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8.6.1901 Zweites Blatt
 
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den fünf Garantimächteii mntungen dieses Vertrag labhängigkeit und Unverlch riums ein. Die Garanlic- luge gehabt, zu certiinbern, lationen als ^iegsschauplatz n Einfall, von welcher Seite und habe deshalb die Wicht, Invasion zn befassen. M sellos, daß die Garant leWeit uni) UnoMfingig* fan tollten. &n weiteren s Budget des Auswärtigen de gegen dasselbe stimmen »rigrichen ^egrernnz Transvaal. Dieses Ben na hervor. Wenn der Mi- maland lobe, so glaube mn gischen «in ftr P h". die gestern sur die SW»

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weis genügt, die Grundstückseigentümer zur alsbaldigen Be­seitigung der Zweige zu veranlassen.

** Der Saalbau Berei» wird am SamSta den 22. d. Mts im Garten und den Sälen von Steins Garten ein Jahr marktSfest veranstalten. In einer stattlichen Zahl von Buden und Zelten sollen Getränke aller Art, Kaffee, Thee, Chokolade, verschiedene Biere, Wein, Selterswasser u. o. a ' allerlei Speisen, wie Bierwü-sichen, belegte Brödchen, Kuchen u. s. w., ferner Zigarren und Zigarretlen verkauft werden. Im Garten werden Blumen, Obst, Gefrorenes, AnfichtS Postkarten und mancherlei andere Kleinigkeiten feilgeboten werden. Zur Unterhaltung werden Mufikvorträge der hiesigen Regimentskapelle, vielleicht auch einer Tiroler Sängergesell­schaft beitragen. Auch Schaubuden mit verschiedenen scherz­haften Darstellungen, eine Schießbude sowie ein Schnell. Photograph werden nicht fehlen. In den Sälen sollen von Zeit zu Zeit kleine launige Aufführungen veranstaltet werden. ... **, Wissenschaftlicher Fortbildungskursus V ts lchullehrer. Nach dem offiziellen Verzeich- ms zahlt der Kursus 236 Teilnehmer. Ta.runter sind ein technischer Direktor, ein Ober-Telegraphen-Assistent, ein »ektvr und cm Pfarrer, während die übrigen Volksschul- !^or, Reallehrer und Taubstummenlehrer sind. 74 Lehrer |mo Preußen. Es wird ein Fonds für einen späteren Vor- kragschclus, der wahrscheinlich leider nicht vor nächstem Frühjahr stattfinden kann, angelegt. Von vielen Teil­nehmern wird der Wunsch geäußert, beim nächsten Kursus Vorträge über die naturwissenschaftlichen Fächer zu hören. Am Schlüsse des Kursus soll ein Kommers nebst Konzert wahrscheinlich in Steins Garten stattfinden. Es wäre sehr zu wünschen, daß diese Fortbildungskurse in Zukunft regelmäßig jedes Jahr wieoerkehrten.

** Personalveränderungen im Ober-Post-Ti­rektionsbezirke Darmstadt. Versetzt sind: die Post-Se­kretäre Gombsen von Darmstadt nach Zeitz als kom. Ober- Postsekretär, Härtner von Mülhausen (Elsaß) nach Darm­stadt, die Postpraktikanten Bartsch von Posen nach Mainz, Best von Offenbach (Main) nach Berlin, Marizy von Adln (Rhein) nach Darnrstadt, Strauch von Mainz nach St. Avold, die -Postassistenten Ernst, Geisel, Lichtenberg, Nioolai und Nickel von Berlin nach Bad-Nauheim, Fritz Meyer von Darmstadt nach Kowahlen, Seeger von Darmstadt nach Remilly. Angenommen sind,: als Postgehülfe: der Real-' schulabiturient Hermann öechler in Neu-Isenburg, der Se­minarist Friedrich Nickels in Offenbach, die Realschüler Wilhelm Amend in Osthofen, Georg Knecht in Wendelsheim, Philipp Marquardt in Nierstein, Karl Reusch in Gießen; als Telegraphengehilfin: Johanna Brill in Gießen, Agnes Fritsch und Franziska Hitzel in Bingen; als Postagent: der Gastwirt Tauborn II. in Ginsheim und der Landwirt Daniel Mann in Geinsheim. Angestellt sind: als Postsekretär: die Postpraktikanten Bodemann aus Darmstadt in Waldenburg (Schlesien), Eckel aus Köln (Rhein) in Mainz, Petersen aus Alsfeld in Hamburg und Ringel aus Darmstadt in Berlin.

