Ausgabe 
13.2.1901 Zweites Blatt
 
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Thore geschlossen waren, erschien heute eine Anzahl Stu­denten und erhob Widerspruch dagegen, daß man aus Anlaßber Hochzeit der PrinzessinvonA st urien die Vorlesungen ausfallen lasse. Von der Uni­versität zogen die Studenten unter dem RuseNieder mit den Jesuiten" zum Prado. An der Puerto del Sol sammelte sich heute ein Volkshaufe zu einer Kundgebung gegen d ie Redaktion desPais". Stadtsoldaten versperrten demselben jedoch den Durchzug. Auf die Polizeibe­amten wurde sodann mit Steinen geworfen und einer derselben verwundet. Einige Studenten wurden verhaftet.

Granada, 11. Febr. Tie Ruhestörungen haben sich im Lause des Tages wiederholt. Manifestanten durchzogen unter den Rufen:Es lebe die Freiheit!" undNieder mit den Jesuiten!" die Straßen und bewarfen ein Jesuiten­kloster mit Steinen. Als darauf aus demJnnerndes Klosters einige Flintenschüsse abgegeben wurden, stieg die Erregung der Menge aufs höchste. Ter Präfekt drang in das Kloster ein und stellte fest, daß die Schüsse von zwei Gendarmen, die sich im Kloster befanden, abgegeben worden waren. Tie Menge versuchte nun gegen das Kloster vorzudringen, wurde aber von der Gendarmerie auseinander­getrieben.

Valencia, 11. Febr. Heute fanden hier in den Straßen neue Kundgebungen statt, die von dem Deputierten Hanez geleitet wurden. Tie Manifestanten versuchten, ein Klo st er mit Petr oleum in Brandzu st ecken, doch gelang es t>er Gendarmerie, dies zu verhindern. Einige ändere Klöster wurden mit Steinen beworfen.

Wien, 11. Febr. DerPolitischen Korrespondenz" wird aus Petersburg gemeldet: Der Generalgouverneur von Kiew, General Dragomirow, hat über Kiew (wahrscheinlich wegen der Studentenunruhen D. R.) den kleinen Be­lagerungszustand verhängt und die Behörden an­wiesen, im Falle von Widerstand seitens der Demonstranten Militär herbeizurufen und erforderlichenfalls von der Waffe Gebrauch zu machen.

Budapest, 11. Febr. Abgeordnetenhaus. Bei der Verhandlung über das Ackerbau-Budget sagte der Mi­nister für Ackerbau, Daranyi, es würde gewagt sein, die Zollgemeinschaft mit Oe st erreich anzutasten. Was die Richtung der Regierung betreffe, die sie bei dem neuen autonomen Zolltarif einnehmen werde, könne das Haus versichert sein, daß die Gesamtheit der wirtschaftlichen In­teressen berücksichtigt werde. In dem neuen Zolltarif wür­den Landwirtschaft und Industrie gleichen Schutz erhalten. Mehr zu sagen, wäre weder richtig noch opportun. Die Re­gierung verfolge nicht ephemere Erfolge, sondern arbeite an der Festigung der Grundlagen für das wirtschaftliche Gedeihen des Landes. (Allgemeiner Beifall.)

Sofia, 11. Febr. Die Wahlen zur Skupschtina sind rphig verlaufen. Nur in Philippopel fand eine Rauferei außerhalb des Wahllokales statt, bei der zwei Personen getötet und mehrere verwundet wurden.

