Ausgabe 
5.12.1901 Zweites Blatt
 
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Nr. 386 Zweites Blatt.

151. Jahrgang.

Donnerstag 5. Dezember 1901

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Montags.

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GichenerAnzeiger

** General-Anzeiger v

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

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Bom Bnrenkriege

Aus H a r r i s m i t h kommt folgende Meldung des Reuterschen Bureaus": General Dartnell, mit einer Ab­teilung leichter Reiter, überraschte eine Abteilung bewaff­neter Huren, nahm 24 Mann gefangen, unter denen sich der Feldkornet Lyon und der Kapitän Pretorius befanden, und erbeutete 800 Stück Vieh und 150 Pferde. Lyon war der eifrigste Burenführer jenes Bezirks.

Wie aus Amsterdamer Burenquellen berichtet wird, haben die Buren beschlossen, nunmehr andere Maßregeln gegen die von ihnen gefangenen Engländer zu treffen. Anstatt diese, wie bisher unter dem Versprechen zu ent­lassen, daß sie die Waffen gegen die Buren nicht mehr ergreifen, sollen sie nnnmehr auf den Armen tätowiert, und bei Wiederergreifung erschossen werden.

Ter nach Brüssel zurückgekehrte Dr. Leyds demen- tre rt formell alle Friedensgerüchte.

Tie englische Botschaft verständigte die Pforte vsn einem demnächstigen Transport englischerseits in Odessa gekaufter, für Südafrika bestimmter Pferde durch die Dar­danellen.

folgende hervorgehoben: 200000 Mk. (voller Bedarf) zur Beschaffung eines Garnisonexerzierplatzes in Fulda; 15000 Mk., erste Rate (zu den Kosten vorläufiger Verhand­lungen und Entwurfsbearbeitung) zur Erwerbung und Herrichtung einesTruppenÜbungsplatzes für das achtzehnte Armeekorps. Kosten für Platz und Lagereinrichtungen können noch nicht angegeben werden. (In Betracht kommen bekanntlich nach der Original-Meld­ung desGieß. Anz.", die seitdem in die meisten Blätter übergcgangen ist unter Zitat desDarmst. Tägl- Anz.", der u n s die Nachricht entnahm, ohne uns zu erwähnen, die Orte R ü d d i n g s h a u s e n im Kreise Gießen und W o r - mertshausen im Kreise Marburg. D- Red.) Die ein­maligen Ausgaben des außerordentlichen Etats, die aus der Anleihe gedeckt werden, betragen 23 295 850 Mk., davon 4 728000 Mk. für den Ausbau der Landesbefestigungen. Ferner werden u. a. gefordert: 235 000 Mk. als erste Rate für Grunderwerb und Entwurf zum Neubau eines Garnison­lazaretts und Ersatzbeschaffung eines Exerzierplatzes in Koblenz; 13 000 Mk. als erste Rate für den Entwurf zum Neubau eines Garnisonlazaretts in Darm­stadt. Der mutmaßliche Verkaufserlös des alten Laza­retts beträgt 249 500 Mk., welche der Reichskasse zufließen würden; 300000 Mk. voller Bedarf zur Fortsetzung der Versuche mit Selbstfahrern zur Beförderung von Verpfleg­ungsmitteln und Munition.

Deutsches Reich.

