Nr. 107 Erstes Blatt.
Mittwoch 8. Mai 1901
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151. Jahrgang
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die Gemeinden und Zuchtvereine, welche Vogelsberger Bullen befferer Qualität durch den Verein beschaffen wollen, dies bei mir anzumelden. Der Ankauf erfolgt wie seither durch Beauftragte der betreffenden Gemeinde, und wird der fragliche Bulle hiernach von einem von mir bestimmten Sachverständigen besichtigt, um festzustellen, ob das betreffende Tier die Qualität besitzt, welche man von einem guten Zuchttiere fordern muß. Außerdem find folgende Bedingungen zu erfüllen:
1. Der betreffende Bulle muß Väter- und mütterlicherseits von Herobuchtieren abstammen.
2. Derselbe muß von der Körkommission des 1. Kör- bezirke- angekört sein.
Bei Erfüllung dieser Bedingungen trägt der Provinzial- verein 20 Prozent des Ankaufspreises.
Wenn das betreffende Tier im Hessischen Auslande gekauft worden ist, kann von den Bedingungen 1 und 2 ab- gesehen werden.
Ich bitte bezügl. Anträge unter Einreichung des fitir« scheines bet mir zu stellen.
Hardt-Hof, den 1. Mai 1901.
Der Präsident des landwirtschaftlichen Vereins für die Provinz Oberheffeu.
Schlenke.
Adrefie für DedrschEt
StrnfprkchanjchluslU.M.
Bekanntmachung.
Mit Allerhöchster Genehmigung Seiner Köuigl. Hoheit des Großherzogs ist der Stadt Darmstadt die Erlaubnis zur Veranstaltung einer Schloßfreiheit - Lotterie erteilt worden, welche nach Maßgabe des Spielplanes in zwei Einzellotterien zu je zwei Klaffen für Rechnung der genannten Stadtgemeinde von der Großh. LandeS-Lotterie-Direktion in den Jahren 1902 und 1903 ausgeführt wird.
Die Erträgnisse der Lotterie sollen dazu dienen, der Stadt Darmstadt zu ermöglichen, durch völlige oder teilweise Niederlegung des zwischen Rittergaffe, Marktftraße und Schloß- graben zu Darmstadt liegenden Baublocks eine sog. „Schloß- sreiheit* herzustellen.
Wir bringen dies mit dem Anfügen zur öffentlichen Kenntnis, daß der Vertrieb der Lose der Schloßfrecheit- Lotterie im Großherzogtum gestattet worden ist.
Gießen, den 4. Mai 1901.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Bechtold.
Bekanntmachung.
Betr.: Feldbereinigung in der Gemarkung Daubriugen.
In der Zeit vom 8. Mai l. IS. bis einschließlich 21. Mai I. IS. liegen auf dem Amtszimmer der Großh. Bürgermeisterei Daubriugen folgende Akten zur Einsicht der Beteiligten offen:
1. das Projekt über die Herstellung einer Drainage unterhalb des HangelsteinS;
2. die Beschlüffe der VollzugSkommisfion hierüber.
Einwendungen hiergegen sind bei Meldung des AuS- schluffeS innerhalb der oben angegebenen Offenlegungsfrist bei Großh. Bürgermeisterei Daubringen schriftlich einzureichen.
Friedberg, den 3. Mai 1901.
Der Großherzogliche FeldbereinignngSkommiffär: Sandmann.
Bekanntmachung.
Betr.: Die Beschaffung von Zuchtbullen Vogelsberger Raffe mit Unterstützung deS Provinzialvereins.
Nachdem den Gemeinden und Zuchtvereinen, welche die Simmenthaler Zuchtrichtung verfolgen, Gelegenheit gegeben worden ist, durch den Import Simmenthaler Originalbullen ihren Bedarf an besserem Zuchtmaterial mit Unterstützung des Provinzialvereins zu decken, wird hiermit auch den Gemeinden, welche die Vogelsberger Zuchtrichtung verfolgen, eine gleiche Vergünstigung geboten. Zu diesem Zwecke haben
Parlamentarisches aus Hessen.
Die Zweite Kammer der Landstände tritt zu ihrer 64. Sitzung am 13. Mai zusammen. Auf der Tagesordnung steht zunächst die Rückäußerung der Ersten Kammer über den Jnitiatw-Antrag der Abgg. Reinhart und Genossen,
GietzenerAnzeiger w General-Anzeiger w
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
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täglich mit M Montags.
