‘mal 9 gleich 1800 Köpfe), eine Gesamtverstärkung von etiva 4230 Mann erfolgen, wobei eine Bildung neuer Regimentsund Bataillonsstäbe unnötig ist. Eine entsprechende Vermehrung an Dffizieren und Chargen und Schaffung neuer Kvmpagnieformationen ist nicht zu umgehen. Ebenso liegt es mit der weiteren Komplettierung der drei Batterien zählenden Artillerie-Abteilung durch Einstellung einer 4. Batterie, während allerdings die Bildung neuer Reiter-, Pionier-, Train- und Sanitäts-Formationen wohl zur Aufstellung besonderer Stäbe führen müßte, falls die Zusammenfassung mehrerer kleinerer Verbände es erheischt. Ohne letztere Neubildung würde sich also die Stärke der Brigade, die jetzt 3600 Mann beträgt, durchs derartige Ergänzungen auf etwa rund 8000 Köpfe belaufen, was mehr wie eine Verdoppelung des jetzigen Bestandes beträgt.
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Telegramm des «ietzever Lluzeigers.
Berlin, 12. Juni. Man hört, die Denkmünze für die Chinakrieger werde nach dem Entwürfe des Kaisers von Professor Walter Schott modelliert und in der königlichen Münze geprägt.
Deutsches Reich.
Berlin, 11. Juni. Ter Kaiser traf von Wildpari heute früh auf dem Tempelhofer Felde ein, besichtigte die beiden Garde-Tragoner - Regimenter, nahm darauf das Frühstück bei dem Offizierskorps des ersten Garde-Tragoner- Regiments ein, dinierte bei dem Offizierskorps des zweiten Garde-Tragoner-Regiments und reiste abends um 11 einhalb Uhr nach Kiel.
— Tie „N. Nachr." erfahren, der preußische Fiskus lasse in den Bezirken Münster und Osnabrück durch private Bohrgesellschaften nach KV hie bohren.
2as „Mil. Wochenbl." meldet: Der Kommandeur der 2 Garde-Feld-Artillerie-Brigade, Generalmajor v. Dulitz ist mit der Führung der 5. Division beauftragt. Der Kommandeur der 5. Division Generalleutnant Köpke ist zur Disposition gestellt.
— Tie preußische Regierung beabsichtigt, da der Papst die Präsentation Zorn v. Bulachs für den Metzer Bischofs post en definitiv abgelehnt hat, einen neuen Kandidaten erst zu präsentieren, nachdem der Vatikan seine Zusttmmung zur Errichtung einer theologischen Fakultät in Straßburg gegeben haben wird.
~ $$ ist kein Geheimnis, daß dem ministeriellen Ende Miquels ein längerer, erbitterter Streit zwischen dtzm neuen Reichskanzler und dem unter Hohenlohe allmächtigen Vizepräsidenten des preußischen Staatsministeriums vorangegangen ist. Eine Episode aus. diesem Streit erzählt jetzt die „Slaatsb. Ztg.":
„Gegen Ende des vorigen Jahres soll der „Nordd. Mg. Ztg." die Weisung zugegangen sein, keine offi- zrelle Note von Herrn v. Miquel aufzunehmen, ohne vorher vom Reichskanzler, beziehungsweise von seinemAuftraggeber^dasP lacet eingeholt zu haben. Eine derartige Preßsperre ist jedenfalls auch ein Novum, das nicht begründet werden kann mit dem Hinweis, daß die Einheitlichkeit des Staatsministeriums in jedem Falle nach außen hin erkennbar sein müsse."
