Ausland.
Christiania, 9. Dez. Ter König verlieh dem Prinzen Heinrich von Preußen die Ordenskette zum Grvßkreuz des St. Olafordens.
Paris, 9. Dez. Tie Heereskommission des Senats hat die Beratung des Antrages Rolland betreffend die Einführung der zweijährigen Dienstzeit im Heere beendet und alte Artikel des Antrages angenommen.
Sofia, 9. Dez. Die Sobranje beginnt die Beratung über die Anleihe. Der Minister des Innern hebt hervor, daß durch die Anleihe die gesamte schwebende Schuld getilgt werde und überdies für das Land ein flüssiger Rest von 19 Millionen bleibe. Das Tabakmonopol verspreche eine Mehreinnahme von 7 Millionen, durch welche die Anleihe amortisiert werde. Der Ministerpräsident erklärt, durch die laufenden Einnahmen könnten die Schulden nicht gezahlt werden. Das Land sei dem Bankerott nahe und die Anleihe unerläßlich.
Hongkong, 9. Dez. Borgestern nahmen Seeräuber auf dem Westfluß bei Kumschuk ein Dampfboot weg, setzten über den Fluß, überfielen und plünderten ein Dorf unv fuyren sodann ans andere Ufer zurück, wo sie das Boot an Strand Letzten und dann verließen. Gestern nahm dieselbe Räuberbande das schnellste Boot weg, das auf dem Westfluß verkehrt und jetzt lauert sie einem Schiff auf, mit dem ein reicher Chinese von Kanton stromaufwärts reift
Newyork, 9. Dez. Dem „Newyork Herald" ist aus Buenos Ayres folgendes vom 8. ds. datierte Telegramm zugegangen: Die Argentinische Regierung erhielt gestern eine neue Note von Chile. Es wird darüber strenges Stillschweigen bewahrt, aber offenbar lautet die Note nicht günstig, da die Regierung nach ihrem Empfange den Kon- greß-Ansschnß für die auswärtigen Angelegenheiten ein- berief und die Äi>obilisierung der ersten und zweiten Flottenreserven anordnete. Es heißt, der Kongreß werde am Montag den Minister des Aeußern auffordern, sich über die Lage zu äußern.
Vom Burerrkriege
In unserer heutigen Morgenausgabe fanden unsere Leser eine Depesche aus Amsterdam, der zufolge die englische Regierung bereit sein soll, den Burenfrauen und -Kindern aus den Konzentrationslagern, die in Holland eine Zu- siuchtsstätte haben würden, die Freiheit zu gewähren. Jndeß befürchte die holländische Regierung, daß die Engländer nach Beendigung des Krieges sie nicht nach Afrika werden zurückkehren lassen. — Diese Nachricht scheint sich zu bestätigen. England scheint wirklich, wie jetzt aus Pretoria über London gemeldet wird, zu der Einsicht gekommen zu fein, daß „in Anbetracht der Verlängerung des Krieges" eine andere Verteilung der Flüchtlinge als in den Lagern ratsam sei. Die Regierung werde dem Parlament wichtige Vorschläge über die Aenderung des jetzigen Systems vorlegen. Ueber den Inhalt derselben werde noch Diskretion bewahrt, doch dürften sie dahin gehen, daß die Bewohner der Flüchtlingslager über die pazifizierten Distrikte zu verteilen seien. Die Regierung würde einige Zeit mit der Versorgung derselben fortfähren, was den Zivilbehörden übertragen würde.
Also nicht aus Humanitätßrücksichten, sondern aus rein -praktischen Erwägungen heraus will man dem Elend in den Konzentrationslagern ein Ende machen, um die aller ihrer Mittel beraubten unglücklichen Weiber und Kinder sich selber zu überlassen! Wenigstens muß man nach diesen vorsichtigen Andeutungen zu dieser Annahme kommen. Daß die englische Regierung über ihre Pläne „Diskretion" bewahrt, das ist auch nicht gerade dazu angethan, besonders erfreuliche Erwartungen daran zu knüpfen.
Die Amsterdamer sozialistische Zeitung „Het Volk" veröffentlicht eine Erklärung, wonach der Vorstand der Dockarbeiter in Anbetracht der ungenügenden Beteiligung des Auslandes und der unter den holländischen Arbeitern herrschenden Uneinigkeit beschlossen hat, die Bewegung für Die Boy kottierung der englischen Handelsschiffe einzustellen. Das ist schade!
Aus Stadt und Kau).
