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10.3.1901 Zweites Blatt
 
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Nr. 59 Zweites Blatt.

151. Jahrgang.

Sonntag 10. März 1901

Erscheint täglich mit la-nahine dkS Montags.

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GietzenerAnzeiger

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S Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen so:

Erstürmung Pekings so hervorragend beteiligte Macht ist bei den diplomatischen Verhandlungen am wenigsten in den Vordergrund getreten. Erst der drohende Abschluß des Mandschurei-Abkommens allarmierte die Staatsmänner in Tokio und veranlaßte zu der radikalen Forderunggleich­wertiger Vorteile", womit nur die Japan zunächst liegende Halbinsel Korea gemeint sein konnte. Sicherlich ist es diesem energischen Austreten der Tokioer Regierung nicht zuletzt zuzuschreiben, wenn Rußland jetzt versucht,abzuwinken", wie aus der Unterredung des britischen Botschafters in Petersburg mit dem russischen Minister des Aeußern, Gras Lambsdorff, hervorgeht. Es fragt sich nur, ob die wiederholte Versicherung Rußlands, es werde die Mandschurei an China zurückgeben, sobald die Umstände es gestatten, bei Japan Glauben findet. Auf alle Fälle ist auch den Interessen der anderen Mächte damit gedient, daß die mit den Winkel­zügen deröstlichen" Diplomatie vertrauten Japaner ge­wissermaßen den Beobachtungsposten eingenommen haben. Denn auch die Chinesen werden nicht mehr so im Trüben ischen können, wenn die Rassegenossen ihnen scharf am

Preußisches Abgeordnetenhaus.

Vor Eintritt in die Tagesordnung verliest der Präsident v.KrScher den heut'gm Krankbetlsbertcht über das Befinden deS Kats-rs und fnflpt daran folgende Worte: Ich glaube, Sie werden den Wun ch haben, Sr. Majestät nach le'ner völligen Wtkdnhe'slellung den SLmer, des Haufe» über den unseligen Vorfall in Bremen 'und denl Glücks wünsch zur Wiederherstellung auszusprechen. (Beifall) Damit ist das Haus einverstanden. Ich werde dm Oberhosmarschall bitten, die Befehle Sr. Maj stät darüver etnzuholen, ob und in welcher Form Se Mai stät die Kundgebung des Hauses entgegennebmm will. (Lrl- t m ic-n x <?*n her Debatte betont Finanzmtnister Dr. M'guel b," ab« mooren, d.« b.s

hm «7fCnrmanmneHen säst noch freundlicher gegenüberst-he als das Kultusministerium, die Reformrymnofien seien ^ne Wolhtthat^ ^fur btHerunßb o^bung der Lebrer" erkennt Kultusminister

Dr Studt dm hohen Beruf des Ob-rlehrerst-ndeS an, er fei über- leugt, daß die besonneneren Elemente deS l-ehrerst,ndeS an der unter Oberlehrern aufgetretenen Agitation sich nicht beteiligen. Geh.

o" Pnanjrat ©<rm®r führt «u«, Mr Heilung der Oder- ebrer mit den Richtern fei nicht möglich. Sänger bittet um Annahme d'S Antrages aus Herabsetzung der Wartezeit der Oberlehrer. Ftnanzminister Dr. v. Miquel legt dte staatliche Fürsorge für die ^r-hrer dar, trotzdem sei dt« Agitation unter denselben stets hef­tiger und erbitterter geworden. Dte lange Wartezeit auf An­stellung erkläre sich daraus, daß seinerzeit viel junge Lehrkräfte ange­nommen wurdm ohne Rücksicht auf den späteren Bedarf. Ein Recht auf Anstellung gebe es nicht. Der Minister hrfft, daß di-se Verhandlung zur Beruhigung führen werde.__

