I Herr»...
1,1 c:i v- ' tl fiCftgi],, >v>tzr '” 'kh-cn'2^ !-:> b;: Lj«litt Q"SirlS,n' NN man'q ^n man i; ®eme'n= HanÄs?^ we136cm .dL'n-nsL 'ung der 'Ä
3 uct -arbeitet
111 bat tu s. jfaptun« Jx »tt*1
JQn" hätte fie
V^>' M e" i" öer Hand
'S! recht; T L°m«L wyiunbbcht) fo brsSoben;jc!hjlln ot hl°le Erricht °*9e dessen immer
®enn Sie ruhiger a$tn link-. Lehr
r(b ben laril wird *> Ich habe ä.L’ iehi sich auf Wn. bodj mebt e'e sehen, tme u^Ianbe abhängt.
man ben in. ’ne aukerarbentlich =■) Sir müfien die e stärken Lie. sehen, at eine iehr cncrgifdje n können Sie jehen ütz l rechts.) fHcbntr gen bet hertlchenbea glonb, dessen Entwich Beispiel ictit mässe. 6 wir iermilö unser,. er wir müßten M mbe imidicn De Ätmahme liege tu
Jcr 5bg. Mel ti
ranltoortlidi, datz h SonijoOe fingctrc;
.) Jn Sachse» ® leböllerunii, uni> i.t dem sie erkannt tri. recht.) Nach SnM
Es trifft nicht jii,
gemeinen gut sind. adlfifdie ’trginung
auf btn hu filier»
kichert vtanlpunlt
m ^chreäWrt M- V\t i$W an 'hu abt. W bet ben finden, das; ich Henn i solch ein Fall hier ist, datz in der reichen och dort keine Arbeits- , Ich suhlte mich zu mhlreidtc, tics schMtz- ailien, deren Srnahtec jf den EntriistungSrii! I sch mit feinen Ad
die Stirn hat, zu bf ist unparlamentarisch- Sras «mim erklärt, et eich' die Mw 1 -ine grobe «« -Im hat feine Frage hberipluch rechts. 8“ »gtamm 6ol»«®!'
fit»** * Äh** Bebel W*
ef“url6cil
, h,n. Steno1 liof'V„«WC *
/grc*6clt?ir| ein
>->-
m 3% jch MC” )onn ru|C
l ’ch
Nr. 28»
Erstes Blatt.
151. Jahrgang.
Sonntag 8. Dezember 1901
Erscheint täglich Bitt Ausnahme des
Montags.
Die Siebener Familien. Matter werden dem An- feiger im Wechsel mit dem .Hess. Landwirt' and den «Blättern für hessische Volkskunde' viermal wöchentlich bei» gelegt.
Redaktion, Erpeditioa und Druckerei:
Schulstrave 7.
Adresse für Depeschen: Anzeiger «leben.
Fernsprechanschluß Nr.51.
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger v **
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Annahme von AnzeigeR au der sür den folgenden- Tag erscheinenden 91t. bis vormittags 10 Uhr. Alle Anzeigen-Vermitt- lungssteuen des Irr- und Auslandes nehmen An» zeigen entgegen.
Zeilenpreis: lokal ILPs* auswärts 20 Pfg.
Rotationsdruck u. Vev» lag der Bruhl'schen Universitäts - Druckerei (Pietsch Erben).
tBerontwortlich für den allgemeinen Teilt P. Wrttko; für den An» zeigenleil: Hans Beck.
Dementis, das Mieder prompt erfolgt ist, und die Ehe als durchaus harmonisch darstellt, hätte es also nicht so sehr bedurft. Thatsache ist allerdings, daß Major van Tets an Unterleibsentzündung erkrankt ist. Um der Sache auf den Grund zu gehen, telegraphierte der Korrespondent der „Chicago Daily News" an Professor Dr. Narath, den Major van Tets behandelnden Arzt, und erhielt folgende Antwort: „Am 3. Dezember habe ich an Major van Tets eine Operation wegen Unterleibsentzündung und Ileus vvr- genommen, verursacht durch eine Blinddarmentzündung. Der Patient hatte den ersten Anfall von Unterleibs-Entzündung im Januar, den zweiten vor drei Wochen. Tie Lage des Blinddarms in der Bauchhöhle ist eine solche, daß dieser gegen äußere Gewalt vollständig geschützt ift Nicht das geringste Anzeichen einer äußeren Verletzung, lag -vor. Es ist absolut ausgeschlossen, daß die Krankheit durch äußere Gewalt verursacht worden ist. Alle derartigen Gerüchte fallen gegenüber den Thatsachen zu Boden."
