Dienstag 8. Oktober 1901
151. Jahrgang
Drittes Blatt
Nr. 236
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Aus Stadt und And
Etwas
Erscheint täglich mü Ausnahme des
Montags.
Die Eichener Familien- blätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit Dem »Hess. Landwirt* und den „Blättern für hessische Volkskunde" viermal wöchentlich beigelegt.
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immer bedrohlicher werdenden Konkurrenz der Vereinigten Staaten äußert sich E. Harduin im Pariser „Matin":
„Meines Erachtens ist die Zeit nicht mehr fern, da die europäischen Nationen so viel Sorgen und anderweitige Beschäftigungen haben werden, daß sie nicht mehr daran denken können, untereinander Krieg zu führen und sich aufzureiben. Man achte doch einmal auf die Etappen des Vorwärtsschreitens der Menschheit. Anfangs stand der Mensch allein da, aber durch die Kinder entstand sofort die Familie. Dann gruppierten sich die Familien, um einander zu helfen und gemeinsamen Gefahren vorzubeugen, und wir hatten die Gemeinde. Die Kommunisten von 1871, die uns zu diesen Zuständen zurückführen wollten, waren also einfache Reaktionäre. Nach der Gemeinde kam die Provinz, die Vereinigung mehrerer Gemeinden und dann die Nation, die die Provinzen in sich aufnahm. Bei diesem Punkte sind wir bis jetzt stehen geblieben. Sind wir deshalb aber schon zum Ziele gelangt? Keineswegs' Diese Arbeit der Bildung der Nation oder des Staates hat lange Jahrhunderte erfordert. Die Familien, die Gemeinden, die Provinzen haben, indem sie sich miteinander verbanden, dem Gesetze der Notwendigkeit gefügt. Andere Notwendigkeiten werden sich geltend machen, die zum Ueberschreiten einer neuen Etappe verpflichten und wenigstens eine Förderation der Staaten herbeisühren werden.
Ern erster Schritt, ein Versuch ist gerade im letzten Jahre unternommen worden. Haben die chinesischen Wirren nicht Hunde und Katzen Europas gezwungen, ihre Zwistigkeiten und ihr gegenseitiges Mißtrauen zu vergessen und sich wenigstens für eine gewisse Zeit zusammenzuthun? Man hat Deutsche und Franzosen, Russen und Engländer, Italiener und Oesterreicher sich verbinden und Freunde werden sehen, um dem gemeinsamen Feinde die Spitze zu bieten. Diese Soldaten, die man zu dem Zwecke ausbildete, sich gegeneinander loszulassen, haben Rücken an Rücken gekämpft. Tas ist ein Ereignis von bedeutender Tragweite, dem nur oberflächliche Geister nicht die Wichtigkeit beigemessen haben, die ihm zukommt. — Sollte eine neue Gefahr auftauchen, so wird die Einigung von neuem gezwungen und auf natürliche Weise sich vollziehen; denn die Furcht vor einer Gefahr ist stärker als die Vernunft, um die Menschen zu veranlassen, vernünftig zu handeln: Woher wird die Gefahr! kommen? Aus Asien, wie im vorigen Jahre, oder aus Amerika? Die gccbe Gefahr ist vielleicht für den Augenblick zu befürchten, aber eine andere tritt rm fernen Nebel hervor. Nordamerika wächst täglich, erzeugt von Jahr zu Jahr kolossalere Massen Waren, und sucht Absatzgebiete und wird g^wungen sein, solche von Europa zu verlangen. Dieses wird sich dagegen sträuben; es wird sich nicht dazu verstehen, Die amerikanische Produktion alles überschwemmen und seine Arbeiter brotlos machen zu lassen, um Amerika zu bereichern.
