beim Herr von auch Aber Aus-
theuerer ...
Präsident Graf Ballcstrem: Herr Abgeordneter, darüber wird demnächst gesprochen werden. Heute sind wir bei der Polendebatte. (Heiterkeit.)
Abg. Lcdebour schließt mit dem Hinweis darauf, daß die Polenpolitik der Regierung dem Vaterlande nicht zum Segen gereicht.
Hierauf vertagt sich das Haus.
Nächste Sitzung: Mittwoch i Uhr (Fortsetzung der ersten Be- rathung des Zolltarifs).
Schluß 6 Uhr.
gierung treu zur Seite stehen und mit Festigkeit betonen: Hier, Ausland, hast Du nichts zu sagen, sondern das sind unsere eigenen Angelegenheiten, die wir allein und nur mit uns zu regeln haoen.
Nur ein Punkt ist es, hinsichtlich dessen ich es für möglich und vielleicht auch für berechtigt gehalten hätte, eine Besprechung herbeizuführen. Das ist die Frage, ob wirklich ein österreichischer aktiver Minister, der Minister einer befreundeten Nation, eines mir uns cng verbündeten Kaiserreichs, an einer Versammlung theilgenommen hat, wo eine Demonstration gegen die Nechnpruche deutscher Gerichte in Szene gesetzt wurde. Das wäre vielleicht ein Grund zu einer Interpellation gewesen, aber ich lege aus derartige Erscheinungen auch kein so großes Gewicht, um deswegen eine Anfrage an den Reichskanzler zu richren. (Zuruf des Abg. Bebel: Ter ist ja gar nicht da!) Ich meine, Herr Bebel, ich könnte auch eine Interpellation einbringen — vielleicht würden die Herren vom Centrum und der deutsch-hannoverschen Partei mich dabei gleichfalls unterstützen —: „Ist es dem Herrn Reichskanzler vielleicht bekannt, daß der Minister von Pienrak an einer Versammlung theilgenommen hat, in welcher Beschlüsse gegen uie preußische Rechtsprechung gefaßt wurden?" — Ich halte das aber nicht für so wichtig, es ist ja mehrfach vorgekommen, daß sich Minister nicht bewußt gewesen sind, aus welcher Stellung heraus sie sprachen. (Sehr richtig!) Wir haben das bei Ministern anderer auswärtiger Staaten erlebt, und so will ich, wenn es auch in Oesterreich vorgekommen sein sollte, ein enrscheiderches Ge-
zurückgegangen und die polnischen -andestheile haben unter der preußischen Regierung ganz ungeheure Fortschritte gemacht, (^ehv richtig!) Im Interesse der polnischen Bevölkerung Ware e- em Unglück, wenn die Agitation, die auf die Wiederherstellung des Pointen Reichs hinzielt. Erfolg hätte. Saß™'
besteht, werden Sie nicht bestreiten können, ^as ist gar nicht zu leugnen. Ich habe den größten Respekt vor einem so außerordentlich hochgespannter: Nationalgefuhl, wie wir es bei Ihnen finden. unD ick möchte wünschen, bei uns wäre in stder Brust, namentlich auck bei der Geistlichkeit im Osten, wenigstens die Halste dieses Nanonalgefübls vorhanden. Aber Sie haben sich schließlich in eine solche Stimmung bingecrbeitet. daß bei Ihnen der Gedanke der Nationalität alles Andere in Den Hintergrund gedrängt hat Dafür ist ein schlagender Beweis, daß die Sozialisten unter ^hnen sich selbst mit der deutschen Sozialdemokratie nicht vertragen tonnen. Kollege Ledebour ist gewiß stets als Beschützer der Polen aufgetreten/aber auck ihm ist es mehr gelungen, auf dem Lübecker Parteitag die polnischen Sozialdemokraten vollständig gegen Die Vorwürfe zu schützen, die gegen sie erhoben wurden.
