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7.11.1901 Erstes Blatt
 
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Nr. 26S

Erstes Blatt.

Donnerstag 7. November 190Z

151. Jahrgang

Erscheint täglich MU Ausnahme deS

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Die Siebener Familien, blätter werden dem An­zeiger im Wechsel mit dem »Hess. Landwirt* und den »Blättern für hessische Volkskunde* «rermal wöchentlich bei­gelegt.

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GietzenerAnzeigers

General-Anzeiger v BBS

Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

________ » "J* zeigenteil: Hans Beck.

Die AröettslostgLeit.

Sowohl Hessen, als Preußen, Bayern und Baden ver­anstalten Erhebungen über den Stand der Arbeitslosigkeit, Hessen durch die Handelskammern, Preußen durch die Oberpräsidenten, Bayern durch die Fabrikcnspektoren und Baden durch noch andere Organe. Hätten wrr ein Reichs­arbeitsamt, so brauchte das Material für die Beurteilung der Verhältnisse des Arbeitsmarktes jetzt nicht erst mühsam herbeigeschafft zu werden, sondern wäre zur Hand und sofort verwertbar. Jenes Amt ist als eine Instanz zu ununter­brochener Beobachtung der ökonomischen Bewegungen, zu immerwährender Sammlung und Sichtung aller ein­schlägigen Daten gedacht. Wer dieLabonr-Gazette" des englischen Arbeitsamtes kennt,, weiß, daß aus ihr überaus wertvolle Angaben über das Auf und Ab des Wirtschafts­lebens zu entnehmen sind. Da sich indes die Reichsregierung zur Einrichtung dieses übrigens nicht einmal nut besonders erheblichen Kosten verbundenen Observatoriums der Arbeit nicht verstehen konnte, so fehlt das amtliche Material und muß jetzt, wo die Zeit drängt und Abhilfe not thut, erst notdürftig zusammengesucht werden.

Die Ergebnisse der Umfragen dürften keine erfreulichen sein. Man weiß bereits, daß in der Industrie teils er­zwungene Feierschichten eingelegt worden sind, teils Ar­beiterentlassungen und Lohnherabsekungen stattgefunden haben. Was den Beschäftigungsgrad in der Maschinen- branche anbetrifft, so sind nach den: soeben erschienenen Arbeitsmarkt" namentlich in den Hauptzentren verkürzte Arbeitszeiten eingesührt, da die gegenwärtig vorhandenen Aufträge nicht mehr ausreichen, um die Arbeiter voll zu beschäftigen. Die Zahl der Arbeitslosen steigt- So sind beispielsweise in Leipzig mindestens 10 Prozent der Metall­arbeiter ohne Beschäftigung, ungerechnet diejenigen, welche Leipzig verlassen haben. Lohn- und Akkordabzüge sind fast in allen größeren Betrieben gemacht. Für die Hütten­werke ist die erwartete Belebung nicht eingetreten. Je mehr sich die Aufnahmefähigkeit des Jnlandsmarktes abschwächt, desto lebhafter muß sich das Großgewerbe um den Export bemühen, durch, welchen wenigstens ein Teil der Ueber- Jengung abgestoßen werden kann. Ebenso weisen die Holz­oerarbeitenden Gewerbe starke Anzeichen des Niederganges auf. Wenn sich in der Textilbranchc der Geschästsgung nicht unerheblich gebessert hat, so ist das nur eine Ausnahme von der Geschäftsflaue, die sich wie Mehltau nacheinander auf alle Gewerbszweige zu legen scheint.

Auch das Ausland steht teilweise unter dem -Lnucke einer wirtschaftlichen Krisis. In Oesterreich hat der Mi­nisterpräsident erklärt, die Regierung sei bereit, jede taug­liche Arbeitsgelegenheit zu verschaffen und sich angelegent- lichst zu bemühen, damit ein weitergreifender Notstand nicht auskomme Der Eisenbahnminister ersuchte die Verwaltung der Privatbahnen, ihre für jetzt und für das nächste Jahr notwendigen Bestellungen baldigst und in möglichst aus­gedehntem Maße erfolgen zu lassen, wie dies auch seitens der Staatsbahn-Verwaltung geschehen werde. Nicht minder rüstet man sich in der Schweiz, den heranziehenden Gefahren entgegenzutreten. Die belgische Deputiertenkammer verhan­delte über eine Interpellation, welche festzustellen bezweckte, was das Ministerium zu thun gedenke, um die Wirkung der industriellen Krisis aus die Arbeiter zu bekämpfen. Die Minister versprachen, die Gemeinden zur Gründung von Arbeitslosigkeitsversicherungen anzuspornen und die nötigen Staatsarbeiten so schnell wie möglich ausführen ru lassen.