Berlin, 3. Dez- Vor dem Kais er fand heute mittag die Vereidigung des Weih bi schoss von Straßburg. Baron Zorn vou Bulach, statt. Der Kaiser hielt folgenden Ansprache: Mit Befriedigung hat es mich erfüllt, daß zum Werhbischof der altehrwürdigen Diözese Straßburg ein Mann berufen worden ist, der dem Reichs- lande^von Geburt anLehört. Sie, Hochwürdiger Herr, sind ein Sohn des Elsaß und Sproß eines alten elsässischen edlen Geschlechts, das seit der grauen Vorzeit seinem Lande zahlreiche hervorragende Männer gestellt hat. Ihnen ist es nunmehr beschieden, als Weihbischof dem Bischof Ihrer Heimats-Diözese zur Seite zu stehen. Gern habe ich Sie daher in alle mit diesem Amt verbundenen Würden und Berechtigungen eingesetzt, und ich habe es mir nicht versagen können, wie neulich fettens des Bischofs von Metz, so auch von Ihnen das Gelöbnis der Treue persönlich entgegen­zunehmen. Die soeben von Ihnen gesprochenen loyalen Ver­sicherungen und Wünsche für mich), und mein Haus sowie Ihre Vergaugenhett im Staats- und Kirchendienst befestigen mich in dem Vertrauen, daß Sie es für Ihre Gewissenspflicht halten werden, Pie Eintracht zu pflegen und in der Diözese Straßburg, soweit es an Ihnen liegt, den Geist der Ehrfurcht gegen mich zu stärken und die Liebe zum deutschen Vaterlande zu mehren. Sie werden damit nur dem Beispiel Ihrer Vorfahren folgen, die zu Zeiten des Heil. Römischen Reiches Deutscher Nation in guten und bösen Zeiten, die Treue zu Kaiser und Reich, gehallen haben. Von Herzen heiße ich Sie, hvchwürdiger Herr, in dem Ihnen, übertragenen Amte willkommen. Möge Ihnen in Ihrem neuen Wirkungskreise Gottes Segen in reichstem Maße beschieden sein.

Das Königin Augusta-Regiment feierte heute den 64. Geburtstag seines Chefs, der Groß her-, zo gi n v o n B a d en. An Stelle des Obersten von Weftern- hagen, der sich mit drei Offizieren zur Beglückwünschung nach Karlsruhe begeben hatte, brachte der Offizier des Stabes beim Regiments-Appell das Hurra auf den Regi­mentschef aus. Heute abend versammelte sich das Offizier- Korps im Kasino zu einem Festmahl.

Der Kaiser und die Kaiserin sagten sich heute abend bei dem Reichs kanzler und der Gräfin Bülow zum Diner an

Tie Wahlprüfungskommission des Reichstags hat die Wahl des Abg. Sieg (natl.) (3. Marienwerder) mit 16 gegen 7 Stimmen für ungiltig, die Wahl des Abg. Baltz (natl.) für giltig erklärt.

Die Nationalliberalen haben heute be­schlossen, in die Kommission zur Vorberatung des Zoll­tarifs die drei Redner der Fraktion in der General­debatte Dr. Paasche, Frhr. Heyl zu Herrnsheim und Dr. Beumer, sowie außerdem den Abg. Sieg zu entsenden.

Zur Bürg er meist er frage teilte der Stadtv. Rosenow gestern in einer Bezirksversammlung mit, daß vor der zweiten Wahl mehrere der Neuen Linken nahe­stehende Stadtverordnete den Stadtrat Kau f sm an n dar­über interpelliert hätten, ob er auch unter allen Umständen an dem Bürgermeistermandat festhalten würde; Kauffmann habe darauf erklärt, er würde sein Mandat unter feinen Umständen freiwillig aufgeben. Hierzu wird jedoch aus dem Rathause mitgeteilt, daß mit Kauffmann mit Rücksicht auf die veränderte Sachlage bisher keinerlei Verhandlungen, auch nicht aus Stadtverordneten- kroisen geschwebt haben, und daß derselbe bisher keinerlei Erklärung abgegeben hat.

