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12.5.1901 Erstes Blatt
 
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schlossen sein. Es giebt heute keinen ernsthaften Politiker, der mit der Möglichkeit rechnen könnte, ohne einen Staats­streich dem Volke sein bedeutsamstes Recht zu nehmen. Das allgemeine Wahlrecht, das wir ja nun auch in Hessen bekommen sollen für unseren Landtag, obwohl man der Regierungs­vorlage gerade in .Kreisen des Staatsbeamtentums nicht besondersgrün" ist, mag einen durchaus demokratischen Charakter tragen, man mag auch in der Theorie eine Be­wertung der Stimmen twfy dem Gewicht der entscheidenden Kraft der Zahl vorziehen. Die Entwickelung des vorigen Jahrhunderts hat eben dafür gesorgt, daß wir alle mit einem Tropfen demokratischen Oeles gesalbt wurden, wie es gleichzeitig aufgeräumt hat mit dem romantischen Ideal eines patriarchalisch gestalteten Absolutismus.

Wenn also für die Morgengabe von Diäten eine Gegen­gabe gefordert werden sollte, so kann sie lediglich auf oem Gebiete der parlamentarischen Geschäftsordnung liegen, so daß ihr Ziel etwa in der Einschränkung der für Obstruk­tionsbestrebungen gegebenen Möglichkeiten läge. Ter Ab­geordnete Arendt, der im Gegensatz zu seinem feudalen Parteigenossen Graf Arnim sich der Reichstagsmehrheit anschloß, hat besonders die Einführung der Bestimmung empfohlen, daß, wie im preußischen Landtag, ein Zweifel an der Beschlußfähigkeit nur dann Beachtung finden dürfe, wenn er von mindestens fünfzig Mitgliedern geteilt würde. Tas ist durchaus berechtigt, denn heute kann jeder Einzelne, dem etwa daran liegt, eine Entscheidung zu hintertreiben, durch den stets wiederholten Antrag auf Auszählung des Hauses jede rasche Erledigung der Geschäfte hintertreiben und durchaus undemokratisch der Mehrheit den Willen einer winzigen Minderheit aufzwingen. Darüber, ließe sich also reden, zumal, wenn in der That die Möglichkeit da­durch geschaffen würde, den oft geradezu skandalösen Zu­ständen, wie sie in der Annahme eines wichtigen Gesetzes mit zwölf gegen sechs Stimmen zum schroffsten Ausdruck gelangten, für absehbare Zeiten ein Ende zu bereiten. Ge­wiß hat Fürst Bismarck sich als einen Gegner von Diäten bekannt, aber auch er beurteilte die Frage nicht aus prin­zipiellen, sondern aus praktischen Gesichtspunkten, er sah in ihnen ein Tauschobjekt, das er im geeigneten Momente auf den Markt bringen wollte. Fürst Bismarck selbst hat am 30. März 1867 bei der Erörterung der Frage im kon­stituierenden Reichstage gesagt, wenn sich Mißstände aus Der Diätenkosigkeit ergeben würden, oder wenn sich aus der Handhabung des Wahlgesetzes zeigen würde, daß es ohne Gefahr geschehen kann, so sei es späterhin immer unbenommen, im Wege der Gesetzgebung Diäten einzu­führen. Taß sich solche Mißstände ergeben haben, ist un­leugbar, und zu berücksichtigen ist auch, daß die sozial­demokratische Partei ohnehin ihren Mitgliedern Tagegelder auszahlt, und sie mit einer jährlichen Ausgabe von 25 000 Mark in den Stand setzt, ihr Mandat ohne Schädigung ihres bürgerlichen Berufes regelmäßig auszuüben. Es ist sogar unleugbar, daß sich aus dem jetzigen Zustande die wunder­liche Folgerung ergiebt, daß die sozialistischen Abgeordneten regelmäßig und mit leidlicher Vollzähligkeit an den par­lamentarischen Verhandlungen teilnehmen können, während die weniger günstig gestellten Mitglieder der bürgerlichen Parteien fernzubleiben gezwungen sind, um den Geschäften ihres Berufes nachzugehen. Und ebenso ist eine Art von Vorzugsstellung für die Beamten geschaffen, die ihre Ge­hälter foribeziehen, und pflichtgemäß vertreten werden, vor den Angehörigen freier Berufe, deren Bezüge fortfallen, sobald sie ihre Arbeitskraft dem Parlamentarismus zur Verfügung stellen. Schließlich handelt es sich doch auch nicht um eine Besoldung der Abgeordneten, nicht um ein Aequi- valent für ihre Thätigkeit, sondern lediglich um einen Bei­trag zu den Kosten, die doch immerhin der Aufenthalt in der Reichshauptstadt verursacht. Die Tiätenlosigkeit ist besonders drückend gerade für den Mittelstand.