Angesichts dieser Agitation, wie sie namentlich auch von bet katholischen Geistllckkest betrieben wird, war es Die höchste Zeit, daß wir und der hakaristische Verein bie Interessen Der deutschen Katholiken im Osten wahrgenommen haben. Wie nothwendig das war, will ick nur an einigen Beispielen beweisen. Sie erinnern sich vielleicht. daß im Jahre 1S95 in einem Prozesse auf Anstiften eines polnischen Agitators eine ganze Reihe von Meineiden zu Ungunsten eines deutschen katholischen Pfarrers geleistet wurden. Wir haben auch gehört, daß ein deutscher katholischer Propst in Graudenz von den Polen so heftig angegriffen wurde, daß er schließlich genothigk war, Klageantrag zu stellen. Wir haben erlebt, daß selbst ein^ Erzbischof, Erzbischof Simar von Köln, in einen heftigen Konflikt mit einem polnischen Geistlichen gekommen ist. Wir wissen, daß auch das Gentrum von den Polen nicht gerade sehr glimpflich behandelt wurde, als die Ersatzwahl in Duisburg-Mülheim stattfinden sollte. Wir haben endlich aus den Prozeßverhandlungen erfahren, daß die Angriffe der polnischen Agitatoren sich hauptsächlich gegen die deutschen Katholiken richten. Da heißt es: „Die deutschen Katholiken sind die schlimmsten Hunde: die müssen wir an einen Ast hängen." Das sind die liebenswürdigen Gefühle, die diese Agitatoren gegenüber ihren deutschen Brüdern haben. (Heiterkeit.) Im Westen erfährt man von solchen Vorfällen im Allgemeinen nichts, aber die deutschen Katholiken im Osten sehen mehr und mehr cm, welches die Gesinnungen der Polen für sie smd. Daher kommt e» denn auch, daß gerade die Katholiken dieser Provinzen sich mehr und mehr uns und den Bestrebungen des hakatistischen Vereins anschließen. Das geht auch ans der Zuschrift eines katholischen deutschen Lehrers an das „Westfälische Volksblatt" hervor worin es heißt: „Die Einführung des deutschen Religionsunterrichts in Die hiesigen Volksschulen ist wenigstens für die oberen Klaßen eine zwingende Nothwendigkeit. Gerade der Katholizismus leider furchtbar unter den Bestrebungen der Polen."
Ich möchte wünschen, daß die Herren vom Centrum auf dem vorn Abg. Lieber beschrittenen Wege etwas weiter fortschreiten. Wenn das Gentrum die führende und regierende Partei des Reiches sein will, dann kann es sich auch der Verpflichtung nicht entziehen, auch der nationalen Frage im Osten etwas näher zu treten, als es heute seitens des Abg. Roeren geschehen ist. Daiin kann es sich nickt Der Verpflichtung entziehen, Rücksicht zu nehmen auf Die historische Stellung des preußischen Staates, dessen Bedeutung stets Darin lag, daß er Der berufene Schützer Des Deutsch- thums in Osten war gegenüber Dem Andrang der Slaven. Meine Freunde werden stets Die Wacht an Der Weichsel ebenso verteidigen, wie Die am Rhein, aber auch sie muffen emsehen, daß Dort im Osten das Deutschthum ebenso auf Dem Posten stehen muß, wie
ftir stets der Bestrebung enfgegentreten,, bic Religion zu politischen Zwecken zu mißbrauchen. Leider ist Die Haltung Der Regierung gegenüber Den Polen keine stetige gewesen. Auf Die preußische Proklamation von 1815 Dürfen sich die Polen nicht berufen. Die darin enthaltenen Versprechungen waren nur für den Fall gegeben, daß sich die Polen als treue Staatsbürger erweisen wurden. Nach den Vorgängen von 1848 aber haben sie jedes Recht auf die Vergünstigungen aus dieser Proklamation verwirkt
Meine Freunde und gewiß Die große Mehrheit De3 Volkes werden der Regierung zur Seite stehen in ihrer jetzigen Politik; wir werden dafür sorgen, daß auch in den polnischen Laiidesthenen Die Religion erhalten bleibt (Lachen bei Den Polen), aber wir verlangen, daß die Polen auch gute Deutsche sind, und wir wollen das Deutschthum gegen die Propaganda der polnischen Agitation schützen. Die Vorgänge in Wreschen haben uns nicht nur nicht im Auslande geschadet, sondern, sie haben uns im Auslande genutzt, denn sie haben Dort Die Ueberzeugung gefestigt, daß in Preußen eine starke Regierung herrscht, die sich nicht an den Wagen fahren laßt. (Lebhafter Beifall rechts.) .