Es unterliegt keinem Zweifel, daß die eingetretene Verschlechterung der Geschäftslage auch' im deutschen Reichs­tag den Gegenstand eingehender Erörterung wird.

Ein Abhilfsmittel gegenüber den düsteren Erschein­ungen liegt in der schleunigen Inangriffnahme öffentlicher Arbeiten. Der preußische Eisenbahnminister geht auf seinem Verwaltungsgebiet mit gutem Beispiel voran. Das bay­rische Ministerium ist ihm dieser Tage gefolgt, und auch einzelne Kammern haben sich diesen Vorgänge angeschlvssen. So hat Mannheim, wo die Zahl der Arbeitslosen auf 5000 geschätzt wird, für Erdarbeiten, Steineklopfen usw. bereits 39000 Arbeitstage vorgesehen, welche sich aber auch auf das Doppelte erstrecken können.

Von besonderer Bedeutung sind die Arbeitsnachweise, und zwar um so wertvoller, wenn sie auf paritätischer Grundlage ruhen und Arbeitgeber wie Arbeitnehmer in gleichem Maße für den Ausgleich von Angebot und Nach- ftage interessieren. Durch solche Vermittelungsstellen kann auch eine Ableitung der überflüssigen Arbeitskräfte nach dem platten Lande bewirkt und damit Klagen der Land­wirtschaft über die Leutenot abgeholfen werden. Selbst­verständlich ist nicht jeder Industrie-Arbeiter in der Lage, ländlicher Tagelöhner zu werden. Ungelernte Ar­beiter aber werden den Lohn, der ihnen auf dem Dorfe oder Gute winkt, dem Hunger vorziehen, der in der Stadt ihr sicheres Los wäre.

Abgesehen von der Zuweisung vorhandener und der Schaffung neuer Arbeitsgelegenheit kommt die Versicher­ung gegen Arbeitslosigkeit in Betracht. Bisher schreckte man vor der Größe der Aufgabe noch zurück, nur vor­übergehend in den Depressionsjahren 18911893 wandte sich ihr das öffentliche Interesse zu. Jetzt aber wird man nicht mehr säumen dürfen, trotz der Schwierigkeiten, die hier zu überwinden sind, an die Gründung entsprechender Kassen heranzutreten.

Zunächst kommen für diesen Versicherungszweck berufs- genossenschaftliche Organisationen in Betracht. Die Hirsch- Duncker'schen Gewerkvereine gaben im Jahre 1899 an Unter­stützungen in Verbindung mit der Arbeitslosigkeit 105 800 Mark aus. Die sozialistischen Gewerkschaften gewährten in einem der letzten Berichtsjahre *289 036 Mark. So an­erkennenswert diese Leistungen sind, so reichen sie doch

bei weitem nicht aus, um das vorhandene Bedürfnis zu befriedigen, und man wird untersuchen müssen, ob nicht noch andere Formen der Versicherung gegen Arbeitslosig­keit möglich sind. Mehrfach kamen kommunale Unter» stützuugskassen und in Verbindung damit reichsgesetzliche Bestimmungen in Vorschlag, welche den Gemeinden zwar nicht die Verpflichtung auferlegen, aber doch die Berechtig­ung gewähren, derartige Kassen mit Beitragspflicht für die jenen berufsgenossenschaftlichen Organisationen nicht angehörenden Arbeiter zu bilden. Allerdings ist es nicht leicht, festzustellen, wann unverschuldete und wann ver­schuldete Arbeitslosigkeit vorliegt, oder welche Arbeit ein Beschäftigungsloser nicht zurückweisen darf, wenn er sein Recht auf Unterstützung nicht verlieren will, oder endlich, welche Nebenverdienste auf die zu gewährende Unterstützung angerechnet werden sollen, und welche nicht. Indes, mit der­artigen Schwierigkeiten haben auch die berufsgenossenschaft­lichen Kassen £u »impfen, und wenn diese sie bewältigen, so könnten es die kommunalen Kassen auch, deren Leitung gleichfalls in der Hand praktischer Männer läge. In keinem Falle darf der Gedanke, die kommunale Sozial­politik auch auf das Versicherungsgebiet zu erstrecken, ohne weiteres von der Schwelle gewiesen, sondern muß ernsthaft geprüft und, wenn er der Kritik stand hält, verwirklicht werden.