Petersburg, 11. Febr. Einer Mitteilung des Mi­nisteriums des Innern zufolge sind die Gouvernements Chersson, Tomsk, sowie "das Gebiet von Akmolinsk von vollständiger Mißernte heimgesucht. In den Gouverne­ments Daurien, Bessarabien, Podolien, Kiew, Tobolsk und in den Gebieten von Ssemipalatinsk und Transbaikalien sind mehrere Kreise von der Mißernte betroffen. Nach Ein­gang der vorläufigen Angaben über den Notstand wies die Regierung anderthalb Millionen Rubel an. Nach den später eingegangenen genaueren Angaben beläuft sich der Gesamt­bedarf auf 5 529519 Rubel, wovon 5 014 519 Rubel bereits ausgeworfen sind. Tie Mitteilung enthält ferner Angaben über die Organisation der Hilfeleistung. Zum Schluß wird betont, daß auch die Hilfe der privaten Wohlthätigkeit in Ansprw'ch, genommen werden müsse.

New-York, 11. Febr. Das Gesetz über die Ver­mehrung der Marine wurde angenommen.

Politische Tagesschau.

Das Hauptblatt des Centrums, dieKöln. Volksztg.", urteilt über die im preußischen Abgeordnetenhause behandelte Frage der Anstellung jüdischer Richter und Notare folgendermaßen:

Bei dem unverhältnismäßigen Andrang der Juden zu den höheren Studien würden wir, wenn alle Juden, welche die Befähigung nachweisen, nun ohne weiteres für alle Staatsämter zugelaffen würden, bald dahin kommen, daß ganze Landesteile ausschließlich von Juden verwaltet würden und von Juden Recht nehmen müßten. Das kann man aber doch vernünftigerweise nicht verlangen. Die freisinnige Bevölkerung selbst würde damit nicht einverstanden sein. Wir erkennen grundsätzlich die volle Gleichberechtigung der Juden an, aber ihre Verwendung im Staatsdienste muß doch einigermaßen dem Verhältnis ihrer Zahl zur Zahl der übrigen Bevölkerung entsprechen. Wenn wir für die Katholiken nicht einmal die Parität fordern, die ihrer Zahl entspricht, so kann man doch nicht wohl erwarten, daß wir für die Juden gar noch eine Bevorzugung verlangen und mit klagen helfen sollen, wenn ihnen diese Bevorzugung nicht in dem Maße zu teil wird, wie sie wünschen."

Der traurige Mörchinger Fall giebt demselben Blatte Veranlassung, aufs neue gegen das Duell in eine scharfe Aktion einzutreten. Dem Kriegsminister v. Goßler wird ziemlich deutlich zu verstehen gegeben, daß er noch Ge legenheit bekommen wird, sich über den Mörchinger Vorfall und alles, was damit noch zusammenhängt, auszuspcechen. Das Blatt schreibt:

Der Kölner Fall ist selbstverständlich mit den matten Erklärungen und Zusagen des Ministers vom 15. Januar nicht erledigt. Daß die Centrumsfraktion dem Kriegsminister noch einige Zeit läßt, um die nötigen Ermittelungen zu machen und dann entsprechende Verfügungen zu treffen, ist in der Ordnung, und es ist nicht ausgeschlossen, daß der Aufenthalt des Kaisers in England eine Verzögerung herbeigesührt hat. Aber auf­geschoben ist nicht aufgehoben, und je nach Umständen muß und wird bei der zweiten Beratung des Militäretats ein sehr deutliches Wort gesprochen werden die Stimmung in den Wählerkreisen über die neuesten Aus- fchreitungen des Militarismus ist derartig, daß man sagen kann: je deut kicher, desto bester.

Der serbische Ex-König Milan ist am Mon­tag in Wien gestorben. Schon am Sonntag soll er seinem Arzt, Hofrat Neußer, geklagt liaben, daß er mit 47 Jahren sterben müsse. Einen Abschiedsbrief diktierte er an König Alexander und an die Königin Natalie, die sich kurz vor dem Tode Milans erkundigte, ob sic vielleicht be­nötigt werde. Man telegraphierte ihr: Ter König ist mit einem Gebet für seinen Sohn Alexander verschieden. Milan hinterließ schriftliche Wünsche, daß er a u f öfter r e i ch i s ch e m Boden begraben sein wolle und zwar in der Kirchengruft im Kloster Kraschedol bei Peterwardein. Dorthin wird die Leiche am Freitag nachmittag übergeführt

werden. Kaiser Franz Josef ordnete an, daß die Kosten des Leichenbegängnisses, das mit dem beim kaiserlichen Hofe üblichen Zeremoniell stattfinden soll, von der Wiener Hofhaltung bestritten werden.

