Ausgabe 
6.1.1901 Zweites Blatt
 
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Kind kann nur mittels eines Schlauches mit flüssigen Speise» ernährt werden.

ko. Offenbach, 4. Januar. Im Ostbahnhof wollte gestern abend gegen 7 Uhr ein Arbeiter noch auf den bereit- im Kehren begnffenen Zug der Rodgau-Bahn springen, geriet dabei unter die Räder und wurde totgefahren.

Mainz, 4. Janu rr. Trotz des schon vor einigen Tag«» eingetretenen starken Frostwktters und der schon vor mehrere» Wochen erfolgten Sladlverordnetenbeschlüsse ist h er die Ab­gabe von Kohlen an städtische Arbeiter und Minder­bemittelte zum Selbstkostenpreis immer noch nicht er­folgt, da sich wegen der Verteilung immer wieder neue Schwierigkeiten ergeben haben sollen. Dieses langweilige Tempo in der Behandlung einer Sache, die in Anbetracht des angebrochenen strengen Winters nicht die kleinste Ver­zögerung ertragen dürfte, wird in einem Teil der hiesigen Presse mit Recht gerügt und mit der Anfrage glossiert, ob die Kohlen erst für den nächsten Winter bestimmt seien.

FC. Mainz, 4. Januar. Im hiesigen Güterbahn- Hofe wurde beim Rangieren dem 40 Jahre alten Rangier- obmann Joh. Vogler aus Hechtsheim die rechte Hand ab­gefahren.

FC. Frankfurt a. M., 4. Januar. In Vilbel brannten gestern Scheuer und Lagerräume des Besitzers des Haffia- Mineralbrunnens, Fritz Hinkel, vollständig nieder. In Hellstein bei Gelnhausen brannte die Scheuer des Müllers Lohrey nieder. Sin Metzgerbursche namens Horst wurde als Brandstifter verhaftet. In Dietesheim bei Offenbach äscherte ein größeres Feuer mehrere Scheuer» und Stallungen ein.

FC. Frankfurt a. M., 4. Januar. In dem benachbarten Fechenheim erhängte sich das 20 Jahre alte Dienstmädchen Marie Weiß, gebürtig aus Ruppertshütte bei Aschaffen­burg, an einem Lampenhaken aus Gram darüber, daß es von seinem Bräutigam im Stich gelassen war. Das Mädchen sah seiner Entbindung entgegen.

FC. Höchst a. M., 4. Januar. Schwere Brandwunden hat der Sylvesterunfug hier einem jungen Manne eingetragen. Derselbe hatte in einer Wirtschaft gerade einenFrosch­angezündet, als ein Schutzmann eintrat. Den brennende» Frosch in die Hosentasche stecken, war eins bei unserem grog- seligen Jünglinge. Jetzt liegt er schwer krank an den dadurch erlittenen Brandwunden darnieder.

FC. Hanau, 4. Januar. Der 50 Jahre alte Taglöhner Jakob Schmidt aus Neuenschmitten ist gestern nacht in einer offenen Halle, wo er Nachtquartier bezogen hatte, er­froren. Neben dem Toten stand eine leere Schnapsflasche. Unter den Pferden der 2. Schwadron des hiesigen 6. Ulanenregiments ist die Brustseuche ausgebrochen.

** Meine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaates. Tine französische Champagner-Firma will in Mainz eine Niederlassung errichten. Das KreiSamt hat die Handels­kammer aus Grund der im Großherzogtum bestehenden Be­stimmung, wonach Niederlassungen ausländischer Aktiengesell­schaften der Genehmigung der Regierung bedürfen, um Mit­teilung ersucht, ob diesbezügliche Bedenken entgegenstehen. Die Kammer hat das verneint. Der Bäckermeister Hrch. Völzing in Groß-Felda schreibt uns, daß die in Nr. 2 desGieß. Anz." aus Groß Felda uns zugegangene Nach­richt von einer Wette den Tatsachen nicht entsvricht.

r>es Kapitäns Kretschmann geschrieben worden, der als Kommandant desGncisenau" unter Ablehnung jedes Rett­ungsversuchs mit seinem Schiff unterging. Auch wrr möchten, bei aller Anerkennung dieses heroisch-stoischen Ver­haltens, es nicht nur als zulässig, sondern sogar als richtig bezeichnen, daß der Kapitän eines untergehenden Kriegs­schiffes, nachdem alle Maßregeln zur Rettung der Mann­schaft und der Offiziere von ihm getroffen sind, das Wrack verläßt und mit seinem Leben dem Kaiser und dem Vater­land einen erfahrenen See-Offizier zu erhalten sucht. Be­kanntlich war nach der niederschmetternden Niederlage von Cannä der römische Senat der Ansicht, daß der geschlagene, aber überlebende Konsul für seinen Patriotismus Dank verdiene.

