Ausgabe 
6.10.1901 Viertes Blatt
 
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in den Laden gegangen sei, sei das Gas abgestellt worden. Die Verschraubung sei, wie durch einen zuverlässigen Mon­teur festgestellt sei, tadellos vorhanden gewesen.

Apotheker Hahn, der nachts die Wallthorstraße entlang gekommen ist, will den Eindruck gehabt haben, als wenn der Brand durch eine Gasexplosion entstanden wäre. Er hat ebenfalls des, Debus Strumpf brennen sehen und die Flamme dann mit der Hand ausgedrückt; er habe weder Benzin- noch Petroleumgeruch wahrgenommen.

Theodor Haubach bekundet: Debus sei eines Tages zu ihm gekommen, um über eine anzukaufende Mähmaschine zu sprechen und um seinen Besuch zu bitten behufs Abschluß einer Versicherung. Haubach ist dann zu Debus hingegangen und hat die Aufnahme gemacht. H. bestreitet, daß er die Beträge willkürlich ohne Zustimmung des Antragstellers nor­miert habe. Er gestehe zu, daß er sich von den Habselig­keiten des Debus nicht überzeugt hat. Debus habe einen sehr guten Eindruck auf ihn gemacht. Der Mann sei ihm sehr vorsichtig vorgekommen, sehr ängstlich vor Feuer. Er hat gefragt, als er den Antrag unterschrieben, ob er nun versichert sei. H. hat ihm bedeutet, daß die Versicherung erst beginne, wenn die Police von der General-Agentur aus­gestellt sei und wenn er die Prämie dafür entrichtet hätte. Haubach hat ihm auseinandergesetzt, daß cs einige Wochen dauert, ehe die Police der Bürgermeisterei und dem Kreisamt Vorgelegen, daß er ihm aber, sobald er in Besitz des Ver­sicherungs-Vertrages seitens der General-Agentur gelange, dieselbe vorlegen wolle. Er könne dann ja die Prämie an ihn zahlen und dann erst wolle er den Vertrag den Behörden einreichen. Mit der Prämienzahlung sei dann die Versiche­rung perfekt, selbst wenn er noch nicht die Police in Händen habe. Debus hat die Prämie in der Weise bezahlt. Einige Tage danach hat Debus sich in seiner Wohnung erkundigt, ob, da er doch keine Quittung über die gezahlte Prämie in Händen habe, trotzdem im Falle eines Brandes die Gesell­schaft zahle.

Der Zeuge Becker kennt Debus seit längerer Zeit. Am 14. Mai war er in dessen Laden. Eine Nähmaschine hat derselbe damals nicht gehabt. Große Ledervorräte hat der Zeuge nicht bemerkt. Wohl aber hat Becker die große Kiste bemerkt. Debus hat ihm mitgeteilt, es seien Schuhe in der­selben. Zeuge bemerkt, daß der Vater des Debus ein nicht unbemittelter Bauer sei.

Die Zeugin Wittwe Magen wohnt im Buchackerschen Hause. Sie sagt aus, daß es am Abend des 14. Mai im Hause merkwürdig gerochen hat, es war rauchig. Sie traut dem D. nicht zu, daß er den Brand verursacht hat. Später, als alles vorbei war, hat sie Debus zu einer Tasse Kaffee geladen. Debus hat beim Kaffeetrinken gejammert und ge­klagt, daß seine Ersparnisse hin seien; er habe zwar versichert, sei aber noch nicht im Besitz der Polize und da nütze ihm die Versicherung nicht. Sie hat dem Debus Schuhe abkaufen wollen, er hat ihr aber Nichts Paffendes vorlegen können, weil sie nur billige Ware haben wollte. Er hat erklärt, auf die Kasten in den Regalen zeigend, das seien nur bessere Sachen. Frau Buchacker habe noch um 9 Uhr abends Feuer auf dem Herd in der Küche gehabt. Die Feuerungsanlagen seien gefährlich, darum glaubt die Zeugin, das Feuer sei vielleicht durch Unachtsamkeit entstanden.

