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10.12.1901 Erstes Blatt
 
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Nr. 290

Erstes Blatt

Dienstag 10. Dezember 1901

151. Jahrgang

bluten will, aber auch dieser Zeitpunkt wird kommen, so gewiß kommen, als die Engländer niemals in der Lage sein werden, ohne Friedenspakt festen und sicheren Boden in Transvaal zu bekommen. Auch die englischen Gewalt­haber werden endlich einsehen, daß Friede allein Reichtum, Krieg aber Armut bringt, und das ist etwas, was gerade die englischen Krämerseelen am allerwenigsten vertragen können. Inzwischen beginnen die Buren, wie verschiedene Anzeichen verraten, mit der Wiederaufnahme der Thätig- keit. Mehrere Kommandos tauchten im Oranjestaat aus, darunter ein großes Kommando, das anscheinend von Dewet befehligt wird. Viljoen steht mit 400 Mann nördlich von Belfast an der Telagoa-Bahn und wartet die Ereignisse ab. Bayerns zieht sich nach Süden auf Landriverpoort zu, augen­scheinlich in der Absicht, sich westlich von Warmbad mit Bade- jcfyorft zu vereinigen. Nach einem Bericht Bothas sollen in Transvaal und im Lranjestaät noch 16 000 Buren im Felde stehen und 13 Kommandos in der Kapkolonie operieren.' New-Aorker Telegramme besagen, daß die britische Re­gierung im Westen der Unionstaaten große Massen an Pferden und Mauleseln für Südafrika auffaufcn lasse. Von New-Orleans gehen demnächst acht Dampfer mit 15 000 Tieren ab. Daraus wird gefolgert, daß das Ende desi Krieges entfernter ist als die britische Regierung einzu­räumen geneigt ist.

politische Wochenschau.

Sorten läßt sich trefflich streiten." Das bewiesen

k Ck- veAongenen Woche in ausgiebiger Weise die Freunde und die Gegner des Zolltarifs. 'Aus einer national ^enammlung wurde das Schlachtfeld in die Spalten sesGieß. Anzeigers" verlegt, und dieser Kleinkampf hätte vielleicht noch heute nicht ein Ende, wenn wir es nicht vor­igen, dem Waffentanz den Boden zu entziehen. Am gestrigen onntag tznte uns von dritter Seite ein neuer Schlachtruf zu.

/LOn x geschätzter Seite erhielten wir aus unserem städti- !§^"^rkreise eine sehr entschiedene längere agrarische Zu­schrift von einem Manne,der zwar nicht selber Bauer ist, Jön9e 3*a^re inmitten bäuerlicher Verhältnisse stand und nch darum ein Urteil über sie glaubt erlauben zu können." Der Artikel war offenbar vor Erscheinen unserer Sonntags­nummer an uns abgesandt, traf aber verspätet bei uns ein. Ssir haben bereits am Samhtag, bei Veröffentlichung der Lchlenke'scheu Duplik, einen Strich unter die Sache gemacht unter Hinweis auf die erschöpfenden Debatten im Reichstage, über die wir ja unsere Leser in ausführlicherer Weise als die meisten ganz großen Provinzialblätter. Darum muffen wir heute abstehen von der Veröffentlichung dieser ganzen Zu­schrift. Wir können es uns aber nicht versagen, einige ber markantesten Stellen doch wiederzugeben. Herr W. schreibt u. a.:

täglich «tu Ausnahme des Montags.

Die Giehener Samilten. matter werden dcmAn- Beiger im Wechsel mit bemHess. Landwirt' uni> benBlättern für -esfische Volkskunde' viermal wöchentlich bei­gelegt.

Redaktion, Expedition und Druckerei:

Schul st ratze 7.

Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen.

FtrnsprechanschlußNr.51.

sich ein System bereiten". Was ist es anders, als der Streit um ein System, um ein wirtschaftliches System, was sich gegenwärtig im Reichstage abspielt. Tie einen nennen es Hochschutzzoll, die anderen Handelsvertragsvolitik, und jeder sucht mit einem großen Aufwand von Worten den Gegner zu überzeugen, daß das von ihm empfohlene System das richtige ist. Leider kann man aber nicht sagen, daß der Aufwand der Worte stets in gleichem Verhältnis zu der Bedeutung dessen stand, was mit ihnen bewiesen werden sollte, und wenn man die Reichstags- Debatten der vergangenen Tage überblickt, dann stößt man auf die auf­fällige Thatsache, daß insbesondere die meisten Worte, die vom Regierungstische aus erklangen, nicht der Größe der Aktion entsprachen, die das Parlament beschäftigt. Das ist der Eindruck auf der rechten wie auf der linken Seite. Wie der Hase aber läuft, wer kann es wissen? Graf Bülow, der Reichskanzler, zerbricht sich bar ob noch nicht den Kopf; er hat ja, wie er unter Anlehnung von Don Carlos de- und proklamierte, seine Schuldigkeit gethan, und überläßt es jetzt dem Kardinal, soll heißen dem Zentrum, die seine zu thun.