Ta Herr v. Miquel sich dieser Preßsperre unterworfen sah, mochte ihn schon die Ahnung erfassen, daß er dem „jungens Manne" werde weichen müssen. —
— Die „Dtsche. Tgsztg." führt Klage über das Mitglied einer polnischen fürstlichen Familie, die im Osten große Begüterungen meist an deutsche Landwirte verpachtet hat. Angesichts des im Osten durch Auswinterung und Dürre hervorgetretenen Notstandes hatten verschiedene Pächter gemeinsam ein Bittgesuch an den Fürsten gerichtet, in welchem sie unter Tarlegung ihrer traurigen Lage baten, die pränumerando zu zahlende Packst zu stunden und auf die nächsten Jahre zu verteilen. Der Bevollmächtigte des Fürsten hat darauf geantwvrtet, daß „Seine Durchlaucht keinesfalls gewillt sei, eine Stundung oder'Verteilung der Pachtgelder eintreten zu lassen, besonders aber nicht des am 15. Juni fälligen Pachtgeldes." Der Antrag aller Herren Pächter gemeinsam habe auf Seine Durchlaucht einen recht schlechten Eindruck gemacht, und sei die Verwaltung angewiesen worden, gegen alle diejenigen Pächter, welche nickst pünktlich am 15. Juni Zahlung leisten werden, sofort strengstens vorzugehen, was auch entschieden er- solgen Werd." Der mißtrauische Fürst hat jedenfalls die deutschen Pächter nach seinen eigenen Landsleuten beurteilt.
— Die Gesellschaft „Elektrischer Ferndrucker", die eine ausschließliche Lizenz auf den bei Siemens und Halske erfundenen, auch von jedem Ungeübten zu benutzenden Typendrucktelegraphen, genannt „Elektrischer Ferndrucker", besitzt, hat mit dem Reichspostamt einen Vertrag abgeschlossen, auf Grund dessen voraussichtlich noch im Laufe dieses Jahres die Einführung des Apparates in den öffentlichen Verkehr in Berlin erfolgen wird. Schon jetzt wird dieser Apparat bei Privaten eingeführt, um ihnen die direkte Korrespondenz mit dem Haupttelegraphenamte zur Annahme wie zum Aufgeben von Telegrammen zu ermöglichen.
Kiel, 11. Juni. Tas Großherzogspaar von Baven ist hier eingetroffen. Es unternahm nachmittags mit dem Prinzen Heinrich auf dem großen Kreuzer „Viktoria Suife" eine Fahrt in See. In der Außenfojede wurden mit den Linienschiffen „Baden" und „Württemberg" Evolutionsübungen ausgefiihrt; denen sich Gefechtsübungen anschlossen, in welchem die „Viktoria Luise" den Feind markierte.
Ausland.
Loudon, 11. Juni. Generalmajor von Moltke, der binnen kurzem in Petersburg eintrifft, überbringt, wie dem „Daily Telegraph" von dort gemeldet wird, dem Zaren ein Handschreiben Kaiser Wilhelms. Der Besuch soll politische Zwecke haben, und Kaiser Wilhelms Brief politische Tagesfragen berühren. General v. Moltke bringt dem Zaren auch das Modell eines sehr leichten, in der deutschen Armee eingeführten Tornisters zur Inspektion. Oberst Orodnekow, ein junger Lehrer an der Militär. Akademie, erhielt Befehl, sich dem Grafen v. Moltke während seines Aufenthaltes in Rußland zur Verfügung zu stellen. Graf v. Moltke wird vom Zaren Im Alexandrowski-Palast bei Peterhof empfangen werden.
— Das „Reuter'lche Bureau" meldet aus Tripolis unter dem 9. d. M.: Sultan Ibrahim von Wadai ist ermordet worden. Der Bürgerkrieg hat aufgehört.
Madrid, 11. Juni. In der soeben verlesenen Thronrede heißt eS, was die finanziellen Pläne anbelangt: Die Ausgaben müssen soweit als thunlich beschränkt werden, aber vor allem faßt die Regierung die Umänderung unseres Papiergeldwesens ins Auge. Die Frage des Goldagios muß befriedigend gelöst werden, indem der Staat in den Stand gesetzt wird, weitere Noten vorzunehmen und Silbermünzen zu prägen, ohne jedoch große Kreditoperationen vorzunehmen. Wie, wird nicht gesagt. Die Konvertierung der Kolonialschulden und ungestempelten Exterieurs soll durch ein besonderes Gesetz beschleunigt werden.
Wien, 11. Juni. Unter den gestern im Abgeordneten- Hause eingebrachten Interpellationen befindet sich eine solche von Kozlowski und Genossen, worin von der Regierung die Mitteilung des Planes verlangt wird, welchen sie bei der Zoll- und Handelspolitik künftig befolgen wolle. Weiter verlangt die Interpellation die Einleitung von Schritten zur Verhinderung der Erhöhung der Zölle für die Einfuhr landwirtschaftlicher Artikel nach Deutschland, sowie die Erleichterung der Einfuhr von Schlacht- und Zugvieh und von Pferden nach Deutschland, Frankreich, der Schweiz und England, ferner wird interpelliert über die Ausführung der Veterinär-Konvention seitens des Deutschen Reiches.
