Ausgabe 
12.7.1901 Erstes Blatt
 
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Nr. 161

Erstes Blatt.

151. Jahrgang.

Freitag 12 Juli ISO 1

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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

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. . .Und füllet die Erde".

Mit Stolz weisen unsere deutschen Statistiker darauf hin, mit welchem Erfolge das deutsche Bosk diese alte biblische Weisheit beherzigt. Alle fünf Jahre findet bei uns eine allgemeine Volkszählung jfrrtt. Jedesmal prangten wir mit einer Bevölkerungs-Zu­nahme bis um 4 bis 5 Millionen Menschen. Ganz anders bei unseren Nachbarn, den Franzosen. Dort erbrachten die Volkszählungen Zunahmen von höchstens eindrittel Million Menschen. Ta davon der größte Teil auf die Zuwanderung der Fremden kommt, darf man behaupten, daß die französische Bevölkerung der Menge nach zum Stillstände gekommen ist. Heute zählt das Deutsche Reich 56 Millionen, Frankreich nur 39 Millionen Menschen. Das ist ein Unterschied von 17 Millionen.

Wie erklärt sich diese Erscheinung? Erstens aus der Zunahme der Geburten, zweitens aus der Verringerung der Sterblichkeit in Deutschland. Der Unterschied in dem deutschen Kinderreichtum und der französischen Kinderarmut springt jedem in die Augen, der die beiden Länder ge­sehen hat. Wer z. B. durch ostpreußische oder posensche Dörfer gewandert ist, wird mit Vergnügen cm jedem Hause die Reihe blauäugiger, flachshaariger, barfüßiger Knaben und Mägdlein erblickt haben. In den vom Ver­kehr mehr abgelegenen Straßen unserer Stadt, B. auf dem Riegelpfad, aber selbst auf dem Neuenweg wird man mehr Kindern begegnen, als in einer zehnmal größeren französischen Stadt. In Frankreich ist es eben fast ein soziales Gesetz, daß die Familie sich mit einem oder zwei Kindern begnügt. Gesell­schaftliche Anschauungen und gesetzliche Einrichtungen stützen diese Entwicklung. Bei uns herrscht in den breiten Bevölkerungskreisen noch der Grundsatz vor, daß viele Kinder ein Segen Gottes find. Man hat sich redlich zu Plagen, um die Kinder durch die Welt zu bekommen, aber vian plagt sich gerne. Mit der Zunahme der Geburten geht bei uns parallel die Abnahme der Sterblichkeit. Großer Wert wird bei uns gelegt auf die sanitären und sozialen Wohlfahrtseinrichtungen. Es giebt in Deutschland wenige Städte von der Größe Gießens, die noch keine Kanalisation haben, und schöne Promenaden wie die unserigen kennt man fast allerorten im Deutschen Reichs. Wie in ^unserer Stadt, so giebt es bei uns überall Ver­eine, die sich armer hilfloser Kinder annehmen. Immer mehr Schulärzte werden angesiellt. Wir haben eine um­fassende Bekämpfung der Lungenschwindsucht eingeleitet. Tie hessischen Schulärzte räumen auf dem Lande mit ver­alteten Vorurteilen auf. Im Volke selbst wachsen die An­sprüche und die gesundheitlichen Einsichten. Alle diese positiven Maßregeln treffen wir in Frankreich in weit ge­ringerem Grade. Die Folge ist' die Differenz in der Größe und in dem Wachstum der Bevölkerung.

Was ist nun besser, das französische oder das deutsche System? In Frankreich empfindet man die dortigen Zu­stande als einen Mangel. Immer lauter und eindringlicher ertönen die Klagen der Volkswirtschaft. Man hat es auch nicht an Bemühungen zur Abhilfe fehlen lassen. Man hat Vereine gegründet, man verteilt Belohnungen und ver­schafft Erleichterungen für kinderreiche Familien. Zola hat in einem Roman die Schrecken der jetzigen Zustände und die Seligkeiten des Kinderreichtums geschildert. Alles dies wird schwerlich viel helfen.

Trotz seiner geringen Volkszunahme ist Frankreich ein reiches Land geblieben. Aber das verdankt Frankreich nur seinen natürlichen Reichtümern und seinem ererbten Wohl­stände. Wegen seiner geringen Volkszahl besitzt das Franzosentum auch nicht die Expansionskraft anderer Völker, besonders des deutschen Volkes. Wir waren bis vor einem Menschenalter ein armes Volk. Aber mit jeder Million Armer, die uns zuwuchs, stieg auch die Produk­tionskraft. Wir schufen uns eine mächtige Industrie und einen großartigen Handel, aber immer neue Millionen Menschen kamen. Diese Fülle Beschäftigung suchender Armen bewirkte eine beispiellose Verschärfung der Kon­kurrenz im Inneren und diese wiederum eine allseitige

Hebung der Leistungen. So treibt ein Keil den anderen, und gut, das es so ist. Die Erde sich unterthan machen, ohne Schwertstreich, durch friedliche Eroberungen: dem Volk, das die Erde füllet, erfüllt sich die Verheißung.

