Ausgabe 
11.9.1901 Zweites Blatt
 
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Nr. SIS

Zweites Blatt.

Mittwoch 11. September 1901

wahren werden für alle Zeiten.

SchrrLyraße 7.

Äldreffe für Depeschen: Anzeiger Gießen.

HerusprechiMschlußNr.51.

181. Jahrgang

c des Staates nachhaltig zu fördern.' Bis wenige Monate vor seinem Hinscheiden seines, Amtes waltend, mit nie nachlassender Hingebung und nie er-

Soiumn folgte die Enthüllung eines Dochpel-i gemäldes König Friedrich I. und Kaiser Wilhelms II., das der Kaiser der Provinz schenkte. Der Kaiser reifte um 1.15 Uhr nach Pillau; oie Kaiserin mit dem Kron­prinzen um 3.30 Uhr nach.Kadinen ab. Der Kaiser traf um halb drei Uhr in Pillau ein und begab sich an Bord der! Hohenzollern, die um 3.15 Uhr auslief. Die Strandbatte- rieen und die auf der Außenrhede liegenden Kriegsschiffe gaben Salutschüsse ab. Das Wetter ist schön, die See ruhig. Auch, der Reichskanzler Graf Bülow ist heute morgen in Pillau eingetroffen und begab sich sofort an Bord der Yacht Hohenzollern.

hab«:, und die ich einheimse, so möge dieser Geist wieder von dieser Provinz ausgeheu und vorbildlich für das gesamte Vaterland werden zu hingebungsvoller Mitarbeit und vertrauensvollem Aufblick zu dem König. Sie mögen versichert sein, daß die Krone, die Sie gestern gesehen und das Szept er x das vor Ihnen am Altar lag, allezeit unter der DeviseSuum cuique" den Schutz und die Förderung der Interessen dieser Provinz gewährleisten wird, so lange ich und meine Nachfolger noch im stände sind, die Hand zu führen zum Wohle von Ostpreußen und des Vaterlandes. In diesem Sinne erhebe ich den Akal und verbinde damit eine Widmung, die Sie gewünscht haben. Indem ich ©ie bitte, die Gabe dieses Doppelbrldes anzunehmen, hoffe ich, daß Sie sich der Einsetzung des Königtums und der Jetztzeit erinnern werden. Ich trinke auf das Wohl der Provinz.

Fast in jedem Nachruf, den heute Abend die Berliner Zeitungen dem Toten widmen, wird das Vr-otiv an-l A' < t u ,, ' " = ~.......

geschlagen, daß keine Partei auf Miauel hat zählen können nrüdender Arbeitskraft, ruht er nun aus nach einem reich ge- Alle wurden allgemach an ihm irre", schreibt die Voss' I segneten Leben. An seiner Bahre trauern die ihm wirken tg."Seine Haltung war unzuverlässiger als die Welle dursten und ihm Liebe und Verehrung treu im Herzen be- des Meeres". Sogar die konservativeKreuz-Ztg" bie wa1'*ov w'-So" nT<o um meisten wohlwollend dem Verstorbenen gesinnt^war, kann nicht umhin zii bemerken:Weniger einmütig als über den Finanz-ninister ist das Urteil über den Politiker Miguel. Auch luir haben nicht alle Schritte des letzteren vullgen können". Noch pointierter spricht sich die agrari- cheDeutsche Tagesztg." aus, die zu einer Zeit, als Nrquel noch tm Amt war, einmal erklärte: , Getraut haben wir ihm niemals!" T .Tagesztg." sagt heut^ über Mi­guel:. . . 9hir eines war ihm zu erringen unmöglich, nämlich das Vertrauen." DieNationatztg." deutet auf

Der Kaiser richtete aus Königsberg an den Landrat o. Miquel folgendes Beileidstelegramm:

habe mit großer Betrübnis von dem plötzlichen Dahinscheiden Ihres Vaters Kenntnis erhalten und spreche Ihnen und den übrigen Hinterbliebenen Mein innigstes Beileid aus. Die großen Verdienste, welche der Ver­storbene ~ sich um Krone und Vaterland erworben hat, werden stets unoeraeßlich bleiben."

Kaisertage in Ost- und Westprentzerr.

Königsberg, 9. Sept.

