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7.12.1901 Zweites Blatt
 
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Nr. 288

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Z«- Giehener Familien- vlaiter werden dem An- »eiger im Wechsel mit dem »Hess. Landwirt^ und den Mattern für hessische Volkskunde^ vrermal wöchentüch bet- gelegt.

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Zweites Blatt.

151. Jahrgang.

Samstag 7. Dezember 1901

GietzenerAnzeiger

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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

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Der vierte Tag der Zosstaris-Deöatte.

Unser parlamentarischer Mitarbeiter schreibt unterm 5. Dezember:

Müller, der preußische Minister für Handel und Gewerbe, wies gestern in seiner Haltung alle Symptome eures Mannes aus, der sich mit einer Rede trägt, aber nodj oc£> rcdjiea Moments zu wirksamen Vortrag harrt. Die Zeichen haben nicht getrogen heute spricht Herr Müller, und zwar gleich am Anfang der Debatte. Die Erstlings- rede des Ministers im Reichstag! Am Bundesratstisch und namentlich auch bei den Rationalliberalen, Herrn Möllers früheren Parteigenossen, bringt man diesem Debüt viel Interesse entgegen. Tie konservativen wieder sind ge- spannt, was der Handels Minister, der in seinem bisherigen öffentliü-en Auftreten den Spuren Miquels folgte, derLand- wrrt schäftbefcheeren" werde. Herr Möller verteidigt zu­nächst den Zolltarifentwurf gegen den Richter'schen Vor­wurf , der <urif stelle einen Ausbund des Universal-Pro- teltionismus dar. Daß der Tarifentwurf nicht überall das Richtige getroffen habe, sei selbstverpändlich. Die Mittel­linie zu sinden, dafür seien die Kvmmissionsberatungen da. Eingehend beschäftigt sich der Redner mit den Jndustrie- und Getreide-Zöllen.Tie Schußzöllner treiben praktische, die Freihändler chimärische Politik!" Das ist die Quint­essenz dieses Teils der Ausführungen. Ter Minister be­reichert, beiläufig, den parlamentarischen Blütenschatz durch einige Ausdrücke, so:Der ^Lonsument ist ein ungeheuer vieltöpfiges Ungeheuer!" Ferner durch das neue Wort Geschmackvölligteit" (im Gegensatz zu Geschmacklosigkeit). Zum unsäglichen Vergnügen des Auditoriums natürlich, wie denn die Parlamente die für komische Wirkungen empfäng­lichsten Versammlungen der Welt sind.Die Sammel­politik wird wieder zu Ehren kommen", prophezeit der Mi- nister. Aus das Tafellied bezugnehmend, das zu Ehren des Ministers in Duisburg gesungen und vom Abg. Richter im Reichstag satirisch citierl wurde, meint Herr Möller: ,Merscherze sind wohl auch schon auf Herrn Richter her­niedergehagelt." Alles in altem entwickelt der Redner sein bekanntes Programm derVerständigungs-Diagonale". Die Getreide-Zölle sollten nicht zu hoch von der Landwirtschaft gefordert .werden, so ermahnt milde Herr Möller die froh und dankbar zu ihm emporblickenden Agrariep. Im üb­rigen: der Handelsminister sei nicht dazu da, einseitig die Handelsinteressen zu vertreten, sondern er habe die wirt­schaftlichen Gesamtinteressen wahrzunehmen. Starkes Bravo! rechts. Kein Zweifel, Herr Möller ist auf dem besten Wege, das Vertrauen der Männer von der Scholle zu er­werben und wohl gar, wie Herr v. Miquel, derLiebling der Agrarier" zu werden.

Dem 1'216g. Vogel (Antis.), der alsdann das Wort erhält, ist es gelungen, noch eine Redeperle Möllers aufzufischen. Der Minister habe vonHerrn" Pothiphar gesprochen; soviel er, der Abg. Vogel, wisse, sei Pothiphar eine Frau gewesen. Erneute, gewaltige Heiterkeit, mit des Ministers Beteilig­ung. Herr Vogel begeistert sich für denAntrag Kanitz". Die Landwirtschaft sei Deutschlands Grundlage. Pflug und Schauert haben Germanien groß gemacht.

