Ausgabe 
8.9.1901 Drittes Blatt
 
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Ät« 311 Drittes Blatt.

151. Jahrgang.

Sonntag 8. September 1901

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Di--Siebener Kamillen- blätter werden dem An­zeiger im Wechsel mit demHess. Landwirt" und denBlätter- für hessische Volkskunde" viermal wöchentlich bei» gelegt.

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Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr. 51.

Amts- Md Anzeigeblatt ftr den Kreis Eichen

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Landwirtschaft.

** Versteigerung. Am Dienstag fand im N e b e - sch en Gutshose hier die Versteigerung der Dom land lu. Provinzialverein aus der Schweiz importierten Bul­len, Rinder und Ziegen statt. Es waren 16 Bullen, 25 tragende Rinder und 17 Ziegen angekauft worden, die unter die Besteller zur Versteigerung gelangten. Für ein­zelne Tiere wurden s e h r h o h e P r c i s e gelöst, z. B. zahlten die Gemeinden Eichenrod, Anaersbach, Bannerod, Ober-Hör­gern und Rodheim v. d. H. über 1400 Mk. pro Stück. Gegen den Einkaufspreis wurden an 12 Bullen ca. 2700 Mark mehr erlöst. Auch bei Kalbinnen wurden von den 25 Tieren bei der Versteigerung über 4000 Mk. mehr erzielt, als wie sie gekostet hatten. Der Durchschnittspreis für sämtliche Kal­binnen betrug 667 Mark. Einzelne Tiere wurden mit ca. 1200 Mk. bezahlt, während andere nur 450 Mk. erbrachten. Auch bei Len Ziegen wurde bei der Versteigerung mehr erzielt, als wie sie gekostet hatten. Der gesamte Mehrerlös betrug 6857 Mk., der aber den Steigerern im Verhältnis zum Steiavrejs wieder zugute kommt. Man war allgemein der Ansicht, daß die Einkausskommisfiolt nicht nur vor­zügliches Zucht material, sonoern daß sie dasselbe auch zu verhältnismäßig günstigen Preisen ein getauft hatte. |

Pflaumen. Der spendende Sommer streut seine Ga­benfülle aus. Der reichste Ertrag alter Obstarten wird Heuer der Pflaume zugemessen. Man unterscheidet in der Hauptsache die blaue Pflaume und die schmackhaftere gold­gelbe, die sogenannte Eierpilaume oder Reineclaude. Den geschichtlichen Ursprung des dtamens Reineclaude muß man in Frankreich suchen. Im Anfang des 16. Jahrhunderts lebte und regierte in Frankreich die Königin Claudia (la reine Claude), die in dem jugendlichen Alter von 15 Jahren die Gemahlin des Königs Franz von Valois wurde. Ihre Lieblingsspeise war von höchst bescheidenen Ansprüchen, frisches Obst und besonders eine Pflaumenart, die in den wohlgepflegten Obstgärten der Provence gezogen wurde. König Franz, der seine, mit allen weiblichen Tugenden ausgestattete Claudia schwärmerisch liebte, suchte ihr alle kleinen Freuden häuslichen Glücks zu bereiten, und jeden Morgen prangte auf ihrem Tisch ein Korb frischer, gold­gelber Pflaumen. Auch das Volk erfuhr bald von der Lieblingsspeise seiner guten Königin, und der Name reine Claude für jene Pflaumenart war bald in aller Munde. Längst ist die liebliche Frucht von Frankreich nach Deutsch?- land importiert; am sonnigen Giebel des Hauses im Garten, auf den sanften Höhenzügen Nord- und Süd­deutschlands gedeiht sie so gut wie einst in den sonnigen Auen der Provence, aber nur wenige, die sich heute an gelben Pflaumen oder Neinclauden delektieren, werben der historischenreine Claude" gedenken!

