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6.2.1901 Zweites Blatt
 
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31 Zweites Blatt. Mittwoch den 6. Februar 151. Jahrgang 1901

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arbeit er derPost", gegen tfie Kanalvorkage huf. Ironisch meinte der journalistische Organisator der vorigen Kanal- Niederlage, hu einer Verständigung gehörten immer Zwei. Im übrigen: strengste Prüfung der Vorlage.

Mit dieser Prüfung ist gewiß auch die Regierung ein­verstanden, wenn nur nicht die Gefahr dabei wäre, daß die dazu benötigte Zeit,sehr viel Zeit" die Entscheidung in ungewisse, unberechenbare Fernen hinausschiebt.

Politische Tagesschau.

Aus Berlin, 4. Febr., wird uns geschrieben:

Um Indiskretionen über die im Zolltarifschema enthaltenen Grundlagen zu den HandelsvertragSverhandlungeu m vermeiden, sind die Vorarbeiten im Reichsamt des Innern ordentlich geheimnisvoll betrieben worden. Kein Beamter hat mehr von dieser Materie zu Gesicht bekommen, als da« ihm zur Erledigung übergebene Bruchstück. Die Bearbeitung der Zollsätze, des wichtigsten Teiles der Tarifvorlage, hat sich vermutlich Graf Posadowsky Vorbehalten, da diese Mappen unter strengstem Verschluß bleiben. Die Vorsicht ist begreiflich, denn wenn von diesen Ziffern vorzeitig etwa« bekannt wird, kann sich das Ausland umso eher und umso vollständiger rüsten. Die unendliche Mühe der Rückfragen bei den verschiedenen Erwerbsständen, die nicht geringere der Sichtung des gewaltigen Materials alles zu dem Zweck, die Konkurrenzfähigkeit der heimischen Produktion zu heben, wäre zum Teil verloren. Durch diese besondere Art der Vorarbeit nicht zuletzt erklärt sich auch die Verzögerung iu der Fertigstellung des Zolltarifschemas. Augenblicklich be­findet eS fich im Reichsschatzamt, und auch dort werden alle Vorkehrungen getroffen worden sein, um zu verhüten, daß der bekannteLuftzug" ein wichtiges Aktenblatt auf dei Redaktionstisch einer Zeitung weht.

Wir lesen in der agrarischenDtsch. Tagesztg,":

DieSüdd. Tabakztg." hatte kürzlich behauptet, dH der deutsche Tabakbau immer noch rfnltibel I daß insbesondere der Abg F-rhr. 0. Heyl an fernem

Engländer und Buren.

Es ist nun auch von nichtamtlicher Seite aus Bloem­fontein gemeldet, daß De Wet mit seinen Leuten die Linie Bloemfontein-Thabanchu durchbrochen hat. Zwischen Sannahspost und Thabanchu erfolgte der Durchmarsch. Oberst Marshall, der die Vorhut der Brigade Bruce Hamilton führte, erreichte am 31. Januar gerade Sannahspost, um die Thatsache feststellen zu können. Ec erkundete ferner, daß die Buren ihrem Troß die denkbar größte Beweglichkeit gegeben und ihn auf das allernot- ivendigste beschränkt haben: er besteht nur aus zwei Last­wagen und einer Anzahl Kap-Karren. De Weis Streitmacht befindet sich dem Vernehmen nach südlich von Dewets- dorp. Auch der Südosten des Oranjefreistaates ist von britischen Truppen fast ganz entblößt, wie erinnerlich, find erst jüngst die Besatzungen von Smithfield und Rouxville nach Aliwal North zurückgezogen worden. Die Verfolgung von Norden her scheint aufgegeben zu sein, da General Knox bei Welcome die Fühlung mit De Wet verloren und Bruce Hamilton sie gar nicht hat gewinnen können; von Westen, von der Eisenbahn her ausgesandte Abteilungen dürften, wie Bruce Hamilton, regelmäßig zu spät kommen. Dieser erneute Zug De Wets verspricht also abermals eine interessante Episode des Krieges zu werden.

