Ausgabe 
6.7.1901 Zweites Blatt
 
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Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Frankfurt a. M, 4. Juli. Hebet das Vermögen der ein­geschriebenen Hilfskaffe Nr. 198 Krankenkasse für Deutschland RoteS Kreuz hier ist das Konkursverfahren eröffnet worden.

Kassel, 4. Juli. Das Konkursgericht hat soeben im Gebäude der Trebertrocknungsgesellschaft die Bücher versiegel. Hier geht das Gerücht, Direktor Schmidt sei erschossen aufgefunden worden, es 'st aber bislang unbestätigt. Wahrscheinlich begab sich Schmidt ins Aus­land. Gegen ihn ist auf dem Drahtwege ein Steckbrief erlaffen worden.

OonkrtrserSffnung über die Trebergesellschaft in Kassel. Zum Konkursverwalter wurde Justtzrat FrieS ernannt. Generaldirektor Schmidt wird vermißt. Der Vor­sitzende deS AufstchtsratS, Hermann Sumpf, ist ver­haftet worden. Direktor Bollmann ist auS der Direktion aus­geschieden.

Zum Konkurs der Leipziger Bank. De oberste Ge­richtshof rilew-Aorks e-klSite Arrest auf bas Depot der Leipziger Bank in Höhe von 12 909 Dollars zu Gunsten der Firma Schiff L Boden- h im:r, Importeure in Newyork und Chemnitz. ImL. Tgbl." teilt Justtzrat Boyens, der Vorsitzende des Ausschusses der Frei­willigen Vereinigung der Aktionäre der Leipziger Bank mit, daß gestern die Beschlagnahme des Vermögens der verhafteten Direktoren der Bank erfolgt ist.

ta Leipzig, 3. Juli. Der Leipziger Bankkrach ist am Sonntag in der Thomatzkirche vom Superintendenten Dr. Pank zum Gegenstand seiner Predigt genommen worden. Dabet teilte Dr. Pank seinen Zuhörern mit, daß der Leipziger Hauptverein der Gustav-Adolf- Sstftung bet der Leipziger Bankzeitweilig" sein ganzes Barvermögen vnloren habe. Auch baS Leipziger Dtakonissenhaus sei schwer inMtt- l ldenschast gezogen.

Werdau, 4. Juli. DieFlechsig und Bohle"-Werkt, Aktiengesellschaft, hiesige Streichgarn-, Vixozne- und Shoddy Spinnerei hat hcute Konkurs angrmeldet. (Wohl auch eine Folge drs Leip­ziger Bankkrachs. D. Red.)

Mannheim, 3. Juli. Von der Erfindung eines Arbeiters Montag, künstliche Kohlen aus Torf, Erde und Theer hrrzustellen, wurde vor zwei Jahren von hier aus viel Aufhebens gemacht. Die Geselllchaft, die sich damals zur Ausbeutung der Erfindung bildete, hat tndeß vergeblich gearbeitet und dieser Tage ihren Konkurs en* gemeldet.

Sport.

Mainz, 4. Juli. Zu d-r Mainzer Regatta em 21. Juli wurden heule uoa 18 Vereinen 46 Boote gemeldet. Zwei Rennen allen wegen Mangel an Betetlb.una aus.

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als arbeitsam, ruhig, stumpfsinnig, gutmütig, aber auch' als verschlossen und jähzornig. Ter ärztliche Sachverständige, Prof. Tuczek, stellte zunächst eine Reihe von Fragen an den Angeklagten, aus deren Beantwortung hervorgeht, daß Kranfi am Morgen vorher das Messer geschärft hatte, weil er es benutzen muffte, und gab dann sein Gutachten dahin ab, daß wohl eine Trübung des Bewußtseins vorhanden gewesen sein könne, nicht aber in dem Sinne, um eine Straflosigkeit annehmen zu können. Tie _ben Geschworenen vorgelegten Fragen fassen sich dahin zusammen: Ist der Angeklagte schuldig, seine Frau vorsätzlich, aber nicht mit Ueberlegung getötet zu haben? Im Fall der Bejahung: War der Angeklagte ohne eigene Schuld zur That gereizt worden? Sind mildernde Umstände vorhanden? Tie Ge­schworenen bejahten die erste Frage und die Frage nach mildernden Umständen. Ter Gerichtshof erkannte demnach auf das gesetzlich zulässige Höchstmaß der Strafe, nämlich fünfJahreGefängnis, sowie zum Verlust der bürger­lichen Ehrenrechte auf die Tauer von fünf Jahren.