** Beurlaubung und Versetzung. Tie seit­herige Lehrerin Fräulein Gürke, die an der städtischen Volksschule wirkte, hat sich aus Gesundheitsrücksich>ten be­urlauben lassen. An deren Stelle tritt z. Z. Herr Becker, der seither in G^oßen-Brrseck stationiert war.

** Die historische Kommission für Hessen und Waldeck giebt in ihrem Jahresbericht Kenntnis über den Stand der wissenschaftlichen Unternehmungen, lieber das Fuldaer Urkundenbuch wird berichtet, daß Professor Tangl-Berlin im Herbst in dem Münchener Staatsarchive eine erfreuliche Ausbeute an unedierten Fuldensien zu ge­winnen vermocht und Manuskript für den ersten Band ab­geschlossen hat. Ten zweiten Band der Landtagsakten will Dr. Glagau-Marburg demnächst in Angriff nehmen. Ueber die Chroniken von Hessen und Waldeck heißt es, daß Dr. Tiemar die Bearbeitung der beiden Chroniken von Gersten- bürg bis zum Herbst zu beenden hofft. Tie Bearbeitung der Landgrafenregesten wird Geh. Archivrat Dr. Könnecke dem­nächst beginnen. Dr. Foltz-Marburg hat die Arbeiten für das Urkundenbuch von Friedberg eifrig fortge- führt, sodaß mit der Drucklegung des erften Bandes im Sommer begonnen werden kann. Dr. H. Arend-Hanau hat das Friedberger Stadtbuch im British Museum zu London für das Urkundenbuch erschöpfend bearbeitet. Ferner hat bet Vorstand auf den Antrag von Professor T-r. Brandt und Archivar Dr. Küch die Herausgabe derUrkundlichen Quellen zur Geschickte Landgraf Philipp des Großmütigen" be­schlossen. Die Bearbeitung übernehmen die Antragsteller. Ter 1. Band (etwa bis zum Torgauer Bunde von 1526 )wird als Festgabe der Kommission zur 4. Zentenarfeier der Geburt Philipps im Jahre 1904 erwartet. Ter Verein für Geschichte und Altertumskunde in Frankfurt a. M. regte die Bearbeit­ung eines historischen Kartenwerkes über Hessen-Nassau, Waldeck, Großherzogtum Hessen und Aschaffenburg an, dem der historische Atlas der Rheinprovinz als Vorbild dienen sollte.

-k. Lollar, 6. Juni. Dem rührigen Komitee der frei willigen Feuerwehr ist es gelungen, für die am Sonntag ftattfindende Hauptfeier des 25jährigen Jubiläums den auch in Gießen bekannten Pistonvirtuosen Großh. Kammermusiker Kimmel zu gewinnen. K. ist bekanntlich in Lollar geboren.

x Sichenhausen, 6. Juni. Dem Schulvrrwalter Sils aaS Laubach, der hier mehrere Wochen als Gehilfe fungierte, wurde die Lehrerstelle an der Gemeiudeschule zu RebgeShaiu zur provisorischen Verwaltung übertragen.

X Burkhardsfelden, 5. Juni. Der Bau unsexeS neuen Schulgebäudes schreitet rüstig seiner Vollendung ent gegen und dürfte bis spätestens August vollendet sein. Die Vorbereitungen zu dem am 23. Juni hier stattfindenden Fahnenweihfest unseres KriegervereinS, mit dem das BezirkSkriegerfeft des Bezirks Gießen verbundeu ist, find in bestem Gange. Anmeldungen sind aus der näheren und weiteres Umgebung unseres Ortes ziemlich zahlreich ein« gelaufen.