Run hat der Reichstag wieder einmal mit erdrückender Mehrheit den Antrag auf Gewährung von Tiäten ange­nommen. Nur vierzig Mitglieder der Rechnen gaben ihre Stimme in verneinendem Sinne ab, und auch unter ihnen befand sich eine gewisse Zahl, die sicherlich nicht als grund­sätzliche Gegner zu betrachten sind. Wenigstens hat Tr. Oertel sich stets für Tiäten eingesetzt. Der Antrag wird an den Bundesrat gehen, hier wird er, dem Jesuitenantrag innig gesellt, ein beschauliches Leben fristen, und wenn aus Sommer und Winter ein neues Jahr geworden, dann wird alles genau so sein, wie es war. Tas Mittel, das sonst angewandt wird, wenn schlechtbezahlte Arbeiter bessere Wohnbedingungen erzielen wollen, den Streik, kann ja der Reichstag füglich nicht anwenden. Sonst würde vielleicht über dem Portal, dort, wo noch immer d,ie Inschrift fehlt, der Zuruf prangen:Zuzug fernhalten!" Und das würde dem Bilde einen wunderbaren Abschluß geben.

Deutscher Reichstag.

Berlin, 10. Mai.

Tas Haus hat heute den Gesetzentwurf betreffend Ge­währung von Anwesenheitsgeldern und freier Eisenbahnfahrt an dieMitgliederdesReichs- t a g s (Diäten-Antrag) ohne Debatte in dritter Lesung und in der Gesamtabstimmung angenommen.

Hieraus wird die zweite Beratung der Anträge der Abgg. Albrecht (Soz.) und Trimborn (Zentr.) be­treffend die Gewerbegerichte bei § 62:Befugnisse der Gewerbegerichte" fortgesetzt. In der Kommissionsfassung giebt dieser Paragraph den Vorsitzenden das Recht, Be­teiligte zu laden und für event. Nichterscheinen Geldstrafen anzudrohen. Ein Antrag Beckh-Koburg will die Strafen durch das Einigungsamt festsetzen lassen. Ein Antrag Fa h l e-'R ö s icke-Dessau will, daß der Vorsitzende der Gewerbegerick)te Beteiligte und Auskunftspersonen laden kann.

Abg. Basser mann (nl.) befürwortet die Kommissions- fassung. Schon jetzt hätten die Einigungsämter gewisse Erfolge. Der neu eingeführte Erscheinungszwang werde die­selben steigern.

W hockst-Koburg (fr. Vp.) zieht seinen Antrag zurück.

Abg. SD rlbck (nl.) erklärt, er werde mit einem Teil der Natronalliberalen gegen den Erscheinungszwang stimmen. Er beantrage getrennte Abstimmung. Die Resultate der be­stehenden Einigungsämter seien gut genug. Weshalb sie so wenig in Anspruch genommen werden,"liege besonders an der Person des Vorsitzenden. Junge'Assessoren hätten noch, keine Erfahrung.