die Finger sehen. , m

Ein Bericht derMorning Post" aus Paotingfu vom 5. März meldet: Die Deutschen hatten jensert Fouphing zwei Gefechte mit kaiserlich chine- ischen Truppen; letztere feuerten in beiden Fallen auf deutsche Aufklärungstrupps und einmal auf die Parlamentärflagge. DreiDeutsche fielen,,mehrere wurden im Gefecht verwundet. (Fouphing liegt westlich von Paotingfu, 45 Kilometer diesseits der Grenze von Schansi.) General v. Kettler erhielt gestern ein anmaßendes Schreiben Siliangs, des Gouverneurs von Schansi, das einen neuen kaiserlichen Erlaß ankündigt, der den chinesischen Truppen befiehlt, innerhalb der Grenzen Schansis zu bleiben, und den fremden Truppen, sich auf Tschili zu beschränken. General v. Kettler hob m der Er widerung hervor, daß dreimal in den letzten 14 -vagen chinesi che Truppen die Deutschen in Tschil, angegriffen hätten. Der ch i n e s i s ch e G e n e r a l hatte vorher in einem unverschämten Schreiben den Deutschenver­boten", gegen das 35 Kilometer diesseits der Grenze von Sch an i gelegene Kuanytschang vorzurücken. Mittlerweile haben in Hwailu Chinesen auch auf französische Patrouillen geschossen. Obschon die Chinesen Befehl haben, innerhalb der Grenzen von Schansi zu bleiben, sind sie in Tschili eingefallen, um die französischen und deutschen Truppen zu hindern, die nach! Schansi führenden Pässe zu besetzen, es ist daher irrig, anzunehmen, die Deutschen veranlaßten absichtlich Reibungen, es liegt vielmehr die unbedingte Notwendigkeit vor, die Bergpässe von Tschili zu besetzen. .Heute gingen Verstärkimgen nach Fouphing ab, um die Chinesen zurückzutreiben. d ,

Einem Wunsche des deutschen Kaisers entsprechend, sind die katholischen Pfarrer und Pfarrkuraten von den kirchlichen Behörden beauftragt worden, für die Dauer der Kriegswirren in China in denjenigen Gemeinden, in denen sich Mitglieder der in China kämpfenden Angehörigen der Armee oder Marine befinden, im allgemeinen Gebete eine Fürbitte ohne Nennung der Namen sonntäglich eintreten zu lassen. e ,

Telegramm des Gießener Anzeigers.

London, 9. März.Daily Mail" meldet aus Kobe: In Masampo (Korea) sind 600 Russen mit 10 Geschützen gelandet.

Deutsches Reich.

B e r l i n, 8. März. Ter Ka i s e r beabsichtigt, das erste und zweite Bataillon des Alexanderregiments aus> den- luren Kasernen an der Alexanderstraße und am ^onigsgraN 2 dem neuen Heim am Kupfergraben am 2. J

zu führen Die alte Kaserne an der Alexanders sie.

Das Befinden des Kaisers.

Das gestern ausgegebene Bulletin über das Befinden des Kaisers hat folgenden Wortlaut: .

Das Befinden Sr. Majestät des Kaisers und Königs am gestrigen Tage war befriedigend, der Schlaf in der Nacht aut Die Wunde zeigte sich beim Verbandwechsel reizlos. Mäßige Schwellung der Augenlider und Wange rechts. Kein Fieber.

(gez.) Dr. v. Leuthold. Dr. v. Bergmann. Dr. Jlberg

Der Berliner Oberbürgermeister Kirschner konnte au Grund persönlicher Erkundigungen beim Oberhofmarschall Grafen Eulenburg dem Berliner Magistrat nntteilen, daß ihm Graf Eulenburg die beruhigendsten Versicher­ungen über das Befinden des Monarchen erteilt hatte. Unter den zahlreichen Kundgebungen, die dem Kaiser aus Anlaß des Attentats fortgesetzt zugehen, sei besonders hervorgehoben, daß Präsident Loubet an den Kaiser ein Telegramm gerichtet hat, in dem er den Kaiser beglück­wünscht, dem gegen ihn verübten Anschläge entgangen zu sein. Der französische Botschafter in Berlin, Marquis No- ailles hat dem Staatssekretär des Auswärtigen Frhrn. von Richthofen die Gefühle der französischen Regierung zum Ausdruck gebracht. ,

Die in Bremen stattfindenden polizeilichen Erheb­ungen haben bisher zu keiner Widerlegung der Angaben Weilands geführt. Der Attentäter befindet sich in Unter» suchungshaft; es hat weder bezüglich seiner Person noch bezüglich seines Bruders irgend eine Beteiligung an poli­tischen Agitationen festgestellt werden können. Heberdie That äußerte Weiland sich, es sei in ihm durch das Rauschen des Brunnens am Tomhof und durch das Stimmengewirr des Publikums die Vorstellung entstanden, daß er wieder wie vor Jahren als Schiffer auf seinem Schiffe fahre; er sei dann immer erregter geworden und habe im beginnenden Krampfe in dem Wahne, er werfe ein Lot aus, das Eisen von sich geschleudert. Damit habe er das Bewußtsein verloren. .