Voraussichtlich erscheint im Reichstage gleich zu Beginn der Tagung eine Notstands-Interpellation, deren Besprech­ung das beste Präludium für die Zolltarif-Debatten bildet.

Wien, 4. Nov- Wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, will die Regierung zur Linderung der Arbeitsnot den Bau der Kunst-Gallerie in Prag beschleunigen.

Mas lehren uns die Ergebnisse der Rkichstagswahlen? i.

Unter diesem Titel ist in den letzten Tagen eine hoch­interessante Schrift*) von Philipp Bonhard, Amts­richterin Worms, erschienen, die wohl in allen politisch denkenden Kreisen Beachtung verdient. In der anregendsten Weise hat es der Verfasser verstanden, das vorliegende statistische Material, das er in bewunderungswürdiger Weise beherrscht, zu sichten und zu scheiden und Lehren daraus zu ziehen für die Parteien wie für jeden einzelnen bei Aus­übung seines Wahlrechtes.

In einem einleitenden Paragraphen giebt er zunächst einen Ueberblick über die Ergebnisse aller Wahlen seit 1871 und stellt für diese Zeit fünf Zeitabschnitte auf, und zwar 18711878 die Zeit der Vorherrschaft des Liberalismus, 18781881 die Zeit der konservativ-gemäßigtliberalen Mehrheit, 18811887 die Zell des Kampfes des Reichs­kanzlers Fürsten von Bismarck gegen die oppositionelle Mehrhell Windthorst-Richter-Bebel, 18871890 die Zeit der sog. Kartellmehrheit, 18901895 die Zeit der konservativ- llerikalen Mehrheit und feit 1895 die Zeit des Vorherr­schens der llerikalen Macht im Reichstag. In den folgen­den Paragraphen wird zunächst die letzte Reichstagswahl etwas eingehender betrachtet, dabei das verstärkte Auf­treten der Sozialisten betont und die Art und Weise, wie sich der Bund der Landwirte und der bayrische Bauernbund, neue Kräfte im politischen Leben, daran beteiligt haben, klargelegt, ferner wird die politische Lage in den Wahl­kreisen behandelt, wo die volllichen Gegensätze die anderen überwiegen, also die östlichen, von den Polen bedrohten und die in Elsaß-Lothringen. Hierbei stellt der Verfasser fest, daß die letzte Reichstagswahl keineswegs unerfreu­liche Resultate gezeitigt hat, sondern daß das Deutschtum in diesen Kreisen sich erheblich gestärkt hat.

Was die Größe der Meise betrifft, so wird festgestellt, daß die Entwickelung längst die Bestimmung des ß 5 des Reichstagswahlgesetzes, nach welcher durchschnittlich auf 100 000 Seelen ein Abgeordneter kommen soll, überholt hat. Es giebt heute 30 große Wahlkreise, d. h. solche, die über 200,000 Einwohner zählen, darunter zwei, die sogar mehr als 500 000 Einwohner haben, dagegen giebt es auch 88 kleine Mandate, deren Einwohnerzahl unter 100 000 ^urückbleibt. Es besteht also ein Mißverhältnis zwischen >em Wortlaut des Gesetzes und der thatsächlichen Lage, das nach den Worten des Verfassers der Absicht des Gesetz­gebers nicht entspricht, und das auf die Dauer nicht aufrecht erhalten werden kann.