Während so daheim und draußen heiße Wortgefechte tobten, die am letzten Ende mit bestimmend werden sollten für unser künftiges Verhältnis zum Auslande, waren in dem letzteren einige Vorkommnisse zu verzeichnen, die nach zwei Seiten hin von symptomatischer Bedeutung sind. Zum ersten Male seit den letzten dreißig Jahren wurde von der Tribüne der französischen Kammer herab der Name Deutschland ins Land gerufen, und zwar in einem Sinne, der beweist, wie sehr sich die Gegensätze im Völkerleben mit der Zeit auszugleichen beginnen. Ganz unverblümt wurde dort erklärt, daß Frankreich keinerlei Ursache hätte, vor einem Bündnisse mit Deutschland zurückzuschrecken, und es ist außerordentlich bezeichnend für die gegenwärtige Stimmung jenseits der Vogesen, daß sich in der Kammer keine Stimme erhob, die den Chauvinismus in die Er­scheinung treten ließ, der bisher stets zur Stelle war, wenn es gegen Deutschland zu demonstrieren galt. Die fran­zösische Presse zwar hat es sich nicht versagen können, dem unerschrockenen Deputierten mit Hohn zu begegnen; aber die Zeiten vergehen, und mit ihnen vernarben die Wunden. Sogar der Gedanke einer Allianz zwischen Deutschland und Frankreich ist jetzt laut geworden. Aller­dings scheint uns die Idee eines deutsch-französischen Bündnisses oder gar eines europäischen Kontinentalbundes gänzlich unausführbar, wenn auch die Beziehungen zwischen den beiden Großmächten zu keinerlei Bedenken, Anlaß geben und heute durchaus normal sind.

Von symptomatischer Bedeutung sind auch' die preußen- feindlichen Ausschreitungen der Polen, die aus Lem­berg und Wien, sowie aus Warschau gemeldet wurden. Ausschreittlngen, die sich gegen die berufenen Vertreter der deutschen Regierung wandten, und ihrer begleitenden Umstände halber die Diplomatie der beteilige ten Länder in Thätigkeit versetzten. Als Ausfluß groß- polnischer Bestrebungen verdienen sie die ernsteste Be­achtung der regierenben Gewalten, denn sie sind ein Symptom dafür, daß diese Bestrebungen im geheimen bereits weite Greife erfaßt haben, und auf dem Punkte angelangt find, wo sie staatsgefährlich zu werden drohen. Die Polen sind überaus leidenschaftlich veranlagt, und ihr Glaube an das'Roch ist Polen nicht verloren", mit dem einst ihre Vorfahren in der Schlacht bei Maciejowice Kos- ciuszkos WeherufeFinis Poloniae" beantworteten, ist heute noch so stark, daß auch der leisesten ihrer Regungen Be- achttmg geschenkt werden muß, umsomehr, als sie ja auch aus parteipolitischem Gebiete immer größere Neigungen zu selbständigem Vorgehen bekunden, Neigungen, die, falls sie verwirklicht und von Erfolg begleitet werden, sehr leicht ihr Bewußtsein noch mehr stärken und ihren nationalen Ideen weitere Nahrung zusühren könnten. Je mehr aber die Polen in Rußland, Oesterreich und Deutschland ihre nationale Solidarität betonen, umsomehr werden sich die drei Regierungen zu einer gemeinsamen Abwehr der Ge­fahr bereinigen. Daß Polen fein Recht auf Selbständigkeit verwirkt hat, daß dieses Voll nicht fähig ist, sich selber zu regieren, das hat man bei uns bereits anno 1848 gewußt. Wie manches andere Volk, so würde auch das polnische seinem Untergänge geweiht sein, wollte man es sich selber überlassen. Nach Mitteilungen ans Berliner Regierungs­kreisen und nach den Fraktionsverhandlungen der Konser­vativen und Nationalliberalen erscheint es absolut sicher, daß dem Ansturm, der von ben Polen in ihrer Reichstags- Interpellation beabsichtigt wird, sehr träfiig entgegen ge­treten wird. Wie verlautet, wird am morgenden Diens­tag der Reichskanzler die Grundlosigkeit der polnischen Auffassung betonen. Für die Konservativen wird Graf Limburg der Stimmung der Partei Ausdruck geben, und namens der Nationalliberalen wird Dr. Sattler sprechen.

