Ausgabe 
5.12.1901 Drittes Blatt
 
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Nr. 287

151. Jahrg

Donnerstag, 5. Dezember 1901

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Liehen.

mische Heiterkeit). Als ich einen Andern fragte, wie es denn mög-

Wünsche nach höheren Zöllen laut geworden. Ich gebe das zu, ich

Rotationsdruckmrd 93erlog der Brüh l'scheu Urrwerfitätsdrnckerer (Pietsch-Erben), Gießen.

Verantwortlich fld: den allgemeinen TeL P. WitLto; für den Anzeigenteil: H. B«L

der Furcht vor dem Auslande. Ja, glauben Sie denn, das Aus­land wäre nicht ganz genau unterrichtet über die Verhältnisse bei uns? Man hat im Auslande eine ganz ausgezeichnete Kenntniß unserer Verhältnisse. Graf Posadowsky hat darauf hingewiesen, daß wir 44 Ermäßigungen in dem vorliegenden Tarif haben. Ja, sogar einige landwirthschaftliche Ermäßigungen haben wir. Für c i n Thier hat man den Zoll vermindert, und das ist der Esel. (Heiter­keit.) Wozu dient denn der Esel? Er dient meistens zu Ver­gleichen. (Heiterkeit.) Niemand kann behaupten, daß wir eine große Einfuhr von Eseln haben. (Zuruf: Wir haben genug I) Der Esel ich meine den Naturesel, nicht den Vergleichs­esel kommt bei uns so selten vor, daß ich

kenne solche Spezialitäten auch, aber gerade weil das richtig ist, hätte man sich in erster Linie an solche großen Verbände wenden sollen, die einen weiten Blick haben, vor Allem an die Handels­kammern. Dann hätte man erfahren, was wirklich das allgemeine Interesse fordert und nicht das Interesse eines kleinen Vereins oder des einzelnen Vetheiligten, der immer denkt: Heiliger Florian, be­wahr' mein Haus, zünd' andere an! Nicht bloßer Registrator der Industrie ist der Staatsmann, der Handelsvertragspolitik treibt. (Beifall links.) Als man dem Grafen Bülow den Vorwurf machte, daß er keine führende Nolle in der Handelspolitik einnehme, da sagte er, das sei nicht seine Aufgabe, das sei Sache der Bundes­staaten. Auf diesen Standpunkt habe sich Fürst Bismarck, auf den sich ja die Herren vom Bundesrath so gerne berufen, nicht gestellt; er war auch der führende Theil bei dem, was er zur Ausführung brachte. Nur mit dem kleinen Diplomatisiren, wie es jetzt üblich geworden ist, kann dann auch ein solches Monstrum wie dieser Zolltarif zu Stande kommen. (Sehr richtigI links.) Hinter verschlossenen Thüren hat man diesen Zolltarif ins Werk ge­setzt. Ja, warum denn? Handelte es sich denn um so furchtbare Geheimnisse? Als es sich im Jahre 1878 um die Jnaugurirung der Zollpolitik handelte, da war von solcher Heimlichthuerei keine Spur zu merken. Man konnte es jeden Tag in den Zeitungen lesen, was verhandelt worden war; als das Tabakmonopol einge­führt werden sollte, hat der Fürst Bismarck die Oeffentlichkeit ge­scheut? Als England in den vierziger Jahren die Revision seiner Navigationsakte vornahm, hat man da hinter ver­schlossenen Thüren verhandelt? Nein, Alles geschah in vollster Oeffentlichkeit. Warum also gerade bei diesem Zolltarif eine solche Geheimnißkrämerei? Warum hat man nicht auch das Handwerk und die Arbeiter ge­hört? Selbst Fürst Bismarck hat das doch gethan l Warum hat man in einer solchen Frage nicht die Hygieniker gehört? Diese haben estgestellt, daß die Ernährung der Arbeiter im Allgemeinen eine durchaus unzureichende ist. Das hat kürzlich noch ein namhafter Hygieniker für Breslau festgestellt. Warum redet man immer von

