Ausgabe 
9.7.1901 Erstes Blatt
 
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eine allgemeine Versammlung bet Leipziger NichtverbinbungL-Stubenten^ die vom Präsidium der Leipziger Finkenschast auf Antrag von Über 300 Finken e erufen worden war. Nach erregter Debatte, in deren Mittel« punkt Vertretungsprinzip und Juvensrage standen, ging folgende Reso­lution mit erdrückender Majorität durch:Die Versammlung sieht m dem Vorgehen der Hallenser Universitätsbehörden einen durch nichts ge­rechtfertigten Eingriff in die akademische Freiheit, sie betont, daß die Oktroiierung eines Statuts aus dem Wege der behördlichen Verordnung ein Novum im studentischen Leben ist, gegen welches die gesamte deutsche Studentenschaft Front machen sollte; sie dankt den Hallenser freien Studenten für ihr mannhaftes Verhalten und versichert sie ihrer wärmsten Sympathie." Aus der Diskussion fei hervorgehoben, daß scharfe Gegen­sätze innerhalb der Finkenschast zu Tage traten, daß aber gleichwohl die Vertreter aller Richtungen sich einmütig gegen das Vorgehen der Be­hörden richteten. Auch von korporationsfiudentischer Seite ging eine Sympathiekundgebung ein.

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Als Vertreterin eines Rechtsanwalts fun­gierte dieser Tage, amtlich zugelassen, eine Dame auf dem Amtsgericht in Potsdam; sie nahm dort den Termin für einen Mandanten des Rechtsanwalts wahr, weil letzterer andere Termine zu erledigen hatte. Die Dame ist eine Stenographin, welche in dem Bureau des Rechtsanwalts thätig ist und sich dabei derartig zurJuristin« ausgebildet hatte, daß ihr getrost die Wahrnehmung eines Termins über­lassen werden konnte.

* Gleiwitz, 6. Juli. Nach amtlicher Meldung fuhr heute nicht l1/» Uhr ein einem amerikanischen Wanderzirkus gehöriger Sonderzug bei der Ankunft in Beuthen auf einen dort stehenden anderen Zug der gleichen Gesellschaft auf, wo­durch ein Angestellter des Zirkus getötet, zwei andere schwer verwundet wurden.

Hamburg, 6. Juli. Kommissionsrat Franz Renz, (der ZirkuS-Renz) ist heute nach längerem Leiden in Reinbeck gestorben.

Mannheim, 6. Juli. Großes Aufsehen erregt das Verschwinden des Beinwarenfabrikanten Karl Heymann, der in Begleitung einer Chansonette mit dem größten Teil des Vermögens (zirka 70,000 Mk.) seiner jungen Frau, rott der er erst seit sechs Monaten verheiratet ist, das Weite ge­sucht hat. .

* Paris, 6. Juli. Der PostdampferLaos« von den MessagerieS maritimer«, auf der Fahrt nach hier begriffen, mußte in Po?t Said einen unter pestverdächtigen Er­scheinungen erkrankten Heizer ans Land bringen lassen.

* Pari«, 7. Juli. Im Orte Alfort bei Pari« ist die 9jährige Tochter von Fischersleuten, die von ihren Eltern mit Fischen in ein Restaurant geschickt war, das Opfer eines schweren Verbrechens geworden. Sie wurde tot aufgefunden.

Frauenmord. Im Walde bei Arnau in Böhmen wurde eine Frau von zwei Strolchen überfallen und durch Revolverschüsse getötet. Die Mörder find verhaftet.

Budweis, 7. Juli. Heftige Schneefälle haben in der Nacht den ganzen Böhmerwald heimgesucht. Heute wurde durch Hagel die ganze Ernte vernichtet.

