Ausgabe 
11.10.1901 Drittes Blatt
 
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Nr. 239 Erstes Blatt.

151. Jahrgang.

Freitag 11. Oktober 1901

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Vom Berliner Franenkongretz.

Ein Teilnehmer an dem letzten Berliner fortschrittlichen Frauenkongreß sendet derRh. W. Ztg." folgende ftritiE: Fensterputzer, Milchhändler, Gipsfigurenverkäufer, Skat­brüder, Kegelbrüder, Jmpfgegner und ehemalige Pockenkranke alle müssen sie jetzt ihren Kongreß haben. Was wird auf diesen Kongressen nicht alles geredet und beschlossen, wie viel geharnischte Resolutionen werden immer einstimmig angenommen, mit welcher Wichtigkeit werden die Ver­handlungen nach allen parlamentarischen Vorschriften ge­leitet, wie gewissenhaft wird das Protokoll geführt und abgestimmt! Dann gehen sie im Bewußtsein des voll­brachten Werkes nach Hause, und alles bleibt, wie -es war

Wissenschaftliche Kongresse haben ihre volle Berechtig­ung, sie sind eine wertvolle Errungenschaft unseres modernen Lebens, aber auf dem Gebiet der politischen und sozialen Kongresse herrscht entschieden eine ungesunde Ueberproduktion. Es hagelt nur so Beschlüsse, Leitsätze, und Resolutionen auf die Staatsbehörden herab, und die natürliche Folae ist, daß bei dem übergroßen Angebot der Wert dieser Ware ganz erheblich gesunken ift Es finden sich ganz vernünftige Vorschläge darunter, aber sie ver­puffen wie Platzpatronen. Durch Kongreßbeschlüsse lockt man keinen Hund hinterm Ofen hervor, und durch Re­solutionen hält man den Lauf der Geschichte nicht auf. Das ist oft genug auch das Schicksal von Kongressen gewesen, die von Fürsten und Kaisern einberufen wurden, von Männern also, die über die Macht verfügen, ihren Beschlüssen auch Nachdruck zu geben. Was ist von dem Arbeiterschuykongreß übrig geblieben, den Kaiser Wilhelm im Jahre 1890 ein­berief, ivas von dem Haager Friedens- und Abrüstungs- kongrcß des Zaren Nikolaus! Was wird hernach von dem Kongreß übrig bleiben, den Frau Minna Eauer einberief, die doch über keine Kosaken und pommerfche Grenadiere verfügt!

Nachdem man sie aus dem Reichstag hinausgearault! hatte, haben sich die fortschrittlichen Frauen in der Beuth- straße niederaelassen. Hier haben die Damen unter Obhut; der Polizei, der sie so gerne entronnen wären, nach Her-i zenslust geredet, und scheffelweise Beschlüsse gefaßt, die; allein durch ihren Reichtum an Worten schon ihren Ur-- sprung verraten. Wehe der Welt, wenn sie alles essen, müßte, was in der Beuthstraße gekocht würde! Aber di-, plomatisch ist man zu Werke gegangen, die meisten Red­nerinnen hüteten sich wohl, zu radikale Forderungen auf-! zustellen, um es den Spöttern und Harmlosen nicht zu; leicht zu machen, die immer noch der veralteten Ansit^ sind, daß Kindererziehung die vornehmste Aufgabe der Frau ist. Auch, hiervon war freilich die Rede, aber nur ganz schüchtern und nebenbei, als ob es sich um einen Neben- beruf, ein notwendiges Uebel oder eine Beschäftigung in; Mußestunden handelte. In der Resolution nämlich, die in, Anknüpfung an den Vortrag von Fräulein Dr. Helene; Stöcker über die gemeinschaftliche Erziehung der Ge­schlechter gefaßt wurde, lautet der vierte und letzte Punkt:, Durch die gründlichere Bildung der Frauen hoffen wir; auch, diese zu ihrem Mütterlichen Beruf tüchtiger zu machen"!

