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Nv 7 Zweites Blatt. Mittwoch den 9. Januar 131. Jahrgang 1901
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Grotzherzog Wilhelm Ernst von Sachsen-Weimar-Eisenach.
Der neue Großherzog von Sachsen-Weimar wurde am 10. Juni 1876 geboren. Er wird als Oberleutnant L la suite des 1. Garde Reg. z. F. und 5. Thür. Jnf.Reg. Nr. 94 geführt, auch gehört er dem 1. sächs. Karabinier-Reg. und dem russ. Dragonerregiment Ingermanland Nr. 39 an. In der Proklamation des Großherzogs Wilhelm Ernst über den Regierungsantritt gedenkt der Großherzog mit warmen Worten der Regierung des verstorbenen Großherzogs und erklärt, er wolle die Regierung treu und gewissenhaft im Einklänge mit der Verfassung führen und das Andenken an seinen Großvater dadurch ehren, daß er in seinem Sinne wirken und die Ueberlieferungen seines Hauses als ein teures Vermächtnis bewahren und pflegen werde. Der Großherzog bestätigt sodann alle von seinem Großvater ernannten Beamten in ihren Befugnissen und ihrer Wirksamkeit und erwartet, daß sie ihre Pflichttreue bewähren, ihres Amtes in berufSfteudiger Hingabe walten werden, und hofft, daß die ünterthanen das Andenken an den dahingeschiedenen Landessürsten dadurch hochhalten und bewahren, daß sie seinem Enkel und Nachfolger die gleiche Ergebenheit und den gleichen Gehorsam bezeigeK. Schließlich entbietet der Großherzog den Ünterthanen seinen Gruß und die Versicherung seiner landesfürstlichen Huld und Gnade.
Der „Reichs-Anzeiger- widmet im nichtamtlichen Teil dem verstorbenen Großherzog von Sachsen-Weimar einen Nachruf, in dem es u. A. heißt: Der Kaiser beklagt in dem dahingeschiedenen erlauchten Großoheim einen väterlichen Freund, von dem er in Freud und Leid vielfach Beweise eines liebevollen eingehenden Verständnisses in politischen nnd anderen Fragen erfahren hat. Unsere Kunst und unsere Wiffenschaft trauert um den erlauchten hilfreichen Förderer, der noch mit den Erinnerungen der großen weimarischen Zeit unserer National-Litteratur verwachsen war. Mit ihm scheidet wieder ein edler Bundesfürst aus dem immer enger werdenden ehrwürdigen Kreise der deutschen Regenten, die vor einem Menschenalter Zeugen und Förderer der Gründung des Reiches waren.
Die Host rauer für den verstorbenen Großherzog von Sachsen Weimar ist am p r e u ß i s ch e n H o f e auf drei Wochen festgesetzt worden. Auch der badische Hof legt auf drei Wochen Trauer an.
Engländer und Buren.
Ein Telegramm Lord Kitchevers aus Pretoria meldet: Oberst Babiugton hatte ein Gefecht mit den Kommandos Delareys und Steenkamps bei Naauport. Der Feind, deffen Verluste auf 20 Tote und Verwundete geschätzt werden, wurde gezwungen, sich nach Nordwesteu zurückzuziehen. Kosmmandant Duprez ist gefangen. Die britischen Verluste find, noch nicht bekannt. — In Heilbron angekommene Verwundete berichten, daß eine zu General Knox gehörende Abteilung von 120 Mann bei Lindley in ein Ge fecht mit einer stärkeren feindlichen Abteilung verwickelt wurde. Oberstleutnant Lainz, 2 Offiziere und 15 Mann find tot, 2 Offiziere und 20 Mann verwundet.
Nach einer bestätigten Meldung von Eingeborenen pasfierten hundert Mann den Bezirk Clau William und zogen in der Richtung nach Malmesbury. Es ist ungewiß, ob es Buren waren, oder einheimische Farmer. Die Bezirke Elan William und Malmesbury liegen nördlich von Kapstadt an der Westküste von Aftika.
Die Frau des Burengenerals Dewet befand fich, wie wir einem im „Hamb. Fremdenbl." veröffentlichten Briefe entnehmen, zu Anfang Dezember in Johannesburg. Zwei ihrer Söhne kämpfen noch mit ihrem Vater und einer ist gefangen. Frau Dewet äußerte sich folgendermaßen: -Ich sah meinen Mann nur einmal seit Beginn des Krieges. Unser HauS und unsere Farm wurden von den Engländern zerstört, unser Vieh genommen und ich mit meinen sieben Kindern von Platz zu Platz geschleppt. Wir haben weder Zeug noch Schuhe, aber durch Freunde haben wir jetzt dieses Haus zum Bewohnen bekommen. Man sagte mir, daß man auf der Rennbahn hier Schuppen bauen würde, um alle Buren frauen und Kinder unterzubringen und fügte hinzu, daß wir nur Maismehl und Wasser bekommen würden. So hoffen die Engländer, uns zu veranlaffen, daß wir unseren Männern raten, den Kampf aufzugeben." Auf die Frage, ob Frau De Wet eS nicht für ratsam fände, sagte sie mit Nachdruck: „Niemals, und wenn alle unsere Männer getötet würden. Die Engländer haben uns unsere Häuser und Farmen zerstört, unser Vieh genommen, die Fruchtbäume zerschlagen, selbst die Hühner, die sie nicht mitnehmen konnten, haben sie getötet und wenn sie auch nur eine Woche alt waren. Wir haben keine Heimat mehr; wir sind ruiniert. Um unser Land wollen wir kämpfen, so lange wir atmen können."