Kleine Mitteilungen au8 Hessen und den Nachbarstaaten. Bei einer bedeutenden italienischen Geflügelimstorthand­lung, die in Mainz eine Filiale unterhält, wurde die Geflügelcholera konstatiert. Tie Leiche des seit sechs Wochen verschwundenen Rentners Gabel wurde bei Mainz im Rhein gekündet. Tas Landgericht als Berufungs­instanz in Darmstadt hat der im Oktober 1899 auf Gegenseitigkeit gegründeten Hessischen Versicherungsbank Adler", die ihre Thätigkeit im Frühsommer 1900 be­gonnen hatte, die Partei- und Prozeßfähigkeit aberkannt. Wie die Blätter berichten, ist die Nirschenernte in der Wormser und Weis en he im er Gegend so gut aus­gefallen, daß schon seit über drei Wochen täglich ein Extrazug eingelegt wird, dessen Ladung ausschließlich aus Kirschen besteht.' Zwei kleine Knaben in Fauerbach fanden eine geladene Patrone, mit welcher sie spielten. Plötzlich explodierte sie und zerriß beiden Knaben die Hände. Gelandet wurde am Fischthor in Mainz die Leiche des Privatmannes Balthasar Gabel, der seit sechs Wochen spur­los verschwunden war. Tie Witwe hat die Leiche ihres Mannes auf dem Friedhof anerkannt: In der Gemarkung Laubenheim wurde vor einiger Zeit ein Stück eines römischen Grabsteines aufgesunden und in das städtische Museum nach Mainz verbracht. Terselbe wurde einem Soldaten der 16. römischen Legion gesetzt. Da die 16. rö­mische Legion schon unter dem römischen Kaiser Claudius (42 v. Ehr.) nach Untergermanren verlegt worden ist, so gehört die Inschrift des Grabsteines zu den ältesten des Museums in Mainz.

Vermischtes.

Das Duell, das dieKöln. VolkSztg/' aus Bonn gemeldet hatte, soll nicht stattgefunden haben. Der angeblich im Duell gefallene Einjährig-Freiwillige v. R. befindet sich seit Wochen auf der Senne bei Paderborn und war dieser Tage gesund und munter in Bonn, wo er nicht wenig er­staunt war, als er von dem umlaufenden Gerüchte Kenntnis erhielt. Das betreffende Korps trägt seit voriger Woche Trauerrosetten um einen verstorbenen alten Herrn des Korps.

Ein dänischer Schooner in die Luft ge­flogen. Bei Aalborg (Jütland) ist der dänische Schooner Anna" infolge Naphtaexplosion in die Luft geflogen. Zwei Personen, darunter der Kapitän, wurden sofort getötet, zwei schwer verletzt. Der Schooner, der eine Naphtaladung nach Göteborg zu bringen hatte, hatte seine Reise eben angetreten und war erst 8/4 Meilen von der Küste entfernt, als die Ladung explodierte und das ganze Schiff sofort in Flammen stand. Obwohl vom Lande gleich Hilfe gebracht wurde, hatten doch schon der Kapitän und ein Mann ihren Tod in den Wellen gesunden. An Bord wurden noch zwei Mann vorgefunden, welche beide Brandwunden und Quetschungen erlitten hatten. Sie wurden sofort ins Krankenhaus ge­schafft; einer von ihnen ist noch in der Nacht gestorben.

* Cadix, 4. Juli. Bei den Uebungen der Torpedo­boote im hiesigen Hafen wurde ein Torpedo, das am Ziel nicht explodiert war, nach der Lehranstalt für Torpeder ge­schafft, wo es Plötzlich explodierte. Ein Marineoffizier wurde getötet, 17 Matrosen und Zivilisten wurden verletzt.