Das ist grundfalsch- und eine solche Hoffnung läuft; allen Gesetzen der Erfahrung schnurstracks zuwider. Nicht- die mit Wissen und Kenntnissen vollgestopfte Frau ist die, beste Mutter und Erzieherin ihrer Kinder, sondern die durch Tiefe des Gemütes und Genialität des Herzens ihre, Schwestern überragende Frau. Es gab und giebt biete gelehrte, kluge und hochgebildete Frauen, die über einen höheren Intellekt verfügen als manch>er Mann in einfluß-; reicher Stellung, aber nie hat man davon gehört, daß, diese Frauen geniale Söhne in die Welt gesetzt hätten,; Führer ihres Volkes auf dem Gebiete der Kunst, der Wissen- schäft, der Politik, vielmehr steht fest, daß in den weitaus, überwiegenden Fällen die Mütter hervorragender Männer schlichte Frauen waren, zwar mit kerngesundem Verstand- aber abgewandt allem Ehrgeiz als sogenannte geistreiche, Frauen zu gelten. Daran werden die Beschlüsse der fort-! schrittlichen Frauen nichts ändern, denn ein altes römisches; Sprichwort sagt: Treibe die Natur mit der Heugabel aus,! sie kommt doch wieder; dabei haben diese fortschrittlichen! Frauen gar nicht einmal die Heugabel zur Verfügung, UM> ihre Beschlüsse in die That umzusetzen.

Was mit Recht als der vernünftige Kern der Frauen-- bewegung gilt, ist bekannt: alleinstehende Frauen, bie; auf die Ehe aus den oder den Gründen verzichten müssen,, sollen in den Stand gesetzt werden, sich eigenen würdigen Erwerb zu verschaffen und sich wirtschaftlich unabhängig zu machen. Die Berufszweige, die sich hierzu eignen, sind- unzählig, und die meisten haben sich den Frauen geöffnet ohne ihr Gebet. Tausende von Frauen und Mädchen fmben z- B. Beschäftigung und Verdienst auf den Telephon- und, Telegraphenämtern. Ohne daß es einer Resolution oder Petition bedurft hätte, hat sich dieser Berufszweig den Frauen geöffnet, weit ohne weiteres klar war, daß die leichte Hantierung von Frauenhänden bequem wahrgenom­men werden kann. Ueberalt wo leichte Hantierung und manuelle Geschicklichkeit in Frage kommen, sind Frauen-, Hände beschäftigt, wobei sich freilich herausstellt, daß für die Zweige des betreffenden Berufs, die schnelles Dis­ponieren erfordern, die Frauenarbeit nicht immer so zu-, verlässig ist- wie die Männerarbeit. Ueberall auch da wird die Frau und das' Mädchen an erster Stelle bev rufen, wo die natürliche Bestimmung des Weibes, wo Kinderwartung,. Erziehung in Schulen, Kranken- und Waisenhäusern in Frage kommen. Hier kann in der That noch sehr viel zu Gunsten der Frauen geschehen, wie der Kongreß mit Recht hervorgehoben hat.

Was aber die Frauenbewegung von ihrer gesunden Bahn abgelenkt und sie in ein vollkommen falsches Geteffe gedrängt hat, ist kurz folgendes. Tie Führerinnen der Bewegung, Frauen wie Lina Morgenstern, Minna Eauer, Anita Augspurg und wie sie sonst heißen mögen, stehen in Bezug auf Verstandesentwickelung und Urteilskraft weit über dem Durchschnitt des weiblichen Geschlechts, sie stecken sich; ihre Ziele und erreichen sie, übersehen aber, daß die große Masse der Frauen diesem Fluge niemals zu folgen vermag und glauben, weil sie sich selbst zu höheren Zielen" berufen fühlen, die gleiche Spannkraft wohne in allen Frauen, sie müsse nur gepflegt und ent-i wickelt werden. Thatsächlich ist das nicht der Fall. Diese Ueberweiber bilden eben nicht das 92ormate, sondern die Ausnahme, sie sind ein Naturspiel, sie müßten eigentlich Hosen anziehen, so gut wie es Männer giebt, die ihrer ganzen Veranlagung nach sich im Unterrock besser ausnehmen würden als in zwiespältiger Tracht- So wenig es aber den Männern einfällt, ihr Thun und Treiben nach dem Geschmack von Gigerln einzurichten, so wenig wird die große Masse der Frauen sich je zu den Grundsätzen der Ueberweiber be­kennen. Diese Art von Frauen zeichnen sich oft genug! schon äußerlich durch das Fehlen körperlicher Reize aus^ und sie bekunden damit den Willen der Natur, die ihnen den Stempel mit der Aufschrift aufdrückte:Diese Exern-, plare sind nicht für die Fortpflanzung bestimmt". Zumeist fühlen sie denn auch für die Ehe weder Beruf noch Nchgung> gehen sie dennoch eine Ehe ein, so werden' sie gewiß alles sehr rationell ansassen, sie werden, wenn sie lebens-, und entwickelungsfähige Kinder bekommen was durchs aus nicht immer der Fall ist ihre Kinder nach dem ausgeklügelsten Systeme mit der besten, nach der neuesten Methode sterilisierten Kuhmilch ernähren und sie später wohl an der Hand ihrer eigenen pädagogischen Werte erziehen- aber es wird ihnen an jenem Jmponderabile des Werbes fehlen, an jenem göttlichen Hauch, der von der echten Fran auf h as Kind übergeht und unter dessen wärmenden Strah­len allein Männer mit genialer Kraft herangewachsen such wie Goethe und Bismarck. Von solchen Männern können

