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Nr. 83 Erstes Blatt.
Mittwoch 10. April 1901
151. Jahrgang
Adrtfse für Depesch«« Anzeiger Sietze«.
Frrnfprkchanschtuß Nr. DR.
vezuqrpreir triertrllfiteL Mk. 2.20, monatl. 75 dtzg. mrtPringcrlobn; durch kw Abholrstrllrn vierlkljöbrt. Mk. 1.90, monatl. 65 4^.
Bel Postbezug vicrteljichvl. Mk. 2.00 ohne Bestell^»
vlle MnyiaeniBennttlluiiM» Kellen bei In. und fluSlanw nehmen «rqetotn für bM Siebener «nzelaer tntgewu LeNrnprrt» lokal 11 WW, eueedrte M Psg.
W GretzenerAnzelger
w General-Anzeiger V
easL~,‘ Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Amtlicher Heil.
<n «s, Gießen, ben 4. April 1901.
«etr.: Die Einsendung der für die LandeSwaisenaustalt zu erhebenden Kollekten und Büchsengelder.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
au die Großh. Bürgermeistereien deS Kreise-.
Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 10 Februar 1877 (Amtsblatt Nr. 3) noch nicht entsprochen haben, werden an deren Erledigung erinnert.
_______________ v. Bech told.
„ A Gießen, den 6. April 1901.
Betr.: Die Feierabendftuude.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen ott die Gr. «ürgermeistereie« bet Landaeseindeu de- Kreises.
Soweit Sie unferet Auflage Dom 12. März I. I. (Amts- Matt ohne Nummer, noch nicht entsprochen haben, werden Ste an deren Erledigung erinnert.
________ v. Bechtold.
Bekanntmachung.
Betr.: Schafräude zu Großen-Bnseck.'^
Die über die Schafherde in der Gemarkung Großen- «nfeck verhängten Sperrmaßregeln find wieder aufgehoben worden. 7
Gießen, den 4. April 1901.
Großherzogliches Kreismnt Gießen.
_______ I Dr. Heinrichs.
Bekanntmachung,
Betr.: Verminderung der Herbstzeitlos«.
Im Interesse der Wiesenkultur ordnen wir auf Grund des Art. 24 der Wiesenpolizei Ordnung auch für das laufende Jahr an, daß die auf den Wiesen wachsenden Herbstzeit' losen zur Zeit des höchsten Saftstandes durch Ausrupfen der Stengel beseitigt werden. Das Ausziehen hat möglichst bei feuchtem Boden zu geschehen, damit der Schaft der Pflanzen nicht schon dicht unter dem Boden abbricht.
Die ausgerupften Pflanzen find nicht auf die Wege zu werfen, woselbst die Schafe durch das Freffeu derselben Schaden nehmen können, sondern abseits von den Wegen unterzubringen; ebensowenig ist das Werfen dieser Pflanzen in die Fi sch wasser oder solche speisenden Gruben, Aus fiüsse u. bergt, zulässig, da zu befürchten steht, daß das darin enthaltene Gift den Fischen nachteilig ist.
Die Beseitigung der Herbstzeitlosen hat bis zum LV. Mai l. I. zu erfolgen, die bis dahin säumigen Besitzer haben die Erhebung von Strafanzeigen zu gewärtigen.
Gießen, den 4. April 1901.
Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold.
Gießen, den 4. April 1901. Betr.: Wie oben.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
au die Großh. Bürgermeistereien des Kreises.
Die vorstehende Bekanntmachung wollen Sie alsbald und dann nochmals nach 14 Tagen in ortsüblicher Weise veröffentlichen lassen.
Hinsichtlich der Gemeindewiesen wollen Sie, insofern dieselben nicht verpachtet find und hiernach den Pächtern die Beseitigung der Herbstzeitlosen obliegt, das AuSrupfen auf Gemeindekosten veranlaffen, wozu zweckmäßigerweise Schulkinder zu verwenden find.