Politische Tagesschau.

In Sachen der berliner Bürgermei st erwähl wird folgendes gemeldet:

Sowohl unter der Aegide des Herrn v. Rheinbaben, wie der des Frhrn. v. Hammerstein (der ja die Akten fast abgeschlossen übernahm) wurde die Bestätigt! n gKauff- manns, gegen dessen Wahl niemand etwas einzuwenden wußte, für so s e l b st v erstän d l ich gehalten, daß man gar nicht daran dachte, dasGesamtministerium" zu einer Beratung der Bürgermeisterwahl zusammen zu trommeln. Um so größer war denn auch die Ueberraschung im Mi­nisterium, als dort die Nachricht von der Nichtbestätigung Kauffmanns eintraf, eine Nachricht, deren Tragweite für weitreichend genug gehalten wurde, um den Oberbürger­meister Kirschner persönlich in das Ministerium kommen zu zu lassen, bevor der ablehnende Bescheid im ordnungs­mäßigen Instanzenwege, d. h. auf dem Umwege über Pots­dam, nach dem Rathause gelangte. Jetzt, nachdem sich die Aufregung einigermaßen gelegt hatte, sogen selbst An­hänger der Kandidatur Kaufsmann, daß ein anderes Re­sultat nicht zu erwarten gewesen wäre, weil den Bürger­meistern von Berlin dem Hofe gegenüber gewisse Reprä­sentation spflichten oblägen, bei welchen einzig und allein die Etikettensrage den Ausschlag gebe: auch der zweite Bürgermeister der Haupt- und Residenz­stadt müsse hoffähig sein, und diese Eigenschaft gehe einem verabschiedeten Offizier ab. Jedenfalls will man, wenn wieder ein ehemaliger Offizier auf den Bürger­meisterposten reflektiert, dessen Militär-Verhältnisse einer genaueren Prüfung unterziehen, die einen Rückschluß auf seine Hosfähigkeit gestattet. Davon ist man auch in städti­schen Kreisen fest überzeugt, daß die Entscheidung des Kaisers in der Bestätigungsftage eine definitive ist; auf eine kommissarische Verwaltung wird man es sicher nicht an komm en lassen.

Während dieser Berichterst.ttcr es für selbstverständ­lich hält, daß Berlin einen hoffähigen zweiten Bürgermeister haben müsse, und darum die Wahl Kauffmanns überhaupt für einen Fehler erklärt, der sich nickst wiederholen würde, behauptet ein Magistratsvffiziöser, daß die Nichtbestätig­ung dazu beigetragen habe, allgemeine Sympathien für Kauffmann zu erwecken. Bei der zweiten Wahl dürfte, so erklärt der Gewährsmann, Kauffmann einstimmig gewählt werden, selbst auf die Gefahr hin, daß die Regierung einen Staatskommissar ernennen wird.

Aus Stadt und Land.

(Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe:Gieß. Anz." gestattet.)

** Auszeichnung. Ter Groß Herzog hat dem Fürstlich! Solms-Hohensolms-Lichschen Kammerrat Peter Kratz in Lich das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.

** Ernennung. Ter Großherzog hat den außer­ordentlichen Professor an der Kaiser Wilhelms-Universität zu Straßburg Lic. theol. Tr. Phil- Friedrich! S ch w a l l y zum außerordentlichen Professor bei der philosophischen. Fakultät der Landes-Universität mit Wirkung vom 16. August an ernannt.

** Militärdien st nach richten, v. Perbandt, Leutnant im 1. Hannov. Inf.-Regt. Nr. 74, wurde in das 1. Großh. Hess. Jnf.-(Leibgarde-)Regt. Nr. 115 versetzt Welsch, Zahlmeister-Aspirant beim 18. Armeekorps, wurde zum Zahlmeister ernannt.

** 30 oberbayerisch!e Künstler-Postkarten in 12 farbiger Chromolithographie. (Verlag von Hugo Moser, Stuttgart.) Mit diesen Karten läßt sich! mit den alltäglich in überreichem Maße erscheinenden Ansichts-Postkarten ein

Vergleich nicht anstellen. Ter Gesamteindruck, den man von diesen Strützelschen oberbayerisck)en Künstler-Postkarten empfängt, ist derartig, daß man die vielseitige Nachahmung einer derartig mustergiltigen, unübertroffenen Ausführung nur wünschen kann. Tie Karten sind nicht nur für die verwöhntesten Sammler von bleibendem Werte- sondern sie eignen sich auch zu Malvorlagen.

