Ausgabe 
6.12.1901 Zweites Blatt
 
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rsrsttät Leipzig, wurde dort außerordentlicher Professor und 1896 fl.im Ersatz für v. d. Goltz zum ordentlichen Professor und Direktor ter Institute für Landwirtschaft in Jena berufen. Er rocir aus- gezeichnet durch vortreffliche Gaben des Geistes und des Herzens und bei feinen Schülern sehr beliebt. In ganz Thüringen hatte er durch Vorträge in landwirtschaftlichen Vereinen sich eine gewisse Popularität erworben. D. Red. des Gieß. Anz.)

Kunst und Wistenschasl.

Hermann Sudermanns neues DramaEs lebe Las Leben* wird imDeutschen Theater* zu Berlin am 17. Januar zum ersten Male gegeben werden.

Adolf L'Arronges neues LustspielDer Wohl- t h ä t e r" wird am 1. Weihnachtstag im Lessing-Theater zu Berlin gespielt werden.

Gerichtssaal.

Kiel, 4. Dez. Das Oberkriegsgericht der^Ostseestation verwarf heute die Berufung des Oberleutnants zur See, B l o ck - h u i s, welcher am 12. November zu 3 Tagen Stubenarrest ver­urteilt worden war, weil er bei den Herbstmanövern ein Geheim- duch der Alarine hatte liegen lassen, wodurch der Verlust desselben entstanden ist. Die Sitzung sand wegen Besorgnis einer Gefährdung der Staatssicherheit und militärdienstlicher Interessen unter Aus­schluß der Oeffentlichkeit statt.

Leipzig, 4. Dez. Tas hiesige Schwurgericht verurteilte heute den hiesigen Rechtsanwalt Dr. jur. James Breit wegen Zweikampfes mit tätlichem Ausgang zu ZJahren 6 Monaten Festuna und wegen qualifizierten Hausfriedens­bruchs zu 3 Wochen Gefängnis. Tre Veranlassung zu diesem Zwei­kampf war, wie sich unsere Leser wohl erinnern, folgende: Ein Student K. befand sich im Juli d. I. mit einem Bekannten im ^Palmenkarten" und wollte dem stud.. Oettinger vorgestellt Sein. Letzterer lehnte dieses aber ab. Tie dadurch entstandene Differenz sollte Dr. Breit beilegen. Bei den Verhandlungen kam «es zu einer verletzenden Aeußerung Oettingers gegenüber Breit, lder von Oettinger alsKneifer" bezeichnet wurde. Als Oettinger darauf nach Plauen zu Verwandten reifte, fuhr Breit ihm nach, ffuchte ihn in feiner Wohnung auf und schlug ihm mit einer Reit­weitsche ins Gesicht. Oettinger folgte Brett nach dem Bahn­hof, wo es zu eurer Prügelei kam, der eine Forderung Oettingers an Breit folgte. Das Duell fand am Morgen des 16. August im deutscher Holz statt. Oettinger wurde beim dritten Schuß in die Brust getroffen und starb bald darauf.

Arbeiterbewegung.

Charleroi, 4. Dez. Der Ausstand der Gruben­arbeiter wurde in einer gestern abgehaltenen Versammlung abg elehnt.

Cadtx, 4. Dez. Aus ständige Bäckergesellen be­warfen heute einige Bäckerläden mit Steinen und zertrümmerten die Fensterscheiben. Die Polizei mußte eingreifen, einige Personen wurden verwundet. Es herrscht in der Stadt große Aufregung.

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Buderus'fche Eisenwerke, Wetzlar. Unter üblichem Vorbehalt teilt die Vermattung mit, daß sie beabsichtigt, bei der nächsten ordentlichen Generalversammlung für das laufende Jahr eine Dividende von 6 bis 7 Prozent bei gegen das Vorjahr wesent­lich erhöhten Abschreibungen in Vorschlag zu bringen.

