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10.7.1901 Erstes Blatt
 
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f- Gruuberg, 7. Juli. Recht betrübende Zustände müssen in einem Dorfe der Nachbarschaft herrschen. Dem dortigen Gesangverein war vom KreiSamt die Genehmigung zu seinem 25 jährigen Fahnenjubiläum erteilt, Tags darauf aber wieder entzogen worden mit der Begründung, daß man eine all­gemeine Schlägerei vermeiden wolle. 18 Vereine hatten ihr Erscheinen zu dem Fest bereits zugesagt. Sie haben sich nun nicht unerhebliche Kosten umsonst gemacht. Die Spannung zwischen den Ortsbürgern rührt noch von der vor zwei Jahren stattgehabten Bürgermeisterwahl her. Jetzt haben fich die Gemüter erst recht erhitzt und eine Einigung dürste auf Jahre hinaus nicht zu erwarten sein. Dieser Fall dürfte wohl vereinzelt dastehen und bildet darum den Gesprächsstoff für die ganze Umgegend.

f. Vom Hoherodskopf, 8. Juli. Von herrlichem Wetter begünstigt, fand gestern hier das Jahresfest desVogels berg er Höhenklubs statt. Zahlreiche Freunde des V. H.-Kl. waren von Nah und Fern zur Teilnahme an dem Fest erschienen. Kaum vermochte das Klubhaus und die sich anschließende Halle die Festteilnehmer zu fassen. Der Vor­sitzende des V. H.-Kl., Oberförster Dieffenbach aus Schotten begrüßte die Anwesenden mit einer herzlichen An­sprache, in der er seine Freude darüber aussprach, eine so stattliche Zahl von Gästen begrüßen zu können. Sodann gab er der Hoffnung Ausdruck, daß die Absicht des V. H.-Kl., auf dem höchsten Punkte Hessens dem Altreichskanzler Bismarck einen Turm zu errichten, sich bald verwirklichen möge. Er schloß mit einem Hoch auf den Kaiser und den Großherzog. Daß Fest nahm den heitersten Verlauf. Ein Musikkorps spielte seine lustigen Weisen, nach der sich die Jugend im Tanz drehte, und auch die Klubwirtschaft that ihr Möglichstes, um die Gäste zufriedenzustellen.

Mainz, 8. Juli. Im benachbarten Marienborn hat am Samstag auf dem Felde der verheiratete Landwirt Heinrich Secker auf ein älteres Mädchen ein Sittlichkeits­attentat verüben wollen. Als sich das Mädchen verzweifelt gegen den Unhold wehrte, zog er sein Messer und verletzte das Mädchen lebensgefährlich. Secker ist flüchtig gegangen. In der Feldbergstraße stürzte heute nachmittag ein Balken vom 5. Stockwerk eines Neubaues herab und erschlug den untenstehenden Maurermeister Nikolaus Zimmermann von hier.

Vermischtes.

* Braunschweig, 7. Juli. Seitdem die Polizei­behörden in verschärfter Weise gegen die Ausführung von Mensuren vorgehen, mehrt sich! auch die Zahl der wegen Zweikampfes zu Festungshaft Verurteilten. Ta aber im hiesigen Kreisgefängnis zur Zeit immer nur drei zu Fest­ungshaft Verurteilte untergebracht werden können und neuerdings das verhängte Strafmaß an elf Uebertretern zwischen 1 und 3 ein halb Monaten schwankte, so würde über ein Jahr vergehen, ehe die letzten dieser elf ihre Strafe antreten könnten. Um diesem Uebelstande abzuhelfen, ist jetzt ein Projekt ausgearbeitet worden, wonach! vor dem Kreisgefängnisse an der Rennelbergstraße ein Bau auf­geführt werden soll, der die zu Festungshaft Verurteilten

aufnehmen sott. Sobald die erforderliche Genehmigung er­teilt sein wird, soll mit dem Bau begonnen werden.

* Graz, 8. Juli. Ter aus Rostow flüchtige Kassierer Tolmatosf, dev dem Großhändler Riedel emen großen Vetrag desraudiert hatte, wurde hier verhaftet. Ter Bankbeamte Greiner und der Buchhändler Handlos sind gestern auf dem Hochlantsch ab gestürzt und tot geblieben. Tie Leiche des abgestürzten Tirektors der Steyrthalbahn, Peyrer, wurde gestern an der Ostwand des Luganoberges gefunden.

Meratur, Wissenschaft und Kunst.

Nürnberg, 8. Juli. Gestern wurde hier der fünfte deutsche Kongreß für Volks- und Jugendspiels eröffnet. Freiherr von Schenckendorfsi Görlitz hielt einen Vortrag über:Zehn Jahre unserer Arbeit". Rektor Scheibmaier-München erklärte im Namen des Mini­steriums deS Innern, daß es im Jugendspiel einen vollberechtigten Be­standteil des SchullebenS erblicke. Hofrat Stick-Nünberg besprach den Wert und die Bedeutung der Leibesübungen, besonders der Volks- und Jugendspiele für die Schule und das Volk. Dr. Schmidt-Bonn sprach über das Thema:Inwiefern tragen die Jugendspiele zur Bekämpfung der Volkskrankheiten, namentlich der Tuberkulose bei?

