Ausgabe 
10.10.1901 Zweites Blatt
 
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Scheep-er s Kommando steht bei Niederockertskraal. Allen diesen Burenkommandos sind die Engländer dicht auf den Fersen. Fast täglich finden Gefechte statt. Nach einer Privat-Meldung a- s Matjesfontein hatte Major Ca- vagnac ein Gefecht mit dem Kommandanten Scheeper bei LoverocLertslraal, wobei ein Bur getötet und 8 gefangen genommen wurden. Man ersieht auch aus diesen höchst einseitig gesandten englischen offiziellen und nichtofsiziellen Berichten, daß. zur Zeit eine sehr lebhafte Kriegsthätigkeit auf südafrikanischem Boden herrscht. Das Kriegsglück ist bald den Buren, bald den Anderen hold.

Der Geburtstag des Präsidenten Krüger, der auf Donnerstag fällt, wird mit Rücksicht aus die Trauer des Präsidenten weder in Hilversum, noch von den süd­afrikanischen Vertretern im Haag offiziell gefeiert werden. .Nur Wessels und Wolmarans werden sich am Donnerstag nach Hilversum begeben, um ihre Glückwünsche zu über- bringen.

Dr. Krause erschien am Dienstag wiederum vor dem Bowstreet-Polizeigericht in London. Er wird des Hochverrats und der Aufreizung zum Morde, bezichtigt. Der öffentliche Ankläger führte aus, bei der Übergabe der Stadt Johannesburg habe Krause, der da­malige Burenkommandant der Stadt, von Lord Roberts einen 24 stündigen Waffenstillstand auf die Angabe hin zugebilligt erhalten, daß dadurch ein Straßenkampf ver­mieden werden würde. Krause habe die Zeit aber dazu benutzt, die Machtmittel der Republik zu Wirken, indem ter 180 000 Pfund Sterling von Johannesburg nach Pretoria svrtschaffen ließ. Die Anklage brachte sodann Material bei, das geeignet war, darzuthun, daß Krause mit dem erst vor wenigen Tagen wegen Hochverrats Hingerichteten Broeksma in Verbindung gestanden hat. Dr. Krause soll danach in englische und festländische Blätter bestimmte Auslassungen lanziert, und diese als wahre Aeußerungen der öffentlichen Meinung nach Südafrika gesandt haben, um den Widerstand der Buren zu beleben, in der Hoff­nung, daß eine fremde Macht sich einmischen werde. Tie Anklage bemüht sich des Weiteren nachhuweisen, daß der Angeklagte in Briefen an Broeksma diesen aufgesordert hätte, den dem Stabe des Lord Roberts zugeteilten Rechts­anwalt Douglas Foster zu erschießen, gegen den Krause einen Groll hegte. Krause soll ferner Flugblätter geschrieben haben, in denen er die Buren aufforderte, ihren Eid zu brechen und die Verräter zu erschießen. Tie Verhandlung erregte intensives Interesse und sand vor dichtgedrängtem Auditorium shatt. Dr. Krause sah elend, aber gefaßt aus und lächelte seiner unter den Zuhörern befindlichen Schwester zu, als er seinen Sitz auf der Anklagebank nahm. Der Staatsanwalt Muir beantragte, daß über den Angeklagten Tetention im Gefängnis verhängt werde, bis er nach Transvaal deportiert worden sei. Vorerst aber wurde die Prozeßverhandlung auf eine Woche vertagt, um dass Eintreffen weiterer Schriftstücke abzuwarten.

Aus Stadt und Sand.

Nachrichten von allgemeinem Interesse sind uns stets willkommen und werden angemessen honoriert.

Gießen, den 9. Oktober.

* * Das Regierungsblatt Nr. 64, ausgegeben am 7. Okt., enchäll eine Bekanntmachung, die Zurückziehung des der Ge­meinde Kostjheim zur Ausgabe von Schuldverschreibungen auf den Inhaber am 25. März d. I. erteilten Genehmigung betreffend.

