Ausgabe 
12.7.1901 Erstes Blatt
 
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Kitteratur, Wissenschaft und Kunst.

der

einen Schwindel $u handeln."

Mainz, 10. Juli. Ein gefährlicher Unfug hat sich, demMainz. Journ." zufolge, zum Schrecken aller Lehrer feit einiger Zeit in den Volksschulen bemerkbar ge- macht. Es istj einigen Lehrern sowohl in den Knaben-als Mädchenklassen aufgefallen, daß verschiedene Kinder Wun­den an den Händen hatten. Tie Kinder überredeten einander, sich einenTotenkopf" auf die Hand machen zu lassen. Zu diesem Zwecke befeuchten sic die Hände, tauchen diese dann in Sand und reiben alsdann die Finger so lange au- dem Rücken der Hände und zwar zwischen den Knöcheln hin und her, bis allmählich eine Wunde Entsteht, die Haut von der Hand vollständig abgerieben wird und das Fleisch zu Tage tritt. Einige der Kinder sind infolge der be- schmutzten Wunden erkrankt, die Arme sind bis in die Achselhöhlen angeschwollen, eine Anzahl Kinder liegt im Hospital und an einem Kinde mußte sogar eine Resektion vorgenommen werden, um dem Knochenfraß Einhalt zu thun. Es ist nur zu verwundern, daß die Eltern dieser: Kinder, die eine solche Verletzung doch zuerst wahrnehmen mußten, nicht sofort an maßgebender Stelle Anzeige ge­macht haben.

** Kleine Mitteilungen oul Hessen und den Nachbarstaaten. In Rieder-Saulheim wurden drei Leute in einer Kiesgrube verschüttet. Einer davon blieb tot. Tie Volks­zahl für den Stadtkreis Fran kfürt a. M. ist unter Be­rücksichtigung der seit der letzten Volkszählung polizeilich! gemeldeten Zu- und Abwanderungen, sowie des ent­sprechenden Ueberschusses der Geburten über die Sterbefälle am 1. Juli 1901 mit rund 294 000 anzunehmen. Vom Festkomitee des Provinzialfeuerwehrtages in Oppen­heim wurde ein Exemplar der erschienenen Festschrift an den Großherzog übersandt. Tas Hofmarschjallamt teilt jetzt mit, daß der Großherzog von dem Inhalt,des Buches mit Interesse Kenntnis genommen habe und für die erwiesene Aufmerksamkeit danken lasse. In O p p e n h e i m erhängte sich! in seiner Wohnung der 53 jährige Privatmann Andreas Ott. Bei Nierstein wurde im Rhein die Leiche eines etwa 30 Jahre alten Mannes geländet. Tie Staats­anwaltschaft von Mainz hat hinter dem flüchtigen Land- wirt Heinrich Secker wegen Lustmordversuchs einen Steck­brief erlassen. Die Gräfin zu Erbach-Fürstenau ist am 10. Juli im Schlosse zu Fürstenau von einer gesunden Tochter glücklich entbunden worden.

* Marseille, 10. Juli. Unter den arabischen Heizern des DampfersLaos" ist ein n eu e r Pe st s a l l vorgekom­men. Einer von den Kranken, welcher aus der Ueberfahrt an der Pest erkrankte, ist heute früh gestorben. Tret , andere befinden sich in bedenklichem Zustande, die übrigen auf dem Wege der Besserung. Ter Gesundheitszustand der Passagiere und der Mannschaft ist nach wie vor aus­gezeichnet.