hat. (Heiterkeit.) Auf solche Ermäßigungen ist also ein besonderer Werth nicht zu legen. Wenn das so weiter geht, legen Sie schließ­lich auch auf Gold einen Zoll. (Lachen rechts.) Ja, bei Ihnen wird nachgerade Alles möglich. Der jetzige Tarifentwurf hat zweifellos einen hochschutzzöllnerischen Charakter. Dabei hat man mit dem bisherigen Tarif die besten Erfahrungen ge­macht. Dieser Tarif hat sich als eine sehr brauchbare Grundlage für Vertragsverhandlungen erwiesen; den Handelsverträgen, die auf dieser Grundlage abgeschloffen worden sind, ist ein ungeheurer wirthschaftlicher Aufschwung Deutschlands gefolgt. In dieser Be­ziehung hat sich also der Tarif sehr gut bewährt. Wir verlangen nichts weiter, als daß an der Politik der Handelsverträge festge­halten wird. Wir sind also hier die Konservativen. Die In­dustrie will keine höheren Zölle. Sie hat gegen die Erhöhungen die größten Bedenken; sie fürchtet, daß dadurch nun das Ausland seiner­seits zu Erhöhungen angereizt wird. Auf diese Gefahr ist ja selbst in der Begründung hingewiesen. Nun wird immer von der Unzu­länglichkeit unserer Zölle auf Fahrräder und Nähmaschinen geredet. Ja, werden wir denn wirklich mitFahrrädern so überschwemmt? Nach der Statistik führen wir 7 Mal so viel Näder aus, als bei uns ein­geführt werden. Also so dringend ist das Bedürfniß nach höheren Fahrräderzöllen nicht und merkwürdiger Weise sind gerade einige den größten Fahrradfabrikanten Mitglieder des HandelsverlragsvereinS. Aehnlich verhält es sich mit den Nähmaschinen. Mir haben ver­schiedene Nähmaschinen-Fabrikanten über die Zollerhöhung gesagt: So ein Unsinn; wenn uns nun die anderen Länder das nachmachen? Das Beispiel, welches ein großer, mächtiger Staat giebt, kann große Wirkungen haben. Hat nicht die Schutzzollpolitik von 1870 in vielen anderen Ländern die schntzzöllnerischen Tendenzen gestärkt? Nicht weniger hat das Beispiel auf Zollermäßigungen hingewirkt, das Deutschland 1891 mit den Handelsverträgen gab. Diese Handels­verträge haben unsere Ausfuhr kolossal gestärkt, sie ist seitdem um 631 Millionen größer geworden. Unsere feste lieber» Beugung ist, daß das Vorgehen Deutschlands mit einem solchen Tarif auch im Auslande die Neigung zur Folge haben wird, die Zolle zu erhöhen. Dadurch werden also die Verhandlungen er­schwert, nicht erleichtert.

