1901
Donnerstag den Kk Januar
. Hayrgan
Zweites Blatt
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wird die Bewilligung eines hierfür ausreichenden Betrages gefordert werden. Die Staatsregierung giebt sich der Hoffnung hin, daß die erweiterte Vorlage die Zustimmung )er Landesvertretung finden wird. Alsdann wurden in der Thronrede Gesetzentwürfe angekündigt, betreffend die lmlegung von Grund st ücken in Frankfurt am Main. (Ter Entwurf verfolgt den Zweck, der in Frankfurt am Main herrschenden Wohnungsnot durch die Schaffung von Baugelände abzuhelfen), betreffend Regelung der Heranziehung gewerblicher Unternehmungen zu Vorausleistungen für den Wegebau, betreffend.Ausführung des Reichsseuchengesetzes und betreffend Neuordnung ider allgemeinen Landesverwaltung für Berlin und dessen größere Vororte. Am Schlüsse wurde 'in der Thronrede noch der demnächstigen Zweijahrhundertfeier des Königreichs Preußen gedacht.
An keiner Stelle wurde die Thronrede durch einen.
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Loudon, 9. Jan. Aus Kapstadt wird berichtet: Die Zahl der Buren, die im Westen der Kapkolonie eingedrungen sind, nimmt jeden Tag zu. Die Mehrzahl dringt nach Su"en vor, indem sie der Eisenbahn folgt. Die Buren gebrauchen.
Die Eröffnung des Preußischen Landtags
Die Eröffnung der beiden Häuser des Preußischen Landtags hat am 8.'d. M. im Weißen Saale des Berliner Schlosses durch den Ministerpräsidenten Grasen Bülow stattgefunden. Vorher wurden in der Jn- terimsdomkirche und in der katholischen Hedwigskirche die üblichen Gottesdienste abgehalten. Um 12 Uhr waren im Weißen Saale erst zwei Abgeordnete anwesend; dann aber begann sich der Saal rapide zu füllen; etwa 150 Mitglieder vom Abgeordneten- und vom Herrenhaus fanden sich ein. Mit Ausnahme des Fürsten zu Wied, des Prinzen von Ratibor und zwei jüngeren Herren waren alle Abgeordneten im Frack erschienen. Bald darauf betrat auch das gesamte Ministerium den Saal. Tie Minister trugen kleine Uniform. Der Thron war mit einem sammtenen Purpurtuch bedeckt. Graf Bülow, der wegen derUnpäßlichkeitdesKönigs die Eröffnung vollzog, stellte sich vor den Stufen des Thrones auf und verlas mit klarer Stimme die Thronrede, in der zunächst auf die fortdauernd günstige Finanzlage des Staates hingewiesen wurde. Tas abgeschlossene Rechnungsjahr 1899 habe wiederum einen beträchtlichen Ueberschuß ergeben. Für das laufende Jahr dürfe ein Gleiches erwartet werden. Ter Staatshaushaltsetat für 1901 halte in Einnahme und Ausgabe das Gleichgewicht. Tie wirtschaftlichen und finanziellen Ergebnisse der Staats- ei^enbahnen seien zufriedenstellend. Zur Erweiterung und Vervollständigung des Staatseisenbahnnetzes und zur Förderung von Kleinbahnunternehmungen werden wiederum erhebliche Mittel erbeten werden. Dann hieß es in der Thronrede, daß die Staatsregierung beabsichtige, in Ergänzung der Dotationsgesetzgebung den Provinzen, für bestimmte Zwecke weitere Staatsrenten zu überweisen, insbesondere zur Ausgleichung der Verschiedenheiten in der Ausstattung mit Mitteln für den Wegebau; sie werde bemüht sein, dem Landtage noch in seiner gegenwärtigen Tagung eine entsprechende Vorlage zu machen. Ter Hauptpassus der Thronrede handelt von der neuen Kanalvorlage. Er lautet: Die bei den Verhandlungen des Abgeordnetenhauses über die Kanalvorlage des Jahres 1899 ausgesprochenen Wünsche haben der Staatsregierung Veranlassung gegeben, einen neuen und erweiterten Plan aufzustellen, der bestimmt ist, den Bedürfnissen