Llbg. Rösicke-Dessau (wild) bezeichnet den Erschein- ungszwang für unbedingt notwendig, wenn wir dahin kommen wollen, daß nicht nur die Arbeiter, sondern auch

die Arbeitgeber sich, daran gewöhnen, ihre Streitigkeiten auf gütlichem Wege auszugleichen. Aber eine Geldstrafe von 100 Marr sei nicht ausreichend. Der Unternehmer werde ost lieber 100 Mark zahlen, als zur Verhandlung zu erscheinen. Redner befürwortet seinen Antrag, auch die Auskunftspersonen zum Erscheinen zu zwingen. Wenigstens möge man dem Vorsitzenden das Recht geben, Auskunfts- Personen auch ohne Androhung von Strafen zu laden.

Abg. Schlumberger (nl.) befürwortet den Kom­missionsbeschluß. In Frankreich habe man mit den Einig­ungsämtern gute Erfahrungen gemacht, allerdings ohne Erscheinungszwang.

Abg. Frhr. v. Richthofen (kons.) spricht sich gegen den Zwang aus und wünscht getrennte Abstimmung be­züglich dieses Passus.

Abg. Trimborn (Zentr.) spricht sich entschieden für die Kommissionsfassung aus. Ungeheure Summen gingen den Arbeitern und Arbeitgebern durch die Streiks ver­loren, auswärtige Absatzgebiete würden in Frage gestellte

Abg. Zu b eil (Soz.) führt aus, Abg. Hilbck habe den übermütigen Unternehmerstandpunkt hervorgekehrt. Tie Sozialdemokraten stimmen den Kommissionsbeschlüssen rück­haltslos zu, damit die Arbeitgeber nicht mehr protzenhaft jeden Einigungs-Versuch ablehnen können.

Abg. M üller-Sagan (fr. Bg.) erklärt, die freisinnigen Parteien würden zum größten Teil für die Kommissions­beschlüsse eintreten.

Abg. Stockmann (Rp.) erklärt, die Reichspartei timme gegen § 62 c, und wenn dieser angenommen werde, fegen das ganze Gesetz. Ter Zwang werde oft nur zu bloßen Chikanen ausgebeutet werden, und zum Schaden des Ansehens der Industrie ausschlagen.

Nach weiteren Bemerkungen des Abg. Stolle (Soz.) chließt die Tiskussion.

Es folgt eine persönliche Bemerkung des Abg. Hilbck (nl.), worauf §§ 62a, b, c unter Ablehnung aller Amen­dements in der Kommissionsfassung angenommen werden.

§ 63 der Kommissionsfassung bestimmt, daß das Ge­werbegericht als Einigungsamt neben dem Vorsitzenden aus Vertrauensmännern der Arbeitgeber und Arbeiter in gleicher Zahl bestehen soll.

Abg. Segitz (Soz.) bemerkt: Tie Arbeiter betrachten diesen Paragraphen mit einem gewissen Mißtrauen. Auch werde es interessant sein, zu sehen, wie der neue preu- zische Handelsminister sich zu dieser Sozialpolitik stellen wird.

Abg. Trimborn (Ztr.) erklärt, in letzterer Hinsicht müsse man vorläufig das bessere hoffen! (Heiterkeit.) Einen kündigen Beisitzer auch zu den Funktionen des Einigungs-i amtes herbeizuziehen, empfehle sich nicht.

Ter Kommissionsbeschluß wird angenommen.

Zu § 64 beantragt Abg. Rösicke-Dessau (lib.) noch­mals die Möglichkeit der Vorladung der Auskunftspersonen vor das Einigungsamt.

Ter Antrag wird angenommen.

Zu § 69 befürwortet Abg. R ö s icke-Dessau einen An­trag, wonach der Vorsitzende das Ergebnis der Ermittel­ungen gemäß den §§ 6264 veröffentlichen kann.

Ter Antrag wird abgelehnt.