Friedberg, 5. Sevt. Von 16 eingetaufenen Proben von Saatwe^zen wurde durch den Ausschuß des Landw. Bezirksvereins Friedberg eine Probe von einem Gute bei Kassel, der Doppelzentner zu 23 Mk. ausgewählt. Ein Waggon ist bereits davon bestellt; weitere Bestellungen werden nur noch bis Montag, den 9. ,Sept., entgegengenom­men. Die Lieferung erfolgt bis Mitte September. Säcke sollen billigst berechnet werden. Die Auslieferung erfolgt gegen Barzahlung. Da der Weizen (Beselcr Sheris Nr. 3, 1. Nachsaat) au3 rauhem Klima stammt, ist seine Winter­festigkeit, nachgewiesenermaßen beste von allen Sherifartm, zu erwarten, dtichtmitgliedern des Vereins und für bas Quantum von über vier Zentnern werden Kaufpreis unb Frachtkosten angerechnet. Anmeldungen zur Mitgliedschaft werden gleichzeitig mit der Bestellung entgegengenommen. Der Einlieferungstermin für Aussteller in der Gersten­ausstellung in Berlin läuft für den hiesigen Bezirk mit dem 9. September ab. Bis dahin sind 150 Pfund Gerste zum Ankaufspreis von 12 Mark an Bierbrauer Steinhäußer hier abzuliefern nebst einer Achrenprobe von etwa 20 Aehren samt Stroh (möglichst lang). Tie eingelieferten Muster werden am 13. Sept, im Saal zu den 3 Schwertern ge­legentlich einer Hauptversammlung des Bezirksvereins vor- prämiicrt, und die 12 besten nach Darmstadt und Berlin auf Kosten des Vereins weitergeschickt. Dort steht weitere Prämiierung bis zum Betrage von 100 Mk. in Aussicht. Bei der Wichtigkeit der Hebung unseres Renommees als Gerstenbaugebiet und der guten Ernte im Verhältnis zu anderen Gebieten wird zahlreiche Einsendung erwartet.

Die landwirtschaftliche Winterschule zu Worms beginnt ihren oiesjährigen Winterkttrsus am Montag den 4. November, vormittags 10 Uhr, im Schul­gebäude, Hagenstraße 5. Die mit vorzüglichen Lehrmitteln reich ausgestattete Schule ist in erster Linie für daS Bil­dungsbedürfnis des mittleren und kleineren Landwirtes errichtet. Sie bezweckt, durch Unterrichtung in den Grund­lehren der Naturwissenschaften dem jungen Landwirt die- jcmgctt Kenntnisse zu vermitteln, welche derselbe für die planmäßige Einrichtung utib zweckentsprechende Leitung eines landwirtschaftlichen Betriebes unumgänglich notwen­dig besitzen muß. Die Schule stützt sich bei Ausübung des Fachunterrichtes naturgemäß zunächst auf die in der väter­lichen Wirtschaft erworbenen praktischen Fähigkeiten und Kenntnisse und ist bestrebt, die dort gewonnene Grundlage zu befestigen, zu unterstützen und zu erweitern. Sie er­öffnet dem jungen Landwirt ein weites, fruchtbringendes Feld für seine spätere Thätigkeit, indem sie ihn mit den Hauptlehren der neueren Landwirtschaft vertraut macht, ihn zum selbständigen Beobachten anregt, und zum Nach- denken darüber veranlaßt, wie die reiche Quelle der wissenschaftlichen Beobachtung und Forschung nutzbringend für den eigenen Betrieb verwertet werden kann, unb muß. Andererseits aber aiebt die Schule zugleich Gelegenheit zur Erwerbung derjenigen Vorkenntnisse, welche für das

spätere Leben und Wirken in der Gemeinde für die Ver­waltung von öffentlichen und privaten Aemtern und die Vertretung des Standes wissenswert erscheinen. Tas Schul­geld beträgt für den ganzen Kursus 20 Mark.