Man sagt, unsere Industrie sei selbst an diesem Tarif interessirt. Das ist durchaus nicht der Fall. Die Industrie hat ein viel größeres Interesse daran, daß die Handelsvertragspolitik fortgesetzt wird, als an Zollerhöhungen. Selbst die Cisenzölle haben den Industriellen nicht die erwarteten Vortheile gebracht. Wie hat denn der Zoll gewirkt? Im Jnlande hat man die Eisen- Preise hochgehalten und nach dem Ausland billig verkauft. (Sehr richtig!) So hat man in Holland den Schiffsbau, in Belgien die Drahtstiftindustrie großgezogen. (Sehr richtig!) Durch solche Zölle werden nur Syndikate und Kartelle befördert. Sehen Sie sich den Zuckerzoll an; Herr Paasche leugnet es zwar, daß der Zuckerzoll die Konsumenten geschädigt habe; aber kennt er denn nicht das Zuckerkartell? Das Interesse unserer Hauptexport­artikel liegt nicht darin, daß Schutzzölle bestehen, sondern, daß die Preise der Rohprodukte sinken. Die Eisenzölle verdanken wir hauptsächlich dem Freiherrn von Stumm, der trotz seines Namens das beredteste Mitglied der Eisenkommission war. Amerika ist das Land, das die höchsten Eisenzölle hat; aber Amerika ist zugleich auch das Land der schroffsten Konjunkturwechsel. Unsere meisten Industrien sind so entwickelt, daß sie die Einfuhr gar nicht zu fiirchten brauchen. Selbst für Baumwolle ist ein höherer Zoll ver­langt worden! Vernünftige Vaumwollfabrikanten wollen aber nichts davon wissen. Das Bündniß zwischen Agrariern und Groß­industriellen ist ganz unnatürlich; das hat sich kürzlich noch gezeigt, wenn es auch zunächst gelungen ist, den Riß zu verkleistern.

Was den M i n i m a l t a r i f anlangt, so kann ich mich hier auf einen Mann berufen, der gewiß eine ebenso große Bedeutung beanspruchen kann, als die heute Maßgebenden, ich meine den

Parlamentarische Verhandlungen.

Nachdruck ohne Vereinbarung nicht geftattet

Deutscher Reichstag.

!D4. Sitzung vom 4. Dezember.

ff Nhr. Haus und Tribünen sind gut besetzt.

Am Bundesrathstische: Graf Posadowsky, Möller, Arhr. von Rheinbaben, bairischer Finanzminister v. R i e d e l u. A.

Die erste Berathung des Zolltarif-Gesetzes wird fortgesetzt.

Abg. Dr Paasche (nat.-lib.): Die Ansicht des Abg. Richter, daß durch die Kommissionsberathung das Jntereffe an der Vor­lage schwinden würde, kann für uns nicht maßgebend sein. Eine so wichtige Vorlage muh ganz einer Kommission über­wiesen werden. Wenn man freilich von vornherein einNein" dafür hat, so ist keine Kommissionsberathung nöthig. Dann war auch die lange Rede des Herrn Richter von gestern nicht nöthig ge­wesen. Der Handelsvertragsverein, der mit Millionen arbeitet, nennt die Freunde der Vorlage in allen seinen Publikationen Feinde der Handelsvertragspolitik. Das ist grundfalsch, wir sind keine Handelsvertragsfeinde, sondern wir Alle sind davon über­zeugt, daß im Interesse der Sicherstellung unserer Exportindustrie möglichst günstige Handelsverträge abgeschlossen werden müssen. Wir denken gar nicht daran, unsere Weltmachtsstellung aufzugeben, wir denken auch nicht daran, von unserer Weltmachts­politik abzulassen, mit der fteilich eine gesunde Heimathspolitik Hand in Hand gehen muß. Auf die Worte auswärtiger Minister darf man nicht zu viel Gewicht legen, der Handel darf sich dadurch ebenso wenig beunruhigen lassen, wie durch die Veröffentlichungen des Handelsvertragsvereins. Wenn dieser Verein auf die schlechten Löhne der Arbeiter hinweist und von Hungerlöhnen in Deutsch­land spricht, so schadet er damit nur der Industrie.