Deutsches Reich.

Berlin, 4. Januar. Man schreibt aus Hamburg: Der Kaiserbesuch im Deutschen Schauspielhaus ist herrlich verlaufen. Das Theater war seit Tagen ausver- kaust, für einzelne Plätze wurden bis zu 100 Mk. bezahlt. Das Publikum war in festlicher, erwartungsvoller Stimm­ung. Pünktlich um sieben Uhr kam der Kaiser und das Ge­folge, empfangen von den Direktoren v. Berger und Koehne und den Herren des Aufsichtsrats. Ter Monarch, in Ad­mirals-Uniform, jugendfrisch und heiter aussehend, wie selten zuvor, nahm in der Prosceniumsloge des ersten Rangs mit dem Oberbürgermeister Platz. Die Aufführung vonJugend von heute" erregte die ganze Teilnahme des Kaisers, der bei allen Pointen der Dichtung mit an­steckend wirkender Herzhaftigkeit lachte. Der Kaiser wohnte der langen Aufführung bis zum Schluß bei und gab sein Wohlgefallen wiederholt deutlich zu erkennen. Um Mitter­nacht ging der Kaiser an Bord der PachtViktoria Luise". Heute vormittag begab sich der Kaiser kurz nach 10 Uhr auf Deck. Die Musik spielte den Präsentiermarsch und Heil Dir im Siegerkranz. Generaldirektor Ballin geleitete den Kaiser an den Wagen, der einige Minuten vor halb elf Uhr am Dammthorbahnhof anlangte. Hier waren beide Bürger­meister, Senator Burchard und der Gesandte Graf Wolff- Metternich anwesend, von denen sich der Kaiser durch Händedruck verabschiedete. Während der Fahrt hielten der Reichskanzler Graf Bülow, der Chef des Zivilkabinetts von Lukanus und der Chef des Marinekabinetts v. Senden- Bibran dem Kaiser Vortrag. Um 3.45 Uhr traf der Kaiser rm Neuen Palais bei Potsdam ein.

DieHamb. Börsenh." meldet: Die Rhedereifirma F. Laeiß ihat der Werft von Joh. Tecklenborg-Geestemünde einen neuen Fünfmaster in Auftrag gegeben, der fol­gende Dimensionen erhalten wird: 400 Fuß englisch, in der Wasserlinie 53 einen halben Fuß breit, 33 Fuß 7 einen halben Zoll tief. Das neue Schiff wird eine Tragfähigkeit von 8200 Tonnen haben. Kaiser Wilhelm antwortete auf ine Mitteilung von dem beschlossenen Neubau folgendes:

Mit lebhafter Freude hat mich Ihre Meldung erfüllt. Ich ersehe daraus, daß Sie, Ihrer Charaktereigenschaft entsprechend, mit Zuversicht in die Zukunft blickend in Crgebenheit gegen Gott, der Ihnen eine so schwere Prüf­ung auferlegte, rastlos weiter streben. Ich gratuliere zu dem Entschluß, der Ihre Rhederei und auch Deutschland betr. der Segelschiffe wiederum in die vorderste Linie gebracht hat. Gott schütze Sie und Ihr Schiff.

Zur braunschweigischen Thronfolgefrage schreiben dieBraunschw. Neuest. Nachr." in ihrem Neu- sahrsartikel:

In der Thronfolgefrage bliebs beim alten, und des Provisoriums Ende ist immer noch ein schöner Traum. Zwar glaubte ein großer Teil der deutschen Presse, daß die am 10. Juli v. I. erfolgte Vermählung des Prinzen Max von Baden mit der Prinzessin Marie Luise von Hannover eine Versöhnung zwischen dem Welfenhause und dem Hause Hohenzollern herbeiführen und der Friede zwischen dem Herzog von Cumberland und Kaiser Wil­helm II. unter Verzicht auf Hannover alsbald geschlossen würde; doch dieser fromme Glaube, den dieEinge­weihten" nie besaßen, erwies sich als irrig. Es wurde auch nicht ein Jota an den bisherigen Beziehungen ge­ändert und fast scheint es gar, als ob der Draht, der von der Spree nach dem Traunsee führt, in der letzten Zeit wieder defekter denn sonst geworden ist; man will wissen, daß Herzog Ernst August neuerdings abermals zum Verzichtleisten bewogen und'Se. königl. Hoheit wieder­holt sehr deutlich abgewinkt hat. Wir sehen ein Ende unserer Thronfolgeangelegenheit leider noch nicht in Sicht.

