Ausgabe 
6.10.1901 Viertes Blatt
 
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Nr. 235

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Die Siebener Familien- blätter werden dem An­zeiger im Wechsel mit dem »Hess. Landwirt" und den ^Blättern für hessische Volkskunde" viermal wöchentlich bei­gelegt.

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Zweites Matt.

151. Jahrgang.

Sonntag 6. Oktober 1901

GietzenekAnzeiaer

w General-Anzeiger v

Mtz-und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

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Politische Tagesschau.

Der gestörte Frauenkongreß.

Das Depeschenbureau Herold meldet uns aus Berlin vom 4. d. M.: Nachdem die Mhaltung der gestrigen Nach- nnttags-Verscunmlung des Frauen-Kongresses im Reichs­tage infolge einer polizeilichen Anordnung unmöglich ge­macht worden ist, wurde auch die heutige Sitzung, die rm Jndurstie-Gebäude stattfinden sollte, von der Behörde untersagt, weil bei der Anmeldung jdieser Versammlung ein Formfehler begangen wurde.

Selbstverständlich steht baä Berliner Polizei-Präsidium hier durchaus auf dem Boden des Gesetzes. Aber man fragt sich doch ov eS nicht möglich gewesen wäre, in diesem,Falle es nicht gar so genau zu nehmen. Daß das behördliche Vorgehen Verstimmung bei den Teilnehmern des Kongrcssses hervorgerufen hat, ist zweifellos. Zu Mon­tag ist bereits eine öffentliche Versammlung einberufen mit dem Thema:Die Polizei und die Frauen". Hinblick auf die recht nützlichen und zeitgemäßen Fragen, Mit denen sich der Kongreß beschäftigt, koirnte man ihm alle Forderung wünschen. Wir meinen schließlich, daß Berliit als Kougreßschdt fürs' erste nicht sobald in Vor­schlag kommen wird, trotz aller sonstigen Reize, die es bietet.

Eine Kundgebung deutscher Philologen.

Unter dem Schatten des alle Welt in Atem haltenden südafrikanischen Dramas stand die letzte Sitzung des Deutschen Schulmänner- und Philologentages" in Straß­burg i. E. Der Direktor der deutschen Schule in Johannes­burg, Dr. Weidner, schilderte in beredten Worten, wie die hoch angesehene und von der Transvaal-Regierung früher lebhaft unterstützte Schale durch den Krieg so schwer ge­troffen sei, daß sie zu Grunde zu gehet: droht, wenn nicht aus der Heimat Hilfe komme. Dr. Weidner schloß seinen Vortrag mit den Morten:Helfen Sie, die deutsche Schule erhalten! Der Dank nicht nur der Kolonie, sondern oes ganzen Vaterlandes ist Ahnen sicher!" Die Versamm- ung nahm den Appell mit stürmischem, anhaltendem Bei- all aus, der sich wiederholte, als der Vorsitzende, Prof.

Dr. Schwarz, die finanzielle Unterstützung der bedrohten Johannesburger Schule zusagte. Galt die Sympathiekund­gebung der g elehrten. Herren auch unmittelbar der be­drängten Pflegestätte deutschen Wesens und Wissens, so betraf sie doch gleichzeitig die stammverwandten Frei- heitstämpser in Südafrika, die ja die deutsche Schale wie ihre eigene hegten, bis die Gewaltpolitik Englands sie zu den Waffen rief. Die deutschen Philologen und Schul­männer haben in Straßhurg gezeigt, daß sie von der stillen Studierstube aus die Begebenheiten in der Welt oa draußen wohl beachten und zu werkthätiger Hilfe für die zu Unrecht Mißhandelten und Unterdrückten ohne Verzug bereit sind.

Deutsches Reich.

Berlin, 4. Ot't. Sicherem Vernehmen nach wird der Kaiser Montag, den 7. ds., von Rominten kommend, in Lang fuhr zum Besuch der Offiziere der Leibhusaren- Brigade eintreffen. Tie'Weiterfahrt nach Berlin erfolgt abends halb elf Uhr, so daß der Kaiser am Dienstag früh wieder in Berlin sein würde.