Interessant ist die Bekundung des Zeugen Rudolf Buch­ackers dessen Ehefrau Besitzerin des Hauses ist. Gegen 3 Uhr habe es einen heftigen Knall gegeben, er habe sich aus dem Bett erhoben und sei herunter gegangen, da habe Debus ihm gesagt, das Feuer sei aus seiner (be§ D.) Küche gekommen, gegen sein Bett geschlagen und dieses entzündet. Als D. wach geworden, habe er die brennende Bettdecke auf die große Kiste geworfen, wodurch diese in Brand geraten jei. Der Zeuge giebt zu, daß seine Frau gegen 9 Uhr noch Essen gewärmt hat, und daß in der Küche in einer Kiste Asche aufbewahrt worden sei. Rechtsanwalt Leun fragt Herrn Buchacker, ob er nach dem Brande eine Fabel erzählt habe, von dem Kinde, das der Mutter gesagt habe, es habe im Walde den Wolf gesehen, der es fressen wollte, die Mutter aber habe von dem Tier nichts gesehen, und darum auf die Erzählung des Kindes nicht geachtet, bis eines Tages das Kind wirklich vom Wolf gefressen worden sei. Genau so, das giebt Buchacker zu, sei es in seinem Hause gewesen, dessen Bewhner ihm vom Rauch rc. erzählt hätten, bis er deren Erzählung keine Bedeutung mehr beigelegt, sich auch nicht der Mühe unterzogen hat, nachzusehen, ob alles in Ordnung sei. Er erklärt weiter, daß kurz vor und auch nach dem Brande bei Debus ohne Erfolg gepfändet sei, und daß in seinem Keller sich nach dem Brande ein Eimer mit Petro­leum gefunden habe.

Schuhfabrikant Cutta aus Offenbach deponiert, der Angeklagte war ftüher bei ihm beschäftigt, derselbe sei ein zuverlässiger, braver und tüchtiger Arbeiter gewesen. Es sei ausgeschlossen, daß der Angeklagte sich Leder-Zement oder Benzin in größerer Menge in seiner Fabrik widerrechtlich habe aneignen können. Kartonagenfabrikant Ritterband- Offenbach bekundet, er habe dem Angeklagten 320 leere Kartons verkauft. Debus habe die Bestellung persönlich ge­macht, und die Ware mit 20 Mk. vorher bezahlt. Schuh­machermeister Protz -Daubringen bekundet, daß der Ange­klagte zweimal bei ihm als Geselle gearbeitet hat. In diesem Jahre kam Debus eines Abends zu ihm, er hat bei ihm gegessen und logiert. Als er am andern Morgen wegging, hat der Sohn des Zeugen bemerkt, daß der Besuch, der am Abend ohne etwas gekommen war, ein Päckchen unter dem Arm hatte, in dem er vier Würste und eine halbe Speckseite fand. Dann wurde die Beweisaufnahme abgebrochen, um heute vormittag fortgesetzt zu werden._______________________________

Aus Stadt und Sand.

Nachrichten von allgemeinem Interesse sind uns stets willlommen und werden angemeffcn honoriert.

Gießen, den 5. Oktober.

* * Das Grohh. Regierungs blatt Nr. 62, aus- gegeben am 3. Okt. d. I., enthält: Bekanntmachung, landes- rechtttche Anordnungen zur Durchführung des Reichsgesetzes Verkehr mit Wein, weinhaltigen und weinähn- lrchen Getränken vom 24. Mai 1901 betreffend.

Grund § 3 AbM 1 Nr. 3 und Absatz 3, sowie des § 10 Absatz« 1 des Gesetzes, betreffend den Verkehr mit Wern, weinhaltigen und wernähnlichen Getränken, vom 24. Mar 1901 (RerchDgesetzblatt Seite 175) wird hiermit das Folgende bestimmt:

Zur Entgegennahme der nach § 3 Absatz 1 Nr. 3 des Gesetzes erforderlichen Anmeldung derjenigen Be­triebe, in welchen getrocknete Früchte oder eingedickte Moststoffe bei der Herstellung von Dessertweinen aus­ländischen Ursprungs verwendet werden, ist das Kreis­amt zuständig, in dessen Dienstbezirk der anzumeldende Betrieb seinen Sitz hat. . -

Darmstadt, den 30. September 1901.