Abg. Dr. von Dziembowski-Posman (Pole): Eins der geprügelten Kinder ist gestorben, ob an den Folgen der Züchtigung, wird die Untersuchung ergeben. Wenn man bedenkt, daß Die Lehrer, Die Diese Züchtigungen vorgenommen haben, noch froh ihres Amtes walten, während man die Polen zu mehrjährigen Gefang- nißsttafen verurtheilt hat, so mag man darüber urtheilen, tote man will: gerecht ist es nicht. Erst auf einen Artikel des Posener Tageblatts, Das von den Vorfällen eine aufgebausckste Darstellung gab und von einem „Sturm auf die Schule" sprach, hat der Staatsantoalt die Anklage erhoben. Die Presse dort ist die Nebenregierung, diese drückt auf die Hauptregierung. Der Vorfall m Wreschen hat Mitleid erweckt, nicht nur bei uns, sondern in weiten Kreisen, mit den Angeklagten und Den Kindern. Es ist em Grundsatz der katholischen Kirche, daß in der Volksschule der Religionsunterricht in der Volkssprache ertheilt wird, in der Muttersprache. Das ist auf einem Konzil festgelegt worden; daher kann Die Geistlichkeit gar nicht zulassen, daß Dagegen verstoßen wird. Sonst würden die Geistlichen aufhören, gute Katholiken zu sein. Noch im Jahre 1867 — also nach dem polnischen Ausstand — ist den Polen von der preußischen Regierung Schutz versprochen worden. Wie stimmt es dazu, daß heute aus den Schulen Züchtigungsanstalten gemacht werden! Durch diese Unterdrückungspoliri! schasst man ein deutsches Irland! Die Germanisatton wird Ihnen nie gelingen; nur das Eine können Sie erreichen, daß Sie sklavische Gesinnung unter den Polen großziehen. Sie haben in Wreschen nur eine Person, den Lehrer, gerrnanisirt. Die ganze Welt hat in diesem Falle im Namen.der Zivilisation, der Humanität ibr Urtheil fällen zu müssen geglaubt, und sie hat ihr Unheil gesprochen! Wenn so etwas bei uns möglich ist, dürfen wir nicht glauben, an Der Spitze Der Zivilisation zu marschiren. .(Beifall bei Den
im eften
Ich muß nun noch einige Angriffe gegen Die Ansiedelungs- kommission zurückweisen. Es wird so Dargestellt, als wenn Durch Die AnsieDelungskommission nur Deutsche Protestanten Berücksichtigung finden, in Wirklichkeit giebt es aber eine ganze Reihe von Kolonien, die aus lauter Katholiken bestehen. So giebt es zum Beispiel eine Kolonie in Larau von katholischen Westfalen, Die m Konflikt mit ihrem polnischen Erzbischof kam, weil er ihnen lernen deutschen Geistlichen geben wollte. (Hort! hort!) tens können wir die Einwanderung solcher zähen Westfalen, die energisch an ihrem Deutschthum festhalten, im Osten nur begrüßen, und c2 ist Angesickts Der wirklichen Sachlage durchaus unrichtig, wenn behauptet wird. Die Ansiedelungskommission entfaltet eme Protestant!sirende Thät,gleit. Wir sind der Ansicht, daß die Schaffung von Ansiedelungskommissionen in nationaler tote in sozialpolitischer Beziehung eine Nothwendigkeit war. Sie