Newyork, 4. Juli. Infolge der großen Hitze kamen gestern in Manhattan 102 und in Brooklyn 77 Todes­fälle vor.

Newyork, 4. Juli. Drei maskierte Räuber hielten gestern nachmittag bei dem Orte Wagner in Mon­tana einen westwärts fahrenden Zug der Great-Northern- Eisenbahn auf und entnahmen aus dem Geldschranke, den sie mit Dynamit sprengten, 40000 Doll, an Bar­geld sowie Wertpapiere und ritten sodann davon. Die Passagiere wurden nicht beraubt. Ein Passagier und zwei Eisenbahnbeamte wurden durch Revolverschüsse verwundet. Starke Polizeipatrouillen fahnden auf die Räuber. In San Francisco wurde bei der am 28. Juni begonnenen Jahresrevision der Münze sestgestellt, daß der Regierung gehöriges Gold im Betrage von 30000 Doll, in rätsel­hafter Weise verschwunden ist.

Kirchliche Nachrichten.

Zvangelifche «emetstze.

Sonntag dm 7. Juli. 5. nach Trinitatis.

Gottesdienst

In der StadMrche.

Vormittag« 8 Uhr: Pfarrassistent KrauS.

Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmtertm der MatthLusgemeinde.

Vormittags SV, Uhr: Professor 0. Stamm

Vormittags 11 Uhr: Kindrrktrche für die Mmkusgemeinde.

Pfarrer Dr. Grein.

I« der JohamreSNrche.

Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.

Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Johannesgemeinde.

Vormittags 9i/2 Uhr: Pfarr-r Euler.

Beichte und heil.Abendmahl für dteLukaS- undJohannesgemeinde.

Anmeldung vorher bet dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten.

Vormittags 11 Uhr: Ktnderkirchr für die LukaSgemeinde.

Pfarrer Euler.

Nach sämtlichen Gottesdiensten wird eine Kollekte für die be­dürftige evangel. Gemeinde Gonsenheim bei Mainz erhobm.

Kunst und Wissenschaft.

Künstlerkolonie Darmstadt. Man schreibt uns: Ernst von WolzogensBuntes Theater" wird bei seinem Darmstädter Gast­spiel eine besondere Auslese auS seinem reichen Repertoire bieten. Es werden nur diejenigen Piecen zur Darstellung gelangen, deren Styl dem Charakter des Festspielhauses entspricht, wobei glücklicher Weise die er­folgreichsten Nummern des Repertoires nicht ausgeschieden werden müssen. Die Direktion der Ausstellung hat dem Ueberbrettl ihr Entgegenkommen bewiesen, indem sie den Besuchern freien Eintritt in die Ausstellung ge­währte. Die Billets zu den Vorstellungen desBunten Theaters" be- rechttgen somit auch zum unentgeltlichen Besuche der Ausstellung ab 6 Uhr abends. In dem am Samstag abend stattfindenden Orchesterkonzert wirkt dasneue philharmonische Orchester" mit. Die Leitung liegt in den Händen der Herren Nodnagel und Kapellmeister Stix. DaS Pro­gramm bringt außer Kompositionen des Herrn Nodnagel auch eine Fest- ouverture des Herrn C. Stix, mit der das Konzert eröffnet wird. Dieses Werk ist dem Großherzog gewidmet, der diese Widmung auch ange­nommen hat.

Universitäts-Nachrichten.

Aachen, 4. Juli. Der Senat der hiesigen technischen Hochschule verlieh gemäß § 12 der Promotionsordnung dem Wirklichen Geheimrat Friedrich Krupp zu Esten den Titel eines Doktor-Ingenieurs.

Gerichtssaal.