Wir betrachten die Regierungsvorlage als Grundlage weiterer Verhandlungen und hoffen, daß etwas Ersprießliches zu Stande kommt. Die Herren von der Linken, besonders Herr Richter, thun so, als ob der industrielle Aufschwung gerade auf den geltenden Zolltarif, das Caprivische Machwerk, zurückzuführen sei. Aber hatten nicht auch beim Ab­schluß der jetzigen Handelsverträge die ausländischen Staaten vor­her ihre autonomen Zölle beträchtlich erhöht, um uns gegenüber davon etwas ablassen zu können? Warum sollen nicht auch wir uns darauf einrichten. Das ist keineswegs ein Kuhhandel. Die Vorlage ist zurückzuführen auf ein Zusammenarbeiten von Volk und Regierung, sie ist keineswegs hochschutzzöllnerisch, wie die Gegner sagen. Der Abg. Richter warf den Agrariern gestern Hinterwäldlerpolitik vor, aber derselbe wirthschaftspolitischeGrund- ; satz, den er den Agrariern zum Vorwurf machte, ist in Amerika zum Durchbruch gekommen, und dieseHinterwäldlerpolitik", das Bestreben, möglichst den eigenen Markt zu bevorzugen, hat.Amerika groß gemacht. Die landwirthschaftliche Produktion hat sich dort gewaltig ausgedehnt, der Weizenllau hat sich in wenigen Jahren verdoppelt, die Industrie ist in Blüthe gekommen, die Roheisen­produktion ist erheblich gestiegen. Und das Alles unter der Schutz­zollpotilik, die niemals die Interessen des Auslandes, sondern stets rücksichtslos nur die eigenen Interessen vertreten hat! Man spricht dort auch von einer liberalen Politik zur Gewinnung fremder Länder, aber sie meinen damit oie Ermäßigung derjenigen Zölle, die Amerika nicht mehr braucht, und die Aufhebung der Zölle auf solche Maaren, die im Jnlande nicht produzirt werden. Daß man im Uebrigen in Amerika von der Schutzzollpolitik nicht abgehen will, beweist doch deutlich die neueste Botschaft des Präsidenten Roosevelt. Sollen wir da etwa nachgiebig sein? Nein, zeigen wir Amerika die Zähne! Eins der größten Elektrizitätswerke Deutsch­lands weist darauf hin, daß es ihm in Folge des hohen Zolles von 45 pCt. unmöglich sei, seine Erzeugnisse in Amerika abzusetzen. Sie sehen also, wie wenig Amerika auf andere Länder Rück­sicht nimmt l

Die Vorlage ist eine agrarische genannt worden und Abg. Rickiter hat gefragt, warum wir nicht auf der bisherigen Basis bleiben, sondern die Agrarzölle erhöhen wollen. Ich gebe zu, daß wir in den letzten Jahren einen industriellen Aufschwung zu verzeichnen hatten, aber warum weist man nur immer darauf hin und nicht auch auf die Sage der Landwirthschast? Warum macht man uns den Vorwurf, als wollten wir ohne Rücksicht auf die Ar­beiter nur einseitig der Landwirthschast helfen? Das Sinken der

sofort das Maximum

. - . - ------------- (Sehr richtigI links.)!

-vsa) kann es m dieser Beziehung nur mit dem Diplomaten und Staatsmann Bismarck halten und erkläre mich gegen den Minimaltarif. (Reichskanzler Graf von Bülow betritt den Saal.)