Anwesenheit des Kaisers und der Kaiserin ßowte der Prinzen des Königlichen Hauses fand H^sbe vormittag 10 Uhr die feierliche Einweihung der unter dem Protektorat der Kaiserin erbauten Königin- EöachtnisSkirche auf den Hufen statt. Die Geistlichkeit, die obersten Hof- und Staatswürdenträger, das Konsularkorps, Vertreter der städtischen Behörden, der Universität, der Kaufmannschaft sowie der Husen-Gemeinde nahmen an der Feier teil. Glockengeläute verkündete das Nahen der Majestäten. Negierungspräsident v. Waldow, ÄS Vorsitzender des Kirchenbankomites, begrüßte die McyeMen vor der Kirchenthür. Nach Ueberreichung des wurde der Befehl zur Oeffnnng der Kirchenthür erteilt. Alsdann begaben sich der Kaiser und die Kaiserin unter Vorantritt des Generalsuperintendenten D. Braun, >es Superintendenten Borgius und dvs Pfarrers Lack- ver in die Kirche und nahmen die Plätze links vom x ^bvrgesang und sodann Gemeindegesang er- öftnetw den Gottesdienst. Den Weiheakt vollzog General-

Auf Wunsch der Provinz überne^nei ich diesen Pokal um aus demselben in deutschem Weine das Wohl der öu trinken. Wie auf all' den Tagen, die jetzt rn Königsberg verstrichen sind, der Schatten der Trauer lagert, und dieselben dadurch zu ernsten ©ebenEfeiern <Mch der jetzige. Ich habe eS mir selbstverständlichnicht versagen können, der Einladung und dem Wunsche meiner Ostpreußen, unter ihnen zu wecken, nachzukommen und um so mehr in einem so bedeuttmgsvolten Jahre wie das Jahr 1901. Und in ber Thai, auch der heuige Tag ist in jeder Beziehung ein weihwoller Gedenktag. Wenn ich für das in so schönen Worten mir im Namen der Provinz aus­gesprochene Mitgefühl meinen tiefen Dank aus- spreche, so thue ich das um so bewegter, denn zu dem Schmerz und zu der Trauer des Sohnes gesellt sich die tiefe Bewegung der Erinnerung. Von dem S t e r b e - lager in Friedrichshof und dem stillen Mau- s?ieum in dem blumenreichen Garten von Marly Mht sich der Weg nach den Hufen hinaus zu der neuen Kirche, und wie heute pietätvoll der hohen ver- bli che neu Ks»nigin gedacht worden ist, die, ein k^^ger Demant unter ihrem Geschlecht, her- ^rleuchtet unter Europas Fürstinnen, ein Bild, na'chzu- sieben für rede, die auf den Thron berufen ist, w schlmgt sich auch um diesen Tag die Kette der Erinner­ung fester, und inniger, welch: die Provinz mit meinem Hmö und nnt meiner Person verknüpft. Mer ich sehe rn der herrtigen Feier noch mehr, ich sehe darin zugleich eme Gebächtnrs- und Erinnerungsfeier an den großen Kaiser, ihren Heldensvhn, bfer, wie alle diejenigen, die in ferner Wße haben Dimst thun dürfen, genau wissen, mit einer ungeheuren Lrebe an dieser unvergeßlichen Mutter qe- hangen hat. Und deß bin ich fest überzeugt, daß der heutige Axtg so ganz seinen Gefühlen sich anschmiegt, I^?-nSlnn- handle, wenn ich meinen Sauf ausspreche Wie vorgestern auf dem Paradefelde, Über den in der Sonne flatternden Fahnen der alten -ostpreußischen Regimenter der lange Trauer- flor sich in ihre bunten Farben mischte, so auch wünsche von ganzem Herzen, daß d«! Provinz erkenn en möge aus der Feier des aestriaen Tages, wie hoch ich das Band schätze, das uns miteinander verbindet. Um noch emmal feierlich zu betonen, daß das ''std aus ihm hervorgehend baS beutfdie föttfertnni in Königsberg und Ostpreußen wur- ^ifjuien hie rher-

O Gottes Mar stellen lassen,

damit ^»hre Augen fle sehest, und damit der Segen Gottes von neuem, cms die heral,gefleht Inerbe, vor demselben

etn^ A^^r Wilhelm der Große stand und sich setzte, als diejenige, welche von Gott allein ihm gegeben und also von Gott allein ihmr zustano und erachtet wurde. So war ^bnn der gestrige -vag ein. Symbol zur Erinnerung an die 'ÄS? und die guten Tage, die Ostpreußen mit seinem Komgshause erlebt hat. Denn das Großartige in der Erhebung, die zu den Freiheitskriegen führte, lag nicht

- nur darin, daß auf den Ruf seines Königs jeder Osterei- zu den Waffen griff und sein Schwert schwang, sondern d < vor altem dw Einkehr in sich' selbst und die Buße vor dmn Allerhöchsten den Anfang machten. So möge diese- Geist der Väter, der das Große vorbereiten half, und br Thrnnensaat der hochseligen Königin Luise, die in den herrlichen Aehren gewandelt hat, die Sie noch mitgemäht