Bis zum 25. Mai I. I. erwarten wir Ihren Bericht darüber, ob unserer Anordnung entsprochen worden ist. Etwaige Anzeigen, welche Sie wegen ungenügenden Befolges derselben für erforderlich halten, wollen Sie und hierbei, ehe Sie die dieselben in das Feldrügeregister aufnehmeu, mit vorlegen.
v. Bechtold.
Bekanntmachung.
Betr.: Maul« und Klauenseuche.
Da nunmehr die Schafherden wieder auf die Sommer- weiden getrieben werden, bringen wir unsere Anordnung vom 10. Mai 1899 nachstehend in Erinnerung.
Für den Fall von Zuwiderhandlungen behalten wir uns die Sperrung des ganzen Kreises gegen den Dnrchtrieb von Schafen vor.
Nachdem in 2 Fällen die Einschleppung der Maul- und Klauenseuche in den Kreis durch wandernde Schafherden fest
gestellt worden ist, ordnen wir hiermit gemäß § 8 des Aus- schreibens Großh. Ministeriums des Innern vom 3. Juli 1897 an, daß wandernde Schafherden im Kreise Gießen nur die Kreisstraßen benutzen dürfen und der Führer derselben mit dem Zeugnis eines beamteten Tierarztes versehen sein muß, in welchem da» Freisein der Herde von Maul- und Klauenseuche bescheinigt ist. Ein solches Zeugnis ist 3 Tage laug giltig und muß dem PolizeiauffichtSpersonal, in allen Fällen aber unaufgefordert der Ortspolizeibehörde desjenigen Orts vorgezeigt werden, in dessen Gemarkung die Herde zum Aufenthalt eiugeführt wird. Zuwiderhandlungen unterliegen der Strafbestimmung in § 66, 4 des Reichsgesetzes vom 23. Juni 1880.
Gießen, den 10. Mai 1899.
Großherzogliches Kreisamk Gießen, v. Bechtold.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen äu die Ortspolizeibehörde« uud die Gendarmerie deS Kreises.
Sie wollen wandernden Schafherden Ihre besondere Aufmerksamkeit zuwenden, fich die in obiger Bekanntmachung erwähnten Zeugnisse vorzeigen lassen und im Falle Zeugniffe nicht vorgelegt werden können, die sofortige Einsperrung der Herde und ihre Bewachung insolange anordnen, bis die Seuchefreiheit der Herde durch kreisveterinärärztliches Zeugnis nachgewiesen ist, und uns sofort Nachricht geben. Wird die Verseuchung festgestellt, so ist den Anordnungen deS Großh. KreiSveterinärarzteS aufs püukltchste zu entsprechen.
v. Bechtold.
Die französischen Festlichkeiten.
i.
Präsident Loubet ist am Ostersonntagnachmittag in Begleitung deS Ministers deS Auswärtigen Delcasse und des KricgSministcr-0 (Senwat «nbr« «ad) Nizza aVgerelp, WO er am Ostermontagvormittag -intruf. In dem Augenblicke, als der Zug in den Bahnhof einfuhr, begann die Salutbatterie einen Salut von 100 Schüssen abzufeuern. Auf dem Bahnhofe waren zum Empfange erschienen der komman- dierende General des 15. Armeekorps Metzinger und der Kommandant des Mittelmeergeschwaders Admiral de Maigret, Vertreter der Civil- und Militärbehörden sowie mehrere Senatoren uud Deputierte. Nach der Begrüßung der Anwesenden verteilte der Präsident mehrere Auszeichnungen und fuhr sodann zur Präfektur, wo viele Reden gehalten wurden. Als Doyen des Konsularkorps gab der italienische Generalkonsul den Wünschen für das Wohlergehen LoubetS uud Frankreichs Ausdruck, worauf Loubet neben Worten des Dankes die Hoffnung aussprach, daß die Konsuln bei den französischen Behörden jede Unterstützung fänden, auf die sie Anspruch hätten. Nach Beendigung der Empfänge faud bei dem Präsidenten in der Präfektur ein Diner im kleinen Kreise statt.