"Tycho Brahes Nase. Woraus hat sich Tycho Brahe die Nase geformt, nachdem ihm im Duell der ihm von der Natur verliehene Gesichtsvorsprung abgeschnitten worden war? Vor 300 Jahren gab es darüber in der ge­lehrten Welt einen lebhaften Disput, und man sprach über BraheS falsche Nase nicht viel weniger, als über seine Forsch­ungen auf dem Gebiete der Astronomie. Die Einen meinten, die Nase sei aus Gold oder Silber, Andere waren der An­sicht, Tycho Brahe habe nur Kupfer und eine Art Kitt ver­wendet. Nun schien es, als sollte diese Nasenfrage nach 300 Jahren gelöst werden, denn bei der Untersuchung von Brahes Grab in der Prager Teinkirche wurde sein Sarg geöffnet. Die Aerzte konnten aber nur eine Verletzung am krasenbein feststellen, und so bringt auch das 20. Jahrhundert eine Lösung dieser F^age.

* Innsbruck, 10. Juli. Beim Abstieg vom Sulzflith durch den. sogenanntenfachen" zur Lindauerhütte ver­unglückten vorgestern Dr. med. Paul Otto Schwarzach aus Dresden und Professor Maier und Frau aus Nordheim. Ter erstere ist tot, letztere verletzt. Alle wurden nach! Schruns (Vorarlberg) gebracht.

* Ein sonderbarer Heiliger. Pfarrer Kanten in Oravicza in Serbien richtete an den Zaren folgende änderbare Depesche:Wenn Majestät sich versichern wollen, daß sie einen Thronerben bekommen, bitten Sie Ihre Majestät die Kaiserin, sie möge das jetzt geborene Kind kurze Zeit nur an der rechten Brust säugen. Wenn Ma­jestät hierüber volle Gewißheit haben wollen, bin ich gern bereit, dies in Wort oder Schrift zu liefern." Pater Kanten i't, so versichert das Berliner Sensationsblatt, das diese Ihörichte Nachricht bringt, als ein gelehrter und geach­teter Mann bekannt; seit Jahren befaßt er sich mit ärzt­lichen Studien und beweist seine Theorie mit statistischen Taten.

* Riesenkolonie der Heilsarmee. Nach einer Meldung aus Newyork hat die Heilsarmee kürzlich in Colorado mit Hilfe einer großen Gesellschaft des Westens mehr als eine Million Morgen Land gekauft, wo sie eine Kolonie gründen wird. In der Hauptsache soll auf diesem Areal Zuckerrübenbau betrieben werden. Dieselbe Gesell- chaft loird eine riesige Zuckerfabrik bauen, die den Kolo- ttsten, die Zuckerrüben bauen wollen, dieselben ab kaufen oll und zwar zu Marttpreisen. Tie Kolonisten sollen aber nicht gezwungen werden, gerade Zuckerrüben zu bauen, son­dern das soll vollkommen ihrem freien Willen überlassen werden. Tie meisten der Kolonisten sollen aus den öst­lichen Staaten Amerikas genommen werden. Nur denen, die nachweisen können, daß sie sich nichts zu schulden haben kommen lassen, soll die Erlaubnis gegeben werden, ich dort anzukausen. Außerdem müssen die Betreffenden ruch die notwendigen Mittel haben, um die Arbeit er- olgreich beginnen zu können. Das Land soll in kleine Parzellen eingeteilt werden. 10 Proz. von dem Ankaufs- rreis müssen sofort bezahlt werden und der Rest in acht­jährigen Raten.

Litterarische Neuerscheinungen.

~ ® lh«, Adolf, Humoreske» in Frankfurter Mundart. 3Hefte.

Frankfurt, Heinrich Stoltze. ü Heft 1 Mk.