Das ist der Konflikt, der am Horizonte erscheint und der die Staaten Etlropas zwingen kann, ihre Kräfte zu vereinigen, um dem Drucke von jenseits des Ozeans zu widerstehen. Wir werden unser Haus und unsere bedrohten Interessen zu verteidigen hctben. Wie können wir unter solchen Umständen daran denken, uns untereinander zu bekämpfen? Die Staaten Europas werden in derselben Lage sein, die ehedem die Provinzen zwang, sich zu einem Staate zu vereinigen. Ist das nicht eine durchaus zulässige Voraussetzung? — Man wird ja sehen, daß auf diesem Wege vielleicht vor dem Ende des eben begönnerten Jahrhunderts das Ende des Krieges zwischen den ieuropäischen Kontinentalmächten herbeigeführt wird. Die Utopie: „Die Vereinigten Staaten Europas", die bisher nur Träumern vorschwebte, wird durch die Macht der Thatsachen eine Wirklichkeit werden. Dabei bleibt nur die Frage offen, ob wir irgend etwas davon provitieren werden, wenn die Kriege von Kontinent zu Kontinent geführt werden . ."
*) Auch in diesem allerdings stark utopistischen Aufsatz eines französischen Blattes zeigt sich der Wechsel der französischen Aufsagung. Nicht mehr allein ist es das Wort Revanche, nach dem alles tanzt, sondern man denkt an völlig andere Ziele. Mag auch häufig der alte Nevanchegedanke noch zitiert werden, praktisch hat er jetzt keine Wirkung.
In Sachen Kökker-^angSdorf
erhalten wir von einem oberhessischen Pastor folgende Zuschrift:
„Herr Köhler-Langsdorf hat neben etlichen Prophezeiungen für die Zukunft, bei denen es einem fast gruselig werden möchte, eine Warnungstafel aufgehängt für den Bauernstand, auf der windschiefe Beamte, widerliche und laue Pastoren, übergeschnappte Gelehrte, egoistische Industrielle, geistig beschränkte Handwerker, feindselige Kaufleute, Trom- und andere Peter zum Nutz und Frommen des Bauernstandes von dem großen Propheten und Messias der Bauern verzeichnet sind. „Gut gebrüllt^ — aber nicht Löwe), das war der Eindruck beim ersten Lesen. Ob die verschiedenen gekennzeichneten Kategorieen von „Schädlingen" des Bauernstandes in eine gelinde Aufregung geraten, ist zu bezweifeln, davor schützt sie ihre Stellung. Anders ist es mit den Geistlichen, die mitten im Volk stehen, und denen das Volk geradezu aufgehetzt wird. Leider sind nicht blos die Handwerker (nach Herrn Köhler) geistig beschrankt, auch eine (freilich geringe) Zahl Bauern, die hier oder da etwas gegen den geistlichen Stand haben, lassen sich auf den Leim führen. Daher wenige Morte zur Beleuchtung des über die Pastoren Gesagte. Weil hier und 'da ein katholischer Geistlicher auf einer Baueniversammlung redet, sind mit einem Male diese fast insgesamt Köhlers Gesinnungsgenossen. Da ist nur zu verwundern, daß Köhler nicht mit fliegenden Fahnen zu ihnen übergeht, er könnte dann dort noch wertvolle andere Vorteile in sichere Aussicht gestellt bekommen. Ich bin kein Anhänger Naumanns, aber doch alle Achtung vor einem
Manne, der feine ganze Kraft in den Dienst der Menschheit stellt, nach, seiner Manier und dazu aerabesö berechtigt, wie andere nach ihrer Manier, uno dabei von einer Opferwilligkeit, wie sie in anderen Lagen selten ae- fundeu wird. Und wir übrigen Pfarrer sind keine Kämpfer für die speziellen Interessen des Bauernstandes? Warum? Wir sind da für keine Partei, wir sind für alle Stände da, und unser Amt ist, nicht zu verhetzen, sondern zu versöhnen. In diesem Sinne wirken wir für alle. Denn wo soll es hinkommen, wenn in der Weise Köhler die Klassen- hetze weiter betreiben wird? Das kann sich jeder selber sägen'. Weil die Bauernbündler Antisemiten sind,deshalb sollen wir Pfarrer bei