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wird nach dem Arbeitsverdienst berechnet, dessen (Ermittelung allerdings nach sehr verschiedenen gesetzlichen Bestimmungen erfolgt. Bei den nach dem Unfall-Versicherungsgesetz versicherten Personen wird in den meisten Fällen der Jahresarbeitsverdienst als das Dreihundert- fad>e des durchschnittlichen täglichen Arbeitsverdienstes des Verletzten berechnet, bei anderen gilt dagegen ein fester Durchschnittsbetrag. Die Bollrente beträgt nun 66 zwei Drittel Prozent, aber nach dem neuen Gesetze nur dann, wenn sie die Summe von 1500 Mark nicht übersteigt (nach dem früheren 1200 Mark). Ter übersteigende Betrag wird nur mit ein Drittel angerechnet. Die Witwe und jedes Hinterbliebene Kind eines Getöteten, die erstere bis zu ihrer Wiederverheiratung, letztere bis zum 15. Lebensjahr, erhalten je 20 Prozent des anrechnungsfähigen Gehaltes, (Jahresarbeitsverdienstes) zusammen aber in keinem Fall mehr als 60 Prozent desselben. Auch Venvandte der aufsteigenden Linie haben, falls ihr Lebensunterhalt ganz oder überwiegend durch den Verstorbenen bestritten worden hxir, Anspruch auf eine Rente von insgesamt 20 Prozent des Jahresarbeitsverdienstes. Auch für Elternlose bedürftige Enkel, die der Verstorbene hinterlassen hat, dünn für die Hinterbliebenen einer verheirateten weiblichen Person, die den Lebensunterhalt ihrer Familie wegen Erwerbsunfähigkeit ihres Ehemannes ganz oder überwiegend bestritten hat, bestehen nach dem neuen Gesetze Ansprüche auf Rente.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 10. April 1901.
te. Eine neue farbeutrageude akademische Korporation. Man schreibt und: Die Besuchsziffer nuferer Universität hat im letzten Jahre in erfreulichem Maße zugenommen. Diese Thatsache findet schon äußerlich ihren Ausdruck: am Ende «vorigen Semesters hat sich eine neue Couleur aufgethan. Der alte akademisch.naturwissenschaftliche Verein, deffen Gründung in den Anfang der siebziger Jahre fällt, hat sich unter dem Namen einer freischlagenden Verbindung Francooia den farbentragenben Korporationen unserer alma mater angeschloffen. Die neue Verbindung führt die Farben grün-weiß.rot und trägt schwarze Mützen. — Wie verlautet, trägt sich ein Verband, der bislang in Gießen keine Vertretung besitzt, mit der Absicht, eine weitere Korporation aufzuthun.
** Personal-Nachrichten. Der Großherzog hat den Oberlehrer an der Realschule zu Gernsheim, Profeffor August Fuldner, zum Oberlehrer an dem Realgymnasium und der Realschule zu Mainz; den Oberlehrer an dem Realgymnasium und der Realschule zu Mainz, Profeffor Dr. Georg Volkhardt, zum Oberlehrer an der Neal- und Landwirtschaftsschule zu Groß-Umstadt; den Oberlehrer an dem Realgymnasium und der Realschule zu Mainz, Berthold Weidig, zum Oberlehrer an der Realschule zu Gernsheim; dm Oberlehrer an der Realschule zu Michelstadt, Dr. Karl Hatte wer, zum Oberlehrer an dem Neuen Gymnasium zu Darmstadt ernannt. Durch Entschließung Großh. Ministe- -riums des Innern wurde der RegierungSaffeffor Karl
Draudt in Lauterbach mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines Kreisamtmanns bei dem KceiSamte Lauterbach beauftragt. Ernannt wurden der Kanzlist bei der LandeSlotterie-Direktion Heinrich Heußner zum Bureau- asfistenten bei dieser Direttion, der Stellenanwärter, Kanzlei- gehilfe Heinrich August Decher aus Wörrstadt, zum Kanzlisten bei der LandeSlotterie-Direttion. Der Schaffner bei der Main Neckar-Eisenbahn Karl Schaffner zum Zugführer bei dieser Bahn, der HilfSwagenwärter bei der Main-Neckar- Eisenbahn Karl Simon aus Zwingenberg zum Wagenwärter bei dieser Bahn. In den Ruhestand wurden versetzt der Bahnwärter in der Hessisch Preußischen Eisenbahngemeinschaft Heinrich Runkel zu Waldhof, früher in Bretzenheim, der Haltestellenaufseher in der Hessisch-Preußischen Eisen, bahngemeiuschaft Wilhelm Neurath zu Wolfskehlen.