der verq schiedenen Landesteile der Monarchie auf dem Gebiete der Wasserwirtschaft durch den Bau von Kanälen und Ver- besfarung der Flußläufe gerecht zu werden. Der dem Landtag alsbald vorzulegende Gesetzentwurf fügt demgemäß dem Rhein-Elbe-Kanal hinzu: Den Bau eines Großschiffahrtsweges von Berlin nach Stettin, die Herstellung einer leistungsfähigeren Wasserstraße zwischen der Oder und der W eich s el und die weitere Regulierung der Warthe von der Mündung der Netze bis Posen, die Verbesserung der Vorflut in der unteren Oder sowie in der unteren Havel und den Ausbau der Spree. Zum lebhaften^ Bedauern der Staatsregierung haben die Ermittelungen darüber, ob und in welcher Gestalt der M a - surischF Schiffahrtskanal zur Ausführung zu bringen sei, noch nicht zum Abschlüsse gebracht werden können, da über den wirtschaftlichen Wert einer solchen Anlage in der Provinz Ostpreußen selbst noch gewichtige Ztveipel bestehen, und aus Rücksichten der Landeskultur große, bisher nicht beseitigte Bedenken gegen den Bau erhoben worden sind. Um die Verbesserung der Wasserstraße zwischen O b e r s ch l e s i e n und Berlin weiter zu fördern und die dafür geeigneten Mittel zu erproben,
Erscheint la glich mit Ausnahme des
Montags.
Die Gießener Aamikienvtätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit „Hess. Landwirt" u. „Blätter
Hess. Volkskunde" wSchll. 4mal beigelegt.
Beifall unterbrochen; schweigend wurde ste entgegengenommen. Nach Beendigung der Verlesung trat Fürst zu Wied vor und brachte ein Hoch auf den Kaiser aus.
Im preußischen Abgeordnetenhause wurde in der ersten Sitzung, die vom bisherigen Präsidenten v. Kröcher eröffnet wurde, festgestellt, daß das Haus beschlußfähig war. Die nächste Sitzung zur Bureauwahl und Entgegennahme von Vorlagen der Staatsregierung findet morgen vormittag tatt. — Im Herren hause wurde das bisherige Prä- idium, Fürst zu Wied als Präsident, Freiherr v. Manteuffel als erster und Oberbürgermeister Becker-Köln als zweiter Vizepräsident, sowie die bisherigen Schriftführer wiedergewählt. .
Bei Besprechung der Thronrede heben die Berliner Blätter hervor, daß sie trocken und geschäftsmäßig sei und nichts Ueberraschendes bringe. Im Vordergründe stehe natürlich die Kanal-Vorlage neben dem Etat. Daß die Finanz- lage günstig sei, wird freudig ausgenommen.
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^meldet.
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Amtlicher Ml.
Oberhess. Obstbauverein Vereinsbezirk Gießen.
Die Hauptversammlung des Bereinsbezirks Gießen des
Oberhessischen Obstbauvereins findet am
Touutag, de« 13. Januar
nachmittags 3 Uhr auf Lonys Felsenkeller in Gießen mit folgender Tagesordnung statt:
1. Neuwahl des Vorsitzenden des Bereinsbezirks.
2. Baumwärter als Obst- und Baumhändler, Referent: Direktor Dr. v. Peter-Friedberg.
3. Welche Elfahrungen wurden mit den vom Ober- hessischen Obstbauverein verbreiteten Sorten gemacht? Referent; Oberlehrer Reichelt-Friedberg. -
4. Wünsche und Anträge aus der Versammlung.
Die Mitglieder des Obcrhessischen Obstbauvereins sowie sonstige Interessenten werden hiermit zu der Versammlung eiugeladen.
Die Großh. Bürgermeistereien des Kreises wollen dieselbe in ihren Gemeinden bekannt geben,
Gießen, den 9. Januar 1901.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
I. V.: C. Heinrichs.
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Gorringe, um bie Gegend zwischen der östlichen und westlichen Eisenbahnlinie abpatrouillieren zu lassen.