DieNordd. Allg. Ztg." veröffentlicht einen längeren Auszug aus dein Militäretat für 1902. Der Etat für das preußische Kontingent und die in die preußische Ver­waltung übernommenen Kontingente der anderen Bundes­staaten weift im ordentlichen Etat an fortdauernden Aus­gaben ein Mehrerfordernis von 8106 726 Mk., an einmaligen Ausgaben ein Mindererfordernis von 17 834 686 Mk. auf. An Einzelheiten sei folgendes erwähnt. Beim Militärkabi­nett ist bei der steigenden Arbeitslast die Bildung einer neuen dritten Abteilung Bedürfnis geworden. Zur Fort­führung der Errichtung von Maschinengewehrabteilungen Sllen im Jahre 1902 weitere 7 Abteilungen gebildet und e Etatsstärke der bestehenden fünf Abteilungen anderweit festgesetzt werden. Außerdem sollen bei der Fußartillerie, deren Aufgaben vielseitiger und schwieriger geworden sind, 10 Kompagnien neu errichtet werden. Infolge. der Ein­führung des Betriebes mit Zivilhandwerkern bei den Be- klordungsämtern der Garde, des 6. und 7. Armeekorps werden von den für diese etatsmäßigen 832 Oekonomie- handwerkern 826 abgesetzt werden. Durch diese Aender- ungen in der Heeresstärke, die vom 1. Oktober 1902 durch­geführt werden sollen, sowie durch eine geringe Verstärkung des Bezirkskommandos wird die int Gesetz vom 25. März 1899 festgesetzte Friedenspräsenzstärke an Gemeinen, Ge­freiten und Obergefreiten, int Laufe des Rechnungsjahres 1903 erreicht. Für das roßärztliche Personal ist eine Ge­haltsänderung vorgesehen. Dieselbe erfordert eine Mehr­ausgabe von 339 039 Mk. Infolge der Anforderungen der modernen Kriegführung wird die Errichtung einer militär­technischen Hochschule beabsichtigt, die in Charlvttenburg mit dreijährigem Lehrgang für 200 Offiziere eingerichtet werden soll. Für den Entwurf eines Neubaues dieser Hoch­schule werden 15 000 Mk. gefordert- Die Minderforderungen Bei den einmaligen Ausgaben des ordentlichen Etats er­klären sich durch die Erledigung einer großen Reihe von Neubauten durch die Bewilttgungen des Etats für 1901 oder durch niedrigere Beträge vieler in dem neuen Etat­entwurf für Bainen geforderten weiteren Raten, endlich durch die infolge der ungünstigeren Finanzlage gebotenen Sparsamkeit. Von den wichtigeren Neuforderungen seien

Ausland.

Haag, 3. Dez. Die neuerdings umlaufenden Gerüchte, daß sich Königin Wilhelmina in gesegneten Um­ständen befinde, werden von gutunterrichteten Kreisen für durchaus unbegründet bezeichnet. Vielmehr sei erwiesen, daß das Unwohlsein der Königin auf eine Fehlgeburt zurückzuführen sei.

Brüssel, 3. Dez. Der Bischof von Gent Stille- ntan ist vom Papst in den Gras en stand erhoben worden.

Paris, 3. Dez. (Kammer.) Der Nationalist Massa- buau führt aus, die Finanzen aller Staaten stünden unter der drückenden Herrschaft der ins Unermeßliche gestiegenen Ausgaben für Armee und Marine, und nach der Haager Konferenz sei der Moment ernstlichen Erwägens gekommen, ob die Mllitärlast nicht durch eine internationale Vereinbarung zu mildern sei. Redner schließt unter dem Beifall der Sozialisten mit der überraschenden Erklärung, daß er das B ü n d n i s mit Deutschland für das einzige Mittel halte, Frank­reichs. Finanznot zu heilen.

Wien, 3. Dez. Im Abgeordnetenhaus erklären die Ruthenen, Sozialdemokraten und der böhmische Bauern­stand, daß sie gegen das Budgetprovisorium stimmen wer­den. Das Gleiche erklärt Bareuther Namens der All­deutschen, die der Regierung kein Vertrauen entgegen^ brächten, weil diese nicht durch Gesetz die deutsche Sprache als Staatssprache erklären lasse und den Paragraph 14 nicht beseitige.

Petersburg, 3. Dez. Der Aufenthalt des Marquis Ito in Petersburg veranlaßt die hiesigen russischen Blätter, Japan Komplimente zu machen, die Friedensliebe Ruß­lands zu betonen, und über ein russisch-japanisches Bündnis Betrachtungen anzustellen, die durchweg zu Gunsten eines solchen Bündnisses ausfallen.