Ein Antrag der Abgg. Albrecht und Genossen will den Absatz 2 (deA § 79 streichen, welcher bestimmt, daß durch die Zuständigkeit einer Innung oder eines Schiedsgerichtes die Zuständigkeit eines für den Bezirk der Innung bestehen­den ober später zu errichtenden Gewerbegerichtes aus­geschlossen wird.

Die Abgg. Fischbeck (fr. Vp.) und Rösicke-Dessau sprechen ich für den Antrag Albrecht aus; die, Abgg. Trimborn (Ztr.) und Jaoobskötter (kons.) sind dagegen.

Der Antrag Albrecht wird abgelehnt; der Rest des Gesetzes wird nach den Kommissionsbeschlüssen angenommen.

Nächste Sitzung morgen 1 Uhr; Tagesordnung: Antrag wegen Vertagung des Reichstages bis 26. Novem­ber; ferner der Gesetzentwurf betr, den Abschluß eines Handelsprovisoriurns mit England, kleinere Vorlagen, Nach­tragsetat.

Schluß der Sitzung um 5 Uhr.

Aus Stadl und Zand.

Gießen, 11. Mai.

* * Personal-Nachrichten. Ter Großherzog hat dem Pfarrverwalter Heinrich H a n a ck zu Bürgel die evan­gelische Pfarrstelle bei der Landpfarrei Offenbach (Bürgel- Mühlheim), Dekanat Offenbach übertragen.

* * Postalisches. Tie Vereinigung mehrerer Pakete zu einer Postpaketadrisse ist für die Zeit vom 19. bis ein- chließlich 26. Mai im innern deutschen Verkehr nicht ge- tattet.

P. W. Kunstausstellung. Nun ist in unsere Kunst­ausstellung im Turmhause der berühmte und berüchtigte Jan Toorop als Gast eiugezogen mit einer stattlichen Anzahl von Arbeiten, ein seltsamer Künstler, dessen Werke zum Teil ganz gewiß auch hier von vielenverrückt" undlächerlich phantastisch symbolisch" werden genannt werden, wie daS selbst Berliner Kritiker von Ruf thaten, um sich glänzend zu ilamieren. Toorop ist ein ungewöhnlich feiner Kolorist. Der ärbige Gesamteindruck der meisten seiner Gemälde, und zum Teil gerade der am ärgsten verschrieenen, der weißrahmigen, hellgrellbunten, ist, wenn man sich nur die Mühe giebt, sich mit Andacht hineinzusehen, wohlthuend harmonisch, wie der der besten Bilder der besten holländischen Modernen. Manches erinnert an Israels, so die abenddunkleStraßenmusik in London"; anderes, wie das wunderbar leuchtendeEinschieben der großen Barke", an Leemputten, noch anderes, wie das ArbeiterlooS", an den kraftvollen Großmeister der belgischen Plastik Konstantin Meuuier. Seine Technik ist außerordent lich verschiedenartig, bald minutiös wie die Mentzels, bald grobkörnig wie die SegantiniS rc. rc.; bald bethätigt er ein bedeutendes realistisches Talent, bald ift er Poet von immenser Einbildungskraft, bald ein Meister der Farbe von allerfeinster Subtilität. Wo er zur Fahne des Impressionismus schwört, scheint er für einen oberflächlich Betrachtenden in den Ob­jekten, die er zeigt, nichts anderes als Farbenflecken zu sehen, >n der Gesammtheit der Erscheinungen nur ein Mosaik von solchen; mancher sieht nur unbestimmt und formlos aufge- tragtme Farbenflecken aneinandergesetzt und sucht nicht und findet darum nicht die rechte Stimmung. Dazu gehört ein ernstes Sichversenken, ein Mitfühlen mit dem Künstler, besten Abfich'.en vor allem der Beschauer zu ergründen suchen

