelle zu gerben, aus denen sie Kleider fertigten, die gleichzeitig warm und dauerhaft sind. Zum Nähen dienen Schafdärme. Unt dem Mangel an Zelten abzuhelfen, verfertigten sich die meisten Buren aus gegerbten Schaffellen Schlafsäcke, die leichter mitzuführen sind und weit bessere Dienste leisten, als Zelte. An Pferden herrscht kein Mangel, im Gegenteil hat fast jeder Bur außer einem Reitpferd noch ein Hand- und ein Packpferd. Es ist daher begreiflich, daß die ungemeine Beweglichkeit der Buren immer wieder die schönsten Pläne der englischen Heerführer zu nichte macht. Von Kriegsmüdigkeit war bei Botha und seinen Leuten nichts zu merken; diese haben fast sämtlich einen feierlichen Eid geschworen, die Waffen nicht eher niederzulegen, als bis das Land wieder unabhängig ist, und eine große Anzahl hält schon aus Pflichtgefühl an diesem Eide fest. Ein großer Teil besteht aber auch aus Leuten, die aus reiner Verzweiflung weiter kämpfen, es sind dies Rebellen aus Natal und der Kap-Kolonie, die jahrelange Zuchthausstrafe oder noch schlimmeres zu erwarten haben, wenn sie in die Hände der Engländer fallen. Ein weiterer Teil besteht aus jungen Buren, die keine eigene Familie besitzen und auch sonst nichts zu verlieren haben; diese sind schon recht bedenklich verwildert, und das Jagen der Engländer, das Ueberfallen und Plündern von tleinep Stationen und Proviantzügen ist für sie ein Sport geworden, bei dem sie sich vorzüglich amüsieren. Ter Vize- Präsident der Transvaal-Republik, Schalk Burger, befindet sich bei General Botha. Beide erklären die Friedens-Bedingungen, die ihnen von England angeboten wurden, für ganz unannehmbar und versichern bestimmt, die Buren könnten und würden sich so lange halten, bis England der undankbaren Aufgabe überdrüssig geworden sei. Geradezu vorzüglich soll der Nachrichtendienst der Buren organisiert sein; sie sind genau unterrichtet über alle Bewegungen der englischen Truppen, über die Operationspläne, die Stärke der verschiedenen Besatzungen usw. — Fast durchweg stehen die verschiedenen Abteilungen der Buren miteinander in telegrapischer Verbindung; die Leitungen liegen meist parallel den englischen, und wo eine Kreuzung der letzteren unvermeidlich wäre, geschieht die Verbindung durch Te- peschenreiter. Ter Gesundheitszustand der Leute ist durchaus gut, und sie leiden dank ihrer warmen Kleidung und ihrer Schlafsäcke weit weniger vpn dem strengen Winter als die englischen Truppen. Ter Bericht bestätigt, was schon vorher hier vermutet wurde, nämlich daß die Engländer int ganzen östlichen Transvaal nur die Bahnlinien und einen ganz schmalen Streifen Landes auf beiden Seiten halten, landeinwärts können sie sich nur mit größerer Truppenmacht wagen, da kleinere Abteilungen von den wachsamen Buren sofort angegriffen werden. — So weit dieser Berichterstatter, der aus allem Gesagten den Schluß ziehen zu müssen glaubt, daß das Ende des Krieges noch in sehr weiter Ferne liege. -Wie sehr unter den hiesigen Buren und ihren Anhängern noch der Glaube an einen glücklichen Ausgang des Krieges festgehalten wird, beweisen die noch fast täglich vorkommenden Desertionen von Buren, die sich auf Parole in Prätoria aufhalten. Letzte Woche desertierten etwa 20 auf einmal, indem sie sich von den Engländern die nötigen Pferde, Sättel und Gewehre requirierten. Inzwischen wurden einige von den Leuten wieder gefangen genommen und einer derselben als abschreckendes Beispiel standrechtlich erschossen. Aber trotzdem kamen seither mehrere weitere Desertionen vor. Letzte Nacht entspann sich zwischen.solchen Flüchtlingen und einer Patrouille ein regelrechtes Gefecht in nächster Nähe der Stadt und verlautet, daß zwei Buren und ein englischer Soldat dabei fielen.