* * Personaluachrichten. Der Großherzog hat am 28. September den von der Dekanatssynode des Dekanats Büdingen für den Rest der lausenden Wahlperiode vollzogenen Wahlen des evangel. Pfarrers Eduard Ellenberger zu Ortenberg zum Dekan und des evangel. Pfarrers Johannes Göbel zu Büdingen zum Stellvertreter des Dekans des Dekanats Büdingen die Bestätigung erteilt.

* Aus dem Theaterbureau. Mit vollständig neuer Aus­stattung an Dekorationen und Kostümen geht am Freitag den 11. d. M. ShakespearesKaufmann von Venedig" in Szene.

* * Der Theater-Verein bringt in seiner ersten Vorstellung am Dienstag, den 2 9. Oktober, eine Novität, das SchiffeidramaDie Hoffnung" des Holländers Heijer- manns zur Aufführung. Daffelbe wurde vor 14 Tagen erst­malig vom Schauspielhause in München und vom Deutschen Theater in Berlin gegeben und wird seitdem am letzten Theater z. B. jeden zweiten Abend wiederholt. Auch in Köln wurde es in der vorigen Woche erstmalig aufgeführt. Für die Hauptrolle der Frau Kniertje hat der Theaterverein Frau Teller-Habelmann vom Kölner Stadttheater ge­wonnen. Es dürfte sich empfehlen, die Beitrillserklärrmgen zum Theatervcrein möglichst bald (bei Herrn Challier, Neuen­weg) abzugeben, da in der nächsten Woche die Verlosung der Sperrsitzplätze stattstndet.

** Die gestrige Monatsversammlung des Kriegervereins war ziemlich gut besucht. Es wurde zunächst vom 2. Vor­sitzenden Bericht erstattet über die im Gang befindlichen Vor­bereitungen zu den Werning'schen Kriegsfestspielen. Sodann berichtete Kamerad Bommersheim über die Ge­fechte bei Briare im Dezember 1870 und Jauuar 1871, in denen unser hiesiges Regiment einer großen feindlichen Ueber- macht gegenüber stand. Nur seinem schneidigen Draufgehen hatte das Regiment es zu danken, daß es nicht völlig ein­geschlossen wurde. Der Vortrag war um so anschaulicher, als Kamerad Bommersheim über Selbsterlebtes sprach. Sein Bericht wurde noch ergänzt durch Mitteilungen der Kameraden Landgerichtsrat Sandmann und Margolf, die an jenen Ge­fechten ebenfalls teilgenommen haben.

Das außerordentlich unfreundliche Oktober-Wetter hält an. Der kalte, schneidende Wind hat ja nachgelassen, aber es fällt ein übler, feintropsiger Regen. Die Temperatur hat sich dabei erheblich gehoben, doch der Barometer unterliegt un­ausgesetzt heftigen Schwankungen und ist über Nacht wieder be­trächtlich gefallen. Das Wetter ist so ungemütlich, wie die Zustände in Ungarn nach den Wahlen. Und bei all der Feuchtigkeit in der Luft prophezeite der scherzhafte Herr Falb für die Zeit vom 7. bis 10. Oktoberziemliche Trockenheit"! Ach nein, wir haben jetzt den richtigen nassen Herbst, der auf den Straßen Tümpel an Tümpel reiht, der Schnupfen und Schnupfenfieber mit all ihren lästigen und bösen Folgen vielen Unvorsichtigen bringt. Auch in unserer allgemeinen Lebens- ,Haltung macht die Witterung, die uns den Winter ankündigt, bemerkbar. Die große Frage der Heizung wird entrollt, und ängstlich denkt du Hausfrau an den Kohlenkrieg. Aber wenn der Herbst auch ein unfreundliches Gesicht macht, so braucht

man noch nicht zu glauben, daß er, trotz Falb, diese verdrieß­liche Miene immer behalten wird und daß er ein Vorbote eines so strengen Winters ist, wie er uns vergangenes Jahr zu teil wurde. Er kann auch ganz freundlich sein, und manchmal fördert er recht hübsche Scherze zu Tage, ohne daß er's selber weiß. Jedes Käseblättchen muß nämlich jetzt seinen üblichen Oktober­artikel bringen und der fällt dann mitunter außerordentlich komisch aus. So erzählt gerade bei dem jetzigen Unwetter dieButzb. Ztg." allerlei Schönes von der unübertrefflichen Malkunst dieses Monats. Sie hat ja damit nicht so Unrecht, aber man höre nur, was sie ihren Lesern zu erzählen weiß. Sie schreibt u. a.:

Es ist geradezu staunenswert, welche Farbenreflexe auf diese Blätter gezaubert werden. Große Künstler, wie Kaulbach, De­fregger, Menzel und Piloty haben vergeblich versucht, diese Farvenschatlierungen aus die Leinwand zu bannen.

Es ist immer riskant, von schönen Dingen zu schreiben, von denen man nichts versteht. Von den genannten vier großen Malern hat Menzel vielleicht an zwei oder drei Herbst­skizzen sich versucht, die aber sehr wenig bekannt geworden sind und zu seinem Ruhme wahrlich nicht das allergeringste beigetragen haben. Kaulbach aber und Piloty haben bekannt­lich niemals Landschaften gemalt, sondern sind allezeit Figuren­maler gewesen, und ein oder zwei Defreggersche Genrebilder müßten eigentlich auch dem Butzbacher Zeitungsschreiber bekannt sein; von Landschaften und gar Herbstbildern Defreggers aber dürfte kein Galeriedirektor je gehört haben. Daß die großen Künstler von Fontainebleau, daß Rousseau, Corot u. a. wundervolle Herbstlandschaften geschaffen haben, daß die Worps- weder und Dachauer, daß Wilh.Trübner im nahen Frankfurt und Hans Thoma in Karlsruhe Herbststimmungen der Natur nach­empfunden haben, die ebenbürtig sind den schönsten Natur­liedern Eichendorfs und Uhlands, das braucht ja schließlich ein Butzbacher Redakteur nicht zu wissen. Aber wir möchten ihm doch ein gutes Buch empfehlen, aus dem er mancherlei lernen könnte. Es ist für 80 Pfg. schon zu haben und be­handelt unsere neueste Malerei. Verfasser ist der bekannte Prof. Rich. Muther in Breslau (Verlag von Göschen in Leipzig). Wenn er dieses niedliche kleine Büchelchen, den letzten Teil einerGeschichte der Malerei", gelesen hat, dann wird er nicht mehr solche Märchen anderen Leuten auftischen. Die Verheerungen, die der orkanartige Sturm angerichtet hat, werden erst allmählich bekannt. An der Straße Ober- OhmenUlrichstein entwurzelte der Sturm mehrere starke Bäume und warf sie quer über die Straße. Der von Ruppertenrod kommenden Abendpost mußte erst durch Wegschaffung der Baumstämme Bahn geschaffen werden. An der Straße RuppertenrodErmenrod stürzten ebenfalls ver­schiedene Bäume. Durch den starken Gewitterregen floß die Ackererde von den Aeckern an Bergesabhängen ins Thal, so daß bei verschiedenen Mühlen ganze Wagen voll Muttererde angeschwemmt wurden. In Ermenrod wurde einem Land­wirt vom Sturme der Wagen umgestürztRrnd von den Wasserfluten eine Strecke weit fortgetrieben. Wo noch Kartoffeln in der Erde staken, da wurde diese samt den Furchen aufgerissen und fortgeschwemmt. Ueber dem ganzen Vogelsberg donnerte und blitzte es. Soweit unser ^-Korrespondent. Unser -n-Mitarbeiter schreibt aus Mainz: lieber den Orkan laufen hier noch fortgesetzt Hiobs- posten ein. Besonders großen Schaden hat er an Reben- geländen angerichtet. Die meisten Chausseen um die Stadt herum, sind mit umgestürzten Bäumen, Baumkronen und Aesten bedeckt. Stellenweise ist das Laubwerk so massenhaft auf den Landstraßen, daß der Verkehr sehr beschwerlich ist. Unser ke-Korrespondent schreibt: Im Frankfurter Stadtwalde sind bei dem Sturme ca. 2000 Kbm. Holz gefallen. Ein überraschendes Vorkommnis aus dem Taunus verdient Erwähnung. In Hofheim kam am Sonntag Vormittag ein 2 Vs Jahre altes Kind abhanden. Am Montag Vormittag wurde es auf dem Feld mit dem Gesicht nach unten schla­fend aufgefunden. Es hatte während des schweren Unwetters und der kalten Nacht zugebracht, ohne daß sich bis jetzt Nachteile für seine Gesundheit gezeigt haben. Bei Siegen erfolgte ein Dammbruch des Eisenzecher Weihers. Große Wasser­massen ergossen sich in das angrenzende Gelände und rich­teten namentlich in Eiserfeld großen Schaden an. Bei einer in einem offenen Segelboot auf der Weser unternommenen Fahrt von Hammelwarden nach Rönebeck (Groß. Oldenburg) verunglückten die Insassen. Schiffsbaumeister Schierloh, dessen Sohn und der Schiffszimmermann Schmers sind durch Ken­tern des Bootes ertrunken. Auch an der Ostseeküste hat der Orkan überall großen Schaden angerichtet. Der Wasser­stand im kurischen Haff erreichte eine seltene Höhe. In Vorstadt Schmelz bei Memel stürzte ein bewohntes Haus ein. Im ganzen Alpengebiet ist die Temperatur rapid gesunken. Alle Berge sind bis zur Thalsohle in Schnee eingehüllt. Der Bautechniker Spoetel und die Beamten Melzer und Kuchne aus Innsbruck unternahmen am Samstag einen Aus­flug insKarwendelg ebirge, nm noch die nicht er stiege ne Spitze Jägerkar zu erklettern. Seitdem ist von ihnen keine Nachricht eingelaufen. Wahrscheinlich sind sie von einem Schneetreiben überrascht worden. Eine Rettungsaktion ist eingeleitet worden, die alsbald Melzer tot auffand. Die an­dern hat man noch nicht finden können. Der Sturm hat endlich auch in ganz England großen Schaden angerichtet. Zahlreiche Verletzungen sind vorgekommen, darunter viele mit tätlichem Ausgange. In Indien dagegen ist lange kein Regen gefallen.

