Ausgabe 
13.3.1901 Zweites Blatt
 
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Berlin, 10. März. Die Gräfin Marie Schkie-! den ist von der Anklage der Brandstiftung von den | Geschworenen freigesprochen worden. Wegen der sozialen Stellung der Angeklagten hat der Prozeß eine gewisse Sensation erregt. Ihr Gatte ist der Sohn des Majoratsherrn Grasen von Schlieben-Sorditten. Sie ist die Tochter eines Gutsbesitzers und in dem Hause des Geh. Regierungsrats Reich in Wehlau erzogen, der der Vormund ihres späteren, um 12 Jahre jüngeren Ehemannes war. Im Frühjahr 1899 kaufte Graf v. Schlieben eine Villa in Steglitz für 23 000 Mark und noch in demselben Jahre eine zweite für 53 000 Mark ebendort in der Albrechtstraße Rr. 109. Hier schlug das Ehepaar, das ein glückliches Zusammenleben geführt haben soll, sein Heim auf. Tie Villa, ein Eckgrundstück, hatte zwei Eingänge. In diesem Gebäude ist nun mit einem kurzen Zwischenraum zwei- m a 1 Feuer ausgebrochen, das zweifellos von bös­williger Hand angelegt ist. Die Gräfin v. Schlieben sollte die Thäterin sein. Im Monat Mai erwartete sie eines Tags ihre Schwiegermutter aus München zu Besuch. Die Angeklagte fuhr zum Bahnhof, die Erwartete kam aber nicht. Da die Gräfin erfuhr, daß ein anderer, schneller fahrender Zug um 7 Uhr eintreffen würde, fuhr sie zunächst nach der Re­daktion, in der sie thätig war, zurück, weckte das schlafende Frl. Metzker und beauftragte sie, nacfy Steglitz zu fahren. Sie ließ sich dann nach Hause fahren, angeblich, um ihren Regenmantel zu holen. Sie hat sich nur kurze Zeit in der Villa aufgehalten, ist nach Berlin zurückgelehrt, und hat ihre um 7 Uhr eintresfende Schwiegermutter empfangen. Inzwischen war Fräulein Metzker nach Steglitz gefahren. Sie fand die Gartenthür offen, die Hausthür verschlossen. Als sie und der Hausdiener Krause, der sich auch ein­gestellt hatte, den Flur betraten, sahen sie sofort, daß inzwischen ein Brand stattgefunden. Wände und Thüren waren geschwärzt und zu m Teil verkohlt, die Vorhänge zwischen den Verbindungsthüren verbrannt. Es waren sichere Anzeichen dafür vorhanden, daß Brandstiftung vor lag. Als bald darauf die Gräfin v. Schlieben mit ihrem Besuche erschien, wurde zur Polizei geschickt und der Thal bestand ausgenommen. Die Gräfin hat sodann angegeben, daß ein kleines Ledertäsck)chen mit 7200 Mk. Inhalt mit verbrannt sei. In der Nacht zum 6. Juni brach in der v. Schliebenschen Villa wieder ein Brand aus, der leichft gelöscht wurde. Auch dieser sollte, wie die Anklage be­hauptete, von der Gräfin angelegt fein. Als Beweggrund wurde ausgeführt, daß das Ehepaar durch verfehlte Unter­nehmungen in seinen Vermögensverhältnissen zurückge­kommen sei und die Angeklagte auf die übermäßig hohe Versicherungssumme spekuliert habe. Die Angeklagte bestritt entschieden ihre Schuld.

Universttäts Nachrichten.

Der Direktor der medizinischen Klinik der Universität Greifs­wald. Prof. Dr. Fr. MoSler, feierte am 10. d. M. den 70. Geburts tag. Prof. Mosler ist in Ortenberg in Hessen geboren. Ernst Wichert wurde tu seinem 70 Geburtstag von der philosophischen Fakultät der Universität Königsberg zum Ehrendoktor ernannt. Nach einer Mit­teilung des preußischen Ministers der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal­angelegenheiten wird der Direktor deö Hygienischen Instituts der Uni­versität Halle, o. Profeflor Dr. Fränkel, vom 17. bis 30. März in Halle a. S. einen hygienischen Kursus für Verwaltungsbeamte abhalten.