Bukarest, 11. Juni. Der frühere Präsident des mace- donischen Zentral-KomiteeS Sarasow (der immer noch in Sofia gefangen gehalten wird) hat einem Mitarbeiter der „Universul" erklärt, er würde nach seiner Befreiung mit >er Büchse in der Hand persönlich für Macero nie n kämpfen. Eine Revolution in Macedonien sei uvermeidlich und es werde dadurch eine Intervention der Mächte und die Gewährung der Autonomie für Macedonien erzwungen werden. Macedonien müsse den Macedoniern, nicht aber Bulgarien gehören.
Tanger, 11. Juni. Der Vertreter des Sultans gab dem französischen Gesunden Revoil im Namen seiner Regierung eine Entschuldigungs-Erklärung ab und zahlte die als Entschädigung für die Tödtung des französischen Bürgers Pouzet verlangte Summe.
Aus Stadt und Land.
(Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist unter genauer Quellenangabe: „@ie& Anz." gestattet.)
• * Akademische Vorträge. Der 4. Vortrag von Prof. Dr. Dietrich über „Kunst und Leben in Pompeji" findet reute, Mittwoch abend, pünktlich 8 Uhr statt.
- r. Ein Ständchen wurde heute mittag 12 Uhr dem Oberstleutnant Herr le in von der hiesigen Regimentskapelle aus Anlaß seines Geburtstages gebracht.
* • Die Beisetzung des in China ermordeten Hauptmanns Zartsch hat am 11. d. M. in Striegau auf dem Nikolaikirch- wfe stattgefunden in der Familiengruft der Familie Bartsch. DaS Portal der Kapelle war prächtig mit Lorbeer geschmückt. Der Leichenfeier wohnten u. a. der Krieger- und Veteranen- verein sowie der Garde-Verein bei, ferner eine Abordnung des 10. Grenadier-Regiments aus Schweidnitz mit der Regimentskapelle. Oberleutnant Ziegler von unserem 116. Infanterie-Regiment, dem der Verstorbene bekanntlich angehört hatte, nahm an der Trauerfeierlichkeit teil und legte einen prachtvollen Kranz am Sarge nieder.
C. Die zweite Schwurgerichtsperiode des Jahres 1901 ist beendet. Sieben Fälle kamen zur Verhandlung und zwar zwei wegen Brandstiftung, ein wegen Eisenbahntransport efährdung, ein wegen Notzucht, ein wegen Körperverletzung nit tödtlichem Erfolg, ein wegen Unterschlagung und Ur- undenfälschung im Amte und ein wegen Raubmords. In drei Fällen erfolgte Freisprechung, in den vier anderen wurden insgesamt an Freiheitsstrafen ausgesprochen 18*/, Jahre Zuchthaus und 6 Monate Gefängnis. Die höchste außer >er Todesstrafe war eine Zuchthausstrafe von 10*/2 Jahren, die niedrigste eine Gefängnisstrafe von 6 Monaten. Angeklagt waren im ganzen acht Personen, von denen vier verurteilt und vier freigesprochen wurden. DaS schwerste unter An läge stehende Delikt war der Kloppenheimer Raubmord, das eichteste Begünstigung im Falle der Notzucht bezw. der Verführung eines Mädchens unter 16 Jahren.
• • In die Klinik wurde gestern der Dachdeckergeselle Anschütz eingeliefert, der in Wetzlar von einem Hause kürzte und schwere Verletzungen davon getragen hatte. — Die wir hören, ist sein Zustand recht bedenklich.
* ♦ Lahukanalisation. In der Sitzung der Limburger Handelskammer wurde über den Stand der Lahnkanalifierungs- Angelegenheit folgendermaßen berichtet: Seit der letzten Sitzung der Kammer hat noch eine Versammlung des Anschusses zur Förderung der Lahnkanalisation am 25. April c. in Limburg stattgefunden, in der nach Entgegennahme des Berichtes über die seitherige Thätigkeit beschlossen wurde, zunächst noch mit den Erhebungen für eine zuverlässige Ver« kkhrSstatiftik für das Gebiet des projektierten Lahnkanals als notwendigste Unterlage fortzufahren, und dann soll die von unserer Kammer vorgeschlagene größere Versammlung der Lahnkanalinteresienten anberaumt werden.