Hornvieh losschlagen sah, da erfaßte sic Grimm und Entrüstung, und empört rief sie aus: „Laßt doch mei Keuche gehn, mei Keuche thun Euch ja nichts!" — Endlich ließen sich die Kühe doch erweichen und gaben das Geleise frei.
•• Die Sektion Gießen des D. u. Oe. Alpenvereins hielt Donnerstag Abend ihre ordentliche Jahresversammlung ab. Den Berichten des Vorstandes entnehmen wir: Im Jahre 1900 betrug die Mitgliederzahl 101; 23 Herren wurden neu ausgenommen, sodaß im laufenden Jahre 115 Mitglieder und 1 Ehrenmitglied der Sektion angehärten. Vorträge alpinen oder touristischen Inhalts sanden an sechs Abenden statt. Zu frischer, fröhlicher Wanderung boten die gemeinsamen SektionStouren allmonatlich Gelegenheit. Der erfreuliche Stand der Rechnung gestattet nicht allein eine erhebliche Aufwendung zu alpinem Zwecke, auch für die farbige Bezeichnung der Touristenwege in Gießens Umgeb u ng konnten wie in den Vorjahren die entsprechenden Mittel bereit gestellt werden. — Auf die Berichterstattung folgte die Festlegung der Sektionsausflüge für 1902, dann als letzter Punkt der Tagesordnung die Vorstandswahl. Da Stadtbaurat Schm andt den Wunsch aussprach, nach dreijähriger Wirksamkeit als Vorsitzender von der Geschäftsleitung zurückzutreten, und deshalb bat, von seiner Wiederwahl abzusehen, so wurden Prof. Hedderich zum Vorsitzenden, und Privatdozent Dr. Eid mann zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Für die übrigen Aemter wurden die seitherigen Inhaber von neuem bestätigt, nur an Stelle des auf seinen Wunsch aus dem Vorstande ausscheidenden Kaufmanns Vaubel tritt Prof. Dr. Sturmfels als Beisitzer in die Sekttonsleitung ein.
** Ausländische Schweine in geschlachtetem Zustande aus jenen Ländern, aus denen die Einfuhr lebender Schweine nach Deutschland verboten ist, wurden in dieser Woche auf den Frankfurter Fleischmarkt gebracht. Der Centner wurde zu 58 Mk. ohne Eingeweide, mit Eingeweide zu 60 Mk. gekauft. Auch unsere Gießener Schweinemetzger sind bereits in Verhandlungen eingetreten, um sich bei den hohen Preisen des Borstenviehes im Lande in gleicher Weise zu helfen.
sn. Leihgestern, 6. Dez. Im Frühjahr 1900 wurde hier eine 3. Schulklasse eingerichtet und ein 3. Lehrer angestellt. Damit wurde unseren schon längere Jahre segensreich wirkenden beiden Lehrern ihre Arbeit wesentlich erleichtert. Als weiteres Schullokal wurde das Rathaussälchen eingerichtet und dem 3. Lehrer Wohnung in einem Privathause überwiesen. Daß diese Einttchtung nur vorübergehend sein konnte, darüber war sich die ganze Gemeinde einig. Einmütig beschloß deshalb der Schul- und Ortsoorstand, einen Neubau (Schicksal und Lehrerwohnung) aufzuführen. Trotz der Vorstellung der Schulbehörde, man verlange ein so großes Opfer von der Gemeinde garnicht, sondern es genüge schon die Herstellung eines Schullokals, beharrte man in schöner Einmütigkeit bei dem Entschlüsse: „Wir wollen ein Haus bauen, das unserem Orte zur Zierde und uns und iktferen Mitbürgern zur Ehre gereicht." Und so erhält denn unser Ort ein neues stattliches Schulgebäude, das, am Eingang zu unserem Dorf besindlich, in seinem Rohbau bereits vollendet ist. Ein Bravo den Bürgern, die so opferfteudig für ihr „Bestes" sorgen! Der Bau wird von Maurermeister Sames- Grüningen und Zimmermsister Weller von hier unter der bewährten Leitung des Kreisstraßenmeisters Rohrer ausgeführt. Die Steine liefert das in der Gemarkung gelegene Wilson'sche Thonwerk. Nicht unerheblich tragen diese Steine zum geschmackvollen, sauberen Aussehen des Baues
Aus Stadt und Aand.