Lord Kitchener hat anscheinend keine Zeit, sich den Vorgängen im Oranjefrristactte mit genügender Auf­merksamkeit zu widmen. Er ist, wie man aus neueren teils amtlichen, teils privaten Meldungen ersieht, in Transvaal selbst stark beschäftigt. Nach einer Reuterdepesche vom 2. ds. aus Pretoria hat er sieben Detachements angesetzt, um im südöstlichen Transvaal zwischen den beiden Bahnlinien einen konzentrischen Angriff durchzuführen. Das Ziel scheint Caro­lina und Ermelo zu sein, wo bekanntlich größere Buren­massen zusammengezogen sind. Daß Kitchener sich mit einem solchen Plane trägt, hat er durch seine bei Balmoral ver­unglückte Expedition und durch die Entsendung Smith- Dorriens von Wonderfontein nach Carolina gezeigt. Er meldete damals, daß Smith-Dorrien in Carolina die Buren zersprengt" habe. D. h. der Gegner hat in altgewohnter Weise die Briten bei ihrem Rückmarsch nach Wondersontern ununterbrochen und offenbar erfolgreich beunruhigt, ^etzt hat er sich zu einem neuen Angriff entschließen müssen

Daß aber auch die Gegend westlich von der Eisenbahn Vereeniging-Pretoria um Johannesburg herum nicht in den Händen der Engländer ist, zeigt das von Kitchener recht kleinlaut gemeldete Mißgeschick von Modderfontem. 35 Kilo- meter südwestlich von Krügersdorp, an den östlichen 21115» läufern des Gatsrandes jenes Höhenzuges, an den sich nach Osten der Witwatersrand anschließt. Dieses Modder- fontein liegt an der Straße Potchefstroom-Johannesburg und ist von der nächsten Bahnstation (an der Linie Klerks- dorp - Johannesburg) 17 Kilometer entfernt. Der dort stehende Posten seine Stärke verschweigt Kitchener wurde von etwa 1000 Buren vollkommen überrumpelt und gefangen genommen, ehe von Krügersdorp Hilfe herbeikommen konnte. Es ist ein schlechter Trost für die Engländer, daß die gefangenen Offiziere und Mannschaften bereits wieder in Vereeniging eingetroffen sind; das Odium bleibt bestehen, daß hier abermals eine englische Abteilung durch eigene Unachtsamkeit oder durch Versagen der Unter­stützungsabteilungen eine Schlappe erlitten hat, deren mo­ralischer Eindruck auf die Buren gewiß bedeutend ist. Eine Depesche Kitcheners aus Pretoria vom 3. Februar meldet: Unsere Verluste bei Modderfontein betrugen 2 Offiz i e r e tot, 2 verwundet. Es war finstere Nacht, dazu strömte der Regen, als der Posten vom Feinde, der 1400 Mann stark wär, und ein Geschütz mitführte, angegriffen wurde. Camp- bells Kolonne verwickelte 500 Buren in ein Gefecht und schlug sie mit Verlusten zurück. Auf englischer Seite wurde 1 Offizier g-etötet, 1 schwer verwundet, 18 Mann getötet bezw. verwundet. Frenchs Kolonm befindet sich in der Nähe von Bethel auf dem Marsche nach Osten und treibt den Feind vor sich her, der nur schwachen Widerstand leistet. , . ... ...,

Uebriaeus hat wieder einer der britischen Unterführet die Liste der gefallenen Größen vermehrt: General Hunter. Er ist des Kommandos über die Oranje-River- Kolonie enthob en worden, weshalb, entzieht sich leider unserer Kenntnis; möglicherweise ist das Entkommen De Wet^ nach seinem erften Versuch, in die Kapkolonie ein­zufallen, daran schuld. Sein Nachfolger in Bloemfontein ist General Tucker geworden, dessen Kommando in Pretoria General Clements trotz des Mißgeschickes bei Nooitgedacht übertragen worden ist, während Cumingham Clements

Nachfolger in Krügersdorp geworden ist. In der Kap- kolon'ie machen die britischen Operationen auch feine Fortschritte. Am 30. Januar traf De Lisle, von Clauwilliam vorrückend, bei Elizabethfontein am Pakhuispaß mit einer Buren-Abteilung unter Brand zusammen. Er allein toor zu schwach, die Buren zurückzudrängen. Erst als Bethune einen rechten Flügel zu Hilfe schickte, zogen sich die Buren unter dem Schutze der Dunkelheit zurück und nahmen eine neue Stellung ein, von der aus sie durch mörder­isches Feuer das Vordringen der Briten ver­hinderten. Im Osten wird in den Bezirken Oudts- hoorn und Uniondale fortgesetzt gekämpft. Im Thale des Olifantsflufses haben die Buren mehrere Pferde und Wagen im Stich gelassen. Ein Versuch, über den Paß Miormgs- poort zurückzugehen, wurde von den Briten durch Besetzung des Passes vereitelt. Die Buren zogen dann in zwei Teilen ostwärts, von denen sich der eine in den Kongabergen festsetzte, während die Fühlung mit dem andern, 200 Mann starken, den Engländern verloren ging. Zwischen Steyns- burg und Venterstad werden verschiedene Burenkommandos gemeldet. Eins davon ist erst jüngst aus dem Oranie-Frel- staate eingetroffen. . . _