Ueber Kirchenbaugelder und Spielhagen­bankenkrach hatte dasKl. Hofjournal" neulich berichtet, die ober st en Behörden Preu ßens hätten dem Ober­hofmeister Frhr. v. Mirbach auf Anfrage erklärt, die Pfandbriefe der Preußischen Hypotheken-Aktienbank seien so gut und sicher wie die deutsche Reichsanleihe. Jetzt er- flärt dasKl. Journ.", diese Angabe sei in dieser Form nicht richtig.Es sollte vielmehr der absolute Zeitraum zu den Hypotheken-Pfandbriefen dadurch erklärt werden, daß dieselben allgemein und gern vielfach auch von hohen Staatsbeamten gekauft worden sind, und daß man auch in den Vorständen der Vereine, in denen ebenfalls viele höhere Beamte sich befinden, an der Sicherheit der Pfand­briefe niemals Zweifel hegte."

Wie dasB. T." von gut unterrichteter Seite hört, wird die preußische Regierung dem Landtage unmittelbar nach seinem Zusammentritt die neue Kanal-Vorlage zugehen lassen und sie im Abgeordnetenhause auf das nachdrücklichste vertreten. Die erste Beratung der Vorlage soll nach Erledigung der ersten Lesung des Staatshaus­halts-Etats noch im Laufe dieses Monats erfolgen. Was die Frage der Revision des Zollt ar ifes und der Erneuerung der Handelsverträge betrifft, so steht die Regierung auf dem Standpunkte, däß sie dem Wunsche der Reichstagsmehrheit auf Erhöhung der Getreidezölle nachgeben wird, jedoch werde sich diese Erhöhung in engeren Grenzen halten, als sie der Bund iter Landwirte wünscht. Für einige Artikel, und zwar gerade die Kornzölle scheint die Regierung Maximal- und Minimat-Zollsätze zu planen. Die Regierung sei fest entschlossen, nach Ablauf der bestehenden Handelsverträge neue zu schließen.

Eine neue größere Bestellung auf Gewehre des Modells 98 hat da« Kriegsministerium der Mauserschen Fabrik in Oberndorf Übertragen. Die erste Rate ist kurz vor Weihnachten abgeliefert worden. Mit der Erledigung des neuen Auftrages wird die Fabrik bei einem Stamm von

etwa 1000 Arbeitern bis Oktober d. Js. beschäftigt fein. An der Herstellung der neuen Waffen arbeiten außerdem noch die königlichen Gewehrfabriken in Spandau, Erfurt unt» Danzig, indcs auch nur mit beschränk en Betrieben. Die neuen, zu diesem Gewehr passenden Seitengewehre werden in der Gewehrfabrik zu Erfurt sowie in einigen Privat sabnken hergestellt.

Halle a. d. S., 4. Januar. Gegen einen Gesetzentwurf betreffend das Verlagsrecht erheben die Mitglieder des Lehr körper- der Universität Hall«Wittenberg in einer Petition an den Reichstag einige Bedenken. Zunächst macht ote Petition geltend, daß der Gesetzentwurf im Grundsätze die freie Uebertragbarteit des Verlagsrechtes vor schlägt und die vertragsmäßige Ausschließung der Uebertrag^ barfeit im Konkurse des Verlegers der Wirkung beraubt. Es wird unter anderem hervorgehoben, daß das Verhältnis zwischen Verleger und Verfasser ein persönliches Vertrauens­verhältnis sei, und daß es garnicht gleichgültig erscheine, in wessen Verlag ein Werk herausgegeben werde, da schon der Name des Verlegers unter Umständen geeignet fein könne, Vorurteile gegen daS Werk zu erwecken. Die Petition empfiehlt daher, eine Bestimmung in den Entwurf aufzunehmen, nach oer die Nichtübertragbarkeit des Verlagsrechtes über das einzelne Werk durch Rechtsgeschäft als die gesetzliche Regel, bie Uebertragbarteit aber als die zu vereinbarende Ausnahme aufgestellt wird.