Großh. Ministerium des Innern. Rothe.

* * Das Ehrenzeichen für Mitglieder frei­williger Feuerwehren wurde verliehen dem Mit- gliede der freiwilligen Feuerwehr zu Wimpfen a. B. Adam Klaus.

* * Ernennungen. Ernannt wurden der Amts­gerichtsdiener bei dem Amtsgericht Gründ crg Richard Herrmann zum Amtsgerichtsdicner beim Amtsgericht Langen, der Militäranwärter Johannes Püllmann in Harburg zum Amtsgerichtsdiener bei dem Amtsgericht Grimberg, der Militäranwärter Ernst Karl Georg Friedrich Kliffmüller in Lollar zum Amtsgerichlsdiencr bei dem Amtsgericht Nieder-Olm und der Militäranwärter Georg A p p e l in Darmstadt zum Hilfsdiener bei dem Amtsgericht Darmstadt II. l::;. .... <

* * Aus demTheaterbureau. Als erste Sonntags- Vorstellung der Saison geht heute das beliebte Berg- Jacobsonsche Volksstück mit GesangDas Mädel ohne Geld" in Szene.

* * Alice-Schule. Am 11. Oktober beginnt, wie be­reits im Inseratenteile angekündigt wurde, das Winter­semester der Alice-Schule. Was in derselben geledrt und geleistet wird', gelernt werden kann, davon kann sich jeder­mann, der Interesse daran nimmt, überzeugen. Heute möchten wir nur an dieser Stelle darauf aufmerksam machen, daß eine wichtige Umänderung für die in der Schule auszubildenden Handarbeitslehrerinnen bevorsteht. Seither genügte eine, vor dem Vorstande der Anstalt ab- aehaltene Prüftrng durch die Oberlehrerin, den Betreffen­den, mit dem Reifezeugnis zugleich, die Berechtigung zur Anstellung als Handarbeitslehrerin im Großherzogtum Hessen zuzuerkennen. Jetzt plant man und zweifellos wird es auch so werden, und nicht zum Schwaden der Sache selber die Zusammensetzung einer Prüfungskommission für jede Provinz, vor welcher die Bewerberinnen, welche auf Anstellung reflektteren, ihr Examen machen müssen. Es wäre also mit diesem bevorstehenden Wintersemester der letzte Kursus für Handarbeitslehrerinnen, an dessen Schluß, vor dem Vorstände der Alice-Schule durch die Overlehrerin allein die Prüfung vorgenommen wird. Vom 1. April 1902 an tritt dann die neue Verordnung in Kraft. Selbstver­ständlich^ haben alle vor diesem Termine ih der seither üblichen Art gemachte Examen volle Giltigkeit.

* * Die polizeilichen Ermittelungen haben ergeben, daß der imGieß. Anz." vom 2. d. M. erwähnte Rohheitsfall (Steinwerfen auf mit Personen besetzte Wagen am Schiffenbergerweg) von vier Stadtschülern begangen wurde,' die zur Anzeige gebracht worden sind.

* * Programm für das Sonntags-Prome- naden-Konzert. Ouvertüre z. Optte.Das Modell" v. Suppee; Ständchen v. Herfurth; Wälzer a- d. Optte. Frau Luna" v. Linke; Marsch und Finale a. d- Op.Aida" v. Verdi.

* * Der Zirkus Althoff hat gestern abend seine sehr gut besuchte Eröffnungs-Vorstellung gegeben und reichen Beifall geerntet. Namentlich die Pferdedressur und die Parforcereiterin Frl. Werner haben Aufsehen erregt und viel Spaß hat dersingende Esel" des Klowns Fredy ge­macht. Es ist anzunehmen, daß die weiteren Vorstellungen aus der Bevölkerung aus Stadt und Land regen Zulauf finden werden.