Konstantinopel, 3. Dez. In Djed dah (am Roten Meere, Hafenstadt für Mekka) hat die dortige, 700 Mann starke türkische Garnison gemeutert. Dieselbe zog sich in die große Moschee zurück, welche sie befestigte. Tie Truppen fordern ihren rückständigen Sold, sowie ihre Heimbeförderung, da seit zehn Atonalen ihre Dienstzeit abgelaufen ist. Ter dortige Gouverneur hat jeden Einfluß verloren. Der Sultan sandte den Scheris von Mekka nach Tjeddah, um den Streit zu schlichten. Die Konsuln daselbst sollen wegen ihrer persönlichen Sicherheit einigermaßen beunruhigt sein, und es ist nicht ausgeschlossen, oaß deshalb ein in der 9!ähe befindliches italienisches Kriegs­schiff nach Djeddah beordert wird.

New-York, 3. Dez. lieber den Ankauf der dä­nischen Antillen durch die Vereinigten Staaten wird berichtet, daß der Präsident des General-Ausschusses für Strategie, Admiral Tewey, erklärt hat, der Ankauf der Insel St. Thomas sei aus strategischen Gründen unbedingt notwendig. Man schließt hieraus, daß der Ankauf der Antillen unbedingt zu stände kommen wird.

Dom Krieg in ßentral-AmeliKa.

Von dem Kommandanten S. M. S.Stein" ist nach­stehendes Telegramm aus Colon eingegangen:

Colon ist seit 30. November wieder in Händen der Regierungspartei, die Rebellen haben die Waffen nieder­gelegt. Die Amerikaner, Engländer und Franzosen haben einen Teil der Mannschaft zum Schutz ihrer Nationen aus- geschifft. Die deutschen Interessen lind nicht unmittelbar bedroht, die Ruhe ist vorläufig wieder hergestellt.

DerNew-York Herald" meldet aus Port of Spain: Aus Laguayra eingetroffene Reisende berichten, der deutsche Gesandte in Venezuela empfehle seiner Regierung, acht Kriegsschiffe in verschiedenen venezolanischen Häsen zu stationieren, um eine Zahlung von Entschadig- ungsforderungen zu erzwingen. Wie demNew-York He­rald" aus Washington gemeldet wird, rechnet man dort nicht damit, daß Deutschland den Versuch machen werde, einen Gebietsteil zu besetzen. Deutschland wird freie Hand gelassen werden, Venezuela zu zwingen, den Forderungen deutscher Staatsangehöriger gerecht zu werden. Seitens der Regierung der Vereinigten Staaten werde nichts dagegen gethan, wenn Deutschland oder irgend ein anderer europäischer Staat eine Flotte nach Venezuelai entsendet, um die Beilegung der schwebenden Fragen zu erzwingen.

Schwurgericht

P. Gießen, 4. Tcz.

Gestern vormittag wurde vom Landgerichts rat Hellwig die Verhandlung um 9 Uhr eröffnet. Angellagt sind der 60 Jahre alle Landwirt Heinrich stlug von Metzlos-Gehag wegen Vergehens nach § 173 d. Str.-G. und dessen 29 Jahre alte Schwiegertochter Witwe Sibylle Klug von Metzlos- Gehag wegen Kindestötung. Die Anklage vertritt Gerichts­assessor Dr. Hetzel. Heinrich Klug wird von Rechtsanwalt W erdig, Sibvlle Klug von Rechtsanwalt Hoos ver­teidigt. Es sind 8 Zeugen und als medizinischer Sachver­ständiger Kreisarzt Dr. W e n g l e r geladen.

Beide Angeklagte sind in vollem Umfange geständig. Die Witwe Klug giebt zu, ihr am 23. Oktober geborenes uneheliches Kind, dessen Vater ihr Schwiegervater war, gleich nach der Geburt getötet zu haben, indem sie ihm oen Hals zudrückte. Die kleine Leiche wurde von der Mutter im Garten verscharrt. Der Angeklagte Heinrich Klug er­klärt, er habe nicht gewußt, daß der Umgang mit der Ehe­frau seines verstorbenen Sohnes strafbar sei. Die Ange- ttagte will ihn auf die Straffälligkeit aufmerksam gemacht haben. Durch die Zeugenvernehmung wird festgestellt, daß die Sibylle Klug häufig anderen Personen gegenüber geklagt habe, ihr Schwiegervater stelle ihr nach.

