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161. Jahrgang.
Donnerstag 11. Juli 1001
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen 3«e
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Amtlicher Wl.
Gießen, 6. Juli 1901.
Betr.: Landwirtschaftliche Bodenbeuutzuug im Jahre 1901. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen au die Großh. Bürgermeistereien des Kreises.
Unter Bezugnahme auf unser Ausschreiben vom 15. Mai i. I., Gießener Anzeiger Nr. 116, erwarten wir die alsbaldige Einsendung des entsprechend auSgefülllen Formulars 2 a, insoweit dies noch nicht geschehen ist.
v. Bechtold.
Gießen, den 6. Inti 1901, Betr.: Förderung der Fischzucht.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Grotzh. Bürgermeistereien des KreiseS.
Diejenigen von Ihnen, welche unserer Verfügung vom 21. Mai l. IS. (Gießener Anzeiger Nr. 120) noch nicht entsprochen haben, werden hierdurch an deren alsbaldige Er ledigung erinnert.
___________________v. Bechtold.____________________
Bekanntmachung.
Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die nach § 6 des Reichsgesetzes vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden ermittelten Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eines Auf' schlags von Fünf vom Hundert pro Monat Juui 1901 für den Lieferungsverband Gießen pro 100 Kg. betragen: Hafer Mk. 17,30, Heu Mk. 8,80, Stroh Mk. 7,60.
Gießen, den 8. Juli 1901.
- ' Großherzogliches Kreis amt Gießerr.
___________________v. Bech told.____________________
Bekanntmachung,
betr.: Dorträge über Obstbau.
Herr Kreisobstbautechniker Metternich beabsichtigt nachfolgende Orte des Kreises Gießen zur Abhaltung von Vorträgen über Obstbau, verbunden mit praktischen Unterweis ungen an Obstbäumen, zu besuchen:
Samstag, den 13. Juli in Steioheim, nachmittags 3 Uhr prakt. Unterweisungen, abends 8 Uhr Vortrag.
Sonntag, den 15. Juli in Rodheim a. d. Horloff, nachmittags 3 Uhr, Vortrag.
Montag, 15. Juli, vormittags 8 Uhr, in Rodheim prakt. Unterweisung, desgleichen nachmittags 3 Uhr in Rabertshausen, daselbst abends 8 Uhr Vortrag.
Die Herren Bürgermeister und Obmänner werden ersucht, vorstehendes ortsüblich bekannt zu machen. Zahlreiche Beteiligung der Mitglieder des Oberhessischen Obstbauvereins und sonstige Freunde des Obstbaues erwünscht.
Gießen, den 8. Juli 1901.
Der Vorsitzende des Vereinsbezirks Gießen. _________________Dr. Heinrichs._________________
Bekanntmachung.
Das Gesetz, betreffend Versorgung der Kriegsinvaliden und der Kriegshinterbliebenen vom 31. Mai 1901 bezieht sich nur auf diejenigen Invaliden, bei welchen Kriegsinvalidität anerkannt ist.
Die Empfänger von Unterstützungen auf Grund des Allerhöchsten Gnadenerlasses vom 22. Juli 1884 und Em Pfänger von Veteranenbeihilfen auf Grund des Gesetzes vom 22. Mai 1895 werden von diesem Gesetz nicht betroffen.
Die auf Grund des neuen Gesetzes zu gewährenden PensionSzuschüffe kommen zur Anweisung, ohne daß eS eines Antrags der Betreffenden bedarf, jedoch haben die Kriegsinvaliden sofort ihre Militärpässe an das Bezirks-Kommando einzusenden.
Diejenigen Ganzinvaliden, deren jährliches Gesamteinkommen
aus den Juvalidengebührniffen und sonstigen amtlichen sowie privaten Einnahmen an barem Gelbe und aus anderweiten Einküusten, wie Naturalbezüge, Wohnung u. a. nach dem durchschnittlichen Geldwerte berechnet
nicht den Betrag von 600 Mark erreicht, können bei dem Bezirksfeldwebel unter Angabe ihrer Einkommensverhältniffe die Bewilligung einer Alterszulage beantragen, sobald sie das 55. Lebensjahr vollendet haben, oder wenn sie vor diesem Zeitpunkte dauernd völlig erwerbsunfähig geworden sind.
Anträge aus Bewilligung von Alterszulagen sind sofort spätestens bis Ende Juli d. Js. bei dem zuständigen Bezirksfeldwebel vorzubringen.
Gießen, den 6. Juli 1901.
Großh. Bezirks-Kommando Gießen.
Detring.
Oberstleutnant und Bezirks-Kommandeur.
Zum Tode des Fürste« Hohenlohe.