dieser Straße vermieden werden müsse. In erster Reihe, ja fast ausschließlich habe den Monarchen dabei der Gedanke geleitet, welche Gefahren es doch in sich berge, durch den gerade hier so stark flutenden Menschenverkehr die elektri­schen Wagen gehen zu lassen. Zumal an schönen Sommer­tagen und nun erst ganz besonders an den vom Wetter be­günstigten Sonntagen würde die Gefahr doch immer ob­walten, Leben und Ge undheit der Passanten zu bedrohen. Er. habe die Empfindung gehabt, daß er, der Kaiser, gleichsam für die an dieser Stelle dann entstehenden Un­glücksfälle mit die Verantwortung zu tragen hätte. Die Beseitigung der Schwierigkeit nun erblicke er in der An­bringung von Lifts. Die technischen Schwierigkeiten, die an die Unterführung der Trace sich knüpften, würden schon, daran zweifle er feinen Augenblick, unsere Techniker und Ingenieure in bester Weise zu überwinden wissen.

Das Gespräch wandte sich nunmehr, so wird weiter erzählt, dem Märchenbrunnen zu Der Kaiser schickte voraus, daß ihm der Gedanke ganz ausgezeichnet gefallen habe. Was er an dem Entwurf der Abänderung für wert erachte, fei ihm von der Ueberzeugung diktiert, daß man diese Gestalten der Sage und des Märchens den Kindern näher bringen müsse. 'Die Kinder müßten unmittelbar an- diese Märchenerscheinungen herantreten können, dann wür­den die Gestalten auch unmittelbar zu ihren Herzen sprechen können. Um aber dies zu erreichen, sei seines Erachtens eine Auslösung der Anlage in einzelne Gruppen erforderlich

Stadtbaurat Hoffmann nahm hierauf Gelegenheit, darauf hinzuweifen, wie es sich am Friedrichshain um ein großes Gelände handle. Dieses sollte architektonisch aus- geschmückt werden, und dazu habe es feiner Meinung nach einer groß gehaltenen Anlage bedurft. Der Kaiser räumte ein, daß eine ausgedehnte architektonische Schöpfung hier wohl am Platze sei, gab aber zugleich seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß sich dennoch eine reichere Gliederung der Gruppenanlage in einzelne in sich geschlossene Gruppen er­möglichen lassen werde.

Es kam nunmehr das Projekt der Lindenumge­staltung zur Sprache. Der Ausschuß sollte die Linden- Allee in ihrer historischen Form und Gestalt erhalten. Ter Kaiser aber hatte sich für ein Projekt entschieden, das zwar die Straßenanlage in dem gleichen Rahmen läßt, aber die beiden Trottoirs mit Bäumen ebenfalls besetzt. Auf diesen von ihm genehmigten Entwurf kam der Kaiser zurück. Er suchte die Bedenken zu zerstreuen, die sich gegen diese Baumanpflanzungen geltend gemacht hatten. In erster Reihe waren es die Ladeninhaber, die für die Wirkung ihrer Schaufenster fürchteten, wenn sie von den Bäumen vielleicht verdeckt würden. Demgegenüber betonte der Monarch- daß die Geschäftsinhaber vielleicht froh ge­wesen wären, wenn die Bäume schon in diesem Sommer ihre Schatten gespendet hätten. Denn es förnte darüber kein Zweifel bestehen, daß der Verkehr auf einer im Schatten liegenden Straße zur Sommerszeit viel angenehmer sich gestalte und deshalb auch wohl zahlreicher sei. Zum Schluß meinte der Kaiser, daß er bezüglich; der Durchführung seines Lindenprojektses ja abwarten könne".

