Nr. 237
Erstes Blatt
151. Jahrgang
Mittwoch 9. Oktober 1901
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Schon während seiner Ausführungen war der Redner des öfteren von lebhaftem Beifall unterbrochen worden. Seinen Schlußworten aber folgte als Zeichen allseitiger und unbedingter Zustimmung der versammelten Parteigenossen ein lang andauernder Beifallssturm. Tie Resolution' wurde nach einer Debatte, die mehr in die Breite als in die Tiefe ging und die ein allseitiges Einverständnis mit den Ausführungen des Referenten ergab, einstimmig ange- nommen. Auch wurde beschlossen, die Zimmermannsche Rede
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Es ist die Zeit der Kongresse. Die Parteien, die das Bedürfnis fühlten, ihre Heerscharen zu sammeln, wählen gern den Spätsommer oder den Beginn des Herbstes, um zugleich für die kommende Wintercampagne das Rüst-- zeug zu bereiten. Nachdem jetzt Klerikale und Sozialisten, Nationalsoziale und Demokraten ihre Tagungen abgehalten haben, sind jetzt in Leipzig die Antisemiten versammelt, und zwar einer ihrer Flügel, die deutschi-soziale Neform- parter. Aber es gießt in deutschen Landen noch eine Gruppe, die in aller Stille und ohne großes Aufsehen zu erregen, die Parade über ihre Getreuen unlängst abgenommen hat, eine Gruppe, die vor 10 Jahren noch herab- aedrückt war zu voller Bedeutungslosigkeit, die aber seitdem in die Höhe geschpssen ist. An die „hessische Rechtspartei", dieses Mustert» ld einer Partei, die kurz- weg die Entwickelung von vier Jahrzehnten leugnet und die Zustände des seligen deutschen Bundestages als ihr Ideal feiert, haben sich die wunderlichen Partikularisten aus Neuß ä. L., wie man in dem benachbarten Gera, der Hauptstadt des gut reichsdeutschen Fürstentums Reuß j. L., zu sagen pflegt: „Neuß äklige Linie", angeschilossen, jene wackeren Dtänner, die Thränen der Freude weinten, als ihr Hofmarschall von Titzenhofer zum „Obersten a la suite des vormaligen Fürstlich reunischen Bundeskontingents" ernannt wurde, als man aus Befehl Serenissimi den Bewohnern von Ober- und Untergreiz, von Zeulenroda und Burgk die Feier des hundertjährigen Geburtstages Kaiser Wilhelms I. versagte, als Herr Tr. Sigl die „Goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft" erhielt. Bekanntlich trauert Fürst Heinrich der „Unartige", wie ihn der Kladderadatsch nannte, der Völkerhirt der älteren Reußenlinie, noch immer auf den Trümmern von Carthago. Und gezogen von unwiderstehlicher Sympathie, haben sich Hinzugesel dre Welfen von Braunschweig und Hannover, die auch noch immer es nicht fassen wollen, daß ein paar Throne zertrümmert werden mußten, auf daß in jungem Glanze das neue Reich erstehe.
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Verantwortlich sür den allgemeinen Teil: P. Wlttko: sür den Anzeigenteil: Hans Beck.
„Ew. Majestät, dem deutschen Helden aus großer Zeit, dem Beschützer nationaler Arbeit, entbietet unser aus allen Gauen des Reiches zahlreich besuchter Parteitag ehrfurchtsvollsten Huldigungsgruß und verbindet damit das Gelöbnis, stets in Treue für den monarchistischen und vaterländischen Gedanken gegen alle internationalen Feinde einzutreten. Deutsch-soziale Reformpartti.
Im Kaufmännischen Vereinshaus Leipzig. Zimmermann, Vorsitzender".