Sonst ist aus dem Auslande von der verflossenen Woche wenig zu verzeichnen, das Anspruch auf eingehendere Be­achtung erheben könnte. Die mancherlei Gerüchte, die über einen Zwist zwischen der jungen Königin von Holland und ihrem Gemahl, dem einstigen Herzog aus dem Lande der Oootriten kursierten, mußten mehr und mehr der Wahr- heit weichen, die da kundthat, daß der eheliche Himmel keinerlei schwarzes Gewölk zeigt. Die Urheber der Ge­rüchte über ein angeblich am niederländischen Hofe bestehen­des Zerwürfnis werden gerichtlich belangt werden.

Dem zweiten aus dem Haag kommenden Gerüchte, das . von Friedenssondierungen zwischen England und den Burenstaaten erzählte, ist von Brüssel aus wider­sprochen worden. Nach einem alten Sprichwort pflegt zwar da, wo es raucht, auch Feuer zu fein, aber hier scheint es 1 nicht zuzutreffen. Man wird sich deshalb wohl noch gedulden i müssen, bevor England einzusehen beginnt, daß es so nicht weiter gehen kann, wenn es nicht völlig in Südafrika ver-

i- r?egen den Schutz der Landwirffchast durch Zölle auf aus- ianolfches (betreibe führt man aber an, baß baburch em notwenbiges -Lebensmittel in ungerechtfertigter Weife verteuert werbe. Nie ist ein so sinnloses und so perfides Wort in Umlauf gefetzt worben, cvS, m vcn *)cm. /Brotwucher" unserer Agrarier und Junker, wäre nich; möglich gewesen, wenn nicht gerobe bet ber ftabttfepen Bevölkerung, für bie es bestimmt war, sich oft bie krasseste ttnwtsienheit über lanbwirtschastliche Dinge fönbe, Darum seien rJ11 Paar allbekannte ThalsachenDins Gedächtnis zurückgerufen. Der Preis bei Getreides ist in den über zwanzig Jahren, feit wir Zone neben, nicht gestiegen, sondern immer gefallen, und be­sagt heute nicht -gmet Drittel des Preises vor Einführung der Zölle. Damals kostete der Doppelzentner Roggen meist zwanzig Mark, heute dreizehn Mark. Ein Zoll von fünf Mark soll iveniger eine wesentliche Steigerung des Getreidepreises bewirken, als das rapide und unaufhaltsame weitere Sinken desselben verhindern. Die Land­wirte werden sich nach ber Bewilligung auch bes neuen Zolles aus einige Jahre aus einen Getreidepreis von etwa 15 Mk. ein­richten dürfen.

Während das Brotgetreide sonach seit Einführung der Zölle ' um mehr als ein Drittel billiger rourbe, sinb alle Löhne g e- stiegen. Tie Landarbeiter ich nehme absichtlich bie Klasse, bie den billigten Lohn bezieht erhielt um 1878 herum in meiner Heimat einen Tagelohn von 1 Mk. 50 Psg. vielleicht auch 1 Mk. 60 Psg., heute 2 Mk. bis 2 Mk. 20 Psg. In Gießen um Umgebung werben bic Verhältnisse ähnlich liegen eine Erhöhung des Ar- beiteröexbieiiiies um etwa 30 Prozent wirb sich auch hier finben. Während sonach ber Arbeiter etwa um ein Drittel Hetzer bezahlt wirb, kostet bas (betreibe, bas er zu seinem Unterhalt braucht, ein Drittel weniger. Eine Verschlechterung ber Lebenshaltung weitester Kreise ist also durch bie Getreibezölle seither nicht bewirkt worben unb wird auch sicher in Zukunst nicht erfolgen hunbertmal wich­tiger als bie Frage, ob bas Getreide 13 ober lo Mark kostet, ist die Erhaltung einer dauernben und lohnenden Beschäftigung.