Der Arzt von Freiensteinau bekundet, daß er die An­geklagte Klug untersucht und ihren Zustand festgestellt, ihr auch geraten habe, in die Klinik nach Gießen zu gehen, um dem Gerede der Leute aus dem Wege zu gehen. Kreisarzt Dr. Wengler bekundet, daß die Leiche des Kindes der Angeklagten, als sie ihm vorlag, bereits so in Verwesung übergegangen war, daß er nicht festzustellen vermochte, ob das Kiyd lebend zur Welt gekommen sei. Doch sei es reif und lebensfähig gewesen und in Verbind­ung mit den Angaben der Angeklagten müsse er annehmen, es habe gelebt. Damit ist bie Beweisaufnahme erschöpft.

Die an die Geschworenen gerichteten Schuldfragen lauten: betreffs des Angeklagten Heinrich Klug wegen Ver­brechens aus § 173 d. Str.-G. (Blutschande, betreffs der Witwe Sibylle Klug, ob diese schuldig fei: 1. der gleichen Thctt; 2. der Kindestötung und ob ihr wegen dieses Ver­brechens mildernde Umstände zuzubilligen seien.

Tor Vertreter der Staatsbehörde, Gerichtsassessor Dr. He tzel, plaidiert für Bejahung der Schuldfragen gegen beide Angeklagte. Es sei ein trauriges Sittenbild, das die Verhandlung entrollt habe. Moralisch fei der Angeklagte Klug sclMd an dem Unglück der Witwe. Dieser Umstand und die Thatsache, daß die Sibylle Klug ihre That gestanden hat, aufrichtige Reue bekundet, und noch nicht vorbestraft ist, veranlassen den Ankläger, mit Wärme dafür einzutreten, daß der immerhin bedauernswerten Person mildernde Um­stände zugebilligt werden.

Der Verteidiger des Heinrich Klug, Rechtsanwalt Weidig, erklärt, er sei ganz der Ansicht des Staats­anwalts. Rechtsanwalt H o o s nimmt Veranlassung, dem Vertreter der Staatsbehörde zu danken, daß er ihm seine Aufgabe, die Angettagte Scbylle Klug zu verteidigen, so leicht gemacht habe. Eingehend würdigt er nochmals alle Milderungsgründe, die für feine Klientin sprechen.

Nach kurzer Rechtsbelehrung seitens des Vorsitzenden und nach einviertelstündiger Beratung verkündet der Ob­mann Landwirt C r ö l l von Altenstadt den Spruch der Ge­schworenen, der dem Antrag des Vertreters der Staats­behörde gemäß lautet. Gerichtsassessor Dir. Hetzel be­antragt, gegen Sibylle Klug wegen der Kindestötung auf die geringste zulässige Strafe von zwei Jahren Gefängnis, wegen des Vergehens aus § 173 d. Str.-G. aber auf 4 Atonake Gefängnis zu erkennen, und als Gesamtstrafe 2 Jahre 2 Monate Gesängnis auszusprechen, woraus sechs Wochen der verbüßte,: Untersuchungshast in Anrechnung zu bringen seien. Geyen den Angeklagten Heinrich Klug beantragt er, eine Gefängnisstrafe von 1 Jahr und 3 Mo­naten zu erkennen, unter Anrechnung von 4 Wochen Unter, suchungshast.

Verteidiger Rechtsanwalt Hoos bittet die Strafe gegen Sibylle Klug noch erwaS-heraozusetzen, damit die Mutter ihren drei verwaisten Kinoern btub zurückgegeben werde. Ter Verteidiger, Rechtsanwalt Weidig, hält die gegen feinen Klienten beantragte Strafe für viel zu hoch und sucht in