Ausgabe 
10.9.1901 Zweites Blatt
 
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und alles Grüne weggesresfen. Dann zog die Abteilung ab, ohne uns eine Bescheinigung über das, wgs sie genommen hätte, aus zu stellen.

Deutsches Reich.

Berlin, 8. Sept. Der erste Vorsteher der Stadtverord- neten-Versamrnlung von Potsdam August Heinrich Pusch, hat sein Mandat niedergclegt und die goldene Amtskette dem Magistrat bereits zugestellt. Der Rücktritt erfolgt lediglich aus Gesundheitsrücksichten und wegen hohen Alters.

Berlin, 8. Sept. Gestern besuchte Prinz Tschun in Begleitung mehrerer europäischer und chinesischer Sperren den Zoologischen Garten, dessen Sehenswürdigkeiten er unter Führung des Direktors Dr. Heck in Augenschein nahm. Außerordentlich gefielen dem Prinzen die neuen Tierhäuser in ihrem exotischen Baustil. Der Prinz verweilte nahezu anderthalb Stunden im Garten.

Das Moltke-Denkmal der deutschen Armee soll dem National-Denkmale des Fürsten Bismarck gegenüber gestellt und auf der anderen Seite der Sieges­säule vor dem Neuen Königlichen Opernbause errichtet werden. Zu diesem Zwecke soll gleichzeitig der Königsplatz neu reguliert werden.

Bei den diesjährigen Kaisermanövern treten neue Destillier-Apparate in Thätigkeit, durch die große Wassermassen, eventuell auch Meerivasser, für Mensch und Tier genießbar gemacht werden, können. Man hofft durch diese Einrichtung besonders typhösen Erkrankungen bei großen Truppenübungen vorzubeugen. Nach Beendigung der Manöver werden auch bei anderen Hebungen Versuche mit den Destillier- Apparaten angestellt werden.

Graf Wäldersee hat sich von Holstein nach Berchtesgaden begeben.

Der russische Botschafter Gras v. d. Osten-Sacken, von dem es hieß, daß er dem Kaiser Nikolaus auf seiner Fahrt nach Danzig entgegenreisen werde, wird an der Zusammenkunft Der Kaiser nicht teilnehmen. Der Bot­schafter, der mit seiner Gemahlin in Ragaz zur Kur weilt, wird auf Wunsch des Zaren diese nicht unterbrechen und nach.Ablauf seines Urlaubs nach Berlin zurückkehren.

" DasArmeeverordnungsblatt" veröffentlicht eine allerhöchste Kabin ettsord r e, wonachverheiratete Angehörige der ostasiatischen Besatzungsbrigade, die mit Genehmigung des Kommandeurs ihre Familien nach den Standorten in China heranziehen, die Kosten für Hin- und Rückbeförderung der Familien, sowie die Miets-Ent­schädigung für die verlassene heimatliche Wohnung nach Maßgabe der für die Versetzung im Frieden geltenden Bestimmungen erhalten.

Münste r l W., 7. Sept. Nach Empfang des Prinzen Tschun sandte der Kaiser an die Familie des Freiherrn v. Ketteler hier folgendes Telegramm:Am heutigen Tage, in welchem die amtliche Sühne für das an dem Vaterland und Ihrem Gemahl begangene Verbrechen erfolgte, gedenke ich seiner Gattin und seiner Mutter in besonders herzlicher Teilnahme."

Hamburg, 7. Sept. Die am Handel mit Columbien- beteiligten Hamburger Firmen ersuchten den Reichskanzler, den Gesandten in Bogota zu veranlassen, zum Schutze des durch Kontributionen dep eolumbischen Regierung bedrohten deutschen Eigentums einzutreten; fte baten ferner um Ent­sendung des KreuzersVineta" an die columbische Küste.