Ein süßes Iubiläum. Die Zuckerrübenkultur und Rübenzuckerfabrikation feierten im August den Abschluß des ersten Jahrhunderts ihres intensiven Betriebes. Es war im August des Jahres 1801, als der Chemiker Karl Achard in Kunern bei Wohlau in Schlesien eine nach seinem System eingerichtete Zuckerraffincrie errichtete. Zwar hatte Achard als Chemiker einen großen Ruf und die Erfolge seiner Versuche der Raffinerie der Zuckerrüben erregten großes Aufsehen, trotzdem wagte niemand seiner Verehrer sein gutes Geld an die praktische Eroberung der Erfahr­ungen des Chemikers, bis König Friedrich Wilhelm III. ihm ein Darlehen von 50 000 Thalern gewährte. Mit diesem Gelde kaufte Achard das Gut Kunern und bepflanzte im ersten Jahre 50 Morgen mit Zuckerrüben, die ihm einen Ertrag von 6 v. H. an Zucker brachten. Es dauerte aber nicht lange, bis der unermüdliche Forscher es auf 15 v.. H. brachte. Zwar sucht man heute vergeblich in Kunern nach den Spuren der Zuckerfabrik, nur ein altes in der Dorf­schule hängendes Bild des ersten Zuckerfabrikbesitzers er­innert an ihn; indessen hat sich Schlesien in dem Zeit­raum von hundert Jahren zu einem Rübenzuckerproduzenten ersten Ranges aufgeschwungen. An die Stelle der kleinen Fabrik sind 58 neue große Fabriken getreten und statt der ersten 50 Morgen werden jetzt fast 60 000 Hektar mit Zuckerrüben angebaut.

Vermischtes.

* Essen, 5. Sept. Heute nachmittag wurden zwei Gasarbeiter, welche beim Abbruch eines Saales beschäftigt waren, von einstürzendem Mauerwerk verschüttet. Einer wurde getötet, der andere tätlich verletzt.

* M ü n ch e n, 6. Sept. Aus Garmisch wird ein schwerer Unglücksfall au der Zugspitze gemeldet. Der Meteorologe des Zugspitzhauses, Herr Reger, unternahm mit dem In­genieur Brandes, der in der letzten Zeit Versuche mit der drahtlosen Telegraphie zwischen Zugspitze und Eibsee veranstaltete, eine Traversierung von Der Zugspitze zur Riffelwandspitze. Dabei ist der Ingenieur Vranoes in das Höllenthal abgestürzt. Eine Expedition ist bereits abge­gangen. Branoes wird jedoch zweifellos nur als Leiche gefunden werden.

* Dortmund, 3. Sept. Gestern fand hier der Ver­bandstag der rheinisch-westfälischen Bezirke des kaufmännischen Vereins von 18 58 statt. An die Erstattung des Jahresberichts schloß sich ein Vortrag über obligatorische Fortbildungsschulen. Der Redner forderte mit allem Nachdruck die Einrichtung von kauf- ntännischen Fortbildungsschulen, die gerade jetzt, in der Zeit des wirtschaftlichen Niederganges, notwendig seien. Die Ver- sammlung erklärte sich mit den. Ausführungen des Redners einverstanden durch die Annahme einer entsprechenden Reso­lution. Als Ort für die Abhaltung des nächstjährigen Ver- bandstages wurde Düsseldorf gewählt. Für den Achtuhr- Ladenschluß mit gerechtfertigten Ausnahmen soll auch ferner eingetreten und besonders darauf hingewirkt werden, daß der Bundesrat die zur Herbeiführung des Achtuhr-Ladenschlusses im Gesetze vorgesehenen Ausführungsbestimmungen erläßt.

* Berlin, 4. Septbr. Der Schlächtermeister Richard Röder, der imMai d. I. unter Hinterlassung einer Schulden­last von 30 000 Mk. aus Berlin verschwand und gegen den ein Steckbrief wegen wiederholten Betrugs und betrügerischen Bankerotts erlassen war, ist in London ergriffen worden. Die Verhandlung wegen der Auslieferung Räders ist, wie die Allg. Fleischerztg." mitteilt, eingeleitet worden.

* London, 4. Sept. Hier ist gestern ein deutscher Uhr­macher namens Hermann Jung ermordet worden. Er war von 1854 bis 1874 Mitglied der Marx'schen Internationale, die er mitbegründete und ausbildete. 1868 führte er auf dem Baseler Kongreß den Vorsitz. Seit Eingehen der Inter­nationale soll er nicht mehr politisch thätig gewesen sein. Er galt als ein guter Sprachkenner und als sehr geschickter Uhr­macher. Größere Firmen übergaben ihm bisweilen die Arbeit für fürstliche Personen. Jung war der Sohn eines Geist­lichen, der in der Schweiz lebte. Er war selbst zum Geist­lichen vorgebildet und war sehr wohlthätig; er speiste oft Kinder in feinem Hause. Ter Mörder ist ein 23jähriger fran­zösischer Friseur namens Fangeron, der Jung bei seiner Korrespondenz geholfen habssn soll. Jungs lebende zweite Gattin, eine Engländerin sah Jung und Faugeron zwischen zwei und drei Uhr nachmittags einträchtig beisammen sitzen. Eine Stunde später hörte sie einen furchtbaren Lärm. Jung lag mit zerschnittener Kehle in seinem Blute und der Mörder enteilte auf die Straße, wurde aber verfolgt und einge­fangen.