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

BreSlau, 11. März. Das Bankhaus Albert Hol, hat falliert. Die Passiven betragen 1 Million Mark, wovon 800000 Mk. auf Depots entfallen. Letztere fehlen fast sämllich.

Arbeiterbewegung.

ko. Mainz, 11. Mainz. Die hiesigen Schneider haben ei> eu neuen Lohntarif ausgearbeitet und den Meistern mit dem Ersuchen unter­breitet, sich bis zum 14. März über denselben schlüssig zu machen.

Montceau leS MineS, 11. März. Heute früh wurden vor der Thür eines Syndikatsarbeiters ein Behälter gefunden, der Pulver und Eisenstücke enthielt. Der Behälter war gestern abend explodiert, ohne Schaden anzurichten.

Neueste Meldungen.

(Telephon-Meldungen desGießener Anzeigers".)

G. Darmstadt, 12. März, 1 Uhr 20 Min. Die Zweite Kammer der Stände setzte heute morgen die Beratung fort. Vor Beginn derselben bringt der Präsident Haas ein Ant­wort-Telegramm des Kaisers zur Verlesung, in dem Se. Majestät seiner Freude Ausdruck giebt über die Teilnahme der Zweiten Kammer bei seiner -Errettung aus ernster Gefahr, und ersuchte den Präsidenten, der Kammer den wärmsten Dank auszusprecheu. Auf Antrag der Abgg. Brauer und Heidenreich wirb die Beratung der Kapitel 6676, Landwirtschaft, ausgesetzt. Zu Kapitel 77, Kunst­straßenbau, werden 1 119 750 Mark bewilligt, ebenso Kapitel 78, Handelskammer, mit 18 800 Mark, Kapitel 79, kauf­männische Fortbildungsschulen, ebenfalls 12 000 Mark be­willigt. Hierzu stellt der Abg. Reinhard den Antrag auf Erhöhung der Position. Bei Kapitel 80, Handwerkskammer, werden 4750 Mark bewilligt, und bei Kapitel 81, Gewerbe­aufsicht, beantragen die Abgg. Frenay u. Gen. Anstellung von Gewerbeoberaufsichtsinspektoren mit Sitz und Stimme im Ministerium und fordert hierzu 4750 Mark, die eben­falls bewilligt werden. Ministerialrat Braun stellt fest, daß nach Ansicht der Großh. Regierung für Hessen augenblicklich kein Bedürfnis vorliege, dagegen sei eine Vergrößerung des Aufsichtspersonals viel notwendiger. Hierauf wird die Kammer aus Mittwoch 9 Uhr vertagt.

G. D a r m st a d t, 12. März. 1 Uhr 45 Min. Landes­ökonomierat Stimme! ist heute morgen gestorben.

W. München, 12. März. 12.15 Uhr. Der Kaiser von Oesterreich ist heute morgen hier eingetroffen, und am Bahnhofe vom Prinzregenten, dem Prinzen und der Prinzessin Leopold begrüßt worden. Einen offiziellen Empfang hatte sich der Kaiser vetbeten. Das zahlreiche Publikum begrüßte den Kaiser und den Prinzregeuten mit Hochrufen.

München, 12. März. 2 Uhr 10 Min. Der deutsche Kronprinz ist soeben hier eingetroffen.

W. Haßfurt, 12. März. 12.25 Uhr. Gestern abend stieß eine rangierende Maschine mit einem Personen-Zuge zusammen. Zugführer, Heizer und 6 Reisende sind leicht verletzt.

M ünchen, 12. März. In' der Nähe des nieberbayerr- schen Torfes Gionn bei Deggendorf stieß man bei G b - ungen auf Gold.

Bromberg, 12. März. Aus dem Kassenlokal des Amtsgerichts in Labischin entwendeten Einbrecher Geldbeträge, deponierte Testamente und Gelddepots.

Kenzingen, 12. März. Hier wurde Hauptlehrer Leith von Weisweil wegen Vergehens gegen § 176, 3 Str.-G.-B verhaftet und ins hiesige Amtsgefängnis ein­geliefert. Leith ist verheiratet unb Vater mehrerer Kinder.