* Vierwöchige Reserveubuug der Bottsschullehrer. Man schreibt uns aus Lehrerkreisen: Am 10. Juli treten die jungen Lehrer Oberhessens und der nächsten preußischen Umgebung unserer Stadt beim hiesigen Infanterie-Regiment ihre vierwöchige Reserveübung an. Während die Volksschullehrer bei der zehn- und sechswöchigen Uebung besondere sog. Lehrerkompagnien bilden, werden sie bei ihrer letzten (vierwöchigen) Reserveübung in die einzelnen Kompagnien verteilt und machen den Dienst mit den übrigen Mannschaften mit. Daß es ihnen nicht möglich ist, den Anforderungen ganz zu genügen, wegen der kurzen militärischen Ausbildung, die im ganzen nur 16 Wochen beträgt, dürfte begreiflich sein. Dieser Umstand hat seither dem Lehreransehen sehr geschadet, sowohl in den Augen der Vorgesetzten, als auch der dienenden
Mannschaften. Es ist deshalb mit Freuden zu begrüßen^ daß diese Sonderstellung der Volksschullehrer durch die Be- rechtiguug derselben zum einjährig-freiwilligen Dienst auf» gehört hat. Die noch rückständigen sechs- und vierwöchigen Hebungen werden nach einigen Jahren beendet fein.
V. Bangewerk Berufsgenoffenschast. Unsere Stadt ist in diesem Jahre ein Kongreßort par excellence. Nachdem erst vor Kurzem zwei Tagungen aus der wissenschaftlichen Welt in den Mauern^ Gießens stattgefunden haben, wird, wie wir erfahren, am 25. und 26. Juni die Delegierten-Versammlung der Hessen-Nassauischen BaugewerkS-Belufsgenosienschast in SteiuS Saalbau tagen. Diese Berufsgenossenschaft umfaßt das gesamte Baugewerk im Großherzogtum Hesien, der Provinz Hefsen-Nasiau und im Fürstentum Waldeck. Das am 1. Oktober 1900 in Kraft getretene Gewerbe-Unfall-Ver- sichernngsgesetz vom 30. Juni 1900 hat gegen das frühere Recht bedeutende Aenderungen gebracht und es ist nunmehr Aufgabe der BerufSgenofscnschaft, ihr Statut und inneren Ausbau mit dem neuen Recht in Einklang zu bringen. Diese Regelung erfordert bedeutenden Aufwand an Arbeitskraft und deshalb sind zwei Arbeitstage für den Delegiertentag vorgesehen. Diese Versammlungen haben aber nebenbei einen besonderen Wert deshalb, weil sie die Träger der Versicherung, hier die Baugewerktreibenden alljährlich einander näher bringt und den Austausch aller Erfahrungen im gemeinschaftlichen Interesse ermöglicht, — ein Umstand, der der Beachtung aller Mitglieder der Genossenschaft und in diesem Falle besonders der hiesigen Mitglieder wert ist. Gießen ist der Sitz der Sektion VI, der Genossenschaft. ES find, wie wir hören, schon Vorbereitungen im Gange, um den Delegierten und Gästen den Aufenthalt hier so angenehm wie möglich zu machen, damit auch die Teilnehmer dieser Versammlung wie die der vorhergegangenen, den angenehmsten Eindruck von unserer Stadt mit nach Hause nehmen.