- * Ausbruch eines Gletsch ersees. Aus Inns­bruck schreibt man: Die Heuer schon einmal vom Hochwasser schwer heimgesuchte Gemeinde Langtaufers wurde am 28. August abermals in großen Schrecken versetzt. Während die Leute in der Kirche waren, begann plötzlich ein unheim­liches Tosen und Sönnern, und als sie aus dem Gotteshaus heraustraten, sahen sie mit Schrecken den Rieglbach au§ dem Kuhthal mit Holz, Geröll und Steinen haushoch daher- brausen. Das Rieglgehöft war schon ganz vom Wasser um­spült, und eine Frau mit fünf Kindern rief jammernd um Hilft. Mit Unterstützung von 40 italienischen Arbeitern, die bei der Verbauung des Pedrosser Baches beschäftigt sind, ge­

lang es, die Muhre abzudämmen und den äußerst gefährdeten Rieglhof zu retten. Um Mittag war die Gefahr besettigt. Allerdings war auch der bis jetzt angerichtete Schaden für die armen Leute groß genug. Wiesen und Felder waren zum Teil überschottert, zum Teil ganz weggerissen. Drei Bauern wurden besonders schwer betroffen. Sie erleiden einen Schaden von mindestens 7000 Kronen, eine für diese Leute sehr hohe Summe. Das auffallende bei dieser Wasser- katastrophe war, daß ein schöner, regenloser Tag war, weshalb man auch nicht begreifen konnte, woher die Muhre kommt. Das Räthsel wurde aber bald gelöst. Noch an demselben Tag ging eine Kommission ins Thal hinein. Und diese fand 3 Stunden aufwärts, daß bei der Mitterlochspitze ein Gletscher­see aus unaufgeklärter Ursache plötzlich ausgebrochen sei, dessen Wassermasse dann das ganze Kuhthal verwüstete. Die schönsten Weiden sind metertief mit Schlamm und Geröll überschüttet. Zufällig war das Vieh auf die gegenüberliegenden Vergweiden getrieben worden, sonst wäre jedenfalls viel um» gekommen.