** Eine Plage für Vieh und Pferde sind in diesem Sommer Schwärme von Bremsen, Stechfliegen und anderem Ungeziefer. Schjon am frühen Morgen suchen sie unsere fleißigen Haustiere heim und verlieren sich erst nach dem Untergang der Sonne. Mittags aber tritt die Plage so stark auf, daß, wie uns aus dem Vogelsberg geschrieben wird, schon mehrmals das Zugvieh samt Geschirr und Wagen davongelaufen ist. Tie Landwirte reiben jetzt zur Abwehr des Ungeziefers mit Erfolg ihr Vieh mit Hirsch- hornöl oder sogenanntem Franzosenöl ein.

§ Stumpertenrod, 10. Juli. Ein entsetzlicher Un­fall hat einen hiesigen Landwirt betroffen. Während seine Familie im Felde beschäftigt war, weilte zu Hause die Groß­mutter bei dem einzigen vierjährigen Kinde. In einem unbewachten Augenblicke begab sich das Kind an das Herd­feuer in der Küche. Seine Kleider fingen Feuer, und ehe Hilfe kam, hatte es furchtbare Brandwunden erlitten, an denen es bald darauf starb.

(*) Schotte», 9. Juni. Zum Muslkfest, das am 20., 21. und 22. Juli in unserer Stadt gefeiert werden soll, regen sich jetzt auf dem zum Festplatz auSersehenen, einen herrlichen Rundblick auf die Vogelsberger Höhen, das nahe im Thalkesiel gelegene Schotten, das Lehrerheim und das Niddathal mit dem Taunus im Hintergründe gewährenden Bockzahl viele fleißige Hände, um die Festbauten fertigzu­stellen. Die drei Festhallen, die die Bierbrauerei Schmidt herstellen ließ, stehen im Holz schon fertig da, der Musik­tempel mit dahinter liegendem großen Tanzboden sind in Angriff genommen, und an der Planierung des Festplatzes wird eifrig gearbeitet; auch wird noch ein bequemer nach demselben führender Meg hergestellt werden. Die Festhallen sind recht geräuchig)')^ erhalten ca. 2000 Sitzplätze. Die Festwirtschaft ist den Mbr. Hofmann, Hch. Spamer H. und Hch. Müller übertragen. Der Musik-Pavillon, ein in Muschelform herzustellender erhöhter Bau, wird über 100 Sitzplätze für die sämtlichen Mitglieder des oberhesfischen MusikbundeS erhalten und ist so angelegt, daß überall in den Festhalleu die Vortragsweisen deutlich gehört werden. Mufiktempel und Festhallen bilden zusammen ein abge­schloffenes Ganze. Der Juxplatz wird nebenan arrangiert werden auch hier ist für mannigfache Abwechselung gesorgt. DaS überaus reiche Festprogramm, daS durch Plakate bereits bekannt gegeben wurde, bietet des Unterhaltenden die Fülle. Der Kommers am Samstag, 20. Juli, wird besonders durch die Gesangsvorträge der Singmannschaften des Turn- und Gesang-Vereins und des Kriegervereins, sowie durch Stellung von sog. Marmorgruppen anziehend werden. Die Gesamt-- chöre, von über 100 Musikern gespielt, müssen sich auf dem nach allen Regeln der Akustik gebauten Festplatze recht im­posant ausnehmen und besonders zur Geltung kommen. Auch dieLebenden Bilder" und das Feuerwerk am Sonntag abend werden dem Fest einen eigenen Reiz verleihen. Die Eintrittspreise find äußerst niedrig gehalten und gestatten Jedem den Zutritt zum Festplatz.

Mainz, 9. Juli. Ein Abenteuer eigener Art er­lebte am Samstag ein ausländischer Universitäts- Professor, der zu Studienzwecken eine Reise nach Deutsch­land unternimmt, in unserer Stadt. Spät nachts fand eine SchutzmannS-Patrouille auf dem Bahnhofplatze einen fein- gekleideten, stark blutenden Herrn, der völlig bewußtlos schien. Man brachte den Mann mühsam wenigstens soweit wieder zu fich, daß er sein in der Nähe liegendes Hotel angeben konnte, wohin ihn die beiden Schutzleute verbrachten. Als

Hreöer-Trocknung.

Von Tr. E r i ch A u e r.

(Nachdruck verboten.)

