greifern erkannten sie zu ihrem Schrecken ihre Väter. Einem der Herren , dem Vater des Verbindungs-Schriftwarts waren die Schjriftstücke der „schlagenden Burschenschaft Franconia" in die Hände gefallen, die nicht nur die Namen und Wohnungen der Mitglieder dieser und anderer Schülerverbindungen enthielten, sondern auch Nachricht von der aus Mittwoch angesetzten „Bestimmungsmensur" gaben. Der betreffende Herr verständigte sich mit mehreren der anderen Väter zu der lleberraschung ihrer Sprösslinge. Was sie diesen zu Hause mitgeteilt haben, kann man sich denken!
* Hastenrath (Rheinland), 11. Juli. In dem zum Typhushospital umgewandelten Schiulsaal liegen zwölf männliche und vierzehn weibliche Personen, darunter sechs Kinder, krank darnieder. Auch in Privatpflege sollen sich noch einige Typhuskranke befinden. Jedenfalls übersteigt die Zahl der Erkrankten nicht dreißig. Tie vom Typhus ergriffenen Personen wohnen in ein und derselben Straße, was bre Vermutung rechtfertigt, dasses {Wbei der Epidemie um eine lokale Entstehungsursache handelt. Alles deutet darauf hin, daß die Epidemie ihren Höhepunkt überschritten hat.
♦ Auf dem Aerztetag zu Hildesheim hatte der Düsseldorfer Arzt Dr. Pfalz die Behandlung der Aerzte bei dem großen Militärbefreiungsprozeß in Elberfeld besprochen und verschiedene Beschwerden gegen das Verhalten des Unter« suchungSrichters Landgerichtsrat Spieß in Elberfeld vor« gebracht, der darauf eine Berichtigung veröffentlichte des Inhalts, daß er niemals in einer Irrenanstalt oder anderen sogenannten Heilanstalt ausgenommen gewesen sei und auch nie an Verfolgungswahnsinn gelitten habe. Spieß war, woran die Frankfurter „Kleine Presse- erinnert, vor Jahren Amtsrichter in Frankfurt a. M. und führte den Vorsitz am Schöffengericht. Bei dieser Thätigkeit ließ übrigens sein Verhalten vielfach auf ungewöhnliche Nervosität schließen. Aber das fiel nur den Parteien und Anwälten auf. Dagegen wurden später auch weitere Kreise auf ihn aufmerksam. Denn er stellte — so erzählt die „Kleine Preffe" weiter — auf offener Straße einen Arzt Dr. B., der ihn absichtslos angeblickt hatte, zur Rede, er mißhandelte ohne sichtbaren Grund einen älteren Herrn M., er verfolgte einen Mann vom Hauptbahnhof bis in ein benachbartes Haus und prügelte ihn. Die Staatsanwaltschaft leitete damals gegen den Amtsrichter ein Verfahren wegen Körperverletzung ein. Dasselbe endete aber mit Einstellung auf Grund verschiedener ärzt« licher Gutachten, welche die Zurechnungsfähigkeit von Spieß bezweifelten und eine Nervenzerrüttung infolge von Alkohol- und Nikotinvergiftung bei erheblicher Belastung anuahmen. Jedenfalls mußte Amtsrichter Spieß damals seiner richterlichen Thätigkeit auf lange Zeit entsagen und suchte ärztliche Hilfe auf. Diese scheint von Erfolg gewesen zu sein, sonst wäre er nicht wieder in den Richterdienst übernommen worden.
• Altenburg, 10. Juli. Der allgemeine VerbandStag des über ganz Deutschland verbreiteten Vereins deutscher Freimaurer ist Anfang September nach hier einberufen worden.
* Marseille, 11. Juli. Unter den im Hospital zu Frioul in Behandlung befindlichen arabischen Heizern ist seit gestern €va Todesfall an der Pest vorgekommen. An Bord der „Gabore", wo die gesunden arabischen Heizer untergebrach-t worden find, ist kein neuer Erkrankungsfall festgestellt worden. Der Gesundheitszustand der Passagiere und der Schiffsmannschaft ist fortgesetzt gut.
* Valladolid, 11. Juli. Infolge sehr heftiger Gewitter ist die Ernte hier völlig, vernichtet.
* Das Vermächtnis eines Millionärs und Weiberfeindes. Wie aus New-York berichtet wird, starb der Millionär Jason S. Rogers im Alter von 76 Jahren. Er hatte sein Vermögen als Erbauer von Lokomotiven erworben. Rogers war ein ekzentrischer Herr, vor allem ein grimmiger Weiberfeind. Als er noch jung war, hatte ibn eine Frau getäuscht; darauf wurde er so erbittert gegen das ganze weiblichie Geschlecht, daß er nicht einmal weibliche Dienstboten in seinem Haus litt. Er hat dem Metropolitan Museum of Arts über 30 Millionen Mark als Vermächtnis hinterlassen. Seine Verwandten, die er enterbte, haben die Absicht ausgesprochen, das Testament anzufechten.