In Toulon ist am Montag das italienische Geschwader, das Schlachtschiff „Lepanto" mit dem Herzog von Genua an Bord voran, unter dem Donner der Geschütze der HafenfortS und der französischen Schiffe eingetroffen. Der Marine-Präsekt Vizeadmiral de Beaumont begab sich alsbald mit den Offizieren seines Stabes an Bord des „Le- panto- und gab in seiner Ansprache an den Herzog den Gefühlen freudigen Stolzes darüber Ausdruck, daß es ihm vergönnt sei, den Gast willkommen zu heißen und die Flotte der befreundeten Nation zu empfangen. Der Herzog von Genua betonte in seiner Entgegnung, er freue sich darüber, daß er mit einer so angenehmen Mission beauftragt worden sei. — Auch das spanische Panzerschiff „Pelayo" ist in Toulon eingetroffen.
Engländer uud Buren.
Vom ostafrikauischen Kriegsschauplatz liegen zwei für die Buren günstige Meldungen vor. Die ,,TimeS" melden aus Kapstadt: ScheeperS Kommando nahm am 6. ds. Mts. 20 Meilen nördlich von Aberdeen eine Abteilung englischer Reiterei gefangen. — Wie dasselbe Blatt vom 6. d. M. aus Kroonstad meldet, steht es nunmehr fest, daß Botha und Dewet sich bei Vrede vereinigt haben.
Präsident Krüger hat Utrecht verlassen, um sich nach Hilversum zu begeben. Er wurde vom Bürgermeister nach dem Bahnhof geleitet unter lauten Ovationen der zahlreichen Menge.
China.
Generälfeldmarschall Graf W a l d e r s e e meldet aus Peking: Nach Zersprengung der Räuberbande nordöstlich Tientsin, wobei etwa 20 Räuber getötet und ein Geschütz sowie 29 Wagen mit Ntunition und Waffen erbeutet wurden, sind die Truppen in ihre Standorte zurückgekehrt.
Dem „Reuterschen Büreau" wird aus Peking gemeldet: In einer unter dem Vorsitz des Grafen v. Waldersee stattgehabten Versammlung der Generale ist be
schlossen worden, daß neun Punkte an der Pcking-Schan- haikwan Eisenbahn dauernd von 6000 Mann Truppen besetzt gehalten, daß außerdem 2000 Mann in Peking stationiert werden sollen, und daß die Zahl der jetzt in China befindlichen Truppen der Verbündeten entsprechend den Wünschen der betreffenden Regierungen herabgesetzt werden soll. Tie Eisenbahn Paotingfu-Peking soll, da sie keine Verbindungslinie mit der See bildet, nicht überwacht werden. Der amerikanische General Chaffee und der russische General Wogack waren abweichender Meinung. Chaffee meinte, daß nur zwei Punkte zwischen Peking und der See, nämlich Yangtsun und Tientsin, und drei Punkte zwischen Tientsin und Schanhaikwan zu besetzen erforderlich sei, wofür insgesamt 2000 Mann, auffer t^n Truppen in Peking, genügten. In Tongku seien Truppen nicht nötig, da sich dort stets Kriegsschiffe befänden und auch immer Ablösungsmannschaften sowohl auf der Ausreise, wie auf der Rückreise dort passierten. Wogack war der Ansicht, daß nur Tientsin und Schanhaikwan zu besetzen seien, wozu 1000 Mann genügten. Die Ansichten der Mehrheit werden den Gesandten mit dem Ersuchen unterbreitet werden, unverzüglich die nötigen Maßregeln zu treffen, da die Generale glauben, daß, wenn China in diese Bedingungen und auch in die Zerstörung der Forts von Schanhaikwan, Peitang, Taku, Tongku, Peitsang und Yangtsun einwilligt, dies vollständige Unterwerfung bedeuten würde, und daß dann Bestimmungen wegen der Zurückziehung des größeren Teils der Truppen aus China getroffen werden sollten. Ferner berieten die Generale flber die Maßnahmen, die nach Friedensschluß zu treffen sind zwecks Uebergabe der Verwaltung der von fremden Truppen besetzten Teile Petschilis an die chinesische Zivilgewalt.