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ganz und gar aus, wenn wir nicht von vorn eherein wissen, was die betreffende Wendung bedeuten soll, und niemand würde auch nur mit einiger Notwendigkeit ohne programmatische Voxkenntnisse die gewollte Bedeutung ahnen. Bei den bedeutendsten Meistern dieser Richtung, z. B, Richard Strauß, muß man dann freilich, über ihre Absicht aufgeklärt, staunen, in wie hervorragender Weise sie das eben noch Menschenmögliche getroffen haben, aber gerade daran erkennt man auch die schließliche Unmöglicht- keit des ganzen Unterfangens. In dieser Hinsicht dürfte neben der Hauptaufgabe der Musik, nur oie Tonmalerei tonischerVvrgänge,oderreinrythmi sch er Erscheinungen in derMusik selbst wohlbegründet sein; z. B. Wasserrauschen, Windesbrausen, Märsche rc. rc. Tie Hauptaufgabe wird aber doch stets die Erschöpfung des dem Komponisten v o r schwe b e n d e n seelischen Stimmungsgehalts sein; und auch hier darf er nicht zu sehr ins Einzelne eindringen wollen, will er nicht zu bizarren Wirkungen gelangen, die häufig schon an Willkürlichkeiten streifen.
Ich bin auf diesen Punkt etwas näher hier eingegangen, um zu erläutern, warum Wüllner durch seinen Vortrag eine so tiefe Wirkung zu erzielen vermochte. Schubert, Schumann, Brahms erschöpfen sich im wesentlichen durchaus in der bezeichneten Aufgabe und programmatische Anwandlungen im modernen Sinn kommen bei ihnen so gut wie nie vor; in ihren Liedern geben sie in der herrlichsten Weise die Grundseelenstimmung des Gedichts wieder und ermöglichen der Singstimme eine musterhafte sinngemäße Deklamation, bleiben aber dabei immer in erster Linie, Musiker; als solche müssen sie auf die letzten Vorzüge des blos gesprochenen Worts verzichten, und sie können dies um so mehr, als die Vorzüge der gebundenen musikalischen Sprache künstlerisch betrachtet den kleinen Vertu st reichlich wettmachen, insbesondere durch die Wirkung des edlen tonschönen Stimmausdrucks, den ihre Komposition verlangt und ermöglicht. Tas Lied schwebt eben über oer realistischen Sphäre des blos gesprochenen Worts, verzichtet aber damit auf dessen spezielle Vorzüge.
Nun kann kein vernünftiger Mensch an der musikalischen Bedeutung Wüllners zweifeln, aber seine größte K^raft liegt doch auf anderem Gebiet: er ist in erster Linie T eri a» mator! Und weil er dies ist, deshalb verzichtete er j Gunsten der verstärkten Wirkung eines dramatrzcy- d e k l a m a t o r i s ck e n V o r t r a g s auch dex mmutro)esten Einzelheiten auf die Tonschönhert do- sichbeides naht durchaus vereinigen läßt. Hierin aber w - 1
Amtlicher Heil.
Gießen, den 6. Mai 1901.
Betr.: Vertilgung der der Forst- und Landwirtschaft schädlichen Vögel.
Das Grobherzogliche Kreisamt Gießen
au die Großh. Bürgermeistereien des Kreises.
Unter Bezugnahme auf unser Ausschreiben vom 3. No- vember v. I. (Gieß. Anz. Nr. 261) sehen wir bis 20. Mai ds. Ihren Berichten mit Angabe der Anzahl der ver- tilgten Raben pp. entgegen.
v. Bechtold.