Ter russische Landrat v. Wilkvwischki ist mit seiner Tochter auf Sonntag vom Kaiser Wilhelm nachj Rominten geladen worden. Dieser Besuch dürfte mit den Vorgängen in Wystyten Zusammenhängen.

München, 4. Okt. Kammer derAb geordneten- In fortgesetzter Besprechung der Interpellation über die Stellung der Regierung zum Zolltarifentwurf erklärt Segitz Namens der Sozialdemokraten, seine Partei werde alles daran setzen, den Entwurf zu Fall zu bringen. Staats­minister Tr. Graf v. Crailsheim legt dar, daß eL die Pflicht der Regierung sei, die Interessen der Landwirte und der Industrie gemeinsam zu vertreten; die Landwirt­schaft solle einen höheren Zollschutz erhalten, zugleich aber müßten die Interessen der Konsumenten und der Export­industrie berücksichtigt werden. Tas gesamte Staatsleben sei mit dem Gedeihen der Industrie eng verknüpft. Zur Zeit industrieller Krisen sei das Staatsbudget schwer auf­zustellen; zur Zeit landwirtschaftlicher Krisen seien die Staatskassen dagegen voll gewesen, sodaß der Landwirt­schaft geholfen werden könnte. Tie Zolserhöhung auf Ge- träde komme gerade auch den kleinen Landwirten zu gute; keineswegs habe eine solche Zollerhöhung sowie eine Er­höhung der Getreideprcise ein analoges Steigen der Brot­preise zur Folge. Unter der bisherigen Handelspolitik habe sich die Lebenshaltung der Arbeiter gehoben; dagegen wür­den die Arbeiter am schwersten leiden, wenn die Landwirt­schaft zu Grunde gehe.

Ausland.

Kopenhagen, 4. Okt. Einem hiesigen Blatte ist die Nach­richt zugegangen, König Eduard sei an einem unheil­baren Leiden erkrankt. (Von anderer Seite wird ge­meldet, der König von England leide zurzeit an rheumatischen Lendenschmerzen. D. Red.)

Budapest, 4. Okt. Bisher sind 397 Mandate besetzt. In 249 Bezirken siegten die Liberalen, in 19 die Volks­partei, in 70 die Kossuthpartei, in 9 die Ugronfraktion, in 11 außerhalb der Parteien stehende Kandidaten und 1 Demo­krat. Die Niederlage Koloman Tiszas wird von der Oppo­sition mit Jubel begrüßt, während die liberale Presse ver­langt, daß diese Scharte rasch ausgewetzt werde. Nach neueren Meldungen hat die Gendarmerie in Pmczehely etwa zwanzigmal geschossen. Bisher sind elf Personen todt

und 17 verwundet. In Neupest herrscht infolge der Wahl große Auftegung unter den oppositionellen Wählern, die be­sonders gegen einen katholischen Pfarrer Kundgebungen ver­anstalteten. Ein Lehrling gab auf den Pfarrer einen Schuß ab.

Vom Burenkriege.