London, 12. März. Das Reuter'sche Bureau erfährt.' Zufolge der Annahme, die Regierung werbe auf Zucker einen Zoll von 5 Pfund auf die Tonne erheben, seien von Deutschland, Frankreich, Oesterreich, Belgien und Rußland tausende Tonnen Rübenzucker, roh und krystallisiert, ein­geführt.

B u d a p e st, 12. März. Anläßlich eines telepetischen Vortrages des Professors Willman n im Urania-Theater kam es zu einem großen Skandal. Da mehrere Pro­duktionen mißlangen, lärmte das Publikum. Man schrie: Schwindel, Willmann bezahlt die Medien." Das Publikum stürzte sich auf den Professor, welcher flüchtete. Es ent­stand eine Prügelei zwischen dem Publikum und beit Mebien. Die Polizei stellte bie Ruhe wieber her.

Kopenhagen, 12. März. WieRitzaus Bureau" aus Helsingfors meldet, ist der Antrag des finländischen Senates, wonach gewisse Dokumente, F i n l a n d betr., auch künftig dort aufbewahrt werden dürfen und nicht nach Petersburg geführt werden sollen, vom Kaiser abge- wiesen.

Telephonischer Kursbericht.

Frankfurt, den 12. März

81/» % Beiohsanieihe . . 97.85 go/o do . . 88.65 8*/t % Konsole .... 98.05

8 7C do .... 88.46

8Ve Heesen .... 94.75

6*7'« Italien. Rente . . . 96.10

40/0 Grieoh. Monop.-Anl. 44.50

8 % Portugiesen . . . 25.60

8°/o Mexikaner . . . . 26.05

41/10/0 Chinesen .... 82.20

Kreditaktien . . . 221 20

Diskonto-Kommandit . . 185 70

Darmstädter Bank . . . 134.80

Dresdener Bank . . . . 151 20

Berliner Handelsges. . . 152 30

Oeeterr. Staatshalt . . 147 90

Gotthard bahn . . . . 167 50

LaurahQtte..... 204 0

Bochum...... 190 5'1

Harpener......169 00

; ruhig.

11.

12.

12.

Meteorologische Beobachtungen

der Station Gießen.

März

Barometer auf 00 reduziert

= "c

| W

der Luft

Absolute Feuchtigkeit

9« 7« 225

738,6

740,2

742,8

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+ 0,8

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2,8

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4,5

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4,3

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Niedrigste

Relative Feuchtigkeit

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s.w.

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N.N.E.

10.1

1. März

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Wetter

2 beb. Himmel

+ 2.8» C.

+ 0.7° C.

Bekanntmachung.

Samstag den 16. März 1901, nachmittags 3*/i Uhr beg nnend, soll da» Abfallholz in den städtischen Anlagen in der Ostanlage, bei der Skadtmädchenschule, in der Verlängerung der Alicestraße, in der Stephanstraße, in den Anlagen vor dem Friedhof, auf dem Lutherberg und im Lerchcnwäldchen, darunter 3 Lindenstämmchen und zu Erbsenreisig geeignetes Reisig, an Ort un) Stelle meistbietend versteigert werden. Die Zusammenkunft ist in der Ostanlage, am Liebig- Denkmal.

Gießen, den 12. März 1901. 1986

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum.

lirl! innitiiiniljunßen |[ IT r ctg erüniun

Verdingung.

Die Arbeiten zur Instand, setzung der von der Stadt Gießen erworbenen Hauses, Frankfurterstraße 63 (früher Güngerich'sche Hofrait ), wie Schreiuerarbeit (Unfertig- unq eines Glasadschlustes) und Weißbiuderarbeit (in drei Stockwerken) sollen

Montag, 18. März d. I., vormittags 11 Vz Uhr, öffentlich vergeben werden. Die Verdingungsunterlagen liegm während der Dienststunden bei uns auf Zimmer Nr. 6 zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, find bis zum genannten Termin einzureichen.

Zuschlagsfrist 3 Wochen.

Gießen, 9. März 1901.

Das Stadlbauamt.