-t. Die Idee der allgemeinen Volksschule scheint sich immer mehr Bahn zu brechen. So wird der Allg. Deutsch Lehrerzeitung" aus Wiesbaden geschrieben: Gegen Vorschulen erklärte sich der Allgemeine deutsche Verein für Schulgesundheitspflege auf seiner kürzlich, hier abaehaltenen Versammlung. Wenn auch kein förmlicher Be- Mutz gegen dieselben gefaßt wurde,' so waren doch die Redner einig in der Verurteilung derselben, aber auch, einig in der Wertschätzung der Volksschule. Die Vorschulen seien ein überflüssiges Uebel überflüssig, weil die Volks­schulen so gut seien, daß man ihrer nicht bedarf, ein Uebel, weil sie den vielen Unterrichtsstoff in zu kurzer Zeit be­wältigen wollen und daher'oft zu Drillanstalten werden.,

** Wildes Rößl. Gestern mittag ging einem Großen- lindener Oekonomen das Pferd mit Wagen auf dem Selters­weg durch, rannte gegen einen auf der Straße stehenden Karren mit Flaschenbier und setzte dann seine wilde Jagd bis zum Seltersthor fort, wo es zum Stehen gebracht wurde. Der Karren wurde beschädigt, während das Pferd mit heiler Haut davon kam.

W. Geilshausen, 4. Okt- Ein Ereignis ist heute hier vorgekommen, das niemand erwartet hätte: Die heute vorgenommene Gemeinderatswahl hatte das Ergeb­nis, daß sämtliche aufgestellte drei Kandidaten ein­stimmig mit je 53 Stimmen gewählt wurden. Ueber 50 Prozent der Wähler machten von ihrem Wahlrecht Gebrauchs Von den zwei Parteien von der Bürgermeisterwahl her hat sich freilich die eine zum weitaus größten Teil der Wahl enthalten. Jedoch ist dies insofern mit Freuden zu be­grüßen, als dadurch ein unnützer Wahlkampf unserer Ge­meinde erspart blieb. Das Ergebnis der Wahl ist die Frucht des klugen und besonnenen Vorgehens sowohl der Kreis- behörde als auch der hiesigen Gemeindebehörde.

Vermischtes.

* Ber lin, 4. Okt. Bei der Obduktion der Leiche des Geldverleihers Lo e f f l e r, die gestern nachmittag statt­gefunden hat, tonnte die Todesursache zunächst nicht fest- gestellt werden. Tas Ergebnis läßt die Frage offen, ob Vergiftung durch Selbstmord oder durch eine fremde Per­son stattgefunden hat. Magenteile sollen einem Gerichts" chemiker zur Untersuchung übergeben werden.

* Könitz, 4. Okt. Der wegen Meineids verurteilte Moritz Lewy hat im Zuchthause zu .Graudcnz angeblich Zeichen von Unzurechnungsfähigkeiteti von sich gegeben, weshalb er nach der Provinzial-Irren an statt zu Konradstein zur Beobachtung seines geistigen Zustandes überführt worden sein soll. Gegen den Rechtsanwalt Sonn en selb, der die Verteidigung im Prozeß Lewy führte, ist Anklage wegen Beleidigung des Ersten Staatsanwaltes in Könitz erhoben worden. In einer Ver­sammlung hatte der Rechtsanwalt das Verhalten des Staatsanwalts illoyal genannt.

* N e a p e l, 4. Okt. Der Zustand aller Pest kranken im Lazarett von Nisida hat sich erheblich gebessert, die 133 isolierten Personen befinden sich ganz wohl. Die Desinfizierung des Freihafens wird energisch fortgesetzt. Baumwollballen, worin tote Ratten gefunden wurden, sind

verbrannt worden. Auch aus Rom werden zwei verdächtige Fälle gemeldet, doch'stellte es sich heraus, daß hrer durchaus keine verdächtigen Erkrankungen vorlagen.