Nachrichten von allgemeinem Interesse fmb unä stets willkommen und werden angemessen honoriert.
Gießen, 10. Dezember 1901.
— Dir nationalfoziale Versammlung, in der Dr. Maurenbrecher das nationalfoziale Agrarprogramm entwickelte, hat
Kriefe aus der Residenz
(Originalbericht des „Gieß. Anz.")
(Nachdruck verboten.)
LI.
Professor Dr. Sauer über ,Must und soziale Dichtungen" in der Gesellschaft für ethische Kultur.
Der Sauer'sche Vortrag wird den Wissenden Anregung, den Wissensbeflissenen wertvolle Richtpunkte gebracht haben. Scharf und fest setzte die Abgrenznng zwischen den beiden Gebieten: „Mode und Kunst" ein. Diese beiden feindlichen Geschwister sind auf den Boden des öffentlichen Lebens gestellt, sind auf einander angewiesen und müssen sich deshalb bis zu einem gewissen Grade vertragen. Aber die Kraft drängt sich Niemanden auf, sie will das Leben nicht auf- putzen, kein geschwätziger Cicerone dem Menschen sein, sondern ein erfahrener Freund. Während die Mode dem Wechsel unterworfen ist, strebt die Kunst nach dem Dauernden. Während die eine sich auf der Oberfläche der Erscheinungen bewegt, sucht die andere in die Tiefe zu dringen. Während jene die Maffe zu gewinnen sucht, ist dieser es immer um den Beifall einer erlesenen Minorität zu thun. Während die eine die Revolution und die Ueberrumpelung des Geschmacks liebt, ist die andere in ihrem wahrsten Wesen konservativ. Die Mode verleugnet niemals ihren Charakter als echtes Weltkmd und die Thatsache, daß sie für den großen Markt produziert, wogegen die Kunst in ihren allerhöchsten Momenten auf ihren Schuld schreibt: Mein Reich ist nicht von dieser Welt."
Ein festes Gesetz ihrer Wechselbeziehungen läßt sich jedoch nur aufstellcn an solchen Erscheinungen, die abgeschlossen vor unseren Augen liegen. Deshalb führte der Redner seine Hör« zunächst in die antike Welt und zeigte durch Wort und
etnen Sturm im Wasserglase entfacht. Während im Reichstage die berufenen Vertreter des Volkes um die zukünftige Gestaltung der deutschen Zollpolitik raten und thaten, will bei uns der Kleinkrieg kein Ende nehmen. Jetzt beklagt man sich von nationalsozwler Seite aus bei uns über „Wortentziehung" und „Bevorzugung des agrarischen Gegners". Diese Klage ist nun u. E. ungerechtfertigt, denn wie der Vorsitzende des oberhess. landw. Provinzialvereins in der vergangenen Woche zweimal bei uns zu Worte gekommen ist, so sind die nationalsozialen Anschauungen während derselben Zeit ebenfalls zweimal im „Gieß. Anz." des Längeren dar- gelegt worden, einmal, was auf nationalsozialer Seite übersehen zu werden scheint, in dem sehr ausführlichen sachlichen Referat über den Vortrag Dr. Maurenbrechers — die in jener Versammlung erfolgte Entgegnung des Oekonomierats Schlenke konnte in diesem ungewöhnlich ausgedehnten Referat aus Raummangel nur in zwei Worten erwähnt werden — und alsdann durch Dr. Streckers Zuschrift. Als wir nun von besonderer, dritter Seite eine weitere Einsendung erhielten, glaubten wir, da diese Zuschrift keineswegs aus agrarisch interessierten, sondern städtischen, zudem sehr beachtlichen akademischen Kreisen kam, sie wenigstens teilweise wiedergeben zn sollen. Wir hätten selbstverständlich das Nämliche gethan, hätte ein Landwirt nationalfoziale Ansichten in einer Zuschrift an uns bekundet. Wir wollen heute den wesentlichen Inhalt einer uns von nationalsozialer Seite zugehenden Posckarte hier wiedergeben, um eine gegenseitige Dreieinigkeit herzustellen, und damit unsererseits definitiv die Debatte schließen, mit der wir. schon allzu lange unsere Leser aufgehalten haben. Der Nationalsoziale schreibt uns aus Hungen:
„. Dahei erledigt sich die ganze Erwiderung durch die eine kleine Bemerkung, daß nationalbkonomische Werte nie absolute, sondern nur relative sind. Ebenso rote diesen Kapitalsatz scheint der Einsender auch den Ursprung des „perfiden" Wortes „Brotwucher" nicht zu kennen, welches bekanntlich vom Kaiser selbst herrührt."