war nothwendig, um Den Zug Der Bevölkerung vom Osten nach Westen einigermaßen: zu Hemmern sowie ferner um eine bessere Verkeilung des Grundbesitzes herbeizuführen. Wer Die Augen nicht verbunden hat mit schwarzer Binde, kann nicht im Zweifel Darüber fern. Daß Die Tha- tiqfeit der AnsieDelungskommission eine außerordentlich segensreiche sei Wir sind auch Der Meinung, daß nach dieser Richtung noch eine größere Thätigkeit entfaltet werden kann und daß die hier begonnene großzügige Politik weiter ausgebaut werden mutz. Vor Allem aber mutz die Politik der Regierung stets konsequent sein. Der grötzte Fehler war Der, Datz sich in Der Polenpolnik Der letzten Jahrzehnte leider eine Inkonsequenz gezeigt hat. Ich freue Mich, beute der Hoffnung Ausdruck geben zu können. Datz Die Regierung an Der jetzt begonnenen Politik feftbalten toirD. Der Abg. Fürst Radziwill sprach von Der nationalen Würde der Polen. Demgegenüber erkläre ich, Datz auch meine Freunde es als eine Pflicht der nationalen Würde betrachten, bei ]eber Gelegenheit Die Regierung zu unterstützen, wenn es sich Darum handelt, die Unabhängigkeit der deutschen und preutzischen Gesetzgebung und Verwaltung zu wahren. Wir halten es ferner für unsere Pflicht, die deutschen Katholiken des Ostens gegen die polomstrende Thattg- kcii der polnischen Geistlichkeit zu schützen. Wir erfüllen Damit eine nationale Pflicht und werden darin nickt wanken. .(Beifall rechts und bei den Nat.-Lib.; Zischen bei den Polen.) -
Abg. vebebour (Soz.): Bülows Hauptsorge schien zu sein, datz unsere ramponirten Konsulatsschilder wieder neu lackirt würden. Die von einzelnen Radaubrüdern heruntergerissen wurden. Dann appellirte er wieder an Das Nationalgefuhl, ebenso wie Zolltarif. Er machte es ebenso, wie es Chamberlain macht, wenn von Irland oder Den Konzenttationslagcrn die Rede ist, der sagt dann immer, es geht das Auslaiid gar nichts an, was wir thun. um das Ausland handelt es sich gar nicht. Die Vorgänge im : land sind gleichgiltig, es handelt fick um die Vorgänge im Jn- , land, in Dreschen, die fast ebenso schlimm sind wie das Vorgehen ■ der Engländer in Südafrika. Graf Bülow sagte neulich, die Vor- i aussetzung einer gesunden Weltpolitik fei eine gesunde Heimaths- : politik. Aber ist es eine gesunde Heimathspolitik, wenn man syste- matisch die Polen unterdrückt? Der Grundsatz cujus regio ejus : lingua ist kulturmörderisch. Wenn Leute meinen, daß Christus polnisch gesprochen habe, so zeugt das nur von dem miserablen t Stand unserer Volksschule. Das gewaltsame Aufzwingen einer : fremden Sprache führt nur zur Volksverdummung und erregt Haß. Centrum und Polen machen leider nur In einer gewissen Feiertagsstimmung Front gegen die Regierung, bei dem Zolltarif sitzen sie einträglich mit der Mehrheit auf der Bank der Brodver-
wlcht Darauf nicht legen.