Frankfurt a. M., 4. Dez. Die hiesigen Fleischer haben, um dem Fellhändlerringe ein Gegengewicht zu bieten, vor einiger Zeit eine Vereinigung gegründet, die bezweckt, gemeinschaftliche Versteigerungen von Häuten zu veranstalten. Die erste der­artige Auktion fand dieser Tage statt. Sie war gut besucht, auch aus entfernter liegenden Städten. Das sämtliche Material, 600 Ochsen- und 500 Kuh-, Rinder- und Bullenhäute, wurde verkauft.

Landwirtschaft.

AuS Starkenburg, 3. Dez. In der Provinz Starkenburg, besonders in den Kreisen Erbach und Bensheim, greift die Mau l- u n b Klauenseuche immer mehr um sich. Die Dienstags­ferkelmärkte in Bensheim wurden deshalb bis auf weiteres unterlagt ____________________________________________________

Litterarische Neuerscheinungen.

Hauptmann, Gerhard,Der rote Hahn." Tragikomödie in 4 Akten. 4. Aust. (144 S.) Berlin, S. Fischer. 2B0 Mk.

Kirchliche Nachrichten.

Hotteso lenst in der Synagoge, Südanlage. Israelitische Religionsgemeinde.

Samstag, den 7. Dezember 1901.

Vorabend: 415 Uhr. Morgens: 9 Uhr. Predigt. Nach­mittags: 3 Uhr. Sabbathausgang: 516 Uhr.

Gottesdienst der israelitischen Keligionsgesrllschaft.

Sabbathfeier am 7. Tezember 1901.

Freitagabend 4". Samstag vormittag 8*°. Predigt. Nach­mittag 330. Sabbathausgang 5".

Wochengottesdienst: morgens 7 Uhr, abends 400 Uhr.

Meteorologische Beobachtungen

der Station Gießen.

Tendenz: fest.

205.40

180.10

126.10

127.50

140.20

140 40

163.70

187.00

172.50

164.40

3Vt% 3%

S'/.o/o

3%

Kreditaktien . . . Diskonto-Kommandit Darmstädter Bank . Dresd n t Bank . . Ber.iner Handeleges. Oesterr. Staatabahn . Gotthardbahn . . . Laurahütte . . . . Bochum . . . , . Harpener . . . .

3l/e% Hessen . .

80/j Italien. Rente .

4 /q Griech. Monopo 1- 5°/c Portugiesen . .

3u/o Mexikaner , .

4,/a7o Chinesen . .

Reicheanleihe do.

Konsole . do . .

. . 100.70

. . 89.60

. . 100.90

. . 89.80

. . 98.05

. . 100.30

Anl. 43.65 . . 27.20 . . 25.50 . . 87.60

Telephonischer Kursbericht.

.Frankfurt a. 31., 5. Dezember.

Dezember

4.

2,1° C.

2

Wetter

756,0

756,0

755,9

3,9

3,7

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+ 2,7

2,1

5,6

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4. Dez. +

bew. Himmel ^Stem. Himmel heller Hinunel

5,1° C.

höchste Temperatur am stieorigste

Neueste Meldungen.

Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.

Kiel, 5. Dez. Die geheimnisvollen Attentate finden fast allabendlich ihre Fortsetzung, seit mehreren Tagen nur mit dem Unterschied, daß Männer die Opfer fiud. Zn der letzten Nacht verwundete der Attentäter 2 Straßenpassanten. Sondeibar ist, daß die Verwundeten erst nach Minuten sich der Wunden bewußt werden, die in allen Fällen von einem sehr scharfen In­strument herriihren müssen. Dieser Umstand hat bisher die Er­greifung des geheimnisvollen Verbrechers erschwert. (Nach einem uns heute stütz zugegangenen Telegramm glaubt man in der Person des Malers Zastrow dem Th'äter auf der Spur zu sein. D. Red.)

Hannover, 5. Dez. Generalfeldwarschall Graf Wald er­ste wird demnächst mit dem Kaiser in Oberschlesien zu- sammeutreffen, wo sie au den Zagdeu bei dem Fürsten Henckel zu Donnersmark tettuehmeu werden.

Hannover, 5. Dez. Die Postverwaltuug stellte einige 100 Arbeitslose ein für den Weihuachtspäckerei- verkehr.