Kiel, 8. Sept. Der Kaiser hat das Urteil gegen den wegen Unterschlagung zu einjährigem Gefängnis und Ausstoßung aus der Marine verurteilten Oberleutnant zur See Butterlin bestätigt, und das Gnadengesuch um Er­laß der Reststrafe abgewiesen.

Königsberg i. Pr., 8. Sept. Der Kaiser verblieb gestern nachmittag in seinem Arbeitszimmer. Die Kaiserin besuchte gestern nachmittag das Krankenhaus zur Barm­herzigkeit. Der Kronprinz stattete abends seinem Regiment einen Besuch ab. Heute vormittag fand in der hiesigen Schloßkirche aus Anlaß des zweihundertjährigen Bestehens des Königreichs Preußen Festgott es,dien st statt. In der Kirche hatten die Militärbehörden, Vertreter der Stadt, die Generalität, Lehrkörper, Abordnungen der Studenten­schaft, Abordnungen von Offizieren und Mannschaften der hiesigen Garnison Platz genommen. Zur Seite des Altars standen die Wahrzeichen des ersten Armeekorps, hinter den Thronsesseln das Kaiserpaar, unter dem Thronhimmel die Fahnen des ersten Garderegiments und die Standarten des Regiments Garde-du-Korps. Auf dem Schloßhofe bil­deten Abteilungen des RegimentsKronprinz" und der Wrangel-Mrassiere Spalier vom Schlütcrbai: bis zum Ein­gang in die Kirche. Unter Glockengeläute begab sich das Kaiserpaar in feierlichem Zuge über den Schloßhof zur Kirche. Den Zug eröffneten Kuriere, Pagen und Kammer- Herren. Es folgten die Hofchargen mit den Reichsinsignien. Kammerherr Graf von Kalnein-Kilgis trug die Reichsinsig- nien, Graf Doenhoff-Hriedrichstein das Schwert, Graf Eulen- burg-Prassen den Reichsapfel, Graf v. Schlieben-Sanditten das Zepter, Fürst zu Dohna-Scylobitten die Krone. Es folgte das Kaiserpaar, der Kaiser in GeneralSuniform, die Kaiserin in tiefer Trauer. Hinter dem Kaiser trug General von Linde- quist das Reichspanier. Es folgten der Kronprinz, Prinz Albrecht, Prinz Friedrich-Heinrich, die Generalität, die höhere Umgebung, des Kaisers. Beim Er­scheinen des Zuges in der Kirche intonierte der Berliner Domchor den 47. Psalm. Das Kaiserpaar nahm auf den Thronsesseln Platz, die Insignien wurden vor dem Altar niedergelegt. Nach Gemeindegesang und Gebet folgte das LiedEin' feste Burg ist unser Gott", vorgetragen vom Kosleck'schen BläserkorpZ. Tie Predigt hielt Oberhosprediger Dryander. Den Schluß machte das von Gemeinde und Dom^ chor unter Begleitung des Bläserkorps gesungene nieder- ländische Dankgebet. Das Kaiserpaar begab sich sodann in gleich feierlichem Zuge über den Schloßhof in seine Ge­mächer zurück.

Gumbinnen, 6. Sept. Der angeblichen neuen Spur in Bezug auf den Mörder des Nittmeisters von Krosigk liegt, wie dieDeutsche Tgztg." erfahrt, folgender Thatbestand zu Grunde: Am Mordtagc, den 21. Januar d. I., gegen 4 Uhr nachmittags, kam in ein Restaurant der Tilsiterstraße ein aJlann, welcher Gegenstände zur Aufbewahrung gab. Es steht nun nach übereinstimmenden Ermittelungen fest, daß dieser Mann unter einem Militärmantel mit Mütze Zivil- kleldung trug. Kurz nach der Mordthat, als dieselbe noch mcht ruchbar geworden war, kam der Mann zurück, und ent- fernte sich schnell. Im Prozeß ist sodann wiederholt von Belastungisgeugen behauptet worden, daß an dem Mordtage nachmittags Zivilpersonen nicht in der Kaserne, am aller­wenigsten aber auf dem an die Reitbahn grenzenden Hof gewesen sind. Jetzt haben sich aber Zivilpersonen gemeldet