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Mainz, 6. Juli. Tie hiesige Strafkammer hatte am 19. Oktober v. Js. den Schriftsteller Max Tuntel aus Mittenwalde wegen Betrugs im Rückfalle in sechs Fällen zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Als ,,Tr. Dorn in g" hatte er im Mai damals Schulden in Mainz, Wiesbaden und Frankfurt gemacht. Am 6. Mai wurde er in einem Hotel verhaftet. Seine Revision gegen das Urteil hatte Erfolg, das Reichsgericht hob das Urteil auf und verwies die Sache an die Strafkammer zurück. Am 18. März d. Js. wurde die Sache zum zweiten Male an der Strafkammer verhandelt und D. erhielt damals zweieinhalb Jahre Zucht­haus. Aus seine erneute Revision hob das Reichsgericht aus formellen Gründen wiederum das Urteil auf und verwies die Sache nochmals an die Strafkammer. In der gestrigen Sitzung wies der Angeklagte nach, daß er in seiner 14monatlichen Untersuchungshaft durch feine schrift­stellerischen Arbeiten die bare Summe von 2400 Mark durch die Post in das Gefängnis eingeliefert erhalten habe. Staatsanwalt Dr. Jungk beantragte, auf die Strafe vom 18. März wieder zu erkennen. Tie Strafkammer erklärte in ihrem Urteil, daß die Beweisaufnahme sich in der Verhandlung nicht besser gestellt habe, aber im Hinblick auf die geringen Beträge, bei denen es sich in den Be­trugsfällen handele und in Bezug auf die günstigen Zeugen­aussagen von Verlegern in Leipzig und Regensburg be­züglich des Charakters des Angeklagten, habe es ihm dres- mal mildernde Umstände zugebilligt. Tas Gericht erkannte auf zwei Jahre Gefängnis und fünf Jahre Ehrverlust. Ein Jahr Untersuchungshaft kommt auf die erkannte Strafe zur Anrechnung.

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aber daß sie besonders lustige und gutgelaunte Leute seien werden sie selbst nicht behaupten wollen. Von der lauten Lebensfreude der Rheinländer haben fte gar "Ms, und von dem Humor ihrer thüringischen Vettern, mit denen sie jahrhundertelang unter dem Wappensch-rlde desstrei­figen Leuen" zu einer Landgrafschaft gehört haben, nutzt

Stammes äußeren Manieren und ihr Verhalten

Iaen den Hemden sind nicht besonders anmutig; unb wenn die weimarische Tarne, die zur Erklärung der Grob- htiTeinti bekannten Arztes sagte:Er ift eben em Hesse , darntt wohl etwas übers Ziel schoß; w verfugen sie doch über einen äußerst stattlichen Schatz selbsterzeugter Krast- aulbrüde Don denen das echt.hessische KosewortSau- maaen "wohl der berühmteste ich unb besonders m der Zusammenstellung mit der förmlichen An«deSie einen geradezu überwältigenden Eindruck macht. Es s'"d leider zu viele Jahrzehnte, die mich von der Lektüre der taciteisckMN Germania trennen, als daß ich sagen konnte, ob ihre Väter, die Chatten, sich auf dresem Gebiet auch bereits auszeichneten, und ob die Hessen wirklich, wie be- bauptet wird, in allen Tingen die getreuen Söhne ihrer Vorfahren sind, Tagegen möchte es scheinen, als ob das häufig anzutreffende unfrohe Wesen und manche anderen Züge mindestens zum Teil auf Rechnung der Erfahrungen ?u setzen sind, die sie mit ihrem soldatenverkaufenden Landesherren gemacht haben, und als A sie torrtluhl, tote ein neuerer Historiker meint, im Jahre 1866 nicht ohne Grund froh gewesen seien, dieangestammte tyrannenerzeugende Dynastie auf so gute Manier los zu werden."

Ganz sicher sind die Hessen brave Leute aber ihr Land ift mir doch noch lieber als seine Bewohner. Wer wie der Schreiber dieser Zeilen das hessische Bergland mit seiner leuchtendroten Erde zum erstenmal um Ende April im Schmucke frischen Grüns und der weißen Blüten un­zähliger Fruchtbäume gesehen hat, begeistert sich in Ge­danken immer wieder an der wunderbaren Farbenpracht jener Tage; und ich kann versichern, daß mich trotz des Auerhahns, der mich dorthin zog, und den ich durch eigene Schuld nicht streckte, die weite eilige Fahrt vom Ostseestrande zur Fulda und zurück nie auch! nur einen Augenblick gereut hat.

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