Wie aus Ragaz gemeldet wird, wurde die Leiche des verewigten Fürsten gestern früh um halb 8 Uhr nach katho
lischem Ritus in Anwesenheit der Familienmitglieder, des deutschen Gesandten in Bern, v. Bülow, und eines Freundes der Familie, Grafen Hutten-Czapski, eingesegnet. Alsdann ward der Sarg aus dem Hotelzimmer zu dem mit Kränzen geschmückten Leichenwagen getragen. Tie Kurkapelle spielte beim Hotel Trauerweisen. Unter dem Geläute aller Glocken der katholischen mrd protestantischen Kirchen setzte sich der Leichenzug in Bewegung. Hinter der Geistlichkeit schritten Fürst Philipp Ernst zu Hohenlohe, sowie die Prinzen und die Tamen des fürstlichen Hauses, ferner der deutsche Gesandte in Bern, v. Bülow, Graf Hutten-Czapski, die Honoratioren von Ragaz und deutsche Kurgäste. Am Bahnhof wurde die Leiche nochmals gesegnet und dann der Sarg in den mit Blumen geschmückten und mit schwarzem und weißem Tuch drapierten Wagen gehoben, wo er auf einen Katafalk gestellt wurde. Eine silberne Platte war auf dem Sarge angebracht worden mit dem Namen, sowie dem Geburts- und Todestag des Fürsten. In den Sarg wird noch eine silberne Platte mit folgender Inschrift gelegt werden:
„Chlodwig Karl Victor Fürst zu Hohenlohe-Schillingsfürst, Prinz von Ratidor und Corvey, geboren am 31. März 1819 zu Rotenburg an der Fulda, gestorben am 6. Juli 1901 zu Ragaz, deutscher Reichsgesandter 1848, bayerischer Ministerpräsident und Minister der auswärtigen Angelegenheiten 1867 bis 1870, deutscher Botschafterin Frankreich 1874 bis 1885, kaiserlicher Statthalter in Elsaß-Lothringen 1885 bis 1894, Kanzler des Deutschen Reiches 1894 bis 1900."
Um dreiviertel 11 Uhr fuhr der Zug mit der Leiche des Fürsten von Ragaz ab. Mit demselben Zuge begaben sich die Familienangehörigen nach'Schillingsfürst.
Vom Sultan ist dem Fürffren Philipp Ernst zu Hohenlohe folgendes Telegramm zugegangen:
Konstantinopel, 8. Juli. Ter Fürst zu Hohenlohe, Ihr Vater, hat sich ausgezeichnet durch seine treue Hingabe an Se. Majestät den deutschen Kaiser und hat den Beweis des aufrichtigen Bestrebens erbracht, die freundschaftlichen Beziehungen, welche zwischen dem Deutschen Reiche und meinem Reiche bestehen, aufrecht zu erhalten. Ich drücke Ihnen anläßlich des Todes des Fürsten mein tiefstes Beileid aus. Möge der gütige Gott Ihre Familie trösten. Abdul Hamid.
Bei der feierlichen Beisetzung in Schillingsfürst wird König Albert von Sachfen durch.den sächsischen Gesandten in München, Freiherrn v. Friesen vertreten sein. Der Statthalter Fürst Hohenlohe wird sich von Schloß Langenburg aus nach Schillingsfürst begeben. Von Straßburg nehmen teil: Staatssekretär v. Puttkamer, die Unterstaatssekretäre v. Schraut und Zorn von Bulach sowie namens der Stadt Bürgermeister Back.