Nach den religiösen Bekenntnissen**) giebt es 252 mit evangelischer, 145 mit katholischer Bevölkerungsmehrheit Von den letzteren sind nur 19 nicht in den Händen der Kleri­kalen, zu denen Bonhard auch die Polen, Elsässer und bayr. Bauernbündler zählt; dafür besitzt die llerikale Partei drei Wahlkreise mit evangelischer Bevölkerungsmehrhell. (!)

Ein Vergleich der städtischen und ländlichen Wahlkreise ührt uns auf das Gebiet des Gegensatzes zwischen indu- triellen und agrarischen Interessen. Es giebt in Deutsch- and***) 111 städtische und 286 ländliche Wahlkreise, d. h. olche, in denen die städtische, bezw. ländliche Bevölkerung überwiegt. Die Sozialdemokratie, von der man gewöhnlich annimmt, daß sie nur in städtischen Kreisen zu Hause fei, besitzt nur 42 städtische Wahlkreise, dagegen auch 15 länd-

)Wa§ lehren uns die Ergebniste der Reichstagswahlen?" Wahlstattstische Betrachtungen von PH. Bonhard. Heidelberg, Karl Winter's Univ.-Buchhandlung. 98 Seiten. 1.20.

) Bonhard spricht auch von einer Gruppe partikularistischer Parteien und rechnet zu diesen das Centrum, die Welfen, die Pro­testler, die Dänen, Littauer, Polen und die deutsche Volkspartei. Wir halten diese Gruppierung für unzutreffend. Nach der Ent­wickelung, die das Zentrum in der letzten Zeit gemacht hat, darf man es nicht mehr zu den partikularistischen Parteien zählen; andererseits muß die demokratische Volkspartei zweifellos zu den liberalen Parteien gezählt werben, steht sie doch der freisinnigen Volkspartci ungemein nahe. Anm. d. Red.

** *) Die Volkszählung von 1895 ist zu Grunde gelegt

liche Mandate und von diesen wieder verhältnismäßig viele in Preußen. Charakteristisch ist, daß das industrielle West, falen keinen, und die Rheinlande nur einen sozialdemo­kratischen Vertreter haben.

Im allgemeinen ist der Besitzstand der Parteien recht schwankend. Feste Stammsitze der Parteien, d. h. solche, die stets in den Händen derselben Partei waren, aiebt es von den 397 Wahlkreisen nur 92. Die Polen haben die meisten Stammsitze, nämlich 12 von den 14, die sie derzeit inne haben, dann kommt das Zentrum, das der Zahl nach weit über die Hälfte aller Stammsitze besitzt. Bei diesen beiden Parteien, sowie bei den Protestlern liegen die Stammsitze auch örtlich bei einander, während sie in den übrigen Parteien zerstreut liegen.

Ist schon, was die Stammsitze anlangt, das Zentrum in einer beneidenswerten Lage, so zeichnet es sich auch vor allen Parteien durch feinen festen Besitz aus, d. h. durch den Besitz solcher Mandate, die ihm in absehbarer Zell nicht verloren gehen können. Zu seinem festen Besitz ge- hören 83 Mandate, von denen 54 feste Stammsitze sind. Tie festen Besitze aller anderen Parteien sind demgegen­über unerheblich. Unbedingt sichere Wahlkreise, d. h. solche, in Denen 1898 auf den Abgeordneten mehr als die Hälfte der Stimmen aller Wahlberechtigten gefallen sind, giebt es nur 35, von denen 21 dem Zentrum und 10 Den Polen gehören. Es ist also ersichtlich, wie fest der Turm der Klerikalen steht.

5. ßhristlich-sozialer Parteitag.

(Nachdruck verboten.)

L. u. P. B ja r m e n, 5. Nov.

Tie christlichZoziale Partei, die neuerdings ein ge­legentliches Zusammengehen mit der deutsche-sozialen Partei (unter Liebermann v. Sonnenberg) angebahnt hat, begann gestern abend im Saale des Evangelischen Vereinshauses ihren 5. Parteitag mit einer zwanglosen Begrüßungsver- sammlnng, welche die Christlich sozialen von Elberfeld und Barmen veranstaltet hatten. Der Vorsitzende, Peter Kramer (Barmen), rief den Mitgliedern, und Gästen ein Willkommen zu.