Es ist interessant, die Ansichten Chamberlains, die er heute über die Friedensbedingungen und Einstellung der Feindseligkeiten in Südafrika hegt, mit einigen Aeußer- ungen, die derselbe Mann nach dem ersten Majubatage that, zu vergleichen. Am 7. Juni 1881 sprach! er sich in Birmingham folgendermaßen aus:
„Wir instruierten Sir George Colley, er möge, wenn die Erfüllung gewisser Bedingungen zu erreichen wäre, auf dieser Basis eine Beilegung des Zwistes herbeiführen. Unter diesen Bedingungen war die erste und wichtigste, daß die Buren von einem bewaffneten Widerstande ab- stehen sollten. Während aber diese Korrespondenz noch fortdauerte, wurden die britischen Truppen, die in ungenügender Stärke die feindlichen Stellungen angriffen, an drei Stellen zurückgeschlagen. Wir bedauern diese Ereignisse natürlich wie jedermann, aber sie schienen uns keine neue Sachlage zu etablieren, daß wir unsere Friedensanerbietungen zurückziehen müßten. In diesen Gefechten waren wir die Angreifer, und unsere Verluste, so sehr wir sie beklagen, machen die Ursache des Mieges nicht gerechter, sie machen die Fortsetzung dieses unglückseligen und unrühmlichen Kampfes nicht wünschenswerter und förderlicher. Wir billigten daher das Vorgehen Sir Evelyn Woods, als er unter eigener Verantwortung einen Waffenstillstand eingeleitet hatte. Und als die Friedensbedingungen festgesetzt waren, als die Buren unser Anerbieten, wie wir es ursprünglich gemacht hatten, annahmen, waren wir zufrieden mit der Beilegung ohne weiteres Blutvergießen."
Heute besteht derselbe Mann hartnäckig auf bedingungsloser Unterwerfung, und da diese immer und immer noch nicht erfolgt, vertröstet er seine Leute auf allerlei chimärische Hoffnungen. Jetzt soll sogar das „Klima" es schaffen, daß im September die Unterwerfung vor sich gehe. Er vergißt bloß, daß dasselbe Klima auch vor einem Jahre schon geherrscht hat, daß überhaupt bisher die Buren viel eher den Eindruck erweckt haben, vom Klima begünstigt zu werden, als 'das Gegenteil.
Dem „Morning Leader" wird vom 11. d. M. aus New- Nork gemeldet: Ter kriegsgefangene Buer Duplooy, der von Bermuda enttarn, erhielt gestern seine Freiheit. Ein reicher
New-Yorker Namens Schramm versprach ihn zu beschäftigen. Ter englische Gouverneuer von Bermuda telegraphierte, Tuplooye solle festgehalten werden, allein das Einwau- rungs-Bureau entschied anders. Duplooy schwamm mit nur einem Messer im Munde unter den Kanonen von drei patrouillierenden Booten >rei englische Meilen weit durch das Wasser, in dem sich Haifische befanden. Um nicht bemerkt zu werden, bedeckte er seinen Kopf mit Seegras und als einmal ein Scheinwerfer auf ihn gerichtet wurde, tauchte er im richtigen Augenblick unter. Tuplooy war mit Cron je gefangen worden. In Simonstown versuchte er durch den Graben eines Tunnels zu entkommen und später gelang es ihm beinahe, in englischer Uniform zu entfliehen. An Bord des Schiffes „Armenian" faßte er dann den Plan, den Kapitän gefangen zu setzen und die Mannschaft zu zwingen, das Schiff nach den Vereinigten Staaten zu steuern. Dies mißlang ebenfalls. Duplooy ist ein junger Mann, der zwei Brüder im Felde hat. Seine Mutter und Schwestern sind im Frauenlager bei Pretoria, ihre Heimstätte ist verbrannt. Er wurde in New-York von bewundernden Mengen beinahe überwältigt. Als er photographiert wurde, verlangte er, daß man ihn so stelle, daß die Freiheitsstatue in den Hintergrund komme. Tuplooy sagte, er wolle die Photographie de Wet schicken. Er be- giebt sich auf Schramms Farm in Colorado.
China.
Die „K. Z." meldet aus Peking vom 10. Juli: Nach soeben aus Söul eingetroffenen, sicheren Nachrichten zogen sich die chinesischen Truppen zurück, sodaß zurzeit die Bedrohung der koreanischen Grenze aufgehoben ist.
Der „Daily Mail" wird aus Peking gemeldet, Japan habe jetzt dem Vorschläge der Mächte, daß China die Entschädigung in Bonds zu 4 Prozent zahle, zugesiimmt.