* Die Schleppenfrage vor 100 Jahren. In einer Schilderung, welche ein Engländer über das Leben und Treiben auf dem Gesundbrunnen bei Berlin in einem vor 100 Jahren geschriebenen Briefe gab, heißt es: „Aus diesem Wenigen siehst Du, mein Freund, daß Du bei meiner Schilderung des Berliner Brunnens nicht an Pyrmont, Lauchstädt rc. denken mußt. Die Ähnlichkeit liegt meistens nur im Namen, nicht in der Sache, aber Du lebst dafür auch freier als irgendwo und darfst nicht fürchten, daß die Vornehmen und Rejchjen zwischen sich und den Niedern einen so großen Unterschied machen, als hätten sie einen ganz anderen Adam als diese. Sollten sich! ja einmal Wesen dieser Art hier einschleichen, nun, so sind das arme
Kranke, die deswegen zum Brunnen und ins Bad reisen, weil sie krank sind an Leib und Seele! Wohl bekomme ihnen denn auch die Kur an Leib und Seele! Tie Trachten, welche ich bei den Frauen auf Diesen Spaziergängen wahr nahm, haben im ganzen keine Hauptveränderung erlitten. Tie beschwerlichen Schleppen, gegen die schon so viel geeifert worden, haben sich beinahe allgemein verloren, doch sieht man sie noch bisweilen auf öffentlichen Promenaden, und es scheint, daß es vielen Damen schwer wird, sich von einer so lang erhaltenen Lieblingsmode zu trennen. Nun, nachdem die Röcke beschnitten, und die Garderoben weitläufiger geworden sind, disputiert man, ob das Auge mehr beim Anblick des leicht beschuhten Fußes oder bei dem majestätischen Ansehen des herabfließenden Gewandes gewinnt. Seit einigen Wochen tragen die hiesigen Damen auch! fvieder ein Medaillon auf der Brust oder an der Seite, dessen Erfindung mir immer einen feinen Kops zu verraten schien, da es das Auge, das doch bei manchen Damen wenig verweilen möchte, unwillkürlich an sich zieht."
* Moderner Ohrenschmuck. Bis jetzt waren die Damen, welche Ohrringe trugen, gewohnt, beide Ohren mit ganz gleichen Ohrringen zu schmücken. In amerikanischen Milliardärkreisen scheint man aber jetzt auf diesem Gebiete eine neue, durch ihre Uvsymmetrie pikant wirkende Mode einführen zu wollen. So konnte man in Kissingen die dort zur Kur weilende Frau Astor mit zwei Ohrringen sehen, von denen der eine aus einer weißen, der andere aus einer kohlschwarzen Perle bestand. Da diese Perlen von der Größe einer mittelgroßen Kirsche sind, wird es allerdings nur wenigen gut situierten Damen möglich sein, ebensolche Ohrringe zu tragen. Aber das Prinzip dieser Mode, die Unsymmetrie, bietet den phantasievollen Damen ein dankbares Feld in der Erfinnung aller möglichen Farben- und vielleicht auch Gestaltkontrasten der Ohrringe.
Lied des Aktionärs.
(AuS der „Münchener Jugend".)
Leg' auf den Tisch die Leipziger Papiere, Die lange Scheere bringe mir herbei. Damit ich sie mit Oel noch einmal schmiere, Wie einst im Mail
Ich will Koupon jetzt auf Koupon mir schneiden, Als ob der Krempel etwas wert noch sei, Ich will an ihrer Addition mich weiden, Wie einst im Mai!
Nun reiche mir das Kistchen mit Zigarren, Das Stück 6 Pfennige! Es ist vorbei Jetzt mit den Importierten! — Ach, die waren So gut im Mai!
Aus den KouponS nun dreh' mir Fidibusie, Und mit den Aktien heize die Kanzlei — Dann wird uns wenigstens noch warm zam Schlüsse, Wie einst im Mat!
Harry Nitsch.
Meratur, Wissenschaft und Kunst.