Der Verlauf der Bronchitis des Präsidenten Krüger ist normal, das Allgemeinbefinden befriedigend.
Mit einem überaus seltsamen Schriftstück wendet fich Henri Rochefort, der vielgewandte Leiter des „Jntran- sigeant", der sich jetzt in der Rolle eines Vorkämpfers der Burenfreiheit gefällt, an die deutsche Presse, um sie zur Mitwirkung an der Gründung eines internationalen Buren- komiteeS aufzufordern. Der Aufruf des bekannten Deutschen- frefferS ist „Pour les Boers“ überschrieben, Paris, 20. Dezember 1900 datiert und lautet wörtlich wie folgt:
„Mein Herr und sehr geehrter Kollege.
Weil die Großmätbte immer nur hierdurch stark sind, daß sie ihr Ziel, nämlich die fortwährende Erdrückung der Schwachen, erreichen, so würde es kindlich )ein, sich die geringste Jllusfion zu machen, in betreff des materiellen oder sittlichen Beistandes, welchen sie den heldenkühnen Buren zu leisten vielleicht gewogen sind.
Deshalb ist es die sittliche Pflicht aller jener Völker, welche weigern die Arme kreuzweise übereinander gelegt, die Zerschmetterung eines anderen Volkes mit anzusehen, diesem bedrängten Volke die Hilfe zu leisten, welche die Regierungen ihm jedenfalls nicht herbeischaffen werden.
Eben darum habe auch ich, der politische Leiter des Tageblattes „l'Jntransigeant", in dieser Zeitung einen Gedanken verkündet, der schon vielerseits in Frankreich gehegt und unterstützt worden ist. Meine Absicht ist die Bildung einer Art europäischen oder, wenn thunlich. universellen Ausschuffes, deffen Mitglieder die angesehensten Journalisten der ganzen Welt und die Vorsitzer aller der Vereine, die der Sache wegen, die der bewundernswerte Krüger verteidigen kavn, entstanden sind.
Sobald Sie, mein Herr und sehr geehrter Kollege, Ihren Beifall uns bezeugt haben, werden wir alle in einer Stadt Mitteleuropas Zusammentreffen und dort beraten, wie wir in jedem Lande eine Subskriptionsliste, deren bedeutender Ertrag den streitenden Buren wirklich nützen und den Sieg ihrer Unabhängigkeit fördern wird, am gedeihlichsten in Umlauf bringen können.
Genehmigen Sie, mein Herr und sehr geehrter Kollege, Mitglied dieses Bundes für Recht und Freiheit zu werden, so wird es tiefe Gefühle der Dankbarkeit in mir erregen, wenn Sie vorläufig Ihre ersehnte und sympathische Beifallsbezeigung an das Bureau des „JntranfigeanP, 144 Rue Montmartre, adressieren wollen.
Wir werden Ihnen nachher die Zeit und die Stelle melden, wann und wo unsere Zusammenkunft, welche der Anfang des Heiles der beiden Südafrikanischen Republiken sein kann, fiattfinden wird.
Empfangen Sie, mein Herr und sehr geehrter Kollege, die Versicherung meiner Hochachtung.
Henri Rochefort." * * *
Telegramme des Gießener Anzeiger-.
London, 8. Januar. Die vom Kriegsamt veröffentlichte Verlustliste über das Gefecht bei Bethlehem am 29. Dezember giebt die Zahl der Toten auf 2 und die der Verwundeten auf 12 auf englischer Seite an.
London, 8. Januar. 800 Dragoner haben gestern London verlassen, um sich nach Südafrika einzuschiffen.
London, 8. Jan. lieber die V e r h a f t u n g des Abg. Mal au, des Herausgebers des holländischen Blattes Ons- land, berichtet ein Kapstadter Telegramm, daß die aufrührerische Schrift sich über General French und dessen Truppen verleumderisch äußert. Der Verhaftete wurde gegen Stellung einer Kaution auf freien Fuß gesetzt.
K a p st a d t, 8. Jan. Die Marinebehbrde von Simons- towe ist eifrigst damit beschäftigt, die Stadt durch Aufstellung schwerer Geschütze in Verteidigungszustand zu setzen.
China.