e Homberg a. d. Ohm, 6. Juni. Nachdem im V«aufe des vergangenen Winters der Bau einer Hochdruck- wmsserleitung von dem Gemeinderat einstimmig beschlossen worden war, wurden am 3. Juni die Arbeiten hierfür an büe Firmen: Bauunternehmer Winn zu Gießen, Schalker Gruben- und Hüttenverein in Gelsenkirchen und Süd­deutsches Wasserwerk in Frankfurt a. M. vergeben. DieOber- leitung ruht in der Hand des Regierungsbaumeifters Schmück in Frankfurt a. M., von dem auch das Projekt icn vorletzten Winter ausgearbeitet wurde. Tie Arbeiten

sollen schon in nächster Wock)e begonnen werden, so daß ihre Beendigung und damit die Inbetriebsetzung des ganzen Werkes mit dem 1. November zu erwarten steht.

() Grebenhain, 6. Juni. Ter hiesige .Kaufmann Götz Zimmermann war gestern auf einer Geschäftsreise in Frankfurt am Main. Auf dem Heimweg fuhr er mit der elektrischen Straßenbahn bis an den Hauptbahnhof. Dort stieg erfluf der falschen Seite aus, stieß gegen einen anderen Wagen undd wurde zu Boden geschleudert, obwohl der Lenker die Gefahr sofort bemerkt, und den Wagen durch Bremsen zum Stillstehen gebracht hatte. Ter Verunglückte siel glücklicherweise auf das Gesicht, erlitt mehrere Ver­letzungen und mußte von der Stätte weggetragen werden.

§ Vom Vogelsberg, 6. Juni. Fast in jedem Dorfe am Obcrwalde haben sich zurzeit Sommerfrischler, ja sogar solche aus England, für einige Wochen ciuquattiert, Ein Beweis dafür, wie sehr unsere würzige Waldlust seit einigen Jahren geschätzt wird.

-k° Mainz, 6. Juni. Vom' herrlichsten Wetter be­günstigt, hatte sich die heuttge Fr on l e ichn amsp ro- Zession einer sehr zahlreichen Beteiligung zu erfreuen. Ter Umzug nahm annähernd anderthalb Stunden in An­spruch. Tas Sankttssimum trug Bischof Dr. Brück. Vor und hinter demselben gingen die Notablen der Katholiken, Reichs- und Landtagsabgeordueten, Stadtverordneten, rich­terliche und sonstige Beamte, Professoren rc. Wie alljährlich, hatten sich auch aus den protestantischen Nachbarstävlen Wiesbaden, Frankfurt, Darmstadt, Worms und Mannheim, sowie aus den ländlichen Gemeinden der nächsten Umgebung von Mainz sehr zahlreiche Fremde zur Beschauung des kirchlichen Umzuges hier eingefunden, sodaß schon in den ersten Morgenstunden die Stadt ein sehr belebtes Bild bot. Tie jüngst hier im Bäckergewerbe stattgehabte, mit einem Siege der Gesellen endigende Lohnbewegung scheint nochmals in Erscheinung zu treten, weil sich verschiedene Meister nachträglich weigern, die von ihnen gemachten Zu­sagen zu halten und, nachdem sie neue Arbeitskräfte von auswärts erhalten haben, jetzt versuchen, ihre Gesellen mit Entlassungsdrohung wieder zu den früheren Bedingungen zum Arbeiten zu bewegen. Seitens der Gehilfen ist bereits eine Versammlung einberufen , um sich schlüssig zu machen. Zum Besuch von Verwandten befindet sich gegenwärtig ein Bewohner von Transvaal mit seiner Frau und drei erwachsenen Töchtern hier. Vor acht Tagen ist der Mann, der in Transvaal Landwirtschaft und Viehzucht betrieben hatte, nach Deutschland zurückgekehrt, nack)dem er Monate lang Gefangener der Engländer in Natal gewesen ist. Er hatte sich vor 20 Jahren in Transvaal niedergelassen, sich beim Ausbruch) des Krieges den Buren angeschlossen, wurde gefangen genommen und später unter der Bedingung nach Europa zu gehen und erst nach Beendigung des Krieges zurückzukehren, von den Engländern wieder freigelassen.