Weit wirkungsvoller tritt für dendeutschen Bauer" Abg. N i ß l e r (kons.) ein. Dieser breitschultrige, rotwangige Oedonom aus Bayern, ein Bild der Gesundheit und Kraft, lenkt sehr bald die ganze Aufmerksamkeit aus sich Kurze, wuchtige Sätze werden mit einer wahrenBombenstimme" zum Vortrag gebracht. Zn den festen Handbewegungen prägt sich ein energischer Wille aus. Graf Kanitz, mit einer Anzahl von Mitgliedern der Rechten und des Zentrums in der Nähe des Redners eine Gruppe bildend, hört mit unverhohlenem Staunen an, wie gewandt und treffsicher dieser Lebonom das Wort handhabt, sich durch keinen der vielen Zwischenrufe und Unterbrechungen von links aus dem Text bringen läßt. Nur einmal werden die Herren auf der Rechten etwas beklommen, als Nißler sich auf den gefährlichen Boden der Zollstatistik begiebt. Aber er kommt, seine ^iotizen zu Nate zielend, glücklich darüber hinweg. Die Rede gilt in der Hauptsache dem Niedergange des deut­schen Bauernstandes. Aberdas Vertrauen des Bauern ist gestärkt worden durch die Ausführungen des Reichs­kanzlers (Bravo! rechts), durch die Ausführungen des Grafen Posadowsky!" »Noch kräftigeres Bravo rechts.) Die volle Schale des Zornes schüttet Abg. Nißler aus über die Gegner der Landwirtschrst, wozu er insbesondere die Abgg. Richter und Nöolkenbuhr (Soz.) rechnet.Ich bin nicht hier- hergekoinmen, um Phrasen zu machen," so ruft der streitbare Landwirt dröhnend in den Saal,sondern im harten Licht der Wahrheit die Notlage der Bauern zu schildern!" Der Reichskanzler solgt, ebenso wie der bayrische Finanzminister v. Riedel, der originellen Rede, die wie ein Sturm dahin- Brauft, mit sichtlichem Interesse.Der deutsche Bauern­stand in Ost und West, in Nord und Süd steht fest zusammen und wird einig bleiben!" So schließt der RedMr. Er wird von den Konservativen umringt, und mit vielem Händeschütteln beglückwünscht.

Das Wort hat der Abg. Bebel!" Kaum hat Vize­präsident Graf Stolberg dies angekündigt, da eilt schon Bebel zur Rednertribüne und beginnt sofort mit einer Polemik gegen dierückständigen Anschauungen" Nißlers. Gin eigentümlicher Kontrast, diese scharfe, schneidende Stimme nach dem wuchtigen Ton des Nißlerschen Organs. Bebel spricht anfangs berechnet langsam, wie um die Kraft zu reservieren für das, was er später zu sagen gedenkt an massivenAufrichtigkeiten". Hoch ausgerichtet steht Graf Stolberg am Pväsidum, die Hand an die Glocke legend. Er erteilt zwar Bebel eine Rüge, well dieser dem Abg. HeineAusl-etzerei gegen die Regierung" zum Vorwurf gemacht hat, sorgt aber andererseits auch dafür, daß die Rechte davon abläßt, den Redner zu unterbrechen. Eine lauge Reihe von Ausführungen Bebels ist historischen Re­