** Der Verein zur Züchtung reiner Hunderaffcn hält am 20. Okt. auf der Schönen Aussicht sein Herbstpreisschliefen ab. Es soll das größte werden, das bisher voran "'.aitet worden ist. 36 Nennungen sind eingelaufen, darunter von den größten Dachshundzüchtern.

** Auszeichnung. Der Großherzog hat dem Garn.-Bau- insp. Schild bei dem Garn.-Bauamt Darmstadt das Ritter­kreuz erster Klasse des Verdienstordens Philipps des Groß­mütigen verliehen.

k Merinz, 8. Oft. Auf Veranlassung des Finanz­ministeriums in Darmstadt finbet morgen Mittwoch unter Zuziehung von Interessenten, darunter Vertretern der Han­delskammern in Mainz, Worms und Bingen, eine Be­fahrung des Rheins von Worms bis Bingen statt, bie den Zweck hat, Gelegenheit zu geben, die im letzten Jahrzehnte ausgeführten Strom- und Hafenbauten kennen zu lernen und etwaige in dieser Richtung vorhandenen Wünsche zur Kenntnis der Behörden zu bringen. An diese Rheinbeftrhruug reiht sich am 10. Oktober sine fZü-

sammenkunst der Interessenten auf dem hiesigen Krers- amte, bei welchem etwaige Beanstandungen und Wünsche zu Protokoll genommen werden. Zu dem Entwürfe einer neuen Maß- und Gewichtsordnung für das Deutsche Reich hat die hiesige Handelskammer in ihrer letzten Sitzung folgendermaßen Stellung genommen: Die Handelskammer erklärt sich damit einverstanden: 1. Verstaatlichung des Aichwesens. 2. Einführung der sach- licken Rechtseinheit mit Bayern und Anerkennung der ge- aichten Gewichte und Wagen im ganzen Deutschen Reiche. 3. Obligatorische Nachaichung innerhalb bestimmter Fristen an Stelle der seitherigen technischen und polizeilichen Re­vision. 4. Ausbehnung des Aichzwanges auf Fässer für Obstwein und Bier. 5. Milderung der Strafbestimmungen durch Fortfall des Paragraphen 369 des Strafgesetzbuches. 6. Ermächtigung des Bundesrates und der Landeszentral- lehörden, vorzuschreiben, daß bestimmte Waren im Ver­kehr nur nach Maß ober nur nach Gewicht gewerbsmäßig verkauft oder feilgehalten werden dürfen.

Offenbach, 8. Okt. Ueber den in vor. Nr. berichteten blutigen Vorfall in der hiesigen Kaserne wird derOffb. Ztg." mitgeteilt, daß der im Schlaf überfallene Einjährig-Freiwillige mit seinen Angreifern vorher keinerlei Auseinandersetzungen usw. hatte, sondern lediglich den Befehl seiner Vorgesetzten befolgte, die Mannschaften nicht in unnötiger Weise mit Bier, Cigarren usw. zu traftiren, wodurch er das Mißfallen der beteiligten Schlagfertigen" hervorrief.