v. Bad-Nauheim, 11. Juni. In Bad-Nauheim herrscht Freude; die Quelle XII sprudelt wieder mehrere Meter hoch und die weiße Schaumfontaine ist wieder von weitem, von den entfernten Parkanlagen, sichtbar und ragt, wie ehedem, hoch über die Brüstung des Bassins. Dieser hochspringende Sprudel ist das Wahrzeichen Nauheims; die mächtige Fontaine ist auch im Stadtwappen enthalten, das der letzte Kurfürst von Hessen, Friedrich Wilhelm, am 5. Oktober 1854 dem damaligen „Flecken Nauheim" er- laubte, zugleich mit der Erhebung des Ortes zur Stadt Bad-Nauheim. Nach den Störungen der Quellen am 2. April d. I. hatte sich das Haupt der stolzen Quelle be- renklich geneigt. Jetzt rufen sich die Nauheimer froh die Botschaft zu: Der Sprudel XII springt wieder so hoch wie rüher! Auch die Kurgäste freuen sich, denn nun sausen die lerlenben, schäumenden Wasser ganz anders, weit kräftiger als bisher in die Badewannen. Heute wurden z. B. 2691 Bäder gegeben, darunter 830 Sprudel- und Sprudel- trombäder. Allgemein ist man der Ansicht, daß sich die drei Sprudel noch mehr erholen werden. Die Ursachen der Störungen sind wohl darin zu suchen, daß im Frühjahr Aufräumungsarbeiten einer alten Quelle am GaShäuSchen vorgenommen, und daß beim Bau des Badehauses VII zuviel Grundwafser dem Erdreich entzogen wurde. Der normale Stand des GrundwafserS ist nun wieder erreicht und die Kohlensäure hat sich wieder gesammelt.
H. Hartenrod, 10. Juni. Wie bereits gemeldet, soll die Eröffnung der Bahnstrecke von Weidenhausen bis hierher am 15. Juli stattfinden. Gegenwärtig werden jedoch noch Arbeiten an dem hiesigen Bahnhofe und dem nach End- ;ach zu gelegenen Bahndamm ausgeführt, die bis zu obigem Zeitpunkt vollendet sein sollen. Voraussichtlich wird die weitere Strecke von hier nach Herborn am 1. Oktober )em Verkehr übergeben. Doch dürfte diese Frist wesentlich lberschritten werden, da auch auf diesem Teil der Bahn be- leutenbe Geländeschwierigkeiten vorliegen. So wird zwischen )ier und Eisemroth ein großes Tunnel erbaut.
-9. Weilburg, 11. Juni. Im August wird in unserem Städtchen, das wegen seiner romantischen Lage mit dem alten Recht auch heute noch die Perle des Lahnthals genannt wird, das 18 Verbandsfest der Feuerwehren »eS Regierungsbezirks Wiesbaden gefeiert werden. Alle Vor- tereitungen für dieses Fest, das erste seiner Art in Weilburg, ind im besten Gange, die Komitees find gebildet und eifrig thätig. Die obere Leitung liegt in den Händen des Fest- auSschusteS von bewährten Männern.
Vermischtes.
* Berlin, 11. Juni. Der Kaiser hat den Schuhmacher Karl Rusch, früher in Thorn, und den Mühlenbefitzer Christian Görke aus Piwnitz, Kreis Briefen, welche in den Jahren 1870, bezw. 1875 vom Thorner Schwurgericht wegen Mordes, bezw. Anstiftung zum Morde zum Tode verurteilt worden waren, deren Todesstrafe aber eine Umwandlung in lebenslängliche Zuchthausstrafe erfahren hatte, jetzt wegen guter, reuevoller Führung vollständig begnadigt, fodaß sie nach 30jähriger, bezw. 25jähriger Zuchthausstrafe aus der Strafanstalt entlasten werden. — Ein Opfer der freien Liebe ist die 22jährige Gouvernante C. A. geworden, die bis vor wenigen Wochen in der Familie eines Bankiers B. lebte. Dieselbe war seit dem Herbst vorigen Jahres in dieser Stellung und hatte gelegentlich einer Gesellschaft einen jungen österreichischen Offizier kennen gelernt. Die jungen Leute kamen auch außerhalb des B.'schen Hauses zusammen, und der feurige Liebhaber wußte schließlich Dafl bildschöne Mädchen zu überreden, ihn nach Triest zu begleiten, wo er die Filiale einer Berliner Fabrik leiten sollte. Seit Anfang Mai war die Gouvernante spurlos verschwunden. Alle Bemühungen der bejahrten Eltern, fie aufzufinden, blieben erfolglos. Bor einigen Tagen fragte die Polizei eines kleinen italienischen Städtchens in der Nähe des Como-See bei Herrn B. an, ob er über feine in den Gewässern des Sees gefundene weibliche Tote wohl Auskunft geben könne, da in der Tasche bet von ben Wellen an ben Strand gespülten Leiche ein unleserlicher Brief mit seiner Abreste gefunden worden fei. Da die Personalien der Ertrunkenen, die wohl einige Tage im