die bezeugen, daß auch sie an dem Mordnachmittage bei der Kaserne in der Nähe der Rettbahn zu thun hatten. Die weiteren Ermittelungen nach dieser Richtung hin werden von einem Privatdetektivbirrcau geleitet, sodaß die Verteidigung im Falle einer neuen Gerichtsverhandlung in der Lage sein wird, mit ganz neuem Entlastungsmaterial aufwarten zu können. Amtliche Vernehmungen haben in dieser neuen Sache oisher noch nicht stattgcfunden.

Ausland

Wien, 7. Sept. Der Obmann der deutschen Volkspartci Abg. Kaiser richtete einen offenen Brief an den Abg. Schönerer, worin er sich gegen dessen Angriffe in seiner Salzburger Rede ans die deutsche Volkspartei wendet und Beweise für die Behauptung verlangt, daß die Volkspartei ihr Programm verleugnet und ihre Mitglieder Pfründen und reichlich bezahlte Stellen anftreben. Solange Schönerer feine Behauptungen nicht beweise, seien sie gewissenlose Lügen und Verleumdungen. Schönerer hasse die Volkspartei, weil sie einen unfehlbaren Führer und absoluten Herrscher, lüie er cs ein wolle, nicht anerkenne. Schönerer schädigte die deutsche Voltssache durch seine Herschsucht, seinen Hnfehlbarkeitsdünkel und die Verhetzung der deutschen untereinander.

Prag, 7. Sept. DasPrager Tagbl." meldet aus Karlsbad: Prinz Tschun wird am 16. in Karlsbad zu einem vierwöchigen Aufenthalte eintreffen. Im Stadtteile Westend wiirde für ihn eine Villa gemietet.

Olmütz, 8. Sept. Der von etwa 3000 Personen besuchte Katholikentag, sowie die gleichzeitig von dem hiesigen deutschen Verein einberufene, von etwa 5000 Personen, Da­runter Abordnungen aus den deutschen Städten in Nord- mäbren und Schlesien, abgehaltene Protcstversammlung sind völlig ohne Zwischenfall verlaufen.

Helsingoer, 8. Sept. Ter König von England ist an Bord derOsborne" mittags gegen 11 Uhr auf der Rhede ein getroffen. Tie von zwei englischen Kreuzern eskortierteOsborne" wurde von der Feshung Kronenborg und dem auf der Rhede liegenden dänischen Geschwader mit Salutschüssen empfangen. Um 11.45 Uhr trafen die kaiser­lichen und königlichen Herrschaften aus Kopenhagen und Fredensborg ein. Gleich darauf verließ der König Eduard dieOsborne" und ging an Land. Die Begrüßung war sehr herzlich. Beim Empfange waren der Minister des Aeußeren und der Marineminister anwesend. Nach dem Empfange begaben sich die Herrschaften gemeinsam nach Fredensborg.

Roeskilde, 7. Sept. Ter König von Däne­mark, der Kaiser und die Kaiserin von Rußland und die Mitglieder der dänischen Königsfamilie sind heute mittag hier eingetroffen, um, anläßlich des Geburtstages der ver­storbenen Königin Kränze am Grabe derselben niederzulegen. Um 1 Uhr erfolgte die Rückreise nach Fredensborg.

Belgrad, 6. Sept. Infolge des Umstandes, daß König Alexander am- Hoflager in Smederevo letzter Tage mehrere Politiker empfangen hat, die als Gegner der jetzigen Regierung bekannt sind, entstanden Gerüchte von einer baldigen Aender- ung in der Richtung, daß statt der jetzigen, aus Radikalen und Fortschrittlern gebildeten Regierung durch Beiziehung von Hofliberalen ein Koalitionskabinet gebildet werden soll. In ernsten politischen Kreisen ist man der Meinung, daß eine solche Acnderung nicht bevorsteht.