* Eine vernichtende Kritik derHunnen- Brief e". Ein früherer Musketier des Infanterie-Regi­ments Nr .166, der jetzt noch in China bei der Besatzungs- brigabe weilt, Wurde von seinen, in einem Orte bei Hanau wohnenden Angehörigen befragt, was von den sogenannten Hunnenbriefen" zu halten sei. Der Soldat schrieb zurück: . . .TieHunnenbriefe", wie sie in Deutschland be­zeichnet werden, können nur von solchen Personen geschrieben sein, die ihre Dienstzeit in China nur auf Etappen zu­geb rächt haben und von Expeditionen keine Ahnung haben. Ein jeoer Soldat, der auf Expeditionen war, Hunger und Durst gelitten, Tage lang marschiert ist und zuletzt noch! ins Gefecht kam, war, wenn er ins Quartier zurückkehrte, froh, wenn er von den Kulis seine Arbeit gemacht bekam, wofür er dem Kuli 10 Cents oder das Essen gab. Früher konnten Wir uns Kulis halten, so viel wir wollten, na­türlich auf eigene Rechnung. Die Kerls von den Etappen wollten natürlich auch etwas machen und schrieben deshalb die schrecklichsten Nachrichten nach Hause, als wenn sie wunder was geleistet hätten. In Wirklichkeit bekamen sie vielleicht keinen Chinesen vor den Gewehrlauf. Einem ver- nünftigen Soldaten, der schon zwischen Leben und Tod stand und die Kugeln hat Pfeifen hören, fällt es nicht ein, sich an einem harmlosen Chinesen zu vergreisen. Ich habe es nicht gemacht und meine Kameraden, soweit ich sie kennen gelernt habe, ebenfalls nicht. Wenn ich Euch von der Barmherzigkeit der Sonaten gegen die armen Chinesen schreibe, so harmoniert dies mit den Hunnenbriefen nicht. 2er Not- und Armenstand in China ist sehr groß. Jeden Mittag von 122 Uhr sieht man vor den einzelnen Kom­pagnie-Revieren arme Frauen und Kinder mit Gefäßen stehen, um die übrig gebliebenen Speisereste zu empfangen, die ihnen von uns gern gegeben werden. Fast jeden Morgen empfangen die armen Leute vom Proviantamt Reis, Gerste nsw. Sehr deutlich sieht man die Armut in den Ort­schaften, wenn man mit der Eisenbahn vorbeifährt. Die Chinesen wissen ganz genau, daß die Züge meistens mit Militär besetzt sind, und daß sie von diesem immer etwas bekommen. Ich habe schon öfters Gelegenheit gehabt, Proviant für die Kompagnie einzukaufen oder zu solchem Posten vo-nmandiert zu werden. An jeder Station hält der Zug. Da stehen nun die Armen unb Kranken und jammern unb bitten um Essen. Wir geben ihnen nun Brot Ober Eier unb Gelb. An jeder Station stehen nämlich die Händler mit Eiern, Aprikosen und anderen Eßwaren. Oft kaufen wir voir ihnen, um es an die Armen zu verschenken. Das ist dvch genug gethan für einen Soldaten, der selbst nicht viel bekommt. Aber wir sind Deutsche und haben auch! ein Herz. Wir handeln, wie es uns gelehrt wurde, kämpfen gegen Bewaffnete, schonen aber Weiber und Kinder. Alles andere ist nicht wahr."

_* Wenn die Toten erwachen. Unter diesem Jbsenschen Titel wird folgende, erst nachträglich bekannt ge­wordene Geschichte von der Heimkehr derGera", mit der bekanntlich auch Graf Waldersee wieder in der Heimat eintraf, erzählt:.. Als dieGera" seinerzeit die Ausreise nach China antrat, befanden sich auf dem Schiffe zwei Brüder aus Lehc, von Denen der eine als Proviantsteward, der andere als Dampfkoch beschäftigt war. Nach geraumer Frist erhielt die in Lehe wohnenoe Braut des Dampfkocks von dem Proviautsteward die für sie niederschmetternbe Nachricht, daß ihr Bräutigam in China einem heimtückischen Leiben erlegen sei, und sie nun in der Heimat dort die hierdurch nötig gewordenen Formalitäten erledigen möge. Es wurde denn auch von dem Amtsgericht ein Nachlaß­pfleger eingesetzt, der die Habseligkeiten des verstorbenen Tampfkochs zu Gelbe machte unb damit nach Möglichkeit die Gläubiger befriebigte. Als nun bicGera" wieber in ihrem Heimathafen Bremerhafen einlief, befand sich unter den Zuschauern auch jener Nachlaßpfleger, der bald vor Schreck vom Schlage gerührt worden wäre, als er plötzlich auf derGera" ben toten Tampfkoch gesund unb munter vor sich sah. Vor Langeweile waren die beibett Brüder unterwegs auf ben sonberbareuScherz" gekommen, einen als gestorben nach ber Heimat zu meiben, unb man trieb diese Gemütsroheit so weit, daß der Verlobte als der Tote ausersehen wurde, um einem treuen Mädchenherzen zum Scherz" bittere Seelenpein zu bereiten. Als der lebende Tote nun aber von feinem Nachlaßpfleger erfuhr, daß man feine sämtliche Habe zur Deckung feiner Schulden versteigert, da bekam berScherz" nun auch für ihn doch einen recht bitteren Beigeschmack.

* Scherzworte des Kaisers. Die wohlbeleibte Figur des Kurfürsten Johann Sigismund, dessen Denk­malsgruppe kürzlich enthüllt wurde, fand die vollste Wür­digung von feiten des Kaiserpaares. Beide betrachteten