Industrie-, Gewerbe- und Kunstausstellung Düsseldorf 1908. Der Minister der öffentlichen Arbeiten, von Thielen, besichtigte unter Führung der Herren Geheimrat Lueg, Oberbürgermeister Haumann und Beigeordneter Dr. Wilms das Ausstellungsgelände, die darauf er­richteten und in der Herstellung befindlichen Gebäude, besonders auch die Bahnanlagen, die zur Verbindung zwischen dem Hafen und dem AuS- tellungsterrain, sowie dem Hauptbahnhof und dem nördlichen Ende deS Geländes dienen. Gleich den übrigen Besuchern des Aussttllungsgeländes prach sich auch Herr von Thielen in hohem Grade anerkennend über die Lage, den Stand der Arbeiten u. s. w. aus. Seine Exzellenz der Dompropst von Schleswig, Freiherr von Lilienkron, der Schwiegervater des Finanzministers Fretherrn von Rheinbaben, besichtigte in Gesellschaft des G-h. Justizrat Courth unter Führung des Generalsekretärs der Ans­tellung, von Wildenradt, das Gelände Außer dem Kunstpalast der Maschinenhalle und dem Hauptausstellungsgebäude wurde noch das Pano­rama Wendling und Ungewitter besucht.

sie ihn entkleideten, fanden sie bei ihm außer mehreren Wert­sachen, tote goldene Uhr mit Kette, einen bedeutenden Bar­betrag, den sie im Nachttische verwahrten. Als der Herr Professor am nächsten Morgen aufwachte und sich annetöetc, vermißte er natürlich Geld und Uhr. Dunkel erinnerte er sich, daß er om Abend zuvor in einem Weinrestaurant ge­wesen und beim Nachhausegehen ungeahnte Folgen die Herrschaft über seine Gliedmaßen verloren hatte. Cr mutz dann hingestürzt nud sich beim Fallen die Verletzungen zu gezogen haben. Der Mann glaubte nun, daß cr Leichen fledderern in die Hände gefallen sei, und um so größer war dann seine Freude, als ec wieder in den Besitz seiner Sachen gelangte. So viel steht fest, an seine©tubienrei;eM in Mainz wird cer Herr Professor sich noch lange erinnern UN dabei oer bttden wackeren Schutzmänner gedenken, die ihn vor großem Schaden bewahrt haben. DasMzr. Tagebl." schreibt:Erstaunte Gesichter machten gestern abend eine Anzahl Damen und Herren, die in die Liedertafel gekommen waren, um einem Konzert deS blinden Organisten und Pianisten A. Etterwendt (?) beizuwohnen, als sie weder einen Konzertgeber zu sehen, noch ein Konzert zu hören bekamen. Zu diesem angeblichen Konzerte hatte ein junges Mädchen schon seit längerer Zeit Storren, das Stück zu 3 Mk., in Famrlien oft in recht zudringlicher Weise angeboten und ver­kauft. Da nichts bekannt gegeben worden ist, ob und auf wann das Konzert verschoben wurde, so scheint es sich hier um

Fräulein Irma Klausner, Tochter des Schriftstellers Max Albert Klausner, und Fräulein Else von der Leyen, Tochter des Wirklichen Geheimen Ober- Regierungsrates im E.senbahn^Ministerium. Die berdttl Damen haben in Berlin das Abiturium gemacht, m Halle das Physikum und jetzt das Staatsexamen bestanden und sind also genau so vorgebrldet, rote thre l',annI^<2)^Oa^onnfirufHon8ingenieur an der Technischen Hochschule zu Berlin, Friedrich Romberg, ist zum etatsmäßrgen Profeffor an dieser Anstalt ernannt worden. , . ...... ___

- Die Gehaltsreform en der Univ erstlät Jena mird die Sümme von etwa 103 000 Mk. erfordern. Davon sollen 40 000' Mk. durch die Aufhebung der Steuerfreiheit der UatveiMislehier gedeckt werden, 36 000 Mk. will die Karl Zeiß Stiftung zur Verfügung stelle« und der Rest wird von Weimar, Gotha, Meiningen und Altenburg aufaebracht werden.