Tas Londoner BlattDaily Chvonicle" teilt mit, die Regierung sei überzeugt, daß die Buren ihren letzten Ver- zweislungskampf kämpften und unmittelbar mit über­raschender Plötzlichkeit zusammenbrechen würden, und habe deshalb beschlossen, keine weiteren Verstärkungen nach Südafrika zu senden. Die Regierung wolle darnach nur die nötigen Ersatzkontingente" für Verluste absenden. Wenn sich die englische Regierung nur nicht täuscht! Es besteht wohl gar kein Zweifel, daß derartige offiziöse Zeitungsausschreiungen nichts weiter bedeuten, als einen lächerlichen Beschwichtigungsrummel, dem aber das eng­lische Publikum selber keinen besonderen Wert mehr ber- mißt. In einem offenbar aus transvaalischen Regierungs­kreisen stammenden Briefe an den PariserMatin" wird die Lage in Südafrika folgendermaßen dargestellt: Ter Krieg wird seit Beginn der schönen Jahreszeit kraftvoller als je geführt. Die Kämpfer der Republiken waren nie zahlreicher und entschlossener, sie hatten nie größeres Vertrauen in den Sieg. In Transvaal stehen 15000, im Oranje-Freistatt 12 000 Kämpfer in Mafien. Sie sind reichlich mit allem versehen, Nahrung bietet das Land, für Waffen und Schießbedarf sorgen die abgefangenen englischen Bahnzüge und Kriegsgefangenen. In der Kapkolonie wird der Aufstand allgemein. Seit Paardeberg haben die Buren keine einzige emfte Schlappe erlitten, dagegen dem Feinde häufig vernichtende Nieder­lagen bereitet. Europa mag sich auf uns verlassen, wir werden Sieger bleiben! Dieses Schreiben mag ja wohl den.Mund etwas zu voll nehmen, aber die Siegeszuversicht allein schon ist für den kleinen bedrängten Volksstamm immerhin eine ganz respektable Waffe.

Eine Meldung des Reuter'schen Bureaus lautet: Schee- pers wandte sich nach dem Süden und'geht jetzt in der Richtung nach Ripersdale vor. Scheepers selbst ist krank, und wird in einem Wagen gefahren, der den Briten, die ihn verfolgten, beinahe (!) in die Hände gefallen wäre. Tie Briten wurden jedoch mit einem kräftigen Feuer empfangen, es wurden aufiihrer Seite ein Offizier und zwei Mann getötet, zwei Mann verwundet. Smuts, dem sich das von Cradock kommende kleine Kom­mando Bothas anaeschlossen hat, geht eiligst nach dem Süden vor und beabsichtigt wahrscheinlich, sich mit Scheepers zu vereinigen. Die Kommandos von Calvini rücken fortgesetzt südwärts vor.

Wie man in französischen unterrichteten Kreisen an­nimmt, wird Präsident Krüger, wenn er dem Rate der Aerzte und seiner Freunde Folge geben und den Winter« in Nizza oder an einem änderen Punkte im Süden zu­bringen sollte, nicht über Paris fahren oder doch dort keinen irgendwie verlängerten Aufenthalt nehmen. Krüger sandte übrigens dem Abg. Girou, den Präsidenten des Komitees der Burensreunde des 14. Pariser Stadtbezirks, ein Schreiben, worin er für das ihm seitens der Ar­beiter dieses Bezirks gemachte Geschenk, bestehend aus einem prachtvollen Schwert, seinen Tank ausspricht.

Schwurgericht.

m. Gießen, 3. Oktober.

Nach umfänglicher Beweisaufnahme beantragt der Ver­treter der Staatsanwaltschaft Dr. Hetzel gegen den Ange­klagten, den Dienstknecht Ludwig Böckner aus Maulbach, die Verurteilung wegen wissentlichen Meineides. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Römheld legt die Frage auf fahrlässigen Meineid vor. Die Geschworenen verneinen schließlich die Frage auf wissentlichen Meineid und erkennen auf fahr­lässigen Falscheid. Das Urteil des Gerichts lautet in­folgedessen auf 9 Monate Gefängnis unter Anrechnung eines Monats der Untersuchungshaft.

dl Gieß en, 5. Oktober.