Im Süden der Mandschurei kam es, wie heute bekannt wird, zwischen den Städten Kobantsy und Sinminting zu einem größeren Gefecht, zwischen den Abteilungen des 2. und 3. ostsibirischen Schützen-Regiments und mehreren tausend Mann chinesischer Truppen. Auf Seite der Russen wurden ein Hauptmann und mehrere Soldaten getötet; ein Oberstleutnant wurde schwer, mehrere Leutnants und uteic övrvuieiT wuroen ivwcpt v._.----<cmz> —
litten große Verluste und flohen nach dem Norden, von russischen Truppen verfolgt.
Die „Morning Post" meldet vom 6. d. M. aus Peking: Wie aus guter Quelle verlautet, ist Rußland gewillt, Japan freie Hand in Korea zu geben, um zu verhindern, daß Japan eine feindliche Haltung einnimmt. Wie die „Times" vom 6. d. M. aus Tokio meldet, ist nichts Wahres an den Gerüchten über kriegerische Vorbereitungen oder peremptorische Forderungen Japans. Japan behalte seine friedliche Haltung bei. Dagegen verlautet andererseits, die japanische Regierung beschloß, sich gegen Rußland über die Mandschurei-Frage in entschiedener Weise auszusprechen. In Marine- und Militärkreisen soll außergewöhnliche Rührigkeit herrschen; die Regierung beobachtet jedoch absolutes Stillschweigen in Betreff ihrer Politik.
Berichten aus Amop zufolge hat das französische Kabel schiff „Diolibas" unter der Maske eines Transportschiffes am letzten Mittwoch ein Kabel von Amoy aus seewärts gelegt, ohne die Lokalbehörden zu befragen. Es geht das Gerücht, daß ein anderes Kabelschiff sich außerhalb des Hafens befand, um das Kabel nach einer unbekannten Richtung hin zu verbinden. Amtliche Anfragen auf der „Diolibas" wurden nicht beantwortet. Die „Diolibas" ist zurückgekehrt, hat das Kabel abgesckMitten und das Ende desselben an Bord genommen. Das französische Transportschiff „Vinklang" ist von Saigon in Hongkong eingetroffen, und der französische Kreuzer „Descartes" ist jetzt im Hafen zu Hongkong.
Wie die Blätter vom, 6. ds. aus Peking melden, rft dort neuerdings die Bestätigung der Nachricht von der beginnenden Rebellion in der Mongolei emg-trotteu. Man befürchtet, daß Tungfuhsiang und Tuan bte Anstifter dieser Bewegung sind.
Ztltnrawmt befl «Heften« Mn,ei««t8.
Sbauqhai, 8. April. (Reuter-Meldung.) Ju-iuckn, Gouverneur von Hupch, ist zum Gouverneur von Kwangst ernannt worden, an Stelle Huang-huarsen, welcher den Befehl erhielt, seine Entlassung emzurerchen. Dre „North China Daily News" sehen die Ernennung als em Zeichen dafür an, daß die reaktionäre Partei in Srnganftr trachtet, der Bvxerbewegung in den südlichen Provinzen Eingang zu verschaffen. 1
London, 8. April. Aus Peking meldet das Reutersche Büreau: In chinesischen Kreisen geht das Gerücht um, Tungfuhsiang habe die Fahne der Empörung erhoben und marschiere mit einer großen Streitkraft gegen Kalgan.
Deutsches Reich.
Berlin, 8. April. Der Kaiser hat nach einer Meldung der „Potsd. Corresp." als er, wie berichtet, in Potsdam verschiedene Kompagnien deS 1. Garde-RegimentS z. F be sichtigte, auch dort eine markante Ansprach e gehalten. 3eoe Zivilperson war von dem Lustgarten fern gehalten, sovatz über diese Rede nichts veröffentlicht werden kann. ES wurde deshalb auch einigen Hofphotographen mcht gesta ttß ww dies sonst bei Truppenbesichtigungen üblich rft, Aufnahmen