Wüllner war bei seinem ersten Auftreten eine geradezu einzigartige Erscheinung ohne Vorbild in unseren Konzertsälen; und toie alles neue auf diesem Gebiete, mußte er zunächst bei den ganz andersgewöhnten, seinen Kollegen, Kritikern und Publikum, auf einen Widerstand stoßen, der meines Erachtens wenig begründet war. Man hörte in jener Zeit mit Vorliebe den Einwurf, Wüllner habe ja gar keine Stimme, und noch heute steckt alles voll von dieser in diesem Einwurf enthaltenen Anschauung; ganz besonders waren es die Sänger mit viel Stimme und das Publikum, dem naturgemäß der Stimmgewaltige immer imponieren muß, welche mit diesem Einwand alles Sagenswerte über Wüllner gesagt zu haben vermeinten. Was bei Wüllner jedoch für jeden Kenner des Liedes imponierend wirken mußte, das war die Kunst, dem gedanklichen Gehalt der Lieder, die er sang, in einem Grade gerecht zu werden, wie es bis dahin fast unerhört war. Es ist ja nur zu natürlich, daß die Komposition wesentlich nur den Stimmungsgehalt des Liedes im allgemeinen erschöpfen kann; das Einzelne, das Rationale, rein Gedankliche wiederzugeben, wird bald auf die natürlichen Schranken guter Musik stoßen, nur den Grundton der damit verbundenen Gemütsbewegung muß sie treffen. Tie Wirkung sogenannter Programmmusik beruht aus der Verwandtschaft musikalischer Empfindungsreihen mit rein begrifflichen Gebilden, oder sonst sinnlichen Eindrücken zufolge der mit diesen verbundenen Empfindungen; diese Verwandtschaft ist je nach dem Gegenstand oft nicht sehr nahe und hängt im böchsten Grade von dem Assoziationsvermögen des zuhörenden Subjekts ab. Um augenfällig zu exemplifizieren: Ein musikalisch begabter Maler wird wohl von guter Musik zu Schöpfungen seiner Kunst angeregt werden können, und ein Musiker wird sich von einem guten Bilde zu musikalischen Schöpfungen anregen lassen, aber Musik und Malerei, die herrlichsten Ausdrucksmittel seelischer Empfindungen, sind im allgemeinen doch so wenig miteinander verwandt, daß sie nur in wenigen besonders beanlagten Subjekten mit einiger Sicherheit verwandte Empfindungen auch unvorbereitet auslösen werden. Tas ist der Grund und die Ursache der in neuerer Zeit so weit verbreiteten Musikführer; der inoderne Pro- grammatiker schafft sich gewissermaßen eine in hohem Grade geradezu willkürliche musikalische Sprache, in der gewisse Wendungen dies und jenes bedeuten sollen; wären sie wirklich geeignet, die beabsichtigte Vorstellung, oder was sonst, mit einiger Gewißheit hervorzurufen, so brauchte es dazu keiner in Begriffen gegebener Anleitung. In Wirklichkeit bleibt aber eben diese Wirkung sehr häufig
die Abänderung der landständischen Geschäftsordnung vom 17. Juni 1874 betreffend (Berichterstatter: Abg. Schönfeld). Zur vorläufigen Beratung im Plenum tehen ferner u. a. an der Antrag des Abg. Köhler- Lcmgs- >orf, die Erbfolge in der Regierung des Groß- jerzogtums Hessen betreffend, die Vorstellung der Mitglieder der Großh. Hofmusik, Aufbesserung ihrer Besoldungen betreffend, der Antrag der Abgg. Jöckel und Genossen, den zweiten Feldbereinigungskommissär für Oberhessen betreffend, der Antrag des Abg. Köhler-Lanasdorf, die Gehalts-, Einkommens- sowie Altersversorgungs-Verhältnisse der Orts - und Polizeidiener betreffend, der Antrag das Abg. Erk, die Wiederherstellung des früheren Kreises Nidda betreffend, die Vorstellung des Gemeindevorstandes von Osthofen, die Errichtung einer Irrenanstalt daselbstbetreffend, die Vorstellungen von pensionierten Beamten ihre Pensionsverhältnisse betreffend, die Regierungsvorlage, die Ergänzung bgr Bestimmungen über die Pensionierung der Volksschullehrer betreffend, die Regierungsvorlage, den Gesetzentwurf die Aufhebung des Artikel 48 des Fischereigesetzes vom 27. April 1881 betreffend, die Regierungsvorlage, die Regelung der Gehaktsverbältnisse der Landwirtschaftslehrer betreffend, die Regierungsvorlage, den Gesetzentwurf über das Verfahren auf Grund der Vorschriften in den §§ 20 und 22 der Gc Werbeordnung betreffend, die Regierungsvorlage, den Gesetzentwurf die Abänderung des Artikel 22 des Gesetzes vom 12. August 1896 über den Bau und die Unterhaltung der Kun st st raß en im Grvßherzogtum betreffend, die Regierungsvorlage, Kreditübertragungen in das Rechnungswesen der Etatsjahre 1900/01 bezw. 1901/02 betreffend, die Anträge auf Abänderung der Landgemeinde-Ordnung, die Vorstellungen, die Errichtung einer Handelshochschule betreffend, und die Anträge betreffs der Gewerbeaufsicht.