Madrid, 6. Dez. General Weyler teilte in der Kammer mit, daß er mit dem Staude der Armee zufrieden fei, und im Mai n. Z. ein Armeekorps probeweise zu mobilifieren beabsichtige. Der Ministerpräsident erklärte, et sehe keinen Grund zur Demission des Finauzmiuisters.

Kadix, 5. Tez. Znfolge des cke raus stand es find Mannschaften des Heeres und der Marine mit dem Backen von Brot für die städtische Bevölkerung beauftragt worden.

Brünn, 5. Dez. Eine große von 1500 Frauen und Mädchen besuchte Versammlung nahm eine Resolution au, daß alle Deutschen Brünns für die Wiederherstellung einer deut­schen Universität in dieser Stadt wirken sollten.

Lemberg, 5. Dez. Das ruthenische Studenteukomitee fordert die ruthenischen Hörer auf, den angedrohten Austritt aus der Universität bis zum 6. Dezember zu bewerkstelligen. Es wird angenommen, daß 600 Studenten austreteu werden.

Berlin, 5. Dez. Die 7. Abtettung des Reichstages hat gestern abend die Wahl des Abg. Goth ein von der frei­sinnigen Vereinigung geprüft, und da ein Protest von kon­servativer Seite vorgelegen hat, die Wahlakten der Wahl-- prüfungs-Kommission überwiesen. Die Frage der ander-

weiten Regelung der Branntweinsteuer ist unausgesetzt Gegenstand interfraktioneller Besprechungen im Reichstage. Dabei treten immer neue Vorschläge zu Tage. U. a. wirt» ein solcher vorbereitet dahingehend, eine 6 Mk.-L>teuer ein* zuführen für den Brenner, welcher das doppette Quantum als das, welches ihm zukommt, brennt. Wie in parla­mentarischen Kreisen verlautet, hatten in den letzten Tagen die Mitglieder der Reichspartci, die Abg. v. Kardorff unb Gamp, eine Besprechung wegen der Branntweinsteuer mit dem Landwirtschaftsminisler o. Podbielski. In den Wandel­gängen des Reichstages wurde im Anschlüsse an die vor­gestrigen Ausführungen des Reichskanzlers Grafen Bülom erzählt, daß der preußische Landtag sicher am 8. Januar zur neuen Tagung zusammentreten werde.

Münster l W., 5. Dez. Gestern abend 7 Uhr traf bie Königin Wilhelmina von Holland mittelst Extra­zuges in Burgsleinfurt ein, um den Fürsten Bentheim zu besuchen.

Posen, 5. Dez. Die Sammlungen für die wegen der Wreschcner Krawalle Verurteilten haben mehr als 50,000 Mk. ergeben. Ein neuer Aufruf wird vorbereitet. Der Prozeß gegen den polnischen Schriftsteller Rakowski be­ginnt heute.

London, 5. Dez. Aus Pietermaritzburg wird ge­meldet: Eine große Anzahl Buren versucyre die Eisen­bahn-Linie von Natal nach Prätoria zu über­schreiten. Es wird konstatiert, daß unter den eng­lischen Soldaten wieder viele an Unterleibs-, Krankheiten leiden. Diese Krankheilen waren vor einiger Zeit in der Abnahme begriffen, treten aber neuerdings wieder sehr stark auf und erfordern viele Opfer. Ab­teilungen von je zwei Offizieren und vier Mann vom Genie- Korps werden in jede der englischen Kolonien entsandt werden zur topographischen Aufnahme der betreffenden Ge­biete, um eine Wiederholung der Zwischenfälle zu ver­hindern, welche sich in Natal infolge der Unkenntnis des Gebietes während des jetzigen Krieges ereignet haben.

London, 4. Dez. Der Staatssekretär des Innern, Ritchie, hielt gestern in Croydon eine Rede, in der er erklärte: Wir sind keine aggressive Nation, aber eine Nation, welche sich nach friedlichem Handel und Wandel sehnt. Alle Länder werden jetzt die Gewißhett haben, daß sie, falls sie mtt England in Streit geraten, auch mtt den Brüdern jenseits des Meeres zu thun haben.