Nun sagt man uns, um uns zu beruhigen: es wird möglich sein, mit dem neuen Tarif günstige Verträge abzuschließen. Ich frage: Woher will man denn das wissen? Mir ist gesagt worden, im preußischen Staatsministerium sei die Frage gar nicht erörtert worden. (Hört! hört!) Wenn der Herr Reichskanzler bestimmte Aiihaltspunkte für seinen Glauben hätte, würde er sie doch gewiß in feiner bestimmten liebenswürdigen Kollegialität seinen Kollegen nicht vorenthalten haben. Ta er nichts gesagt hat, ist wohl anzunehmen, daß er auch nichts Bestimmtes weiß. Was sagt denn die Begründung über diese Frage? Es heißt da, die Aussichten für den Abschluß neuer Verträge konnten noch nicht überblickt werden. Das ist nicht sehr vertrauenerweckend. An einer anderen Stalle heißt es, man müsse sich vorbereiten, um eventuell für einen Zollkrieg gerüstet zu sein. Was ist denn nun eigentlich die Absicht? Wenn man mit den jctjigcn Minirnalsätzen keine Handelsverträge zu Stande bekommt, wllen dann die Minimalsätze ermäßigt werden oder will man es Dann auf einen Zollkrieg ankommen lassen? Mir hat ein Mitglied der Mehrheitsparteien gesagt, dann sollten die Minimalsätze aufge­hoben werden. (Ohol rechts.) Ja, das hat dies Mitglied mir ge- M; 'S weiß ja nicht, ob viele von Ihnen so denken. Wenn das Ihre Meinung und die Meinung der Negierung sein sollte, dann ist es jedenfalls nicht sehr zweckmäßig, die Minimalsätze überhaupt erst e'c"t r^en" Posadowsky sagt: Die Sache ist gar nicht so gefährlich. Die beste Garantie für uns liegt in dem Ueberschuß unterer Einfuhr. Ja, wenn wir nur nicht in der unangenehmen Situation waren, daß unsere Einfuhr größtentheils aus Nohstosfen besteht; nur 49 pCt. unserer Einfuhr sind Fabrikate und Nahrungs- w'ttel. Wollen Sie denn auf diese Einfuhr von Rohstoffen ver­zichten? Und wenn nein, wie wollen Sie denn das Ausland zwin­gen, den Zoll zu tragen? Nun muß hier immer Amerika mit seinen Wn Schutzzöllen herhalten. Ich bedauere die verfehlte Schutzzoll­politik Amerikas gewiß; aber wir dürfen nicht außer Acht lassen, daß trctzdem unsere Ausfuhr nach den Vereinigten Staaten in den letz­ten Jahren bedeutend gestiegen ist. Wenn man es schon auf einen BoUfricg ankommen lasten will, so muß man sich wenigstens über leine Chancen klar sein. Wenn man ohne diese Klarheit in den Zollkrieg binemrennt, so handelt man nicht patriotisch, sondern chauvinistiich. (Sehr richtig.) ' ' "

Tie ganze S P e z i a l b c g r ü n d u n g ist äußerst schwach, die angewandte Logik ist etwas eigenartig. Zum Wenigsten hätte man Widerspruche vermeiden und einheitlich vorgehen müssen Nrw da^ eine Zieht sich durch die Begründung wie ein rother Faden daß

s? m W d) a T t geholfen werden muß. Taß^die Land^ wirthichaft nothleidend ist, ist.einfach ein Dogma Warum hat die Steuerung nicht wenigstens eine Enquete darüber veranstaltet?

Sinne des Wortes, nicht mit kriegerischer Macht, sondern mit fried­lichen Waffen ermöglicht. (Beifall im Centrum und rechts.)

Abg. Gothein (freif. Vgg.): Auch meine Freunde sind der Meinung, daß es sich nicht empsiehlt, den ganzen Zolltarif unmittel­bar im Plenum des Hauses zu behandeln, das würde wegen der Schwierigkeit der Materie hinsichtlich jeder einzelnen Position gar nicht möglich sein, wir sind daher auch für eine Kommis­sionsberathung.