Dem Bau-Komitee der Königin-Luise-Gedächtniskirche tn Königsb erg sandte der Kaiser folgendes Telegramm:

Meinen wärmsten Dank für den Ausdruck der Teil­nahme. Ah bedaure sehr, durch das schmerzliche Ereignis

Amtlicher Heil.

Gießen, den 6. März 1901.

Betr.: Die Ausführung des Gesetzes über den Urkunden stempel.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an Groffh. Polizeiamt Gießen und die

Grotzh. Bürgermeistereien der Landgemeinden deS Kreises.

Die Beamten der Gemeinschaftsverwaltung der Hessischen und Preußischen Staatseisenbahnen haben zu den Kostew rechnungen über Mietentschädigungen aus Anlaß von Ver­setzungen im dienstlichen Jntereffe bestimmungsmäßig beizu­bringen :

1. eine ortspolizeilich beglaubigte Quittung des Ver­mieters über den Empfang des zu erstattenden Miet' betrage« und

2. eine ortspolizeilich beglaubigte Bescheinigung daß die Wohnung während derjenigen Zeit, für welche die Erstattung der Miete in Anspruch genommen wird, leer gestanden hat.

Laut Ausschreiben Großh. Ministerium deS Innern vom 24. Februar 1901 sind die bezeichneten Beglaubigungen und Bescheinigungen ftempelfrei zu erteilen.

v. Bechtold.

Bekanntmachung.

Zur Verhütung der Verschleppung der Maul- und Klauenseuche wird die Abhaltung des auf den 13. März d. I in Wetzlar anstehenden ViehmarkteS an die Bedingungen geknüpft, welche durch meine den Markt in Leun betreffende Bekanntmachung in Nr. 42 des Kreisblattes von 1901 ver­öffentlicht worden sind.

Der Auftrieb beginnt um 9 Uhr vormittags. Aus der Provinz Oberheffen des Großherzogtums Hessen dürfen Rind Vieh, Schweine und Schafe nicht aufgetrieben werden.

Wetzlar, den 5. März 1901.

Der Königliche Landrat.

Bekanntmachung.

In der Zeit vom 2. bis 9. März lfd. JrS. wurde in hiesiger Stadt und deren Gemarkung

gefunden: 1 Damenuhr mit Kette und 1 goldener Ohrring.

verloren: 1 goldene Damenuhr.

Die Empfangsberechtigten der gefundenen Sachen be» lieben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen.

Gießen. 9. Mittz 1901.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Hechler.

an Meiner Reise nach dort behindert zu sein und würde Mich freuen, an der Einweihung der Gedächtniskirche, wenn möglich später, teilnehmen zu können.

. . Wilhelm R.

DerStandard" schreibt: Jeder Engländer wird sich darüber freuen, daß der deutsche Kaiser aus der Gefahr errettet ist. Die ganze Welt hat Ursache, dank­bar zu fein, daß die Sache nicht schlimmer abgelaufen ist. Der Verlust des Kaisers wäre ein Unglück für Europa gewesen; niemand bezweifelt, daß er in der internatio­nalen Politik einen beruhigenden Einfluß ausübt. _______________________________________

Politische Tagesschau.