(Der Abdruck der unter dieser Rubrik besindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Auz." gestattet.)
Gießen, den 7. Dezember 1901.
** Gerichtsvollzieher-Prüfung. Bei der im Oktober stattgehabten Gerichtsvollzieher-Prüfung hat der Vizefeldwebel Glenz vom Regiment „Kaiser Wilhelm" Nr. 116 als zweitbester, der Bezicksfeldwebel Diehl in Alsfeld als drittbester bestanden.
♦* Gemälde-Ausstellung. Neu ausgestellt sind vier Gemälde der Gießener Künstlerin Emmy Dingeldein.
** Französische Vorträge und Rezitationen. Die unent- gellliche Rezitation, die Lektor Go etschy am Schlüsse seines letzten Vortrags für nächsten Mittwoch um die gewöhnliche Zett angekündigt hat, wird nachstehende Stücke bieten: a) Pierre Loti, Pecheur d’lslande (Hauptszenen.) b) Fontaine, La Fdte de Noel en France; c) Th. Gautier, Noel (poeoie); d) G. Auriol, Le Noel d’un etudiant; e) A. Daudet, La Fdte des toits (conte de Noel).
** Aus dem Theaterbureau. Somttag wird die humorvolle Posse „Der Viehhändler von Oberösterreich" oder „Stadt und Land" von Friedrich Kaiser anfgeführt. Das vor einiger Zeit mit lebhaftem Beifall aufgenommene Kindermärchen „Aschenbrödels goldener Pantoffel" wird auf vielfachen Wunsch am kommenden Mittwoch Nachmittag wiederholt werden.
** Ein Kleinbahnidyll. Auf der Kleinbahnstrecke Nieder- Ofleiden—Kirchhain hat sich letzthin folgendes amüsante Geschichtchen zugetragen: Läßt sich eine Kuhherde häuslich auf dem Bahngeleise nieder. Da kommt ein Zug angefahren. Die Viehhüterin giebt sich alle Mühe, die ihr anvertrauten Tiere von dem Geleise herunterzutreiben. Vergeblich! Inzwischen kommt der Zug immer näher. Nun merkt auch der Zugführer das Hindernis. Er vereint fein Pfeifen, Rufen und drohendes Winken mit den Bemühungen der Hüterin. Alles umsonst. Da kommt ihm ein rettender Gedanke. Flugs ergreift er den sonst zu anderen Zwecken dienenden Besen, beugt sich zur Lokomotive heraus, und beginnt damit den Rücken der gehörnten Tiere zu bearbeiten. Da setzen sich diese in Bewegung und laufen vor dem ruhig weiter- fahrenden Züglein auf dem Geleise her. Dem fernen Zuschauer aber kam es vor, als ob dem Schnauserle die Puste ausgegangen wäre und es die Kühe als Vorspann benutzen wollte. Händeringend lief die Hüterin daneben her; wie sie aber den Lokomotivführer so unbarmherzig auf ihr geliebtes
Politische Tagesschau.
Die Gerüchte über Zerwürfnisse am niederländischen Hof e rhalten sich trotz aller Dementis. Jetzt ttscht das durch i eine Depeschen vom südafrikanischen Kriegsschauplätze hinlänglich als unzuverlässig bekannte Londoner Bureau Meuter wieder neue Geschichten über den angeblichen Zwiespalt beider Gatten auf. Das Bureau meldet aus „ver- trauenswcrter Quelle": Vor Königin Wilhelminas Krank- lheit fand beim Diner eine leicht er r e g te Dis ku ss ion zwischen Ihrer Majestät und dem Prinz-Gemahl statt. Die Königin, durch seine Unaufmerksamkeit geärgert, brauchte etwas herrische Worte. Der Prinz beleidigte darauf die Königin. Ihrer Majestät Adjutant warf idarauf dem Prinzen unpassendes Benehmen vor. iCs fand darauf ein Säbelduell nach dem Diner statt, enorm der Adjutant van Tets-Schiver verwundet wurde vmd schwer krank an Peritonitis (auf deutsch: Bauchfellentzündung) darnieder liegt. Der Prinz focht darauf ein zweites Duell mit einem anderen Herrn aus, den er ebenfalls verwundete. Der Prinz soll zu viel getrunken haben.