Der Staatssekretär Graf Posadowsky sagte, daß die Zolltarif­frage keine politische, sondern eine wirthschaftliche Frage sei. Diese Bemerkung ist insofern von erheblichem Jntereffe, als verschiedene Beamte es Stadtverordnetenversammlungen, gewiffen Vereinen u. s. w. verboten haben, sich in Resolutionen gegen den Zolltarif auszusprechen, weil hier ein politischer Gegenstand vorliege. So hat der Polizeipräsident von Hannover dem Werkmeisterverein es sogar untersagt, einen Vortrag darüber anzuhören. Ich freue mich deshalb, daß der Staatssekretär diese untergeordneten Be­hörden rektifizirt hat, und ich hoffe, er wird es veranlassen, daß den Regierungs- und Polizeibehörden jetzt eine ausdrückliche An­weisung zugeht, daß sie die Erörterung der Zolltarifftagen unbe­anstandet lassen, weil sie wirthschaftlicher und nicht politischer Natur seien. Das ist die einfache Konsequenz der Erklärung' des Staatssekretärs. Es ist daraus hingewiesen, daß auch früher Herr von Marschall und Andere es als nothwendig bezeichnet hatten, den bisherigen Tarif mehr zu spezialisiren. Der Staats­sekretär mußte aber auch zugeben, daß es doch nicht nothwendig ge­wesen sei, nur immer die ganzen Positionen vollständig preiszu­geben, sondern daß man das diplomatische Geschick besessen habe, dies zu umgehen. Also, so dringend war das Bedürfniß des Spezialffirens Wohl doch nicht, wie cs jetzt hingestellt wird. Immer­hin erkennen wir an, daß es ganz angebracht gewesen sein mag, den Tarif etwas bester auszubauen. Ich glaube aber nicht, daß damals, als dieser Gedanke auftauchte. Jemand im entferntesten daran gedacht hat, nun einen solchen Tarif wie diesen mit 946 Positionen zu schaffen. Aber das ist ja ziemlich gleichgültig, wie­viel Positionen der Tarif enthält, die Hauptsache ist, ob die ganze Anordnung denn wirklich soviel besser ist, als früher. Man hat jetzt die Rohstoffe und die Maaren, die daraus hergestellt werden, besonders behandelt. Jetzt muß man z. B. genau überlegen, wo beim Holze die Bearbeitung anfängt, um zu entscheiden, ob es sich um Holz oder um Holzwaaren handelt. Dadurch wird der Gebrauch des Tarifs sehr erschwert, ja manche zusammengehörige Dinge sind in einer Weise von einander getrennt worden, die dem gesunden Menschenverstand geradezu als unberechtigt erscheinen muß. Das ist aber Alles ziemlich gleichgiltig (sehr richtig, rechts), die Hauptsache ist, daß ftüher nicht entfernt von einer Reform mit schutzzöllnerischen Tendenzen die Rede war. Erst bei der Zu­sammensetzung des wirthschaftlichen Ausschusses hat sich das ge­ändert.

In der Begründung des Entwurfes heißt es, der wirth­schaftliche Ausschuß sei unter gleichmäßiger Berücksichti­gung von Landwirthschast, Industrie und Handel berufen worden. Thatsächlich verhält sich die Sache anders, eS ist vollständig tenden­ziös verfahren worden, um einen schutzzöllnerischen Ausschuß zu schaffen. Man hat es fertig gebracht, den deutschen Handelstag, der Handel, Industrie und Schifffahrt vertritt, lediglich als eine Ver­tretung des Handels zu bezeichnen und einen privaten Verein, den Centtalverein deutscher Industrieller, der doch nur eine beschränkte Zahl von Jndusttiellen schutzzöllnerischen Charakters vertritt, als die Vertretung der gelammten deutschen Industrie cmzusehen. Ich habe verschiedene Industrielle gesprochen, die im wirthschaftlichen Ausschuß vernommen worden sind und einer hat mir das schöne Wort gesagt, wie er herausgekommen fei, habe er das Gefühl ge­habt, er sei in einer Animirkneipe für höhere Zölle gewesen. (Stür-

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Preise allein schadet nichts, wenn zugleich auch die Produktions­kosten heruntergehen; bei der Landwirthschast ist das nicht der Fall. Die Preise für landwirthschaftliche Erzeugnisse sind so ge­sunken, daß dabei kein Geld mehr verdient werden kann, und daran sind nicht die technischen und wissenschaftlichen Fortschritte schuld, sondern die wachsende Konkurrenz des Aus­

landes. Tas gaben früher auch die Herren von der Linken zu, sie wollten mit sogenannten kleinen Mitteln helfen. Heute jedoch