miniszenzen gewidmet. Fast feier! - beruft sich der So­zialistenführer auf Caprivi und aus ocn Fürsten Bismarck, ja, er thut sogar einer Rede des Mueichskanzlers ausdrück­lich als einerberühmten" Erwähnung. Tie Erinnerung an gewisse agrarische Kraftworte c wn die Minister in früheren Generalversammlungen dcBundes der Land­wirte" ist der Rechten einigermaßen . ullich. Diesen Ein­druck g» wahrend, fügt Bebel noch c ,:t Mehreres ähnlicher Art hui' i. Es gäbe, so erklärte er, in Deutschland zwei Nationen, die derAusbeuter" und derAusgebeuteten" er spreche im Namen der Letzteren! Bebel rechnet der Landwirtschaft vdr, was alles sie anLiebesgaben" von Reichswegen empfangen habe und empfangen solle. Er türmt Millionen auf Millionen, wie zur Anklage den Arm weit hinausreckend zu den Konservativen hin; die Nennung der Gesamtsumme begleiten energische Faustschläge aus das Rednerpult. Doch entgeht trotz feines Eifers kein Zwischen­ruf dem Sprecher. Abg. v. Kardorff. (Rp.) lacht nach einem Satze spöttisch. Sogleich knüpft Bebel die Bemerkung an: Lachen Sie nur! lieber Sie, Herr v. Kardorff, schreitet die Weltgeschichte hinweg!" Herrn v. Kardorff und seinen Freunden stellt Bebel bei derZukunfts-Expropriation eineGratis-Beförderung nach Südafrika" in Aussicht. Im allgemeinen erhält aber diesmal der Chor der Partei­genossen seltener als sonst Gelegenheit,einzufallen". End­lich ist Bebel bei einem kraftvollenPfui Teufel!" ange­langt. Präsident Graf Ballesttem, der inzwischen den Grafen Stolberg abgelöft hat, kann nicht finden, daß dieser Entrüstungsrufparlamentarisch"-sei. Er ersucht den Abgeordneten sich zu mäßigen. Doch noch wiederholt muß Graf Ballestrem dem _ feurigen Temperament Bebels Schranken ziehen. Tie Summe der Kritik Bebels ist: Tie Landwirte verstehen nicht, sich nach der Decke zu strecken. Besonders eingehend behandelt Redner die wirtschaftlichen Verhältnisse in Sachsen. Auf die sächsische Regierung ist Bebel überhaupt besonders schlecht zu sprechen. Zu einer sehr erregten Szene kommt es, als Bebel von einem Kinde erzählt, das zu sterben wünschte, weil es dann nicht mehr zu hungern brauche. Abg. Graf Arnim (Rp.) ruft: Das ist eine Infamie! Eine Gemütsvohheit! Er lacht! Er lacht!" . , . Im Saale entsteht eine saft tumultuöse Bewegung, Zischen und Beifallsrufen, Ausdrücke des Zornes ringen miteinander. Nur mit Mühe vermag der Präsident die Wogen zu glätten.Die Sozialdemokratie wird alles thun", schließt Bebel,diesen Hungertarif in den Orkus zu befördern, unb bedauert, seine Väter und Vertreter nicht nachsenden zu können!" Heiterkeit.am Regierungstisch, tosender Beifall auf der äußersten Linken.

Nunmehr erhebt sich Graf B a l l e st r e m , das Steno­gramm in der Hand. Es gilt dem Zwischenfall Bebel-Graf Arnim. Abg. Singer und andere Sozialisten unterbrechen den Präsidenten durch Zurufe, worauf Graf Ballesttem, in einer bei ihm noch nie bemerkten Erregung, zur äußersten Linken hindonnert:Ich dulde keine Unterbrechungen! Ich werde die Autorität dieser Stelle unter allen Umständen ausrecht erhalten!" Lebhafter Beifall. Tann erhält Bebel wegen der AusdrückeInfamie! Gemütsrohheit!" den Ord­nungsruf, den jedoch Graf Ballesttem. dadurch abschwächt, daß er erklärt, Behel sei von Graf Arnim schwer provoziert worden. Die Erregung im Hause, ist außerordentllch< gleichwohl übernimmt es der preußische Finanzmniister Frhr. v- Rhein baden, überdies zu später Stunde, die maßlosen" Bebelschen Vorwürfe gegen die Verbündeten Regierungen zu entkräften. Ter noch jugendliche Nachfolger Miquels schlägt eine scharfe Klinge. Ein Lärm sondergleichen bricht links los, als er beginnt:Mir scheint, Abg. Bebel hat den Reichstag mit dem Lübecker Parteitag verwechsele Wir werden dafür Sorge tragen, daß Sie mit heißen Köpfen heimgeschickt werden!" Zum Schluß dieser bewegten De­batte nimmt der sächsische Staatsminister v. Metz sch feine Regierung gegen Bebels Angriffe in Schutz. Der Präsident muß noch mehrmals die Glocke schwingen, besonders bei der Schlußabrechnung zwischen dem Abg. Bebel und Graf Arnim, in Formpersönlicher Bemerkungen".

Noch ungefähr zwanzig Redner sind zuni Zolltarif vorgemerkt. Es wird jedoch an der Absicht festgehalten, am Samstag den Strich zu ziehen unter diese Erörterung und die kommende Woche dem Etat einzuräumen.________

Deutsches Reich.