Den Höhepunkt der Beratungen am Sonntag bildete die Aussprachie über den Zolltarifentwurf, die gegen 4 Uhr nachmittags in Angriff genommen wurde. Die oeutsch-so^ ziale Reformpartei trat damit, wie bei den Verhandlungen mehrfach nicht ohne ein gewisses Selbstgefühl hervorge- hoben wurde, thatsächlich als die erste unter alten poli-
Und sie alle sind durchaus einig. Man hat in der Stadt, die einst die treffliche Mumme braute und die sich trefflicher Würshe rühmen darf, in Braunschweig, eine zornige Resolution angenommen, in der erklärt wird, daß in der Verhinderung des rechtmäßigen Erben an der Besitzergreifung des Braunschweiger Thrones eine Versagung des geschuldeten Rechtsschutzes liege: dieser „rechtswidrige und befremdliche Zushand" sei möglichst bald zu beseitigen. Und man hat weiter einstimmig versichert- daß „der beherrschende Charakter der Gegenwart in der bisher erreichten höchsten Steigerung der Revolution bestehe, die natürliche herbeigesührt würde, weil die berufensten Vertreter des Rechtes selbst zu Trägern und Werkzeugen her Revolution würden". Es sei ein Gottesgericht- das sich jetzt vollziehe, und das höchst betrübend wäre, wenn — nun, wenn es eben keine Rechtspartei gäbe, die sich „um das Zeugnis von Gottes unwandelbarem Gesetz undMegimen : sammelt". Sie findet ihre eigenste und vornehmste Aufgabe darin, „diesem Zeugnis für Gottes Ordnung und wider die Revolution" zu dienen.
Es macht immer einen eigenen Eindruck, wenn sich politische Parteien auf den lieben Gott berufen. Für den rechten, ernsten Christenmenschen gelten Gottes Gedanken als unersorschsich und erst rückblickend sucht er aus' der Geschichte sich ein Bild des göttlichen Planes und Wittens zu schaffen. Aber die Männer der Rechtspartei wissen mit aller Bestimmtheit, welches Tagewerk der Schöpfer morgen und übermorgen vorhat. Ihr vornehmster Prophet aber ist Herr von Hodenberg, der in Braunschweig der staunenden Welt verkündete, daß die ganze gegenwärtige Weltlage ein Werk des Teufels fei, und daß die Rechtspartei berufen sei, mit Gottes iHlfe auf dem Boden der Gerechtigkeit ein neues Reich zu schaffen, ein wahres Reich Gottes. Wie dieses Reich aussieht- Darüber hat man sich freilich nicht mit hinreichender Klarheit verbreitet, aber der Schluß liegt nabe genug: In Kassel auf der Wilhelmshöhe soll wieder der angestammte Kurfürst thronen, vielleicht mit dem alten Rechte, die Landessöhne nach Amerika zu verkaufen; in Braunschweig sollen die Geffppen des Diamantenherzogs ihren Einzug halten, in Hannover wird gleiche falls eine welsische Zwingburg errichtet und in Reuß ä. L. wird der Geist der seligen Kcwoline von neuem herauf- 'beschworen und-, wie einst, ein Bundeslontingent aus zwei Trommlern und sechs Gardisten errichtet. Denn das Bestehende ist „Teufelswerk'" und der Teufel muß aus- getrieben werden. Geht es nicht mit dem Exorcismus, so geht es vielleicht mit Gewalt. Mit einem Worte, es soll der Zustand hergestellt werden, der vor den großen Kriegen bestand, denn diese Kriege waren nicht etwa ein Gottesgericht, sondern sie waren em schnödes Mittel des Gottseibeiuns.
In diesen Tagen sind zum erstenmale seit der Spaltung der Antisemiten auf dem Magdeburger Parteitage die ' Vertreter der gesamten deutsch-sozialen Reformpartei, ein recht stattliches Häuflein, in Leipzigs Mauern ver- ; sammelt, um über ihre Parteiangelegenheiten und über die politischen Tagesfragen zu beraten. Nach dem am Sams- ! tag im Hotel „Fürstenhof" veranstalteten Begrüßungsabend, den Chefredakteur Oswald Zimmermann aus Dresden („Deutsche Wacht") leitete, begannen am Sonntag vormittag im Saale des Kaufmännischen Vereinshauses die Verhand- ’ hingen. Vor Eintritt in diese kennzeichnete der Vorsitzende, Herr Zimmermann, die Gesinnung der deutsch-sozialen Reformpartei als reiche- und königstreu und forderte zu einem dreifachen Heil für Kaiser und König auf. Als Vorsitzender des Leipziger Ortsausschusses hieß dann Herr Dr. Bennewitz > die Anwesenden willkommen, bemerkte, daß ernste Arbeit vorliege und wenig Genüsse geboten werden könnten, und schloß mit dem Wunsche, daß die Arbeit segensreich sein und zur Stärkung des Nationalgefühls beitragen möge.