So weit Reuter. Die Sache klingt aber wirklich zu abenteuerlich, als daß man ihr wenigstens in den Einzel- tjeiten irgend welchen Glauben beimessen könnte. Des
Warnung.
Neuerdings wird wieder in hiesigen und auswärtigen Blättern durch Reklame-Inserate der echte russische ttnöterich-Thee (Polygonum aviculare) von Ernst Weidemann in Sieben bürg a. H. als sicheres Heilmittel ojegen Erkrankungen der Luftwege (Husten, Heiserkeit, Asthma rc.) inngepriesen.
Die Pflanze, aus der dieser Thee besteht, ist der Vogel- Inötettch (Polygonum aviculare). Dieser wächst auch hier zu Lande auf Aeckern, Wiesen und Gärten in großer Menge mnd besitzt die ihm zugeschriebene Heilwirkung nach der Ansicht von Sachverständigen nicht im Grit ferntesten» Der Preis des Thees ist em verhältnismäßig hoher.
Dieselbe Pflanze wird mich unter dem Namen „Hom eriana" als Heilmittel gegen Lungenschwindsucht migepriesen. Der OrtsgesundhettSrat zu Karlsruhe hat schon wiederholt durch öffenttiche Bekanntmachungen auf baS Schwindelhafte dieser Anpreisungen aufmerksam gemacht.
Gießen, 5. Dezember 1901.
Großherzogliches Polizeiamt &iefren.
Hechler.
Gießen, 6. Dezember 1901.
23etr.: Die Ausführung des Gesetzes vom 10. Sept. 1878 über den Schutz der in fremde Verpflegung gegebenen Kinder unter 6 Jahren.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des KreiseS.
Unter Bezugnahme auf unser Ausschreiben vom 14. November 1893 Amtsblatt Nr. 10, 26. Febr. 1896 Gießener Anzeiger Nr. 50 sehen wir der Einsendung der in rubr. Betreff erwachsenen Ueberwachungsbogen, bezw. der Ihnen .»büegenben Berichterstattung, im Falle in Ihrer Gemeinde i olche Kinder nicht versiegt worden find, bis zum 5. Januar 1902 entgegen.
I. V.: Dr. Wagner.
Gießener Stadttyealer.
„Romeo und Julia."
Jedes Shakespeare'sche Stück hat sein besonderes Klima, seine bestimmte Jahreszeit und seine örtlichen Eigentümlichkeiten. Wie die Personen in jedem seiner Dramen, so haben auch Erde und Himmel, die darin sichtbar werden, eine besondere Physiognomie. In „Romeo und Julia" sind wir, wie im „Kaufmann von Venedig", über die Alpen gestiegen und befinden un5 im sonnigen Verona.
Italienisch, heißblüttg sind demzufolge die Figuren, und diese auflodernde Leidenschaft un8 näher zu führen, ist eine Kunst, die wir, wenn sie gelingt, nicht hoch genug anrechnen können. „Romeo und Julia" ist die Tragödie der Liebe, jener glühenden Liebe, die so stark ist, daß sie nicht davon absteht, sich zum Bundesgenosien den Tod zu wählen. Un§ diese Leidenschaft in ihrer allsiegenden Kraft nahezubttngen, ist die Aufgabe der Darsteller der Titelrollen.
„Tages Arbeit, abends Gäste",' hieß es am Freitag wieder einmal in unserem Stadttheater. Herr Willy Löhr vom Hoftheater in Darmstadt spielte den Romeo. Herr Löhr ist uns kein Fremder. Im vorigen Jahre sahen wir ihn hier im „ Rosenmontag", als Galeotto und als Reif, und alsRomeo habe ich ihn auch schon einmal gesehen, wenn ich nicht irre, au „Berliner Theater"; damals war er wohl ein Mitglied der Braunschweiger Hofbühne.