Leipzig, 4. Januar. In denLeipz. N. N.- erläßt Dr. Lum an die Erklärung, daß er gegen dieKöln. Ztg.-, da diese sich andauernd weigere, gegen ihn gerichtlich vorzugehen, nunmehr die Beleidigungsklage anftrengen werde. Zugleich weist er daraufhin, daß es sich um einen Bericht aus der zweiten Hälfte des Jahres 1899 handelt, der, wie eine vorliegende eidesstattliche Erklärung eines ver­trauenswürdigen Gewährsmanns besagt, ein gedrucktes Heft bildet, an dessen Spitze sich da- Wappen derDebeerS Company- befindet. Der Bericht habe die Form der gewöhnlichen englischen Amtsblätter und enthalte die bereits der Oeffentlichkeit übergebenen Zahlen. Er trage die Unter­schriftLionel Philipps" und befand fich im Gouvernements- gebäude zu Pretoria, als er eingesehen wurde. Der Herr, der ihn in Gewahrsam hatte, sei Gouvernementsbeamter Sluyter.

Ausland.

London, 4. Januar. Der Staatssekretär des Krieges gab gestern zu Ehren von Lord Roberts ein Diner, an dem der Prinz von Wales, der Herzog von Cambridge, der Herzog von Connaught, Lord Wolseley, der Kolonialminister Chamberlain und andere hervorragende Persönlichkeiten teilnahmen.

Rom, 4. Januar. In Hofkreisen verlautet, daß Prinz Georg, Gouverneur «von Kreta, sich mit der Prinzessin Xenia von Montenegro (geb. am 10. April 1881) vermählen werde. DerFanfulla" fügt hinzu, der Prinz werde nach der Hochzeit den Titelkönigliche Hoheit" an­nehmen.

DerCorriere di napoli" bringt die Nachricht, daß England geneigt sei, Italien als Entschädigung fürCassala die Insel Sokrata gegenüber dem Kap Guardafui ab- Antreten.

Wien, 4. Januar. So große Veränderungen des poli­tischen Besitzstandes sind in Oesterreich schon lange nicht verzeichnet tvorbejL *&er gestrige Tag brachte vor allem eine NiederlaM des Klerikalismus. Der Führer der österreichischen Sozialdemokraten kommt in Wien in eine aussichtsreiche Stichwahl, ein christlichsozialer Landes­ausschußbeisitzer ist gegen den Sozialisten Pernerstorfer unterlegen, ein zweiter kommt in einen bereits jetzt ver­lorenen Stichkampf mit einem Schönerianer, und ein dritter hat bei den in wenigen Tagen stattfindenden Wahlen für die Städtebezirke alle Aussicht durchzufallen. Das Salz­burger Mandat ging verloren, das oberfteirische wurde mit elf Stimmen behauptet.

Konstantinopel, 4. Januar. In Stiplie (Vilayet Konoeoo) kam es zu einem blutigen Konflikt zwischen bulgarischen Einwohnern und türkischen Gen­darmen und Truppen. Die Türken hatten mehrereTote. Eine Anzahl Verhaftungen wurde vorgenommen. Truppen­verstärkungen wurden nach Stiplie gesandt. Der Vali, der Gendarmeriekommandant und andere Beamte sind aus Ueskueb in Stiplie eingetroffen.

Aus Stadt und Kand.

Gießen, 5. Januar 1901.

* Ueber die au unsere Leser und Kunden verteUteu Kalender und Neujahrskarten schreibt derKorrespondent für Deutsch­lands Buchdrucker und Schriftgießer-:

Die Brühl'sche UniverfitätS'Buchdruckerei in Gießen sandte einen Wandkalender und Glückwunsch, die in vortrefflicher Weise nach Vor­bildern alter Meister hergestellt find.

Dr. Jessen, Direktor der Bibliothek des Berliner Kunstgewerbe-MuseurnS, schreibt:

Ich muß Ihnen umgehend meinen Dank sagen für die außer­ordentlich ansprechenden Drucksachen, die Sie unserer Bibliothek freund­lichst geschickt haben. ES ist bis zu den einfachsten Aufgaben so viel ernster, gesunder Geschmack, daß ich schon darum viel Freude gehabt habe. UeberdieS aber find auch die Zeichnungen von echtem Künstlerwert.