SL kneten hef dem Weihegebet nieder. Die Liturgie hielt Superintendent,Borgius, die Predigt Pfarrer Lackner. Nach Nnem abermcckigen Gemeindegesmig, der von den Klängen ^,^Ä^?b6lettet war, sprach Superintendent Braun das Cochtustgebec, und das Vaterunser nach ostpreußischer Sitte Mammen mtt den Anwesenden und spendete dann den gegen. Die Majestäten verließen darauf mit Gefolge die 5010^ durch die ^hür dm Altar und besichttgten das Denk- mal und das Königm-Luise-Haus bei Luisenwahl. Von der Wrangel-Kürassiere begleitet, kehrten die Majestäten unter brausenden Hochrufen der zahlreich zu- fammengeftrdmten Menge in die Stadt zurück. 8 - Uhr begaben sich der Kaiser, die Kaiserin und

Der Kronprinz nach dem Landeshause. Graf Eulenburg- Prassen begrüßte die MajeMen und bot einen Ehre n- ^fcr hielt bei der Entaegennabme des­selben folgende Ansprache:

tenbften Staatsmänner, die an der nationalen Einigung Deutschlands und an dem Ausbau der Neichseinrichtungen mitgewirkt haben. Die hervorragenden Gaben, die von Johannes v. Miquel Jahrzehnte hindurch während einer glänzenden öffentlichen Laufbahn in den Dienst des Gemein­wohles gestellt worden sind, haben überall Anerkennung gefunden. Seine rasckose Arbeitskraft, seinen Reichtum an befruchtenden Anregungen, sein eindringendes Verständnis für die Strömungen im politischen und. wirtschaftlichen Leben, wie sein ungewöhnliches Organisationstalent hat er unter wechselnden Umständen im Parlament, in der Verwaltung städtischer Gemeinwesen und vor allem als Mäglied und Vizepräsident des preußischen Staatsministeriums zur Geltung gebracht. Die Durchführung der großen Steuerreform in Preußen war sein eigenstes Werk. Diese staatsmännische Leistung würde allein, auch ohne die Mitwirkung, die Herr o. Miquel während seiner Ministerschaft für fast alle anderen wichtigen Gesetzentwürfe bechätigt hat, hinreichen, um chm, in der preußischen Staatsverwaltung für immer ein rühmliches Andenken zu sichern. Die eigenüichen Ziele seiner politischen Thätigkeit gingen über die Grenzen eines einzelnen Bundesstaates hinaus. Sie umfaßten die Konsolidierung und Weiterbildung des wirtschaftlichen Gesamtlebens, das in dem neuen Deutschen Reich seine staatliche Form gefunden hat. Um die Verwirklichuug und Entwickelung unseres National­staates hat der verewigte Minister sich als Mitglied des Nationalverein wie als langjähriger Führer der na-

v!^^er.a en Pmttei Verdienste erworben, iieren1 Gedächtnis nicht auszulbschen ist. Ein wirklicher Patriot,, ett^ltenN/b^" gewtem.eten Nachrufe mit aanz ver-1Arbeiter für Deutschlands^WMahtt^ ffÄÄ b°h-ng°g°ngm. Ehre L Ldenken^-

mannes kam kaum zum Ausdruck. Nun, da der Vielbefehdete . ,,Reichsanzeiger" widmet Staatsminister von Miquel

sttller Mann geworden, wirb man seinen Vexb ie n st en I e^n Nachruf, m dem es heißt: Sein Leben war wie wenige leidenschaftsloser, objektiver gerecht. Selten ist von der Größe des Vaterlandes gewidmet. Vom Beginn seines einem Staatsmann nach seinem Rücktritt so wenig gesprochen politischen Lebens an, in hannöverscher Reit als einer her Avrbeu, wie von dem Schöpfer der preußischen Steuer- führenden Männer des Nationalvereins bat ^bannes nnn Reforvr- Bereits, als Herr v. Miquel eines Morgens Berlin Miquel für des deutschen Vatei-lmidoL § ?

verließ zur dauernden Uebersiedelung nach Frankfurt a M ? Vaterlandes Einigung unter

waren über ihn gewissermanen die Akten geschlodern Fürst m geworben und gekämpft. Und als das