Nun gebe ick gern zu, daß auch mir die gemeinsame Bestrafung einer großen Zahl von Kindern an einem Tage nicht gefällt, ich stehe auf Dem Standpunkte, daß Prügelstrafe sofort nach dem Delikt vollstreckt werden mutz. Aber Herr Roeren hat bei aller Sicherheit des Vortrages in der Kenntniß der Thatsachen doch nicht die genügende Gründlichkeit an den Tag gelegt. Es ist erwiesen, datz em Lehrer auf der Straße und in der Schule durch polnische Rufe verhöhnt wurde, datz die Kinder, die im Religionsunterricht deutsch antworteten, von ihren Mitschülern geschlagen sind. (Abg. von Dzi em b owski:: Stimmt nicht!) Bitte, verehrter Gönner (Heiterkeit), das ist vor Gericht erwiesen. Wenn Sie es nicht wissen, so hören Sie Darüber ein Privatkolleg bei mir. (Heiterkeit.) Ferner hat sich ein Schüler geweigert, das Lied „Ick bin ein Preutze" zu fingen. Es ist also nicht beim passiven Widerstand geblieben, sondern es haben sich Zeichen der Widersetzlichkeit und des Trotzes geltend gemacht, und das konnte im Interesse der Aufrechterhaltung der Disziplin nicht geduldet werden. Nun ist es außerordentlich schwer, die Disziplin aufrecht zu erhalten. Der Lehrer hat nur zwei Mittel, Arrest und Prügel, und man hat durchaus keinen Grund, den Lehrern einen Vorwurf daraus zu machen, datz sie diese Mittel angewandt haben, zumal da sie, wie festgestellt ist. das Züchtigungsrecht nicht überschritten haben. Wenn es dann zu Bedrohungen Der Lehrer und zu Zusammenrottungen kam. Die als Landfriedensbruch angesehen wurden, so mußten die Schuldigen bestraft werden. Ich habe natürliche keine Veranlassung, über Die Höhe Der Strafe zu reden, aber das nehme ich für das Urtheil eines jeden preußischen Gerichtshofs in Anspruch, daß es zunächst als gerecht anzusehen ist und daß jeder Richter, Der Dabei mitgetoirh hat. Dies gethan hat im vollen Gefühl seiner Verantwortlichkeit und in vollem Streben, Das Beste zu wollen. (Zuruf Des Abg. Singer.) Wenn Sie sich an Derartigen Zwischenrufen amüsiren wollen, Herr Singer, so zeugt das nickt von Ihrem Geschmack, aber Sie werden mich dadurch in meinen Ausführungen nicht hindern und ich stelle Ihnen ganz anheim, ob Sie darin sortsahren wollen oder nicht. (Heiterkeit.) Wenn man diese unglücklichen Leute sieht, die so dumm sind, daß sie glauben, Jesus Christus habe nur polnisch gesprochen, die Der Meinung sind, auch der Papst spreche polnisch, obwohl er Das bekanntlich nicht kann (Heiterkeit), so ist es nur zu bedauern, daß cs gelungen ist, durch agitatorische Einflüsse oder sonfttge Mittel sie zu einer Derartigen renitenten Haltung zu bewegen, -oor Allem aber mutz man beDauern, daß diese armen Leute bestraft sind und nicht vielmehr Diejenigen, die sie dazu veranlaßt haben. (Sehr richtig! bei den Nat.-Lib.) Ich erinnere an Den Geistlichen Laskowski, Der in dem Augenblick, als die armen Kinder in ihrer Noth zu ihm kamen und ihn um Rath fragten, ihnen sagte: Ick gebe cuch keinen Rath, denn das konnte euch bei Dem Lehrer schaden. (Abg. von Dziembowski ruft: Sehr richtig!) Das ist gewiß sehr vorsichtig und auch für einen Rechtsanwalt vielleicht sehr richtig, aber für einen Seelsorger ist das nicht richtig weichende Antwort war ein schwerer Fehler. Wer die Verhaltniße objektiv beurtheilt, muß sich über die Auslassungen der polnischen Presse des Auslands wundern Ich erinnere an einen Artikel mit der Ueberschnft „Lumpenkerle", worin es beißt: „Sie haben eine arme, unglückliche, kranke Mutter zu 2¥2 Jahren Gefangniß