Der Schreiber dieses will offen bekennen, daß er in den allge­meinen Jubel über das Aufblühen unserer Exportindustrie nicht einslimmen kann. Statt in ihr ein Moment ber Stärke zu sehen, muß er sie vielmehr als den schwächsten unb angreif­bar st e n P u n f t unseres Wirtschaftslebens betrachten. Jebe Ausfuhr nach einem fremden Lande ist abhängig von ben politischen Zuständen unb ben Zollgesetzen biefes srentden Lanbes, Die sich änbern können, unb auf die wir in jebem Fall in Deutsch­land feinen Einfluß haben. So hat Amerika immer neue Ehikanen unb Zollschranken gegen den beutschen Hanbel gebraucht unb ihn dadurch lahmgelegt. Wo ist unser einst großer Export nach den Vercimgten Staaten hin? Er ist gewesen. So hat Kanada den Engländern einen Vorzugszoll erst von 25 Prozettt, später von 33 Prozent gewährt und dadurch andere Länder beinahe konkurrenz­unfähig gemacht. So ist in England eine beträchtliche, wenn auch jetzt etwas kleinlaut gewordene Partei am Werk, um zwischen Eng­land und seinen Kolonien einenZollverein" zu errichten mit gegenseitigen Vorzugszöllen. Zwar hat der neugegrünbctc austra­lische Staatenbund stch zunächft ablehnend dagegen verhalten, aber schutzzöllnecische Neigungen bekundet, und für endgiltig beseitigt bars man jenen Plan eines englischen Zollbundes nicht halten. Und sollte es England gelingen, die Buren niederzuwersen, was die Götter verhüten mögen, so ist ein südafrikanischer Zoll­bund in Sicht, der seine Spitze gegen die nicht englischen Staaten richten wird. Und was ist bann bie Folge, wenn plötzlich ber deutsche Produzent in einem fremden Lande ungünstiger als der einheimische ober als der englische behandelt wird? Doch dies, daß er mit geringerem Gewinn, vielleicht sogar mit Verlust ver­kauft und bald den Export ganz aufgiebt. Tausende von Arbeitern werden dann brodlos und auf die Straße gewiesen. Tie Erport- industrie ist bem immer ausgesetzt, wenn nicht das Land, nach dem exportiert wirb, eiuigermapcii unter feinem direkten Einfluß steht. Das ist am nacktesten von den Vertretern des englischen Jmpertalts- mus verkündet worden, die erklärten, die Zukunft Englands als Industrie- und Handelsstaat hänge davon ab, daß es nach einem möglichst großen Gebiet unter günstigeren Bedingungen als andere Staaten exportieren könne. Der Krieg gegen die Buren ist sogar oft genug unter dem Gesichtspunkte gerechtfertigt worden, baR es nur so möglich sei, A'rika für den englischen Hanbel zu gewinnen. Daß unsere deiilsche Exportinbustrie diesen Zilsalligkeiten, wte Er­höhung der Zölle in den Einfuhrländern nicht ausgesetzt sei, wird niemand zu behaupten wagen. Es ist sogar zu befurchten, daß fte in nicht ferner Zeit der Anlaß eruftcr Kriege werden wird, von denen die heutige wirtschaftliche Depression nur ein harmloses Vor­spiel ist. Nie darf man bei Beurteilung unserer wirtschaftlichen Lage bie Möglichkeit außer Augen lassen, daß durch Erhöhung ber Zollschranke in einem fremden Lande ein ganzer Zweig unserer heimischen Industrie im hanbnmbrehen lahmgelegt werden kann und tausende oder hundertlausende von Arbeitern nun ohne Be­schäftigung dastehen. Ties ist ein Schatten in bem Bilb, das man nur in ben hellsten Farben zu malen liebt.

Derweilen nimmt 4m Reichstag der vor acht Tagen begonnene Großkampf um den Zolltarif seine Fortsetzung. Um noch einmal mit Mephisto zu reden,mit Worten läßt

Politische Tagesschau.