ihm fein? Nein, wir sinh überhaupt bei keiner Gesellschaft, die hetzt. Bei dem Feste in Langd wurde doch das gerade Gegenteil behauptet. „Wo ist der Pfarrer, wo der Lehrer?" wurde dort gefragt, als sie nicht erschienen. Antwort: Wo in Lied uno Wort auf eine solche Weise vorgegangen wird, kann ein Pfarrer) kann em Bürger, der in dem Andersgläubigen den Menschen achtet, nicht mit dabei fein — am Wenigsten ein „Studierter". Antisemit in dem Sinne wie Anti- Wucherer wird jeder Pfarrer sein, nur wird er den Wucherer nicht in einer Nasse suchen und bekämpfen, sondern wo er ihn findet — auch unter Christen. — Und nun noch ein Rezept zur Hebung des Bauernstandes von unserer Seite. Worte wirken viel, Beispiele aber mehr. Dem Bauer kann nichts mehr nützen, als das Beispiel einer rationellen Wirtschaft. Ta. könnte Herr Köhler und mancher seiner Freunde vorangehen, wenn sie statt Worte zu machen, am eigenen Wesen und Wirken im Haus, im Feld als Vorbild vorangingen und zeigten, wohin es ein Bauer bringen kapn. Nicht: „So habe ich geredet, sondern so mache ich es." Schon in dem Lied vom kleinen David und langen Goliath (Herr Köhler verzeihe das semitische Zitat) kommt eine darauf bezügliche Strophe vor, die ich nicht ausführlich wiederzugeben brauche. Wenn ich aber bei der nächsten Begegnung mit einem Sozialdemokraten den Hut vor diesem etwas tiefer ziehe, so nehme mir es Herr Köhler nicht übel."'
Eine zweite Zuschxift auZ Kreisen der Geschäftswelt lautet:
,,Als Abonnent Ihres geschätzten Blattes Tann ich nicht umhin, Ihnen eraebenst mitzuteilen, daß der Brief des Herrn Köhler sowohl an Inhalt äls an Form alles überbot, was mir aus diesem Gebiete zur Kenntnis gelangt ist, solange ich mich mit öffentlichen und politischen Fragen be- chäftiae. Man sollte es wirklich nicht für möglich halten) daß ein gesitteter Mensch!, welcher die Würde eines Reichstags- uno Landtagsabgeordneten bekleidet, sich einer fp unerhört ungeziemenden Ausdrucksweife bedienen kann. Dieses charakteristisches Schreiben muß jedem unbefangenen Menschen als ein ohnmächtiges Wutgeheul gegenüber der eisernen Konsequenz unerbittlicher Naturgesetze vorkoptmen. Unsere Landstirte draußen sehen der Mehrzahl nach klarer, wie Herr Köhler depkt, und ff äff en sich von ihm nicht weis- machen, daß bad lebhafte Interesse der wenigen geldgierigen Groß-Agrarier an der Erhöhung der Getreidezölle absolut nicht identisch ist mit dem Gros der ^Bauern" 'um in Köhler'scher Sprache zu reden). Ms Streben der Herren Köhler und Genossen läuft aller wahren Kultur direkt zuwider und kann daher nicht energisch genug bekämpft werden. Unsere Zeit ist, den Göttern fei es gedankt, reicher an selbständigen, rückgratfesten Mannern, wie Herr Köhler nur leise ahnen mag, und er kennt öffenbar die Gärung nicht, die in den besten Geistern unserer Zeit brodelt. Eines habe ich noch in seinen „klassischen" Auslassungen vermW, was man in der Hegel hei ähnlichen Konzerten zu hören gewohnt ist, das Läßliche Gezöter au die sogen, irreligiöse Zeit mit dem Posaunenton, „daß un eretn Polke die Religion erhalten werden muß." Die na urgemaße Kuttnrentwickelung geht, wie auch, sonst auf alten anderen Gebieten, so äußj in volkswirtschaftlicher Richtung, ruhig und sicher ihre Bqhn ünd wird alle finsteren Reaktionäre, die sich ihrem Siegeslauf entgegenstellen, erdrücken. 6crr Köhler macht feine Weltgeschichte, nützt aber jedenfalls der Kultur insofern, als er die Sn* differenten ans ihrer Lethargie aufrnttelt. W. H
Nachrichten von allgemeinem Interesse sind uns stets willkommen und werden angemessen honoriert.
Gießen, den 7. Oktober.