Gestern wurde nnter großem Andrange von Zuhörern in die Perhandlung gegen den 26 Jahre alten unbestraften Schuhmacher Johann Debus, geboren zu Damm bei Mar­burg wohnhaft in Gießen, wegen Brandstiftung verhan- delt. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Reuß, die Ver­teidigung Rechtsanwalt Leun. Es sind 40 Zeugen zu hören. Der seit Anfang dieses Jahres in Gießen ansässige Angeklagte hatte anfänglich in der Neustadt 14 einenLaden inne. Er zog am 15. April d. I. nach dem Hause Wallthorstraße 18, wo er einen Laden mit einer Stube für 500 Wik. Jahresmiete ge­mietet hatte. Der Angeklagte will die Absicht gehabt haben, sich bald zu verheiraten, als er nach der Wallthorstraße umzog. Er giebt an, daß er Schäftefabrikation, sowie die Herstellung von besseren Schuhivaren habe . betreiben wollen. In der Nacht vom 14. auf 15. Mai d. I. morgens nach 3 Uhr brach in den Räumen, die er inne hatte, Feuer aus. Hausbe­wohner,Nachbarn sowiePassanten derStraße hörten einen heftigen Knall im Hause, nahmen wahr, wie gleichzeitig mjt der Explosion die beiden Flügel des Fensterladens der Debus'schen Wohn­stube, die neben dem Laden liegt, aufflogen und wie aus dem Fenster plötzlich eine gewaltige Flamme bis in die oberen Stockwerke des Hauses emporloderte. In der Wohnung brannten Regale an der Wand, und die Zeugen wollen an der Wand viele nicht zusammenhängende Flämmche wcchr- genommen haben, so daß die Anklage annimmt, - die Tapeten vor Ausbruch des Feuers mit einer leicht brenn­

baren Flüssigkeit getränkt gewesen sein müssen. Auf einem Tische soll eine Blechkanne gestanden haben, aus der die Zeugen eine große bläuliche Flamme haben schlagen sehen. Als die Personen, die den Brand von der Straße aus wahr­genommen hatten, kurze Zeit nach dem Ausbruch des Feuers die Wohnstube des Debus betraten, vermißten sie die Kanne auf ihrem früheren Standort und fragten danach, worauf sie Debus unter dem Ladentisch hervorgeholt haben soll. Gleich­zeitig soll es auch im Laden gebrannt haben. Die Staats­behörde ist der Ansicht, daß es sich um vollendete Brand­stiftung handelt. Des Debus gesamte Habe soll keine 500 Mk. Wert gehabt haben. Im Laden standen etiva 300 leere Pappschachteln, wie sie zum Verpacken von Schuhen ver­wendet werden, als Dekoration fein säuberlich in Reih und Glied. Debus soll mehrfach geäußert haben, er habe für 2000 Wk, Schuhe gekauft. Beim Vertreter der Leipziger Feuerversicherung, Haubach, aber hat er einen Versicherungs- Antrag gestellt, wonach seine Warenvorräte mit 2500 Mk., seine Ledervorräte mit 600 Mk., eine Nähmaschine mit 130 Mk., Mobiliar mit 500 Mk. u. a. m. im Ganzen für 4000 Mk. versichert werden sollte. Am 1. Mai traf die Poliee ein, und da Debus Herrn Haubach mit der Ver­sicherung sehr drängte, gab ihm dieser den Rat, er solle die Prämie mit Nebenkosten bezahlen, ehe er das Dokument an die Bürgermeisterei und dem Kreisamt zum Zwecke der Vi­sierung abgebe, welcher Rat auch vom Angeklagten befolgt wurde. Auffällig ist es, daß der Angeklagte vor dem Brande zweimal bei Herrn Haubach sich erkundigte, ob er auch wirklich versichert sei.