Schluß-

Eine Ausnützung bisher vernachlässigter Nährwerte anderer Art ist die Abtötung und Nutzbarmachung gesund­heitsschädlichen Fleisches und verschiedenster Kadaver, die bisher in gesundheitlich und nationalökonomisch wenig entsprechender Weise von den Abdeckern vorgenommen wurde oder noch gehandhabt wird. Welche Mengen von brauchbarem Fett, Tüngstoffen und Nährsubstanzen gehen da, von den sanitären Unzukömmlichkeiten in der Nähe der Abdeckereien nicht zu sprechen, jährlich verloren. Ter Hartmannsche Kadaver-Vernichtungs-Apparat, dessen Patent ebenfalls die Aktiengesellschaft für Trebertrocknung er­worben hat, macht diese Abfallsubstanzen nutzbar. In eisernen Extraktionskesseln werden die Gewebe der Ka­daver oder verseuchten Fleischmassen durch gespannte Wasserdämpfe ihres Fett- und Sachgehaltes befreit. In einem Auffanggefäß sondern sich! die Fette ab, die gereinigt und an die Seifenfabriken abgegeben werden, das kochende Wasserbad des Kessels nimmt die löslichen Stoffe auf, dw dann weiterer Behandlung zugeführt werden, die Leim- dampfe werden zum Erhitzen des Extraktionskessels zum Trocknen seines Inhaltes ausgenutzt. So erhält man Trockenstoffe, die entweder als Kraftfutter oder als Tung- sloffe in oen Handel kommen.

Aber noch! ein drittes, ganz besonders aussichtsvolles Trockenverfahren, durch das der Industrie höchst wertvolle Stoffe zugeführt werden, wird von der Aktiengesellschaft für Trebertrocknung ausgeübt, die trockene Destillation von Holz und Holzabfällen. Jeder Realschüler weiß heute, daß bei der trockenen Testillation des Holzes als gasförmige Produkte Sumpfgas, Aethylin, Wasserstoff, Kohlenoxyd, Kohlensäure, Wasserdampf, als dünnflüssige Produkte Wasser, Holzessige und Holzaeist, als dickflüssige Produkte Holztheer entstehen und Holzkohle als fester Rückstand übrig bleibt, daß also bei der altherkömmlichen Tarstellung der Holzkohle in den Kohlenmeilern eine ganze Reihe wert­voller Rohstoffe verloren geht. Wie nun die moderne Leuchtgasfabrikation aus Steinkohlen alle die Testillations- vrodukte: das ammoniakhaltige Gaswasser, den Gaskalk, den Theer, die rückbleibenden Cokes, neben dem Leucht­gase als Hauptprodukt, als sehr erwünschte Nebenprodukte zu verwerten weiß, so werden bei der trockenen Testillation des Holzes gleichfalls die obengenannten Nebenprodukte auf­gefangen- u nd verwertet und solche Ausnützung empfiehlt sich! um so mehr, als es nicht reines Stammholz sein mu& sondern Bruchholz, Wurzelklötze, Kronen- und Astholz, Hobel­und Sägespähne und andere Abfälle der Holzindustrie solcher Testillation unterzogen werden können. Leider stand bis vor kurzem der vollen Ausnützung des .Holzessigs der hohe Wassergehalt dieses Destillationsproduktes und die Notwen­digkeit, durch weiteres Erhitzen das Wasser zum Verdampfen zu bringen, erschwerend und verteuernd entgegen. Mit dem Bergmannschen und anderen Destillierapparaten erst ward

dieses Verfahren rentabler. Gespannte Dämpfe lockern die Holzfasern auf und entziehen ihnen vor Beginn dev trockenen Destillation das Wasser. So erst können alle die Produkte der trockenen Testillation des Holzes mit Nutzen- der Industrie zugeführt werden: Trockene Holzkohle in Driquett gepreßt für die Eisenindustrie, den Hausgebrauch und verschiedene Gewerbe, nach einer Reihe von Scheid­ungen der anderen Testillationsprodukte und weiterer Be­handlung, gereinigter Holztheer für Imprägnierungen und für die Kreosotindustrie, konzentriertem Holzessig, rohe, etwa 70prozentige Essigsäure, 80prozentige Essigsäure für Fär­bereien und Kattundruckereien, 100 prozentige Essigsäure, sogenannter Eisessig, roher dünner Holzessig, aus dem die chemische Industrie noch, ein Viertelhunderi anderen Stoffe darstellt, Acedon zur Darstellung knallsaurer Salze und rauchischwachen Pulvers, Methylalkohol für die Anilin­farbenindustrie usw.

Man sieht also, daß die vielgenannte Aktiengesellschaft für Trebertrocknung eine ganze Reihe höchst aussichtsvoller Rohstofffabrikationen in ihr Programm ausgenommen hat und aus dieser durch den Zusammenbruch der Leipziger Bank gerade aktuell gewordenen Frage, daß unscheinbarste, vermeintlich! wertloseste Substanzen, die uns Jahrtausende lang als lästiger Unrat und Kehricht nur Mühe und Aerger verschjafften, zum Ausgangspunkte segensreichster Industrien, zum Quell nationalökonomisch nützlichster Stoffe werden können.