Offenbach, 8. Okt. Der Sparkasserechner Maier ist unter Mitnahme von Kassengeldern ver- chwunden. DieOfsenb. Ztg." meldet hierzu: Ueber die Flucht und die Veruntreuung des Sparkassenrechner- Franz Maier erfahren wir noch folgenbes: Die Gattin Maiers erhielt gestern vormittag einen ziemlich ver­worren abgefaßten Brief ihres Mannes, worin dieser ihr mitteilt, er müsse sie verlassen und werde, sobald er auf icherem Boden sei, dem Oberbürgermeister Aufklärung über den Anlaß zu seiner Flucht geben. Die Fran ließ sofort den Brief durch den Bruber Ätaiers der Bürgermeisterei überbringen, worauf der Oberbürgermeister ungesäumt die Mitglieder des Sparkassenvorstandes zusammenrief. Auch der Polizei wurde Mitteilung gemacht, und diese sandte augenblicklich eine Anzahl Depeschen nach allen Richt­ungen, um eine Festnahme des Geflüchteten zu bewirken. Auf dem Kassenbureau, wohin sich bie Vorstandsmitglieder begaben, war man wegen bes Ausbleibens Maiers bereits tutzig geworden. Gegen 1 Uhr wurde eine Revision der Kasse vorgenommen. Das Resultat derselben war: Die Hauptkasse mit 82 000 Mk. Bestand wurde samt allen Wert­papieren inkl. der Koupons völlig in Orbnung gefunden; bagegen stellte sich bei der Tageskasse, in welcher 1200 Mk. gefunden wurden, ein Manko von ca. 11340 Mk. heraus, welche Mluier veruntreut hat. Tie Bücher und Belege der Kassen wurden, ebenso wie bei der letzten, im August vor­genommenen Revision, in Ordnung gesunden. Von Frank­furt aus hat Maier am Sonntagabend an eine hiesige Bankfirma sowie an einen Freund ihm früher geliehene Geldsummen im Betrage von 1200 bezw. 600 Mk. gesandt. Am Sonntag hat Maier noch bis 11 Uhr im Bureau ge­arbeitet; wahrscheinlich hat er bei dieser Gelegenheit den Fehlbetrag an sich genommen. Auch Sonntagnachmittag ist Meyer noch hier gesehen worden. Ein in der Stadt verbreitetes Gerücht, daß der Defraudant in Basel fest­genommen worden fei, bestätigt sich nicht. Erwähnt sei noch, daß Maier 42 Jahre alt und seit 1884 im Dienst ist. Zum Rechner der Sparkasse wurde er am 19. Oktober 1899 gewählt. Maier ist Vater von fünf Kindern. Er war sonst ein pflichteifriger, gewissenhafter Beamter, der sich in seiner früheren Stellung bei der Sparkasse, die er 15 Jahre bekleidete, gut bewährt hatte. Heute nachmittag 6 Uhr findet eine dringliche Staotverordnetensitzung statt, auf deren Tagesordnung als einziger Punkt die Verun­treuung Maiers steht.