fc. Erbach, 6. Juni. G ras Eberhard zu Erbach- Erbach, der Bruder unseres Stavdesherrn, ist in Neapel einem Unterleibsleiden im 54. Lebensjahre erlegen. Er war gleich seinem verstorbenen Bruder Ernst morganatisch vermählt und zwar mit Anna Kirtner, die vom Großherzog Ludwig ITT. von Hessen zur «Frau von Curl" erhoben wurde. Der Verstorbene lebte lange Zeit in Damm bei Aschaffenburg, wiffenschaftlichen Studien obliegend. Er gehörte mehreren wiffenschaftlichen Vereinen als korrespondierendes Mitglied an, so der Geographischen Gesellschaft in Frankfurt a. M.

fc. Homburg, 6. Juni. Graf Waldersee kommt sofort nach seinem Eintreffen in Deutschland zur Kur hierher.

Marburg, 6. Juni. Das Leichenbegängnis des aus dem Leben geschiedenen stuck, jur. Rudolf Manger fand gestern nachmittag statt. Die Beteiligung war eine ungeheure. Es folgten dem Sarge mit Musikbegleitung die studentischen Korporationett mit ihren Fahnen, Professoren, Beamte und Bürger. Auf dem Friedhof hielt Pfarrer Metz die Leichen rede. Auch der Vater des Entschlafenen sprach einige be­wegte Worte. Aufsehen erregte die hervorragend schöne Grabrede des Sprechers der KorporationWingolf".

** Kleine Mitteilungen enB Hessen und den Nachbarstaaten In Kostheim ertrank beim Baden im Main der 13 ein­halbjährige Sohn des Wagnermeisters Johann Stteng. Ter in Heidesheim bedienstete Knecht Leonhard Feuer­bach aus Sauer-Schwabenheim ertranf beim Baden im Rhein in der Nähe der Nonnenaue. Ter Wingertsmann Johann Becker in Badenheim wurde von einer scheu gewordenen Kuh seines Vaters beiseite geschleudert und dabei so schwer innerlich verletzt, daß er nach zwei Tagen starb. Ein in Winterborn bei seiner Großmutter in Pflege befindlichies 3 jähriges Mädchen aus Fürfeld siel von einer Bank, wobei das spitze Messer, welches das Kind in her .Hand trug, demselben in das Herz eindrang und den sofortigen Tod des kleinen verursachte. Eine spätere Mitteilung besagt, daß das Kind erschossen wurde; der Sohn der Pflegemutter wurde verhaftet. In Baben­hausen (Darmstadt) sprang der seit 18 Jahren im Dienste befindliche Postbote Hösle in einem Anfall von Geistes­störung in die Günz. Er starb bald, nachdem man ihn aus dem Wasser gezogen. Am nächsten Sonntag und Montag feiert der Kriegerverein zu Pohl-Göns das Fest seines 25jährigen Bestehens. Die bei Griesheim gelegene Fürstenwiese ging für 30 000 Mk. an die Stadt Darmstadt über ;die Stadt nimmt dort Bohrungen nach Wasser vor. In Frankfurt a. M. wurde ein Arbeiter verhaftet, dem bei einem in Alsfeld verübten Einbruch 3000 Mk. in die Hände fielen. In Todenhau sen (bei Wetter) wird ein Mann namens Stephan Hoffmeister, der geisteskrank ist, vermißt. Seit dem 30. Mai ist er spurlos verschwunden. Er trägt wahrscheinlich ein paar Hausschuhe, eine graue, geflickte Hose, blaue Jacke und ein graues Hals­tuch. Für die Auffindung und Einbringung wird eine Be­lohnung von 100 Mk. in Aussicht gestellt. Aus Anlaß des 650 jährigen Stadtjubiläums von Herborn, das in diesem Sommer festlich begangen wird, soll eine lokahistorische Aus­stellung eingerichtet werden. Dafür sollen einige Bauern­stuben (Westerwälder, Dillgegend und Hinterland), sowie eine sogenannte gute Stube (altertümlich möbliert) und eine alte Küche zusammengestellt werden. Auf die hübsche Jubi­läumsmünze sind schon aus vielen Städten, auch aus der Ferne, Bestellungen ein gelaufen.