Nach der Tafel, zu der, wie mitgeteilt, die beiden Herren hinzugezogen waren, hatte sich der Kaiser zurück­gezogen. Als dann aber Oberbürgermeister Kirschner und Stadtbaurat Hoffmann sich zur Abfahrt nach Berlin rüsteten, empfing der Kaiser sie noch einmal und verabschiedete die Herren in derselben gnädigen Weise, wie er den ganzen Empfang ausgezeichnet hatte.

Von magistratsoffiziöser Seite wird diese letztere Ver­sion bestätigt und versichert, daß nur die drei darin er­wähnten Themata zur Sprache gekommen seien. Demnach also wäre die Kauffmann-Angelegenheit nicht behandelt worden. Borläuftg aber wird man doch die nächste öffent­liche Sitzung der Berliner Stadtverordneten abzuwarten haben.

Kirschner und Koffmaon veim Kaiser.

Ter Oberbürgermeister von Berlin ist vom Kaiser in Hubertussyock empfangen worden. Kirschner hatte nicht ein wiederholtes Gesuch um eine Audienz eingereicht. Ter Herr­scher selbst trug das Verlangen, sich mit dem Oberhaupt der Residenzstadt ins Einvernehmen zu setzeu Daß es sich dabei um die Baupläne der Stadtverwaltung handelt, er- giebt der Umstand, daß zugleich mit dem Oberbürgermeister auch der Stadtbaurat Hoffmann durch Herrn v. Lucanus zum Kaiser beschieden war. Sie wurden, wie wir gestern bereit» meldeten, in Hubertusstock sehr freundlich auf ge­nommen und zur Tafel gezogen.

Ueblw den Inhalt und das Ergebnis der Unterhalt­ungen wird der Oberbürgermeister voraussichtlich den städti­schen Behörden Mittellung urachen. Es wurde gestern bereits Versichert, der Kaiser habe sich über die Märchenbrunnen, die Straßenbahn, die Brücke im Zuge der Manteuffelstraße ausgesprochen, und auch dem Oberbürgermeister Gelegen­heit gegeben, sich über die Wiederwahl des Stadt­rats Kauffmann zum Bürgermeister zu äußern. Was daran wahr ist, weih man noch nicht. Mer die Mög­lichkeit ist nicht zu bestreiten, daß Kirschner warm und beredt für die Bestätigung Kauffmanns eingetreten wäre, und es rst ebenso wenig die Möglichkett ausgeschlossen, daß die Fürsprache des Oberbürgermeisters auf das Vertrauen, daß er in der Bürgerschaft geniest, Eindimck auf den Träger der Krone machte.

Es könnte sein, daß der Kaiser dann auf die militärische Vergangenheit Kauffmanns hinwies. Er habe sich die Pro­zeßakten kommen lassen und daraus ersehen, daß das Ehrengericht schlichten Abschied beantragt hatte. Er glaube sich der Sache selbst dunkel zu erinnern, da er dazumal, wenn er nicht irre, Kommandeur des ersten Garderegiments gewesen sei, zu dessen Reserveoffizieren Kauffmann gehörte. Es sei ausgesagt lvorden, daß Kauffmann sehr radikale Reden gehalten habe, daß unter seinem Vorsitz auch eine FlugschriftSchwarz-Rot-Gold", die ihm ganz und gar nicht gefalle, verkauft worden sei; sie befinde sich bei ben Militär­akten. Das seien doch bedenkliche AntezÄrentien eines Bürgermeisters der Reichshauptstadt.