•• Die letzten Pfingstgrntze nach China befördert die am nächsten Freitag den 12. April von Berlin abgehende Feld- k.riefpost. Diese Feldpost befördert nur Briefe und Post karten, Drucksachen nur unter verschlossenem Umschlag als Briefe.
•• Die elektrische Anlage des hiesigen Bahnhofes, der bekanntlich der Hauptkonsument des städtischen Elettrizitäts wertes sein wird, ist nun auch auf dem Submissionswege der xElektrizitäts-Aktiengesellschaft vorm. Schuckert & Co. in Auftrag gegeben worden. Die Arbeiten müssen bis zum 1. Juli vollendet sein.
k- Heuchelheim, 9. April. Der Bau einer Straße von hier über die Bahn und die Eisenbahnstrecke Gießen- Wetzlar nach der Wetzlarerstraße ist schon seit Jahren ein dringendes Bedürfnis. Nachdem LandtagSabg. Leun aus Großenlinden die Notwendigkeit der Straße, die Allendorf und Kleinlinden mit dem Bieberthal und den großen Waldungen verbinden soll, verschiedentlich betont hak, steht zu erwarten, daß die Behörde dem Plane näher tritt und im Laufe dieses Jahres der Bau genannter Straße beschlossen werden wird.
i. Allendorf a. d. Lahn, 5. April. Am 16. Juni wird der hiesige Gesangverein fein 20jähriges Stiftungsfest feiern, die Vorbereitungen dazu find in vollem Gange. Von den eingeladenen Nachbarvereinen sind bereits einige Zusagen eingelaufen. Auch in dem benachbarten Duten- hofen findet im Sommer ein Sängerfest statt.
k- Dornasienheim, Kreis Friedberg, 10. April. Im Laufe dieses Jahres wird hier mit dem Bau eines neuen Schulhauses begonnen werden.
Uermischtes.
• Der neue Marstall des Kaisers ist jetzt vollständig bezogen, und der gesamte Marstalldienft dort vereinigt. Nur ein kleines Kommando mit etwa 50 Pferden verbleibt ständig in Potsdam, um mit dem Uebersiedeln des Hofes aus dem Berliner Bestand ergänzt zu werden. In dem Gebäude am Schloßplatz sind gegen 300 Pferde untergebracht. Sie sind auf zwei übereinander liegende Ställe verteilt. Diese ziehen sich an der Spree in einer langen
Reihe hin. Zn ebener Erde sind Wagenpferde, im ersten Stock, der mit einer Rampe zu erreichen ist, stehen Wagen- und Reitpferde. An der Spreeseite stehen die Pferde des Kaisers, gegenüber die der Kaiserin. Die Leibpferde des Kaisers sind in einem besonderen Stall untergebracht. Dort steht auch der Schimmel, auf dem der Kaiser in Jerusalem eingezogen ist. Die große Mehrzahl der Pferde entstammt heimischen Gestüten; meist find es Trakehner. Doch befinden sich einige englische Pferde darunter, Ungarn, schwere Mecklenburger für die Bespannung der Manöver- und Jagdwagen, Hannoveraner nsw. Auch mehrere Ponys für die jüngeren kaiserlichen Prinzen stehen in den Reihen der Reitpferde. Nach der Spree und dem Schloßplatz zu befinden sich die Remisen für die Wagen, deren Zahl etwa 200 beträgt.
• Bismarck und Bülow. Welcher Unterschied ist zwischen Bismarck und Bülow? Als Antwort hierzu wird dem nationalliberalen „Hann. Cour." als Foyerwitz aus parlamentarischen Kreisen berichtet: BiSmarck war der Hecht im Karpfenteich, Bülow ist der Aal im Karpfenteich, denn er bat bisher niemanden gebissen, geschweige denn gefressen, sondern sich überall glatt durchgewunden, ohne irgendwo anzustoßen. — Der Aal wird überhaupt gern im politischen Leben zu Vergleichen herangezogen. Der Staatsminister Graf Botho zu Eulenburg erfreut sich in Berliner Hoskreisen deS Beinamens: „Der geölte Aal". Trotzdem wußte er bekanntlich gleichzeitig mtt Graf Caprivi seinen Abschied nehmen, waS beweist, daß zuweilen nicht nur ein Aal, sondern sogar ein geölter Aal anstoßen kann.