An Hilfe aus dem Freistaate und Transvaal ist vorderhand gar nicht zu denken. Das fand schon darin fernen Ausdruck, daß Kitchener sein Hauptquartier nach wenigen Tagen von Te Aar wieder nach Pretoria verlegte. Im Frei- staate ist Te We t zu neuer Thätigkeit übergegangen. Seine- Verfolger, wie die Engländer sie nennen, hatten sich nach dem Passieren von Ficksburg in drei Kolonnen geteilt, die auf Hammonia, Commandonek und Wolmaranshoek mar- chierten. Tie eine davon ist es offenbar, die, wie Kitchener vom 6. ds. meldete, bei Lindley schwereBerluste erlitt (3 Offiziere, 15 Mann tot, 2 Offiziere, 20 Mann verwundet) Zn Transvaal bedroht Louis Botha von Bethel aus Elandsfontein; es scheint, daß dieser Ort identisch ist mit dem Eisenbahnknotenpunkt, wo die Bahn nach Johannesburg abzweigt. Westlich von der Bahnlinie ist De la- rey noch immer in Thätigkeit. Nach einer Depesche aus Rietfontein zeigten sich Burenabteilungen unter Delarey, Steenkamp und Boshoff in bedeutender Stärke am 1. Januar in der Umgebung von Busselspoort. ^hre Zahl wurde auf 5000 geschätzt. Paget und andere Truppenteile rückten aus, um die Buren zu umgehen und abzuschneiden. Tiese zogen sich zurück, die Mehrzahl rückte über den Breedtnek. Es scheint sicher zu sein, daß die Buren in diesem Gebiet bedeutende Verstärkungen aus Waterberg er- balten haben. Ein Kaffernhäuptling meldet, daß 3000 Bur^i durch die Zoutpantsdrift nach den Magaliesbergen geruckt sind. Tie Magaliesberge selbst bieten große Vorteile den
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Buren. „ .
Wie verlautet, ist eine aus einflußreichen Personen bestehende Kommission in der Bildung begriffen, um De Wet, Steijn und andere Burenführer im Oranjefreistaat aufzusuchen, diesem die Bedingungen der Proklamation Lord Kitcheners in Bezug aus die freiwillige .Ergebung der Bürger auseinandevzusetzen und sich zu bemühen, sie zur Uebergabe zu überreden. Tie Kommission wird vergebliche Arbeit thun. , ,
Wie aus mehreren Zeitungsberichten hervorgeht, find in der letzten Zeit z a h lr e i ch c Bur e n f r a u e n Mit ihren Gatten aus ihren Farmen ausgezogen und beteiligen sich an den Kriegs-Operationen.
Wie der „Birmingham Post" aus London geschrieben wird, hat ein sehr wichtiger Depeschenwechsel zwischen der deutschen und holländischen Regierung Mtt- gefunden hinsichtlich der Haltung der letzteren den Buren gegenüber und insbesondere wegen des Gebrauches, den Krüger und Dr. Leyds von ihrem Asyl in Holland machen. So soll jüngst Dr. Leyds versucht haben, die niederländische Regierung in einer Weise zu kompromittieren, die einen Vertrauensbruch seitens einiger ihrer Mitglieder andeute. (?) Die Folge des Depeschenwechsels sei, daß, wenn die Möglichkeit irgend einer amtl irh e n Sympathie*Deutschlands für die Buren vorher fern gewesen, sie jetzt ferner als je sei.
Der Gesandte der Südafrikanischen Republik, Dr. Leyds, hat, wie die „Volkswacht" mitteilt, an den Vorsitzenden des Hessischen Bauernbundes, Reichs- und Landtagsabgeordneten Köhler-Langsdorf, folgenden Brief gerichtet:
Ew. Wohlgeboren ,
Habe ich im Auftrag des Herrn Staatspräsidenten die Ehre, den ganz besonderen Dank «einer Hoch-Edel für die warme Anteilnahme auszusprechen, die Ew. Wohlgeboren und deren Kollegen an der gerechten Sache der Boeren zu nehmen belieben und die in dem von Ew. Wohlgeboren gemachten Antrag in der Großherzoglich Hessischen Zweiten Kammer in so unzweideutiger Weise zum Ausdruck gebracht worden ist. Der Präsident, hat von demselben mit Dank Kenntnis genommen und stellt den Versuch Ew. Wohlgeboren und der mitunterzeichneten Herren die Einsetzung eines internationalen Schiedsgerichts zur Entscheidung der schwebenden Streitfragen zwischen Großbritannien und den Südafrikanischen Republiken zu befürworten, auf um so höheren Preis, als die Regierung der Südafrikanischen Republik zur Lösung der politischen. Schwierigkeiten mit England- schön seit Jahren und in jedem Sonderfall ein Schiedsgericht vorgeschlagen hat und auf Grund eines solchen eine Friedensvermittelung der an der Haager Friedenskonferenz beteiligten Mächte noch immer erwarten zu können glaubt.