„Romeos Gemüt ist viel finsterer als das der Julia; in der Gartenszene blüht feine Seele licht auf. aber im Glück wie im Un-- glück ist er heftig und rauh. Diese Männlichkeit, welche so leicht Die Grenze des Wilden und Zarten überspringt, die sich und andere verletzt nnd in Zorn und Wildheit Maß und Haltung verliert, sie
ist es aber auch, die so vielfällig im Leben Leidenschaft in anderen erregt und selber groß und kräftig empfinbet Diese Ueberfülle des Lebens reißt sich und den geliebten Gegenstand in den Abgrund, früher oder später, auf diese oder andere Weise."
Es ist, als ob in den meisten Einzelheiten nach dieser von Ludwig Tieck entworfenen Charakteristik des Shakespeare- schen Liebeshelden Herr Löhr seinen Romeo geformt hätte. Er ist männlich, mttunter fast düster, ungestüm; die zärtliche Lyrik der echten Liebe steht ihm nicht so natürlich zu Gesichte, wie der Sturm und Drang der empörten Leidenschaft, der zornigen Verzweiflung und des Todestrotzes wider das feindselige Geschick. Seine Glut für Julia — der erste Brand in einer Jünglingsseele, die bisher von Liebesflammen nur den Schein kannte — war ziemlich deklamatorisch, mehr Spiel, mehr auf den äußeren Effekt gestimmt. Hier schwelgte Herr L. förmlich in seinem klangschönen, ziemlich hochliegenden Organ. Die Szene des ersten Sehens und Liebens mit den wundervollen Versen (in Wilh. Jordans meisterhafter lieber» setzung):
Wenn meine Hand ein Heiligtum entweiht, So werden das zwei Pckger sühnen müssen: Die Lippen sind's, errötend und bereit, Die Spur des ranhen Drucks hinweg zu küssen, sah ich leider nicht. DaS mit Auge und Ohr wonneberückt lauschende, in Liebesbeteuerungen überfließende, in heißer Sehnsucht und im Vorgenusse künftiger Freuden schwelgende, nachtblumenduftige Liebesduett der Balkonszene ist so unendlich schön, daß selbst ein Kainz dem Ideal -Doch nur bedingt zu entsprechen die Fähigkeit hat. Neckisch aufgeräumt aber war dann Herr L. bei den Spässen seiner Freunde mit der Amme, und vortrefflich wußte er auch der Herausforderung Tybatts gegenüber den jähen Ausbruch seines reizbaren Temperaments
in zärtlichem Zurückblicken auf die eben erst seinem Auge entschwundene Julia zu bezähmen. Allein bei dem Gefecht dieses wilden Eapulet mit Mereutio, das er so unheilvoll zu verhindern sucht, hätte ich doch die Erregung deutlicher her- oortreten sehen mögen. Die Worte, in denen bei der Botschaft von seines Freundes Tode sein unheilahnendes Gefühl hervorbricht:
Der Tag mit seiner dunklen Schicksalswende
Beginnt das Weh, — ein andrer bringt's zu Ende entbehrten doch wohl der inneren Ergriffenheit. Von vortrefflicher Wirkung war dann aber die Szene mit Lorenzo, die haltlose, jammernde, blind wütende Verzweiflung Romeos mit dem Stichwort „Verbannung", lieber der Brautnachtszene mit dem Wechselaecord „Es war die Nachtigal und nicht die Lerche" lagerte die ahnungsvolle Schwermutswolke kommenden Unheils, aber man vermißte doch den echten Liebeszauber.
So zeigte uns denn Herr Löhr wieder einmal, daß er ein hervorragender Sprechkünstler ist, ein Künstler von mitreißendem Temperament, dessen lebenglühender Romeo- Darstellung das Publikum mit größter Spannung folgte, um ihm am Ende aller feiner Szenen lebhaftesten Beifall zu spenden. Der Lorbeerkranz, der ihm überreicht wurde, war wohl verdient. Uebrigens kann man nicht behaupten, daß Herrn L. die Uniform der Liebe, das übliche feurige Rot, besonders gut zu Gesichte steht.
Frl. Feige gab die Julia. Mit vielem Eifer kämpfte sie gegen eine Aufgabe, der ihre Mittel nicht voll entsprechen, weder die äußeren noch die inneren. Julia ist 14 Jahre alt, Frl. F. doch wohl ein ganz klein wenig älter; Julia ist eine heißblütige Tochter des heißen Landes Italia, eine spezielle Landsmännin Paolos Veronese, dem Glanz und Freud--