Gießen, 4. Juli. (Gewerbegericht). Den Vorsitz in der heu­tigen Sitzung führt in Vertretung des Beigeordneten Wolff Stadtver­ordneter Keller. Als Beisitzer fungierten Schreinermeister F. H. Müller und Schriftsetzer Adolf Hensel. In der Sache des Schuhmachergesellen Johs. Glitsch gegen den Schuhmachermeister JohS. Hecker fand Be­weisaufnahme statt. Die Zeugen erklärten übereinstimmend, daß der Kläger gekündigt und der Beklagte darauf entgegnet habe, es sei gut, er könne gehen. Der Kläger habe erwidert, er gehe dann gleich und habe im Verlaufe der Unterredung den Hecker auch beschimpft. Da der Kläger bei seinem Anträge beharrte, mußte auf Antrag des Beklagten kosten­fällige Klageabweisung erfolgen. Die Zigarrenfabrik Julius Hahn hier klagt gegen die Zigarrenmacherin Elisabetha Stühler in Großen- Buseck auf Aufnahme der Arbeit bezw. Entschädigung. Die Beklagte gießt zu, als Zigarrenmacherin von der Klägerin engagiert worden zu sein, die Arbeit jedoch nicht angetreten zu haben, weil sie vom Hause nicht ganze Tage abkommen könne, vielmehr ihre Mutter in der Arbeit unter­stützen müsse. Weitere Gründe wegen des Nichtantritts der Arbeit ver­mochte die Beklagte nicht anzuführen. Da ein Vergleich nicht zu erzielen war, das Gewerbegericht aber den angeführten Grund als belanglos be­trachtete, wurde die Beklagte kostenfällig verurteilt, die Arbeit auf 12 Arbeitstage binnen 3 Tagen aufzunehmen, widrigenfalls sie eine Ent­schädigung von 9 Mk. an die Klägerin zu zahlen hätte. Das Gericht setzte die Entschädigung auf 9 Mk. in Gemäßheit des § 51 des Gesetzes über die Gewerbegerichte in Verbindung mit § 124b der Gew. Ord. fest. Ein weitere Klage derselben Firma gegen die Katharine Hahn in Großen-Buseck endete mit einem Vergleich. Die Beklagte verpflichtet sich, auf 12 Arbeitstage die Arbeit bei der Klägerin aufzunehmen. Der Bäckergeselle Arthur Otto klagt gegen den Bäckermeister Heinrich Faß auf Lohnzahlung. Es kommt ein Vergleich zustande. Die letzte Sache bUdet die Klage des Reisenden Max Goldenberg gegen den Kaufmann A. Katz auf Entschädigung. Der Beklagte macht die Unzuständigkeit des Gewerbegerichts geltend, weil der Kläger Reisender in seinem Frucht­geschäfte gewesen sei. Der Kläger giebt dies zu. Das Gewerbegericht ist der Ansicht, daß es im fraglichen Falle unzuständig sei in Gemäßheit der 88 1 und 2 des Gesetzes betr. die Gewerbegerichte. Der Kläger zieht deshalb im Einverständnis mit dem Beklagten die Klage zurück, um sie beim Amtsgericht anzubringen.

Mainz, 4. Juli. Der 32jährige Buchbinder Viktor Eugen Becker aus ^aargemünb kam aus der Wanderschaft am 17. Mai hier an. Um Unterkunft im Gefängnis zu finden, übergab er auf der Straße einem Schutzmann einen geschriebenen Zettel, der Beleidig­ungen gegen den Kaiser enthielt. Becker hat sich deshalb vor der Strafkammer wegen Majestätsbelechigung zu verantworten. Er ist schon dreimal wegen Majestätsbel tdigung bestraft worben, zuletzt in Straßburg mit zwei Jahren Gefängnis. Die Beleidigung hat er jedeSmal mit Zetteln verübt, um ins Gefängnis zu kommen, weil er als kranker Mann nirgends Arbeit erhalten kann und seine Heimat- gemetnde sich seiner nicht annimmt. AuS diesem Grunde wurde er vom Gericht milde beurteilt und gegen ihn nur auf sechs Monate Gefängnis erkannt.