Berlin, 5. Dez. Bon dem Zagdaufenthalt des Kai­sers in Moschen meldet man: Der Aufbruch zur Jagd erfolgte heute vormittag bei herrlichem, forstklarem Wetter gegen 9 Uhr; um 1 Uhr wurde das Jagdftühstück im Schlosse eingenommen, und dann die Jagd fortgesetzt, deren Schluß gegen 4 Uhr erfolgte.

Beim Reichskanzler fand heute ein Diner statt, zu dem u. a. der italienische Botschafter Graf Lanza und der französische Botschafter Marquis de Noailles geladen waren.

Die Söhne Geffckens, Dr. Johannes Gefscken und Prof. Heinrich, Geffcken, erlassen in derKreuzztg." eine Erklärung, in der sie gegen die Verunglimpfung ihres Vaters in dem jetzt erschienenen Anhang zu den Gedanken und Erinnerungen des Fürsten B i s m a r ck und namentlich dagegen protestieren, daß er den Jesuiten und dem Zentrum affiliert gewesen fei. Die Erklärung schließt:

Unser Vater war wir wissen es wohl kein Staatsmann nach dem großen Schritte der Neuzeit. Er liebte die. Keinen Mittel und bab geheimnisvolle Wesen der alten Diplomatenschule. Das hat neben anderen völlig edlen Motiven mitgettnrft, um ihn zu dem verhängnis­vollen Schritte der Veröffentlichung des bekannten Tage­buches zu treiben. Wenn wir dies unumwunden zugeben, und wenn wir insbesondere die Publikation von Kaiser Friedrichs Tagebuch weder im Jahre 1888 gebilligt haben,

noch heute billigen, so beftreiten wir doch jedem, selbst dem Größten und Herrlichsten, der auf Deutschlands Boden gewachsen das Recht, unseren Vater um politischer Gegner­schaft willen dem Urteile der Geschichte als Reichsfeind Lu überliefern."

Im Etatsentwurf für den Reichsinvaliden­fonds für 1902 sind die Jnvalidcmpensionen usw. in­folge des Krieges von 187071 für Preußen um 9 920 000 Mark, für Sachsen um 663 300 Mk., für Württemberg um 229 500 Mk., für Bayern um 1 83 c 900 Mk., für die Marine- verwaltung um 3 074 Mk., die Jnvalidenpensionen usw. infolge des Krieges von 1870 für Preußen um 2.401000 Mark, für Sachsen um 159 936 Mk., für Württemberg um 36 000 Mk., für Bayern um 325 225 Mk., die sonstigen Pensionen um 114 419 Mk., die Zuschüsse zum Tispositions- jonds des Kaisers zu Gnadenbewilligungen aller Art, Pen­sionszuschüsse und Unterstützungen um 177 600 Mk. höher angesetzt, als im Vorjahre, während die übrigen Ausgabe­positionen ohne wesentliche Aenderungen geblieben sind. Die Summe der für 1902 veranschlagten Ausgaben, zu deren Deckung eine Zinseneinnahme von 14 737 000 Mk. und ein Kapitalznschuß von 31 566 117 Mk. in Anspruch genommen wird, beläuft sich auf 46 305017 Mk., gegenüber 30 449 689 Mask im Etat für 1901. Die Pensiouserhöhungen sind darauf zurückzusühren, daß bei dem vorgerückten Lebens­alter der Invaliden jetzt mehr als früher eine Rückkehr auf den Pensionsfonds durch Ausscheiden aus den Zivil- [telüingen stattfindet, währenv mit Abgang durch Tod, Ver­sorgung im Zivildienst und anderen Ursachen nur in ver­hältnismäßig geringem Umfang zu rechnen sein wird.