* Versetzungen. Der Garn.-Verw.-Jnsp. Scheibe! wurde von Lahr nach Butzbach, der Jntend.-Rat und Vor­stand der Jntend. der Großh. Hess. (25.) Div. Kieser zu der KorpS-Jntend. des 7. Armeekorps, der Jntend.-Rat und Vorstand der Jntend. der Verkehrstruppen Nord ho ff als Vorstand zu der Jntend. der Großh. Hess. (25.) Division versetzt.

AnS dem Theaterbnrean. Am Sonntag geht Dr. Karl Töpfers vieraktiges LustspielDes Königs Befehl" oder Der alte Fritz in seinem Privatleben" in Szene. Die Erstaufführung der NovitätFlachsmann als Erzieher" findet am 9. d. MtS. statt.

]:( Kleiu Linden, 4. Januar. DaS 7jährige Töchterchen eines hiesigen Gastwirts siel am Neujahrstage auf einer Treppe so unglücklich, daß eS fich erheblich verletzte. Das

Vermischtes.

Die Konitzer Beruhigungsversuche werden be- harrlich fortgesetzt, d.h. es kommen von Zeit zu Zeit Mitteilungen aus Könitz, aus denen das Publikum die Ueberzeugung ge­winnen soll, daß man den Mördern des Gymnasiasten Winter auf der Spur sei und daß somit daS Verbrechen noch seine Sühne finden werde. So wünschenswert dies nun auch fein würde, so haben wir doch, wie wir wiederholen, die Hoff­nung auf einen solchen AuSgang der Sache längst aufge­geben. Neuerdings wird aus Kom'tz derPresse" mitgeteilt, Zunächst kommt ein in Thorn dienender Soldat in Betracht, )cr Fleischer von Beruf ist und eine Braut in Könitz hatte» mit der Winter nachweislich verkehrt haben soll. Die Einzel­heiten, welche den Verdacht so sehr verstärkt haben, können noch nicht veröffentlicht werden, so viel fei aber gesagt, daß die in Betracht kommenden Personen unmittelbar nach der Mordthat aus Könitz verschwanden. Die Verdächtigen find bisher weder vernommen worden, noch wissen sie etwas da­von, daß sie observiert werden, weil in diesem Falle fich schwerlich die Beweise zur Ueberführung finden lassen würden. Fest steht jedenfalls so viel, daß die Behörde für jeden Finger­zeig dankbar ist, gleichgiltig, ob Juden oder Christen ver­dächtig erscheinen." Soweit der Konitzer Bericht, der jetzt durch die Zeitungen geht. Jeder denkende Mensch wird sich nun sagen, daß die Verdächtigen, die hiernach nicht wissen sollen, und auch nicht wissen dürfen, daß sie überwacht werden», durch solche Berichte doch erst mit aller Gewalt aufmerksam gemacht und zur Vorsicht gemahnt werden! Wozu also die Veröffentlichung solcher Mitteilungen? Man muß annehmen, daß sie nicht viel zu bedeuten haben. Erst vor ein paar Wochen war man ja den Mördern so schön auf der Spur von dieser damaligen Spur verlautet aber jetzt plötzlich gar nichts mehr!

* Bon ein em Weintrinker ersten Ranges schreibt man derDtsch. Weinztg.":In Forst a. d. Haardt starb dieser Tage ein gediegener Winzer im 88. Lebensjahre; ge­sund und fleißig von Jugend auf, arbeitete er von seinem 16. Jahre an mit gutem Humor im Felde, aber er lebte entsprechend gut und trank viel Wein. Früher wurden 3 Liter beim 80. Geburtstage auf den Tag festgestellt, und er selbst sagte:Ich will ehrlich fein, aber 4 Liter Wein im Durch- schnitt waren es doch sicher." Interessant ist nun das Quantum, das er in 72 Jahren getrunken hat. ES kamen ausS Jahr 1440 Liter, gleich !>/, Fuder, also 105 Fuder auf 72 Jahre. Forster Wein, schlechten trank er nicht, wollen wir auf 800 Mark rechnen, wären an Wein verbraucht 80000 Mark. ES ist ja im Preise hochgegriffen, aber im Quantum eher mehr wie weniger vertilgt worden.

* München, 3. Januar. DieAllg. Ztg." erzähle

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