Debus erklärt, er sei nicht schuldig und gibt an, am 14. Mai habe er und andere Hausbewohner im Buchacker- schen Hause Rauch wahrgenommen; ihm sei es so vor­gekommen, als wenn es nach Gas rieche. Als er plötzlich nachts erwachte, habe er auf dem Boden gelegen, sein Kopf sei ihm warm gewesen, ja der Bart war schon angesenkt. Das Zimmer, in dem er geschlafen, habe in Flammen gestanden und er sei der Ansicht, das Feuer sei aus der hinter seinem Wohnzimmer gelegenen Küche des Buchacker, die von diesem nur durch eine Holzwand getrennt ist, gekommen. Den Knall erklärt der Angeklagte durch ein in Brand geratenes Quantum Leder-Zement, das in der Blechkanne enthalten gewesen sein soll. Als $r bestürzt aufgesprungen sei, habe sein Bettsack gebrannt und er habe ihn brennend nach dem Laden ge- geschafft. Es sei auch möglich, daß Celluloid-Einlegsohlen in Brand geraten seien. Er bestreitet, Benzin im Hause ge­habt und besonders auch, die Wände etwa mit Petroleum oder Benzin besprengt zu haben, giebt aber zu, daß er zu hoch versichert hat und erklärt das Zustandekommen der einzelnen Posten im Versicherungsantrag in der Weise, daß Haubach die Beträge in ihrer Höhe normiert hat. Er will für einige Hundert Mark fertige Ware und Lederoorräte be­sessen haben, die er in Frankfurt a. M. gegen Kaffe gekauft haben will. Der Brandschaden sei auf 200 Mk. von der Leipziger Versicherung geschätzt, aber bisher noch nicht reguliert. Er gesteht zu, daß er bei seiner Verhaftung nur über 3 Mk. in baar verfügt hat und etwa 30 Mk. Ausstände vorhanden waren.

Landgerichtsrat Prätorius, der als Untersuchungs­richter fungiert hat, erklärt, er habe drei Mal die Brandstelle besichtigt, und es sei für ihn nicht zweifelhaft, daß man es mit Brandstiftung zu thun hat. Er habe in der Küche an der Trennungswand keine Brandspuren entdecken können, während die Wandseite nach der Debus'schen Wohnung solche aufwies. Ebenso haben die Tapetenwände der Wohnung des Angeklagten Brandflecken. Auffällig war die in der Wohn­stube vorhandene hohe Kiste, die äußerlich und im Innern Spuren des Feuers aufweist. In der Kiste lagen verkohlte Papierschuitzel. Er sei der Ansicht, daß durch einen Spalt brennendes Papier in die Risse praktiziert wurden, um diese in Brand zu setzen. Der Angeklagte hat zuerst behauptet, in der Blechkanne sei Lederschwärze gewesen. Auf 'Vorhalt er­klärte er, es sei darin Leder-Cement gewesen, in diesem sei viel Benzin. Der Angeklagte hat überhaupt seine Angaben im Laufe der Voruntersuchung recht oft geändert. Ter Untee- süchungsrichter sei schließlich, um die Herkunft der Kanne zu ermitteln, auf den Gedanken gekommen, daß sie auf unredlichem Wege erlangt sei.

Rechtsanwalt Leun stellt den Antrag, morgen das Buch- ackersche Haus durch den Gerichtshof und die Geschworenen in Augenschein nehmen zu lassen. (Diese Besichtigung hat heute vormittag stattgefunden. D. Red.)

Der Zeuge Ludw. Weinrich bekundet, er sei, als et das Feuer von der Straße aus bemerkte, schnell zum Turm gelaufen, um das Stürmen zu veranlassen. Als er zurückkam, war alles vorbei. Debus hat sich den Kopf gehalten und ge­sagt, er sei beinahe verbrannt. Weinrich will einen Benzin-, Petroleum- ober ähnlichen Geruch watzrgenommen haben, hat auch zugesehen, wie Debus etwas in einen Sack ge­stopft hat:

'Auch der Stellmacher Aug. Seipp, der im Buchacker- scheu Hause wohnte, hat einen eigentümlichen Geruch ver- pürt. Debus sei ihm im Hausflur mit einem brennenden Strumpf begegnet, und habe ihm später geklagt, er sei zwar .versichert, doch sei er noch nicht im Besitz der Versicherungs­papiere; nun sei sein erspartes Geld fort. Gasanstalts- Direktor Otto Bergen erklärt es für ausgeschlossen, daß das Feuer durch ausströmendes Gas entstanden sei. Ehe Debus