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In sehr interessanter Weise schildert ein amerikanisches Blatt die Verleihung der Doktorwürde an den deutschen Botschafter in Washington, Herrn v. Holleben, durch dieHarvard-UniversitätinCambridgebei Boston: „Am 26. Juni um 8 Uhr morgens wurde der Botschafter, der bei Professor Münsterberg in Boston abgestiegen war, von einem Stabsoffizier des Gouverneurs Crane in einer Equipage abgeholt und nach dem State House geleitet. Tort wurde Herr v. Holleben vom (Gouverneur offiziell empfangen und gegen 10 Uhr nach der Havard-Universität geleitet. Schon seit unerdenklichen Zeiten zieht der Gouverneur von Massachussetts alljährlich am „Graduierungstage" von einer Leibgarde altmodisch gekleideter Landsknechte begleitet, zur Universität hinaus, und diesen historischen Zug machte auch der Botschafter mit. In vollem Ornat schritten die Professoren einher, die Dekane mit ihren farbigen Ueberwürfen, die Doktoren der verschiedenen Fakultäten mit den farbigen drei Streifen an den Aermeln. Ter Botschafter war trotz der infernalischen Hitze dem würdevollen Cylinder treu geblieben, aber dicht Hinter ihm schritt der Vizepräsident Theodore Roosevelt, ffuji mit einem Strohhut Kühlung zuwedelnd. Bemerkenswert war, daß der junge Graduierte, der die Begrüßungsansprache hielt, in schwungvollem Latein dem Botschafter die Mitteilung machte, er freue sich den Vertreter einer nach „Expansion" strebenden Nation zu begrüßen; der Vertreter einer solchen Macht werde auch das Streben der Amerikaner nach! Vergrößerung zu würdigen wissen. Nach Beendigung der Reden erfolgte die Verteilung oer Ehrengrade. Unter den neuernannten Ehrendoktoren war Jakob Henricus van't Hoff, der berühmte Berliner Chemiker, und der Präsident stellte den Gelehrten den Beifall klatschenden Studenten als größten lebenden Physiker und Chemiker vor. Eine wahre Hochflut von Beifall erhob sich als zum Schluß der Name des Herrn v. Holleben genannt wurde. Tie gesamte Studentenschaft sprang jubelnd von den Plätzen auf, als Präsident Eliot den Botschafter folgendermaßen vorstellte: „Botschafter des jungen und lebenskräftigen deutschen Reiches, Vertreter eines alten Volkes, dessen Wurzeln mit denen des unserigen eng verwachsen sind, eines Volkes, dessen gebildete Männer und Gelehrte die ganze übrige Welt inspirieren." Am Nachmittag fand im Speisesaale des Memorial Hall ein Festessen statt, bei welchem Senator Hoar das Präsidium führte. Ta Cambridge in seinen Mauern keine Wirtschaften duldet, ergötzte man sich während des Essens an nervenstärkendem Eisthee. Tie erste Ansprache hielt Senator Hoar, der zunächst eine neue Schenkung Morgans von über 1000 000 Dollars ankündigte und dann den Botschafter als Redner einführte. Nachdem die Kapelle „Deutschland über alles" gespielt hatte, hielt Herr v. Holleben eine mit großem Beifall aufgenommene Rede, aus der wir folgendes wiedergeben: - • • Als vor wenigen Monaten, hei der 200 jährigen Jubelfeier der Berliner Akademie, der amerikanische Botschafter drüben
zum Mitgliede der Akademie gemacht tvurde, da wurde die hohe Ehrung dem Vertreter der amerikanischen Nation in erster Linie um seiner wissenschaftlichen Verdienste willen erwiesen. Andrew D White ist nicht nur ein glänzender Staatsmann, er ist ein hervorragender Historiker. Ich habe auf solchen Ehrentitel keinen Anspruch; mich verknüpft mit der Welt der Gelehrsamkeit nur meine Liebe für die Wissenschaft. Tie stolze Auszeichnung, die Harvard mir heute verlieh, kann somit nur dem Träger des deutschen Banners gelten. Sie wollen die Nation ehren, die in ihren Stätten der Wissenschaft allezeit für unbeirrte Forscher arbeit und geistige Freiheit ikingetreten ist. Und sieben Ihrer Würdigung deutscher Wissenschaft gedachten Sie vielleicht auch, der deutschen Musik und Kunst und der deutschen Litteratur. Aber mein Vaterland sendet nicht nur gelehrte Bücher und unsterbliche Musik über den Ozean, sondern vor allem den besten Willen für herzliche Freundschaft. Im Gewühle des politischen Zeitungsstreites bleibt der Ton des wahren Gefühls oft unhörbar. Seit im vorigen Sommer das erste direkte Kabel zwischen Deutschland und Amerika in Betrieb gesetzt wurde, sind ja nicht immer Worte der Harmonie hindurchgesandt; ganz unbegründete Verdächtigungen sind hinüber und herüber gedrungen. Und dennoch sage ich: die wahre Stimmung in Teutschland ist, daß die beiden großen teutonischen Völker eng zusammengehören, und daß eine tiefgegründete Gemeinschaft der Ziele und Ideale sie innerlichi zusammenhält. Harvard, die älteste, größte und bedeutendste der amerikanischen Universitäten, hielt immer treu zu dieser nationalen Kameradschiaft. Harvard-Studenten fühlten sich jederzeit von den alten deutschen Universitätsplätzen angezogen, und unter den berühmten Harvard- Professoren sind vielleicht nur wenige, die nicht auf ein paar glückliche deutschen Studenten-Semestjer zurückblicken können. Harvard ist auch der erste und einzige Platz in Amerika, wo man zur Gründung eines Germanischen Museums schritt. Es erfüllt mich daher mit frohem Stolze, in Ihre altehrwürdige Universitätsgemeinschaft heute ausgenommen zu werden; ich/ will jederzeit meine beste Kraft einfetzen, mich! dieser Ehrung würdig zu erweisen und die Beziehungen zwischen Teutschland und den Vereinigten Staaten im Sinne des Friedens zu gestalten." Um 5 Uhr schloß die Festlichkeit, die dem Botschafter auch! darum in Erinnerung bleiben wird, weil wohl zum ersten Male in seiner Erfahrung ihm zu Ehren statt des gewohnten deut- fchen Salamanders ein neunmaliges studentisches „Ra Holleben!" ertönte.