Bismarck hielt auch nach seiner Demission die Welt in ^ch»wiedererstanden war, hat er an seinem inneren Ausbau, Atem dagegen fanden selbst Miguels Abschiedsworte auf grundlegenden Gesetzgebung des Reichs thätigsten

dem Bahnhof, vor einer kleinen Versammlung konservativer ÄlpNl genommen. Kaum einer der wichtigen gesetzgeberischen Manner, kaum Beachtung, und die polittschtzn Ansichten, I Mte jener;Seit, der nicht seine auf das Große gerichtete, von me der Staatsmann a. D. gelegentlich in einer Unterredung lebendigstem nationalen Gefühl getragene Mitwirkung auf-

Berte gahen der Presse nichjj wiese. So hat er sich dauernd einen Platz gesichert unter ÄS^5°°^ AuS-1 denen, die auf des deutschen Voltes Dankbarkeit Anspruch

Mann von aronein mnn haben. Als Finanzministcr erwarb er sich ein unvergäng-

eine Zeit vorbei war. Scü/rcgc/Geiftz^ftine enmwnte Ar- unbestrittenes Verdienst um di- Festigung der

beitskrast verlangten nach Betlsiitigung; daß ihm foMe ®?*OTMlu'g der Fmanzen Preußens. Mit großem Wurfe, in ausreichendem^ Maße fehlte, pürfte dazu beigetragen haben i^'O^erte er das System der diretten Steuern von Grund !> fein Gesundheitszustand schon seit längerer Zeit äu |au? un& gab damit der staatlichen Finanzgebahnmg für alle vünschen ließ. Herr v. Miquel war unzweifelhaft eine b e-I^^len den festen Rückhalt und schuf durch eine Fülle weiterer ^^.lbnde politische Persönlichkeit, aber keinIMaßnahmen zur Sicherung der Konsolidierung des Finanz-' ber Grund, wes-!wesens die Möglichkeit, allen Gebieten des Staatslebens ^bffenckichkeit verlor fast in dem «erhöhte Mittel zur Verfügung zu stellen und so die'

SÄauSMS ' ' Wt 6eine|®?[trauf9a6m

ä . Fast in jedem Na

d^^tlrembung hm, die zwischen Miquel und den Natio- nalttberalen emgetreten war. Trotzdem sei der anziehendste ^brkehr mit ihm noch möglich gewesen, als die polckftche Gemeinschaft schon lange fuf) gelöst, ja in Gegnerschaft gewendet hatte.Er besaß llnbe angenheit genug, diese zu begreifen." Auf die schwankende und zweideutige Haltung Miguels bei Gelegenheit der Kanal­plane zielt folgender Satz in der reichsparteilichen , Post"- ^. sich m der letzten Zeit, besonders während der Ver­handlungen über die Kanalvorlage, bei Miquel als poli­tischem Charakter auch Schattenseiten zeigten, haben wir früher hervorgehoben." Das ZentrumsorganGermania" Mhrt den Sturz Miquels auf seineunflate und zwei­deutige Politik" zurück. Desto glänzender ist aber das Bild, das die Berliner Presse von den staatsmännischen Eigenschaften des Verstorbenen, von feinen gewaltigen Ver­diensten um die Neubegründung und Festtaung der preu­ßischen Finanzen, als Abgeordneter um die Herstellung der Reichseinheit entwirft Daß die Geschichte unter den deutschen Staatsmännern Miquel in erster Reihe zu nennen haben wird, darin stemmen alle Beurteiler überein. Auf­fällig knapp erscheint bei einem Manne von dieser Bedeut­ung der Nachruf der offiziösenNorbd'. Alla. Ztg." Mit soviel ober so wenigen Zeilen hätten die Verdienste irgend eines höheren Beamten nachj seinem Tode gewürdigt toerben können. DasBlatt schreibt: Das Vaterland verliert in dem so plötzlich aus dem Leben Geschiedenen einen der beben»

Erscheint täglich mit Ausnahme des

Montags.

4)ie «ietzener Kamllien- »luttet werden demAn- teiger htt Wechsel mit demHeff. Landwirt" und denBlättern für Äsche Volkskunde"

ml wöchentlich bei- gelegt.

chie Kaiserin ist- von Braunsberg kommend, mit der Hafsuserbahu in Kabinen ein getroffen. Ebenso traf der Kron­prinz mit dem Obersten v. Pritzelwitz in Kabinen ein.

Miquel als politischer Charakter.

Aus Berlin, 9. September, wird uns geschrieben: Als Atinister v. M i q u e l im Frühjahr nach dem Schei­tern der Kanalvorlage sich ins Privatleben zurückzog, ober, wenn man will, sich zurückziehen mußte, waren die seinem

GietzenerAmeiger °

W General-Anzeiger " MM

Mwit» und Anzeigeblatt für den Kreis Metzen

iLLTTT?l .r,- " zcigentcil: Hans Beck.