- Studentisches Arbeitsamt. Eine im akademischen Leben ganz neue Einrichtung ist vom Präsidium der W'ldenschast der Technischen Hochschule in Chattottendurg mit Gmehmtgung des Rektors getroffen worden. Es ist bekannt, wie viel Studierende während d«S Studiums gezwungen sind, sich einen Nebenerwerb zu verschaffen, sei es nun durch Uebernahme von technischen, litterari- scheu oder stenographischen Arbeiten, sei eS durch Annahme von Prioat- oder Hauslebrerstllm. Das ^studentische Arbeitsamt" will ihnen die Gelegenheit dazu vermitteln. Da studentische Arbeitskräfte auch viel­fach verlangt werden, ohn; daß die geeignete Persönlichkeit gleich zu staden wäre, so kommt daS Arbeitsamt gleichzeitig einem Bedürfnisse des Publikums entgegen. Die Vermittelung wird unentgeltlich erteilt.

Aus Würzburg, 9. Juli, schreibt man: Der N-stor der kiesigen Universität, Geh. Rath Albert o. Kölltker, der berühmte Anatom, trat am 6 dS. in fein 85. Lebensjahr. Der Tag wurde in aller Sülle begangen, da die Gattin d:S Gelehrten fckw:r leidend war; beute nacht ist Frau v. Kölltker gestorben. Man berichtet aus Heidelberg: Nach mehrjähriger Unterbrechung wird K^no Fischer im kommenden Wtntersimester wiederum seine zweistündige Vorlesung Uebrr Arthur SchoprnbauerS Leben und Lehre" haltcn. Daneben hat FächerChristliche Philosophie" in vier Wochenstunden angemeldet. Geh. Host al Henry Thobe bat ein Publikum über Richard WagnerS Leben und Werke angekündigt. Mau schreibt aus Leipzig: Geh. Rat Prof. Dr. med. et phil. Wilhelm Hie, Direktor des «natomifchen Instituts und Ordinarius Btt Anatomie, beging am 9. d. M. seine» 7U. Geburtstag. Reiche Ehrungen wurden dem Gelehrtm von allen weiten zu Teil, insbesondere ließ es sich die Studentenschaft der medi­zinischen Fakultät nicht nehmen, dem hochgeschätzten Dozmtm eine» solennen Fack-lzug zu bringen. Der Archivar am Germanischen Museum in Nürnberg, Dr. Rudolf Schmidt, ist krankheitshalber in den Ruhestand getreten. Der Prioatdozent Dr. Joseph Ritter Geitler v. Armingen wurde zum autzerordenllichen Profeffor der Physik an der deutschen Universität Prag ernannt. Dr. Wilhelm Knopflmacher in Wien, bisher Assistent am CaroUnen-Kivder« spital, wurde zum dirigierenden Primararzt dieser Anstalt ernannt. Der bisherige Direktor dieser Anstalt, Dozent Dr. Ritter v. Hütten- brcner, ist nach 22jährigrr Thätigkeit von dieser Stelle zmückgetteten. Professor Wilhelm v. Zeh end er in München hat seine bedeu­tende ophthalmologische Bibliothek, die er während seiner Dozenten- Laufbahn gesammelt hat, der Augenklinik der Urrioersilät Bern zum Geschenk gemacht. Die Ausfichtskornmisfion deS Technikums in Winterthur hat sechs Hörer relegiert, die in der Nacht vom 20. auf 21. Juni dem Direktor Müller eine Katzenmusik gebracht Hattw.

Frequenz der studierenden Frauen an den deutschen Universitäten imSommer^Semester 1901. An der Universität München find im ganzen 26 Hörerinnen zvgelassw, in Würzburg sogar 28, in Erlangen 4. Von dm badischen Uni­versitäten, dte bekanntlich allein Frauen zur Immatrikulation zulassen, ind in Freiburg 12 Damm immatrikuliert, von denen 10 Medizin tudieren, in Heidelberg 9, von dmw je 4 Medizin und Philologie und eine Zahnhetlkunde studieren, während noch 40 Damen Vor­lesungen hören. In Straßburg hospitieren 20 Frauen, 18 in der philosophischen und 2 in der medtzinischm Fakultät. Tübingen zählt 4 Frauen als Hörerinnen, Gießen 11, Marburg 6, Bonn 78, Göttingen 35, Leiplig 69, Halle 4, Berlin 303, Kitt 9, Breslau 42, Königsberg 21, also im ganzen 726 Frauen. Von den deutschen Universttätw der Schweiz zählt Bern die meisten Frauen, närnl ch 364, darunter 222 Ausländerinnen. In Zürich sind 131 F.aun, in Basel 5 immatrikuliert.