Tie Arbeiten Begannen heute mit einer Delegiertenver- sammlung unter dem Vorsitze des Hofpredigers a. D. Stöcker. Pfarrer Bern deck (Staden in Hessen) sprach ein Eingangsgebet. Stöcker widmete zunächst dem verstor­benen Generalsekretär des Berliner Stadtansschusses für innere Mission, Pastor Ernst Böhme, einen warmen Nach­ruf. Tie christlich-soziale Sache, sagte er weiter, stehe heute besser als vor drei oder vier Jahren. Ueberall zünde der christlich-soziale Gedanke, und es werde dahin kommen, daß das lebendige Christentum, das sich politisch und sozial bethätigen muß, durch uns vertreten werden wlld. Wir wollen ja eine christliche Volkspartei sein, die das Soziale stark Betont, weil es die große Frage der Gegenwart ist. Der Parteisekretär 'Dr. Burckhardt (Godesberg a. Rh.) gab den Jahresbericht. Er bestätigte, daß die Partei Fortschritte mache. Im vergangenen Jahre sind 25 Kreise bearbeitet worden. Im Kreise Hagen zeigen sich Anfänge. Im Möller'schen Wahlkreise Mühlheim a. Ruhr habe man vor­läufig von einem Kandidaten abgesehen. Es sei nicht wahr, daß die christlich-soziale Partei offiziell ihre Mitglieder aufgefordert habe, für den Nationalliberalen zu stimmen; sie habe ihnen vielmehr ausdrücklich freie Hand gelassen. Aussichtsvoll sei für die Partei vielleicht der K,reis Wetzlar-Altenkirchen. Auf dem Westerwald habe die Partei Fortschritte gemacht. Die christlich-soziale Presse dasVolk" und christlich-soziale Drmck> Fristen seien dort ebenfalls stark verbreitet. Im ganzen habe sich die Mitgliederzahl verdreifacht, ebenso die Einnahme. Dem Parteisekretär Dr. Burckhardt wurde einstimmig der Tank und Entlastung ausgesprochen. Der nächste Parteitag soll voraussichtlich im Stocker'schertt Wahl­kreise, in Siegen, stattfinden.

Im weiteren Verlaufe kam auf Antrag des Vikars Schowalter (Mannheim) folgende Erklärung zur Ver­handlung, die einftimmig angenommen wurde:

1. Die christlich-soziale Partei giebt ihrem tiefen Be- dauern darüber 2lusdruck, daß die christlichen Groß­mächte dem ungerechten und schmachvollen Kriege der englischen Weltmacht gegen das freie und helden­mütige Burenvolk müßig zusehen, ja zum Teil durch Lieferungen von Kriegsmaterial an England die pflicht­mäßige Neuttalllät verletzen. 2. Die chriftlich-ffvziale Partei bedauert insbesondere, daß die Regierungs--- Politik des Deutschen Reiches betreffs des Burenkrieges in Widerspruch mitdemsittlichenEmpfinden fast des gesamten deutschen Volkes, ebenso wie bei den armenischen Metzeleien, eine klare und entschiedene Stell­ung zu Gunsten der gerechten Sache vermissen läßt. 3. Tie christlich-soziaale Partei, in dankbarer Erinnerung an das Wort Kaiser Wilhelms I. vom'Jahre 1871: er hoffe, daß das Deutsche Reich stark genug sein werde, überall für die Gerechtigkeit im Völkerleben einzutreten ersucht die verbündeten Regierungen, ihrerseits gegen die englischen Verletzungen des Kriegsrechts bei gege­bener Gelegenheit scharfen Einspruch zu erheben Sie fürchtet, daß die Verwirrung der Gewissen durch bau Unrecht des Burenkrieges schließlich den Parteien zu gute kommen wird, welche dem Christentum als der Religion der Wahrheit und Gerechtigkeit feindlich gegenüberstehen 4. Tie christlich-soziale Partei beauftragt ihren Präsi­denten, im Reichstage diese Resolution zu vertreten und dabei auch die G e w alt 11) ä t i g fei t e n der Eng­länder gegen die deutsche evangelische Miftio- zur Sprache zu bringen."