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den Reichsbehörden gegen die von einzelnen oberrheinischen Städten beabsichtigte Einführung derFäealien in den Rhein vorstellig zu werden. Bei einer Abendunterhaltung im Reichsgesundheitsamt betonte der Reichskanzler der Abordnung gegenüber, daß die Verhandlungen hierüber im Bundesrat einen derartig erfreulichen Fortgang genommen hätten, daß bald Maßnahmen getroffen würden, die den Wünschen der betr. Städte gerecht würden. Gerade der Umstand, daß von den Reichsbehörden diese Ingelegenheit in die Hand genommen worden sei, werde dazu beitragen, den Reichsgedanken besonder- in Süddeutschland zu stärken, denn die Für- orge des Reiches für die gesundheitlichen Verhältnisse werde immer weiter >ie Ueberzeugung verbreiten, daß da, wo die Einzelstaaten in einer be- timmten Frage zu einer Einigung nicht gelangten, das Reich al» oberster Schiedsrichter wohlthätig eingreife.
Rödelheim, 5. April. Aus dem um 11 Uhr nacht- die Station durchfahrenden Schnellzug Homburg-Frankfurt sprang zestern der hier wohnende noch ledige Fabrikarbeiter Happe >erauS, geriet aber unter die Räder und wurde sofort getötet.
** Kleine Mitteilungen aus Hessen und de» Rnchtnrstaate». Ein bedauerlicher Jagdunfall ereignete-sich am Mittwoch in Hainhausen. Im dortigen Waldjagdreviere schoß ein Jäger nach einem sich in einen Wellenhaufen flüchtenden kleinen Hasen, traf aber einen augenscheinlich angetrunkenen >andwerkSburschen, den der unglückliche Schütze nicht beobachtet hatte. Der Schuß zerschmetterte dem Schlafenden den Luken Unterarm und einzelne Schrotkörner durchdrangen die inke Wange. Der Schwerverletzte wurde alsbald nach dem
r Leipzig, 4. April. Ter erste Str eikin der Orts<- ^kran ke n la sse ist perfekt. 154 von 270 Aerzten erklären öffentlich, baß sie von morgen ab die Tätigkeit für die Ortskrankenkasse einstellen.
Mädchen, das sich am Mittwoch zu Fuß nach Nieder- Wöllstadt begab, um von dort nach Gießen zu fahren, genaß unterwegs auf der Chaussee eines Knäbleins.
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Gleichzeitig beorderte er die Mannschaften an die Pumpen. Das Feuer nahm seinen AuSgang neben dem Maschinenraum; eS brannten unter anderen die für die Dampfheizung be timmten Vorrichtungen. Wie es heißt, brach das Feuer fleichzeitig an zwei Stelleu aus. Man nimmt als Ursache te furchtbare Erschütterung des PanzerkolosieS durch den Grundstoß an. Starker Rauch drang aus den Räumen und erschwerte die Löscharbeit. Zwei Stunden hindurch ergossen ich mächtige Wasiermassen in den gefährdeten Raum und öschten die Glut. Da sich keine weiteren Abteilungen füllten, o war Dank einer trefflichen Leitung und fast Übermensch- icher Anstrengung die Feuers- und WasserSgefahr beseitigt. Prinz Heinrich sprach der Mannschaft für die bewiesene Ausdauer und Entschlossenheit seine wärmste Anerkennung aus."
* Zur Konitzer Affaire. Der Arbeiter MaSloff aus Könitz hat neuerdings ein „Geständnis" über seine Wahrnehmungen in der Winterschen Sache abgelegt. Er hat ver chiedene Angaben gemacht gegenüber Beamten, die ihn nach Sraudenz zur Verbüßung seiner Zuchthausstrafe transportierten. Ju der Hauptsache widerrief MaSloff seine an Ge- richtsstelle gemachten Angaben, daß er an dem Mordtage, und zwar gegen Mitternacht, jüdische Männer mit Paketen beladen aus dem Lewyschen Hause auf den Mönchssee zu habe gehen sehen. Derartige Beobachtungen will MaSloff nach seinen neuen Aussagen bei seinem Fleischdiebstahl im Hofe deS Lewy überhaupt nicht gemacht haben. Dagegen behauptet MaSloff, er habe an jenem Sonntagnachmittag, au dem Winter ermordet wurde, beobachtet, daß mehrere jüdische Männer sich in das Lewysche Haus begaben. Die ganze Schuld, daß er einen Falscheid geleistet, führt MaSloff auf seine Schwiegermutter, die. mitbestrafte Gesindevermieterin Frau Roß, zurück. Diese habe ihm das Märchen in den Kops gesetzt, daß Juden die Leichenteile deS ermordeten Winter um Mitternacht zum Mönchssee geschafft hätten.