An die deutschen Arauerr ergeht ein Aufruf, zu Gunsten

Schill er sttftung, dte sich um die Fürsorge für invalid gewordene Schriftsteller und Schriftstellerinnen und deren Hinter- >liebene bemüht, sich zu einem großen Verbände zusammenzuschließeo, reffen Einzelglieder OrtSgruppm deS Schiller-Verbandes hüben sollen. Der Schtllerverband deutscher Frauen widmet sich der Aufgabe, bis zum 9. Mai 1905, dem hundertjährigen Todestage unseres großen nationalen Dichters, durch Veranstaltungen, Aufführ­ungen, Sammlungen, Preisausschreiben und freiwillige Gaben der Schillerstistung neue Mittel zuzuführen. Dem Zwtral - Vorstand aehören u. a. an: Frau Reichsgerichts-Präsident Dr. v. Oehlschläaer, Frau Ober-ReichSanwalt Dr. Olshausen, Frau Geh. Rat Prof. Dr. Lotte Windscheid, Fräulein Dr. Käthe Windscheid und Frau Geh. Rat Prof. Dr. W. Wundt. Ferner haben den Aufruf noch u. a. unter­zeichnet: Frau Helene Böhlau-al Raschid-Bey, München, Frau Id« Boy Ed, Lübeck, Frl. Charlotte Boch, Franksurt, Frl. E. Buerste». Kinder-Werner, Meran, Frau M. G. Conrad-Ramlo, München, Fran Geh. Justizrat Prof. Felix Dahn, Breslau, Frl. Luise Dumont, Berlin, Frau Baronin Marte v. Ebner-Eschmbach, Wien, Frau Dr. Ludwig Fulda, Charlottenburg, Frau Prof. Dr. Harnack, Darmstadt, Fran Lina Morgenstern, Berlin, Frau Auguste Prasch.Gcevenberg, Berlin, Frau Alberta v. Puttkammer, Exzellenz, Straßburg, Frau Pastor Else Rahlwes, Braunschweig, Frau Dr. Julius Rodwberg, Berlin, Fan Johanna Sievers, Offenbach.

Universitäts Nachrichten.

Halle, 10. Juli. Ein Allgemeiner Akademiker tag, der sich mit der Finkenschaftsbewegung beschäftigte, fand unter Vorsitz des Dr- Harms, des Vorkämpfers dieser Bewegung in derLoge zu den fünf Türmen" statt. In der sehr zahlreich besuchten Versammlung waren die Korporationöstudenten den Nichtinkorporierten gegenüber bedeutend in der Majorität. Die Meinungen platzten oft recht leidenschaftlich aufeinander und den Korporationsstudenten gelang es, eine Resolution durchzudrücken, die das von der Fmkenscbast verfochtene Vertreterprinzip als unhaltbar bezeichnet. Von den übrigen Resolutionen, die zur Annahme gelangten, eien zwei erwähnt, von denen die erste erklärt, die Versammlung halte eine eigene Vertretung ihrer studentischen Jntereffen entsprechend ihrer Zahl für nötig, während die zweite die Hoffnung auf eine baldige Neu­organisation der Halleschen Finkenschaft ausspricht und die in der letzten Generalversammlung eingesetzte Kommission mit den einleitenden Schritten dazu Beauftragt. Von den Universitätsbehörden war der Einladung zu dem Akademikertage niemand gefolgt, dagegen hatten Rektor und Nni- versitätsrichter gestern am schwarzen Brett eine Bekanntmachung anae- schlagen, in der sie ihren Standpuntt verteidigen und erklären ihrer Forderung, dem 8 2 der Statuten der Finkenschast die Fassung lu'aeben- "Finke ist jeder Student, der auf keiner deutschen Universität inner Kor­poration angehört, insoweit er seine Zugehörigkeit zur Finkenschaft erklärt hat , fet nicht erfolgt, um die akademische Freiheit zu beeirsträchttgen °°°" * dn«