* Brest, 4. Okt. Aus einem in voller Fahrt besind- lichen Eisenbahnzuge stürzte sich ein 13jähriger Knabe auf das Nebenbahngeleise, wo er von einem kurz darauf heranbrausenden Zuae vollständig zermalmt wurde. Die Ursache des Selbstmordes ist unbekannt.

* Eine Soldatentragödie in Ungarn. Die ungarische Stadt Stuhlweißenburg war der Schauplatz eines urchtbaren Dramas, dem zwei Menschenleben zum Opfer ielen Tas dortige 69. Regiment rückte zum Schtuß einer lebung in die Stadt ein, als plötzlich ein Schuß ertönte. Zugleich sah man, wie der Oberleutnant Wilhelm Gis- i n g ihn hatte die Kugel getroffen zu Boden a n k. Ter Attentäter war der Infanterist Josef Teiger. Er hatte die That im Wahnsinn begangen und floh nun, von einigen Soldaten und der Menge verfolgt, in ein Haus, aus dessen Tach man ihn bald erblickte. Der Sta- tionskommandant sah ein, daß von dem Soldaten aus, der die Waffe noch immer in der Hand trug, eine neue Gefahr drohe. So gab er denn, als einziges Mittel, den Wahnsinnigen unschädlich zu machen, Befehl, aus ihn zu chießen, und schon im nächsten Moment hatte auch den Attentäter die tätliche Kugel getroffen. Beide Opfer der urchtbaren Tragödie der Oberleutnant sowohl wie sein Untergebener liegen im Sterben.

Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft. Märkte.

Gießen, 5. Oktober. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochemnarkt kosteten: Butter pr. Pfund 1,151,30 Mk., Hühner­eier pr. Stück 0 Pfg., 2 Stück 1315 Psg., Käse pr. Stück 58 Psg^ Käsematte 2 Stück 58 Pfg., Erbsen pr. Liter 22 Pfg., Lmsen per Liter 34 Pfg., Tauben pr. Paar 0,751,00 Mk., Hühner pr. Stück 1,201,50 Mk., Hahnen pr. Stück 0,701,20 Mk., Enten pr. Stück 0,000,00 Mk., Gänse pr. Pfd. 6065 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfund 6676 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 6064 Pfg., Schweine­fleisch pr. Pfund 6480 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 84 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 6066 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 5070 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 3,o04,50 Mk., Weißkraut per Stück 1425 Pfg., Zwiebeln pr. ZenMer 7,508,00 M., Milch per Liter 18 Pfg. Aepfel per Pfd. 1014 Pfg., in Körben 1215 Pfg. Trauben 3550 Pfg., Tomaten per Pfd. 1820 Pfg.

Dauer der Marktzeit von morgens 8 Uhr bis nachmittags 2 Uhr, während der ersten drei Stunden der Marktzeit darf nicht im Umherziehen feilgeboten werden.

Vallendar a. Rh., 4. Okt. Der SanierungsVorschlag ist an dem Widerspruch der Boeingruppe gescheitert. Die nament­liche Abstimmung ergiebt nicht die erforderliche Dreiviertel- Majorität.

Vallendar a. Rh.. 4. Okt. In der auserordentlichen .Ge­neralversammlung der Fabrik feuerfester und säurefester Produkte waren 3848 Aktien mit 3848Stimmen vettreten. Nach langer Debatte wurde die Beschlußfassung über die angebotenen Vergleiche mit dem früheren Aufsichtsrat einstweilen ausgesetzt. Die Debatte über Punkt 2 der Tagesordnung, bett. Vergleichsverhand- lungen mit dem früheren Vorstand, wurde ergebnislos geschlossen. Punkt 3, bett. Genehmigung der Bilanz und Erteilung der Decharge an den Aufsichtsrat und den Vorstand, wurde vertagt. In der um 3 Uhr nach einer Mittagspause wieder aufgenommenen Ver­handlung entwickelt sich eine äußerst lebhafte Debatte über die Sanierung der Gesellschaft, da der ehemalige Direkwr Boeing sich weigert, der Herabsetzung des Grundkapitals und der Herausgabe der Prioritätsaktien zuzustimmen. Boeing ist für die Ausgabe der Obligationen* der jetzigen Verwaltung würde er überhaupt nichts bewilligen. Boeing wird von den Akttonären aufs schärfste an­gegriffen, da er den Konkurs der Gesellschaft erzwingen wolle. Hierauf tritt eine Pause ein.