Genehmigen Ew. Wohlgeboren bei diesem Anlasse den Ausdruck meiner ausgezeichneten Hochachtung.
Der Gesandte der Südafrikanischen Republik: W. I. Leyds.
Engländer und Buren.
Nun ist beinahe ein Monat vergangen, seit die ersten Burenhaufen über den Oranjefluß in die Kapkolonie einfielen, und bis heute hat die englische Militärbehörde so gut wie nichts dagegen zu thun vermocht. Die Buren haben heute tatsächlich fast ungehindert die ganze Kapkolonie bis zur westlichen Meereski'tste durchquert. Nichts bezeichnet die kritische Lage dort besser als die Reutermeldung aus Kapstadt vom 7., nach der über die Bezirke in Ealvinia, Clanwilliam, Piuqetberg, Malmesbury, Tul- bagh, Paarl und Stellenbosch das Kriegsgericht verhängt worden ist. Die genannten Bezirke liegen in der südwestlichen Ecke der Kapkolonie und umschließen den Bezirk Cape, in dem die Hauptstadt Kapstadt liegt, auf der Landseite vollkommen. Dieser Zustand ist f ü r d i e e n g l i s ch e n Behörden um so beschämender, als es sich nur um kleine Häuflein streifender Buren handelt, die hier ihr Wesen treiben. In einer Meldung der „Daily Mail" aus Matjesfontein (im Bezirk Worcester) vom 7. ds. wird die westliche Abteilung auf 1500 Mann geschätzt. Diese Abteilung wurde von Kitchener am 4. auf dem Marsche durch den Bezirk Fraserburg nack) Ealvinia gemeldet. Am 5. berührte sie nördlich die östlich gelegene Stadt Frasersburg, in einer Entfernung von 40 Kilometer. Nach einer Reutermeldung aus Clanwilliam hat sie am 7. Ealvinia erreicht und wird in einigen Tagen in Clanwilliam erwartet, das 120 Kilometer südwestlich liegt. In Clanwilliam wird si ihre westliche Marschrichtung ändern müssen, denn hier i sie nur noch 50 Kilometer von der Küste entfernt. Was die Engländer außer der Verhängung des Kriegsrechtes über die gefährdeten Bezirke bisher dagegen gethan haben, ist nicht viel. Sie haben 125 Mann berittener Kolonialtruppen nach Piquetberg geschickt, das 80 Kilometer südlich von Clanwilliam liegt, und nach dem südlicher gelegenen Malmesbury 400 Mann. Im übrigen sind Freiwilligenkorps, darunter auch eine Stadtgarde für die Hauptstadt, eine freiwillige Artillerie und ein j ü d i s ch e s F r e i k o r p s in der Bildung begriffen. Zwei Freiwilligenkorps, die infolge des jüngsten Appells errichtet worden waren, sind in Piquetberg-Road eingetroffen und nach Westen vorgerückt. Oberst Henniker hält mit einer gemischten Abteilung die Hügel südlich von Sutherland besetzt. Eine Versammlung von dem Asrikanderbund angehörigen Mitgliedern des Parlaments hat beschlossen, Merriman, Sauer und Hofmeyer nach England zu entsenden und über den Stand der Dinge der Regierung, dem Parlament und dem Volk Vorstellungen zu machen.
Tie östlich von der Eisenbahn in die Kapkolonie eingebrochene Burenabteilung hat sich nach Kitcheners letzter Meldung vom 4. in kleine Kolonnen aufgelöst, aber, neuerdings aus dem Freistaat Zuzug erhalten. Einen Ueberblick über sie zu gewinnen, ist nicht leicht. Die englischen Kolonnen Grenfell und Williams, die sich einzeln ihren Gegnern gegenüber als zu schwach erwiesen hatten, haben sich in Middelburg am 4. vereinigt. Auch Brabant befindet sich hier, um eine neue Kolonialabteilung zu bilden, nachdem seine alte in der aktiven Truppe aufgegangen ist. Er plant besonders eine fliegende Kolonne unter dem Obersten
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