Vermischtes.

Der Internationale Feuerwehr-Kongreß ist am 6. d. Mts. im ReichStagSgebäude zu Berlin unter

zahlreicher Beteiligung, besonders auch auswärtiger Dele­gierter, eröffnet worben. Die geschäftliche Leitung führte Branddirektor Westphalen-Hamburg, unterstützt von dem Prä« sidenten dcS Conseil international Grafen Komarowski Ruß« iand. Finanzminifler Freiherr v. Rheinbaben als Ehren' vorfitzender hielt die Eröffnungsansprache, in der er die edlen Zwecke der Feuerw.hr hervorhob. Die Rede schloß mit e nem Hoch auf den Kaiser. Minister Frhr. v. Hammer­stein hieß die erschienenen Vertreter willkommen und brachte ein Hoch auf die vertretenen Länder und deren Staats­oberhäupter aus. Darauf folgten Begrüßungsansprachen der Delegierten, namentlich des Grafen Komarowski, des belgi« schm Vertreters Rauter und des englischen Delegierten SachS- London. ES wurde ein BegrüßurgStelegramm an den Safier Stands. Der Präsident der französischen Bereinigung der Feuerwehren, GueSuet, überreichte Medaillen, welche die Ver- elntgung ihren Ehrenmitgliedern, Branddirektor GierSberg« Berlin, Westphalen-Hamburg und Dittmann-Bremen, die 1900 am Pariser Feuerwehr Kongreß teilgenommeu haben, und dcm Oberbürgermeister Kirschner zuerkavnt hat. Nach weiteren Begrüßungsansprachen begannen die Vorträge. Am Nachmittag fand ein Festessen statt. Den Ehrenplatz hatte Minister v. Rheinbaben. Ihm zur Seite saßen die offiziellen Vertreter der verschiedenen Regierungen. Den ersten Toast brachte Minister v. Rheinbaben auf die Souveräne und Re« gierungcn der einzelnen Läuder au5. Graf Komarowski dankte mit einem Hoch auf Rheinbaben. Im weiteren Ver­laufe trank der Präsident Guesnet Frankreich im Auftrage seines Ministers auf das Wohl der kaiserlichen Familie, worauf Rheinbaben für diese LiebrnSwürdigkeit dankte. Fox« England dankte für den Empfang, und hob hervor, daß Deutschland das Land sei, wo alles wissenschaftlich erfaßt und verarbeitet werde.

* Unwetter. AuS Landeck wird gemeldet: Ueber das Dorf NauderS oberhalb des FinstermünzpaffeS ist ein furcht­barer Wolkenbruch niedergegangen. 40 Häuser wurden ganz oder teilweise verschüttet, zwei Menschenleben find verloren gegangen und viel Vieh ist umgekommen. Die FinstermÜnz« ftraße wurde oberhalb des FortS stark beschädigt. In Angora (Kleinasien) wütete ein schrecklicher Sturm; 25 kleinere Häuser wurden mit allem, was darin war, foUge- tragen und mehrere Häuser stürzten ein. Drei Brücken wurden ebenfalls vom Sturme entführt. Nicht blos die Stadt, sondern auch ein Teil der Umgebung bietet ein Bild der Verwüstung.

* Selbstmord verübte dieser Tage in Karlsruhe der vierzehnjährige Sohn Erich des zurzeit in China weilenden, früher zum Generalstab des 14. Armeekorps kommandiert gewesenen Majors v. Falkenhayn, indem er sich mittels Revolvers erschoß. Der Knabe war wegen ungenügenden Fleißes und mangelnder Fortschritte aus dem Kadettenkorps entlassen worden und sollte sich nun einem bürgerlichen Be­rufe widmen. DieseSchmach" glaubte er nicht überleben zu können und so griff er zum Revolver, mit dem er sich zwei Schüffe in die Schläfe jagte, die den sofortiger Tod herbeiführten.