Belgrad, 8. Sept, Dieser Tage reist der frühere ser­bische Militärattachee in Wien, Oberst Wasa Antonitsch, in einer Spezialmission nach Cettinje; er soll später znm Gesandten beim Fürsten von Montenegro ernannt werden. Es ist dies der erste Schritt zur Wiederherstellung freund­schaftlicher Beziehungen zwischen Serbien und Montenegro.

Konstantinopel, 7. Sept. In einer Note der Pforte an die Botschaften wird mitgeteilt, daß die Aufhebung der bisherigen Zollfreiheit für sämtliche Kultus- und Wohlthätigkeits-Anstalten, deren Stellung zur Pforte nicht binnen Jahresfrist geregelt wird, angeordnet worden ist. Besonders betroffen werden die zahlreichen französischen geistlichen Schulmissionen, deren teilweise Unterdrückung die Pforte durch ihre Maßregel herbeiführen zu können hofft.

Ncw-Nork, 7. Sept. Hiesige Exporteure bringen auf Landung amerikanischer Truppen am Isthmus von Panama. Im Staatsdepartement hatte der eolombische Gesandte eine lange Konferenz.

Washington, 7. Sept. Die hiesige kolumbische Gesandtschaft erhielt heute von Beeerra, dem früheren kolumbischen Gesandten in Washington, aus Willemstad (Insel Curacao) eine von heute datierte Meldung, daß die venezolanische Flotte Rio Hacha, an der Nordküste Kolum­biens, bombardiere.

Peking, 7. Sept. In der spanischen Gesandtschaft fand die Unterzeichnung des Friedensprotokolls statt. Die Gesandten und ihre Sekretäre trafen um 11 Uhr daselbst ein. Li-Hung-Tschcmg und Prinz Tsching kamen in Sänften, von Kavallerie begleitet. Sobald die Unterzeichner ver­sammelt waren, hielt der spanische Gesandte de Calogan als Doyen des diplomatischen Korps eine Ansprache, in welcher er die Hoffnung aussprach, daß die Unterzeichnung des Protokolls eine neue Aera der Beziehungen zwischen China und den Mächten kennzeichnen werde. Prinz Tsching erwiderte, er sei glücklich, daß die Schrecknisse des letzten Jahres beendet seien und gab der Zuversicht Ausdruck, daß man keinen neuen Bruch in den Beziehungen zwischen China und den Mächten mehr erleben würde, denn China werde alle ihm obliegenden Verpflichtungen erfüllen. Li-Hung- Tschang schien sehr schwach. Die Franzosen haben Paotingfu vollständig geräumt. Die Engländer und Amerikaner sind ermächtigt worden, bis zur Herstellung von Baracken in den Tempeln zu verbleiben. Der russische Ge­sandte wird demnächst abreisen.

Aus MM und Land.

(Der Abdrnckder unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe:Aictz.'rlnz." gestattet.)

Gießen, 9. September 1901.

k. Geh. Regiernngsrat Dr. Braden-si. In Friedberg ist am Samstag Nachmittag plötzlich und unerwartet der Geh. Regierungsrat und Kreisrat Dr. Braden infolge eines Schlaganfalles gestorben. Cr hatte wenige Minuten vorher noch die Vereidigung der neuen Stadtverordneten vollzogen, und war auf dem Rückwege zu seiner Wohnung begriffen, als ihm auf offener Straße plötzlich unwohl wurde. Der Tod trat nach einigen Augenblicken ein; die ärztliche Hilfe, die alsbüld zur Stelle war, kam zu spät. Jedenfalls hatte

die Vereidigung den Verstorbenen sehr aufgeregt, denn cr war sich bewußt, daß dies einer seiner letzten wichtigen Amtshand­lungen sein würde, nachdem cr so manches Jahr segensreich im Interesse der Stadt gewirkt hatte. In beredten Worten hatte cr diesem Bewußtsein auch Ausdruck gegeben und sich unter herzlichem Händedruck von dem neuen Vertreter der Stadt verabschiedet mit den Worten:ich werde mein Fried­berg nie vergessen". Ganz Friedberg ist tief erschüttert; all- eitig nimmt man die größte Anteilnahme wahr. So war es dem Verstorbenen nicht vergönnt, den wohlverdienten Ruhe- tand, in den cr am 1. Oktober treten wollte zu genießen.