Vielleicht bat der Ober bürgermeister in aller Chrerbiet- ttng um die Erlaubnis, bemerken zu bürfen, daß Kauff­mann dazumal zwanzig Jahre jünger war, eben erst Rechts­anwalt geworden, daß er eben erst ins politische Leben ein« trat, als sich feine Angriffe hauptsächlich gegen Stöcker richteten, daß die Berichte über seine Reden auf unzuver­lässigen Aufzeichnungen untergeordneter Polizeibeamter be­ruhten, daß Kauffmann die Flugschriften des Vereins, dessen Vorsitzender er wurde, ohne längere Zeit sein Mit­glied gewesen zu sein, schwerlich gelesen hatte, und daß überdies Kaiser Wilhelm I. das Urteil des Ehrengerichts als unbillig kassiert hat.Kauffmann ist als würdig be- fttnden worden, Stadtrat zu sein; er würde auch ein würdiger Bürgermeister von Berlin sein, wenn Ew. Majestät geruhen Wollten, die Bestätigung auszusprechen."

Daß sich eine solche Szene in Hubertusstsock abgespielt hat, wird nur vermutet, und behauptet, daß der Kaiser erwidert hätte:Ich werde mir die Wahlakten kommen lassen und die Sache noch einmal prüfen." Dann wäre also diese Angelegenheit in der Schwebe und bliebe es so lange, bis die Krone nach der einen oder der anderen Seite chre Entschließung getroffen und sie amtlich zur Kenntnis der städtischen Behörden gebracht hat.

Inzwischen hat die Mehrzahl der Berliner Stadtver­ordneten die Angelegenheit des Stadtrats Kaufftnann in den Fraktionssitzungen erörtert. In den beiden Fraktionen der Linken war man übereinstimmend der Ansicht, daß der Oberpräsident sich in einem Rechtsirrtum befunden habe, als er dem Magistrat mittellte, er sei nicht in der Lage, die zweite Wahl Kauffmanns nochmals zur Bestätigung vorzulegen. Sowohl die alte, wie die neue Fraktion der Linken stehen auf dem rechtlichen Standpunkte, daß allein der Krone das Recht der Entscheidung zustehe. Tie Majorität der neuen Fraktion der Linken war der Meinung, daß zur Wahrung der prinzipiellen Rechte der Beschwerdeweg zu ergreifen sei, obgleich man sich dar­über klar war, daß an der Sache selbst dadurch nichts ge­ändert würde. Tie alte Fraktion nahm eine abwartende Stellung ein; sie erkennt die Wahl Kauffmanns als zu Recht bestehend an und ist einstimmig der Ansicht, daß, bevor zu einer neuen Wahl geschritten werden könne, erst das Votum des Königs ergangen sein müsse. Tis dahin sei man überhaupt nicht berechtigt, irgend welche Schritte zu thun. Daß die Regierung berechtigt ish, die Stelle des zweiten Bürgermeisters einstweilen auf Kosten der Stadt kommissarisch verwalten zu lassen, wurde von keiner Seite bestritten. Nach langen und! eingehenden Erörterungen wurde in beiden Fraktionen der Linken beschlossen, im Plenum für die Konstituierung eines Ausschusses zu stemmen; dieser soll sich nochmals mit der ganzen Angelegenheit befassen und namentlich die rechtliche Sette der Bestätigungsfrage ein­gehend prüfen, da in den Mitteilungen des Magistrats keine Gründe angegeben waren. Tie sozialdemokra­tische Fraktion nahm zu der Angelegenheit noch keine Stellung, während die Fraktion der Rechten von einer ofsiziellen Sitzung Abstand nahm, da wichtige Angelegen­heiten nicht zur Beratung ständen.

Von anderer Sette wird behauptet, bei der Audienz sei die Angelegenheit Kauffmann gar nicht zur Sprache ge­kommen. Ju der Hauptsache drehte sich die Unterredung um drei Punkte: die Lindenüberführung, den Märchen­brunnen und das Projekt der Lindenumgestaltung. Be­züglich der Lindenüberführung äußerte der Kaiser sich dahin, daß er erst nach langer und reiflicher Ueberlegung zu der Ueberzeugung und damit zu dem Entschluß ge- . kommen sei, daß im Niveau der Linden eine Durchkreuzung