* Vatermord eines Priesters. Aus Granada wird berichtet: Der Geistliche Julian Anguita, Pfarrer von Loenbin, hat seinen Vater ermordet. Als er seine nahe be­vorstehende Hinrichtung erfuhr, erkrankte er an der Ruhr. In Madrid haben hohe Personen alles aufgeboten, um seine Begnadigung zu erzielen und den Skandal einer Priester- Hinrichtung zu verhüten, doch geschah der Batermord unter so furchtbaren Umständen, daß die höchste Staatsgewalt von einer Begnadigung abseben mußte.________________

Kunst und Wissenschaft.

München, 6. Juni. Auf Einladung des Bürgermeisters v. Borscht hat sich hier ein Ausschuß für die Errichtung eines Pettenkofer- denkmals gebildet. Neben der Errichtung des Denkmals ist die Gründung eines Pettenkofer,Hauses geplant, in welchem das Pettcn. kofer-Museum untergebracht und auch Sille für die Sitzungen und die Bibliotheken der hiesigen ärztlichen und naturwissenschaftlichen Gesellschaftm eingerichtet werden sollen.

Gerichtssaal.

fc. Mainz, 6. Juni. Gestern fand hier Kriegsgericht statt, das sich mit dem Duell Richter-Vogt beschäftigte. Das Urteil ist bis jetzt nicht bekannt.

Berlin, 6. Juni. Ein SensationsprozeH gegen der Herzog Ernst Günther beschäftigte heute die Zivilkammer des Landgerichts I. Es handelte sich um die Klage der Hofdame Milinsky gegen den Herzog Ernst Günther von Schleswig-Holstein. Die Hofdame stand in beit Diensten der Prinzessin Amalie von Schleswig-Holstein, die inzwischen bekannllich verstorben ist, sie lebte mit dieser in Kairo. Dort spielte sich der Vorfall ab, der den Gegenstand des heutigen Prozesses bildete. Nach den Behauptungen der Hofdame Milinsky wurde sie nämlich plötzlich auf der Straße festgenommen, ein Herr, der erklärte, im Namen und im Auftrage des Chef- der Herzoglichen Familie von Schleswig-Holstein zu handeln, veranlaßte ihre Verhaftung, und der deutsche Konsul so be­hauptet die Hofdame weiter habe chre sofortige Abreise aus Kairo gefordert. In der Billa der Prinzessin Amalie habe dann eine Durch­suchung stattgefunden, und es sei in den von der Hofdame Mllinsky be­wohnten Zimmern eine dieser gehörige Tasche mit 20 000 Frks. beschlag­nahmt worden. Diese Tasche habe nun nach der Angabe der Hofdame der betreffende Herr an sich genommen, der im Auftrage des Chefs des fürstlichen Hauses zu handeln erklärte. Der Herr gab die Tasche roeiter, der nächste Empfänger gab sie wieder weiter, und so gerieten die 20 000 FrkS. in Verlust, ohne daß jemand wußte, wo sie geblieben waren. Unter diesen Umständen sah sich die Hofdame veranlaßt, gegen den Herzog Ernst Günther Klage zu erheben; sie fordert von ihm zunächst die Er­stattung der 20 000 Frks. Der heute verhandelte Prozeß gelangte nicht zum Ende, es wurde vielmehr beschloffen, Beweisaufnahme darüber zu erheben, wie die Beschlagnahme der Tasche erfolgt tst. Zu diesem Zwecke soll Herr von Blumenthal, der im Auftrage des Herzogs gehandelt hat, in Kairo kommissarisch vernommen werden.

Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft.

k Gießer», 7. Juni. ReichSbarrt. Am 8. Juli d. I. wird ix Mittweida eine von der Reichsbankstelle in Chemnitz abhängige Reichs­banknebenstelle mit Kaffeneinrichtung und beschränktem Giroverkehr eröffnet werden.

fc- FlstrSheim, 6. Juni. Die chemische Fabrik Flörsheim hat bei 400 000 Mk. Aktienkapital pro Ende 1900 mit Mk. 99 388 Unter­bilanz abgeschloffen. Auf den 26. Juni ist eine außerordentliche General­versammlung einberufen, die über die Liquidation der Gesellschaft be­schließen soll. Alle anderen Vorschläge des AufsichiSrats betr. Herabsetzung des Aktienkapitals u. s. w. haben nicht die Zustimmung der Aktionär gefunden.