Frau Ds. Marie Meyer ergreift jetzt im „Tag" persönlich das Wort zur Affaire Klinger-Geyger. Nach ihrer Darstellung hatte sie allerdings an eine Stiftung für deutsche Künstler gedacht. Geyger aber habe die Sache hintangehalten. Als seine bevorstehende Verheiratung befürchten ließ, das Geld werde nur seinem eigenen Hause zu gute kommen, sei die Hypothek, von M. 130 000 zurückgezogen worden. Die Mk. 91 000 aber seien Geyger zu freier Verfügung überlasten, und sie, Frau Dr. Meyer, habe keinerlei Ansprüche mehr an ihn. Das dünkt uns, ist die Hauptsache; damit fällt Professor Klingers Räubergeschichte von einer Unterschlagung in sich zusammen.
UnioerMs-Uachrichten.
Ausländer auf unser« technische« Hochschule«. Mit der Ueberfüllung der technischen Hochschulen und der Zulassung der Ausländer beschäftigen sich gegenwärtig aufs neue lebhaft die beteiligten Kreise. Die Meinung des Vereins deutscher Ingenieure und die Vorschläge, die er zur Beseitigung der vorhandenen Uebelstände macht, sind in einer Denkschrift zusammengefaßt und lauten: „1. Wir erkennen an, daß im Falle der Ueberfüllung erst die Ansprüche der inländischen Studierenden befriedigt werden müssen , aber es ist wünschenswert, daß die Maßregel des Ausschlusses der Ausländer nur vorübergehend in Wirkung bleibt (?), gegen die Erhebung eines höheren Studienhonorars von den Ausländern haben wir nichts einzuwenden. Um die Ueberfüllung zu beseitigen und ungeeignete Elemente, insbesondere auch ausländische, vom Studium an den technischen Hochschulen fernzuhalten, empfiehlt es sich, a) die Aufnahmebedingungen zu verschärfen, sowohl gemäß den Beschlüssen des Vereines deutscher Ingenieure vom 29. Dezember 1896 als auch durch das Verlangen einer mindestens einjährigen Werkstattthättgkeit vor dem Studium; b) die Erfüllung der Aufnahmebedingungen von den Ausländern in mindestens demselben Maße zu fordern wie von den Inländern; o) die Zulassung zu den Uebungen von dem Nachweise der erforderlichen Vor- kenntniffe abhängig zu machen; d) die von der Ueberfüllung betroffenen Hochschulen zu erweitern und die in Betracht kommenden Professuren doppelt zu besetzen; e) neue technische Hochschulen als vollständige und selbständige Anstalten zu errichten; f) durch vermehrte Errichtung und Pflege technischer Mittelschulen denjenigen, welche heute noch in großer Zahl den technischen Hochschulen zugehen, ohne dafür die ausreichende Vorbildung zu besitzen, reichliche Gelegenheit zu einer beffer für sie geeigneten technischen Ausbildung zu geben.8
— Nicht weniger als 121 Studenten der Universität Berlin sind aus den Büchern der Universität gestrichen worden, weil sie keine Privatvorlesung in diesem Semester belegt haben.
— Dr. Max Ihm, Privatdozent für klassische Philologie an der Universität Halle ist zum a.-o. Professor an derselben Universität ernannt worden. — Aus Heidelberg wird berichtet: Mit der Abhaltung englischer Sprach- und Lltteralurkurse, die seither der in Ruhestand getretene Prof. Dr. Ihne abhielt, wurde Lektor Strachau betraut. — Der Professor der Mineralogie an der Wrener Universität, Hofrat Dr. Gustav Tschermak, beging am 10. ds das Jubiläum seiner Mjähr. Lehrthätigkeit. - In Pompeji hält vor einer Schaar deutscher Archäo, logen Professor Mau wieder seine El läuterungsvorträge. — In der Nähe von Tomsk starb am 25. Juni der o. Professor für Chirurgie an der Universität Tomsk E. G. Ssalischtschew im Alter von 50 Jahren. Er war ein geschickter Operateur.
— Ein Zwillingspaar, ein junger Monn und ein junges Mädchen, haben an einem Münchener Gymnasium gemeinsam das Abiiurientenexamen bestanden. Es sind Kinder deS Uni« ve-sitätoprofeffors Dr. von Pringöheim, Enkel der Schriftstellerin Hedwig Dohm.
Gerichtssaal.
Kassel, 10. Juli. Wegen einer Herausforderung zum Zweikamps wurde der Referendar Breilhaupt zu einer Woche, der Kartei« träger Rechtsanwalt und Notar Eckhardt aus Witzenhausen zu drei Tagen Festungshaft verurteilt.