** Ein Postkuriosum ohne Gleichen besteht, wie dem „Berliner Blatt" mitgeteut wird, an der preußisch- hessischen Grenze. Es handelt sich um die Orte Helfersdors, Hitzkirchen und vier zu Hettersroth gehörende Höfe. Helfersdorf gehört zum Landbestellbezirk Schlietbach, Hitzkirchen zu Wenings, Hettersroth zu Birstein, obgleich diese drei genannten Otte nur fünf Minuten in ihrer weitesten Entfernung auseinanberliegen. Es müssen täglich fünf Boten in diesen Bezirk, da zwei Orte zweimalige, ein Ort einmalige Bestellung haben. Zwei Briefbotrn wollten, der eine dem Hinz, der andere dem Kunz je eine Zeitung bringen. Sie gehen zusammen, denn die Empfänger wohnen nur durch die Zanostraße und einen Graben getrennt bei- rinanfcet. Der Hinz giebt dem Boten einen Bries mit an den Kunz. Was geschieht nun mit dem Briese? Etwas ganz Unglaubliches. Der Bote nimmt den Brief mit nach Birstein (fünf .Kilometer). In Birstein übernimmt ihn die Bahn und befördert ihn nach Wächtersbach (IS Kilometer). In Wächtersbach geht der Brief in den Berlin-Frankfurter Zug, welcher ihn mit nach Gelnhausen nimmt (11 Kilometer). In Gelnhausen bekommt der GelnHausen-Gießener Zug den Brief und befördert ihn nach Büdingen (15 Kilometer). Dort übernimmt ihn der Postwagen uns bringt ihn auf dem Landweg nach WeningS (12 Kilometer). Hier nimmt der Landbota den Brief und bringt ihn dem Kunz in Hitz-
Allgemeirrer deutscher Franerrverein.
(Originalbericht des „Gieß. Anz.") n.
Eisenach, 2. Oktober.
In der letzten öffentlichen Versammlung des Frauentages, die um einhalb 5 Uhr nachmittags ihren Anfang nahm, sprach zunächst Frl. Pappenheirn-Frankfurt am Main über die Sittlichkeitsfrage. Sie ging von der That- sache aus, daß in vielen Vereinen, ja selbst Parlamenten dies Thema heute auch vom männlichen Standpunkt eines der attuellsten und lebhaftesten Diskutiertesten ist und daß die Zahl der Männer, die mit Mut und Offenheit dieser Frage gegenübertreten, in stetem Wachsen sei. Naturgemäß werde die Reihe derer sich_ lichten, die oft, ohne überhaupt einen Blick in das Geistes- und Gernüts- leben eines normalen, ehrlichen Frauendaseins gethan zu haben, sich als Meister der Logik mit der -Devise: die Mädchen sind schlecht, weil sie schlecht find! bethätigen. Und dieser Logik entgegenzutreten gelte es. Denn wenn auch zugegeben werden muß, daß es viele schlechte, zügellose Elemente in der Gesellschaft giebt, und diese, falls nicht energisch dagegen gearbeitet wird, späterhin noch mehr geben wird, so find doch die Mädchen nicht schlecht von Grund aus, sondern die Gesellschaft ließ sie schlecht werden, indem sie ihnen nicht hals, gut zu bleiben, als sie auf dem Scheidewege zwischen gut und schlecht standen. Und diese Hilfe heißt: Rat, Schutz und Förderung und das Zugeständnis aller rechtlichen und politischen Mittel, bereit jeder Mensch, Mann und Frau, zur Aufrechterhaltung seiner physischen und sittlichen Existenz bedarf. Ganz besonders werden die in Frage kommenden Mädchen, gleichviel, ob sie in einem Hinterhaus in Berlin, in einem Fabrikviertel in London oder in einem Ghett) in Sizilien das Licht der Welt erblickten, auf einen frühen Lohnerwerb angewiesen, meist ein sorgloses, bequemes Dasein unter verlockenden Aeußerlichkeiten dem Martyrium der Wohlanständigkeit begreiflicherweise vorziehen. Und wenn „man" bann sittlich entrüstet ist, vergißt man gar leicht die Hau.tkonsequenz: Wie könnten sie sich verkaufen, wenn keine Käufer da wären! Welches ist nun also hier der Weg zur Besserung? Hauptsächlich eine planmäßige, sittliche Erziehung, bae weit über die berufliche bürgerliche >iampfausrüstung hinaus geht. Sie besteht darin, dem Heranwachsenden Ge'schleM den Weg zu zeigen zwischen begehen, gewähren und verzichten. Eine Wirksamkeit in dieser Beziehung kann aber nur dann erreicht werden, wenn das so hochwichtige Geschäft der Erziehung nicht als eine so oft durch Zufälligkeiten gefährdete Nebenbeschäftigung angesehen wird. Ganz im Gegenteil Die Erziehung ist es, die der Jugend den Wertmesser für das, was erstrebenswert und verwerflich ist, mit ins Leben geben soll. Sie muß den Grund legen zur Selbstsucht und Selbsterziehung, aus der allein dem Menschen die Kraft erwächst, die Sittlichkeitsftage für sich, selbst, zu lösen.