** 'Hairpt'Vsrstmnilung des Mittelrheinischen GaS- und Wasserfachm'änner-Vereins. Die gestrige Tagung des Mittel- rheinischen Gas- und Wasserfachmänner-Vereins nal)m bei zahlreicher Beteiligung den schönsten Verlauf. Die Verhand­lungen wurden durch den stellvertretenden Vorsitzenden, Direktor Bergen, mit einer Begrüßung der Teilnehmer eröffnet. Provinzialdirektor Geheimrat von Bechtold und Bürger­meister Mecum begrüßten gleichfalls mit warmen Worten die Versammlung und wünschten den Verhandlungen guten Erfolg sowohl im Interesse des Vereins als auch unserer Stadt. Es wurden zahlreiche.Vorträge gehalten, auf deren Inhalt wir in einem längeren Bericht noch zurück­kommen werden. Insbesondere fesselten auch die beiden Vor­träge, die im Hörsaal des chemischen Laboratoriums mtt zahl­reichen glänzenden Erperimenten von Privatdozent Dr. Eid- mann und Dr. Kirstein bargebotenrourben. Nachmittags schloß sich ein Festessen an, an bem etwa 125 Personen teil­nahmen. Das Festessen nahm gleichfalls ben schönsten Ver­lauf unb bilbete ben fachwissenschaftlichen Darbietungen bes Tages einen roürbigen Abschluß. Heute fiinbet bie Besichti­gung bcs Gaswerks, bcs Elektrizitätswerks unb bes Volks- babs statt.

* * Stationsgehilfen. Schon früher ist vom Minister bet öffentlichen Arbeiten bestimmt worben, baß ben Gehilfen für ben mittleren Eisenbahndienst sofort bei der Annahme zu eröffnen ist, daß ihre etwaige erste etatsmäßige Anstellung grundsätzlich nur im Unterbeamtenverhältnis erfolgen könne. Auch sind bei Deckung des Bedarfs von Gehilfen im mittleren Dienst unter den brauchbaren Bewerbern solche zu bevorzugen, welche sich zur Ausbildung und Anstellung als Unterbeamte von vomehercin bereit finden. Daher sollen bei der Auswahl von Bewerbern für Gehilfenstellungen solche geeignete Per­sonen besondere Berücksichtigung verdienen, welche als Hilfs­unterbeamte oder Arbeiter ihre Tauglichkeit und Bereitwillig­keit für die Verrichtungen im Unterbeamtendienste bereits nachgewiesen haben. Im Anschluß hieran hat nunmehr der Minister angeordnet, daß für die Folge lediglich im Dienste erprobte Hilfsunterbeamte und Arbeiter als Stationsgehttfen angenommen werden dürfen. Ausnahmen hiervon sind nur in besonderen Fällen mit Zustimmung der Eisenbahndirektion zulässig.

* * Zur Frage der Haftpflicht der Lehrer. Die Ansicht, daß ein Lehrer jetzt in höherem Maße als früher für Unfälle hafte, die den Schülern beim Turnen, bei einem Schulaus­flug usw. zustoßen können, ist nichts weiter als eine subjektive Auslegung eines Paragraphen des Bürgerlichen Gesetzbuches, die bisher in der Rechtsprechung keinen Anhalt hat. Nach Auffassung hervorragender Juristen hat das bürgerliche Ge­setzbuch hier, wie in vielen anderen Beziehungen, nur daL bis dahin bestehende Recht einheitlich ausdrücken wollen. Eine Verschärjung ist keineswegs herbeigeführt worden.