Oberst Blake, von dem gemeldet wird, daß er mit 2000 Buren auf portugiesisches Gebiet übergetreten sei, um die dort befindlichen Buren zu befreien, ist eine in Trans­vaal sehr bekannte Persönlichkeit. Er befehligt das erste irische Freikorps und hat vorher einen Rang in der Armee der Vereinigten Staaten bekleidet. Seine Iren, unter denen auch alle möglichen andern Nationalitäten vertreten siuk^ stehen in dem Rufe, brave Kämpfer zu sein.

Alle von den Buren in Komatipoort übergebene M u - nition, die seither in Moveni untergebracht war, ist von den Portugiesenweggeführt und in Leichter­schiffen, die in der Bai von Lourenco Marques ankern^ aufgestapelt worden.

* * *

Ter deutsche Kaufmann Wilhelni Diehl, den die Engländer in Betschuanaland gefangen nahmen, ist, wie man uns schreibt, gebürtig aus Ehringshausen bei Wetzlar und steht am Ausgang der 30er Jahre. Er hat in Bockenheirn bei dem Husarenregiment seiner militärischen Dienstpflicht genügt, und trat darnach wieder in ein Ge­schäft in Frankfurt a. M. Als Vertreter dieses Geschäfts ging er nach Südafrika und verpflichtete sich auf eine Reihe von Jahren. Seine Braut ließ er bald nachkommen und heiratete dort. Nachdem seine Zeit, für die er sich verpflichtet hatte, um war, gründete er mit feinen Ersparnissen in Kapstadt ein großes Speisewarengeschäft verbunden mit einem Hotel. Sein Geschäft ging glänzend und vergrößerte sich immer mehr. Im Laufe des Transvaalkrieges über­nahm er Proviantlieferungen für die englische Armee. Man vermutet, daß Begeisterung für die Buren seine Verhaftung veranlaßte. * ,

Telegramm des Oieheuer Anzeigers.

London, 5. Febr. Wie derDaily Telegraph" vom 3. ds. aus Kapstadt meldet, glaubt man dort, daß Piet Botha mit 2000 Mann und sieben Geschützen von Smithfield aus in die Kapkolonie ein gedrungen i st ____________________ -

Ter Kamps um die Kanäle.

1.