Die angestellten Kreisamtsgehilfen haben an die Kammer die Bitte gerichtet, zu beschließen, daß ihre Ge- haltsverhältnisse bezw. die Aufrückungsfristen in der gleichen Weise geregelt werden, wie bei den Hilfsgerichtsschreibern bei oen Amtsgerichten. Ter 1. Ausschuß beantragt der Vorstellung keine Folge zu geben. Ferner beantragt er, daß 930 000 Mark auf dem Wege des Staatsanlehens aufgebracht werden, um den neuen Betrieb auf der Grube Ludwigs Hoffnung einrichten zu können, und daß die bisher im Besitz des Großh. Familieneigentums befindliche Grube im Austausch gegen Waldparzellen mit einer Flächengröße von 433 737 Hektar ohne gegenseitige Herauszahlung in das Eigentum des Staates (Landeseigentum) übergefuhrt werde. Tie Zeichenlehrer Getrost in
5>r. Ludwig Wüssner.
Ht« Aersuch.
Ter 1. Vereinsabend 1900/1901 des Vereins zur . Förderung «eines Saalbaues brachte uns einen Liederabend des Herrn Dr. Ludwig Wüllner aus Köln, der unser Interesse in nicht gewöhnlichem Maße in Anspruch zu nehmen berechtigt sein dürfte. Eine kurze Studie darüber, ein Versuch wenigstens erscheint dem Unterzeichneten als eine reizvolle Aufgabe. Möchten diese Zeilen als ein bescheidener Versuch ausgenommen werden, als Versuch klarhustellen, mit welchen Mitteln Dr. Wüllner wirkt, und welche Mittel seinem künstlerischen Charakter entsprechen. Sachliche und persönliche Elemente gehen hierbei so sehr miteinander in die Diskussion ein, daß ich mich verpflichtet ; fühle,, aus der wohl sonst üblichen Anonymität heraus- zutreten.
Wer in der Lage gewesen ist, bei verschiedenen Gelegen- i Heiken Herrn Dr. Wüllner seit seinem ersten öffentlichen Auftreten als Sänger zu hören, dem kann die große Wandlung, die er durchgemacht hat, nicht entgangen sein; ob dieselbe mit einem F a c i t zu seinen Gunsten verbunden ist, oder ob er sich nicht vielmehr von seinem eigentlichen künstlerischen Charakter entfernt hat, das ist die Frage. Es liegt mir fern, in diesen Zeilen in eine landläufige Kritik des Liederabends einzutreten, und es erscheint mir ganz besonders wünschenswert, gerade Einzelheiten möglichst zu vermeiden; denn, wer eben alle die von Herrn Dr. Wüllner vorgetragenen Lieder selbst jo ziemlich genau kennt, der läuft gar zu leicht Gefahr, im einzelnen seine unmaßgebliche Auffassung, ohne zureichende m der Sache gelegene Gründe, der Auffassung des be- ' treffenden Künstlers vorzuziehen; und daran hat niemand jonst Interesse.
Für jeden, der Herrn Wüllner am Tonnerstag gehört fiat, nachoem er ihn bereits in früheren Jahren hörte,/war es eine auffallende Erscheinung, daß er seinem Liebf- ;t lingskomponisten von früher — nach der Zusammen- it siellung des Programms zu schließen auch noch von heute — Franz Schubert nicht so gerecht wurde, als Wolf und Schumann. Jeder muß dies am Tonnerstag an : der Steigerung, in die sich der Künstler hineinlebte, empfunden haben, .eine Steigerung freilich eben auf Kosten der ersten beiden Abteilungen seines Programms, aufKostenSchu- ,kberts. Der Künstler erreichte in Schumann schließlich eine gesangliche Wirkung, --die man ihm nach früheren groben seiner Kunst nicht hätte zutrauen sollen. Diese Er- jdi-einung möchte ich aufzuklären versuchen.
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