Tas Ableben König Milans hat in Budapest, besonders in aristokratischen Kreisen, tiefe Teilnahme hervorgerufen, da der Verstorbene Mitglied des- dortigen Nationalkasinos und mit zahlreichen aristokratischen Familien gut befreundet war, und als Ungarfreund galt. Sonst werden dem Ver­storbenen Thränen kaum nachfließen werden. Weder als Mensch noch als König hat er Anspruch darauf erheben können, daß sein Lebensweg mit Teilnahme verfolgt wurde. Sowohl an edlen Zielen wie an Mitteln hat es ihm ge­mangelt, obgleich die Natur ihn mit nicht gewöhnlichen Geistesgaben ausgezeichnet hatte. Und wenn sein Name mehr in der Leute Mund kam, als sein Leben es verdient hatte, so war es, weil viele mit Neugier die Entwickelung des,Schicksals eines Mannes abwarteten, der für die theater- hafte Unterhaltung der Welt soviel Stoff zu liefern pflegte. Und alles aus seinem eigenen Leben. Vergeblich sucht in diesem bewegten Leben man menschlich große Stürme, die selbst wenn sie Irrtümer sind, nicht ohne reinigenden Ein­fluß bleiben, die Aufmerksamkeit zu Ehrfurcht erregen und in die harte Schrift der Geschichte hier und dort eine Blume streuen. Es war ein schlechter Scherz des Geschicks, ihn durch einen Zufall auf den Thron zu heben. Am 22. August 1872 übernahm er, mit 18 Jahren für volljährig erklärt, die Regierung. In den Kriegen gegen die Türkei 1876/77 und 1877/78 spielte das serbische Heex eine ziemlich klägliche Rolle. Nur dem Eingreifen Rußlands ist der erlangte Gebiets­zuwachs zu Hanken, wie auch die Anerkennung der Un­abhängigkeit. Es folgten die wildesten Parteikämpfe, in denen alle schlechten Leidenschaften Feste feierten; schließlich der thöricht begonnene und schlecht geführte unglückliche Krieg gegen Bulgarien, alsdann der öffentliche Skandal mit der Königin Natalie, der endlich zur Scheidung führte. Später wurde die Scheidung wieder für ungUtig erklärt. 1892 entsagte Milan der Krone, nicht ohne seitdem sich in ver­hängnisvoller Weise in die inneren Angelegenheiten Ser­biens einzudrängen. Erst kürzlich noch raffte man sich in Serbien zu dem Entschlüsse auf, den früheren König für immer aus Serbien zu verbannen. In politischer Beziehung ist der verschlagene Mann häufig bei seinen österreichischen Nachbarn überschätzt worden. In Wirklichkeit war er auch bei seinen sonst nicht schwierigen Landsleuten unmöglich geworden, und Pläne, die mit Milan rechneten, waren stets auf Sand gebaut.

König Alexanderhat die Reise nach Wien zur Toten­bahre seines Vaters Milan aufgegeben.

Die Nachricht von dem Tode Milans ward der S k u p s ch- t i n a durch den Ministerpräses Jovanovitsch überbracht, der dem Verblichenen einen warmen Nachruf hielt, worin er die Verdienste Milans hervorhob. Die Versammlung stimmte in den RufFriede seiner Asche" ein und be­schloß, daß die Leiche nach Belgrad überführt werde. Gleichzeitig wurde die Tagung der Skupschtina durch einen Ukas des Königs geschlossen.

Bund der Landwirte.