* • Für die Sitzungen der Schöffengerichts Gießen im Jahre 1902 gestern wurden folgende Hauptschöffen ausgelost: Heinrich Reidel, Landwirt in Wieseck, Georg Stein, Landwirt in Beuern, Ludwig Schaum, Bürgermeister in Klein-Linden, Kaspar Rabenau II., Landwirt in Alten-Buseck, Ludwig Schäfer VI., Landwirt in Albach, Johs. Münch, Landwirt in Burkhardsfelden, Friedr. Noll, Hofbäcker in Gießen, Ludw. Roth II., Färber in Großen-Linden, August Michel, Rentier in Gießen, Karl Mayer, Postsekretär i. P. in Gießen, Friedr. Schwalb, Landwirt in Alten-Buseck, Jakob Maid, Land- roirt in Watzenborn, Peter Stein, Bürgermeister in Climbach, Adolf Marx, Verwalter i. P. in Gießen, Karl Braunwarth, Kaufmann in Allendorf a. d. L., Ludw. Lotz, Gerber in Gießen, Wilhelm Hartmann II., Landwirt in Heuchelheim, Heinrich Jung II., Landwirt in Wieseck, Kurt v. Münchow, Privatier in Gießen, Heinr. Ludw. Mylius, Fabrikant in Gießen, Konr. Schneidmüller, Landwirt in Leihgestern, Ludw. Schneider, Landwirt in Steinbach, Johannes Weller VIIL, Landwirt in Wieseck, Ludw. Schön, Landwirt in Staufenberg, Ludw. Wagner II., Mehlhändler in Großen- Linden, Joh. Weigel II.,Landwirtin Garbenteich, Herm. Steinecke, Direktor in Lollar, Heinrich Wagner XIV. Landwirt in Großen-Buseck, Hermann Eichenauer, Fabrikant in Gießen, Prof. Dr. Eugen Netto in Gießen, Friedrich Amend I., Landwirt in Allendorf a. d. Lahn, Philipp Launspach XIII., Schmied in Reiskirchen, Konrad Karl Velten, Landwirt in Langgöns, Peter Damm, Landwirt in Leihgestern, Heinrich Balser, Landwirt in Annerod, Karl Hämmerle, Landwirt in Daubringen.
* * S u g g ast i o n. Die gestern abend von dem Suggestor Alb. Krause im Cafe Leib veranstaltete Suggestionsvor- stellung hatte sich leider keines besonders zahlreichen Besuches zu erfreuen, was zu bedauern ist, da die von Herrn Krause mit Herren aus dem Zuschauerraum vorgenommenen Versuche durchweg als gelungen bezeichnet werden müssen. Dem Schreiber dieser Zeilen, der des öfteren Gelegenheit hatte, Vorstellungen im Hypnotismus sich anzusehen, fiel einerseits die Exaktheit und Bereitwilligkeit auf, mit der die Versuchspersonen den Befehlen des Suggestors folgten, und andererseits die Thatsache, daß die Medien, wenn man sie so nennen kann, nachträglich nicht die geringste Erschöpfung zeigten. Wenn Herr Krause freilich seine Einwirkung auf die Medien als „reine Suggestion", eine Schwester- erscheinung der Hypnose, bezeichnet, so hatte der Zuschauer doch demgegenüber den Eindruck, als ob auch diese sog.