Die Tagesordnung eröffnete der Abg. Lotze mit dem Bericht über die Thätigkeit der Reichstagsfraktion.
Zur Thätigkeit der Parteileitung sprach Herr Zimmermann. Er stellt fest, daß die Sitzungen erfreulicherweise einen einmütigen Verlauf genommen hätten, und daß nach der Trennung der deutfch^sozialen Reformpartei von der »-sozialen Partei ein freieres Arbeiten möglich sei.
enugthuung konstatierte der Vorsitzende, daß ' die Partei kürzlich in Frohburg einen neuen Sieg errungen habe und daß der Erfurter Verein treu zur Fahne halte. In Baden habe sich ein Bund für sich aufgethan. Schließlich betonte Herr Zimmermann, daß die Vorarbeiten für die nächste Reichstagswahl mit Eifer betrieben werden müßten. Der alte Besitzstand in Hessen solle nicht nur gewahrt werden, sondern es gelte neue Errungenschaften zu machen. Zur Diskussion sprach! Herr Boekler-Berlin über den nicht wieder aufgenommenen Antrag, betr. der Schächtfrage und bemerkte, daß bezüglich der wissenschaftlichen Seite dieser Frage sich eine beschämende Unwissenheit im Reichstage gezeigt habe. Ferner kritisierte er das Verhalten der Konservattven und des Bundes der Landwirte bei der Reichstagswahl in Meseritz-Bomst. Ter Abgeordnete Werner meinte, daß es wohl wünschenswert erscheine, die Schächtfrage gelegentlich wieder einzubringen, dazu müsse man aber dre nötigen wissenschaftlichen Unterlagen beibrrngen. Und schließlich dürfe man nicht immer bloß Judendebatten inszenieren, der Partei müsse es vor allem darum zu thun sein, den sozialen Forderungen des arbeitenden Volkes gerecht zu werden. Der vom Vorstände vorgelegte Organisationsplan wurde dann einstimmig en bloc' angenommen. Als neu ist aus diesem Plan mitzuteilen, daß Parteimitglied nicht nur werden kann, wer seinen Beitrag an einen Parteiverein bezahlt, sondern auch wer als solches durch den Obmann ober die Versammlung der Mitglieder und Vertrauensmänner seines Wahlkreises anerkannt ist. Es bleibt den Parteigenossen in jedem Verbandsgebiete überlassen, ob sie sich förmlich als Verband zusammenschließen oder sich mit der regelmäßigen Abhaltung von Verbands- Parteitagen begnügen wollen. Tie Parteileitung hat dafür zu sorgen, daß in jedem Verbandsgebiete mindestens alte zwei Jahre ein Verbands-Parteitag einberufen wird; dieser ;at einen Vertreter und einen Stellvertreter in den Ge- amtvorstand der Partei zu wählen. Ter Gesamtvorstand hat in Vertretung des Parteitages über wichtige taktische und Organisationsfragen zu entscheiden. Der Organisa- tionsplan enthält ein neues Wahlreglement, nach dem auch i)ie diesmalige Vorstandswahl vollzogen wurde.
Tie Wahl der Parteileitung ergab die Wiederwahl des bisherigen Vorstandes: Zimmermann als 1; Vorsitzender, Werner, Lotze, Tr. Giese und Bindewald als weitere Vor- tandsmitglieder. (Der Verleger der „Staatsbürger Zeitung" Bruha, erhielt 35 Stimmen, während auf Bindewald bereit 39 entfielen.)