* Heidelberg, 5. April. Ein in Frankfurt a. M. stationierter Schaffner der Main Neckar-Bahn, Höckendorf, stürzte gestern abend beim Revidieren der Billete vom Zuge , wurde so schwer verletzt, daß er dem hiesigen städtischen i Krankenhause überwiesen werden mußte.
Gießen, den 6. April 1901.
*♦ Finanzmirrister Gnauth weilte von Montagabend bis Mittwochnachmittag in unserer Stadt. Nachdem er mit dem Bürgermeister und dem Beigeordneten Wolff private Unterredungen gepflogen hatte, besichtigte er das Elektrizitätswerk, den Friedhof und das alte Rathaus, die Fundstätte der Urkunde aus dem Jahre 1483, die Stiftung einer Messe betreffend.
** OnmibuS Verkehr. Bei schönem Wetter verkehren an den Feiertagen die Wagen der OmnibuS-Gesellschaft von 3—41/2 Uhr nachmittags nach und 6—7*/, Uhr abends von dem Schiffenbergerwald und zwar alle 20 Minuten.
•• Gemälde Ausstellung. In der Gemälde-Ausstellung im Turmhaus am Brand findet kommende Woche wieder ein größerer Wechsel der Gemälde statt, weshalb wir nochmals auf die gegenwärtige reichhaltige Ausstellung Hinweisen vollen. Die Ausstellung ist am 1. und 2. Feiertage von 41 bis 3 Uhr mittags ununterbrochen geöffnet, von Dienstag an bleibt sie vier Tage geschloffen. Den neu eingetretenen Mitgliedern deS Kunstvereins sei mitgeteilt, daß ihnen auf die Beitrittserklärung hin von Seiten des Vorstandes keine besondere Zuschrift mehr zugeht und sie schon jetzt mit ihren Familien zum freien Besuche der Ausstellungen berechtigt find.
*♦ CirkuS Otto Mark giebt am zweiten Ostertag seine Eröffnungsvorstellungen nachmittag 4 Uhr und abend 8 Uhr. (Näheres fiehe aus dem Inserat.)
*• Am 1. Osterfeiertage findet kein Promenaden- kouzert statt.
•* Lahnkanalisation Der Zentrumsantrag auf Vor arbeiten für die Lahnkanalisation ist, laut „Wetzl. Nachr.", vom Abgeordneten CaheuSly bei der Kanalgesetzkommission des Abgeordnetenhauses zurückgezogen und durch einen weiter- gehenden Antrag ersetzt worden. Dieser fordert direkt die Herstellung eines leistungsfähigen Wasserweges im Flußlauf der Lahn durch deren Kanalisation von Der Einmündung in den Rheinstrom aufwärts bis zur Landesgrenze über Wetzlar hinaus. Am Montag hat Herr EahenSly in der Sitzung her Limburger Handelskammer erklärt, die Stimmung für eine Lahnkanalisation fei nicht ungünstig, da das Zentrum dafür einzutreteu gedenke. Die Handelskammer beschloß, in der nächsten Zeit eine Versammlung aller Interessenten nach Limburg einzuberufen.
W- Bad-Nauheim, 5. April. Die Fassung der im vorigen Jahr erbohrten neuen Quelle Nr. 14 schreitet ebenso wie der Neubau des daneben zu errichtenden Badehauses so rasch fort, daß die Arbeiten bis zur Eröffnung der Saison wohl beendigt sein dürften.
W. Büdingen, 5. April. Mit Bezug auf das in Aus Acht stehende neue Gemeindesteuer Gesetz beschloß der Kreis- ansschuß unseres Kreises, daß von den 114000 Mk. betragenden Beiträgen der 74 Kreisgemeinden zur SreiSkaffe einstweilen 51400 Mk. zu erheben feien, damit die Kreiskaffe zederzett ihren Verbindlichk iten nachkommen könne. Die genaue Festsetzung der Beiträge erfolgt später.