Lichtbild, wie die Mode zu allen Zeiten die unzertrennliche und oft recht störende ^Begleiterin der Kunst gewesen ist, daß wir an Menschen- wie Götterstatuen sehen können, wie oft auch die Künstler der klassischen Zeit durch den Modezwang genötigt worden sind, Frisuren und Trachten für ihre Modelle zu nehmen, welche sie aus eigenem Geschmack heraus nie gewählt haben würden. (Das Bild eines Stutzers, deffen Kopf die ägyptisierende Mode zeigt, steife Togagestalten aus der Ptolomäerzeit, die weibische Haartracht eines Eros, der alexandrinisch zugerichtete Zeuskopf lieferten schlagende Beispiele für das gesprochene Wort.) Große Wendepunkte in der nationalen Geschichte führen auch oftmals zu einem neuen Frühling in der Kunst, der zur Folge hat, daß man die Modetraditionen energisch abschüttelt. So war es nach den Perserkriegen, als man in Griechenland die halb asiatische, jonische Kleidertracht aus dem Lande jagte und statt ihrer jene ideale Gewandung aufkam, welche wir an den Parthenon- skulpturen und an den Gebälkträgerinnen des Erechtheion bewundern. Lehrreich für die Fälle, wo eine leere Mode von künstlerischem Geiste ergriffen und dem entsprechend umgeslaltet wird, sind die häßlichen ägyptischen Mumien- kästen, die auf einmal in die griechisch-römische Welt ein- drangen, dort aber sehr bald zu edlen Sarkophagformen umgewandelt wurden. Der Mode des Archaisierens, des bewußten altertümelnden Verfahrens, widmete Pro- feffor Sommer auch eine belehrende Betrachtung. Mit Recht unterscheidet er beim Archaisieren zmei Methoden. Die eine greift auf eine verflossene Stilperiode auf die noch un- behilfliche Formensprache einer früheren Zeit zurück, aus einem Gefühl des Ueberdrusses, der Müdigkeit; sie hat alles durchprobiert und will es nun der Abwechselung halber auch einmal mit dem ganzen Alten versuchen. An solchen Versuchen ist die. Zeit reich. Ao andere Methode steht auf
reine Suggestion nichts anderes als der bekannte hypnotische Zustand ist, der dann dazu benutzt wird, auf das Medium den eigenen Willen und die eigenen Gedanken zu übertragen. Nur gelingt es Herrn Krause, diesen Dämmerzustand ge- wissermaßen durch Ueberrumpelung bei den Medien wieder- holt, auch nachdem sie sich bereits wieder int wachen Zustande befanden, von neuem hervorzurufen. Die Willens- Übertragung aber, das seelische „Eins" zwischen Medium und Sugge>vor trat überall in der stärksten Form hervor. Und nicht zum wenigsten muß anerkannt werden, daß der Suggestor seine Medien nur solche Experimente aufführen ließ, die dem Zuschauer nicht Beklemmungen, Gefühle des Bangens vor diesem unserer Wissenschaft noch unbekannten und deshalb etwas unheimlichen Gebiete des Seelenlebens verursachten, wie das sonst bei hypnotischen Vorstellungen zu geschehen pflegt. — Herr Krause wird auf vielfachen Wunsch am Donnerstag nochmals im Cafe Leib eine Vorstellung geben.
* * Jubiläum. In unserer gestrigen Notiz über das 25 jährige Dienstjubiläum des bei der Firma Adolf Lyncker hier beschäftigten Speditions-Arbeiters Heinrich Opper hat sich insofern ein Irrtum eingeschlichen, als nicht die Familienangehörigen des Jubilars, sondern Spediteur Lyncker mit seiner Familie an dem zu Ehren des Gefeierten veranstalteten kleinen Festmahl teÜnahm.
* * Schnee stürme. Aus dem Nordwesten Europas wird von Schneestürmen gemeldet, die in den letzten Tagen, besonders gestern, gewütet haben. Ueber Gießen ging gestern abend gegen 8 Uhr ein Hagelschauer nieder, der aber schon nach kurzer Zeit wieder nachließ.
* * Verhaftungen. Vorgestern nachmittag wurde das Dienstmädchen eines hiesigen Kaufmanns verhaftet, das diesem Waren und seinem Dienstpersonal Geld gestohlen hat — Ferner wurde ein Dienstmädchen von Gleiberg heute nacht wegen Obdachlosigkeit verhaftet.
* * Einbruch. In einer Wirtschaft an der Rodheimer- straße wurde in der Nacht vom Samstag aus Sonntag eingebrochen. Zwei Paar Zugstiefel fielen den Dieben in die Hände. Auch den Inhalt einer Waisenbüchse, die sie mit Gewalt öffneten, nahmen sie mit.
1. Lollar, 9. Dez. Am Sonntagabend geriet in einer Wirtschaft ein angetrunkener Gast mit anderen friedlich dasitzenden Gästen in Streit. Zornig verließ er die Stube, zog auf der Straße ein Messer und stach ohne jeglichen Grund einem jungen Menschen, der gar nicht am Streite beteiligt gewesen sein soll, in die Brust. Die Verletzung des jungen Mannes soll nicht ungefährlich sein.