Berlin, 10. Juli. Im Frühjahre des JahreS 1899 tauchten in Berlin zwei Herren aus Schweden auf, der Baron Kund v. Akerhjelm, der Sohn des HofpredigerS v. Akerhjelm zu Stockholm, der dort früher Landwirt gewesen, aber in Vermögensfall geraten war, und sein Begleiter, ein ehemaliger Konditor, der den Namen Olsen führte. Beide hatten vereinbart, sich durch Hochstapelei zu ernähren. Olsen legte sich den Namen v. Sylseth bei. Dieser hinterlegte bald nach seinem Eintreffen in Berlin bei der Deutschen Bank ein versiegeltes Packet, welches nach der Aufschrift 120 000 Mk. enthalten sollte. Die Deutsche Bank stellte hierüber eine Empfangsbescheinigung aus, und dies Papier, mit dessen Vorzeigung keineswegs gekargt wurde, diente dazu, die beiden Schweden mit dem Nimbus des Reichtums zu umgeben. Der angebliche von Sylseth wußte den früheren Rechtsanwalt Liffer zu bewegen, ihm eine Bescheinigung auszustellen, wonach er sich von dem Vorhandensein der 120 0,0 Mk. überzeugt habe. Wegen dieser That ist Liffer derzeit zu fünf Monaten Gefängnis verurteil! worden. Sie setzten sich nun mit Geldvermittlern und Darlehnsgebern in Verbindung, stellten g meinschaftlich Wechsel auS und erhielten mit Rücksicht auf das angebliche Dlpot bei der Deutschen Bank die Wechsel diskontiert, o. Akerhjelm heiratete und brachte das Vermögen der Frau durch. Der Genosse v. Akerhjelms, der angebliche v. Sylseth wurde in Haft genommen, der erstere entging seiner Verhaftung durch die Flucht. Da der Hauptangeklagte v. A. nicht zu ermitteln war, so wurde vor etwa Jahresfrist gegen die drei übrigen Genannten verhandelt. Im April d. I. wurde v. Akerjhelm in Triest verhaftet. Der Staatsanwalt hielt den Angeklagten in allen Fällen für überführt und beantragte gegen ihn eine Gefängnisstrafe von 4 Jahren. Der Gerichtshof erkannte auf eine Gefängnisstrafe von 3 Jahren.
Lyck, 10. Juli. Die Strafkammer verurteilte den Rendanten der Darlehnskasse Lappat aus Wielitzken, der in den letzten fünf Jahren gegen 23 000 Mk. Kaffengelder unterschlagen und durch falsche Buchlmgen die Veruntreuungen verdeckt hat, zu vier Jahren Gefängnis.
Handel nnd Verkehr. Volkswirtschaft.
Berlin, 11. Juli. Nach einer hier eingegangenen Depesche betrug die Ausbeute der im Witwateratrand Chamber of Mines vertretenen Goldminen im Monat Juni 19 779 Unzen Gold.
Leipzig, 11. Juli. Der Konkursverwalter der Leipziger Bank, Justizrar Barth, ist gestern aus Wien, wohin er sich zur Prüfung der Verhältnisse in den österreichisch-ungarischen Tochterunternehmungen der Aktiengesellschaft für Trebertrocknung begab, hierher zurückgekehrt und heute bereits wieder nach Kassel abgereist.
Karlsruhe, 11. Juli. Die Bankfirma Karl August Scheider hier tritt mit dem heutigen Tage in Liquidation, nachdem der In« Haber, Geh. Kommerzienrat Schneider, mit hiesigen Banken, u. a. der Rheinischen Kreditbank und der Oberrheinischen Bank ein Abkommen getroffen hat, wonach letztere die Aktiva und Passiva übernehmen.
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Jagd und Spart.
— Rudersport. Ein bisher einzig dastehender Rekord ist soeben einem Altstraßburger, dem Stadtrat Barbenes, gelungen. Infolge einer sportlichen Herausforderung machte er im eigenen Boote die Selbfi- ruderfahrt allein, in vier Tagen, von Straßburg bis Köln. Der erste Tag war Straßburg-Mannheim (150 Kilometer). Der bisherige Rekord auf dem Rhein, Basel-Straßburg, ist damit weitaus geschlagen.
Kriefkasten der Redaktion.
Lch. In unserer Nr. 159, 1. Blatt, befindet sich bereits eine Mitteilung über den scherzhaften Vorgang aus dem Dorfe G. als Korrespondenz aus Grünberg. — Besten Dank!
Schisssnachrichten.