Langanhaltender Beifall lohnte die Rednerin für die meisterhafte, hochinteressante Behandlung ihres schwierigen Themas. In der Diskussion legte Frau Prof. Ediuger- Franksurt a. M. eine Lanze für die Errichtung von Müdchen- Fortbildungsschulen ein. Frl. Blum: D-er bürgerlichen Frau muß die DienMoienfrage am nächsten liegen und die jungen Mädchen am besten behüten und bewahren. Ein gutes Drittel der Prostituierten geht aus dem Dienstbotenstaude hervor. Auch sie betont den erziehlichen Wert der Fortbildungsschulen. Frl. Förster-Kassel wendet sich an die Mütter, die ihren Söhnen und Töchtern die ersten Auf- llämngen geben möchten. Frau Hecht-Tilsit regt die Einrichtung von Unterhaltungsabenden für Mädchen an. Aus der Mitte der sehr stark besuchten Versammlung bespricht eine Dame unter teilweisem' Widerspruch den schädlichen Einfluß, den manche Dienstmädchen auf die Kinder ausüben und behauptet, daß die Hausfrau die Dienste boten nicht zur Moral erziehen könne. Frl. Auguste Schmidt betont demgegenüber, daß die Frauen ihren bieuenben Mädchen gegenüber von Liebe erfüllt sein müßten. Zwei Drittel der unehelichen Mütter seien Dienstmädchen, die zumeist im Hause ihrer Herrschaft zu Schaden gekommen seien. Frl. Lange, die Vorsitzende der Versammlung, stellt fest, daß die Diskussion ergeben habe, daß die Dienstibotenfrage die brennendste des Sittlichkeitsproblems fei.
Mit Beifall empfangen, betritt hierauf die bekannte Vorkämpferin der Frauenrechtlerinnen, Frau Marie Stritt- Dresden die Rednertribüne, um in temperamentvoller Weise das Thema: „Tie deutschen Vereinsgesetze und die Frauen" einer Erörterung zu unterziehen, die gleichfalls, wie der starke Beifall bewies, der Versammlung aus oem Herzen gesprochen war. Wir begnügen uns, an dieser Stelle zu erwähnen, daß die Rednerin, von sehr gewichtigen Gründen unterstützt, auf dem Weae einer reichsgesetzlichen Regelung, für die Zulassung der Frau zu politischen Vereinen und Versammlungen lebhaft eintrat. Eine entsprechende, von Frl. Förster-Kassel eingebrachte Resolution wurde einmütig angenommen. Nachgetragen sei noch, daß Frau Dr. Goldschmidt im Eingänge der Versammlung einen warmen Appell zur Gründung von Ortsgruppen des Schiller-Verbandes richtete, damit der Schiller- ftiftung neue Mittel zugeführt werden können, und der hundertjährige Todestag Schillers zum nationalen Festtage gestaltet werde. Mit herzlichen Dankesworten schloß gegen dreiviertel 7 Uhr Frl. Lange den 21. Frauentag des „Allg. Deutschen Frauenvereins."
Die „vereinigten Staaten Europas".*)
lieber die Notwendigkeit eines wirtschaftlichen Zusammengehens der europäischen Staaten gegenüber der
'TS?" O Annahme von AnzelaeK
GittzenerAnzelger
** General-Anzeiger v ESS£
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MW