Der „New-Dork Herald" erzählt, daß der Kaiser von Rußland an die Befehlshaber der russischen Land- und Seemacht in China Befehle gerichtet habe, in denen die Ab ficht, nach erfolgter Herstellung der Ordnung in der
Mandschurei diese chinefische Provinz zu räumen, klaren Ausdruck fände. Das Land und seine Bewohner wären dem Schutze der russischen Truppen anvertraut. — Wie die Dinge n der Mandschurei liegen, wo die russische Bahn selbstverständlich noch lange unter dem Schutze der russischen Waffen bleibeu muß, ist der Zeitpunkt der Räumung der Provinz zweifellos noch fern. — Der „Polt. Korresp." wird aus Petersburg gemeldet, daß man an dortigen unterrichteten Stellen kein Bedenken trage, die Nachricht vom Abschlüsse eines russisch-chinesischen Nebereinkommens in Bezug auf die Mandschurei zu bestätigen. Im wesentlichen sei Rußland das Recht eingeräumt, die mandschurische Provinz Fengtien zeitweilig zu besetzen. Der Zweck, den das Petersburger Kabinet mit dieser Vereinbarung verfolge, sei die Möglichkeit, durch eine derartige Besetzung auf die Vorgänge in China, sowohl hinsichtlich des Gebahrens dieser Macht selbst, wie des Verhaltens der anderen auf dem ost- astatischen Schauplätze auftretenöen Staaten, eine den Interessen Rußlands in vollem Maße genügende Aufmerksamkeit entwickeln zu können. — Dem „Daily Telegraph" zufolge soll Rußland gleichzeitig mit dem russisch-chinesischen Neber- einfommen einen Vertrag mit Persien abgeschloffen haben, in dem sich der Schah zur Neutralität verpflichtet, wenn Rußland in Asien in einen Krieg verwickelt werden sollte. Im Falle großer Notwendigkeit wirv der Schah den Durchzug russischer Truppen durch Persien gestatten.
Für die Angehörigen des deutschen Expeditionskorps in Ostasien, die aus den Lazaretten entlassen werden, aber noch der Pflege und Erholung bedürfen, ist in Kobe in Japan ein Genesungsheim errichtet worden.
♦ * ♦
Telegramm des Gießener Anzeigers.
London, 8. Januar. „Daily Mail" meldet aus Washington: Die amerikanische Regierung habe den Vertretern der Mächte vorgeschlagen, die Friedens-Verhandlungen in Washington fortzusetzen. Man glaubt, daß dieser Vorschlag von russischer Seite inspiriert worden ist.
London, 8. Januar. Aus Shanghai wird gemeldet: Eine Pekinger Nachricht besagt, daß die chinesischen Friedensvermittler dem Einspruch, der seitens des Vizekönigs Tschang-Tschi-Tun^ "gegen die Mächte erhoben worden ist, kein erle i'Wert beimessen. Die Vermittler sind immer noch bereit, den Vertrag zu unterzeichnen, sobald er ihnen zugestellt werden wird. Der Protest Tschang-Tschi-Tungs ist nur auf feine feindliche Gesinnung gegenüber Li-Hung-Tschang zurückzuführen. Tie Vizekönige der zentralen Provinzen hatten auch zurzeit der Untei> zeichnung des japanisch-chinesischen Friedens ähnliche doch bedeutungslose Proteste erhoben.
London, 8. Jan. Eine Shanghaier Meldung besagt, daß der chinesische General Tungfuhsiang sich, m Nmg- hia an der Grenze der Mongolei befindet und in ständigem Verkehr mit dem Prinzen Tu an steht.
Deutsches Reich.
Berlin, 7. Jan. Ter Kaiser empfing gestern Mittag im Neuen Palais den zum Unterstaatssekretar im Auswärtigen Amt ernannten §errn von Mühlberg und Nachmittags den Chef des Zivil-Kabinetts von Lucanus sowie den Architekten Ebhardt, der Pläne zum Wieder- aufban bi er Hohkönigsburg vorlegte. Heute vormittag hörte der Kaiser die Vorträge des Chefs des Zivilkabinetts von Lucanus und des Chefs des Marine-Kabinetts von Senden-Bibran. Heute nachmittag legte die Kaiserin für den Kaiser, der durch Unwohlsein verhindert ist, persönlich zu erscheinen und für fich am Sarge der Kaiserin Augusta im Mausoleum zu Charlotten- burg einen Kranz nieder.
— Tie Uebersiedelung des Hoflagers vom Neuen Palais nach dem königlichen Schlosse in Berlin wird, neuester Bestimmung gemäß, am nächsten Freitag erfolgen. Der Kaiser wird sich vom Neuen Palais zur Beisetzung des verstorbenen Großherzogs nach Weimar begeben und dann direkt nach Berlin zurückkehren.
— Ter Kaiser hat, wie ein hiesiges Blatt gehört haben will, den Plan gefaßt, einen Teil des Grunewaldes, und zwar speziell die an Halensee und Westend angrenzenden Jagen, in einen Park umwandeln zu lassen.
— Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen trafen Samstag nachmittag zum Besuch der Kaiserin Friedrich auf Schloß Friedrichs Hof em. Prinz Friedrich Karl begab fich gestern abend wieder na^ Frankfurt zurück, während die Prinzessin noch dort qr.
— Dem Grafen Zeppelin der heute uii bet fr* lonialgesellschast einen Vortrag über seinl Luftschiff bien, ließ der Kaiser durch General Hahnke den roten Adler