Aus Berlin, 11. Februar, wird uns geschrieben:

DerBund der Landwirte" hat heute seine General­versammlung, die alljährlich imZirkus Busch" stattfin­dendeHeerschau", abgehalten. Aus dem vom Bundes- lirektor, demAgrarier ohne Ar und Halm" Abg. Tr. Diederich Hahn erstatteten Geschäftsbericht für 1900 ist die interessante Thatsache zu entnehmen, daß mehr als die Hälfte der organisierten 232 000 Bündler westlichder Elbe ihren Wohnsitz hat. Mit dem SammelnamenOst­elbier" wird man also die Agrarier fernerhin zutreffend nicht bezeichnen dürfen. DerAccent" des Tages lag natur­gemäß auf dem die Stellung der Versammlung zum neuen Zolltarif behandelnden Antrag v, Olden- bnrg-Lucke. Dieser fordert gleichmäßigen Schutz allerland wirtschaftlichenProdukte und wünscht den Mindestsatz des Tarifes so bemessen, daß die Erhaltung auskömmlicher Durchschnittspreise, wie sie die Jahrzehnte 18701890 aufroiefen, garantiert ist. Ausdrücklich wird in dem mit stürmischer Zustimmung begrüßten Antrag kon- latiert, daß derBund der Landwirte" ein politischer Machtfaktor geworden sei, der sich zum wirtschaftlichen auswaschen müsse. Und Direktor Frhr. v. W a n g e n h e im wies triumphierend darauf hin, daß selbst eine starke Mino­rität des deutschen Handelstages sich für höhere Getreide­zölle erklärt habe.Die Entscheidung", so meinte Herr v. Wangenheim,steht nicht beim Reichskanzler ober den Ministern, sondern beim Kai sie r!" Und mit lebhaftem Beifallunterstrich" die sehr zuversichtlich gestimmte Ber- 'ammlung diesen Appell an den Träger der Krone. Eine Anzahl Parlamentarier wohnten der Versammlung bei. Es wurde ein Antrag einstimmig angenommen, in dem es heißt:

Die Mindestsätze des neuen Zolltarifs sind so zu be­messen, daß sie die Erzielung auskömmlicher Turch- schnittspreise landwirtschaftlicher Produkte, wie sie die beiden Jahrzehnte von 18701890 aufweisen, ermöglichen. Dieselben dürfen nicht überschritten werden und sind nur denjenigen Ländern zu gewähren, welche ihrerseits Deutschland ein gleiches Entgegenkommen zeigen. Für diejenigen Länder, welche Teutschland zollpolitisch un­günstig behandeln, sind die Sätze eines ausreichend hoch bemessenen Generaltarifs in Anwendung zu bringen. Be­vorzugungen des Handels mit ausländischen Erzeugnissen durch Zollkredite ober Tarifermäßigungen, welche bie Wirkung ber Zölle beeinträchtigen, sind zu beseitigen.

Tie Versammlung würbe alsbann mit einem Hoch auf bas beutsche Vaterland geschlossen.

ßtntralDtrfflinmlnng der Gruoffenschaft für Pirhoeiwnllmg in Deutschland.

Tie Genossenschaft für Viehverwertung in Deutschland trat am Sonntag in Berlin zu ihrer ordentlichen General­versammlung zusammen. Ter Vorsitzende des Vorstandes, Oekonomicrat Ring-Düppel erstattete den Geschäftsbericht. Die Mitgliederzahl beträgt z. Z. rund 1200, die sich auf 82 Genossenschaften verteilen. Ter Redner bemerkte, es müsse in landwirtschaftlichen Kreisen bie Ueberzeugung Platz greifen, daß sie allein burch bie Genossenschaft höchste Preise erzielen könnten. Major v. Schütz teilte mit, baß man bas erste Jahr ohne Unterbilanz abschließen könne. Das halte er für einen großen Erfolg. Ter bilanzmäßige