. Darmstadt, 5. April. Das freisprechende Urteil der Strafkammer des Landgerichts in der Strafsache gegen Dr. Lang und Apotheker Kriebel ist, da die Staatsanwaltschaft Revision nicht eingelegt hat, rechtskräftig geworden. Nunmehr wird das Gericht noch den Verfall der von Schuhmacher geleisteten Kaution zu Gunsten der Staais- kaffe zu beschließen haben. — Rechtsanwalt Justizrat Sch öd le r hat sich infolge seiner Krankheit gezwungen gesehen, die Anwaltschaft aufzugeben und das Notariat nieder- zulegen.
Worms, 6. April. Vor einiger Zeit haben die Städte Worms, Germersheim und Speier eine Abordnung nach Berlin entsandt, um bei
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Arbeiterbewegung.
-k- Mainz, 5. April. Eine Lohnbewegung ist in der Schuh- abrik Rosenbusch u. Cie. hier im Gang. Die Firma beabsichtigt, bei einem Teil chrer Arbeiter einen neuen Taris einzuführen, wodurch, wie die Arbeiter behaupten, ihr Verdienst um nahezu ein Drittel geschmälert werden würde. Es ist eine allgemeine Schuhmacher Versammlung eingerufen, nach der unter Umständen die Arbeiter in Außstand treten werden.
London, 4. April. Die Löhne der Grubenarbeiter in Stört« humberland sind um 138/4 Prozent herabgesetzt worden. Rach Meldungen aus Middlesborough sollen auch die Löhne der Hochofen-Arbeiter im Cleveland-Eisendistrikt für die nächsten drei Monate um 21 pCt. reduziert werden.
Gla-gow, 4. April. Der AuSfiand der Bergarbeiter im Kohlengebtet von Lanarkshire droht für bett schottischen Eisenhandel unheilvoll zu werden. In den meisten Stahlbezirken wurden gestern abend die Eisenhochöfen niedergedämpft. Mehrere große Stahlfabriken stellen ebenfalls den Betrieb ein.
Marseille, 4. April. Gegenüber der von nationalistischen Blättern verbreiteten Meldung, daß die Ausständigen vom Ausland unterstützt würden, erklärt der Obmann des Streikkomitees, die Ausständigen hätten von deutschen Hafenarbeitern bisher 1000 Frs., von den englischen und norwegischen 635 Frs. erhalten.
Morttcearr les Mines, 4. April. Die arbeitswilligen Bergarbeiter sind unaufhörlich feindseligen Angriffen seitens der Ausständigen ausgesetzt. Etwä 100 Ausständige schleuderten Steine gegen einen Wagen, in welchem sich ein bei der Arbeit verunglückter Bergmann befand. Rur mit Mühe konnte der Kutscher des Wagens vor weiteren Thätltchkeiten geschützt werden.
Genua, 4. April. Der auf einer hiesigen Schiffswerft ausgebrochene Streik ist infolge eines Uebereinkommens der Arbeiter mit der Direktion beendet.
Kandwirtfchast.
Budapest, 4. April. Amtlicher Saatenstandsbericht. Die Wintersaaten überwinterten zumeist genügend gut, obwohl Schneefälle und Fröste zu Ende des vorigen Monats einigen Schaden anrichteten. Der Anbau der Saaten schritt gut fort infolge des günstigen Wetters in der Mitte des Monats März.
Neueste Meldungen.
Karlsruhe, 5. April. In einem hiesigen öffentlichen Abort erschoß sich gestern früh der 35 Jahre alte frühere Wirt Widenhöfer. —Verhaftet wurden zwei Kassierinnen und eine Ladnerin eines größeren Konfektionsgeschäftes, sowie eine ihrer Verwandten, Die in dem Verdachte stehen für mehrere tausend Mark Waren ihrem Dienstherrn gestohlen zu haben.
Aden, 5. April. Der Herzog und die Herzogin von Cornwall und York find heute früh an Bord des „Ophir" wohlbehalten hier eingetroffen.
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Ausland.
London, 5. April. Der Bericht der Pwrlaments- rommission für die Prüfung der Vorlage betreffend die Zivilliste des Königs schlägt vor, die Zivilliste auf jährlich 470000 Pfund Sterling festzusetzen, einschließlich 110000 Pfund für die Privatschatulle des Königs; für den Herzog vonCorwall und V 0 r k sollen außerdem 20 000 Pfund Sterling, für die Herzogin 10 000 Pfund bewilligt werden.
— In einem Telegramm der „Times" aus Wellington (Neuseeland) heißt es: Nachdem Frankreich eine Marinestation für den Stillen Ozean errichtet und die Zahl der dort stationierten Kriegsschiffe innerhalb weniger Wochen auf fünf erhöht hat, ist es jetzt dabei, die Landbef'estigungen zu verstärken. Dieses Vorgehen wird hier als eine Beorobung der britischen Interessen im südlichen Teil des Stillen Ozeans betrachtet.