Aus Shanghai wird gemeldet: Ein Dekret der Kaiserin- Regentin bestimmt, daß die chinesischen Gesandten diejenigen im Auslande lebenden jungen Chinesen namhaft machen sollen, die in ihren Studien oder ihrer sonstigen Thätigkeit hervorragende Fähigkeiten zeigten. Diese sollen auf Kosten der chinesischen Regierung nach China zurück- gesanot werden, wo sie für geeignete Aemter gewählt werden können.
MMsche Tagesschau.
Das Zündhölzchenmonopol war in einer Zuschrift von „beachtenswerter Seite" an die „Münch. Allss. Ztg." empfohlen worden. Dieses „Monopol" gehört zu den Projekten, die immer wieder au stauchen, wenn sie artch dutzende Male in die Versenkung gestoßen worden sind. Bei jeder Militärvorlage seit 1890 ist daran gedacht worden, ob sich nicht aus dem Zündhölzchen, diesem so bequem zugänglichen Massenartikel, etwas „herausholen" ließe, entweder durch eine Fabrikatsteuer oder durch ein Monopol. Tie Idee ist immer wieder verworfen worden; selbst Herr v. Miquel, der doch gewiß auf dem Lugaus war nach Steuerobjekten, verschmäht es, die Zündhölzchen in seine Steuerbouquets aufzunehmen. Ein Zündhölzchen-Monopol ist schon ganz aussichtslos im Reichstag. Denn man sagt sich, das ist der erste Schritt. Tabakmonopol, Branntweinmonopol usw. sind daun nicht fern; der Appetit auf Monopole kommt beim Essen. Wir glauben nicht, daß die „beachtenswerte Seite" des Münchener Blattes innerhalb der Regierung zu suchen ist. Zur Zeit werden, so wird versichert, an amtlichen Stellen überhaupt feine Reichssteuerprojekte erwogen.
Die konservative „Kreuzztg." teilt mit der Ueberschrift „Zur Anti-Duellbewegung" eine sehr beträchtliche Anzahl von adligen Namen mit, die sich der bekannten, auf Antrag des Fürsten zu Löwenstein entstandenen Erklärung über die grundsätzliche Verwerfung des Zweikampfs angeschbossen haben. Es befinden sich in der nicht weniger wie 104 Namen von bestem Klang umfassenden Liste zahlreiche Mitglieder des katholischen Adels, was nach« der Stellung, welche die katholische Kirche dem Duelle gegenüber einnimmt, von vornherein ru erwarten war. Doch hat auch! mancher nichtkatholische Adelige dem.Aufruf seine Zustimmung gegeben. In der Erklärung wird als ein „leeres, ungerechtes Vorurteil" bezeichnet, daß, wo? sich! im Zweikampf schlägt, darum den Vorwurf der Feigheit verdiene, und daß, wer ein Duell ans Ueberzeugung ausschläqt, als ein Ehrenmann unvermindert zu achten jei. Diese Auffassung steht in einem bewußt entschiedene» Widersprach mit den Ehrbegrifsen der exklusiven Kreise. Einstweilen fehlen in der Liste d,e Namen von Abgeord- netcn der konservativen Parteien, so liest man die Namen mehrerer Grasen Stolberg, dagegen hat sich der kon erva- tive Reichstagsabg. Gras Stolberg Nicht angeschlossen.
Aus Berlin, 11. Juli, wird uus geschrieben:
Ein hiesiges Blatt meldet, deramerikanischeBot- s ch a f t e r i n B e r l i n, Mr. W h i t e, beabsichtigte infolge des Selbstmordes seines Sohnes sich ins Privatleben rurückzuziehen. In den Kreisen der amerikanischen Kolonie, die um eine solche Absicht des Botschafters wissen könnten, ist davon nichts bekannt. Wie sich ermessen lasse, sei das tragische Ende seines Sohnes dem Vater schwer ans Herz gegangen, aber Mr. White werde gerade durch die Fortsetzung einer ihm lieb gewordenen Thätigkeit am ehesten Trost finden. Sicher ist, daß das Scheiden dieses Diplomaten, der allseitige Wertschätzung genießt, in Berlin als ein empfindlicher Verlust betrachtet werden würde. Der Botschafter hat sich im hohen Grade um die Pflege der