verurtheilt, weil sie wie eine Löwin ihr Kind vor den preußischen Schinderknechten zu bewahren gesucht hat." Weiter heißt es: „Was gegenwärtig in Preußen geschieht, das übersteigt das Matz menschlicher Verirrung". Und Dann wird weiter gesprochen von Den „schmutzigsten menschlichen Trieben" und von der „Bestialität der menschlichen Natur". Der Lehrer wird als „Henkersknecht' und „roher Geselle" bezeichnet, der mit seiner bhitbefuDelten Hand in den Mund der polnischen Kinder fährt und ihnen Die Zunge heraus- ccitzt Aber wie haben Die Herren, Die eine solche Sprache führten. die Herrschaft ausgeübt, als sie Die Macht hatten? D,e Geschichte giebt Dafür genug Beispiele. Ich will Die Herren nicht verantwortlich machen für Die Vergangenheit, aber wir haben auch aus Der Geaenwart Beweise Dafür, wie Die Herren von Der polnischen Nationalität, wenn sie Die Macht haben, gegen ihre Gegner vorgehen Ich brauche nur Daran zu erinnern. Datz zwei Polen, von Badeni unD Frhr. von Abramowicz, in Oesterreich es gewesen sinD, Die Die Polizei in Den Reichsrath geführt und Die oppomrenDen Mitglieder mit Gewalt aus dem Saal haben herausschleppen laßen. Weiter brauchen wir uns nur Die jetzt in Galizien bestehenden Verhältnisse anzuschen, wo Der polnische Tbeil Der Bevölkerung über Den rutbenischeu herrscht. Wenn Der polnische Theil auch an Zahl schwächer ist, so liegt Doch Die ganze Macht in Der Hand Des polnischen Adels, Der Dort Das Regiment führt. Ich werde mich wohl ■ hüten. Die Vorwürfe, Die gegen Die Polen in Galizien erhoben sind. , mir zu eigen zu machen. Die schweren Vorwürfe über Die Besteck- ■ lichkeit Der Verwaltung kann ich nicht fontroltren, aber auch nach : anderer Richtung hin sind die schwersten Vorwurfe erhoben. Ich 1 will Darauf nicht eingeben, Denn einmal sind Diese Vorwurfe er- : hoben unter Dem Schutze Der parlamentarischen Unverantwortlich- • leit, so datz Die Bezichtigten nicht im Stande waren. Die Unnchtig- keii Der Beschuldigungen festzustellen, und zweitens haben wir ja an den Herren hier gesehen, datz sie wirklich sehr leicht geneigt sind, gläubig bereinzufallen auf irgend eine auffallende Thatsache oder sonstige Geschichte. (Lachen bei den Polen.) Sie.neigen sich immer nach dem Standpunkt zu. datz Alles, was in einem Briefe oder Blatte steht, wahr ist. Wohl aber bin ich berechtigt, auf Vorwürfe gegen Die polnische Regierung in Galizien einzugehen, welche erhoben sinD von Männern, Die mit ihrem Namen für Die Nichtigkeit einstehen. (Redner führt aus der „Nationalzeitung" aus dem kürzlich veröffentlichten Artikel über das terroristische Verhalten Der Polen in Galizien einige charakteristische Beispiele an.) Wo Die polnische Bevölkerung allein Das Heft in Der HanD hat, ubt sie ihre Macht rücksichtslos unD willkürlich aus zu Gunsten der herr- schenDen Klasse. Wie würDe sich wohl Die ruthenische Bevölkerung Galiziens freuen, wenn sich Dort Die herrschenden Klaßen em Muster nehmen wollten an der preußischen und deutschen Regierung! Wenn bei uns ein Landrath es wagt, einen Wahlaufruf zu unterschreiben, wird die Wahl für ungiltig erklärt (Widerspruch bei den Polen und den Sozialdemokraten), in Galizien aber werden rutbeniscke Kandidaten und Wähler sogar verhaftet und ins Gefängnis; geschickt oder in der Wahlbewegung erschossen Bei uns erheb: man ein kolossales Geschrei über Die Einführung Des deutschen Schulunterrichts, und in Galizien werden Deut j die Gymnasien einfach in polnische umgewandelt.