muß, um zum Genuß zu gelangen. Der Beschauer thut Unrecht, wenn er vor diesem oder jenem Gemälde nach kurzem Hinschauen sagt:DaS gefällt mir nicht!" oderWie häßlich!" oderWie blödsinnig!" Er muß sich, vielmehr ernsthaft fragen:WaS wollte der Künstler? Welche malerische Wirkung sucht er zu erzielen?" Der Gegenstand des Dar­gestellten ist daher absolut belanglos, in der Kunst gilt nie dasWas", sondern nur daSWie"! Mancher wird z. B. auf einzelnen Gemälden TooropS die Bestimmtheit der Zeich­nung vermissen, während es dem Künstler auf ganz andere Dinge ankam, auf wirkungsvollen Farbenkontrast, auf Licht« und Schattenwirkungen, auf treffende Charakteristik rc. rc., was einem Laien oft gleichgiltig ist und der dafür vom Bilde verlangt, daß auf ihm, wie im Drama, etwas vorgehe. Ein Maler aber ist kein Dramatiker oder Novellist, der Gescheh­nisse darstellt oder im Bilde erzählt, sondern ein Künstler, der, etwa wie ein Lyriker, ein Stück auS der Natur mit seiner Seele durchdringt und in Farben und Formen wieder - gibt. Einzelne der Toorop'schen Gemälde find nichts als ethnologische Spiele mit Linien und Gedanken und Farben, halb javanisch, halb europäisch, halb belehrend, halb intuitiv, Gedanken von Kunst und Kunst von Gedanken, die ihre dekorativen EinflÜffe ausübt. Manches ist bewußter Scherz, bewußte Karrikatur, fast ausnahmslos ist aber alles, nicht nur die Porträts und Seefiücke, technisch sehr hochstehende Kunst. Ein näheres Eingehen auf Einzelheiten, namentlich eine Erklärung der symbolischen Gemälde, wie ich fie mir denke, behalte ich mir vor.

** Tie Gemälde-Aus st ellung im Turmhaus am Brand ist, so schreibt man uns von heute an wieder geöffnet. Sie umfaßt diesmal nur 52 Gemälde und zwar von Jan Toorop-Java 35, von Ed. Rüdisühli-Basel (der bisher hier vertretene Herrmann Rüdisühli ist also einem Bruder Eduard gewichen« . D. Red.) 9, und von A. Koester-Klausen, 8 Gemälde. Tie Kollektion des Javaners Toorop war kürzlich im Frankfurter Knnstsalon Hermes und im Kunstverein in Heidelberg ausgestellt, und hatte sich eines außergewöhnlich starken Besuches zu erfreuen, was gewiß auch hier der Fall sein wird. Der Kunstverein hat Die hohen Ausgaben nicht gescheut, um diese Bilder auch für die hiesige Ausstellung zu gewinnen. Sie bleiben jedoch nur kurze Zeit ausgestellt, und gelangen sodann zur Weiter­endung nach Wiesbaden.

* Kreis Hungen! Tas ist der neueste Traum einer schlaflosen Frühlingsnacht des Abg. Köhler-Langs- )orf, der mit aller Gewalt die verständigen Arbeiten des Landtages durch NOue unangebrachte Scherze verzögern will. Ein einziger flüchtiger Blick auf die politische Karte der Provinz Oberhessen lehrt, dan zu der von Köhler beim Landtage beantragten Neubildung .eines Kreises Hungen nicht die geringste Veranlassung vorliegt. Die dadurch dem Staate ganz unnötig erwachsenden Kosten für den ge­samten Kreisbeamtenapparat zieht Herr» Köhler offenbar gar nicht in Betracht. Er wünscht, daß Hungen den Mittel­punkt eines neuen Kreises bilde, an dessen Peripherie Station Mücke mit Merlau und Ilsdorf, Nidda, Wölfers­heim und Lich liegen. Der Antrag ist offenbar nur dem Wunsche des Herrn Köhler entsprungen, daß sein liebes Langsdorf vom bösen Gießen, wo man ihn nach seiner Meinung so schlecht versteht, abgetrennt werde.