Toulon, 5. April. Das russische Geschwader unter Admiral Birilew hat Toulon verlassen.
Rom, 5. April. Aus Anlaß eines von mehreren! Blättern erwähnten Gerüchtes, der König der Belgier habe in Rom den Papst in striktem Inkognito besucht, «ohne dem Könige einen Besuch abzustatten, veröffentlicht die „Agenzia Stefani" heute ein Telegramm aus Florenz, worin es heißt, der König der Belgiern habe seit seiner Ankunft Florenz nicht verlassen und habe nur «einige Ausflüge in der Umgebung der Stadt gemacht.
Konstantinopel, 4. April. Heute wurde der Pforte und der griechischen Gesandtschaft der Schiedsspruch der sechs Botschafter betreffend die Konsularkonven- ition zwischen der Türkei und Griechenland notifiziert. Der Schiedsspruch hält, wie verlautet, die Privilegien und Immunitäten, welche die griechischen Unterthanen in der Türkei vor dem Kriege genossen, gemäß Artikel 3 des griechisch - türkischen Friedens-Präliminar-Vertrages ungeschmälert aufrecht.
New-York, 4. April. Der kubanische Zoll auf Baumwollzeuge ist derart geändert worden, daß bic Amerikaner besser den Deutschen, Engländern und Spaniern Konkurrenz machen können.
Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.
Gießen, 6. April. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter per Pfd. 1.00—1.20, Hühnereier per St. 6—0 2 St. 00-00 Enteneier 2 St. 00—16 4, Gänse,
eier per St. 00—00 Käse 1 6t. 5—8 , Kasematte 2 St. 5—8 , Erbsen per Liter 22 4, Linsen per Liter 34 $, Tauben per Paar JfC 1.00—1.20, Hühner per St. M 1.50—2.20, Hahnen per Stück M 1.30-2,00, Enten per St. JC 2.00—2 30, Gänse per Pfd. 0.00 bis 0.00, Ochsenfleisch per Pfd. 68—74 £, Kuh« und Rindfleisch per Pfund 60—64 ej Schweinefleisch per Pfd. 64—74 Schweinefleisch, gesalzen, per Pfd. 78 Kalbfleisch per Pfd, 60—66 a>, Hammelfleisch per Pfd. 50—66 L, Kartoffeln per 100 Kilo 6.50—7,50 Jt, Weißkraut per St. 00—00 , Zwiebeln per Ctr. M 6.50—7.50, Milch per Liter 18 4.
ke. Arankfurt a. M., 5. April. Dividenden. Aceumulatoren- werke System Pollack-Frankfurt a. M. 7pCt. (t. V. 8pCt.) Wasser« leitungs« und Unfall-Versicherungs-Gesellschaft „Neptun" Frankfurt a. M. 20pCt. (wie im Vorjahre), Gasapparat- und Gußwerk-Mainz 5'/,pCt.
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Freihe:
Uermischtes.
* Bonn, 5. April. In einer Gastwirtschaft Remagens erschoß heute der Sohn eines Papierfabrikanten aus München-Gladbach sich und feine Geliebte.
♦ Bonn, 4. April. Ein Rechtsanwalt aus Mannleim, der sich hier bei Verwandten zum Besuch aufhielt, ollte heute auf Ersuchen des Mannheimer UntersuchungS. üchterS wegen Unterschlagung festgenommen werden, stn Kriminalkommissar und ein Kriminalbeamter begaben sich n die Wohnung der Verwandten des Rechtsanwalts. Bei Vorzeigung des Haftbefehls bat der Rechtsanwalt, von seinen Verwandten Abschied nehmen zu dürfen, und begab sich in ein Nebenzimmer. Die Beamten hörten kurze Zeit darauf n dem Zimmer einen Schuß fallen, worauf sie mit Gewalt dort eindrangen. Der zu Verhaftende saß auf dem Rand eines Bettes und gab einen zweiten Schuß ab, der haar- charf an der Wange des Kriminalkommissars »orbeipfiff. Es entstand hierauf ein Ringkampf; den Beamten gelang es nach großem Widerstand, dem sehr starken und kräftigen Mann den Revolver wegzunehmen. Der Verhaftete wurde dann ins Gefängnis eingeliefert.