Bad-Nauheim, 8. Okt. Wie derWett. Anz." meldet, sind zum Nachteil des hiesigen Turnvereins Unterschlagungen vorgekommen.

Hanau, 8. Ott. Ein Juwelen -Dieb stahl in Leeds (England) hat den Reisenden einer hiesigen Firma betroffen. Am 30. September machte der Reisende der Firma W. Behrens-Hanau, um die Mittagszeit bei einem Juwelier in Leeds eine Offerte. Beim Verlassen des Wagens war der Dienstmann, welcher den Musterkoffer auf einem Hand­karren nachfuhr, mit diesem verschwunden. Infolge der sofort gemachten Anzeige, wurde von der Polizei ein Steck­brief erlassen. Ein Teil der Waren wurde in Manchester ermittelt, und der Bruder des Thäters, sowie zwei andere Personen wurden verhaftet. Ter fragliche Kommissionär war bereits feit Jahren zur Beförderung der Koffer im Hotel Metropole thätig und dem Reisenden durch einen Angestellten empfohlen. Der Inhalt des Koffers hatte einen Wert von ca. Mk. 20 000 und ist bei der Versicherungs­gesellschaft Allianz Berlin gegen Tiebstahlsgefahr versichert.

* Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Wegen fottgesetzter körperlicher Mißhandlung seines Schwieger­vaters wurde in Wiesbaben der Landwirt Wilh. Müller von Laubach zu 8 Monaten Gefängnis verurteilt. Der deutsche Bädertag, der in Kolberg dieser Tage stattfand, wählte für den nächstjährigen Versammlungsort Bad-Nauheim. In der Herbstoersammlung der Freien Vereinigung Deutscher Installateure in Saarbrücken wurde als zur Errichtung einer deutschen Installateur-Fachschule Frankfurt a. M. in Aus­sicht genommen. Herr Dr. med. Pulzner in Allendorf a. d. Lda. teilt uns mit, daß das von ihm behandelte drei­jährige Söhnchen eines Arbeiters zu Nüdingshausen nicht an den Folgen einer Phosphorvergiftung durch 23er- schlucken von Phosphorköpfen gestorben ist. Bei dem Knaben sind überhaupt keine Symptome einer solchen aufgetreten; vielmehr war die Todesursache eine schwere beiderseitige katarrhalische Lungenentzündung im Anschluß an Keuchhusten.

Theater, Kunst und Wissenschaft.

Breslau, 8. Okt. Die Generalversammlung des evange­lischen Bundes zur Wahrung der protestantischen Interessen wurde abends mit einer Begrüßungsversammlung in der neuen Börse eingeleitet. Generalleutnant Schuch brachte ein Hoch auf den Kaiser aus und begrüßte die Versammlung im Namen des fehlest- scheu Hanptvereius.

Gerichtssaal.

Gießen, 8. Okt. G e w e r b e g e r i ch t. Unter dem Vorsitz des Beigeordneten Wolfs kam die Klaae des Knechtes Ludwig Becker gegen den Unternehmer Albett Rübs amen zur Verhand­lung. Der Kläger verlangte 41 Mk. rückständigen Lohn, ermäßigte diesen Anspruch jedoch aus 21 Mk., nachdem ihn der Beklagte bis aus diesen Betrag hefriedigt hat. Der Beklagte wendete ein, das; mit dem Kläger im Mai ds. Js. vereinbart worden fei, daß all­wöchentlich 1 Mk. von dem Lohne einbehalten würde mrd daß die