** Speisewagen. Man schreibt uns aus Berlin: In dem Schnellzuge 45/46 BerlinMetz, der von Berlin kommend nachmittags 5.45 Uhr, und von Metz kommend mittags 1.25 Uhr Gießen passiert, befindet sich jetzt ein Speisewagen, dessen Leitung in den Händen des Herrn Gustav Risselmann liegt.

e. Bad-Nauheim, 10. Mai. Die Gesamtfrequenz des. Bades betrug am 9. Mai 1759 Personen, wovon z. Z. noch 1482 anwesend sind. 9914 Bäder wurden vom 1. April bis 9. Mai verabfolgt. Im städtischen Konitzkystift weilen 164 Gäste, sodaß die Anstalt bereits ganz besetzt ist. Bäder werden darin etwa 60 pro Tag gegeben.

Darmstadt, 10. Mai. DieN. 5). Volksbl." erhalten folgende Zuschrift:Auf den in Ihrer gestrigen Nummer erwähnten beleidigenden Artikel über Darmstadt hat der Vorstand des Verkehrs-Vereins sofort an den Verfasser Eduard Engels, Redakteur derMünchxner Zeitung" in München, geschrieben mit der energischen Aufforderung, daß er seine böswilligen und entstellenden Aeußerungen in allen Zeitungen, in denen das Elaborat erschien, zurücknehmen soll, andernfalls gegen ihn üorgegangen würde."

Berkach, bei Gr.-Geran, 10. Mai. Der Landwirt Burk von hier fand Mittwoch auf feinem zu der als Fundstätte von römischen Altertümern bekannten Gewann Esch ge­hörigen Grundstück beim Sandgrabenein menschliches Skelett. Es lag etwa 1 Meter tief und zwar nach Osten. Zur rechten Seite des Schädels stand ein Gefäß von ca. 15 Zentimeter Höhe und 10 Zentimeter?Bauchweite. Es ist, aus rotem Thon gebrannt und mit einem Henkel versehen. Außerdem war der Leiche ein Messer beigegeben, das stark oxydiert ist. Die interessanteste, dem Grabe entnommene Beigabe ist wohl ein Schmuckgegenstand, der durch Unvorsichtigkeit des Finders zerbrach). An den vorhandenen Resten lassen sich noch die goldglänzenden Einlagen (Metallstreifchen) und winzig kleine Nägelchen erkennen. Auf demselben Grund­stück fand der Besitzer schon mehrmals Skelette, die aber nach Süden orientiert waren. Auch Beigaben sollen sich in diesen Gräbern vorgefunden haben. Die erwähnte Be­gräbnisstätte befindet fufy in unmittelbarer Nähe der Reste des vor nid)t langer Zeit durch Professor $r. Anthes und Leutnant Gieß feftgefteHten Römer-Kastells.

Frankfurt a. M., 10. Mai. Eine Riesen-Schmetter­lingsammlung von ca. 30000 Exemplaren, deren Stock die altberühmteKochsche Sammlung" abaegeben hat, wird vom Dienstag, den 14. bis Donnerstag, Den 16. d. Mts. aus­gestellt werden. In ca. 200 Glaskasten ist eine aus allen Weltteilen zusammengebrachte Kollektion von Schmetter­lingen, wie sie in gleicher Art wohl noch niemals auf­gestellt gewesen ist, in einer sehr übersichtlichen Weise dem Publikum zugänglich gemacht. Die Sammlung umfaßt sämtliche Schmetterlingsgruppen und von ihrer Reick?- halttgkeit kann man sich! einen Begriff machen, wenn man erfährt, daß, um nur eines herauszugreifen, allein über 200 Ordensbänder, die 75 verschiedenen Arten angehören, nebeneinander gestellt sind. Allein die Segelfalter, deren mehrere Hunderte von Arten da sind, bilden, Kasten an! Kasten gereiht, eine Kolonne von 12 Metern Länge. Die wenigen Museen, welche größere Sammlungen besitzen, als die hier ausgestellte, sind zumeist nicht in der Sage,