Dagegen hat Die preußifdie Regierung sich Der polnischen Unterthemen stets mit Der größten Fürsorge angenommen; Die Zahl Der Analphabeten ist auch in Posen stetig, bis auf em Minimum,
Polen.)
Abg. Dr. Sattler snat.-lib.): Zu meinem Bedauern hat Der Vorredner auch heute Angriffe gegen Den Wreschener Lehrer gerichtet. Ich beDaurc Das um so mehr, weil er bereits in Der Pro- zeßverhandlung als Vertheidiger Die persönliche Ehrenhaftigkeit dieses Herrn angegriffen hat und Damit zurückgewiesen wurde. Ich meine, man soll die Unverantwortlichkeit, Die Unmöglichkeit, zur Rechenschaft gezogen zu werden, nicht zu solcken persönlichen Angriffen benutzen. Dadurch, Herr Kollege, haben Sie nickst den Eindruck verstärkt, daß die Sacke, die Sie vertbeidigen, eine vollständig gerechte ist (Ob! Ob! bei den Polen und Sozialdemokraten); dadurch erwecken Sie den Anschein, datz Ihre Sache keine gute ist und Ihre Gründe nicht hinreickend find. Es ist seit langen Jahren Die Praxis Der Herren von Der polnischen Fraktion, Dinge. Die vor Das "Abgeordnetenhaus gehören, im Reichstag zur Sprache zu bringen, obwohl sie in der Lage wären, — namentlich mit Hilfe Der Unterstützung, Die ihnen von Seiten Des Centrums leider noch immer zu Theil wird — auch im preußischen Abgeordnetenhaus und ebenso im Herrenhause, dessen Mitglied Fürst Radziwill ist. Die Regierung zur Rechenschaft zu ziehen. Wir sinD nun immer Der Meinung gewesen, daß diese Taktik Der Polen dadurch veranlaßt ist, daß sie glauben, hier im Reichstage für ihre Kollegen eine bessere Resonnanz zu finden, hier eher Gehör zu finden für ihre Angriffe, für die Angriffe gegen die preußische Regierung, die nach unserer Ueberzeugung größten Theils unberechtigt sind. Daß diese Ver- muthung richtig ist, hat der Vorredner in einem Artikel des „Kurier Poznanski" selbst zugegeben, in dem er erzählte, der Larchtags- abgeordnete Sthchl habe ihm einst gesagt: „Bei Ihnen iin Reichstag spricht man anders: Sie haben ein dankbares Auditorium.' (Heiterkeit.,) Hier ist also offen ausgesprochen, daß Sie (zu Den Polen) diese Angelegenheiten deshalb hier zur Sprache bringen, weil Sie hier mehr Beifall zu erhalten hoffen. (Sehr richtig! bei den Polen. Abg. Singer (Soz.) ruft: (Selbstverständlich!) Diesem Verfahren gegenüber hat ja nun die Regierung schon zur Zeit des Fürsten Bismarck sich geweigert, an Erörterungen über solche preußischen Angelegenheiten im Reichstage theilzunehmen. Das ist ja auch der Grund gewesen, weshalb Die Herren von Der polnischen Fraktion solange mit Der Einbringung Der Interpellation gezögert haben. Ich war erstaunt. Daß eine solche Interpellation hier an Den Reichstag gelangte, aber ich bin nicht so unhöflich in meinem Urtheil gewesen, wie Die Protestversammlung Der Berliner Polen ,in Der Die Ginbringer Der Interpellation als feige Streber, Seifetreter unD Höflinge bezeichnet wurden (Heiterkeit), weil die Interpellation