Schmandt. 1988

Zwiebeln, prima frostfreie Ware, 50 Kilo mit Sack nur 1959

Vier Mark

versendet gegen Nachnahme

Jacob Stern-Simon,

Friedberg, Hessen. .

Versteigerung.

Montag den 26, l. DttS., nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im Pfandlokal, SelterSweg 11, gegen Barzahlung:

Eine Partie Buchen < Bohlen, Eichen Stämme und Bahn« Schwellen, 1 Kuh, 1 Wagen, 1 Pianino, 1 Spiegelschrank, mehrere Sofa?, Kommoden und Kleioerschränke, 2 Regulateure, 1 Spiegel u. a. m.

Gießen, den 12. März 1901. 1979 Mulch, Pfandmeister.

Samstag den 16. Mörj IM,

nachmittags 27t Uhr,

sollen auf hiesigem Ortsgericht die zum Nachlaß des Johann Balt- Hafer Kann von Gießen gehörigen Immobilien, elS:

Flur 25 Nr. 166/io 189 qm Grabgarten an derFrank. furterstraße links,

Flur 25 Nr. 168 Vit 899 qm Hofraite daselbst,

Flur 25 Nr. 167a8/n 2663 qm Grabgarten am Selters­berg links der Chaussee erbverteilungshalber meistbietend, zum dritten- und letztenmale, ver­steigert werden.

Herr WilhelmPlank IL, Bahnhofstraße hier, ist bereit, daS Anwesen auf Wunsch vorzuzeigen.

Gießen, den 12. März 1901.

Die Geben. 1978

Am SamSlagadend bei derKmder- vorstellung wurden in der Garderobe 6 Sdjirmt vertauscht. Austausch: Lauystratze 4. [0893

Hohversteigerung im Gießener Stadtwald.

Montag den 18. März 1901, vormittags 91/2 Uhr beginnend, sollen i« Ferue- wald, in den Abteilungen Bannwald, Saatfeld, Steiuertswald, Wacht und Dachsbau, versteigert werden:

35 Eichen-Stämme mit 20,29 km,

156 FichtewStämme mit 39,42 km,

278 Fich:en-Derbstangen mit 28,81 km,

78 rm Etchen-Scheitholz,

4 Birken-

2 , Aspen-

28 Nadel-

120 EichemKnüppelholz, meist Stammknüppel, 5 Birken-Knüppel, 5 Aspen-

2650 WellenHeinbuchen-Reisig, Durchforstung und Vor­wuchs,

1780 Wellen Eichen-Reisig, 3820 Nadel-

32 rm Eichcn-Stockholz,

79 Nadel-

Die Zusammenkunft ist auf der Hauptschneise am Oppen röder Weg in der Abteilung Dachsbau.

Gießen, 12. März 1901. Großh. Bürgermeisterei Güßen.

Mecum. 19*5

Hohversteigerung

Freitag den 15. d. M., vormittags 97, Uhr an- fangend, kommen in den Wald­ungen der Gemeinde Albach im Distrikt Dachsberg nachstehende HolzsorlimcntezurVecsteigerung: 168 Nadel-Derb- und Reisig­stangen von 7 bis 10 cm Durchm'ffer und 6 bis 12 m Länge,

160 rm Buchen-Knüppelholz, 4 Eichen-

12 Nadel-

6000 Wellen Buchen - Reisig Durchforstung,

500 Wellen Nadel-Reistg,

10 rm Nadel-Stockholz.

Die Zusammenkunft ist aus der Kreisstraße Albach-Oppenrod am Eingang des Waldes.

Albach, 11. März 1901. Großh. Bürgermeisterei Albach.

Balser. 198<-

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Für die unS anläßlich unserer silbernen Hochzeit erwiesene Auf. merksamkeit sagen wir herzlichen Dank. C899

Tack Klemmalhu. Frau.

Gießen, den 12, März 1901.

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Giehener

^pta-ttheatev.

Mittwoch den 13. März:

12. Volkstümliche Vorstellung zu kleinen Preisen.

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Große Operettenpoffe in 4 Akien von Treptow., Musik von Fr. Roth. Emtrittsprerse: Loge 1.20 Mk

Saal ßO Pfg., Gallene 80 Pfg.