s- t T S. promovierten nach bestandener Doktorprüfung,

d,e beiden ersten m Deutschland regulär vorgebildeten Medizinerinnen'

lich ein Handicap, bei dem die Affen, das Stachelschwein und der Fasan starteten. Es war ein äußerst komischer Anblick, als der Affe der Gräfin Ganay die Neigung zeigte, dem Schweine nachzulaufen. Tas Rennen bauerte nur kurze Zeit, und das Affenweibchen der Madame Aturbe siegte.

* 2 ie Höschen Apollos. Tem Senat der Pariser Kunstschule lag in diesen Tagen der Antrag var, die niännlich-en Attmodelle für die Tamenklafsen der Malerei und Bildhauerei mit Höschen zu bekleiden, indessen erhoben die Tomen durch ihre Stabträgerin dagegen Protest und erklärten- Wir wollen mit demselben Vertrauen in dem Ernst unseres Studiums behandelt sein, wie die Studen-^ tinnen an der medizinischen Fakultät, denen die Patienten und die Leichen am Anatomietische auch ohue Hovchen gezeigt werden müssen." Tieses Argument wirkte, und die Modelle für Apollo, Antonius rc. werden nach wie vor ohne Höschen Akt stehen. . m . ,

* ,Cr ist z u schön!" In einem kleinen Varietee von Paris 'treten feit einiger Zeit zwei Sängerinnen, (Sonnen bWierte^ und Ida Tanbray auf, welche eng befreundet waren Ta wurde ein Excentric-Tänzer, Adrien Colm, enga- aiert, ein bildhübscher, junger Mensch, der bald der Lieb­ling aller Besucherinnen des Varietees wurde. Am glühendsteu aber hatten sich! die beiden Sängerinnen in ihn verliebt, und keine wollte der anderen weichen. Schließe lich erklärte Carmen:So geht es nicht weiter! Wir müssen uns schießen, und eine muß auf dem Platze bleiben!" Ida Toubray war mit dem Vorschläge durchaus zufrieden, und am nächsten Morgenstieg "das Tamen-Duell in einem Wäldchen bei Paris. Zwei Schüsse sielen zu gleicher Zeit, doch keine der Freundinnen hatte eine Verletzung davon­getragen. Durch den Knall der Schüsse wurde ein patrouil­lierender Schutzmann aufmerksam, er kam hinzu und nahm die Tuellanten mit zur nächsten Wache. Als ihnen hier der Polizeilommissar klar zu machen versuchte, welche lächerliche Rolle sie gespielt hatten, antworteten beide Freundinnen wie aus einem Munde:Er ist zu schön! Herr Kommissar!"

Rerse-Litteratur.