Düffeldorf, 4. Juli. Der 37jährige Arbeiter Jakob Krüll hier, der am 20. April seine Ehefrau durch zwei Revolver­schüsse tötete, wurde vom hiesigen Schwurgerichte fr ei ge­sprochen; die Geschworenen nahmen an, daß bei Angeklagte, der gleich nach der That einen Selbstmordversuch beging, im Affekt ge­handelt habe. Die Verhandlung hatte dargethan, daß die zu Tode Gekommene schon seit Jahren den lüderlichften Lebenswandel ge­führt, daß sie ihren Mann wiederholt verlassen und ihn zu vergiften versucht hatte. r

Aachen, 4. Juli. Die aus dem Aachener Sternbergprozeß be­kannte Frau Postassistent Dahmen war wegen Entführung eines minder­jährigen Mädchens und Verleitung zur Unzucht heute vor dem Schwur­gericht angeklagt. Sie wurde freigesprochen.

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t. Darmstadt, 4. Juli. Die Stadtverordneten bewilligten in ihrer heutigen Sitzung zum Bau des SchriststellerheimS in Jena einen einmaligen Beitrag von 100 Mark. r . ,

f. Pfungstadt, 4. Juli. Seine 57. Jahresversammlung hielt der hessische Hanptverein der Gustav-Adolf- Stiftung am 2. und 3. Juli hier ab. Nachdem der Präsident, Prälat v. Ha bicht, und Pfarrer Koch tn Psung ftübt die Erschienenen begrüßt hatten, begann die Beratung über die Verteilung der vorhandenen Geldsumme von 31600 Mk Davon wurden 6000 Mk. dem Zentralvorstand 'm Leipzig überwiesen, 2500 Mk. an 5 hessische Gemeinden juc Amortisation vom Hauptverein garantierter Kapital- schulden, 18155 Mk. an die 24 hessischen Pfleglinge des Hauptvereins und 4945 Mk. an außerhesfischen Gemeinden gegeben. Prälat D. Habicht, Landgerichtsrat Dr. Weiß und Pfarrer Dingeldey wurden sodann wiederum auf drei Jahre in den BerwaltungSrat gewählt. 1902 wird die Haupt­versammlung in einer rheinhessichen Gemeinde abgehalten werden. Am 3. Juli, vormittags 9 Uhr, fand ein Festgottes- dienst statt, bei dem Pfarrer Dr. Grein-Gießen die Fest- predigt hielt. Sodann ergriff Prälat I). Habicht das Wort zu einer begrüßenden Ansprache, worauf der Sekretär des Vereins, Prof. Trümpert, über das Vereinsjahr 1900 be richtete. Aus dem Bericht ist hervorzuheben, daß der Gustav Adolf-Verein gegenwärtig 1911 Gemeinden und Anstalten unterstützt, wozu 45 Hauptvereine mit 1918 Zweig- und 590 Fcauenvereinen zusammenwirken. Von oberhessischen Gemeinden genießt Herbstein die Unterstützung des Vereins, wo ein neues Pfarr- und Schulhaus gebaut werden müssen. Nach mehreren anderen Ansprachen verlas Prälat D. Habicht Begrüßungsschreiben des Vorstandes des Zweigvereins des evang. Bundes in Darmstadt und des Seminar.Direktors D. Weiffenbach in Friedberg, der früher Geistlicher in Pfung. stadt war. An die kirchliche Versammlung schloß sich ein Festmahl, in dessen Verlauf D. Habicht auf den Kaiser und den Großherzog als die Protektoren des Vereins toastete. An den letzteren wurde ein Huldigungstelegramm abgeschickt. Eine nachmittags abgehaltene stark besuchte Nachversammlung beschloß die Feier.

Mainz, 4. Juli. Gestern abend wurde einem von Frank­furt a. M. hierher gereisten Engländer seine Brieftasche mit etwa 70 Pfund Sterling in englischem Papiergeld ge­stohlen. Zwei dem Bestohlenen unbekannte Persönlichkeiten, die anscheinend bereits in Frankfurt den Zug bestiegen hätten, drängten sich an den Engländer im Bahnhof heran. Diese Unbekannten sind verdächtig, den Diebstahl angeführt zu haben. Der Weinwirt Christoffel ist verhaftet worden nicht flüchtig gegangen, wie anderwärts gemeldet wurde weil er im Verdacht steht, ihm gehörige Gegenstände beseitigt zu haben, um sie einer drohenden Zwangsvollstreckung zu entziehen.