Gewinnbeteiligung der Landarbeiter-
Ter bekannte Landwirt Graf Reventlow-Wulfs- hagen ist seit seiner Zugehörigkeit zum Bunde der Teut- schen Bodenreformer bemüht, mit seinen Landarbeitern in ein anderes Rechtsverhältnis zu kommen, als ftüher. Aus diesem Streben ist außer einem Versuch der Organisatiou auch' die Einführung der Gewinnbeteiligung hervorgegangen, über deren erstes Jahr der Praxis er in der bodenresomkrischen „Deutschen Volksstimme" berichtet. Da der Versuchi für die Frage der „Leutenot" auf dem Lande von hohem Interesse ist, geben wir den Teil des Artikels, der sich! auf die Gewinnbeteiligung bezieht, im Auszug hier wieder:
„Tas verflossene Wirtschaftsjahr — 1. Juni 1900 bis 31. Mai 1901 — war kein günstiges Jahr. Klee-, Heu-, Kornernte ließen viel zu wünschen übrig, so daß die Erträge der wichtigsten Wirtschaftszweige nicht das Prädikat „befriedigend" verdienten. Der für die Gewinnbeteiligung zu berücksichtigende Reingewinn*) betrug:
69 784.32 Mk. Einnahme, weniger 57194.27 Mk Ausgaben gleich 12 590.05 Mk. Hiervon 8 Prozent — 1 Prozent gleich! 126 Mk. — bilden mit 1008 Mk. den Gewinnanteil der. Arbeiterschaft, der in folgende Teile zerfällt:
1. 5* 2 Prozent erhalten die erwachsenen männlichen Arbeiter zu gleichen Teilen, während die Melkfrauen je 3/< eines Mannesanteils erhalten.....693 Mk.
Beim Vorhandensein von 33 Arbeitern, 5 Melkfrauen stellte sich der Anteil
der Ersteren auf je 18,84 Mk.
der Letzteren „ „ 14,13 p
2. */r Prozent erhalten diejenigen, die lediglich m der ernte mitgearbeitet haben, und zwar Erwachsene je einen ganzen, Kinder je einen halben Anteil . . wz- Beim Vorhandensein von 7 Erwachsenen, 3
Kindern stellt sich der Anteil
der Ersteren auf je 7,40 Mk.
der Letzteren „ „ n3>70 • _ 9,9 ««
3. 2 Prozent fließen in die Unterftützungskaffe. —252 Mk.
1008 Mk.
Wenn die vorstehend erwähnten Betrage gewiß nicht int stände sind, die Vermögenslage des Arbeiters wesentlich zu bessern, so weiß dochi ^der, d^ (-i.mmen lr B wo der Mann als Arbeiter, die Frau als Melkerin verdient hat: 18.84 Mk. 14.13 SRI. gleich 32.9 / Mark) im kleinen Haushalt eine sehr willkommene und nU^(Se gering6 aÄ^di^ ausgezahlten Anteile waren, so ist doch einem jeden ad oculos demonstriert worden, daß die Gewinnbeteiligung nicht nur gut und nützlich zu lesen ist sondern auch in mäßigen Jahren einen reellen Vorteil in die Tasche igileiten läßt, auf dessen Höhe auch ber einzelne Arbeiter, innerhalb der durch die Naturgewalten gezogenen Schranken, Einfluß üben kann. *
Aus der Erkenntnis dieser Sackfläge muß der Einzelne dahin gelangen, seine Arbeit unter einem höheren Ge- sickttspunkt als dem der nackten Lohnarbeit zu betrachten; aus dieser Veränderung des Charakters der Arbeit muß folgen, daß nicht mehr das frühere Maß von Beaufsichtigung
*FEs handelt sich nicht um begriffsmäßigen Reingewinn, sondern um eine Größe, die auch in Jahren vorhanden 'st, wo von R-mgewum keine Rede ist. Wirklicher Reingewinn i|t eben der Regel nach eine unbekannte Größe.