Aus Berlin, 8. März, wird uns geschrieben:

Eine heute in der Budgetkommission des Reichstages von Zentrumsmitgliedern eingebrachte Resolution ersucht den Reichskanzler, die Sklaverei in jeder Form in den Schutzgebieten nicht zuzulassen. Kolonial­direktor Dr. Stübel versprach- die Kolonialverwaltung werde bestrebt sein, die Sklaverei thunlichst einzuschränken und allmählich abzuschaffen. Er dauert nachgerade etwas lang, dieserUebergangszustand". Von Jahr zu Jahr wird die Abschaffung der Sklaverei in den deutschen Schutz-, gebieten, die u. a. von dem Afrikakenner G. A. Krause energisch bekämpft worden ist, in Aussicht gestellt. Aber schon der verstorbene Kolonialdirektor Dr. Kayser meinte einmal, man müsse die Sklavereimit einem duldenden Auge ansehen." Die Resolution wurde, da aus dem Zentrum selbst Widerspruch sich erhob (Prinz Aren berg, Dr. Frhr. von H e r t l i n g) schließlich abgelehnt. Gleichwohl wird die For­derung der Beseitigung oer'Sklaverei, ob sie nun in der milderen Form derHaussklaverei" auftritt oder in welchen Formen sonst, aus prinzipiellen Gründen zu unter­stützen sein. Die Sklaverei verträgt sich nicht mit dem Wesen einer Kulturnation. Man bezeichnete in der Budgetkom­mission die Haussklaverei als einpatriarchalisches Ver­hältnis". Es fragt sich angesichts mehrfacher Vorkommnisse grausamer Behandlung von Eingeborenen u. bergt., ob überall die richtige Auffassung dieses Verhältnisses besteht. Verpönt ist nur der Sklavenhandel; im übrigen kann der Sklave vermietet, verpfändet und sogar vererbt werden.

Engländer und Buren.

Dem »Reuter'schen Bureau- wird aus Pretoria vom 5. d. M. telegraphiert: Kitchener hatte am 27. Feb ruar mit Botha urd anderen Burenführeru in Middel bürg eine Zusammenkunft, um über die Frage zu ver­handeln, ob es möglich sei, die Feindseligkeiten etnzustellen. Vom 6. d. M. wird dem genannten Bureau aus Pretoria gemeldet, man empfinde dort und in Johannesburg große Befriedigung über die Zusammenkunft Kitcheners und Botha-, weil dieselbe zn hoffnungsvollen Schlüssen berechtige. Viel zu entnehmen ist aus diesem Reuter'scheu Telegramm nicht. Dagegen ist in Lorenzo Marques die Nach richt eingetroffen, daß Kitchener Botha einen siebentägigen Waffenstillstand bewilligte, damit er mit anderen Buren­generalen beraten könne. Wir glauben trotzdem noch immer nicht an die Ernsthaftigkeit der Meldung von einer beabsich­tigten Uebergabe Bothas.

DemR. B." wird ferner aus Somerest East vom 5. d. M. gemeldet: Kritzingers Kommando hat sich nach der Räumung von Pearston in das schwierige Gelände nord westlich von Pearston zurückgezogen. Die Buren haben den Richter und den Kommandanten' von Pearston als Gefangene fortgeführt. Delisles Kommando ist heute hier eingetroffeu.

lieber die jetzige Stellung De WetS liegen ver­schiedene Berichte vor, da seine Truppen im Oranjefreistaat zerstreut sind. French meldet, daß er einen Dierzehnpfünder und ein Hotchkis Geschütz erbeutete, sodaß er jetzt im Ganzen den Buren 7 Geschütze abgeuommen hat. Soweit man bis jstzt weiß, find seit dem Beginn der Operationen im JO firn 979 Buren kampfunfähig geworden. French hat weiter 169 Gewehre, 24 970 Patronen, 183 Pserde, 1240 Zugochsen, viele Wagen und eine Menge Rindvieh und Schafe erbeutet. Lerluste habe er nicht zu beklagen.

Die Buren haben am 6. d. M. MaraiSburg be­setzt; vorher waren die in der Stadt vorhandenen Vorräte weggeschafft worden.

Telegra»» des Gießener Anzeiger-.

* Kapstadt, 8. März. Reuter-Meldung. Wie verlautet, beabsichtigen die Behörden, den Verkehr von Civilbehörden zwischen der Kapkolonie und Johannesburg wieder zu er­leichtern und einer beschränkten Zahl Flüchtlingen zu gestatten, nach Johannesburg zurückzukehren, um dort ihre Geschäfte wieder aufzunehmen. Heute find hier 2 Europäer und 3 Eingeborene an der Pest erkrankt._________________________

China.

An dem neuesten Stand der Dinge in Ostasien ist von eigenartigem Interesse die Haltung Japans. Die an der