Der Ko l o n i a l e t a t beziffert für Deutsch-Ost- Arira tote etgwicn Einnahmen oes Schutzgebiets auf 3 186 296 gegen 3 232 000 Mk. im Vorjahre. Der Minder­ansatz rührt von den Zolleingängen her. Der Reichszuschuß beträgt 6 415 200 gegen 5 259 000, fortdauernde Ausgaben 7 393 374 gegen 7 145 590, einmalige. Ausgaben 2 195 000 gegen 1 332 200. Die Gesamtsumme der Ausgaben und Ein­nahmen balanciert mit 9 601 496 gegen 8 491 000. Unter den einmaligen Forderungen sind die erste Rate von der auf 3 270 000 veranschlagten Fortführung der Usarnbarabahn bis Mornbo, die Wetterführung des Telegraphen von Mvap- wa bis Tabora. Der Etat von Kamerun weist an Ein­nahmen 4 236 600 gegen 3 775 800 infolge der Steigerung der Zolleingänge auf. Der Reichszuschuß ist um 25 300 höher angesetzt. Die fortdauernden Ausgaben betragen 2 987 286 gegen 2 672 302, die Gesamtausgaben 4 236 600. Der Etat für Togo zeigt eine Steigerung der eigenen Einnahmen nm 71 000 Mk., des Reichszuschusses um 131000 Mark. Die Ausgaben und Einnahmen balancieren mit 1650 000 Mk. gegen 1448 000 Mk. Unter den einmaligen Ausgaben befinden sich 25 000 Mk. für die Grenzbestimm- ung zwischen Togo und der englischen Goldküstenkolonie. Ter Etat für d - W e st - A f r i k a zeigt eine Steigerung der eigenen Einnahmen um 475 000 Mk. infolge der Em- nahmen aus dem Eisenbahnbetrieb, hingegen eine Minder­ung des Reichszuschusses um 1 467 700 Mk. Ter Etat ba­lanciert mit 9458900 gegen 10 451600, die einmaligen Ausgaben enthalten 40000 Mk. zu Beihilfen wegen der Rinderpestschäden. Die einmaligen Ausgaben betragen 2 893 500 Mk. gegen 4 790 700, die fortdauernden Ausgaben 6 520 647 gegen 5 616 456 Mk. Der Etat Nenguienas balanciert mit 822 000 Mk. gegen 809 700 Mk. im Vorjahre. Der Reichszuschuß stieg um 12300 Mk. Der Etat der Ka­rolinen, Palau-Inseln und Mariannen ba­lanciert mit 338100 Mk. gegen 311 500 Mk. im Vorjahre. Unter den Forderungen befinden sich 10 000 Mk. zur Ver­breitung der deutschen Sprache. Der Etat Samoas ba­lanciert 441400 Mk. gegen 266 000 Mk. im Vorjahre. Die eigenen Einnahmen stiegen um 151000 Mk., der Reichs- zuschuß um 24 000 Mk. '

Die Polen brachten im Reichstage mit Unterstützung der Zentrumsabgeordneten eine Interpellation ein, die besagt: Ist dem Reichskanzler bekannt, daß die Vor­gänge in Wr esch en nicht nur bei uns, sondern auch im Auslande ein Aufsehen erregten, das geeignet ist, dem Ansehen des Deutschen Reichs Abbruch zu thun? Welche Stellung nimmt der Reichskanzler dieser Angelegenheit gegenüber ein?

In hiesigen maßgebenden Kreisen wird, mehreren Blättern zufolge, die deutschfeindliche Beweg­ung unter der polnischen Studentenschaft des Auslandes mit großer Ruhe verfolgt. Die Rücksprache der deutschen Botschafter in Wien und Petersburg mit den dortigen leitenden Ministern hat ergeben, daß sowohl die österreichische wie die russische Regierung ent­schlossen sind, Deutschland in der Abwehrder deutsch­feindlichen polnischen Bestrebungen zu unterstützen, zu­mal man sich nicht verhehlt, daß diese Bestrebungen im letzten Grunde darauf gerichtet sind, das gute Einver­nehmen der beteiligten drei Kais er Mächte zu stören.

Die 2. und 3. Abteilung des Reichstages haben die Wahlen der Abgg. M attscbull (Lith.) und Krüger ge­prüft und für gütig erklärt.

Heidelberg, 5. Tez. Heute mittag fand die feier­liche Enthüllung des von Professor Donndorf-Siutt- gart geschaffenen Kaiser Wilhelm-Denkmals statt. Der Enthüllung, der das Großherzogspaar, die Prinzen Max, Karl, sowie die Minister beiwohnten, ging ein Festakt voraus, wobei Professor Marcks die Festrede hielt.

M ü n ch e n, 5. Dez. Die sozialistischeMünchener Post" behauptet, auf ihren Redattionstisch fei ein Schriftstück ge­flogen, worin ein sehr hoher Herr Gedanken üier harte Bestrafung bei Studentenduelle nietergelcgt habe. Tie redaktionellen Andeutungen scheinen auf den Prinz-Regent. . hinzuweisen. 11 Paragraphen des Schriftstückes enthalten eine Art Gesetzentwurf, der für die