-o- Frankfurt a. M, 4. Juli. Die Ausstellung Samoa im Zoologischen Garten geht ihrem Ende entgegen, und vielen täglichen Besuchern des Gartens wird eS leid thun, wenn die freundlichenWilden" mit ihrem munteren Treiben und ihren melodischen Gesängen verschwunden sind. DaS gestern etwas vom Regen beeinträchtigte Ruder- und Schwimmfest soll Samstag wiederholt werden, zu welcher Gelegenheit nochmals das Abonnement von 1 bis J/27 Uhr aufgehoben wird. Sonntag vormittag wird der Eintritts­preis ermäßigt und die Samoaner werden an diesem Tage schon von 8 Uhr morgens, wie immer ohne Extra- EintrittSgeld, zu sehen, die VormittagSvorführungen um 1/29, 10 und 11 Uhr sein. Vormittags und nachmittags wird Bratfest abgehalten und je ein ganzes Schwein, auf samoanische Art zubereitet, verzehrt die Konsumtions- fähigkeit der Leute scheint ja unbegrenzt zu sein. Um 12 Uhr wird der Garten für die Vormittagsbesucher geschlossen. Dann kommt als letzter Tag der Montag, an dem wohl schon Vieles eingepackt wird, da gegen Abend Schluß der Ausstellung ist.

Frankfurt a. M., 4. Juli. Heute vormittag fuhren die Mitglieder der Institution of Electrical Engineers mit ihren Damen und einer größeren Anzahl hiesiger Herren, einet Einladung der Elektrizitäts-Aktien - Gesellschaft Lahmeyer folgend, zur Besichtigung der Kucanlagen nach Wiesbaden. Von da aus fand am Nachmittag ein weiterer Ausflug nach Homburg und der Saalburg statt. Staatsminister Dr. von Miquel hat sich heute zum Kurgebrauch nach Langen- schwalbach begeben.

** § a n a u, 4. Juli. In der gestrigen Sitzung der Straf­kammer II wurde gegen den Maurer Enders und dessen Frau wegen fortgesetzter Mißhandlung des von der letzteren in die Ehe mitgebrachten unehelichen fünfjährigen Sohnes Otto verhandelt. Beide hatten den Knaben fortgesetzt in unmenschlicher Weise behandelt, ihn blutig geschlagen, an den Ohren in die Höhe gezogen, im strengen Winter in eiskaltem Wasser gebadet usw. Enders wurde zu anderthalb Jahren, seine Frau zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt.

T. M arbur g, 4. Juli. Das Schwurgericht verhandelte heute gegen den Schreiner Tavid Kranfi von hier, der beschuldigt ist, in der Nacht vom 26. auf den 27. Mai feine Ehefrau Margarethe, geb. Erlemann vorsä filichge- tötet, die Tötung aber nicht mit Ueberlegung aus­geführt zu haben. Aus den Aussagen des Angeklagten über den Hergang der That geht hervor, daß er an jenem Tage zunächst allein und dann nochmals mit seiner Frau in einer Wirtschaft gewesen fei. Zu Hause habe er darauf einen Wortwechsel des Nachss mit seiner Frau gehabt, die ihm vorgeworfen habe, daff er früher mit einer anderen Frau in Verkehr gestanden hätte. Darüber sei er sehr aufgeregt geworden. Von dem eigentlichen Verlauf der That habe er kein Bewußtsein. Wie er zu dem Messer gekommen sei, mit dem er seine Frau getötet habe, wisse er nicht. Nur soviel entsinne er sich, daff er zuerst die Absicht gehabt habe, sich selbst zu töten, und daff er seine Frau mit der linken Hand um die Taille gefaßt habe. In der That hatte Krantz bei seiner Verhaftung an den Taumenwurzeln zwei Schnitt­wunden, von denen er annehmen konnte, sie würden den Tod herbeiführen. Tie Zeugen schildern den Angeklagten