Einen praktischen kleinen Führer durch .Bad«»auheim und ^/b^ngen hat W.lhelrn Wagner im Verlage von Albert Gold- Ärnidt in Bttltn al- Band 92 von GriebmS Retsebüchern erscheine« g^t eüie zutreffende und jedem Kurgaste wohl n^ ^^ ^^ ^rung der mannigfachen Einrichtungen d.ü Badttl SWjh Recht nennt er Nauheim einernstes" Bad,

Bad, das in erster Linie für Leidende, nicht für Vergnügung^ !ub tab,IV b-le unzweckmäßige Anlage des viel

uir. rftl1*»! ^bt zu, daß in Bad-Nauheim nochmanche

Ueb lst^ide auS früherer Zeit bestehen und bedauert, daß es dem Al7/ "dewescn an "Männern mit Energie und auSschauendem Blick Kirche zu klein ist und der katholifche apn»°",/tner eigenen Kirche in der ihr von der SR®^«Wwe«fe überlaffenenReinhardtskirche abgehalt« ebenso wenig wie d,S Fehlen von höheren Schul- annellen. Dte Angaben über die Kurtaxe, die Kurzeit rc., die Mtt- tetlung der amtlichen Miitordnunq und der Badeordnung. deS Droschken- und Dienstmännertarifs haben besonderen Wert.

Vermischtes.

* Brünninghausen, 8. Juli. Eine blutige Fa­milien tragödie spielte sich im benackcharten Brune- beck ab. Ter Bergarbeiter und Eigentümer Heinrich Reckert war mit seiner Frau, wie das häufig geschah, in Meinungsverschiedenheiten geraten. Reckert ergriff alsbald einen geladenen Karabiner und schoß seine Fran nieder; diese gab sogleich ihren Geist auf. Als der Unmensch sah, ivas er angerichtet, nahm er seine Frau auf die Knie und versuchte, sie durch Zärtlichkeiten ins Leben zurück­zurufen, aber vergebens. Inzwischen waren die Hausbe­wohner herbeigeeilt und nahmen den Gattenmörder fest. Durch die ruchlose That haben zwei kleine Kinder ihre Mutter verloren.

* Regensburg, 10. Juli. Mittags brach in einer Muhle in Pleystein (Oberpfalz) Feuer aus, das sich rasch weiter verbreitete und in kurzer Zeit drei Viertel d e s g a n z.e n O r t e s e i n ä s ch e r t e. Tie Kreuzbergkirche, die Stadtpsarrkirche, der Pfarrhof und das Nonnenkloster brannten ab. Ein Mann wurde von einem herabstürzen­den Balken erschlagen. Tie Bevölkerung flüchtete mit ihrer beweglichen Habe auf die Felder. Es ist fraglich ob die vereinten Anstrengungen der Feuerwehren aus den benachbarten bayerischen und böhmischen Gemeinden noch den übrigen Teil des Ortes werden retten können.

* Das alpine Notsignal. Der HSR. Zür. Ztg." Zufolge ist als alpines Notsignal bei Unglücksfällen in den Bergen international vereinbart worden: sechs hörbare oder fichtbrre Zeichen in ungefähr einer Minute wiedelholt, r B Rufen, Jauchzen, Pfeifen, Schüsse, Schwenken mit einem Tuch oder Kleidungsstück, bei Nacht Schwenken mit einer Laterne ober sonst mit Licht ober Feuer. Das wesentliche Erkennungsmerkmal ist die sechsmalige Wiederholung. Jeder- Zei^n sieht ober hört, ist verpflichtet, un- verzügllch Hfffe zu leisten; wenn das nicht möglich ist, Hilfe Ar wenigstens sofort gehörigen Orrs Anzeige zu machen. Die Antwort auf das alpine Notsignal, zum Zeichen, daß es gesehen ober wenigstens gehört worden sei, und daß Hilfe komme, find drei Zeichen in einer Minute, mit Unter ^echung von einer Minute ungefähr. Das alpine Notsignal M°L in9 ®w X ÄS ®rn!tb bX°t"

Tier mußte von seiner Herrin gelenkt werden Die Lesmaisons hatte ein Schwein, Madame de Vire cto (5toM sch.wem, Gräfin Ganay ein Affenmännchen, Baronin Bärck- heim eine Schildkröte, Madame Yturbe ein Affenweibck^n und Herzog von Noailles einen Goldfasan Cs war na Mr