* * Militärisches. Wie alljährlich, so fand auch dieses Jahr ein Schießen um den Kaiserpreis auf dem Truppen­übungsplatz bei Darmstadt statt. Von den 96 Kompagniecn des 18. Armeekorps kamen 4 Kompagnieen in engeren Wett­bewerb, von denen die 2. Kompagnie des Jnf.- RcgimentsKaiser Wilhelm" Nr. 116 als Siegerin hervorging. Der Kompagnie, die schon feit Jahren durch ihre vorzüglichen Schießleistungen bekannt ist, wurde durch allerhöchste Kabipetsordre das Kaiserabzeichen für 1901 verliehen.

** Versammlung des Bezirks-Lehrerturn- Vereins Gießen. Am Samstag fand in Großen-, Linden im GasthausZur Linde" an der Haltestelle eine Versammlung oes Bezirks-Lehrei>Turnvereins Gießen statt, zu der eine Anzahl Mitglieder des Bezirks Lich und Turn-Inspektor Schmuck aus Tarmstadt erschienen waren. Zunächst führte Lehrer Jung in Leihgestern mit seiner Klasse Stab- und Geräteübungen vor; darauf ent­wickelte Turninspektor Schmuck eine neue schöne Gruppe von Stabübungen. Die Schüler zeigten sich den Anforder­ungen in jeder Hinsicht gewachsen, und Inspektor Schmuck sprach dem Lehrer wie den Schülern seine volle Anerkenn­ung aus. Bei dem nachfolgenden gemütlich^ Teil be­grüßte der Vorsitzende, L ach-Großen-Linden, die zahl­reichen Gäste und verlas Grüße vom Kreisschulinspektor Prof. Dr. Lucius-Gießen und von dem Bezirk Grün­berg, die beide leider am Erscheinen verhindert waren. Der Redner stellte fest, daß gerade durch die Anwesenheit des Turninspektors bei einer Lektion auf dem Lande betont werde, daß der Lehrerturnverein lediglich im Interesse des Schulturnens wirken wolle, und daß der systematische Stofs nebst der ausgezeichneten Methode den Bedürfnissen nicht nur der entwickelten, sondern auch in gleicher Weise der einfachen Volksschulen gerecht werde. Neben der be­ruflichen Anregung dieser Versammlungen werde aber gleichzeitig auch das kollegiale Moment in erweitertem Umfange gepflegt, was dem ganzen Stande nur zur inneren Kräftigung den Tagesfragen gegenüber ausschlaaen könne. Turninspektor Schmuck führte aus, daß bei Der Anregung zur Bildung eines Turnvereins! jede Nebenabsicht ferngelegen habe, daß vielmehr das, was in anderen Staaten möglich sei, auch in unserem Lande allmählich sich an­bahnen solle, nämlich eine lebendigere Verbind­ung des Schulturnens mit den Fortschritten des Turnwcsens überhaupt. Nur allzu rasch kam die Stunde des Abschieds, und die Versammlung trennte sieb mit dem Wunsche:Auf Wiedersehen!"

** Aufhebung der Sonntags fahrkarten. In Bezug auf die Sonntagsfahrkarten ist demMainz. Anz." von der Kgl. Preuß. u. Großh. Hess. Eisenbahndirektion in Mainz ein Schreiben folgenden Inhalts zugegangen: Eine Aufhebung dieser Verkehrseinrichtung erfolge zur Zeit nicht, sondern nur eine Einschränkung. Diese werde sich so vollziehen, daß Sonntagsfahrkarten nur noch in solchen Verkchrsbeziehungen verausgabt.werden würden, in welchen bisher ein nennenswerter Absatz stattgefunden, sowie dem ursprünglichen Zweck der Einrichtung entsprechend. nur für den Verkehr von größeren .Städten nach" solchen