Zur Anklage gegen die preußischen Universitätszustände" veröffentlicht Professor Wilhelm Förster, der Berliner Astronom, einen Aufsatz, in welchem er zu der Anklage des Professors Michaelis gegen das System Alt ho ff be­merkt:

Sicherlich wäre es nicht denkbar, daß ein solcher Mann in solcher Stellung ein Bild, wie dieses, ciihvorfcn hätte, wenn nicht an den betreffenden Stellen großa Fehlgriffe begangen worden wären, und noch be­gangen würden. Auch dort fehlt es empfindlich an der ruhigen Weisheit und Menschen­freundlichkeit, welche gerade der Geistesverfassung des Professorentums gegenüber durch weiterblickende Klugheit und Feinheit so sehr geboten wäre und so sehr viel wirksamer sein würde . . . Uebrigens ist hierbei noch zu bemerken, daß an den vorgekommenen Fallen schlechtester Behandlung der Universitäten nicht eigent­lich die Untcrrichtsbehörde, sondern die Gesamtregiernng mit ihrer so kläglich rückständigen polizeilichen Auf­fassung der sozialen Entwickelungsprobleme und Zu­stände schuld gewesen ist."

Professor Förster sucht gleichwohl die Berufung Spahns, einesKatholiken von namhafter Herkunft", zu rechtfertigen und schließt seine Betrachtungen wie folgt:

Ist denn die konfessionelle Einschränkung des reinen und freien Wahrheitsstrebens an unseren Univer­sitäten die größte Gefahr für die geistige und sittliche Klärung und Festigung der Jugend, und für die Ein­tracht des Zusammenlebens? Ich glaube das nicht, halte vielmehr dafür, daß die trennenden Wirkungen der kon­fessionellen Verschiedenheiten und Befangenheiten auch nicht entfernt so unheilvoll find, wie diejenigen Trüb­ungen des reinen Wahrheits- und Gerechtigkeitssinnes, von denen in dem Fieber nationaler Erregungen und Begeisterungen nicht wenige der Universitätsprofessoren, nicht blvs der deutschen, ergriffen sind, und mit denen sie das Urteil der Jugend, sowohl hinsichtlich des Rassen­hasses, als hinsichtlich der angeblichen Vaterlandsfeind- lichkeit der Besttebungen der unteren Volksklasscn, mit­unter so byzantinisch verwirren. Neben aller be­rechtigten Kritik der Fehler, die auch von der Negier­ung begangen werden, wäre hier für die ausgezeichneten» leitenden Männer des Universitätslebens ein reicheres Bethätignngsfeld für das Streben nach dessen Rein­haltung im Sinne intellektueller Wahrhaftigkeit."

Wir können es uns versagen, noch irgend etwas zum Falle Spahn zu bemerken, und geben diesen Auszug in .einer zweiten Hälfte lediglich der Vollständigkeit halber. Aus Bonn verlautet, daß dort ebenso wie in H a l l e Ge­neigtheit besteht, sich mit Mommsen solidarisch zu erklären, lieber bic Gründe wird aus der rheinischen Universitätsstadt geschrieben, daß Bonn schon eine katholische Geschichts­professur und obendrein eine große katholisch-theologische Fakultät besitze, eine Zustimmungsbewegung also die Pro­fessorenschaft in zwei Lager teilen würde, während man augenblicklich froh sei, daß zwischen den Fakultäten ein leid­licher Friede herrscht.

Dann nimmt man auf den Umstand Rücksicht, daß der deutsche Kronprinz zur Zeit und noch auf zwei Semester hinaus, Schüler der Universität ist. Käme eine Zustimmungs-Adresse zu stände, so würde dies die vielen Lehrer des Kronprinzen, die persönlich alle auf Momm­sens (Seite stehen, zu einer nicht angenehmen Entscheid­ung drängen. Endlich scheint auch die persönliche Ab­neigung des einen oder anderen gegen den Wortführer der deutschen Profefsorensreiheit mitzufpielen. Würde aber eine gemeinsame Adresse der gesamten deutschen Pvofessorenschast vorbereitet werden, so würde sicher auch der größere Teil der Lehrer der Friedrich Wilhelms-Universität darin ihren Platz finden."

Auch hieran irgend welche Bemerkilngen zu knüpfen erübrigt sich ri

Die Polen zu Hause.

Wie die Polen in Galizien, die jetzt so eifrig gegen Preußen hetzen, sich in i.jrepi eigenen Hause gebärden, schil­dert dieNatioyal-Zeitung" folgendermaßen:

Blicken wir nach Galizien, der Heimat des Polen­klubs, wo diese Herrschäften ihre ideale Landesautonomie-

GietzenerAnzeiger z

General-Anzeiger w

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Amts- Md Anzeigeblalt für den Kreis Gießen MM

i_ i- '________ R-r jcigentcil: Hans Beck.