Der Postdampfer „Friesland der „Red Star Linie", in Antwerpen, ist laut Telegramm am 9. Juli wohlbehalten in New-Pork angekommen.
jtaben Sie schon einen schneidigen Schnurrbart? ttotnii nicht, so gebrauchen Tie meinen weltberühmten Bartbeförderungs-Balsam „KOMMELIN". Der Erfolg garantirt in wenigen Wochen. Preis p. Tose Stärke I 2 Mk., Stärke II 3 Mk., in ungünstigsten Fällen nehme man Stärke III zu ü Mk. Kein BartwnchS- schwindel, denn dieses beweisen meine unzähligen Anertenuungsschretbeu. Auch wurde mein Präparat In Paris 1900 mit der goldenen Medaille prämilrt. Versandt p. Nachnahme. Porto 40 Pfg. Bei NichterfolM zahle Geld zurück, daher kein Risiko. Nnr zu beziehen von Rob. Husberg. Neuenrade A 20 (Westfalen).
Bekanntmachung.
Die Pachtgelder von Triebvierteln und anderen städtischen Grundstücken pro 1901 sind innerhalb 8 Tagen bei Meldung der Beitreibung zur hiesigen Stadlkaffe zu bezahlen.
Zahltage: Täglich vormittags.
Gießen, den 11. Juli 1901.
4870 _______________ Der Stadtrechner: Doepfer.
Verdingung von Bauarbeiten.
Die nachstehend verzeichneten Arbeiten und Lieferungen zmn Neubau eines neuen Sparkaffengebäudes sollen verdungen werden.
1. Die Beschlagarbeiten,
2. „ Kunstschlofferarbeiten,
3. „ Blitzableiteranlage.
Verdingungsunterlagen, Zeichnungen und Bedingungen können auf dem Bureau des Architekten Gust. Hamann, Bergstraße 11, eingesehen werden. Preisangebote sind daselbst gegen Erstattung der Kopialgebühren erhältlich.
Angebote find bis zum 18. dS. Mts., abeudS 6 Uhr, auf dem Bureau der Spar- und Leihkaffe, Gartenstraße 11, in verschlossenem Kouvert mit entsprechender Aufschrift versehen, einzureichen.
Gießen, ben 11. Juli 1901.
Spar- und Leihkaffe Gießen.
4869 Wiener.
Gascokes.
Infolge Stadtverordneten-Beschluffes vom 20. Juni d. I. tritt eine
Preisermäßigung unserer Gascokes ein und wurden die Preise derselben bis auf weiteres festge- fetzt wie folgt:
Für den Centner ab Verkaufsstelle: Stück-Cokes..........1,20 Mk.
Nutz-Cokes in zwei verschiedenen Korngrößen für Stubenheizung und für weite und enge Ofeuschachte paffend zerkleinert: Größe Nr. 1, etwas größer als durchschnittliche Korngröße des Anthracit, gangbarste Sorte.......1,30 Mk.
Größe Nr. 2, kleiner als durchschnittliche
Korngröße des Anthracit.....1,35 Mk.
In Wagenladungen von mindestens 36 Hentnern: Stückeokes . . . . 1,15 Mk.
Nußcokes Nr. 1 . . 1,25
Nutzestes Nr. 2 . . 1,30 „
Aei gleichzeitiger Entnahme von mindestens 200 ßentrrern: Stückeokes .... 1,10 Mk.
Nutzestes Nr 1 . 1,20 ,
Nutzeste- Nr. S . 1,25 „
Für Cokerabnehmer, welche 2 und mehr Doppelwaggons
beziehen, ermäßigt sich der Preis um weitere 5 Pfg. pro C!r.
Für Anfuhr au das Haus werden 5 Pfennig für den Centner berechnet.
NB. Sofern das Verbringen der CokeS auf die betr. Hger- plStze (Keller, Stall rc.) mit keinem außergewöhnlichen Zeitaufwand verbunden ist, geschieht dies ohne besondere Vergütung.
Im Gaswerk findet nur ein Verkauf von über 5 Centner Cokes statt; dagegen bleibt bei folgenden hiesigen Firmen der
Kleirrverkaus unserer Gaseokes
von 1 bis 5 Centner
bestehen, nämlich bei den Herren:
Joh. Fischer, Micestraße 19,
H. Hof, Löwengasse 11 und Bahnhofstraße 33, Gebr. Kahl, Frankfurterstraße 151, Ed. Klinket, Bahnhofstraße 10, Emil Lotz, Kirchenplatz 9,
Emil Piftor Nachfolger, Marktstraße 10,
Georg Schäfer, Licherstraße 2,
Georg Unverzagt, Kaplansgaffe 5.
Diese Firmen berechnen obenstehende Preise unserer Gas- cokes samt Anfuhr wie das Gaswerk und verabfolgen dieselben auch in Mengen unter 5 Gentnern.
Gießen, den 21. Juni 1901. 4388
Städtisches Gas- und Wasserwerk Gießen.
I. V.: Edm. Wetter.