denken sie nicht mehr daran. Eugen Richter (Heiterkeit) oder Herr Richter vergißt auch ganz, wie sehr die Preise für landwirthschaft­liche Produktionsmittel, z. B. für Kainit und Superphosphat, ge­stiegen sind. Herr Molkenbuhr sprach von niedrigen Landarbeiter­löhnen. Nun, jeder Arbeitgeber ist froh, wenn er höhere Löhne zahlen kann, und auch die Landarbeiterlöhne sind ttotzdem erheblich gestiegen. Immer nur von schlechten Löhnen und schlechten Woh­nungen auf dem Lande zu sprechen, ist leicht. Nur darf man nicht vergessen, daß die sinkenden Reinerträge es sind, die es der Land- wirthschast unmöglich machen, noch mehr zu zahlen. Der verstor­bene Herr von Siemens hat eine Berechnung aufgestellt, wonach der Neinertrag eines Hektars durch die Zölle um mindestens 52 Mk. erhöht wird. So darf man eben nicht rechnen, sondern man kann höchstens sagen, daß ohne die Zölle die Rente noch um 52 Mk. niedriger geblieben wäre. Daß das nicht eingetreten ist, ist ein Segen öer Schutzzollpolitik. Gehen die kleinen Landwirthe zu Grunde, so werden auch alle die kleinen und großen Kapitalisten geschädigt, die heute ihr Geld im Grundbesitz mit angelegt haben. Das Brod ist billiger geworden, trotz der Zölle. Dabei sind die Löhne erheblich gestiegen und von einer wachsenden Verelendung der Arbeiter kann somit nickt die Rede sein. Hohe Preise sind Zeichen einer guten Zeit. Als im letzten Jahre die Eisenpreise in die Höhe gingen, hat kein Mensch darüber geklagt, weshalb soll man denn nicht auch dem Landwirth gute Preise gönnen?

Hinsichtlich der M i n i m a l z o l l e gestehe ich ganz offen, daß ich sie ganz gern entbehren könnte, wenn aber die Regierung erklärt, daß sic kein Hinderniß für das Zustandekommen guter Handelsver­träge sein werden, so habe ich umso weniger Anlaß, mich gegen sie zu wehren, als sehr viele Volkswirthe die Festlegung einer unteren Zollgrenze für unentbehrlich halten. Deshalb ist der größte TheilmeinerFreunde bereit, auf die Festsetzung von Mini­malzöllen einzugehen. Der Vorschlag des Grafen Schwerin jedoch, der für alle landwirthschaftlicheu Produkte Minimalzölle einsehen will, geht uns zu weit. Auf die Höhe der Zölle will ich hier nicht eingehen. Ich hoffe, daß aus unserer gemeinsamen Berathung ein .. ..

Gesetz hervorgehen wird, das uns eine Weltmachtpolitik im besten zweifelhaft bin, ob einer von Ihnen schon einen tobten Esel gesehen

sc'' daß er diese Zollerhohungen verlangt habe, da sagte er: Ja, Fürsten Bismarck, der sich ganz entschieden gegen den Doppel­er 'st uns gesagt worden, wenn wir jept nicht diese Erhöhungen be- tax:if ausgesprochen hat. Er hat gesagt:Jeder, der einmal einen fommen, Mnn mürben föir auch den Zollschutz verlieren den wir Pferdehandel mitgemacht hat, wird sich während desselben hüten, haben. (Hort! hort^ links). So ist es^in einer großen Reche von einem Dritten mitzutheilen, welches Maximum des Preises er Ratten Der Staatssekretär hat gestern betont wie ge- nicht überschreiten und unter welches Minimum er nicht herunter-

sahrlich es fei, einzelne Interessenten zu Horen und er hat daraus geben will; denn sein Minimum würde da ' ' ' '

hingewiesen, es seien auch aus steisinnigen Jnteresseiitenkreisen und sein Maximum das Minimum sein." sJKinnmp nrrrh nnnprtm dnilpn Tmir nphinrnpii cxoyxo rvjr._____ . ,