nicht energisch genug und weil man nicht schon früher vorgegangen fei. Ick mutz in dieser Beziehung die Herren von der polnischen Fraktion in Schutz nehmen (Erneute Heiterkeit), denn sie haben sich ja mit ihren staatsmännischen Freunden vom Gentrum wohl berathen, wie man die Interpellation einbringen müsse, um überhaupt eine Antwort vom Reichskanzler erzwingen zu können (Sehr gut!), und so bedurfte es einiger ^agc, bis mau das nöthige Mäntelchen im Gebiet der auswärtigen Politik gefunden hatte, um wenigstens einige Antwort zu erhalten. Aber das Mäntelchen ist recht Dünn gewesen, und so hat Denn die Form Der Interpellation keineswegs Anspruch auf unbcDir.gte Hochachtung. (Sehr richtig!) , x m
Auf Den zweiten Theil Der Interpellation konnte Der Reicks- kanzler nur Die Antwort geben, Die er zu meiner Freude mit voller Bestimmtheit ertheilt hat. Wenn es sich um innere Fragen handelt, um Fragen der Schule und Schulzucht, um Aufrechterhaltung Der Ordnung, der Autorität der Rechtsprechung, der Urtheile, welche preutzische Gerichte gefällt haben. Dann ist nur eine Antwort >m Sinne Derjenigen Des Reichskanzlers möglich, Daß in solche -tinge das deutsche Reich unD Der preußische Staat sich von keiner auv-, märtigeli Macht Drein rcDen lassen. Um auf solche Dinge eine Antwort zu erhalten, bcDurfte es nicht Der heißen Bemühungen, Die Interpellation zu Stande zu bringen. Ich habe mich gewundert .inwiefern die Vorgänge in Wreschen geeignet fein sollen, dem Ansehen des Reiches im Auslande Abbruch zu thun. Wenn cm Haufen zusammengerotteter Radaubrüder (Große Unruhe und Rufe: Na, na! Pfui! bei den Polen) — warten Sie doch ab, nur nicht so hitzig! (Heiterkeit.) Ick spreche von den Radaubrüdern in Lemberg und Krakau. (Heiterkeit.) Sie werden cs mir zugeben, datz ich berechtigt bin, diese Leute Radaubruder zu nennen. Das Fenstereinwerfen und Schilderzerstören mutz man als Radau bezeichnen, und wer daran theilnimmt, ist ein Radaubruder. (Heiterkeit.) Solcher Radau kann doch nickst das Ansehen des deutschen Reiches schädigen, sondern er kann nur nachtheilig fein für das Ansehen und Die Autorität der Regierung desjenigen Landes, wo solche Exzesse Vorkommen (Sehr richtig!), und es ist daher auch ganz natürlich, datz die betreffenden Regierungen selbst dieses Gefühl den Vertretern der deutschen Politik gegenüber zum Ausdruck gebracht haben. Herr Roeren hat mich mit feinen Anschauungen über diese Vorfälle nicht zu überzeugen vermockt. Ich habe es mit großer Freude gesehen, wie neulich Die Herren vom Zentrum sich Dagegen verwahrten, daß Dem AuslanDe ein Einfluß auf Die Deutsche Zollpolitik eingeräumt tocrDe; ick war Daher sehr überrascht, daß das Gentrum nicht auch in dieser Frage dem Auslände gegenüber den gleichen Standpunkt einnimmt. (Sehr gut!) Wenn das Ausland es wagt, sich tn innere Angelegenheiten des preußischen Staates zu mischen, so werden wir Der preußischen Re-