Eine längere PaUse in ben Verhandlungen wurde durch das gemeinsam eingenommene Mittagsmahl bedingt, bei welchem der Vorsitzende ein dreifaches Heil auf Kaiser und König ausbrachte. An König Albert wurde ein Telegramm folgenden Inhalts abgeschickt:
, tischen Parteien Deutschlands auf den Plan mit einer ' offenen, klaren Stellungnahme zu den im Tarifentwurf : vorgesehenen Positionen. Sre riskiert allerdings mit einer . solchen Stellungnahme auch nicht so viel wie andere Par- - feien. Tas Referat über das ebenso umfangreiche als spröde - Material der Frage hatte Herr Zimmermann übernommen; • er entledigte sich seiner schwierigen Aufgabe in einer tem- : veramentvollen Rede, die sich auf über zwei Stunden aus- dehnte, obwohl der Redner ferner liegende Fragen nur
: streifte oder ganz beiseite ließ. Wir können uns darauf beschränken, die nachstehende von Herrn Zimmermann zu- iammengeftehte Resolution.wiederzugeben, da sie den Kern seiner Ausführungen ziemlich ausführlich wiedergibt:
Tie deutsch-soziale Reformpartei vertritt bei der bevorstehenden Neuregelung unserer Handelsbeziehungen den ■ Grundsatz des gleichmäßigen Schutzes der gesamten vater- ; ländischen Arbeit und erwartet, daß die Gelegenheit benutzt wird, um die Mängel und Schäden der Coprivischen ■ Handelspolitik wieder gut zu machen.
1. Im Gesamtinteresse der Nation hält die Partei erhöhte Schutzsätze für nötig, nicht bloß für die Industrie, erst recht für die Landwirtschaft unter Würdigung ihrer besonderen Notlage und in der Erkenntnis, daß Die (£r= Haltung einer leistungsfähigen Landwirtschaft eine Lebensfrage des deutschen Volkes für Gegenwart und Zukunft ist
2. Der Parteitag begrüßt den Zolltarifeiitwurf der Negierung als eine Unterlage, die zwecks lückenloser Ausgestaltung in Bezug auf alle Produktionszweige der Landwirtschaft, unter Berücksichtigung auch der schutzlos gelassenen Gärtnerei, sowie zwecks Umgrenzung ausreichenden Schutzes der ernsten Prüfung und Ergänzung durch ben Reichstag bedarf.
3. Tie Sicherstellung bes inländischen Marktes für den Absatz ber Produkte der einheimischen Jndusttie uno Landwirtschaft betrachtet der Parteitag als Hauptaufgabe unserer Wirtschaftspolitik. Er giebt der Meinung Ausdruck, daß ein Aufschwung der Landwirtschaft ebenso durch! Belebung , des heimischen Geschäftes ben Gewerbetreibenden und Hand- 1 Werkern zu Gute kommt wie durch Vermehrung und Verbesserung der Arbeitsgelegenheit den deutschen Arbeitern. Ter Parteitag erwartet, daß die deutsche Landwirtschaft, frei von Einseitigkeiten, auch bereit sein wird, für die Wahrung der Interessen der übrigen Produktiv-Stände einzutreten.
4. Ohne den Wert anderer Vorschläge zur Beseitigung ber landwirtschaftlichen Not zu verkennen, hält der Parteitag daran fest, daß zur Zeit mit keinem anderen Mittel so rasch eine Besserung zu erzielen ist, als mit den Mitteln, die der Zolltarif darbietet.
5. Der Parteitag eradjitet die Behauptung für unrichtig, baß erhöhte Getreidezölle Handelsverträge'erschweren ober gar unmöglich machen würden. Er tritt ein für Handelsverträge, unter Beseitigung der uns nur schädigenden Meistbegünstigungs-Bestimmungen, kann aber nur solchen Verträgen seine Zusttmmung geben, welche, im Gegensatz zu ben bestehenben Abmachungen, bas heimische Gewerbe tu seinen verschiedenen Zweigen, nicht bloß die Unternehmungen einiger Großkapitalisten, berücksichtigen, ohne unsere Landwirtschaft dem Wettbewerb des Auslandes preiszugeben.