Umsatz betrug fast 19 Millionen Mark. 85 Prozent bes gesamten Viehs sei in ben Händen ber kleinen Besitzer. Diese müsse man also unbebingt an bie Genossenschaft heranziehen; um bies Ziel zu erreichen, bebürfe man aber unbedingt ber bestehenben lanbwirtschaftlichen Verbänbe. Ein sehr wichtiger Punkt sei bie beabsichtigte Aufhebung der Depots ur Magervieh. Der Aufsichtsrat hat sich nur schwer zu einer solchen Maßregel entschließen können, da gerabe der Handel mit Magervieh von so außerordentlicher Bedeutung ei. Die Sache würde deshalb auch weiter verfolgt werden, aber im Augenblick stehe die Angelegenheit doch so, daß man sagen müßte, es könnten bei Weiterführung zu schwere Verluste eintreten. Im übrigen habe es sich bei ben Depots zunächst auch nur um einen Versuch gehanbelt, unb man werbe jebenfalls bie Depots so lange halten, als es irgend geht. Ter Redner empfahl weiter möglichst reiche Beschickung der Ausstellung in Rußland seitens der Züchter, für die die Genossenschaft alle Kosten trage.

Dem Anschluß des Verbandes ländlicher Ge­nossenschaften Raiffeisen scher Organisation, sowie des Allgemeinen Verbandes der landwirtschaft­lichen Genossenschaften (Offenbach) stimmte die Generalversammlung zu. Die Versammlung erteilte ihre Zustimmung zu der Vermehrung des Aufsichtsrats durch ünf neue Mitglieder, die Herren: Stephan für Schlesien, Neutzc für Hessen, Pauli für die Rheinprovinz und Generaldirektor Heller unb v. Werbeck als Vertreter bes Berbanbes länblicher Genossenschaften Raiffeisenscher Orga­nisation. __________________________________________________

Aus MM und Kund.

Meßen, den 12. Februar 1901.

x Vortrag. Gymnafialdirektor Prof. Dr. Schädel wird in einer Sitzung des Oberhessischen Geschichts­vereins am Donnerstag den 14. ds. (im unteren Saale des Cafö Ebel), abends 8*/, Uhr, einen Vortrag hallen, besten Titel:Aus ber Custodia Philipps des Groß, mütigen" lautet. Wie und ausdrücklich bemerkt wird, sind Nichtmitglieder als Gäste willkommen. Es ist anzunehmen, daß sich zu diesem schon durch seinen Gegenstand anziehenden Bortrage eines hier und draußen beliebten Redners zahl­reiche Zuhörer aus allen Kreisen unserer Stadt einfinden werden.

** Professor Max v. Pettenkofer in München, der Be­gründer der modernen Hygiene, der, wie wir gestern meldeten, n einem Anfall von Schwermut seinem Leben durch Er- chießen ein Ziel setzte, arbeitete Ende der 30er Jahre hier in dem von Liebig geschaffenen ersten Musterlaboratorium auf dem Seltersberg als chemischer Assistent. Hier begann er seine physiologisch chemischen Arbeiten unb legte ben Grund zu seinem umfangreichen Wissen.

** Prüfung für das Baufach. Im amtlichen Teil ver­öffentlicht dieDarmft. Ztg." folgende Bekanntmachung Iber die Gleichstellung unb gegenseitige Anerkennung der Vorprüfung und ersten Hauptprüsung für das Baufach in Hessen und Preußen:

Nachdem die Verordnung vom 26. September v. I., die allgemeinen Staatsprüfungen für das Hochbau-, Ingenieurbau- und Maschinenbaufach betreffend, erlaßen worden ist, die sich im allgemeinen den Vorschriften über die Ausbildung und Prüfung für den Königlich preußischen Staats­dienst im Baufache vom 1. Juli 1900 anschließt, wird hierdurch zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß an der mit der König!, preußischen Regierung getroffenen, durch die Bekanntmachung vom 2. November 1898 Reg.-Blatt Nr. 49) veröffentlichten Vereinbarung wegen gegenseitiger taatlicher Gleichstellung und Anerkennung der vor einem der beiderseitigen Prüfungsämter bestandenen Vorprüfung und ersten Hauptprüfung im gr­ämten Baufache nichts geändert ist. Nach bestandener erster Hauptprüfung haben sich diejenigen Baubefliffenen, welche in Heffen zum Regierungs­bauführer ernannt zu werden wünschen, an das Großherzogliche Ministerium der Finanzen und diejenigen, welche in Preußen zum Regterungsbauführer ernannt zu werden wünschen, an die in S 26 der preußischen Prüsungs- Vorschriften vom 1. Juli 1900 bezeichneten Behörden zu wenden. In beiden Fällen find dem Gesuche beizufügen: 1) der Lebenslauf, in dem auch über die Militärverhältniffe Auskunft zu geben ist (Gesuch und Lebenslauf sind in deutscher Sprache abzufaffen und eigenhändig zu chreiben); 2) die Zeugnisse über die praktische Vorbildung (SS 5 und 14 der Verordnung vom 2d. September 1900 und der Vorschriften vom 1. Juli 1900) und die dabei geführten Geschäftsverzeichnisse; 3) die Zeugnisse über die Ablegung der Vorprüfung und der ersten Hauptprüfung.

E. Die Mitglieder des Ortsgewerbevereins Gießen besich. tfgten am Montag Nachmittag die Maschinenfabrik unb Eisengießerei von H eyligenstaedt u. Comp. Daß ein Werk von solcher Ausdehnung, wie sie bie Heyligen- taebl'sche Maschinenfabrik in knapp zwei Jahrzehnten er­fahren, viel beS Interessanten unb Lehrreichen bieten würbe, davon war man allgemein überzeugt, diese Ueberzeugung machte aber im Verlaufe der Besichtigung ber Überraschung Platz. Kommerzienrat Heyligenstaebt hatte bie Führung ber Gäste selbst übernommen, unb so war es diesen vergönnt, den Werdegang der in der Fabrik hergestellten Werkzeug­maschinen vom Rohguß bis zum versandtfertigen Fabrikat zu beobachten und die einschlägigen Erklärungen zu erhalten. Wenn wir mitteilen, daß die Fabrik zurzeit zirka 560 Per- sonen (Beamte, Techniker unb Arbeiter) beschäftigt, alljähr­lich Tausende von Maschinen, darunter Kolosse von über 200 Zentner Schwere, nach allen Weltgegenden versendet, so können wir wohl annehmen, daß die Stabt Gießen stolz darauf ist, ein solches Etabllffement innerhalb ihres Gemewbe- wesens zu haben. Stadtverordneter Petri und Schuhmacher­meister Berg gaben nach Beendigung des Rundganges namens ner Teilnehmer dem Danke derselben für das Gesehene Aus­druck, Kommerzienrat Heyligenstaebt weihte ein GlaS dem Blühen unb Gedeihen des Gewerbes.

8g. Der Gabelsberger Stenographen Verein veranstaltete als Nachfeier des am Donnerstag begangenen GeburtstagS- feftes des Altmeisters Gabelsberger am Sonntag einen recht zahlreich besuchten Ausflug nach demJagdschlößchen Duten-> yofen". Der noch von dem Feste des Vogesenklubs in lieb­lichstem Tannengrün und im Herbstgewande unserer Laub­wälder prangende große Saal versammelte auch Jüngerinnen und Jünger Gabelsbergers sowie zahlreiche Gäste zu fröh­lichem Treiben und Thnn zu flottem Tanze. Begeistert würbe von Allen die Gabelsberger-Hymne gesungen, und ebenso ein zweites Lied des Schnellschreibkunst mit Freuden angestimmt. Die wohl auch von andern abends unangenehm empfundene sehr schlechte Rückfahrgelegenheit nach Gießen machte zum allseitigen Bedauern dem herrlichen Vergnügen