• „Böse Menschen haben keine Lieder"? Man schreibt auS Paris: Die Musik wirkt besänftigend, veredelt die Sitten. In der Billette wurde, wie wir s. Z. kurz meldeten, auf Antrag der Staatsanwaltschaft zu Stuttgart der Portefeuillearbeiter Johann Daußmann aus Offen» bach verhaftet. Er spielte eben auf der Harmonika zum Entzücken aller Gäste des Schankwirts, bei dem ihn die Schutzleute gefunden hatten, denn er ist ein wahrer Meister agf diesem Instrument. Er fügte sich auch sofort in das Unvermeidliche, bat die Polizisten blos, ihm feine Harmonika zu lassen. Einen deutschen Militärmarsch spielend, marschierte er zwischen den zwei Schutzleuten munter nach dem Gefängnis der Polizeivräsektur, und soll heute oder morgen nack her Grenze gebracht, um auSgeliesert zu werden. Der sanfte heitere Harmonikaspieler hat weiter nichts auf dem Kerbhol», als eine Anklage wegen Brudermords,______ _____
Arbeiterbewegung.
— Die österreichische GcwerkschaftSkommisfion konstatiert nach einer Meldung des Arbeitsmarkt im allgemeinen eine Zunahme in der Mitgliederzahl der Organisationen. Nur bei den Metall-, Tixal- und namentlich bei den Bergarbeitern war eine Abnahme der Mitglieder zu verzeichnen. Der Rückgang bei den Bergarbeitern steht im Zusammenhänge mit der vorjährigen Lohnbewegung. 70 000 Bergarbeiter erklärten damals bekanntlich den Generalstreik, ohne daß Zeit gewesen wäre, die notwendigen organisatorischen Vorarbeiten zu bewältigen. Der Ausstand der Bergarbeiter hatte s. Zt nur Lohnerhöhungen und Verbesierung der Arbeitsverhältwfse, dagegen keine Verkürzung der Schichtdauer zum Erfolg. Daher kommt jedenfalls die Unzufriedenheit mit der Organisation und die Abnahme der Mitgliederzahl namentlich bei den Bergarbeitern.
Bekanntmachung.
Bei den am 12., 13. und 15. April 1901 auf OSwalds Garten ftattfinbenben Frühjahr- - Kontroll Versammlungen haben au« der Stabt Gießen zu erscheinen:
am 12. April, vormittags 8 Uhr
Offiziere, Sanitätsoffiziere unb Beamten ber Reserve unb Sanb» wehr I. Aufgebotes, sowie Reservisten der Infanterie, welche in btn Jahren 1893 unb 1894 ein getreten find, am 12. April, vormittags IO Uhr Reservisten der Infanterie, welche in den Jahren 1895 und 1896 eingetreten sind,
am 12. April, nachmittags 2 Uhr Reservisten der Infanterie, welche in den Jahren 1897, 1898, 1899 und 1900 eingetreten sind, sowie sämtliche zur Disposition der Truppenteile und her Ersatzbehörden entlassenen Mannschaften der Infanterie,
am 13. April, vormittags 8 Uhr Wehrleute I. Aufgebotes der Infanterie,
am 18. April, nachmittag- 2 Uhr Reservisten, sowie zur Dispositton der Truppenteile und der Ersatzbehörden entlassene Mannschaften aller Übrigen Waffen, am 15. April, vormittags 8 Uhr Wehrleute I. Aufgebotes aller übrigen Waffen, am 15. April, vormittags 10 Uhr Erfatzreservisten der Jahrgänge 1894—1900, am 15. April, nachmittags 2 Uhr Erfatzreservisten der Jahrgänge 1888—1893.
Befreiungsgesuche sind durch bas Hauptmeldeamt einzureichen unb müssen behördlich beglaubigt sein, können aber nur im dringendsten Notfall genehmigt werden.
Die Leute haben in bürgerlicher Kleidung zu erscheinen. Stöcke, Schirme, Pfeifen unb Cigarren sind vorher wegzulegen. Die Militärpapiere (Paß mit eingetiebter Kriegsbeorderung und Führungsattest) müssen zur Stelle sein.
Sämtliche Mannschaften stehen im Laufe des ganzen Kontrolltages bis einschließlich Mitternacht unter dem Mlüärgesctz.
Gießen, den 4. April 1901. 2645
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum.
Bekanntmachung,
betreffend: Die Heichelheim' Stiftung.
Aus obiger Stiftung sind am 19. Juni d. I. die halbjährigen Zinsen mit 525 Mk. an eine in Gießen wohnhafte, würdige und bedürftige israelitische Familie oder Perffon zu vergeben, Anmeldungen werden bis 15. April er. auf dem Büreau des Armenamts — Zimmer Nr. 2 — entgegen genommen.
Gießen, den 5. April 1901. 2670
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
I. B.: Wolff.
Bekanntmachung.
Wir bringen hierdurch zur Kenntnis, daß der Mittelweg längs der Maraarethenhütte vorn 10. d. Mts. ab bis au weiterer wegen Vornahme der Chaussierung an demselben nicht befahren werden kann.
Gießen, den 4. April 1901. 2678
Grvßherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
_______________Mecum._______________
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