6. Das Deutsche Reich soll durch die Art, wie es seine Handelsverträge abschließt, der Welt zeigen, wie eine gerechte Grundlage einer nationalen Wirtschaft gewonnen wird. Cs -soll zugleich im Jnlaude den unerbittlichen Kampf bis zur Vernichtung des Schwindels auf allen Gebieten, insbesondere des auf Kosten aller, der Konsumeitten wie Produzenten, erfolgenden Bvotwuchers, aufnehmen.
7. In den obigen Anforderungen entsprechenden Handelsverträgen erblickt der Parteitag Vorboten und Vorarbeiten für ein mitteleuropäisches Zollbündnis, das den russischen, großenglischen und allamerikanischen Bestrebungen nach geschlossenen Wirtschaftsgebieten riesigen Umfanges gegenüber den Wettkampf um die Kulturherrschaft erfolgreich aufnehmen kann.
8. Turchbrungen von der Ueberzeugung, baß es sich bei Neuregelung unserer Wirtschaftspolitik um eine deutsch- nationale unb sozial-reformatorische That handelt, erhebt die Partei entschiedenen Widersprach dagegen, daß man das Bestreben nach einem stetigen Getreidepreis bur changemessene Schutzzölle als „Brotwucher" verdächtigt, während die thatsächlich vorhandene Ausbeutung an den notwendigen Bedürftiissen des Volkes durch die Spekulation und andere Wuchererscheinungen der Gegenwart geflissentlich beschönigt oder verschwiegen werden '.
9. Angesichts der mit reichen Geldmitteln der goldenen Internationale unternommenen Agitation gegen Regierung unb Landwirtschaft, sowie der von der Sozialdemokratie ^förderten Verhetzung der Berufe untereinander, richtet icr Parteitag an das gesamte schaffende Volk die Auf- örderung, durch Aufklärung in Wort und Schrift ber Täuschung und Irreführung der öffentlichen Meinung zu begegnen unb durch Versammlungen und Beschlüsse den bezahlten und verführten Schreiern wie der abhängigen Presse zu Trutz die wahre Volksmeinung dahin zu bekunden, daß es sich bet der Neugestaltung des Zolltarifs um einen Akt staatlicher unb völkischer Gerechtigkeit handelt.
Unb da man schon beim Fluchen angelangt ist, warum soll da nicht ber streitbare Hodenberg auch auf ben Mann Hinweisen, ber des Teufels Werkzeug, der Urquell alles Bösen war? Fürst Bismarck sei eine „Gottesgeißel"- feine Politik „plump, roh und gänzlich gewissenlos" gewesen. Und gläubig vernahmen es dre Versammelten. Warum auch nicht? Warum soll denn auch das Lexikon, in dem sich Kosenamen wie „Hochstapler, Bluthund, Depeschenfälscher, Pendulendieb, Reptilienzüchter, Schnaps- und Schweinepolitiker, Alroholist, Höttenbraten und Reichsschwiegermutter" finden, nicht noch durch die Getreuen von Braunschweig vermehrt werden? Lebte allerdings der alte Kanzler noch, so würde er mit feinem Lächeln bemerken, daß gerade der Haß der Welsen für ihn die Quittung dafür bedeute, daß er ein gutes und nützliches Werk vollbrachte. .Aber es liegt doch! ein tiefer Sinn in diesem unerquicklichen Spiel. Hat die Freude am Reiche in dem letzten Jahrzehnt
zugenommen? Gewiß, wir feiern mehr Feste als früher, wir rufen auch mehr Hurrah, aber in Bayern, in Württemberg, selbst in dem altliberalen Baben, schwinden die Parteien, die ben reichsdeutschen Gebauten vertreten, dahin, wie die Butter vor der Sonne, und der Partikularismus bringt in alle Poren. Die Welsen aber und ihre Gefolgsleute ziehen die naheliegende Folgerung, daß auch ihre Zeit gekommen sei. Sie brauchen, wie einer ihrer Führer ausrief, jetzt nur das Holz herbeizutragen,. tm übrigen aber den Herrgott kochen zu iahen. Dann wird er, wie von der Gottesgeißel, so auch die Welt befreien von dem Teufelswerk des neuen Reiches!
7. Aligem. Parteitag -er deutsch-soMlen Reformpartei.