Madrid, 5. Dez. Ein großer Teil der Polizei ist in der Umgebung des Palastes auf gestellt, um eine Wieder­holung der tumultuösen Demonstrationen, die gestern in der nächsten Nähe des P a l a st e s stattgefunden haben, zu verhindern. Gerüchttveise verlautet, der Polizei­präsident von Madrid beabsichtige infolge der Kundgebungen zu demissionieren.

Wien, 5. Dez. Der slowenische Gemeinderat der Stadt Laibach votierte nnter Entrüstungsrufen gegen die preußischen Richter 200 Kronen für die Opfer aus dem Wreschener Prozeß. Bürgermeister Hribar hielt eine sehr scharfe Rede gegen Preußen.

Lemberg, 5. Dez- Die meisten hiesigen Blätter warnen aufs eindringlichste die polnische Bevölker­ung, sich in diePolitik einzumischen und den polnischen Volksgenossen in Preußen durch weitere Demonstrationen zu schaden. Der hiesige städtische Gefängnis-Direktor; Cricowiez erschoß sich wegen eines heftigen Nerven­leidens.

Sofia, 5. Dez. Gerüchtweise verlautet, daß es nun­mehr dem amerikanischen Konsul gelungen sei, eine direkte Verbindung mit den Entführern der Miß Stone herzu­stellen, und daß wahrscheinlich deren Freilassung binnen kurzem erfolgen dürfte.

Belgrad, 5. Dez. Gestern nachmittag fand eine Pw- test-Versammlung der Bürger statt, die einen Druck auf die Skuptschina ausüben wollen, damit diese die Gesetzes- Vorlage über die Presse und das Vereinswesen in liberalem Sinne abändere, ehe sie ihnen die Zustimmung erteilt.

Reto-Hark, 4. Dez. Einem Telegramm aus Colon zu­folge, ist die Friedenskommission dorthin zurückgekehrt und meldet, sie habe den Führer der Aufständischen, Diaz, ge­sehen, welcher bereit fei, sich zu denselben Bedingungen, wie die Aufständischen in Colon zu ergeben.

Verdingung.

Für die Befesttgnng der Bahn­steige auf Bahnhof Gießen werden ca. 3000 qm Belag aus Cernent- platlen benötigt, deren Lieferung und Verlegung im Wege des öffent­lichen Verdings vergeben werden soll. Die besonderen Bedingungen können gegen gebührenfreie Ein­sendung von 0,50 Ätk. durch die Unterzeichnete bezogen werden.

Unter der Aufschrift:Angebot auf Herstellung des Platlenbelags für die Bahnsteige des Bahnhoss Gießen" sind die Angebote bis -um 20. d. Mts., vorm. 11 Uhr bei der Unterzeichneten verschlossen und gebührenfrei abzuliefern; zu diesem Zeitpunkt findet die Er­öffnung im Beisein etwa erschie­nener Bieter stall. 7907

Zuschlagsfrist 14 Tage.

Hroßh. Yess'. Eisenb.-Betriebs- ______inspektion 1, Gießen.______

Versteigerung.

Freitag den 6. d. Mts., nachmittags von 2 Uhr au, sollen dahier im Lust'schen Saale Neuenweg 28

1. 15 Anzüge, 4 Regulateure,

10 Uhrketteu,

2. 1 Kassenschrank, 1 Schreib­tisch, 2 Vertikows, 1 Sofa, 5 Kleiderschränke, 1 Divan, 1 Tmrneaux, 1 Waschkom­mode u. v. a.

zwangsweise gegen bar versteigert werden.

Die Versteigerung der Anzüge, Uhren und Uhrkellen findet ganz bestimmt statt. 7918

Gießen, 4. Dezember 190L

Seipel, Gerichtsvollzieher.

Der unterm 17. Dezember 1900 gegen den Weißbinder Heinrich Eiseyfeller (Eisen- fäller), geboren am 4. Oktober 1875 zu Hattenrod (Kreis Gießen) erlassene Steckbrief wird hiermit als erledigt zurück­genommen. 3. I. 10 72/00.

Hagen, 4. Dezember 1901. 7958 Kgl. Staatsanwaltschaft.

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