Unser parlamentarischer Mitarbeiter schreibt unterm 4. Februar: , .. ,

Nicht nur die Tribünen waren heute ini preußischen Abaeordnetenhause sehr gut besetzt aus Anlaß der Wiederkehr der Kanalvorlage, sondern sogar die Hofloge hatte erlauchte und edle Besucher. Wird diesmal der Schluß lauten':In den Armen liegen sich beide", nämlich die Regierung und die Kanalopposition der Rechten? Der heutige Anfang gab keine große Hoffnung auf eine solche Perspek­tive. Gleich der Zentrumsabgeordnete Am Zehnhoff, der nach der warmen und überzeugtem Einführungsrede des Ministers v. Thielen das Wort ergriff, erklärte, die Vorlage sei eine entschiedene Verschlechterung derjenigen von 1898, denn sie verbinde Dinge, die nicht zusammengehörten. Was habe die westliche Landwirt­schaft von dem Kanal zu erwarten? Und an diese Frage rnüpfte der Referent über die vorige Kanalvorlage eine Reihe von der Regierung noch zu erfüllender Ausgleichs­forderungen für den Westen: Kanalisierung der Mosel, der Lippe, ausreichende Bahnverbindungen usw. Also Kom- toenfationen ohne Ende! Dabei glaubt die Regierung mit den erweiterten Kanalprojektin schon das Aeußerste in dieser Richtung gethan zu haben. Schon jetzt sind die Kosten bergehoch. Eine schlimmeZwickmühle", denn Graf Lim- burg-Stimm, der Führer der Konservativen, hakte seinerseits gerade beim Kostenpunkt ein: So gewaltige Ausgaben für Unternehmungen, die nur einem Teil der Bevölkerung nutzten, dürften nicht von der Allgemeinheit getragen werden. Als nicht maßgebend bezeichnet der Graf die für die Kanäle geltend gemachten militärischen Gründe. Minister v. Thielen hatte darauf hingewiesen, eine her wesentlichsten Bedeutungen der Wasserstraßen liege in der Erhöhung der Wehrkraft des Landes. Eine ominöse Ver­heißung des Führers der Kanalopposition war, seine Partei werde das Gute behalten. Tas heißt: diejenigen Wasserstraßen, die dem Osten keinen Schaden zufügen können alsEinfallthore für ausländisches Getreide", der Landwirt­wirtschaft vielleicht Vorteil bringen, find die Konservativen nicht abgeneigt zu bewilligen. Der Regierung und den Freunden des Mittellandkanals wird wenig damit gedient sein, mit dieserZusammenstellung der Speisekarte" nach Äparten Wünschen. Abg. v. Eynern (nl.) that den leiten­den Männern einen neuen Schmerz an. Auch er, sonst ein eifriger Verteidiger der Vorlage, verlangte eine Aus­dehnung des Wasserstraßennetzes um den Mosel-, den Lippe- unb den Masurischen Kanal. Mit der vom Grafen Limburg $ur Erwägung gestellten Kanalisierung der Elbe sind das «Iso nicht weniger wie vier neue Kanalprojekte! Und im Hintergründe solcher Forderungen steht immer mehr oder minder verhüllt die Ankündigung: Ohne diese Vervollstän­digung hat die Sache kein rechtes Interesse für uns.

Nunmehr hielt es Herr v. Miquel für an der Zeit einzugreifen: Unter allseitiger Spannung begab er fich gemessenen Schrittes zum Rednerpult, um 0 Wunder mit einer resoluten Polemik gegen den Wortführer der Konservativen zu beginnen. Graf Limburg habe sich in Widersprüche verwickelt: er wolle grundsätzlich keine Kanäle, und doch halte er z. B. die Lippe-Kanalisierung für nötig. Von Satz zu Satz erwärmte sich der» Minister für die Wasser- ftraßen, was die Linke beifällig vermerkte. Die Zeit der Kanäle war einmal vorbei, aber sie ist wiedergekom- wenJ Auch Dr. v. Miquel scheint sein Herz entdeckt zu haben. Er versicherte mit erhobener Stimme, er sei von der Nützlichkeit dieser Pläne vollkommen überzeugt. Wie könne man an der Rentabilität des Mittellandkanals zweifeln, der die reichsten Provinzen durchquere? Etwas sarkastisch blickte Graf Limburg zur Rednertribüne hinauf, «ls wollte er sagen:Wann kommt das berühmte Miquel- scheAber"? Abermals ein Wunder. DiesAber" blieb aus.Ich würde die Kanalprojekte nicht empfehlen, wenn ich nicht überzeugt wäre, daß sie die preußischen Finanzen in keiner Weise gefährden!" (Hört! Hört?) Be­teuernd legte der sparsamste aller Finanzminister die Hand «ufz Herz? Infolge der unglücklichen Akustik des Hauses gingen eine Reihe weiterer Ausführungen Miquels ziemlich wirkungslos vorüber. Zum Schluß kam der Minister auf die aus den Kanalfragen herrührenden Verstimmungen zwischen der Regierung und den Parteien zu sprechen und richtete bewegten, fast natürlichen Tones an die Kopf an Kopf gedrängten Konservativen die Bitte, irgend eine Verständigung mit der Staatsregierung in der Kommission anzustreben. Er gebe sich der Hoffnung hin, daß die Re­gierung nach erzieltem voUen Einvernehmen den Landtag werde schließen können. Kühles Schweigen auf der Rechten. Die Linke spendete, obwohl sie schwerlich diese optimistische Auffassung teilte, demguten Willen" des Ministers Bei­fall. Nachdem alsdann Herr v. Thielen mit Temperament die Einwendungen des Zentrumsredners und des Grafen Simburg bekämpft hatte, trat Frhr. v. Zedlitz sfreikons.), der frühere Präsident der Seehandlung und fleißige Mit-