* Zu d'em Unfall des Panzerschiffes „Kaiser Friedlich III." wird aus Kiel im Anschluß an die bis- ;erigen Mitteilungen geschrieben: „Von zwei verderbenbringenden Elementen bedroht, schwebte das imposante Admi ralschiff des Prinzen Heinrich von Preußen, der „Kaiser Friedrich III.", in sehr crnfter Gefahr. Die Aussagen >cr vor wenigen Stunden hier eingetroffenen Mannschaften iringen Einzelheiten über den Vorgang, der für die Kalt- üütigkeit unb Entschlossenheit deS Prinz-Admirals und seiner Offiziere und für Die gute Disziplin der Bemannung ein neuer Beweis ist. „Kaiser Friedrich III." stieß zuerst mit dem Vorderteil, kurze Zeit darauf noch heftiger mit dem . Hinterschiff auf. Die Untersuchung ergab arge Beschädigungen; Ünf Abteilungen füllten sich mit Wasser. Noch war der Umfang der Havarie nicht festgestellt, da ertönte der Schreckensruf: „Feuer im Schiff!" Prinz Heinrich, der mutig und gefaßt die Maßregeln zur Bekämpfung der wppelten Gefahr leitete, gab zunächst den Befehl zum Klarmachen aller Boote an Bord des „Kaiser Friedrich in." unb des in der Nähe befindlichen „Kaiser Wilhelm II."
• Paris, 4. April. Das bei dem Angriff auf den Professor Deschanel von der russischen Studentin Vera Gelo durch einen Schuß verwundete Fräulein Zelmine ist heute abend gestorben.
• Madrid, 5. April. Der nach der Grenze von Frankreich fahrende Expreßzng ist heute zwischen den Stationen AtaquineS und Palacios, 170 Kilometer von Madrid, entgleist. Der Zugführer sowie der Kondukteur deS Schlafwagens wurden getötet und der Heizer, zwei Gensdarmen und ein Reifender verletzt.
* Lemberg, 5. April. In der hiesigen evangelischen Kirche stürzte heute Pastor Dr. Emil Grafl, als er den Kelch ergriff, um die Kommunion zu erteilen, bewußtlos zu Boden, wodurch eine allgemeine Panik entstand. Ein anwesender Arzt konstatierte Tod durch Herzschlag. Grafl, li^bth ®cmc^n^crat war, erfreute sich allgemeiner Be-
* Petersburg, 4. April. Heute früh 2»/. Uhr fanb in Erivan (Kaukasus) ein starkes eine Minute dauerndes Erdbeben statt.
* Der „Kleinbürger" Karpowitsch, der wegen Ermordung des russischen Unterrichtsministers Bogoliepow von der Petersburger Gerichtskammer zu 20 Jahren Zwangsarbeit verurteilt worden ist, hat, bis kurze Zeit vor dem Attentat in Deutschland gelebt. Er wohnte in Charlottenburg, war in den Kreisen seiner in Berlin- lebenden Landsleute, besonders der Studierenden wohlbekannt und galt als ein ruhiger und leidenschaftsloser Mann, dem niemand die Blutthat zugetraut hätte. Als er feinen Freunden anküvdigte, daß er eine Reife in die Heimat antreten wolle, ließ nichts in feinen Aeußerungen auf Den verhängnisvollen Plan schließen, den er gefaßt hatte. Er fuhr von Charlottenburg nach Petersburg und schon wenige Tage später brachte er dem Minister Boaoliepow die tätlichen Verletzungen bei.
Meratur, Wissenschaft und Kunst.
Cuxhaven, 4. April. Jntereffante Versuche auf dem Gebiet der Funkentelegraphie fanden heute zwischen dem Schnelldampfer .Deutschland" der Hamburg-Amerika-Linie und dem Lotsenwachchause öezw. der Kugelbake in Cuxhaven statt. Die beiden letzteren Stationen waren mit Geber- und Empfänger-Apparaten nach Profeffor Braun und Siemens u. HalSke ausgerüstet. Die Versuche gingen glatt von ftatten.
— August Strindbergs „Ostern" wurde in Stockholm bei von Akt zu Akt steigender Stimmung aufgeführt. Als Leonore, die zarte, visionäre Frauengestalt, hat die Braut des Dichters, die junae Schau- pielerin Harrier Doffe, einen künstlerischen Triumph gefeiert. (In Frank- urt wurde, wie wirs. Z. ausführlich meldeten, die seltsam schöne Dichtung von Publikum und Kritik verständnislos abgalehnt. D. Red.)