Mainz, 9. Dez. Bei der Stadtverordneten- wähl siegten die vereinigten Parteien (Demokraten, Freisinnige, Sozialdemokraten und Nationalliberale) mit 5636 glatten Zetteln (gestrichene 645) gegen das Z en tr um mit 1365 glatten und 923 gestrichenen Stimmzetteln. Die Wahlbeteiligung betrug 67 Proz. Tas Stadt- verordnetenkollegium besteht nach dem Ausfall dieser Wahl für die Folge aus 6 Sozialdemokraten, 8 Demokraten, 9 Deutschfreisinnigen, 10 Nationalliberalen und 5 Mitgliedern der Zentrumspartei, sowie 2 Mitgliedern, die keiner Partei angehören. — Ein hiesiger Einwohner hat wegen einer in der letzten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung ge- thanen Aeußerung Strafantrag wegen Beleidigung gegen einen Stadtverordneten gestellt. Das ist der erste Fall dieser Art, der sich seit Einführung der öffentlichen Stadtverordnetensitzungen ereignet hat.
b. Mainz, 9. Dez. Trotzdem seit der großen Offenbacher Eisenbahn katastrop he am 8. November 1900 schon 13 Monate verstrichen sind, schweben über die von der Bahnverwaltung an die bei dem Unglück in Mitleidenschaft Gezogenen zu leistenden Entschädigungen noch immer Prozesse. So liegt gegenwärtig dem Reichsgericht eine Klage zur Entscheidung vor, die von den Hinterbliebenen der bei der Katastrophe ums Leben gekommenen Frau Direktor Hoffmann von hier gegen die Eisenbahndirektion Frankfurt angestrengt worden ist. Außer demErsatz des baren Geldes und der Wertgegenstände, die Frau H. bei sich führte, weigerte sich die Bahnverwaltung anfänglich, eine Entschädigung zu leisten. Das Gericht sprach den beiden minderjährigen Kindern der Frau H. eine Entschädigung von 20000 Mark zu. Mit dieser erstrichterlichen Entscheidung gaben sich weder die Eisenbahnverwaltung noch die Hinterlassenen der Frau Direktor Hofsmann zufrieden, sondern appellierten an das Reichsgericht.
M. Marburg, 9. Dez. Ter bei Arbeiten tu einem Brunnen im Dorfe W e l l m a r verschüttete Arbeiter Koch wurde, nachdem Bergarbeiter aus Laisa einen Nebenschacht zu ihm gegraben hatten, tot aufgefunden. Koch war 35 Jahre alt und hinterläßt eine Frau und 3 Kinder.
fe. Fr a n k fu r t a. M., 9. Dez. Ter Gr o ß h e r z o g von
einem höheren Mveau, sie wird gewöhnlich geleitet von bei Annahme, daß die Kunst sich in falschen Bahnen bewege, gleichsam die Richtung verloren hätte, und daß man wieder den Weg zum Ausgangspunkt zurückgehen müsse, um das reine Ideal zu erfassen. Das ist die Art der Praerafatzlisten Nachdem der Redner die große Stilmuslerkarte gestreift, die wir im 19. Jahrhundert an uns vorüberziehen sahen, vom Empire bis zur deutschen Renaissance, wandte er sich der unmittelbaren Gegenwart zu, in welcher der Mode vielleicht die wertvolle Aufgabe zugefallen ist, durch ihre revolutionäre, dem Neuen zustrebende Tendenz, die Massen auf einen neuen echten Kunststil vorzubercitcn. Fin de siecle-Stil, Jugendstil sind schon etwas mehr als Modebegriffe.
Die Ausstellung auf der Mathildcnhöhe will Prof. Sauer als eine wertvolle Anweisung auf die Zukunft betrachtet wissen. Die Zeit sei vorbei, da der Kunstgelehrte von vornherein Mißtrauen gegen das Neue empfand. Die Grundbedingmigen für die Fortschritte in der Kunst unserer Tage sind, daß erstens das Publikum Vertrauen zu feinen Künstlern habe und zweitens daß diese der Mode ein berechtigtes Mißtrauen entgegenbringen.
Ein ganz ausgezeichnetes Programm hatte sich die hiesige Abteilung für „Ethische Kultur" für ihren zweiten Volksabend gewählt: einen Cyclus sozialer Dichtungen, vorgetragen von einem Berufsdektamator, dem Herrn Schau« spielregisseur Wolfgang Quincke aus Frankfurt a. M. Auf dem Programm standen nur solche Dichtungen, denen poetischer Wert sich glänzend neben ihrem ethischen behauptet, wie Theodor Storms Weihnachtsabend, Anzengruber, „Die Näherin", „Das neue Jahrhundert" von Adolf Friedr. Graf v. Schaik, das s. Z. epochemachende „Lied vom Hemd" von Rod. Burns u. dgl. s<