Meratur.

Die gefällige Form der Monographien, welche die bekannte Verlagshandlung Velhagen u. Klastng etngesührt hat, ihre reiche künsteertsche Ausstattung, der stets gediegene T«xk und der sehr billige Vrrts der einzeln käuflichen Bände haben solchen Be'sall gefunden, dah sich die Firma zur Herausgabe einer neuen Folge der Sammlung ent- scd'ossen hat, die HannS von Zabeltitz mit einer Monographie Der Wein"' eröffnet. Es existiert in der That in deutscher Sprache und, soweit uns bekannt, auch tm Auslande kün ähnliches Werkchcn; wohl giebt es schwerere wissenschaftliche Werke über die Reben und een Wein, einzelne ausgezeichnete Abhandlungen, besonders französische, über einzelne Wetnbaudistrckte, aber kein so auf den praktischen Ge­brauch aller Freunde eines guten Stoffes zugeschntttenes, Übersicht­lichts, bei aller Kürze doch erschöpfendes, humorvolles Buch wie dieses. Einige Abschnitte, z. B. über den Rheinwein, die Mosel-, Saar- und Ruwerweine, die Bordeaux Gewächse, dann über bin Champagner, sind ganz besonders gelungen. Und wie ist dies Buch illustri-rl! Neben klassischen, dem edlrn Wein und den fröhlichen Z'chern gewidmeten Bildern finden wir da fast alle berühmten Weinlagen nach Origtnal- «usnahmen wiedergegeben, frohen famose Zeichi'ungen über die Technik der Champagnerfabrikation, finden da8 Po.trät der geliebtesten aller Witwen, btr Veuve Cliquot, den weltberühmten Grabstein mit der Inschrift Eet-Est-Eet von Monte fiascone und eine reiche Fülle anderer, höchst eigenartiger Illustrationen. Es ist eine wirkliche Freude, in dem originellen Büchlein zu blättern, eine noch größere, in ihm zu studieren. Alles in allem: ein billiges und prächtiges Gefchenkwerk für jeden Herrn!_______________________________________

Gerichtssaai.

Mainz, 8. Juli. Der Redakteur derIsraelitischen Wochenschrift" Max Albert Glaußner in Berlin wurde vom hiesigen Schöffengericht wegen Beleidigung des Redakteurs desIsraelit" Oskar Lehmann hier zu 50 Mk. Geldstrafe verurteilt. Die Beleidigung war durch Notizen im Briefkasten derIsraelitischen Wochenschrift" verübt worden und angeblich deshalb, weil derIsraelit" derWochenschrift" des Angeklagten mehrere unbe­deutende Notizen ohne Quellenangabe abgedruckt hatte.

Krieskasten der Redaktion.

B. B. und Ge. Der Journalist Wohlmuth steht in keinerlei Beziehungen zu unserer Redaktion. Für den Gießener Anzeiger bestimmte Nachrichten wolle man also stets an uns direkt gelangen lassen.

Wöchentliche Ueberficht der TodesWe in Gietzeu

26. Woche.Z Vom 23. bis 29. Juni 1901.

Einwohnerzahl: angenommen zu 25 900 (incl. 1600 Mann Militär) SterblichkettSziffer: 10,04, nach Abzug der Ortsfremden 6,02<Vl0.

Kinder

ES starben an: Zusammen: Erwachsene: tm vom

1. Lebensjahr: 2.-15. Jahr:

Tuberkulose d. Lungen 1 1

Tuberkulose anderer

Organ- 2 (2) 2 (2)

Gehirnerweichung 1 1

Schlagfluß 1 1

Summa: 5 (2) 5 (2)

Anm. Die in klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von au-wärtS nach Gießen gebrachte Kranke kommen.

*

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Bekanntmachung.

Es wird hierdurch zur Kenntnis gebracht, daß Mittwoch den 10. Juli d. IS., nachmittags von 5 bis 6 Uhr, in der Gewerbeschule dahier, Asterweg 25, der letzte öffent­liche Impftermin für die Stadt Gleßm abgehalten wird, worauf die Mütter der in früheren Jahren geborenen und wegen Krankheit zurückgestellten Impflinge besonders aufmerksam gemacht werden.

Gießen, den 6. Juli 1901. 4804

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

_______________Mecum._______________

Wchlfeuerwehr.

Donnerstag den 11. Juli d. I., abends SVa Uhr, im Tnrmhouse am Braud:

Uebung der 3. u. 4. Rotte.

Gießen, am 5. Juli 1901. 4737

_______________Der Branddirektor: Traber.

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Gießen, den 10. Juni 1901. Großh. Ortsgericht Gießen.

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