Kan-wirtschaft.

Frankfurt a. M., 4. Oktbx. Am Montag den 7. Oktober werden von vormittags 10 Uhr ab auf dem Fruchtmarkt im Börfen- gebäude hier, von 2 Uhr nachmittags ab im RestaurantTaunus", oberer Saal, Große Bockenheimersttaße 8, Proben der vom Hess. Landwirtschaftsrat prämiierten und zur Beschickung der Deutschen Gersten- und Hopsenausstellung in Berlin ausgewählten Br a u- gerftcn öffentlich ausgestellt. Interessenten sind zur Besichtigung höflichst eingeladen.

Krieskasten der Redaktion.

Herr L. G. Sie wollen sich betreffs Ihres Wunsches an Herrn Pfarrer Schrimpf (Redakt. derBiene") in Butzbach wenden.

Neueste Meldungen.

Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.

Darmstadt, 5. Oktbr. Der Bankier Hermann Marx wurde vom Schwurgericht zu 5 Zähren, sein Bruder Max zu 3 Jahren und 6 Monaten Gefängnis verurteilt, unter Annahme mildernder Umstände, sowie Anrechnung der 9 Monaten Unter­suchungshaft, und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte ctuf fünf Jahre. Beide nahmen die Strafe an.

London, 5. Okt. DieTimes" melden aus Konstan­tinopel: Die an die Pforte betr. die Loando-Augelegen- heit gerichtete Note ist gestern abgegangen.

Fiume, 5. Okt. Der DampferRembrandt" mit 900 Pferden ist hier eingetroffen und geht nach Südafrika.

Konstantinopel, 5. Okt. Der deutsche Botschafter, Frhr. v. Marschall, speiste gestern Mittag im Bildizpalast und suchte den Sultan zu bewegen, Maßregeln zu treffen, um der traurigen Laße in den Provinzen ein Ende zu machen. Der Sultan hat befohlen, alleTheater-Vorstellungeu und sonstigen Vergnügungen zu untersagen, die Volksversammlungen auf offener Straße »er- anlassen.

Berlin, 5. Okt. Aus verschmähter Liebe brachte ein 21 Jahre alter Arbeiter heute früh seiner 40 jährigen Wirtin einen Revolverschuh in den Unterleib sowie einen Messer­stich in den Arm bei, dann verwundete er sich selbst durch mehrere Schüsse in die Brustz. Beide sind schwer verletzt.

Madrid, 5. Okt. Das Gerücht bezüglich der bevor­stehenden Erhebung der Karlisten bestätigt sich. Eine Pro­klamation des Prätendenten wurde in Barcelona in zahl­reichen Exemvlaren verbreitet. In Gijon bei Luganos stießen zwei Eisenbahnzüge zusammen, (rin Maschinist uno ein Heizer wurden getötet. t

Breslau, 5. Okt. Heute früh stürzte, derSaftes. Ztg. "zufolge, in der Alsenshraße ein Bauschacht ein uno begrub 3 Arbeiter, 2 davon sind tot

Mannheim, 5. Okt. Tas Ergebn^ der geftriaen badischen Landtagswahlen ist nach der. "Neuen badischen Landeszeitung" folgendes: Die Nationalliberalen gewannen zwei Mandate in Karlsruhe und ein ^jnbat_in Sonad^ Land, verlieren aber Pforzheim-Land; das Zentrum ge­winnt nichts und verliert nichts; die^Sozialdemokraten gewinnen Pforzheim-Land, verlieren aber zwei Mandate in der Residenz; die Demokraten gewinnen wahrscheinlich Turlach-Land und verlieren aber die Mandate in Karlsruhe; die Freisinnigen gewinnen ein Mandat in Karlsruhe, ver­lieren aber Lörrach-Land;, die.Antisemiten gewinnen nichts